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Full text of "Lichtenberg Schriften und Briefe Bd2"

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GEORG CHRISTOPH 

LICHTENBERG 

SCHRIFTEN UND BRIEFE 

Zweiter Band 

Sudelbiicher II 
Mater ialhefte, Tagebiicher 



Zweitausendeins 



Georg Christoph Lichtenberg 

Schriften und Briefe 

Herausgegeben von Wolfgang Promies 

I Erster Band: Sudelbucher I 

II Zweiter Band: Sudelbucher II, Materialhefte, Tagebucher 

K I + 11 Kommentar zu Band I und Band II 

III Dritter Band: Aufsatze, Entwiirfe, Gedichte, 

Erklarung der Hogarthischen Kupferstiche 

K II Kommentar zu Band III 

IV Vierter Band: Briefe (einschliefilich Kommentar) 



l.Auflage, April 1994. 
2. Auflage, August 1994. 
3.Auflagc, August 1994. 

4. Auflage, November 1994. 

5. Auflage, November 1994. 

Lizenzausgabe mit freundlicher Genehmigung 

des Carl HanserVerlages. 
© 1971 Carl Hanser Verlag Munchen Wien. 

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der 

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Biichern, Platten, Videos oder andcren Sachen aus der 

Zweitausendeins-Produktion bedarf in jedem Fall der schriftlichen 

Genehmigung durch die Geschaftsleitung vom 

Zweitausendeins Versand in Frankfurt. 

Herstellung der Lizenzausgabe: 

Dieter Kohler &Bernd Leber finger, Nordlingen. 

Druck: Reclam,Graphischer Bctrieb GmbH, Ditzingen. 

Einband: G.Lachenmaier, Reutlingen. 
Umsclilag: Nach einem Entwurf von Eugen O. Sporer. 

Diese Ausgabe gibt es nur bei Zweitausendeins 

im Versand (Postfach, D-60381 Frankfurt am Main) oder 

in den Zweitausendeins-Laden in Berlin, Essen, Frankfurt, Freiburg, 

Hamburg, Koln, Munchen, Niirnberg, Saarbriicken, Stuttgart. 

In der Schweiz iiber buch 2000, 
Postfach 89, CH-891 AfFoltern a. A. 

ISBN 3-86150-042-6 



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INHALTSUBERSICHT 



Sudelbucher II 

7 

Materialhefte 
565 

Tagebiicher 
595 

Zum vorliegenden Band 
860 

Nummernkonkordanz 
866 

Inhaltsverzeichnis 
869 



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A 

Erstes bis fiinftes Heft 

Vermischte wissenschaftliche Notizen 

i 765-1 770 



HEFT A 142-147 9 

Wenn zwei Flachen ad und eine ac zusammen gesetzt 
ftp c und beide z.E. Quadrate sind, die Linien zu fmden in 
Jgg&k denen das Auge liegen muB, wenn es die beiden Flachen 
gleich groB sehen soil, sind die beiden Quadrate gleich 
groB, so wird dieses allzeit erfolgen, wenn sich das Auge in der- 
jenigen Flache befindet, die den Winkel, den die beiden mit ein- 
ander machen halbiert. 1st aber das eine groBer, als das andere, oder 
das eine ein Rectangulum, so wird die Linie krumm werden und 
zwar gar von einer doppelten Krummung, diese Krummung wird 
verschiedene Gestalten bekommen, nachdem sich die Vorausset- 
zung andert zum Ex. die beiden Quadrate immer so zu sehen, daB 
sich die Flache des einen zu der Flache des andern verhalt wie 2 : 3 
usw. [ I43 ] 

Das Wort Auer muB so viel als wild bedeuten Z.E. Auer-Ochs, 
Auerhahn, vielleicht lieBe sich etwas auf die Namen Auerbach, 
Auerstedt schlieBen. [143] 



Wenn jemand der den Grund davon nicht anzugeben wiiBte auf 
einmal ubersehn konnte, wie alle unsere Kirchen senkrecht auf der 
Richtung der Magnet-Nadel stehen, so wiirde er vielleicht auf 
artige Hypothesen verfallen. [144] 

SON (Sonne) ist eine Sonne zwischen einem S (: Sud) und einem 
N(:Nord). MON (:Mond) ist ein Mond zwischen einem M 
(:Mittag und einem N (Norden). [145] 

Wenn a ein leuchtender Punkt b ein Auge und cd 
ein sehr diinner zylindrischer Spiegel ist, die krumme 
Linie zu bestimmen, die das Licht im Spiegel dem 
I $ Au B e zu beschreiben scheint, wenn cd sehr schnell 

um den Mittelpunkt d oder c gedrehet wird. Es ist 
aber nicht notig allemal diese 3 Stucke in einer Flache anzunehmen. 

[146] 

Wenn an einem Winkelhake [n] abc ein Gewicht d herunter hangt 
und die Stange ab gedreht wird, so hebt sich das Gewicht d und 
kommt in die Lage m; wird die Bewegung starker, so steigt es in 




A 



10 SUDELBUCHER 

* n usw. bis es endlich bei der starksten Bewegung so zu 
liegen kommt, daB es in die Verlangerung von ca fallt. 
Vielleicht konnte aus diesen Winkeln nca; mca; dca ein 
MaB der Geschwindigkeit von ab hergeleitet werden. 
£ *% [147] 

In theoria de angulo contactus ego hoc semper 

. pro Peletario pugnare existimavi, quod omnes 

^^^ circuli ad radios suos sint perpendiculares, si 

5 itaque plures circuli rectam in eodem puncto 
contingunt omnes anguli sunt inter se aequales, 
f nam omnium circulorum elementa a coincidunt, 

et si de angulo contactus sermo est nullum respectum habere debe- 
mus ad directiones elementorum a radio AD distantium. Etenim in 
fig. II nemo negabit omnia Pentagona B ad 
angulum 72 graduum lineae AD insistere. In 
contactu circulorum CB = ^. Et in his Pen- 
tagons quoque, nulla poterit recta poni, quae 
cum CB coincid[it], nisi CB ipsa, omnes 
aliae secabunt CB, utpote quod in circulo 
locum habet. [148] 

Sit x quantitas variabilis, et si porro 00 = 00 erit 00 -f- x — 00 
hinc x — 00 — 00, aut vero^- =1 — 1. Illud vero est vel dici 
solet nihilum respectivum hoc autem absolutum. E[rgo] utrumque 
unum idemque. Nescio (inquit Cel. Kraftius Diss: de infinito math: 
p. 20) sane quid responderi ad hoc argumentum possit. Responsio 
vero non adeo, credo, difficilis est, si consideramus sub notione 
nihili respectivi latere istam absoluti, et quantitatem finitam 
respectu infinitae considerare tanquam nihil absolutum dicitur ilia 
quantitas finita nihil respectivum. [149] 

Die Schattierung der krummen Figuren kann mit vielem Vor- 
teil der Analysis unterworfen werden. Wenn die Strahlen parallel 
einfallen, kurz Sonnenstrahlen sind so fallt auf ab be, bd, be gleich 
* viel Licht, und wenn das einfallende Licht gleich 
ist, die Flachen aber ungleich so verhalten sich 
b^ die Grade der Helle auf den Flachen verkehrt 




53 



HEFT A 147-155 II 

wie die Flachen, wenn nun ab weiB gelassen, das ist mit klarem 
Wasser angelegt wird, so gibt ex, dS, ee das Verhaltnis des Zusatzes 
von Dusch welcher untergemischt werden muB um die Linie 
cb, db, eb, anzulegen. Die Anwendung auf die krummen Linien 
muB eben so gemacht werden, als wie die schiefe Flache bei den 
isochronispp [150] 

Zusatz zu dem letzten § aufder v other gehenden Seite 
Diese Theorie vom Schatten, so wenig sie auch anfangs den 
Malern niitzlich scheinen mag, kann vielleicht vieles von den namen- 
losen Schonheiten aufklaren, die wir so oft an Meisterstiicken be- 
merken, denn diese sind oft nichts als Naherungen zu der einen 
Wahrheit, die wir nicht bestimmen konnen, aber dennoch allzeit 
merken, wenn sie nicht erreicht ist. [151] 




Wenn bei dem Wiirfel das Sonnen-Licht nach 
der Diagonale cd mit der Seite cd parallel ein- 
fallt, so wird A und B gleich stark erleuchtet, 
allein B muB heller angelegt werden, weil dem 
Auge die Flache kleiner scheint als die A, aber 
einerlei Menge Licht, die kleinere Flache ohnstreitig mehr er- 
leuchtet [152] 

Jeder mathematische Korper ist ein eigentlicher Spiegel [153] 

c Ein Zylinder ab der bei m nach der Rich- 

tung dc fort gestoBen wird nachdem seine 
Hohe ein gewisses Verhaltnis zu seiner Breite 
hat [wird] entweder umfallen oder auf der 
Flache fort rutschen man sieht leicht, daB er bei einer GroBe und 
Dicke bald fallen oder rutschen wird nachdem seine Schwere oder 
die Flache sich verandert hieraus lieBe sich die Friktion der Korper 
bestimmen. [154] 




a sei ein leuchtender Punkt cd eine 
horizontale Flache die Linie zu finden, die 
der Punkt b beschreiben muB, damit die 

Geschwindigkeit seines Schattens so ab- 



12 SUDELBUCHER 

nimmt, wie seine eigene zunimmt, man sieht leicht, daB einer 
von den Strahlen die Asymptote der krummen Linie werden wird. 

[i55] 

Es gibt viele Verhaltnisse in der Natur die nicht arithmetische und 
nicht geometrische sind, und die uns daher schwer werden anzu- 
geben vielleicht konnten wir, wenn wir einige aufgesucht hatten, 
andere darauf reduzieren, und so wie man heutzutage sagt der 
Korper hat die Geschwindigkeit die [er] haben wiirde wenn er 
5 FuB hoch fiele und hernach sich gleichformig bewegte, so konnte 
man sagen, ein gewisser Korper laBt sich mit immer gleichformig 
vermehrten Kraften so zusammen driicken, daB sich die Raume in 
die er komprimiert wird so verhalten, als wie die Zahlen welche 
ausdrucken wie die Friktion zunimmt, bei einem gewissen Korper, 
wenn der andere der ihn reibt immer gleichformig beschweret 
wird. [156] 

Der abacus pythagoricus ist eine artige sinnliche Vorstellung 
unserer Vemunftschlusse. Wir sprechen z.E.: in dieser perpendi- 
kularen Reihe liegen alle Vielfache der Zahl 5, nun aber liegen in 
dieser Horizontal-Reihe das 6fache aller ZifFern von 1-9 also ist 
das 6fache der 5 da wo sich diese beiden Reihen einander durch- 
kreuzen. Dieses ist die einfachste Zeichnung von der Vergleichung 
unserer Ideen. Und es wiirde eine Nachahmung dieser Einrich- 
tung in andern Wissenschaft[en] sehr niatzlich sein, wenn wir hier 
Grade bestimmen konnten, die nicht die Ausdehnung voraussetzen. 

[157] 

Den Grund anzugeben von den wunderbaren Empfindungen die 
verschiedene Leute verspiiren, wenn sie sehen daB man mit einem 
scharfen Messer tode Kohlen schneidet, oder Kohlen kauet, oder 
mit einem scharfen Messer an einem rauhen Stein zu schneiden an- 
fangt. [158] 

Wir sind gewohnt uns des Anhang -Worts tnal z.E. 5mal 
looomal pp immer bei einer Vermehrung zu bedienen, dieses hat 
verschiedene Leute, denen ich die Rechnungen mit Bruchen er- 
klarte, auf ganz wunderbare Gedanken gebracht als wenn namlich 



HEFT A 155-164 



13 




unmoglich Satze die von der Multiplikation sind erwiesen worden, 
unmoglich von der Multiplikation in Briichen gelten konnten; ein 
artiger EinfluB einer Sprache auf die Meinung. [159] 

Datur quodammodo generatio linearum univoca et aequivoca. 

[160] 

Wenn die Lage einer schweren Linie ab 
gegeben ist, und hernach auch ihre Lage cd, 
so laBt sich daraus der Punkt in der Linie ab 
wo die Kraft muB angebracht gewesen sein 
um die Linie ab in die Lage cd zu bringen und die Richtung der 
Kraft finden. Ich setze voraus, daB die Linie ganz frei liegt. Gesetzt 
sie sei bei m angebracht gewesen und habe nach der Richtung mn 
gewiirkt, so hatte sie konnen in diese Lage kommen, jeder Punkt 
hatte alsdenn eine krumme Linie beschrieben, die gewiB kein 
Zirkel war. Auf diese Art konnten vielerlei krumme Linien .be- 
schrieben werden. [kSx] 

V( Bei dem Werfen der Steine mit gleichen Kraften wird die 
Y Weite des Wurf [s] ein maximum wenn der Stein zunimmt 
und immer rund genommen wird, hat man nun die gehorige 
GroBe gefunden, und fragt jetzo noch welche Gestalt die 
beste ist so wird sein Gewicht wieder als bestandig ange- 
nommen, welches vorher veranderlich war, das ist es gibt 
hier ein ddx hat man die beste Gestalt, so ist sie vielleicht fur die 
Hand nicht die beste, hier kann es wieder unter vielen guten eine 
beste geben. ^62] 



r P^ 



Wenn die Lage etlicher Linien ab, cd, 

ef, gh gegen sich selbst und gegen MN 

gegeben ist den Punkt auf der Linie MN 

^ zu finden, wo die Winkel amb, cmd, 

-,/Yemf, gmh die groBte Summe ausmachen. 

[163] 

Wenn wir mit dem Gesicht von der GroBe eines entfernten 
Gegenstandes urteilen, so begehen wir einen Fehler gegen die Satze 
der praktischen Geometrie, wir schlieBen aus dem gegebenen 



A- 



hx. 



14 SUPELBUCHER 



a Winkel a c b auf die Seite des Triangels a b, ist 

/ \^^ uns auch diese bekannt so messen wir die Ent- 

^■^^ fernung a c, also aus zweien datis wollen wir den 

A finden, dieses wiirde unendlichen Fehlern unterworfen sein, 
wenn wir weiter nichts hatten, allein die Undeutlichkeit des Ge- 
genstandes gibt uns etwas von der Weite oder da wir bei diesen 
Aufgaben allzeit einen von den iibrigen Winkeln fur einen rechten 
annehmen, so wird unser Urteil in so fern richtig, aber nur wahr- 
scheinlich, weil auBer dem Sehungs-Winkel, alle iibrige data nur 
wahrscheinlich sind. [164] 

Wenn Leute etwas Schweres an dem einen Arm 

tragen, so pflegen sie den andern gradaus zu strecken, 

•i \ bx um das Moment bei einer geringeren Biegung des 

) \ Korpers dennoch zu verstarken. [165] 



Herr Euler sagt Mem[oires]. de Berlin T. XL p. 303 wo er vom 
Auge handelt, daB sich die Krummung[en],diedurchsichtigeK6r- 
per begrenzen mussen, wenn sie alle Strahlen, von verschiedener 
Refrangibilitat in einem Punkt bei einer groBen Offnung vereini- 
gen sollen sich nicht durch alle Krafte der tiefsten Geometrie fin- 
den, geschweige gar bei wiirklichen Korpern anwenden lieBefn]. 
Ware wiirklich eine solche Linie im Auge, sollte sie nicht durch 
die heutige konnen bestimmt werden? Allein sie ist vielleicht eben 
deswegen nicht moglich die Natur bestimmt sie auf folgende Art, 
die Gestalt der brechenden Materien ist vermutlich unserem Wil- 
len unterworfen, und wir geben unwissend, diesen Materien in 
jedem Falle die schicklichsten Gestalten, oder wir geben ihnen 
verschiedene so schnell auf einander, daB gleichsam die Oberflache 
in eine zitternde Bewegung gerat, die uns die Unrichtigkeiten, die 
aus der verschiedenen Farben-Brechung entstehen nicht empfinden 
. laBt. Uberhaupt wenn AB eine Linse ware c der Punkt, 

A^w^j wo sich der violette Strahl vereinigt d, wo die roten so 
Sf**^ wiirden wir, wenn wir der Linse eine zitternde Bewe- 
gung geben konnten, so daB sie beinah zu gleicher [Zeit] 
an zwei Stellen ware, die so weit als c und d von einander lagen, 
so wiirden wir diesen Fehler der aus der Farben-Brechung entspringt 



HEFT A 164-171 



15 



nicht merken konnen, bei der Natur konnen solche kleine Schwin- 
gung[en] wohl stattfinden. [166] 

Die Sturme auf der See entstehen wohl schwerlich allein vom 
Winde, der oft bei groBen Stiirmen eben nicht so heftig ist, daB er 
das Meer in eine solche Bewegung bringen konnte, sondern da die 
Erde ein groBer Schwamm ist wo Meere uber Meeren hangen, so 
brechen diese ofters durch, welches nun entweder Luft, die aus 
einer Hohle durch das eindringende Wasser ausgejagt wird, oder 
Feuer verursachen kann. Biittner [167] 

Wenn zwei Seifen-Blasen von ungleicher GroBe gegen einander 
gehen und sich an einander anschlieBen die GroBe des halben Zirkels 
zu bestimmen, der ihren gemeinschaftlichen Durchschnitt abgibt. 

[168] 

<Wenn man versuchen will mit welchem Auge man eigentlich 
sieht, wenn man sie alle beide ofFen hat, so hange man nur ein Ge- 
wicht an einem Bindfaden auf und visiere mit einem Aug darnach 
und sehe was der Faden nun an der Wand fur Punkte bedeckt her- 
nach tue man beide Augen auf deckt er noch die namlichen, so war 
das vorher allein offene Auge das regierende Auge, wo nicht, so 
war es das verschlossene.) [169] 

Philosophi dum naturam phaenomenorum explicare student, et 
ex percussione, attractione adhaesione explicant, nihil aliud agunt 
quam causas sensibus quodammodo accomodant, uti Mechanus 
vires et celeritates lineis repraesentat, minime sibi persuadens has 
lineas esse celeritates, sed tantum esse in ratione celeritatum, ita 
vires in natura possunt ita esse comparata[e] ut illarum effectus sit 
semper similis efFectui, quern edit percussio, ita fortasse posset 
animi vires mensurari, quum tanquam percussio spectarentur, 
quanquam similitudo causarum sit tantum in effectibus sita. [170] 

Heinrich des Vierten groBer Geist leuchtet auch aus der Gelas- 
senheit hervor mit der er sich die Wahrheit sagen lieB. Sully sein 
Minister zerriB ihm einen Heurats-Kontrakt den [der] groBe 
Konig mit seiner Maitresse geschlossen hatte vor den Augen. 



l6 SUDELBUCHER 

D'Aubigne sagte wider ihn: gehen Sie fleiBiger in Ihren geheimen 
Rat, wenden Sie mehr Stunden auf ernsthafte Sachen, um endlich 
Ihren Schwachheiten Herr zu werden, die Ihnen so wenig Ehre 
machen. Herr von Moser fragt billig hierbei (Reliquien p. 278) 
welcher Graf wiirde sich dieses heutzutage sagen lassen. [171] 

Herr Dominico Brogiani bestatigt von den Taranteln, was Serao 
berichtet. Was man ihnen zugeschrieben hat ist eine Art einer den 
Apuliern eignen Schwermut. Vid. Dominici Brogiani Tract, de 
Veneno animantium naturali et acquisito Florent. 1752. Vogels 
Med. Biblioth. Tom. III. p. 321. Und auch das was von Anfang 
dieses Buchs gesagt ist. [172] 

Die Uhr die Herr Mogelin ein Freund des Schwenters dem letz- 
teren angab, und die er in sein[en] Mathfematischen]. Erquickstun- 
den im achten Teil in der 26!^? Aufgabe beschreibt, wo das Gewicht 
ein Schiisselgen ist, das in einem GefaB mit Wasser steht, und so 
wie das Wasser sinkt, herunter gezogen wird, diese Uhr konnte in 
andern Dingen ihren Nutzen haben. [173] 

Es ist den untheoretischen Baumeistern zu verzeihen, wenn sie 
noch die hintere Wand der Kamine parabolisch auszuhohlen be- 
fehlen, damit die Warme grad in das Zimmer geworfen werde, 
da der groBe Boerhaave (Elfementa]. Chem[iae]. T. i.P.2. pag. 
893) in einen alinlichen Fehler verfallen ist, da er einen Schmelz- 
Ofen von einer parabolisch konoidischen Gestalt vorschlagt. Bren- 
del in seinem vortrefflichen Programm zu der Richterischen 
Disputation de insolatione, welches den Titel hat Dubia nonnulla 
de instrumentis quibusdam Boerhavianis chemicis tadelt ihn des- 
wegen mit Recht, denn es kann unmoglich von nahen Kohlen gel- 
ten, was von der unendlich weiten Sonne erwiesen wird. [174] 

Hat man wohl schon elektrische Versuche mit Eiern angestellt; 
die man hernach der Henne untergelegt? Mit Insekten? Eiern von 
Insekten? [175] 

Bei Messung der lebendigen Kraft [e] hat man glaube [ich] 
hauptsachlich darauf zu sehen um sich zu iiberzeugen daB Cartesius 



HEFT A 171-180 



17 



MaB nicht bei einer beschleunigenden Bewegung statt finden kann. 
Eine zunehmende Geschwindigkeit laBt sich in jedem dt mit einer 
gleichformigen vergleichen, und man sollte glauben es gelte also 
in dem Augenblick, da der beschleunigt bewegte Korper wtirkt von 
seiner Wurkung, was von dem einformig bewegten gilt, der Erste 
Korper heiBe A der andere B indem A mit einer Geschwindigkeit 
c anstoBt so stoBt B ebenfalls mit c an, allein mit dem Unterschied 
daB die erste Geschwindigkeit eben wollte c und dc werden, und 
die andere, nur bloB c war, dieser Unterschied ist, glaube ich, not- 
wendig zu machen. [176] 

Wtirde man wohl eine Warme verspiiren wenn man das Licht 
des Blitzes mit einem groBen Brennspiegel auffinge? [177] 

Wir kennen noch nicht genugsam die Natur aufgeloster Flui- 
dorum in der Luft, aufgelostes Wasser kann ganz andere Wurkun- 
gen tun, als das vollstandige, vielleicht nehmen sie alle etwas von 
dem menstruo an. [178] 

Ein Korper falltin einer Sek[unde] durch 15,625 Rheinlandische 
FuB = S jeder andere Raum durch [den] ein Korper fallt ist 
= S-t 2 (Kastoer.Mech[anik].p.22). Der Schall bewegt sich in 
einer 1 Sek: durch 1038 Pariser = 1147 Rheinl. FuB = a gleich- 
formig, setzt man also St 2 = at das ist t — ^ so ist t die Zeit in wel- 
cher der fallende Korper und der Schall einerlei Raum zuriicklegen 
es werden ohngefahr 73,40 Sekunden sein, in welchen der Korper 
uber 83731 Rheinlandische FuB zuriicklegt. Ware also ein Berg 
so hoch und man lieBe durch eine fallende gliihende Kugel eine 
Mine im Tal in Brand stecken, so bliebe der Knall eben so lange aus, 
als die Kugel Zeit brauchte hinunter zu kommen. [179] 



Vielleicht kommen auf dem Boden des Meeres wieder vier- 
fuBige Tiere ohne FloBfedern [vor], die nicht schwimmen konnen, 
die aber nicht herauf kommen am Ufer weil dieses ihre Berge sind 
die Ihnen so wenig zum Aufenthalt dienen als uns die gar zu dunne 
Luft des Pico ich habe im 8— 1766 ein kleines weiBes Tiergen 
wie einen Punkt groB in einem Glas Wasser bemerkt, dieses 
schwamm nicht, sonder[n] lief mit unglaublicher Geschwindigkeit 



18 SUDELBUCHER 

auf dem Boden des GefaBes hin und her zuweilen wagte es sich auch 
an den Seiten desselben herauf aber nicht weit. Dieses war vielleicht 
eines von den Hochlandern dieser Tiere, die im Wasser leben, 
ubrigens aber so wenig schwimmen konnen, als eine Sau oder ein 
Hund fliegen. t l8 °] 

Die Sonne warmt sagt man; vielleicht nur unsere Erde, es ist die 
Frage ob sie andere Korper warm macht. Hieraus laBt sich einiger- 
maBen die Moglichkeit einsehen wie es auf dem Saturn und dem 
Merkur eben so sein konne als auf unserer Erde. [181] 

Unser ganzes System ist mit Sonne durchlaufen, und wir befin- 
den uns in derselben. t l82 l 

Ferrum natare docuit, qui primus in aquam fortem injecit. [183] 

Es macht gewiB den Deutschen mehr Ehre als Schande, daB die 
Geschenke fiir das heil. Grab aus Deutschland so seiten sind. (Hassel- 
quist Reise nach Palast[ina]. p. 162. deutsch[e] Ubersetz[ung]). 

[184] 

Ibid: p. 147. Im gelobten Lande wird sogar der Ort gezeigt wo 
der barmherzige Samariter dem Ungliicklichen Ol in die Wunden 
goB, ohnerachtet die ganze Geschichte nur ein Gleichnus ist. [185] 

Herr Beccaria in s[einem] schonen Buch dei Delitti e delle pene. 
sagt im Kap. vom Selbstmord. Dove i confini di un paese si aumen- 
tano in maggior ragione, che non la popolazione di esso, ivi il 
lusso favorisce il despotismo, si perche quanto gli uomini sono piu 
rari tanto e minore Tindustria; e quanto e minore Tindustria, e tanto 
piu grande la dipendenza della poverta dal fasto, ed e tanto piu 
difficile e men temuta la reunione degli oppressi contro li oppressori. 
Wenn also D den Despotism p die Volkreichigkeit L die GroBe des 
Landes bedeutet, so wird sich D verhalten wie ^ das ist D = A p 
sein, wo A den bestimmten Zustand eines Landes bedeutet. Wird 
p s o so wird der Despotismus unendlich, das heiBt wenn ich allein 
in einem Land bin so kann ich anfangen was ich will und wird 
L = o so wird die Unterwiirfigkeit unendlich. Dieses ist eine Glei- 
chung fiir den Bettelstand. [ l86 l 



HEFT A 180-194 



19 



Das Mikroskop vergroBert, die Aachen (Linien), laBt die Winkel 
ungeandert, und verkleinert die Kriimmungen. [187] 

Man konnte 5 Personen so stellen daB der erste u der zweite o 
und so weiter i, e, a aussprachen und danach ein sechster a, e, i, o, u 
sagenhorte. [188] 

Eine Zahl die unter den Ziffern womit sie geschrieben ist, die 
groBtmoglichste ist umgekehrt gelesen die kleinstmoglichste. [189] 

Regen, der aus den Wolken fallt [be]kommt eine Geschwindig- 
keit in welcher er [von] der Luft zerteilt wird. Da nun vermutlich 
die Zerteilung ohne eine augenblickliche Ruhe nicht vorgehet, so 
ereignet sich hier etwas Ahnliches wie mit den Pendel-Uhren, die 
Beschleunigung wird wieder aufgehoben, und kann also niemals 
sehr groB werden. [190] 

Wenn man die Gleichung fiir eine krumme Linie mit der Vor- 
stellung zusammen halt, daB Linien durch Bewegungen von Punk- 
ten beschrieben werden, so laBt sich die Gleichung als die bestimmte 
Krafte eines Punkts, wie eines Tiers betrachten, die in inn gelegt 
sind und vermoge welcher er bald (wie der Ameisenfresser seine 
Spiralen) Zirkel bald Konchoide pp. beschreibt. [191] 

Regen, Schnee Winde folgen so aufeinander daB wir kein ge- 
wisses Gesetz unter ihrer Folge gewahr werden konnen, Gesetze 
sind aber wieder nur von uns erdacht um uns den Begriff einer 
Sache zu erleichtern, so wie wir uns Geschlechter schaffen. [192] 



Der Phryganeen-Wurm baut sich ein Haus, welches fest an ihm 
anliegt, und ist darin am allerwenigsten maschinenmaBig, der eine 
nimmt Sand dazu, der andere Muscheln, der dritte Stiicke von 
Vegetabilien und zeigt also darin wenigstens mehr Oberlegung, als 
der feinste Vogel. [193] 

Es ist noch vieles in der Verwandtschaft der Magnet [ischen]. 
Kraft mit der Elektrizitat zu untersuchen, ob nicht der Magnet 
unter gewissen Verstarkungen seiner Kraft leuchtet, und wie er 



20 SUDELBUCHER 

sich verhalt, wenn er elektrisiert wird. Und in wie weit es mit dem 
Verbrennlichen in Verbindung steht, der Magnet ziehet das Eisen 
nicht mehr, so bald dem letzteren sein Verbrennliches entzogen 
worden ist, und eben dieses Verbrennliche findet sich im Bernstein 
und ist vielleicht der Grund seiner elektrischen Eigenschaften. Dieses 
sind lauter gegebene Punkte die aber die wahre Beschaffenheit 
noch nicht bestimmen. [194] 



Vielleicht haben alle Korper einen Dunstkreis um sich herum, 
worin sich das was uns die Empfmdung des Geruchs beibringt be- 
wegt, und hat so zu sagen Geruchs-Pole; die AusdCinstungen stei- 
gen auf eine gewisse Hohe von ihm und fallen alsdenn wieder in 
ihn hinein wie die Wolken auf unsere Erde. Wenn der Gestank 
manches Insektes leuchtete so wurden wir unzahlige kleine Kometen 
schwarmen sehen. Die Kraft die unsere Erde hat Korper an sich zu 
Ziehen ist eine Kraft die aus den besonderen Kraften, aller Teile zu- 
sammen gesetzt ist. [195] 

Wenn ich Holz und Eisen anfuhle und es mir gleich warm vor- 
kommt, so verhalt sich ihre absolute Warme verkehrt wie ihre 
Dichtigkeit, das heifit des Holzes absolute Warme ist groBer, eben 
so ist es mit unsrer Empfmdung von den Farben Gelb und Blau mit 
einander gemischt riihrt unsere retinam auf eine sehr verschiedene 
Art wir finden aber gleichsam durch eine besondere Art von Rech- 
nung ein Mittel der Empfindung und sehen [daB] ein Korper der 
einerlei Farbe hatte aber bei gleichformigen Schwingungen eben 
die Wiirkung tun wiirde, die Blau und Gelb durcheinander mit 
unter sich vermischten unahnlichen Schwingungen tun. [196] 

In Gottingen gab es vor einiger Zeit eine Familie Hiihner, die 
alle Vier FiiBe hatten. An einem derselben, welches Herr Prof. 
Buttner in Spiritu vini hatte sahe ich, daB die zwei Vorder-FiiBe start 
der Fliigel herausgewachsen waren, und daB ihnen die Fliigel ganz 
fehlten. Ein Beweis daB das Feder-Vieh mit unter die 4fiiBigen 
Tiere gehort nur mit dem Unterschied, daB sie zwei FtiBe fur die 
Luft bekommen haben, so wie man die FiiBe der Ganse Wasser- 
Fliigel nennen konnte. [197] 



HEFT A 194-203 



VermutHch haben den Archimedes seine hydrostatischen Ver- 
suche die er mit dem Kegel, der Kugel und dem Zylinder anstellte 
auf den Beweis des bekannten Verhaltnisses geleitet. [198] 

In Kassel hat man einen neuen fond gefunden Soldaten zu halten, 
man gibt ihnen taglich 3 kr und dabei diirfen sie dennoch nicht ar- 
beiten, sie hangen [sich] deswegen alle an die Aufwarterinnen in der 
Stadt, welche aus ihren oder ihrer Herrschaften Beuteln den Solda- 
ten Hiilfe verschafFen und so kommen sie ganz gut fort. Ein neuer 
politischer Griff. [199] 

Wenn ein Schacht durch den Mittelpunkt der Erde getrieben 
wiirde, so wiirde man ohne Hindernis hinein springen konnen, wenn 
sonst die Luft einen nicht todete am Mittelpunkt der Erde wiirde 
man eine Geschwindigkeit haben mit der man wieder bis an die 
andere OfFnung des Schachts fiele und ganz gemachlich ankame. 

[200] 

Was fur eine Bewegung wiirde ein Planet machen wenn der an- 
ziehende Mittelpunkt nach einem gewissen Gesetz seine Lage 
anderte? [201] 

Die krumme Linie welche die Insekten oft urn unsere Lampen 
beschreiben wird durch die 2 zwei zusammen gesetzten Bewegun- 
gen beschrieben, vermoge welchen das Insekt die allzu groBe Hitze 
fliehen und die gemaBigte Warme suchen will, die erste triebe sie 
nach der Tangente, wenn nicht die zweite sie dem Mittelpunkt 
naherte. [202] 

Wenn wir einen Punkt und eine Linie auf ein weiBes Papier zeich- 
nen und uns alsdann davon entfernen, so verliert unser Auge eher 
den Punkt, als die Linie, ohneracht, well hier von materiellen 
Punkten die Rede ist, die Linie, als eine Menge aneinander gelegten 
Punkte angesehen werden kann, und also zu gleicher Zeit mit dem 
Punkt verschwinden miiBte. Es ist der namliche Grund, warum man 
drei Hammerschlage die in der Nachbarschaft geschehen nicht so 
leicht uberhort, als einen einzigen, namlich die Wahrscheinlichkeit 
ihn zu iiberhoren nimmt ab, wenn die Menge der Schlage zunimmt, 



SUDELBUCHER 



wir sehen den Punkt wiirklich allein die andern neben ihm liegende 
Punkte geben uns erst den Ort an, wo die andern stenen, U nd die 
Wahrscheinlichkeit ihn nicht zu iiberhoren wird groBer. [203] 

Ein ins Unendliche teilbarer Korper wird unendlich viele Teile 
haben, und die Dichtigkeiten verschiedener Korper mit einander 
verglichen konnten uns vielleicht vermittelst der Integral-Rech- 
nung auf das Gewicht eines solchen Korpers fiihren. [204] 

Wenn ich durch ein Konvex-Glas dessen Focus nicht uber 6 Zoll 
oder etliche ist in einer Entfernung von etlichen Schritten ein Licht 
mit einem beinah geschlossenen Auge betrachte, so sehe ich das 
Licht wohl iofach neben einander. Warum. [205] 

Es kann vielleicht eine durchsichtig machende Materie in der 
Welt sein, die sich in die verschiedenen Korper zieht und die 
Schwingungen des Lichts annimmt und fortpflanzt. [206] 

Die Form und Richtung unserer Balken-Einzapfung wird erst 
recht gnau bestimmt werden wenn man den Druck derBalken durch 
die Vorschriften der hoheren Mechanik wird bestimmt haben. 

[207] 

Die Gestalt der Verzapfung bei dem magischen doppelten Kreuz, 
welche wiirklich eine feine Erfindung ist, kann auf unzahlige Art 
variieret werden. Wenn man nur, statt daB bei den gewohnlichen, 
alle Ausschnitte multipla von dem vierten Teil eines Wurfels sind 
dessen Seite der Dicke der Stabe gleich ist, multipla von x /8 usw. 
nimmt. Wenn man die Ausschnitte negativ und was von Holz unter 
denselben ist positiv setzt, so muB jeder Stab einander gleich sein. 
Es wird dadurch endlich so schwer konnen gemacht werden, daB 
es wiirklich verbrechen heiBt, ein solches Ding auseinander[zu]- 
nehmen. Denn alle Verbrechung oder ZerreiBen lauft dahinaus 
etwas so auseinander[zu]nehmen, daB wir die Verbindung der 
Teile nicht mehr finden konnen, die auch desto versteckter wird, 
da keine Verbrechung ohne eine Spannung vorgeht wo die elastische 
Fibern, die plotzlich los gelassen werden sich in sich selbst zuriick- 
Ziehen. [208] 




HEFT A 203-212 23 

Sollten nicht, so wie die Luft uns einen Sinn unterhalt, andere 
Korper andern Tieren Sinnen unterhalten, bose FiiBe hauptsachlich 
wenn sie durch die Kalte gelitten haben, geben uns oft nicht un- 
deutlich eine noch entfernte Witterung zu erkennen, so wie das Ohr 
einen entfernten SchuB, auch die Haare der Insekten konnen Sinnen- 
Werkzeuge sein, das Gewebe, ihre Schalen. [209] 

Ein Schneider, der einen Lappen anflickt bringt viele Regeln die 
bei den hoheren Gleichungen vorkommen in Ausubung, er weiB, 
daB allemal zwei Wurzeln zugleich unmoglich werden und daB die 
Faden nur so konnen durchreiBen, daB die Locher paar weis konnen 
zusammen reiBen. [210] 

Diese Linie ist vermutlkh die Zykhis weil dieses 

die brachystochronae ist. 
~~fc Wenn ein Vogel von a nach b in der Hohe flie- 

gen will so wird er niemals in der punktierten 
Linie fliegen, sondern in der krummen acb. Denn wenn sie auf der 
Flucht begrirFen sind, so entfernen sie sich am geschwindesten, 
wenn sie nach ac zu fliegen und hernach sich auf einmal heben, 
allein sie heben sich doch von Anfang auch gleich ein wenig, und 
diese Linie wird der beste Weg, wenn man sich gerne schnell ent- 
fernen, und doch auch in die Hohe will, und wird auf ihm die 
wenigste Zeit zugebracht, weil der horizontale Flug dem Vogel 
leichter ist als jeder andere, der ihn hebt. Eben dieses habe ich 
bemerkt, wenn sie zu einem etwas entfernten Ort sich herablassen 
wollen. [211] 

Wenn auf einer unbegrenzten Ebene lauter 
,-$ gleiche und ahnliche Parallelogramme gezeich- 
net werden, und eine Linie AB von einem Win- 
kel-Punkt A an willkurlich geleget ist, DE und 
DC sind gegeben, man soil fuiden wann sie wie- 
der durch einen Winkel-Punkt geht. 
Ist §§ = m = einer ganzen Zahl so ist wenn AB — m • AC 
ist bei B ein Winkel-Punkt. Ferner n sei eine ganze Zahl und SS 
ein uneigentlicher Bruch der sich nicht auf eine ganze Zahl bringen 
laBt so wird wenn nDC = mDE, n • AC auf AB genommen wie- 





24 SUDELBUCHER 

der einen Durchschnitt geben. 1st aber DC : DE = i : ]fz so kann 
I ■ n niemals = m)/2 werden, weil m ]/i niemals eine ganze Zahl 
werden kann, deswegen kann auf diese Art eine Linie gezogen 
werden, die mehrmals durch einen Winkelpunkt 
gehet, da nun eine Linie spater auf einen Winkel- 
Al^Lf. )(,~ Punkt antrifft so konnte man dadurch die Kon- 
l\b» b sonanzen und Dissonanzen ausdriicken. Diese 

konnten durch einen MaBstab AC vorgestellt werden. [212] 

Die Zyklois ab ist eine Brachystochronae namlich ein Korper 
kann nicht geschwinder von a nach b kommen, 
als wenn er diesen Weg geht. Wenn man aber 
. die Friktion dabei zu Rate zieht, so wird dieses 
' * wohl nicht mehr statt finden. [213] 

Alle objecta werden durch das Mikroskop vergroBert, aber kein 
Winkel kann dadurch vergroBert werden. [214] 

Vermutlich ist das Mineral-Reich die Vorratskammer, aus dem 
vermittelst der in der Natur liegenden Kraften, menschliche Korper, 
Pflanzen und Samen bearbeitet werden. Es mussen lockre, zahe und 
feste da sein, die lockeren nutzen sich in groBen Stiicken ab, da holt 
die Natur Materialien, wenn sie groBe Stiicke braucht, von Metal- 
len, wenn sie kleine Teile braucht, diese nutzen sich durch Auf- 
losungen ab. Ich habe von einem Mann gehort (Herrn Juchart 
in GieBen.) der den elfenbeinernen Knopf an seinem Spazier- 
Stock so abgenutzt hatte, daB das Holz des Stocks hervor kam. 
Die Schwere, Winde die Sauren sind so zu reden, die Stampf- 
Maschine durch die der StofF bearbeitet wird. [215] 

Den $£2 Nov. 1769 
Wir werden in den Sonnenstaubgen, so wenig regelmaBige Be- 
wegung und in der Lage der Sandkorner so wenig Ordnung ge- 
wahr, weil der Krafte, durch welche ihre Lage und Bewegung be- 
stimmt werden, so sehr viele sind; wiirden einige gehindert so 
wiirde ihre Bewegung regelmaBiger werden. Das Wasser ist sehr 
geschickt von gewissen Teilen die Wiirkung der Schwere abzu- 
halten, dadurch wird vielleicht das AnschieBen der Salze befordert. 
Die Veranderungen der Korper gehen meistens in Fluidis vor, 



HEFT A 212-220 25 

vielleicht weil ihre sehr homogene Form schon selbst ein Zeichen 
ist daB nur wenige Gesetze auf sie wurken oder daB sie die Wiir- 
kung mehrerer leicht ausschlieBen. In der Luft formieren sich kleine 
Strange von Staub, dieses ist die simpelste Art von AnschieBen an 
sich noch grober Teile. Eine heftige Bewegung, wie die von der 
Luft ist nicht leicht zu etwas Besserem aufgelegt, als die Teile in 
Strange zu bringen. Wir bedienen uns schon bei unsern Beobach- 
tungen der fliissigen Materien um die Sachen in eine regelmaBige 
Lage zu bringen. Das Netzhautgen wird am besten in Wasser ge- 
sehen. [216] 

Es ware der Miihe wert zu versuchen was das AnschieBen der 
Salze fur eine Veranderung leidet, wenn man die Solution elektri- 
siert, und Schlage dadurch gehen laBt, auch wie die sehr sichtbaren 
Bewegungen des anschieBenden Salzes unter dem Microscopic 
dadurch verandert werden. [217] 

Ich bin gar nicht abgeneigt zu glauben, daB die Menschen mit 
der Zeit konnen fliegen lernen. Junge Kinder miissen aber dazu ge- 
wohnt werden, dabei miiBte eine eiserne Stange den Rticken her- 
auf iiber den Kopf weggehen, um ein Geg[enge]wicht anzubrin- 
gen damit der Mittelpunkt der Schwere zwischen die Arme fiele, 
diese Stange konnte auch zur Befestigung der Fliigel dienen. An 
der Stange, just dem Schwerpunkt gegeniiber konnte ein Ring an- 
gebracht werden woran man sich bei der Ubung aufhangen konnte. 
Die Arme vom Ellenbogen an brauchte der Fliegende nicht. [218] 

In dem Seewasser kann sich, unter gewissen Umstanden, ein 
schwereres Wasser prazipitieren und eine Art von Regen im 
Wasser verursachen welches manche Tiere notigt heraus zu kom- 
men, wie die Seehunde kurz vor einem Sturm tun sollen. [219] 

Den i2ten n0 v. 1769 brachte Herr Ljungberg den Gedanken auf 
die Bahn, ob man nicht vielleicht dereinst wiirde ein Mittel er- 
fmd[en,] die Bilder in der Camera obscura auf dem Papier stehen 
bleiben zu machen. Mir fiel dabei ein, daB der Bononiensische Stein 
schon das Licht einsaugt und einige Zeit erhalt. Hat man wohl Ver- 
suche angestellt ob der Bononiensische Stein, wenn er in einen 



26 SUDELBUCHER 

Blauen Strahl des Prisma gebracht wird pp diese Farbe annimmt, 
ware dieses so konnte man vielleicht Gemalde auf einige 2eit vor- 
stellen. An eben demselben Abend sahen wir auch den Kometen, 
vermutlich zum letzten Male (er wurde den 19^ 
zum letzten Mai gesehen). Er stund so wenn a der 
helle Stern im Adler b der in der Leier ist, bei 
d. Der Stern c machte einen gleichseitigen A 
mit den beiden ersten, Der Stern e stund um halb 
7 in einem Vertikal-Zirkel mit 0. [220] 



* 



Herr Baumann und Herr HofratKastner haben zusammen in Leipzig 
bei einem Spaziergang einen Mondschein am hellen Tage zwischen 
3 und 4 im Herbst gesehen, wie mir der erstere, der ein scharfes 
Gesicht hat und ihn hauptsachlich bemerkte selbst erzahlte. [221] 

Am 7[— ] Dezember 1769 sagte mir Herr Treschow aus Dront- 
heim, daB der Pater Hell der jetzo in Kopenhagen angelangt ist, 
sage daB er die wahre Ursache des Nordlichts erfunden habe. [222] 

Unsere Sinnen haben eine solche Verhaltnis zu den Dingen um 
uns, daB bei ihrer Entstehung schon das Wichtigste geschehen ist, 
ehe wir wissen, daB sie da sind, den Zustand vor dieser scheinbaren 
Entstehung hieBen die Alten a&7)<; und den andern cpo)<; auch Zsu^ 
dessen Bruder &St]<; Pluto war. vid[e] Hambfurgisches]. Magfazin], 
X. Band p. 28. [223] 

So bald wir mit unsern mikroskopischen so wohl als andern 
Beobachtungen iiberhaupt, auf besondere RegelmaBigkeiten kom- 
men, so konnen wir sicherer glauben, daB wir uns einen gewissen 
Ende nahern, als so lange uns noch Dinge verwirrt erscheinen. So 
bald vermoge der Einrichtung eines Werks kein Grund mehr da 
ist, warum dieser Teil anders soil beschaffen sein, als der andre so 
miissen sie einerlei aussehen, die sechseckigte Gestalt der Bienen- 
Zellen ist wohl das letzte was wir bei ihnen als Bienen-Hauser wahr- 
zunehmen haben, sollten wir noch weiter im Wachs eine Regel- 
maBigkeit entdecken, so ware sie vermutlich den Bienen selbst 
gleichgultig. So laBt sich bei manchen Steinen nichts mehr ent- 
decken, weil sie die Vorratshauser des Stoffs sind. [224] 



HEFT A 220-227 27 

Herr Ledermiiller (T. 1. Augenbelust[igung], p. 101) irrt 
wenn er die Nerven fiir durchsichtig erklart, weil unter dem 
Mikroskop ein heller Strich wie im Menschen-Haar erscheint, ein 
solider Zylinder konnte eben so erscheinen. [225] 

Ich sehe nicht was man fiir Ursache hat, die Diinste fiir so sehr 
elastisch zu erklaren. Es ist mir allezeit vorgekommen, als wenn 
die Luft sehr viel solcher Diinste in sich nehmen konne, von welchen 
sie so sehr zusammen gepreBt wird, daB diese Erscheinungen er- 
folgen, so wie Erbsen, diirres Holz und dergleichen so vom Wasser 
aufschwellen daB man damit Stein und Eisen zersprengen kann. 
Die erstaunliche Zusammenpressung des Holzes, die vor einer 
solchen Zerplatzung notwendig hergehen muB, kann doch nicht 
hindern, daB nicht immer neues Wasser eindringe. Sollte nicht die 
Luft, in welcher wir finden, daB das Wasser so leicht in die Hohe 
steigt, als wie in den Rohrgen des diirren Holzes, wenn ihre aus- 
dehnende Kraft zumal noch durch Warme vermehrt wird, eine 
solche Menge Diinste annehmen konnen, daB dadurch Wiirkungen 
erfolgen, die denen vom SchieBpulver, wo nicht iibertrefTen doch 
gewiB gleich sind. [226] 

Mit der Franklins [chen]. Bemerkung (Kepa<; A|xaX<9\ p. 51 seq.) 
hat vielleicht auch die Erfahrung einige Verwandtschaft, daB eine 
Flache griin und rot geschacht die Augen so blendet, daB einem 
zuweilen schwindelt. Vielleicht laBt sich Franklins Erfahrung so 
erklaren: Rot gibt den Nerven die starkste Schwingung Griin 
laBt sie am meisten in Ruhe oder fordert ein Zittern, wozu 
keine allzu starke und keine zu schwache Spannung notig ist. 
Hat mir also alles rot ausgesehen, so ist jedes andere gemeine Licht 
von den Gegenstanden ein sanfteres und muB also in dem ersten 
Augenblick uns griin vorkommen. Hingegen habe ich durch grime 
Glaser geguckt, so ist jedes andere Licht heftiger und muB von 
Anfang uns als rot vorkommen. Ich stelle mir vor, das Licht gibt 
zu gleicher Zeit den Nerven eine Spannung und alsdann die pro- 
portionierte Schwingung, vielleicht tut es das eine als Warme und 
das andere als bewegender Korper. Konnte nicht griin derjenige 
Zustand der Nerven sein, der der gemeinen Spannung gleich ist, 
und daB alle Farben die iiber griin liegen starkere unter griin schwa- 
cher[e] Spanrmngen erfordern als die gemeinen. [227] 



28 SUDELBUCHER 

Was ist Organisation? Nach Bonnet ist eine solche, wo durch die 
kleinstmogliche Anzahl der Teile, eine betrachtliche und groBe 
Wurkung entspringt, der hochste Grad der uns bekannten korper- 
lichen Vollkommenheit. [228] 

Eine Seifenblase, die angezogen wird, zum Exempel von einer 
elektrischen Rohre bekommt eine eiformige Gestalt, die lange 
Axe ist der Rohre zugekehrt, eine solche Gestalt bekommt ohnge- 
fahr der wasserigte Teil unserer Erde gegen den Mond zu; eine 
schwiinmende Insul wird sich ebenfalls mit erheben, nun aber 
korrnen wir uns vorstellen wir schwammen auf einem sehr diinnen 
Meer dessen Boden die Sonne ist. Ein Fluidum was es auch fur eines 
sein mag macht dieses Meer aus, unsere gegenwartige Entfernung 
ist der spezifischen Schwere dieses Fluidi gemaB, dieses kann nun 
von fremden anziehenden Kraften in eben diese eiformige Gestalt 
gezwungen werden, oder wenn man nicht so weit gehen will so 
denke man von dem ganzen Meer existiere nur derjenige Ring um 
welchen wir herum segeln Newtonisch oder Cartesianisch so laBt 
sich [die] Fortriickung des Aphelii daraus begreif lich machen. Es ist 
eine Flut dieses ringformigen Meeres, vielleicht gegen den Mittel- 
punkt des Zugs aller Kometen oder wenigstens der nachsten, dieser 
Mittelpunkt kann trotz einer scheinbar unregelmaBigen Lage der 
Kometen-Bahnen eine sehr regelmaBige Bewegung haben, so um 
unsere Erdbahn wie der Mond um unsere Erde. [229] 

Haller halt das Licht fiir andere Lichtteilchen penetrabel. Seine 
Griinde sind alt ich habe sie (Kepat; oc^.aA&:p. 52) angefiihrt. Es 
heben sich im Licht noch unbegreifliche Eigenschaften auf, wir 
konn[en] das unendliche Durchkreuzen der Lichtteile nicht be- 
greifen, aber so lang wir seine Subtilitat noch nicht begrifFen haben, 
so konnen wir noch immer auf sie rechnen. Man kann namlich 
seine groBe Subtilitat dartun, ohne sich auf Versuche zu berufen, 
die man fiir dessen Penetrabilitat anfuhren konnte, Multipliziert 
man seine Masse mit dem Quadrat seiner Geschwindigkeit so be- 
greift man leicht, daB der erste Faktor sehr klein sein muB, wenn 
wir den StoB nicht empfrnden sollen. Wenn sich das Licht penetriert 
so muB es nicht bei jeder Kraft angehen, sonst begreife ich das Bren- 
nen der Brennglaser und uberhaupt das Sehen eben so wenig als ich 



HEFT A 228-233 29 

esjetzobegreife. Es kame darauf an, einige Gesetze sich penetrie- 
render Korper ausfindig zu machen. [230] 

vid. p. 15 seq. Parallele Linien scheinen sich am Horizont zu 
durchkreuzen, allemal in einer endlichen und nicht gar groBen 
Entfernung, weil unser Aug unmoglich eine grade Linie sehr weit 
verlangern kann, parallele Linien, welche das Auge verlangert, fal- 
len in einer endlichen Entfernung zusammen ohne sich zu durch- 
kreuzen, dieses scheinbare Unendliche hat die Eigenschaften des 
wahren, hinter dem Durchschnittspunkt, denkt man sich dieselben 
als zusammen bleibend, weil angenommen wird der Punkt im 
Unendlichen werde wenigstens durch den in der endlichen Ent- 
fernung gedeckt. Dieses kann zuweilen sonderbare Erscheinungen 
verursachen. Zween Stabe, die nach einem und eben denselben Stern 
zu gerichtet sind, werden es einem Auge, das nahe bei einem von 
beiden steht nicht scheinen, sondern ihm vielmehr vorkommen als 
divergierten sie gegen diese Seite zu. Ein Maler, der also dieBeobach- 
tung einer Sonnenfinsternis so vorstellen wollte, daB im Vorgrund 
einige Tubi aufgestellt waren muBte die Tubos so zeichnen und 
schattieren, daB sie sich nicht in seiner Sonne durchkreuzten weil 
sich die Tubi bei einer wiirklichen Beobachtung auch nicht in der 
scheinbaren Sonne durchkreuzten (sie durchkreuzen sich aber in 
einem Punkt grade hinter diesem.). Also liegt der Punkt in welchen 
sich uns parallele Linien zu durchkreuzen scheinen doch weiter von 
uns, als das scheinbare Bild der Sonne. [231] 

Die Kohlen, die sich oben an den Lichtern ansetzen, wenn sie 
nicht geputzt werden sind eine Art von Pflanzen oder 
Schwamme, deren Nahrungssaft das Feuer ist, da so bald ihnen 
dieses fehlt so verfallen sie wieder in einen Staub und dieses um desto 
geschwinder, als ihr Wachstum auch schneller ist, als der Pflanzen 
ihrer. [232] 

Zu den p. 14 angestellten Betrachtungen fiige ich noch folgende 
hinzu. Wenn man auf freiem Felde bei Sonnen-Schein spazieren 
geht, so beobachte man den Schatten eines etwas entfernten 
Baumes oder Hauses, und verlangere die Linie vom Ende des 
Schattens durch die Spitze des Baumes, so wird sie weit unter der 



30 SUDELBUCHER 

Sonne in den Himmel einschneiden, so wenig also ein Maler, auf 
dessen Gemalde man die Sonne sehen konnte seine Schatten-Linie 
durch sei[ne] Sonne ziehen dtirfte, eben so wenig durfen sich die 
Axen der oben erwahnten Fernrohren in der Sonne durchkreuzen. 

[233] 

Wenn ich in einer Chaise fuhr so habe ich oft bemerkt, daB die 
nachsten Punkte des umher liegenden Feldes ruckwarts, hingegen 
die entfernten vorwarts zu laufen schienen, zwischen beiden war 
vermutlich ein Punkt der sich weder vor- noch ruckwarts bewegte 
sondern der seiner Entfernung wegen eben so sehr vorwarts riickte 
als ihn seine Nahe ruckwarts trieb. Auf was fur Griinden beruht die 
Bestimmung der Entfernung dieses Punkts? [234] 

Die Hyazinthen, die ich im Dez: 1769 und Jan: 1770 in Gottin- 
gen in der Stube hatte, waren alle Morgen gegen das Fenster zu 
gewachsen, so daB ich sie wieder drehen muBte urn sie wieder grad 
zu bekommen. [235] 

Erne Solution von Kiichensalz die ich beuiah ein halbes Jahr in 
der Stube stehen hatte, vertrocknete, und das Salz uberzog nicht 
allein denjenigen Teil des Glases inwendig, der nie von der Salz- 
Solution bedeckt worden war, sondern auch den auBeren Teil an 
manchen Stellen auf 2 Zolle gegen den Boden zu. Die Rinde, wo 
sie sich iiber den Rand des Glases heriiber bog, beriihrte den Rand 
nicht, sondern lieB eine Hohlung dazwischen, welches aber frei- 
lich erst nach der Krystallisation geschehen sein mag. [236] 

S den 7*ZB Martii 1770 habe ich in Gottingen die Schneefiguren 
sehr schon und von groBer Mannigfaltigkeit gesehen, die groBten 
hatten 2 Linien und die kleinsten und dichtesten eine Linie im Durch- 
messer. Ich fing den Schnee mit schwarzem Papier auf, und weil 
dieses anfangs etwas warmer war, als der Schnee, so schmolzen sie 
und das zuriickgebliebene Wasser behielt die Figur des Sterns auf 
dem Papier welches sehr schon aussah. Die groBen schienen auch 
dem bloBen Auge nicht weiB. [237] 

An einer Fensterscheibe, die erst helle ist, hernach beschlagt, 
und an welcher endlich gar das Wasser herunter lauft oder friert, 



HEFT A 233-241 31 

hat man alle Phenomena, des heitern Himmels, der Wolken des 
Regens und des Schnees. Man hat Exempel daB Fensterscheiben bei 
Kanonaden elektrisch durch die Erschtitterung geworden sind, 
konnte man dieses erhalten so hatte man auch hier das Gewitter, 
doch wtirde es schwer halten entweder auf diese oder irgend eine 
andere Art die Scheibe zu elektrisieren. [238] 

In Bodikers neu vermehrten Grundsatzen der deutschen Sprache 
(Berlin 1709 8—) findet sich p. 575 ein Anhang iiber den Gebrauch 
der Prapos[itionen]. fiir und vor f die man schon lange vor dieses 
Marines Zeiten verwechselte. Seine Bestimmung ist sehr verniinf- 
tig. Fur regiert allein einen accus[ativum]. vor bestandig ein 
datfivum] ausgenommen ad locum er hat sich vor ihn hingestellt 
fiir ihn wiirde sein pro illo statt seiner. Fur 1) Dornenywr Gersten 
2) er ist fiir mich gestorben 3) fiirs erste 4) Es ist fiir 10 Groschen feil 
5) man hielt ihn fiir einen Propheten. Vor I) meine Siinde ist vor 
mir II) Vor 2 Jahren III) Vor der Menschen Wort konnen wir Gott 
trauen IV) Ich fiirchte mich vor Dir V) Gott brennet vor Erbarmen 
er strotzet vor Hoffart. VI) Er hat sich vor das Haus gestellt. Herr 
B. glaubt der Irrtum sei daher entstanden, daB in der Altdeut- 
schefn] Sprache /5r, for, for, fur, var, vor beinah einerlei geklungen 
haben. [239] 

Es ist eine Frage, ob man ohne den Begriffvon dem mathema- 
tischen Unendlichen jemals etwas Hinlangliches von der Graden 
Linie wird sagen konnen, alle unsere Deflnitionen von der graden 
Linie sind so beschaffen, daB sie auch von den Teilen gelten, und 
sind daher in der Lehre von Parallelen nicht zu gebrauchen, wo die 
grade Linie als ein Ganzes beschrieben werden sollte das auBer der 
GroBe noch andere Eigenschaften hat, die es von seinen Teilen 
unterscheiden. [240] 

Am 1 3*5? Julii, habe ich nach Messungen die ich mit vieler Gnauig- 
keit angestellt habe gefunden daB die Dicke eines gemeinen Pferd- 
haares etwa x /ii3 eines englischen Zolles betrug hangt man also an 
einem fuBlangen Quadranten das Pendel an einem Pferdehaar 
herunter, so bedeckt es einen Bogen von 3', 26", also von einem 
i8zolligten Quadranten 2' 18". Nehme ich nur an, daB mein Auge 



32 SUDELBUCHER 

um die halbe Dicke des Fadens ungewiB sei wo er hangt, so kann 
ich mich am Himmel um i' und 9* irren, nehme ich korrespon- 
dierende Sonnen [241] 

Wenn man ein Wort von 5 bis 6 Silben so lernte aussprechen, 
daB just eine Sekunde draufginge, oder auch probierte ob vielleicht 
die ordentlichen Zahlen dieses ausrichten konnten, so konnte man 
die Zeiten damit bei der Astronomic einteilen, der Astronom, der 
z. E. eine Immersion oder Emersion observiert diirfte es nur immer 
aussprechen statt Sekunden zu zahlen, alsdann nachdem er den 
Zeitpunkt der Begebenheit gemerkt, die Sekunden fortzahlen und 
auf die Uhr zu gehen, da er denn leicht durch Subtraktion seine Zeit 
fmden kann. [242] 

Ein Rapier das ich mit der Spitze etwa in der Lange eines Schu- 
hes auf einen Tisch lege und so oszillieren lasse wird erstlich den 
Tisch hart schlagen dann einigemal sanft dann wieder hart und so 
fort, was ist die Ursache? [243] 

Der Tau kann als ein Beschlagen der Luft angesehen werden, die 
Luft wird eher kalt als die Erde und beschlagt also wie die Fenster- 
Scheiben. Der Nebel, die Wolken sind vielleicht eben auf diese Art 
zu erklaren. Im menschlichen Korper muB ebenfalls eine propor- 
tionierte Veranderung vorgehen wenn gewisse Teile kalt werden, 
da andere warm sind. Das Wachsen der Hyazinthen gegen das 
Fenster zu, wovon ich p. 2 dieses Buchfes] geredet habe gehort 
auch hieher. [244] 

Den 7[— ] Aug. 1770. als ich abends nach 10 Uhr bei Monden- 

schein auf dem Walle spazierte beobachtete ich den Jupiter mit 

bloBen Augen hauptsachlich um zu sehen ob ich einen Unter- 

schied in den Strahlen zu verschiedenen Zeiten bemerken konnte. 

Er schien mir wie die Figur, bei b und a waren Gabeln 

M f von Strahlen von einer Zinke durch das Zentrum des 

'^C P^ aneten ^i e anders aber vorbei ging, ich konnte etwa 

^'\\ 12 in allem zahlen; die namliche Gestalt hatten auch 

Arcturus und die Capella, ich wischte die Augen aus 

und fand immer die namliche Gestalt wieder, doch sah ich daB mein 



HEFT A 241-249 



33 



rechtes Auge diese Gestalt machte, mit dem linken allein sahe ich 
weniger Zacken und iiberhaupt die Figur undeutlicher. Ich obser- 
vierte diese Gestalt auch noch in einigen folgenden Nachten und 
es war immer dieselbe. gegen a zu fehlte bestandig etwas. Das 
*- Namlich[e] nur viel deutlicher lieB sich auch an sehr ent- 
7^ * fernten Lichtern bemerken, diese Strahlen sind nicht, wie 
ich anfangs glaubte die Wurzeln von den Strahlen welche von den 
Lichtern ausschieBen, wenn man die Augen halb ofFnet, und wovon 
die obersten verschwinden wenn ich mit der Hand gegen unten 
mich dem Licht nahere, und die untersten wenn ich ihm von oben 
nah komme, sondern wenn ich sie mit etwas bedecke, so ver- 
schwinden sie so, als geschehen wiirde wenn sie wurklich Teile des 
Sterns waren. [245] 

Wenn man einen Stern bei sternheller Nacht recht starr ansieht 
ohne einmal zu blicken, so werden bald alle andere Sterne dem Auge 
eben so verschwinden, als Sterne tun, deren Bild auf den optischen 
Nerven gebracht wird; so bald man nur blickt so entstehen alle 
andere wieder wie ein Blitz. [246] 

Wenn man in einem Triangel abc die Seite 
ab in d verlangert, und ad = ac macht so sieht 
allemal ad dem Auge langer aus als ac, wenig- 
stens einem Auge, das sich nur an bloBe halbierte 
^ " Linien gewohnt hat. [247] 

Wenn man ein Stucke Papier so falzt, daB dieselbe Ecke immer 
auf die Grenze des Papiers zu liegen kommt, so schneiden sich die 
Linien die durch das Falzen entstehen. Die Linie zu bestimmen in 
welcher alle diese Durchschnitts-Punkte in einer gegebenen Figur 
z.E. einem Quadrat liegen. [248] 



Ein Mann der in seiner Lotterie nur einen Treffer und eine Niete 
hat und zwei Personen ziehen laBt verliert sein Geld gewiB, die 
beiden Personen miissen ihm also zusammen wenigstens das wie- 
derersetzen, das ist jede Person die Halfte bezahlen, hat er aber 
mehrere Billets, aber doch eine gleiche Anzahl TrefFer und Nieten, 
so konnen sie beide nichts gewinnen. Dieser Fall verdient eine Er- 



34 SUDELBUCHER 

lauterung. Hat seine Lotterie nur zwei Lose, und man setzt die 
Niete kame wieder in den Beutel, wenn der erste dieselbe greifen 
sollte so fragt sich was ist die Wahrscheinlichkeit, daB eine von 
beiden Personen gewinnt, und was ist die Hoffnung des Entrepre- 
neurs wert. Erst frage ich, ist es einerlei, welche von beiden Per- 
sonen zuerst zieht. Beim ersten Fall ist es klar namlich wo die Lose 
verteilt werden, hier aber hat der, welcher zuerst zieht, eine Hoff- 
nung = 1 / 2 wie leicht in die Augen fallt 

o o 



-II- 

I o 
unter diesen 4 Fallen welche die Lose vorstellen kann der dritte 
nicht vorkommen, also sind eigentlich nur dm moglich und unter 
diesen gewinnt die 2^. Person nur im letzten also wird die Hoff- 
nung des zweiten 1 / 3 sein und die Hoffnung des Entrepreneurs ist 
offenbar der Hoffnung des zweiten gleich also auch 1 / 3 . Sind die 
beiden Satze ausgemacht, daB die Summe aller Hoffnungen der 
spielenden Personen = 1 sein miissen, und daB femer hier die 
Hoffnung des Entrepreneurs gleich der Hoffnung der 2^ Person 
ist, welches letztere klar genug ist, so ist auch zugleich ausgemacht, 
daB der dritte Fall gerechnet werden muB und daB in so fern Herr 
d'Alembert unrecht hat wenn er (opuscules math: T. 2. p. 15 
seqq) sagt, daB zuweilen die Mathematiker die Falle nicht gnau 
genug zusammenzahlen, und dabei einen ahnlichen Fall anfiihrt. 
Denn hier wiirden die Hoffnungen 7 /e betragen, da doch offen- 
bar die Hoffnung der Personen den Wert des zu erwartenden Ge- 
winstes nicht iibersteigen kann, ob sie gleich geringer sein kann, 
namlich wo Falle sind, da keiner von alien etwas kriegt. Hier muB 
untersucht werden, warum die Hoffnungen der Spielenden nie- 
mals = 1 + sein kann. [249] 

Herr Beguelin und Herr d'Alembert fragen immer an denen in 
meinem Programmate angefiihrten Stellen, welches denn die 
Grenzen von dem zu erwartenden [Gewinst] bei seltenen Fallen 
sei, wo man anfangen miisse sehr kleine Wahrscheinlichkeit fur 
GewiBheit des Gegenteils zu erklaren, oder wo die ganz verschwin- 
dende praktische Wahrscheinlichkeit sich in moralische Unmog- 



HEFT A 249-255 35 

lichkeit verliere. Diese Frage wird sich so wenig beantworten lassen, 
als die wo die groBen Zahlen angehen und wo die kleinen aufhoren. 

[250] 

Wenn man von Flachen Linien und von Korpern Flachen ab- 
hobelte was fiir Linien wiirden die Hobelspane beschreiben. [251] 

Wie lafit sich die Frage beantworten? Ich habe 10 Marken die 
auf einer Seite schwarz und auf der andren weiB sind alle mit der 
weiBen Seite oben liegend auf einem Tisch gefunden, wieviel kann 
ich verwetten, daB sie jemand so gelegt und nicht etwa geworfen 
habe? Kann ich 10 gegen 1 verwetten, es fallt hier in die Augen, 
daB ich dieses nur alsdann verwetten kann, wenn die Frage ist ob 
sie jemand im ersten Wurf geworfen habe. Die Frage ist aber nur 
ob sie jemand iiberhaupt mit Vorsatz gelegt oder von ungefahr ge- 
worfen habe. Ist die Anzahl der Wiirfe unbestimmt, so scheint es 
gleich moglich zu sein und kein Grund warum ich das eine eher als 
das andere annehmen soil. Es ist zwar wahr es ist viel bequemer sie 
gleich zu legen, als sie zu werfen, aber von Bequemlichkeit ist hier 
die Rede nicht. Das was Herr Lambert in seinen Cosmol. Briefen 
p. 14 seqq. sagt beruht auf dieser Untersuchung. [252] 

Die Hitze der Sonne wahrscheinlicher Weise dem Kometen 
seinen groBen Dunstkreis gibt, da gleichsam seine Atmosphare 
ins Kochen gerat, so schlieBt sich diese Atmosphare vermutlich 
ganz nah an ihn an, wenn er sich dem Aphelio nahert, und bedeckt 
ihn als ein Schnee oder Eis in demselben. [253] 

Vielleicht regnet so zu reden immer etwas von den Planeten 
wieder zuriick zur Sonne, das dort von neuem zubereitet und 
ihn en wieder zugeschickt wird. [254] 

Es wird wenigstens nicht konnen unwahrscheinlich gemacht 
werden, daB in unserer Erde sich noch ein Planete so drehe wie der 
Saturn in sein [em] Ring oder wie der Mond im Ather oder in der 
schwer machenden Materie schwimmt, dieses konnte der groBe 
Magnet sein. [255] 



36 SUDELBUCHER 

Das Pferd saugt wenn es trinkt, der Ochse schlurft, der Hund 
leckt und der Vogel schopft und gieBt ein, das erste geschieht durch 
ein Zuriickzielm der Zunge wie ernes emboli, das zweite durch erne 
Erweiterung der Brust, da dann das Wasser unvermeidlich in die 
Lunge kommen wiirde, wenn das Maul sehr voll wiirde; das zweite 
ist ein Schopfen mit der Zunge, das dritte kann nicht ohne Auf- 
hebung des Kopfes geschehen. Der Mensch kann es nach alien Arten. 
Er saugt an der Mutter-Brust schon und bestandig wenn er ordent- 
lich stark trinkt, den Tee schlurft er mit erweiterter Brust ein, und 
wenn er aus einer Bouteille mit einem engen Hals trinkt, so gieBt 
er. [256] 

Die Lehre von der Lage der Flachen und die Stereometrie auf 
Flachen vortragen zu wollen ist doch noch nicht so viel als, die 
Planimetrie auf einer Linie vorstellen zu wollen. [257] 

Wenn eine Kugel auf einer gegen den Horizont geneigten Ebene 
herunter rollt, so lauft sie in einer Linie, die auf den gemeinschaft- 
lichen Durchschnitt der Ebne mit dem Horizont senkrecht steht. 
Ein Icosandrum wiirde anders laufen, wenn man zumal die Seite 
des gleichseitigen Triangels, die seine Basis ware, nicht mit dem 
Durchschnitt der Ebne und des Horizonts parallel legte. [258] 

Konnten nicht Irregularitaten des Monds daher riihren, daB die 
Erde mehr Masse an einer Seite hat, und den Mond starker zieht 
als von einer andern. Dieses lieBe sich durch Vergleichung solcher 
Beobachtungen des Mondes anstellen, die in einerlei Meridian aber 
in entgegen gesetztfen] Halbkugeln gemacht wiirden. [259] 

I <Ich glaube den Franklinschen Versuch auf folgende Weise 
erklaren zu konnen. Da die Dauer der Schwingungen eines 
Penduls so wohl von seiner Lange, und die Oszillation der Ober- 
flache des Wassers von der Tiefe des Wassers, und dem Durch- 
messer der Oberflache, die wir zirkulformig annehmen, auf 
irgend eine Art abhangt, so ist klar, daB wenn AB eine eiserne 
Stange ware die ihre Oszillationen etwa in zwo Sekunden ver- 
richtete oder die doppelte Sekunde schliige und zwar> [260] 



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HEFT A 256-262 



37 



So wie dx und dy verschwindende x und y sind und jede Ver- 
haltnis haben konnen ohnerachtet sie null sind, so konnen auch end- 
liche GroBen als verschieden gedacht werden, wenn man sie als 
Glieder verschiedener Reihen ansieht 

i;4; 7; 8 

1; 7; 13; 19 Ni] 



Es ware zu untersuchen, ob man, wean ich aus einem Kasten 
immer eine weiBe und denn eine schwarze [Marke?] herauszoge 
schlieBen miiBte es sein eben so viel weiBe als schwarze in dem 
Kasten. [262] 



y»*v^ ff ( -t^-,4 • r,i » 3 J tyA""!»™'r 7inwv nS ' f™ - 



1765-1772 













^:i!^*^^^^i^^fe:;i^?.; 



balcony 1. balcohni 
uncouth L uncuhth 

Biographien jetztkbender 
Arzte und Naturforscher in und 
aufier Deutschland uonBaldinger. 



KEPAL 'AMAAGEIAE 1-8 



43 



<Lese-Bemerkungen> 

Die Yameos in Westindien konnen nur bis auf 3 zahlen, welche 
Zahl Drei sie durch das weitlauftige Wort : Poettarrarorincouroac 
anzeigen. (Vid. Condamine relat. de la Riviere des Amazons p. 67) 
Sie mogen wohl einen BegrifFvon groBeren Zahlen haben, ob ihnen 
gleich die Benennungen fehlen; daher helfen sie sich gemeiniglich 
mit den Ausdriicken der Europaischen Sprachen. [1] 

Unter Cromwelln, war das Wort Konigreich in Engelland so 
verhaBt, daB man im Vater unser nicht mehr beten wollte thy king- 
dom come, sondern thy republick come zu uns komme deine Re- 
publik. [2] 

Die Einwohner der Marianischen Insuln die so unwissend waren, 
daB sie bei der Landung des Magellan noch nichts vom Feuer wuB- 
ten, und die erste Flamme, die sie sahen fur ein fressendes Tier hiel- 
ten, wuBten sich sehr zartlich in Liedern auszudriicken. [3] 



Die wilden Amerikaner konnten die Spanier von feme riechen. 

[4] 

Die Tochter des Dibudates eines Topfers zu Sikyon make zuerst 
ihren Liebhaber an dem Schatten ab, und ihr Vatter beschmierte 
es mit Leimen, dieses gab der Malerei den Ursprung. [5] 

In Engelland in einem Steinkohlen-Bergwerk, konnen die Ar- 
beiter kein Licht brauchen, weil sich die Dampfe leicht entzunden, 
daher haben sie ein stahlernes Rad, welches, wenn es gedreht wird 
an viel Feuersteine schlagt und dadurch sehr helle macht, derm von 
den Funken gehen die Dampfe nicht an. [6] 

Der Hollander Twist berichtet unter andern, in seiner Beschrei- 
bung von Indien, es sei nichts daB ein Indianer bei dem Genusse eines 
gewissen Safts 30 bis 40 Tage faste. [7] 

Demokritus sagt hike dich vor der Liebe denn sie ist eine kleine 
Schwerenot. [8] 



44 SUDELBUCHER 

Sokrates wollte abends in sein Haus, Xanthippe schimpfte oben 
herunter, und goB ihm endlich gar den Nachttopf auf den Kopf : 
Ich habe es gedacht, sprach er, auf ein solches Gewitter wird es reg- 
nen. [9] 

Eben diesem Weltweisen wurden einst Locher in den Kopf ge- 
schlagen, so liefi er drunter schreiben N. N. fecit. [10] 

Die Gymnosophisten vor Alters und die Brachmanen noch jetzto 
leben von bloBen Gewachsen, der Grund war bei ihnen, weil sie 
die grobe Seelen-Wandrung glaubten. [11] 

Ein alter sehr schwachlicher Soldat bat einmal den Casar um Er- 
laubnis sich selbst umbringen zu dtirfen; so antwortete Casar ei 
lebst du denn noch. [12] 

Diogenes soil bei seinem Tode verordnet haben, ihn gar nicht zu 
begraben, andere hingegen behaupten er habe gesagt man solle ihn 
so begraben, daB der Kopf nach unten und die Beine in die Hohe 
kamefn], weil, wie er hinzusetzte, da bald eine groBe Veranderung 
vorgeht, wo das oberste zu unterst gekehrt ist. [13] 

Vitruvius glaubte die Stimme des Menschen richte sich nach der 
Elevatione poli, weil der Sinus der Elevations- Winkel, wenn Saiten 
dazu genommen wurden in Italien einen hoheren Ton geben wiirde, 
als in Deutschland. [14] 

Caviar ist der italianische Namen einer Speise, die in RuBland 
aus dem Rogen des Stors zubereitet wird, ein griiner Schleim der 
[auf] gerosteten Brod mit Butter und Zitronen-Saft gegessen wird. 
ViiArzt. St. T.V.St. 115 [15] 

Man kennt jetzo ohngerahr 300000 Tiereund 14000 Pflanzen. [16] 

Die Schlusse aus der Analogie sind sehr unsicher. Das Viscum quer- 
cinum (Eichen-Mistel) wachst nach alien Richtungen unter sich 
und iiber sich, da fast alle Pflanzen nur iiber sich wachsen. [17] 



KEPAL 'AMAA0EIAS 9-25 45 

Im Riiben-Ol kann man Hiihner-Eier uber 4 Jahre erhalten ohne 
daB sie im geringsten etwas von ihrer Giite verlieren[.] Reaumur 
hat es versucht und der gnaue Muschenbroelc hat es wahr befunden. 
Alle andere Ole und Mittel verderben sie. [18] 

Bonnet hat gewiesen, (Mem. de Math, et Phys. T.Lp. 420) daB 
die Pflanzen im zusammengedruckten Moos von Baumen weit 

besser wachsen, als in gediingter Erde. [ I9 ] 

Herr Kraft hat beobachtet, daB die Nagel, so wie die Haare 
wachsen ohngefahr 4 / e Zoll in 80 Tagen, ein mit der Wurzel ausge- 
rissenes Haar aber ist in eben der Zeit 5 / 9 Zoll gewachsen. [ 20 ] 

Der Spiritus nitri des GeofFroy und das fliichtige Urinsalz geht 
auch durch das Glas durch so gut wie das Licht. [2 1 ] 

Die beiden Orte, wo das Gewitter so leicht einschlagt sind, auf 
den Festungs -Werken der Stadt Hameln, wo auch allemal die Schild- 
wache weg gehen darf, und ein Wirts-Haus vor dem Agidien-Tor 
von Hannover Vid. Hartmann von furchterl. Luftersch. p. 170. in 
der Notc(*) [22] 

Wenn man eine Vermischung von Wasser und Kampfer-Spiri- 
tus in einer kleinen Kammer verrauchen laBt, so entziindet sich der 
Dunst aber ohne Schaden. [ 23 ] 

Donnersteine gibt es wiirklich das ist Schlacke, die der Blitz erst 
in der Erde formiert. Stahl in seinen Experiment, observ. et animad- 
vers. Chym. et phys. n. CXXXIV p. 186, aber keine Donnerkeile. 

[24] 

Versuche geben daB eine Kanonen-Kugel sich in einer Sekunde 
durch 600 Toisen bewegt, da das Licht in 8' 13* von der Sonne 
kommt, also einen Weg von 24000 Semid[iameter]. der Erde wo- 
von jeder 19615782 FuB hat, daraus schlieBt Muschenbroek daB 
wenn das Licht -j—^ von einer Kugel woge es gleiche Wurkung 
mit ihr tun muBte. r 2 i 



46 SUDEtBUCHER 

Ein alter Schriftsteller sagt bei Gelegenheit der 300 Spartaner 
welche den bekannten PaB verteidigten : nunquam ego vidi plures 
trecentos. [26] 

Herr Marggraf hat gefunden, daB es auch natiirliche Laugen- 
salze gebe, die kein Feuer bewiirkt hat, wovon die Versuche in den 
Mem : de Berlin de 1 764 und den vorhergehenden Jahren stehen. [27] 

Le philosophe ignorant ist eine neue Schrift des Philosophen von 
Fernex, eine hochst gefahrliche, reizend geschriebne, und mit 
ziemlicher anscheinender MaBigung sich angreifende Verteidigung 
der Deistischen Lehre. 171 S. in 8— [28] 

Lipsius sagt: alii habent famam alii merentur. [29] 

Herr Bianconi sagt in seinen Briefen an den Marchese Hercolani 
2— Brief Malereien und Bildsaulen zusammen gestellt machen 
einen optischen Ubelklang. [30] 

Aus der Cosmotheoria puerilis T.I. Conference V. p. [276] sollte 
man aus folgender Stelle : The stork and the crane have been memor- 
able in all ages for their annual peregrinations, tho' they do not visit 
us, [schlieBen,] daB diese Tiere nicht in Engelland waren. [31] 

Als Karl V sich der Religionssachen wegen in Augspurg aufhielte 
brannte er Zimmet statt Holz in den Kaminen. Vid. Bianconi Brief. 
9*£ [ 32 ] 

Holzer ein Augspurger ist einer der groBten deutschen Maler 
gewesen ; er starb jung [.] An den Hausern von Augspurg findet man 
noch die vortrefflichsten Stiicke, unter andern einen Bauern-Tanz 
an dem Wirtshaus zur Weintraube. [33] 

Aus dem neunten der vortrefFlichen Briefe des Herrn Bianconi 
sieht man, daB der Selbstmord in Sachsen haufiger ist als in Engel- 
land. [34] 

Jede Ader hat wieder Adern, die ihr zur Unterhaltung dienen, und 
diese kleinen haben wieder andere. [35] 



KEPA2 'AMAA0EIA2 26-43 



47 



Eine Gleichung fur eine Leibnizische Curvam interscendentem 
ist y ]/2 -f y — x wo ein irrationeller Exponent vorkommt. [36] 

Die krumme Linie worin -f + x 2 -f r 2 = o ist ganz unmoglich 
und dieses ist eine geometrische Definition von einer unmoglichen 
Linie vom 2— Grad. [37] 

Die Bauern in Smaland haben nach des Linnaus Bericht, Wiirmer, 
die sich durch Zerschneiden vervielfaltigen lassen schon zu einer 
Zeit gekannt, da den Naturforschern Trembleys Polypen noch un- 
bekannt waren. Vid. Kastn. Vorr. zu T.L der Schwed. Abhandl .[38] 

Herr Unzer wundert sich (Arzt. Tom. VIII. St. 198) mit Recht, 
daB die Arzte bisher den Korper bloB chymisch, physikalisch und 
mechanisch beurteilt haben ohne den groBen EinfluB zu betrachten, 
den die Leidenschaften auf ihn haben. Man konnte durch AfFekten 
eben solche Ausfuhrungen hervorbringen, als mit Arzeneien. [39] 

In dem Eloge de M- Klotz, welches Burmann seinem Anti-Klotzio 
hinten angehangt hat wird von Herrn Klotz gesagt: // est bien fait 
d'une Taille grande et robuste, comme si la nature Tavoit fait pour 
etre Renommiste: c'est ainsi comme on apelle a Jena un homme, 
qui pour un sol est pret a se battre avec son frere et a lui couper la 
gorge. [40] 

Der bekannte Phantast Schwedenborg sagt in seiner Schrift 
doctrina novae hierosolymae der jiingste Tag sei schon vorbei und 
zwarseieri757 den 9— Januar gewesen. [41] 

Muschenbr. T. II p. 484. Wenn man Ruben- oder suBes Mandel- 
Ol auf ein Glas tropft und durch ein Mikroskop betrachtet, das sehr 
vergroBert, so siehtman daB es aus lauter Kugelchen besteht. Sollte [n] 
dieses vielleicht nicht die wasserigten Dunste sein, die sich auf den 
Tropfen ansetzen? [42] 

Der Chineser, sagt Herr Unzer (T. VII Arzt. p. [3 13] 176^] Stuck), 
riecht den Gestank einer Wanze nicht anders als wir ihn riechen. 
Allein die Gewohnheit macht, daB ihn dieser Gestank, der uns 
ein Eckel ist, eben so wie uns das Eau de Luce vergniiget. [43] 



48 SUDELBUCHER 

Mem. de Paris 1737 p. XX Wenn man eine Bouteille mit Wasser 
fiillt und mit einem Gurkstopfsel verwahrt und sehr tief ins Meer 
hinunter laBt, so wird der Stopsel in die Bouteille hinein getrieben. 

[44] 

Der Raum der in einem Kubik-Zolle Pulver verschlossenen Luft 
betragt 3 / 10 desselben und diese Luft wird in 244 Kubikzolle einer 
unser[er] Luft gleichen Luft nach der Entziindung ausgebreitet, 
also ist die Luft vor der Entziindung 8i3mal starker zusarmnen ge- 
preBt gewesen. Dieses findet Herr Euler aus des Robins Versuchen. 
Winkler. T.I. p. 167 [45] 

Homo pollice truncato wurde derjenige bei den Romern ge- 
nennt, der um sich vor den Werbungen zu schutzen den Daumen 
an der rechten Hand abhieb, weil er alsdann zu schweren Arbeiten 
unfahig ist. Daher kommt das franzos. Wort Poltron [46] 

Der Pere Rapin sagt, Ein Hofmann ein Liederlich und Buhlerin 
konnten nur Gottesleugner sein. Allein, sagt Bayle, wie wenn ich 
ihm nur einige der Neueren nenne die man vor Atheisten halt: 
Einen Averroes, Chalderinus, Politianus, Pomponatiy, Petrus Bern- 
bus, Leo X, Cardanus, Cesalpinus, Taurellus, Cremoninus, Beri- 
gard, Viviani, Hobbes[.] Wie da? [47] 

Legros ist der groBe Franzos, der die Periiquenmacher-Kunst in 
ein System gebracht, eine Periickenmacher-Akademie errichtet und 
die Kunst Haare zu legen beinah zu einer neuen Freien Kunst ge- 
macbt hat. [48] 

Allgem. deutsch. Bibl. T. 1. St. 2. p. 136. 

Untersuchen auf wie vielerlei und auf wie starke Art dem Men- 
schen eine unmerkliche Neigung zu einem Irrtum konne beige- 
bracht werden, die sodann ebenfalls unvermerkt, verhartet und 
endlich jeden gegenseitigen Eindruck der Wahrheit vergeblich 
und unempfindbar macht: dies ist noch nicht, so viel uns bekannt 
ist ausfuhrlich genug geschehen. [49] 

Schmid von den Weltgehauden 

Vorrede. Es ist noch nicht ausgemacht ob sich der Schimmel durch 
Samen fortpflanze. [50] 



KEPAS 'AMAA0EIA2 44-59 49 

In jedem Haar sein 8 hohle Rohren die mit unzahligen Querfaden 
verbunden sind, sie laufen bis in die Spitze hinaus. [51 ] 

Kap. 2 Grad des Mitt. Zirkjels] unter den Aquator - 56, 753 
Toises; am Pole 57, 438. Diameter des Aquat: Zur Linie von einem 
Pole zum andern wie 229 1230. [52] 

Durch konigl. Befehl ist es in Sacbsen ausgemacht worden daB 
das eineMeile genannt werden sollte, was [durch] einfen] mann- 
lichen Schritt in zwei Stunden zuriickgelegt wird und dieses sind 
20000 Rheinl. FuB, und etwas iiber i7 x / 2 soldier Meilen machen 
einen Gradaus. [53] 

In Batavia geht das Fahrenheit [ische] Therm [ometer] niemals 
iiber den 88° und niemals unter den 86° [54] 

Man hat bemerkt (Bouguer und Condamine) daB in einer Hohe 
von 2420 Toisen in Peru eben die Krauter wachsen, die in Lappland 
auf der ebnen Erde zu finden sind. [5 5 ] 

Die Diinste der feuerspeienden Berge in Peru gehen 800 Klafter 
iiber die hochste Berge und also in eine Hohe von 4020 Toisen. [56] 

Bernoulli beweiset daB in einer Hohe von 1000 Toisen iiber der 
Erde eine uberall gleiche Temperatur sei iiber den Polen so wohl als 
den Aquator, welches die Kalte ist wie in den hartesten Wintern. 

[57] 

Kap. 5 vielleicht besteht der Mond aus zwo Halbkugeln von un- 
gleicher Schwere, da naturlich die leichte immer von der Erde ab- 
gekehrt sein muB. [58] 

Kap. 10 Herr D- Garcin hat in Arabien die Sterne immer sehr 
helle aber niemals blinken gesehen, bloB wegen der Reinigkeit der 
Luft. Nur mitten im Winter, wenn die Luft etwas feucht wurde 
konnte er so etwas Schwaches bemerken, Herr La Condamine stimmt 
ihm bei. Die Venus und den Merkur hat man zuweilen blinken ge- 
sehn. [59] 



50 SUDELBUCHER 

Kap. ii anno 1450 ging ein Komet unter dem Mond hin so daB 
er ihn sehr stark verfinsterte. [60] 

Ein gewisser Maler namensjacquemin Gringonneur hat im [Jahre] 
1392 die Karten erfunden um Karl dem VI [— ] von Frankreich in 
den guten Stunden seiner Krankheit die Zeit damit zu vertreiben. 

[61] 

Man hat bemerkt daB von Leuten, die die natiirlichen Pocken be- 
kommen von 10 gewiB einer und von Kindern 4 eines stirbt, von 
inokulierten aber kaum der 400*-^. [62 ] 

Brunft und nicht Brunst ist das eigentliche Wort den Trieb gewis- 
ser wilder Tiere zur Vermischung anzudeuten, das letztere Wort ist 
ein sehr unschuldiges Wort, das ardor fervor bedeutet und das jetzo 
auf dem Sprung ist durch die Unwissenheit sich an die Stelle des 
ersteren setzen zu lassen. Der vortreffliche Logau sagt: 
Denn wilder Tiere Zunft 

Hegt nur zu mancher Zeit der suBen Liebe Brunft. 
vid. Briefe iiber die neuste Litt. 2— Teil p. 408. [63] 

Im London Chronicle. 1766. Novemb: 1-4 wird von a writer der 
sich Dubius unterschreibt aus den vielen Erdbeben, die sich in Lima, 
Lissabon, Mequinez, Constantinople, St.Jago in Cuba St. Pierre 
in Martinique und London [ereignet haben,] gefragt ob nicht viel- 
leicht die GroBe der Stadte etwas dazu beitragen konne und wenn 
dieses sei, ob nicht das Rammen des Bodens das Pflaster und der- 
gleichen, was die Poros der Erde gleichsam verstopft Schuld daran 
sei? [64] 

Boerhaave bemerkt, Physiologic Kap. 8 der deutschen Uberset- 
zung, daB die Russen kein Wort haben die allgemeinen BegrifFe 
Kind und Tugend auszudriicken, sondern allzeit besondere statt 
deren gebrauchten. [65] 

Herr von Moser erzahlt im Herrn und dem Diener gegen das 
Ende des dritten Abschnitts ein gewisser ehrbarer Bauer im W. . . 
(vermutlich im Wiirttembergischen) horte so oft in den Kirchen 



KEPAS 'AMAA0EIAX; 60-72 5 1 

von seines Herrn zu viel Bedienten beten, weil ihm das Wort Zivil- 
Bediente unbekannt war, so daB er endlich mit patriotischem Eifer 
fragte, warum man denn noch vor diese Leute beten miisse der Herr 
konne sie ja fortschicken. [66] 

Newton (Princip. Philos. Schol.prop. 6pLib[er] 1.) scheintnicht 
abgeneigt zu glauben, daB ein gewisser Geist die Korper gegen die 
Erde treibe. [67] 

Moser. Herr und Diener. Ein gewisser ostfrieslandischer Graf zog 
viele Auslander ins Land, die Landstande stellten ihm vor, er sollte 
doch mit seinen eigenen Ochsen pfliigen. Ei antwortete er ich brauche 
eben keine Ochsen dazu. p. 227 [68] 

Idem ibid. p. 287. Die Materie vom Bestechen und Geschenke 
nehmen praktisch behandelt, verdiente schon einen Doktorhut auf 
dem politischen Katheder. [69] 

Als Konig Georg II von Engelland, den Geheimden Rat und Prasi- 
denten seines hochsten Gerichts an orTentlicher Tafel fragte: Wie 
kommt es Herr Prasident, daB ich alle meine Prozesse bei dem Ober- 
Appellations-Gerichte verliere? So war die kurze und heldmaBige 
Antwort: Weil Ihro Majestat allemal Unrecht haben. (Moser Reli- 
quienp. 241.) [70] 

Herr Prof. Zinn hat gefunden, daB die Maulwiirfe ein kegelfor- 
mig spitz zulaufendes Auge haben. Die Linse des Hasen-Auges ist 
fast 4mal groBer, als beim Menschen, bei welchem sie auch flacher 
als bei je einem Tier ist. Auch die netzformige Haut hat bei dem 
Hasen das Sonderbare, daB aus einer Vertiefung bei dem Eintritt des 
Sehnervens gleichsam zwei Stamme entspringen, aus welchen auf 
beiden Seiten sehr viel zarte Faden herkommen. Comm. Goett. 
T. IV. [71] 

Hans Sloane hat [te] von seinem 7— Jahr an ein 3 jahriges Blutspein, 
vermied den Wein und ward 93 Jahr alt. Commentar : Goett : T. IV. 

[72] 



52 SUDELBUCHER 

Herr Alston glaubt der Blumenstaub sei kein mannlicher Samen, 
sondern ein Auswurf [und] etwas ihnen Schadliche[s], und glaubt 
durch allerlei Versuche an Tulpen und Spinat gefunden [zu] haben, 
daB dieses sich also verhalte. Vid. Die Neue Versuche und Bemer- 
kungen einer Edinburgischen Gesellschaft. T. I. und Vogels Med. 
Bibl. T. III. p. 394- [73] 

ty) 7raiav, le 7tatav, Sana, Sol; feri sol, das erste taftyj&ai sanare, 
das andere von tevat, immittere. [74] 

Richter in Diss, de Insolatione, loquens de damno saepe aegrotanti- 
bus ex instante solis defectu oriundo: Mirabilius, inquit, videtur lucis 
deliquium, quod anno nono Imperatoris Justiniani teste Abulphara- 
gio (hist, dynast. Ed. Pocock p. 94) passus est sol intra proprii 
sinus orbitam, durans ultra annum, non nisi exigua luce superstite. 
Tunc vero locustas scribit totam fere tellurem vastasse et incle- 
mentiam hyemis ingenti hominum strage saeviisse. Sollte dieses 
nicht ein groBer Sonnenflecken gewesen sein? [75] 

Schon ehmals riefen die Kinder wenn die Sonne hinter eine Wolke 
ging s^e^* ^ 9^* ^^ te exorere, o sol dilecte! [76] 

Richter glaubt (Diss : de insolatione p. 40) ein maBiges Ansehen 
des Sonnenlichts starke die Augen. [77] 

Albinus in seiner Dissert, de Sede et causa Coloris Aethiop. Leutae 
1737. hat gezeigt daB die Schwarze in dem reticulo Malpighiano 
ihren Sitz habe. Die Ursache, glaubt er, werde man niemals entdek- 
ken. Onesicritus beim Strabo will ein foetum von einem Mohren 
gesehen haben der schwarz gewesen sei. Hingegen Labat (Voyage 
aux isles de TAmerique T.II. Kap. 6. Afrique II. Kap. 14) sagt daB 
er selbst gesehen habe, daB sie weiB seien, aber bald schwarz werden. 

[78] 

Kriiger Phys. T.II. p. 21 nennt die physikalische Philosophic die- 
jenige Art zu philosophieren, da man eine Begebenheit der Natur 
aus einer andern begreiflich macht. [79] 



KEPAS 'AMAA0EIAE 73-85 



53 



Als Galenus anfing die physikalischen Grundlehren des Aristote- 
les in die Medizin einzufuhren, so fand er viele Nachfolger. Man 
sprach audi in Deutschland im XVI[— ] Saec [ulo] von nichts, als dem 
humido, calido, frigido; sicco, das nun noch bis auf den heutigen 
Tag in den Kalender-Prophezeiungen stent. [80] 

Herr Kriiger lehrt in seiner Physiologic, es sei Gesetz der tieri- 
schen Bewegung, daB eine jede Empfindung eine ihr proportionelle 
Bewegung herfiirbringe [81] 

Wenn man sich mit blauer Seide bekleidet, so hilft dieses nicht 
gegen die elektrischen Schlage. Vid. Hartmann von Luftersch. 
p. 106. [82] 

Herr Abbt vom Verdienste. (ibersetzt das franzosische Sensation 
und Sentiment durch Empfindung und Empfindnis. Im ersten Fall 
beschaftigt uns die Sache wie gegen wartig; im andern tut es mehr 
ihrBild. [83] 



La Felicite est la fortune du Sage. J.J. Rousseau. Heloise. Part. III. 
Lettr[e]:XX. [84] 

V. p.43.Robeck. In dem XXI [^] Brief gleich darauf geht die 
Verteidigung des Selbst-Mordes an: dieses ist, wie er selbst sagt das 
Fundament der ganzen Verteidigung : Chercher son bien et fuir son 
mal en ce qui n'offense point autrui, c'est le droit de la nature. Quand 
notre vie est un mal pour nous et n'est un bien pour personne, il est 
done per- mis de s'en delivrer — et si Ton venoit a bout de ren verse r 
cette maxime, il n'y a point d'action humaine dont on ne put faire un 
crime. Auf den Einwurf der Leute: das Leben sei nicht unser, weil 
es uns sei gegeben worden antwortet Rousseau : eben deswegen ist 
es unser weil es uns ist gegeben worden. 2) Sokrates sagte zum Kebes 
wiirdest du nicht einen jungen Sklaven, der sich selbst umbringt 
strafen, wenn du konntest, weil er dir ein Gut genommen hat. Kebes 
antwortete. Aber gehort man denn Gott nicht mehr zu, wenn man 
tod ist. Wie wenn der Sklave nur einen Rock auszoge der ihn driickt. 
Man macht zu viel aus dem Leben, wenn man den Selbst-Mord so 
wichtig ausschreit. Das Leben ist nicht [s] vor Gott, nichts vor der 



54 SUDELBUCHER 

Vernunft. Sollte es uns etwas sein? Herr Rousseau sagt, man laBt 
sich Beine abnehmen, man zieht die Hand weg wenn man einem 
Feuer drauf wirft, ja freilich, wenn Herr Rousseau viel mit diesen 
Satzen gewinnet, so ist es dieses, daB man ihm endlich zugeben muB, 
daB wenn die Beraubung meines Lebens der Welt eben so wenig 
schadet, undmein Tod ihr eben so viel niitzt, als ihr das Abnehmen 
eines unbrauchbaren Beines schadet und mir es niitzt, daB es, sage 
ich alsdann erlaubt sei sich das Leben zu nehmen. Dieses kann aber 
niemals evident gezeigt werden. Rousseau. Die Christen, welche 
gegen den Selbst-Mord Einwiirfe machen nehmen ihre Griinde 
nicht aus der Bibel, die sagt kein Wort davon sondern aus des Plato's 
Phaedo, der wenig iiberzeugen muB, weil ihn Cato zweimal durch- 
las und sich dennoch gleich darauf erstach. Die Bibel erwahnt kein 
Wort davon, und wenn sie von Personen spricht, die sich selbst er- 
mordet haben, so tadelt [sie] es nicht. Simsons Selbstmord wird 
noch dazu durch die Rache an seinen Feinden veredelt. Du sollt 
nicht to den sagt das Gebot, allein sollte dieses im strengsten Verstand 
genommen werden, so diirfte man keine Missetater toden, also 
macht man billig Ausnahmen; und wenn man nur eine macht, so 
muB gewiB der Selbst-Mord mit darunter sein, da er ohne Gewalt, 
ohne Beleidigung geschieht. [85] 

Jean Bell d'Antermony erzahlt in seiner Reise nach Asien von den 
Tongusischen Tatarn, daB sie sich den Hunger vertrieben indem sie 
auf den Magen ein Brett legten und dann auch eines auf den Rucken 
und diese zusammenschnurten. Die Kutuchtu ihre Hohen Priester 
erklaren die Erdbeben so ; Gott habe namlich die Erde auf einen gro- 
Ben gelben Frosch gesetzt und wenn dieser quakte, so bebte die 
Erde. Hall. Zeitung. 1766.81. St. [86] 

In der gemeinnutzigen Correspondenz des Herrn Dr. Johann 
Ulrich Pauli die zu Hamburg im Jahr 1766 ist angefangen worden, 
und die viel Schones, vornehmlich was zur Okonomie gehoret ent- 
halt. Im 19. und 20— St. werden des Herrn Delavals Entdeckungen 
iiber das Verhaltnis mitgeteilt, das sich zwischen den Farben der 
verschiedenen Metalle und ihrer eignen Schwere befindet. Sie griin- 
den sich auf die Farben, die Glaser von Metallen erhalten, Gold rarbt 
das Glas rot, Blei gibt OrangenEirbe, Silber gelb, Kupfer griin, 



ICEPAS 'AMAA0EIAS 85-91 55 

Eisen blau; dieses ist die Ordnung der prismatischen Farben, das 
dichteste Metall gibt die Farbe deren Strahlen sich am wenigsten 
brechen, und so gibt immer ein Metall von geringerer Dichte Far- 
ben deren Strahlen sich starker brechen, das Zinn ausgenommen. 
Eben diese Farben entdecken auch diese Metalle in allerlei chymi- 
schen Auflosungen. Diese Entdeckung wird als die wichtigste der 
neueren Zeiten angepriesen, welches freilich ein biBgen ubertrieben 
ist. Die Erfindung ist iibrigens sehr artig. [87] 

Der beruhmte Ulrich Schonbergfer] Prof, der Math, zu Konigs- 
berg,der i649.starb hatte in einem Alter von drittehalb Jahren sein 
Gesicht durch die Pocken verloren, und dennoch erinnerte er sich nie- 
mals das Tages-Licht gesehen zu haben. Vid: Oeuvres de Mr Leib- 
niz. Diss: Sur l'entendement humain gegen das Ende. [88] 

Herr Lambert zeigt in seinem novo organo daB alle Arten von 
Syllogismen so uberzeugend seien, als die von der ersten Figur. Man 
glaubte bisher das Gegenteil, weil man die iibrigen erstlich mit eini- 
ger Miihe aus dem dicto de omni et nullo herleiten konnte. Herr 
Lambert zeigt daher, daB es noch andre Satze gabe, die das Funda- 
ment der iibrigen seien, als von der 1— Art das Dictum de omni 
& nullo, was von A gilt, gilt auch von jedem A. 2) fur die zweite 
Figur Dictum de diverso Dinge die verschieden sind kommen ein- 
ander nicht zu. 3) fiir die dritte Dictum de exemplo Wenn man 
Dinge A findet die B sind, so gibt es A die B sind. 4) Fiir die vierte 
Dictum de reciproco a) Wenn kein M, B ist so ist auch kein B dieses 
oder jenes M p) wenn C dieses oder jenes B ist, oder nicht ist; so gibt 
es B die C sind oder nicht sind. [89] 

Der beruhmte Mosheim, der einige ungeratene Sohne und eine 
sehr gelehrte Tochter hatte pflegte zu sagen seine Gelehrsamkeit 
sei ein Weiberlehn. [90] 

<Im London Chronicle. 1766. Novemb: 18-20 wird des D- Hill 
Tincture of Spleenwort (Milzkraut) angeriihmt und darin gesagt: 
It restores the mind to Peace; relieves it from the continual thinking 
on one Subject.) [91] 



56 SUDELBUCHER 

Vasques de Pagna sagt in seiner Beschreibung von der Insel Ben- 
gagna, wo doch der Teufel formlich verehrt wird, daB so vortrefF- 
lich[e] Gesetze, und so viele Tugend daselbst sei; so daB ich fast 
glaube es sei in keinem christl. Land so viel anzutrefFen. Es gibt eine 
gewisse Freimutigkeit unter den gesitteten Nationen, die in vielen 
Stiicken edel ist, zugleich aber dieselbe etwas von dem blinden Ge- 
horsam entfernt, den man der Religion schuldig ist; hierin liegt 
glaube ich groBtenteils der Grund warum man mehr Ordnung, 
Keuschheit und dergleichen unter manchen Wilden findt weil sie 
durch die Strafen in einem kiinftigen Leben weit besser im Zaum 
gehalten werden. Deswegen ist doch ihre Tugend nicht so edel, als 
die von einem freidenkenden Engellander. [92] 

Herr Eberhard in seinen ausgemachten Wahrheiten hat einige 
seiner Versuche angefuhrt die das Feuer betreiFen. Ein kaltes Eisen 
auf eine gluhende Kohle gehalten verursacht einen schwarzen Fleck 
auf derselben; dieses lieBe sich noch wohl erklaren, allein zwei 
Rauchkerzgen, die nahe an einander gestellt werden und gleich 
stark gluhen, werden auch beide schwarz an den Seiten, die sie sich 
einander zukehren. Faules Holz hort im luftleeren Raum auf zu 
leuchten (Journal des Savans 1668) gluhendes Eisen wird im luft- 
leeren Raum nicht so geschwind kalt, als in der Luft, Wasser just 
umgekehrt. Hier ist noch vieles zu untersuchen. [93] 

Herr Boulduc hat in den Mem. de Paris (und Boerhaave erzahlt 
es in seiner Chymie) gefunden, daB das Antimonium nicht allzeit 
durch die Calcination mit dem Sonnenfeuer schwerer werde. Da- 
her auch Boerhaave mutmaBet diese Vermehrung der Schwere 
konne von Neben-Umstanden herriihren da gewohnlich die zur 
Calcination bestimmte Materien in einem topfernen GefaB mit 
einem eisernen Loffel herum geriihrt wiirden. Herr Vogel hier hat 
deswegen in seinem Programm: de Increments ponderis corporum 
quorundam igne calcinatorum alle diese Versuche vor verdachtig 
erklart und behaup[tet], es sei am besten die Versuche selbst anzu- 
stellen. Er hat es getan und gefunden, daB viele Korper ihr Gewicht 
behalten, noch mehrere leichter geworden, und nur allein das Blei 
sei 4 Unzen urn einen Skrupel schwerer geworden sei. [94] 



KEPAS 'AMAA0EIAE 92-101 57 

Der bekannte Papinus wollte sogar anfangen vermittelst elasti- 
scher Diinste zu schieBen (Uffenbachs Reisen, T. I. pag. 12) allein der 
Versuch lief tibel ab, weil durch die gar zu groBe Gewalt die Ma- 
schine zersprang und einige Personen beschadigte. 

Herr Secretair Schroter in Gotha hat auf diese Art, sogar Kupfer- 
Kugeln, die an einigen Stellen eingedriickt waren, wieder rund ge- 
macht. [95] 

Des Morus principium hylarchicum, dadurch er alle Erscheinun- 
gen erklaren wollte, die wir durch den Druck der Luft erklaren, ist 
von J. C. Sturm in seiner Epistola ad Henr. Morum, de principio 
hylarchico seu Spiritu naturae auf das btindigste widerlegt. [96] 

Krascheninninikow in seiner Beschr. v. Kamtschatka: Deutschfe] 
Obers. p. 112 fiihrt ein Kraut an, welches Zgate heiBt und eine Art 
von Ranunkeln sein soil, mit diesem Kraut vergiften die Kamt- 
schadalen ihre Pfeile die so giftig werden, daB die groBten Wal- 
fische, wenn sie damit geschossen werden, an das Ufer kommen und 
mit unglaublichem Winseln sterben. Das schleunige Aussaugen ist 
das einzige Mittel dagegen. [97] 

<Ibid. p. 120 Die Kamtschadalen halten so viel auf VielfraB-Pelze, 
daB sie glauben die Engel im Himmel trugen welche.) [98] 

p. 121 Die Baren daselbst toden kein Frauenzimmer. [99] 

p. 1 58 Die See-Baren, weinen und vergieBen Tranen, wenn ihnen 
die Wunden stark schmerzen oder wenn man sie stark beleidigt. 
Dieses sind die Tiere mit denen Herr Steller so grausam verfuhr, er 
stach einem die Augen aus, so daB es in einem Kampf selbst seine 
Verteidiger anfiel die es wieder anflelen, in die See sprengten wieder 
herausjagten und endlich tod bissen. [100] 

p. 241 Die Kamtschadalen, sind so feig, daB sie keinem Feind ge- 
trauen grad unter Augen zu gehen, welches desto mehr zu verwun- 
dern ist, da sie sich gar nichts aus dem Leben machen und der Selbst- 
mord bei ihnen etwas sehr Gemeines ist. [101] 



58 SUDELBUCHER 

p. 262 Man hat Exempel, daB einige Kamtschadalinnen ihre neu- 
geborenen Kinder lebendig den Hunden vorgeworfen haben. [102] 

p. 280 Unter den Tschukotschen ist der Diebstahl so gar ruhmlich 
und ein Tschukotschisches Madgen bekommt keinen Mann sie muB 
denn ihre Erfahrung in dieser Kunst erwiesen haben. Wenn aber 
einer ertappet wird, so wird er hart gestraft, weil er seine Sache nicht 
besser versteht. [103] 

Die Kamtschadalen so wohl als Kurilen, ermorden von Zwillin- 
gen gleich einen und iiberhaupt sind die Mordtaten bei ihnen eben 
nicht sonderlich geahndet. [104] 

Muschenbroek ist ganz fur die kaltmachende Materie. Er fuhrt zu 
Bestattigung seiner Meinung einige Erfahrungen an, die man auBer 
in seinen Schriften auch noch in Eberhards ausgemachten Wahrhei- 
ten in der Naturlehre p. 210 seqq. antrifft. 1) hat er bemerkt, daB 
beim 3 2° Fahrenheit, der Frost angeht, daB er bis auf 41 dauret; und 
daB es doch schon beim 33 auch zu dauren anfangt. 2) will Cirill in 
Neapel bemerkt haben, daB es in Neapel bei weit geringerer Kalte 
friere, als in Engelland. Daraus schlieBt er es miisse auBer der Ab- 
wesenheit der Warme, die nur allein das Thermometer anzeigt, noch 
eine Materie da gewesen sein, die das Gefrieren verursache. 3) Wenn 
die Graben zuweilen im Sommer bei einem Nordwind zufrieren, so 
kann es nicht vom Mangel der Warme herruhren; 4) aufgedautes 
Wasser kann nicht wohl zu Erweichung der Speisen, Tee und Coffee 
gebraucht werden, daher muB sich eine Materie damit vermischt 
haben, die vorher nicht darinnen war. 5) Salpeter-Geist mit Wasser 
vermischt macht daB die Warme von 33 bis zum 41° steigt da er 
mit dem Eis vermischt eine terrible Kalte zuwegen bringt. 6) und 
selbst, daB man mit Salpeter und Schnee einen Eis uber dem Feuer 
erzeugen kann, zeigt daB diese Salze etwas enthalten miissen, das das 
Eis verursacht. [105] 

Die Lettres d'un Anonime, wovon kiirzlich der zweite auf 10 Bo- 
gen in 12— herausgekommen ist sind mit unter die feinsten Schrif- 
ten gegen diesen sonderbaren Mann Rousseau zu rechnen. Der erste 
ist gegen den Contract Social, der zweite gegen den Emil. [106] 



KEPAS 'AMAAGEIAL 102-114 59 

Ein Cakan oder schriftgelehrter Jude in Surrate versicherte dem 
Herrn Toreen (Vid[e] seine Reisbeschreibung in Osbecks Reise 
p. 468) daB der so lange gesuchte Scepter von Juda annoch zu finden 
sei, und daB er sichere Nachrichten hatte, nach welchen eine groBe 
Anzahl Hebraer in Afrika gegen Westen von Abyssinien zu finden 
seien, die unter ihrer eignen Obrigkeit stunden, [107] 

Osbeck. Reise djeutsche]. Ubers.p. 35 sagt daB sich der Spanische 
Catechism: oder ihre so genannte Doctrina Christiana anfange: 
Was hat der Christ fur ein Kennzeichen? Antwort: Das Kreuz- 
machen. [108] 

Ibid[em] p. 222 Die Chineser ziehen ofters winters 13 bis 14 Klei- 
der iibereinander an, und tragen statt der Muffe eine lebendige 
Wachtel in der Hand. [109] 

Ibidfem] p. 225 Das Wort Tchu heiBt bei den Chinesern, ein 
Hausherr, ein Schwein, eine Kiiche und ein Pfeiler. [no] 

Ibid. p. 3 10 [Osbeck] hat bemerkt, daB in ganz China kein einziges 
antiskorbutisches Kraut gefunden wird, und daB auch der Scharbock 
ganz was Unerhortes ist. [in] 

Ibid. p. 353 Unsere so genannte spanischen Rohre sind eine Art 
von einem Palmbaum (palma Bacalus) der auf der Insel Sumatra 
haufig angetroffen wird. [112] 

Essais historiques sur les principaux ridicules des differentes na- 
tions steht[:] Inltalien siehtmanallenthalbenHeiligeundReliquien. 
Die Schatzkammern der Kirchen sind damit angefullt. Die sonder- 
barste dieser Reliquien sind zwo Flaschen, in deren einer ein Strahl 
des Sterns, der den heil. 3 Konigen den Weg wies, und in der andern 
der Klang der Glocken zu Jerusalem aufbehalten wird. [113] 

Hasselquist Reise nach Palastina. p. 188. Im Gelobten Lande in 
Zur gibt es eine solche Menge Flohe, daB man glaubt diese Tiere 
seien hier aus der ganzen Welt beisammen. [114] 



60 SUDELBUCHER 

Ibid. p. 596. Ein Bey hatte bei seinem Tode 77 Weiber hinterlas- 
sen, die alle schwanger waren, und ein anderer Tiirke hatte in 10 
Jahren mit 8 Weibern 80 Kinder gezeugt, die alle damals lebten. 

[115] 

Eberhard leitet in der neuen Auflage seiner Physik die Gesetze 
des Gleichgewichts beim Hebel aus der Zusammensetzung der Be- 
wegung her. Gegen ein ahnliches Verfahren des Varignon hat schon 
Joh. Bernoulli mit Grunde erinnert, daB es bedenklich sei, die Zu- 
sammensetzung derBewegung da anzubringen, wo keine Bewegung 
erfolgt; inderTatwird auch bei einemsolchen Verfahren unbewie- 
sen angenommen, was ein [en] groBen Beweis notig hat, daB sich 
bloB druckende Krafte, wie die Bewegungen verhalten, die sie her- 
vorbringenkonnten, und endlich nimmt Herr Eberhard in Korpern 
einen Schwerpunkt aus der Erfahrung an, der sich, wenn die Lehre 
vom Hebel anders angegriffen wird a priori ziehen laBt. Will man 
den Schwerpunkt aus der Erfahrung annehmen, so kann man eben 
so leicht das Gesetz des Hebels aus ihr annehmen. Kastner. [116] 

Gott. gel. Anz. 1767 p. 136 wird von Helvetius gesagt. Sein alles 
zur leiblichen Wollust zuruckrufende Buch ist geschrieben tausend- 
mal mehr Boses zu tun, als ein einzelner Mensch gut zu machen im 
Stande ist. [117] 

Der Gottesdienst der Benjanen ist ein Familien-Erbe dazu kein 
Fremder gelangen kann. Worin besteht er eigentlich? [118] 

In Almerode enthalt das so genannte Alaun-Erz nur die Vitriol- 
saure, und ein gewisser Ton die Alaun-Erde dazu, beide mit einan- 
der vermischt geben das eigentliche Alaun-Erz ab, aus dem Er her- 
nach ausgelaugt. werden kann. Diese Erde kann man aus jedem 
Alaun erhalten, wenn man ihn in Wasser auf lost und Pottasche zu- 
wirft, so laBt die Vitriol-Saure die Erde fallen und greift die Pottasche 
an, daraus denn ein Tartarus Vitriolatus entsteht. [119] 

Der Sarus des Monds (wie es die alten Chaldaischen Weltweisen 
nennen) besteht aus 223 Mondwechseln oder 18 Jahren 11 Tagen, 
weil nun da der Mond wieder vollig in die namlichen Stellungen 



KEPA2 'AMAA0EIAS 115-127 



6i 



gerat, so sieht man deutlich, daB die sogenannte Irregularitaten 
keine sind. [120] 

Die Logleine ist das Instrument womit man die Geschwindigkeit 
des SchifFs zu finden sucht, welches aber bei groBen Wellen sehr 
triigt. Es heiBt auch bloB der Log. [121 ] 



Ad Boream terrae, Sed coeli Mensor ad Austrum 
Ortum Praeco Dei videt, occasumque Poeta. 



[122] 



Halleys Erde in der Erde, die bewohnt ist und die statt einer Sonne 
eine leuchtende Atmosphare hat, aus der zuweilen etwas heraus 
dringt und den Nordschein formiert. So wie sich einige Ausleger der 
Schrift anfanglich das Licht bei der Schopfung dachten, fur dessen 
Uberbleibsel die neblichten Sterne noch von einigen gehalten wer- 
den. [ I23 ] 

In den Gott. gel. Anz. von 1743, 24 [~] St. wird eine Aufgabe be- 
kannt gemacht, die Ursache zu finden warum jeder numerus pri- 
mus der um 1 vermindert [wird,] die Eigenschaft habe, daB er sich 
in 2 Quadrate teilen lasse als 5, 13, 29 [124] 

Einem gewissen Herrn von Wassenaer einem vornehmen hol- 
landischen Edelmann, riB bei einem Vomitiv, das er nahm der Ma- 
gen von Schlund ab. Vid. Boerh. hist, morbi atrocis nee antea de- 
scripti. Swanton [ I2 $] 

Rousseau Discours, qui a remporte leprix a Vacad. de Dijon en Fannee 
1750 sur la question si le retablissement des sciences et des arts a contribue 
a epurer les moeurs. 

Un reste d'humanite porta les Espagnols a interdire a leur Gens 
de Loi l'entree de TAmerique, quelle idee falloit-il qu'ils eussent de 
la Jurisprudence. Ne diroit-on pas qu'ils ont cru reparer par ce seul 
Acte tous les maux qu'ils avoient faits a ces malheureux Indiens. 

[126] 

Ibid. L*astronomie est nee de la Superstition, Teloquence de 
Tambition, de la haine de la flatterie, du mensonge. La Geometrie 



62 SUDELBUCHER 

de l'avarice, la Physique d'une vaine curiosite; Toutes et la morale 
meme, de Torgueil humain. [127] 

Ibid. Note. Y a t il aujourd'hui meme en Europe si mince physicien, 
qui n'explique hardiment ce profond mystere de rElectricite, qui 
fera peut etre a jamais le desespoir des vrais philosophes? [128] 

Dante sieht in der Holle die falschen Propheten mit umgedrehten 
Kopf, so daB ihnen die Tranen, die sie weinen iiber den Hintern 
flieBen. [129] 

Ludwig Cartusius ein Rechtsgelehrter zu Padua der schon anno 
141 8 starb, lieB sich durch Frauenzimmer, derenjeder er 500 Zechi- 
nen vermachte auf den Kirchhof tragen 500 Musikanten halb vor 
und halb nach dem Sarg spielten die lustigsten Sachen. Die Geistli- 
chen trugen alle griine Zweige. Es sollte eine Satyre auf die damals 
eingerissene Mode sein Klagweiber zu bestellen. Vid. Hannover. 
Magaz. 1767. 72— St. [130] 

Der Esel ist nur in Europa durch seine lange Sklaverei so faul ge- 
worden. In den orientalischen Fabeln heiBt er der Aufgeweckte und 
spielt fast eine Rolle, wie unser Fuchs. Vid. Gott. gel. Anz. 1767 
p. 784. 98^ St. [131] 

Briefe die must. Liu. betreff. Band XV. Brief 245 Beschlufi. wird die 
Philosophic defmiert durch eine Wissenschaft die Verhaltnisse des Men- 
schen gegen alles was er aufier sich denkt anzugeben. Dazu gehort nun 
eine Kenntnis der Krafte und so sieht man leicht wie er so wohl 
spekulativische und praktische Teile zu dieser Erklarung bringen 
kann. Vid. p. 37. [132] 

Der beruhmte Dry den starb an einem ersten Mai. [133] 

Lessing Ein Titul muB kein Kiichenzettul sein. [134] 

Man sagte einem Menschen die Seele sei ein Punkt, worauf er 
antwortete, warum kein Semikolon, so hatte sie einen Schwanz. 



KEPAE 'AMAA0EIAS 127-145 



63 



Die Einwohner der Ukrane haben den Segen ihres Popen einmal 
in einer Pelzmiitze aufbewahrt. [136] 

Die Mexikaner glaubten, als ihr ioojahriger Kalender zu Ende 
ging, die Welt wiirde untergehen. [137] 

Als Konig Heinrich der 4- sich zur katholischen Religion be- 
kannt hatte und die Ligue noch nicht nachlassen wollte, so tat ihm 
die Menippeische Satyre, an welcher verschiedene Gelehrte arbei- 
teten mehr Dienste, als die Schlacht bei Ivry. Vid [e] Schrockh p. 3 17. 

[138] 

Imjahr 968 den 22— Dez: geriet die Armee des tapferen Otto I. 
iiber eine Sonnenfmsternis in ein solches Schrecken, daB sie zum Teil 
in Fasser und Kasten krochen. Vid. Schrockh T. I. p. 233 . [139] 

Philipp von Macedonien, Heinrich der Vogler und Friedrich 
Wilhelm von PreuBen, bereiteten die Armeen, die ihre Sohne zu 
groBen Eroberungen brauchten [140] 

Liscow. Die Leute die den Reim fiir das Wichtigste in der Poesie 
halten, betrachten die Verse wie Ochsen-Kaufer von hinten. [141] 

Ebendas. Ein elender Schriftsteller, der sich nicht mehr zu helfen 
weiB faBt endlich die Horner des Altars. [142] 

Ebend. Schlechte Schriftsteller sind nach meinem Begriffdiejeni- 
ge, welche allerhand abgeschmackte Grillen und lappische Einfalle, 
die Ihnen eigen sind und deren Torheit alle Leute die nur ihre 3 Sinne 
haben begreifen konnen in einer albemen scheuBlichen Schreibart, 
so verworren und undeutlich vortragen, daB man mit Hande[n] 
greifen kann daB sie nicht recht unter dem Hut verwahrt sind und 
daB sie selbst nicht wissen was sie haben wollen. [143] 



Aude aliquid brevibus Gyaris et carcere dignum 
Si vis esse aliquis. Juvenjal]: Sat[ira] I. 



[i44] 



qui animas negotiatur et expenmenta per mortes agit. [145] 



64 SUDELBUCHER 

Belisaire. La chimere du mieux possible devient le modele du 
bien. Chap. VIII. [146] 

Ibid. Sagt er vom Adel : Ce sont des avances, que la Patrie vous 
fait, sur la parole de vos ancetres, en attendant, que vous soyes en etat 
de faire honneur a vos garants. [147] 

Vizzani heiBt das Madgen, das sich in Italien in andere Madgens 
verliebte und mit Ihnen herumschwarmte. Man sehe das allgemeine 
Magazin der Natur und Kunst. [148] 

Busby ein beriihmter Schulmeister in London der wegen seiner 
vielen Verdienste um die Jugend in Westminister Abtei begraben 
wurde, wo man ihm ein Denkmal aufgerichtet hat. [149] 

Lebonhomme, (Gordon) avoit[ecrit] quelques uns de cespetits 
Livres de Critique, de ces brochures periodiques ou des hommes in- 
capables de rien produire denigrent les productions des autres, ou les 
Vise insultent aux Racine, et les Faidit aux Fenelon. L'Ingenu. 
Chap. XL [150] 

Pope the Wife of Bath 

Before my Face my handkerchief I spread 

To hide the Flood of tears I did - not shed 

But vigrous still, a lively buxom dame 
And had a wondrous gift to quench a Flame. 

on trouve dans ses vers une certaine aisance 
Qu'on ne peut pas louer sans trop de complaisance 

Boisrobert epit. L 28. [151] 

Braunschw. Zeitung N-38. 1768. Steht eine Vergleichung der 
Musik mit der Poesie aus dem Dublinschen Merkurius : Homer Ilias 
ist die Orgel, so wie sie Cacilia erfunden hat. Virgil sind neuere 
Orgeln. Wir haben schlechtere epische Gedichte die wir Positivchen 
nennen wollen, Telemach, Tasso und Ariost. Trauerspiel Clavecin, 
die geringeren sind das Spinett. Die Geige ist die Komodie, die 
schlechten sind Bierfiedler. Die Schaferdichter sind Floten, das Fla- 



KEPAS 'AMAA0EIA2 146-158 



65 



geolet schickt sichfur Sonette und Madrigal. DieHistorienschreiber 
sind die Trommeln, die gewohnlichen Memoirs sind Dudelsacke, 
da Livius und Tacitus die ganze Fulle der Orgel haben, so wie einige 
unserer Romanenschreiber gar kein Ton geben. Die BaBgeige hat 
wenig Abwechslung und sind unsere Moralische Scribenten, Horaz, 
Juvenal und Swift sind meistens Hummeln, oder Murkepotter, die 
alten lyrischen Dichter hatten ihr eigenes unbekanntes Instrument 
die neuern sind Harfen in der Hand eines blinden Harfenisten. Ich 
konnte diese Vergleichung noch weiter treiben, aber die Leser wer- 
den es eben so gut verrichten konnen. h$2] 

Aurum muslcum oder musivum: 

1 Teil Zinn, i Teil 5 amalgamiert. sodann 1 Teil Salmiak, 1 Teil 
Schwefel. Dieses wird sublimiert. [ I53 i 

Don Diego de Mendoza ein portugiesischer Staatssekretar, ward 
wegen seiner tiefenEinsichtenSete Cabicas oder der Sieben-Kopfigte 
benannt. (so konnte man einen den Halb-Kopfigten nennen) 

Ein bekannter Parodien-Dichter Hegemon bekam den Namen 
90CX7J oder Linse. [ I55 ] 



Heralds and poets, by Your leave 

Here ly the bones of Mathiew Prior 

The Son of Adam and of Eve 

Let Bourbon or Nassau go higher [156] 

The weighty bullion of one sterling line 

Drawn to french wire would through whole pages shine. 

Dorset art of poetry [1 57] 

Neue Biblioth. der sfchonen]. Wissensch. 5^£ B. p. 242 wird bei 
Gelegenheit von Herders Fragmenten, die sehr grundlich und mit 
vieler Einsicht rezensiert werden gesagt: Wir halten die Philosophic 
nicht sowohl fur die Kenntnis einer gewissen Summe von BegrifFen 
und Satzen als fur eine allgemeine Fertigkeit, das Empfundene zu 
Gedanken zu bringen, Gefuhle in Ideen aufzulosen und alles was in 



66 SUDELBUCHER 

unserer Seele Bild ist zu den erstenStrichen der Zeichnung zuruckzu- 
fiihren, aus denen es zusammen gesetzt ist, mit einem Worte, sie 
bestehet nicht sowohl im Wissen als imErfinden. Vid. p. 31. [ I5 g] 

Als der Pabst unter Karl dem 5— von den Spaniern in der Engels- 
burg eingeschlossen war so betete man doch in alien Kirchen in 
Spanien daB Gott den Pabst aus den Handen seiner Feinde befreien 
mogte. [159] 

Franz der Erste von Frankreich hoffte Mailand von Karl dem 5— 
zu erhalten, und erinnerte ihn deswegen an eine Deklaration, die er 
ihm vorher getan hatte, namlich was mein Bruder (Franz I. namlich) 
will, das will ich auch. Ja antwortete Karl, mein Bruder will aber 
Mailand, und das will ich auch. [160] 

Simpson's Select exercises for young proficients in Mathematics. 

[161] 

De Lalande exposition du Calcul astronomique [162] 

Als die Puritaner den Earl Strafford enthauptet wissen wollten, so 
war er selbst mit hauptsachlich unter denen die es Karl dem Ersten 
rieten bloB weil er glaubte durch seinen Kopf dem Reich die Ruhe 
wieder zu erkaufen. [163] 

Caesar sagt: Tamquam scopulum sic fugias inauditum atque 
insolens verbum. [164] 

Man muB sich die Menschen nach ihrer Art verbindlich machen 
nicht nach der unserigen. [165] 

Die Stoische Sekte leugnet die Grade der Moralitat, alle Verbre- 
chen sind sich, nach ihnen, gleich, sobald man vom Schaden ab- 
strahiert. [166] 

Aut Deus aut Lapis est qui nonjuveniliter ardet [167] 

Caracteres historiques des Empereurs depuis Auguste jusqu'a 
Maximin. par M- Weguelin Tom. I. 504 S. T. II 706 Seiten 8—. 



KEPAE 'AMAAGEIAE 158-173 



67 



Ein Werk das sehr geriihmt wird nur sollen die moral ischen Be- 
trachtungen etwas zu haufig sein. [168] 

Irby In der neuen Bibliothek der schonen Wissensch. VI— 
Bandes zweitem Stiick wird eine kleine Schrift angezeigt, worin ein 
gewisser feiner Gelehrter Richard Warner von Woodford row in 
Essex zu wissen tut daB er willens [sei,] ein Glossarium iiber Shake- 
spearen heraus zu geben, worin nicht allein veraltete sondern auch 
sonst ungewohnliche und Lokalausdriicke erklart werden sollen, 
denn es ist bekannt, daB Shakespeare voll Warwickshirescher 
Redensarten ist. Der Titel dieser Schrift heiBt: A Letter to David 
Garrick Esq. concerning a Glossary to the plays of Shakespeare on a 
more extensive plan than has hitherto appeared. To which is anne- 
xed a Specimen. [169] 

Von der Mairanischen Entdeckung z.E. 913-319 = 9n wird bei 
Gelegenheit von der neuen Ausgabe des Clemmischen Handbuchs 
in der Braunschw. Zeitung 1768 N- 129 gesagt. Herr Clemm hat 
den Beweis dieses Satzes in eine weitlauftige Buchstabenrechnung 
gehullt, die hier gar nicht notig war, weil der ganze Beweis auf der 
sehr leichten Bemerkung beruht, daB eine Zahl-ZifFer mit so viel 
Nullen als man will dahinter, durch 9 dividiert, zum erst [en] die 
Zahl-ZifFer laBt, und daB die Differenz zwei solcher Zahlen wie 913 
und 319 sich noch mit 9 dividieren laBt, wenn hinter der einen oder 
der anderen, oder hinter beiden noch Nullen angehangt werden; 
daher der Satz auch von ihren Potenzen gilt. [170] 

Die SchafFerische Waschmaschine ist schon lange in Engelland 
unter dem Namen dumb Dodley bekannt wie mir Herr Irby er- 
zahlt hat, zugleich mit der Erinnerung, daB zu Eton alle sein WeiB- 
zeug damit sei verdorben worden. [171 ] 

Eine englische Dame las (es ist eine wahrhafte Geschichte) den 
Titul Venice preserved and the plot uncoverd, Venison preserv'd 
and the pot uncovered. [172] 

Die Akademie zu Haarlem gibt vor dem Anfang des Jahrs 1 770 
folgende Frage zu beantworten auf: Was wird zu der Kunst zu be- 



68 SUDELBUCHER 

obachten erfordert? und wie viel tragt sie bei den Verstand vollkom- 
mener zu machen. Die Abhandlungen miissen franzosisch, nieder- 
deutsch oder lateinisch an C. C. H. van der Aa Secret, von der Ge- 
sellschaft postfrei eingeschickt werden. Vid[e] infra p. 48. [173] 

Dodsleys Collection of Poems VI voll. [174] 

gemeinniitzige Abhandlungen zur Beforderung der Erkenntnis 
und des Gebrauchs nattirlicher Dinge in Absicht auf die Wohlfahrt 
des Staats und des menschl. Geschlechts von Joh. Dan. Titius 1768 
1 Alph. 12 Bogen [175] 

Im 105— Stuck der Gott. gel. Anzeigen wird von den Mem. de 
Paris 1760 oder 1764 von einer neuen Maschine gesagt: Hieher ge- 
hdrt vornehmlich ein vermutlich in Sachsen erfundenes neues 
Pumpwerk, wo die Luft durch ihren Druck das Wasser bis auf 100 
Schuh in die Hohe treibt. Es ist merkwiirdig, daB wo diese gedruckte 
Luft ihren Ausgang hat, sie bei halb ofFenemHahne einen Schnee und 
bei ganz ofFenem einen Hagel ausmacht. [176] 

Der Kraken (Microcosmus) ein ungeheures Seetier, das nur alle 
Jahr einmal vom Boden des Meeres herauf kommt, sichvoll friBt 
und denn wieder hinunter geht. Pontoppidan in seiner Naturgesch. 
v. Norwegen hat es beschrieben. Vid. Eberhards Zoologie Unzer 
kleine Schriften. T.L p. 270 [177] 

Ein Churfiirst von Bayern muBte einmal in Holland fur Speck 
und Eier, wobei er seinen eigenen Wein noch trank 50 Dukaten be- 
zahlen. Was Henker, fragte er den Wirt, sind denn hier die Eier so 
selten. Nein antwortete er ganz trocken, die Eier nicht aber die 
Churfiirsten. [178] 

Folgendes habe ich aus einer Reise-Beschreibung genommen, 
die den Titul fiihrt a Voyage to the East Indies in 1747 and 1748 
London 1762. 

Sie gingen von Engellandnach St Helena vom 20 7— - 25— 10 ^ 
3 Monat 1 Woche und 6 Tage. 

Von da nach Batavia vom 14 Jan. - 19 April 3M.1 W. 4 T. 



KEPAL 'AMAA0EIAL 173-185 69 

Von Batavia nach China vom 9 Junii - 8 Jul. 1 Monat. 1 Tag. 

Zuriick 

Von China nach St Helena [vom] 12 Jan . - 4 April 2 Monat. 3 W. 
5- 

Von St Helena nach Schottland vom 25 April bis 9 July. 2M.2W. 
5T. 

auf der Hin- und Her-Reise brachten sie zu 13 M. 2 W. [179] 

Man rechnet gewohnlich daB eines ins andere gerechnet ein 
SchifF 3 englische Meilen in einer Stunde zuriick legt, dieses ist das 
Mittel aus einer ganzen Reise. Ibid. [180] 

Die Reise die ich S. 42. angefuhrt habe enthalt p. 94 eine Erzah- 
lung von der Dethronisierung des Konigs von Madura, die sehr 
ruhrend ist und aus welcher sich ein Trauerspiel machen lieBe. 

[181] 

Was ist Zafra, die aus Kobolt gemacht wird? Vid[e] Kunckels 
Glasmacher-Kunst. p. 58 seqq. Es ist ein stark mit Sand vermischter 
gerosteter Kobolt, den die Hollander zum Bemalen ihrer Geschirre 
aus Sachsen kommen lassen. Man vermischt den Kobolt deswegen 
gleich so stark mit Sand damit man nicht, anders wo auch die ein- 
tragliche Smalte daraus verfertigen konne. [182] 

Vid. p. 17. Rousseau Robeck hat ein Buck (de morte voluntaria) 
von der RechtmaBigkeit des Selbst-Mords geschrieben und sich 
selbst hernach ermordet. r^i 

Allgemeine Bibl. VI. B. 3^ Stuck p. 94 wird gesagt, daB die 
Aachner Nahnadeln diejenigen aus Schwabach in Franken und noch 
einige andere sind in ganz Europa als unnachahmlich bekannt. 

[184] 

Herr Laurent in Paris hatte einem Soldaten in Paris einen so kunst- 
lichen Arm gemacht, daB er alles mit demselben vornehmen konnte, 
ja sogar sehr schon schriebe, dieses horte eine gewisse italianische 
Dame und brach dabei in folgende Naivitat aus : Caspita che questo 
Signor Laurent e valenthuomo lo stimerei ben capace di rimembrar 
un povero Abelardo. Arzt. IIIp] Band 129^] St. [185] 



70 SUDELBUCHER 

Ibid. T. V. St. 116: Ein Regentropfen ist eine ganze Welt, denn 
er enthalt, alle 4 Elemente, und Boerhaave nennt ihn die Lauge der 
Atmosphare, weil er alles in sich enthalt, was in derselben herum 
schwimmt. [186] 

Tom[e] VII. St. 169. 
Hier erwahnet Herr Unzer eines der seltsamsten Menschen, den 
er noch dazu selbst in der Kur gehabt hat ; dieser hielte sich fur 2 Per- 
sonen, glaubt er ware im Himmel und man hatte statt seiner einen 
Bettler in das Bette gelegt, forderte alles in der dritten Person, er 
will trinken, es hungert ihn; Gott wird ihn erlosen, nur getrost du 
wirst bald bei mir sein. [1 87] 

Arzt iSS Band. 2^ Stuck 
Die Arzeneikunst machet kiinstliche Krankheiten, bloB um die 
natiirlichen damit zu heilen. [188] 

3^ Stuck 
Doktor Luther sagt in seinenTischreden von den Schulen. S. 470, 
471 ausdrucklich: Christen sollen Comodien nicht ganz und gar 
iliehen darumb, daB zuweilen grobe Zoten und Buhlerey darinnen 
sey, da man doch umb derselben willen auch die Bibel nicht diirfte 
lesen. Darumb ist nichts, daB sie solches fiirwenden und um der 
Ursach willen verbieten wollen, daB ein Christ nicht sollte Comodien 
mogen lesen und spielen. [189] 

4~ Stuck 
Ich weiB es wohl daB es Leute gibt, die kaum Zeit haben zu leben, 
und die keine andre Gesundheit verlangen, als die man im Lehn- 
stuhle erlangen kann. [190] 

17^ St. 
Ein einziger, kiihler Wind in einer Hundstags-Nacht reiBet mehr 
Menschen dahin als tausend Ge witter. [191 ] 

Kriigers Traume sind die Wahrheiten in ihren schonsten Schlaf- 
Rocken. [192I 

18^ St. 
Unser ganzer Leib ist gleichsam mit Seele durchwurkt. [193] 



K.EPAS 'AMAA0EIAE 186-202 71 

Der Gehor-Nerve spricht uns gleichsam die Schwingungen aus. 

[194] 

22^ Stuck 

Es hat schon verschiedene Gelehrte gegeben, die es eingesehen 

haben, daB die eigentliche hohere oder abstrakte Vernunft, eine 

derii Menschen ganz unnatiirliche Sache, und die Gelehrsamkeit 

eine wahre Krankheit des Menschen sei. [195] 



Brief. 
Man. kann behaupten, daB mehr, als die Halfte der Menschen, 
durch die Verwahrlosung, der natiirlichen Ausfuhrungjen] sterben 
muB. [ Ig6] 

3<& St. 
Eine allzu sanfte Bewegung ist gleichsam nur ein Kompliment, das 
man der Natur macht, wenn sie uns gebietet im SchweiBe unser 
Brod zu essen. [191] 

31- St. 
Der EntschluB sich zu toden setzt allemal zween Augenblicke 
voraus, da man verriickt ist, einen, worin man ihn faBt, den andern, 
worin man ihn ausfuhrt. [ I9 8] 

10& St. 
Das Bier ist ein flieBendes Brodt. [i 99 ] 

Carew ein Irelander war der OfTizier der auf eine Mine komman- 
diert wurde, bloB damit sie der Feind sprengen mogte, und der es 
auch standhaft tat. - Tortona, vor welcher Stadt es war ging aber 
just damals iiber, man sehe Boswells Tagebuch einer Reise nach 
Korsika. p. 281. 2- Edit, der deutschen Obersetzung. [200] 

Heumann hat eine Abhandlung geschrieben, warum Melanch- 
thon nicht Doktor geworden sei. [ 20 i] 

Michelangelo ging einer Zeche wegen eine Wettung mit andern 
Malern ein, wer den Menschen am haBlichsten malen wiirde. Er 

make ihn so \f und gewann. [202] 



72 SUDELBUCHER 

Bodmer schreibt an Herm Langen bei Gelegenheit eines ubertrie- 
benen sehr unverdienten Lobes, das Herr Triller in franz, Versen 
erhielt 

Un Schwarz trouve toujoursun plus Schwarzqui Tadmire. [203] 

Erstlich Observatio I.ILIII pp gesammelt ehe man anfangt iiber 
eine Sache zu schreiben. [204] 

Der Abt Condillac in seinem Traktat des sensations stellt sich eine 
marmorne Statue vor die inwendig alle Organe hatte und laBt sie 
nun allmahlich empfinden. [205] 

Die Akademie zu Harlem hat den Preis iiber die Observierkunst, 
von neuem aufgegeben, die Abhandlungen miissen zu Anfang des 
Jahrs 1770 eingeschickt werden vid[e] oben. p. 40 seq. [206] 

Quern relego scripsisse pudet, quia plurima cerno 
Me quoque, qui scripsi, judice digna lini. 

Ovid. Lib[er] I. Ex Pont. 5 [207] 

Albucilla ein fameuses Madgen welche Tacitus Lib: VI. annaljes] 
cap. 47 multorum amoribus famosam nennt. [208] 

Burmann glaubt (Vorrede zu seinem Petron) daB vielleicht Petro- 
nius arbiter der Titul des Buchs gewesen sei, so wie man Apicius 
sagt Cato. [209] 

Das Barometer mit zween Zeddeln, wovon ein gewisser Deluc 
Erfinder ist, hat Herr de Lalande in Connois. des temps 1768 be- 
schrieben, die weitlauftigere Beschreibung des Erflnders selbst, 
welche daselbst erwahnt wird, ist, so viel ich weiB, noch nicht heraus. 

[210] 

Den 9— Nov . 1769 bekam ich mein Mikroskop von Herrn Bau- 
mann die Linse N- 1) vergroBert, nach seiner Messung, den Durch- 
messer 45mal N- 2) 86mal N- 3) i66mal und N- 4 276mal, am 29— 
Nov. erhielt ich ein neues Okular-Glas vermittelst dessen kann 
[ich] mit den vier erwahnten Objektiv-Glasern noch folgende 



KEPAL 'AMAA0EIAL 203-216 



73 



VergroBerungen erhalten, 56, 108, 208, 345. und wenn ich die mitt- 
iere Rohre heraus ziehe 530. [211] 

Im November i?6g als Michaeliss Vbersetzung des Hiob heraus kam 
verfertigte Kastner folgendes Sinngedicht 

Eliphas Weisheit, Hiobs Klagen 

Kann uns zur Not noch Luther sagen, 

Doch so, wie Michel weiB er nicht, 

Wie Satan der Verleumder spricht. [212] 



Die Portugiesen heiBen einefn] gewissejn] Strich von gefahr- 
lichen Klippen 80 Meilen ostlich vom brasilianischen Ufer Abrolhos 
oder (aperi oculos) aufgeschaut. [213] 

Am Vorgebirge der guten Hoffhung rauchet man den Mist der 
Elefanten oft statt Tabak, Kolb hat es selbst versucht. Vid. sein Buch. 
p. 150. [214] 

Eine jede Blume hat gemeiniglich einen Keith das Pistill, die 
Federn, die Staubbeutelchen, den Staub selbsten, die Warzgen, den 
Keim das Fruchtbehaltnis und den Samen. Der Ritter Linnaus bil- 
det den Kelch als das Hochzeitbette, die Staubfaden als das mann- 
liche und das Warzchen als das weibliche Glied ab. Er macht die 
Staubbeutelchen zu den Geilen, den Staub zum mannlichen Samen, 
den Keim zum Eierstock, das Fruchtbehaltnis zum befruchtet[en]. 
Eierstock und das Samen-Korn zum Ei. [215] 

DaB die Cochenille ein Insekt ist, dieses ist ein Satz der durch den 
Weg Rechtens durch Notarien und Zeugen ist ausgemacht worden 
Vid. Ledermullers Mikrosk. Augen- und Gemiits-Ergotzungen. 
T.I. p. 57. Das Gummi Laccae in ramulis enthalt in seinem Harz 
auch eine Art von Insekten, die eigentlich die rote Farbe geben, 
man s. hievon eben dieses Herrn Ledermullers Buch p. 60 seq. und 
des Herrn D. Godofredi Observationes de Gummi Laccae materiis, 
prosapiae animalis, quae tincturam purpuream suppeditant, und 
auch etwas da von in des Herrn Cartheusers Diss: exhibens non- 
nulla de genericis quibusdam plantarum principiis hactenus plerum- 
que neglectis 1754. Von diesen Farben-Insekten ist also dieses auch 



74 SUDELBUCHER 

eins mit. Man kennt i) Coccum americanum Cochenille Ledermiil- 
ler. p. 55.2) Coccum ex ilice das Kermes-Korn, wachset auf einer 
Art von Steineiche zwischen den Stielen der Blatter und den Zwei- 
gen, man fmdet den Baum in Frankreich Ledermuller p. 72, 3) Coc- 
cum polonkum hangt an den Wurzeln einer kleinen Staude oder 
Pflanze Polygon oder Skleranthus genannt, Herr Breyn hat davon 
eine besondere Dissertat. geschrieben. Es ist ein Insekt, wie Herr 
Breyn anfangs nicht glauben wollte aber endlich zugestand Leder- 
miiller. p. 64 4) unser Gummi Laccae in ramulis. [216] 

vid[ej p. 48. Der gelehrte Abt zu Sagan Felbiger hat einen Ver- 
such die Hohe des Riesengebiirges zu messen bekannt gemacht. 
Er bediente sich zwoer harmonierenden Barometer und eines 
Reaumurischen Thermometer [s] hierzu. Da er der bekannten Me- 
thode des Herrn Deluc, (die der Herr Prof. Scheibel in Breslau in 
einigen Zusatzen als die zuverlassigste empfiehlt) folgte so fand er 
daB er die Hohe der Schnee-Koppe iiber den Gaussaner Horizont 
auf 567V2 Toisen oder 3041 Pariser FuB zu berechnen habe. Vid[e] 
Hallische gel. Zeit. p. 756. vomjahr 1769. [217] 

Pole der Magneten, AnschieBen der Salze. [218] 

Reflexion des Lichtes geschieht vor dem Spiegel. [219] 

Licht-Teilchen folgen sich sehr feme, das Auge behalt nur die 
Empfindung. [220] 

Warmendes Feuer , leuchtendes Feuer. [22 1 ] 

Franklin's Experiments] and observ. on Electricity p. 470. Wenn 
man ein Fenster lange ansieht die Augen hernach zuschlieBt, so 
kann man noch die Scheiben zahlen, sie sehen aber schwarz aus hin- 
gegen die Rahmen und Quer-Bander weiB, halt man noch auBer- 
dem die Hand vor die A ugen , so sehen die Rahmen wieder schwarz 
und die Scheiben weiB aus. 2) wenn man lange durch ein grunes 
Glas Rest und hernach mit bloBen Auge auf das Buch sieht so sieht 
es etwas rotlich aus und wenn man durch rote Glaser liest griinlich 
dieses zeigt eine Verwandtschaft der griinen Farbe mit der roten, 



KEPA2 'AMAAGEIAS 216-226 



75 



sagt Herr F., die man noch nicht gnug betrachtet hat. Er sagt er konne 
keine von beiden Erscheinungen erklaren. [222] 

Herr vonHaller (ElementaphysiologiaeT.V.p. 443,444) glaubt 
das Licht sei von anderm Licht penetrabel. Die Griinde womit er es 
darzutun glaubt sind alt. Er stellt sich in einem Zimmer 1000 Spiegel 
vor, in jedem Punkt des Zimmers konnen die Bilder im Spiegel ge- 
sehen werden, das Auge sieht sie vermittelst einer Pyramide, deren 
Spitze auf der Horn-Haut die Basis aber auf der Flache der Spiegel 
ist, diese Pyramiden durchkreuzen sich viele millionmal. [223 ] 

Childers ein sehr beruhmtes Pferd in Engelland, das durch seine 
haufigen Siege zu Newmarket verewigt ist. [224] 



Zwo Historien aus Kastners Munde 

1) In Leipzig muB der Prof. Eloquentia aufjede Magister-Promo- 
tion ein Lateinisches Gedicht verfertigen, worin er so viel zur Ehre 
des Herrn Magisters erzahlt als moglich ist und gemeiniglich von 
alien Collegiis Nachricht gibt die er gehort hat. Nun hatte ein ge- 
wisser Magister damals die Astronomie bei dem D- Jungius gehort. 
Der Prof. Eloquentia Herr... konnte das Wort Astronomie nicht 
in den lateinischen Vers bringen und doch wollte er diesen Umstand 
erwahnen, so fmg er so an und glaubte sich dadurch auch zugleich 
wegen der Vermeidung des Wortes mit zu entschuldigen 

Jungius in tenebris quae non fas dicere tractat. 

2) Kastner, Gellert und einige andere Personen gingen einmal 
zusammen spazieren und die Rede kam darauf was jeder fiir ein 
Amt in der Republik am liebsten bekleiden wollte. Der fromme Gel- 
lert sagte mit seiner heiligen Unschuld und ohne das mindeste Arge 
zu meinen, sein groBtes Vergniigen wiirde seinjunge Frauenzimmer 
zum Ehestande vorzubereiten, weil Kastner dabei war, der es iiber- 
all anbrachte so muBte sich Gellert ein gauzes Jahr deswegen leiden. 

[225] 

Ober ein Gedicht der Frau Karschin 
im Musen-Almanach 1770. 137 S. 
Wie einst zum Salomo des Siidens Konigin 
So reist Antonia zum groBen Friedrich hin 



j6 SUDELBUCHER 

Nur konnte sie wohl nicht mit Zentnern Goldes kommen. 
Die hatte Salomo vor kurzem selbst genommen. 

Kastner. [226] 

DaB die Baukunst Affekten errege wird in der Bibl. der s[chonen]. 
Wissensch. T. I. p. 23 3 nicht ganz geleugnet. [227] 

Im Pabstlichen Gebiete geschehen jahrlich bis 2000 Mordtaten, 
wovon sehr wenige gestraft werden. Vid. Voyage d'un Francois 
T. V. Gott. Gel. Anz. 1770 p. 140. [228] 

Die Samen-Hiillen (involucra) des Mais (turkischen Weizen) ge- 
ben ein vortrefFJiches Papier. [229] 

Alkrlei Kunststucke 

1) Einen Hund der zum Tor hinaus lauft mit 3 Strichen zu zeich- 
nen. Von Herrn v. Munchhausen. 

2) Wie viel ist anderthalb Drittel von 8? 

3) Der Hahn, der Hahn und nicht die Henne. 

4) Das Glas pp das ist nicht recht. 

5) Die WassernuB von frischem Brodt, die nicht mit groBer Ge- 
walt entzwei geworfen werden kann. 

6) Zwei Messer auf einem Glas zu balancieren 

7) Zwei Kirschen durch ein enges Loch in Papier zu stecken. 

8) Ein Loch in eine Charte zu schneiden, so daB 4 Bouteillen Wein 
dadurch gehn 

9) In einem GefaBe sind 8 Bouteillen Wein mir werden zwei leere 
GeraBe gegeben davon das eine 3 das andere 5 halt ich soil den 
Wein im obigen GefaB vermittelst dieser halbieren. (Der kur- 
zeste Weg ist mit 6 Aus- und AbgieBungen) 

10) Eine Kette aus einer Charte zu schneiden 

Diese Figur die aus dreien Quadraten besteht in 4 
gleiche und ahnliche Teile zu teilen. 

12) Einen Format fur Papier anzugeben so daB Folio 4— und 8— 
alle einander ahnlich werden. 

13) Die ungerade magischen Quadrate 

14) zwo Personen zusammen zu binden und sie los zu machen ohne 
aufzubinden. 




KEPAL 'AMAA0EIAS 226-233 77 

15) 5 Quadrate so zu zerschneiden, da8 man eines daraus legen kann. 

16) zwolf Stiicke Geld in ein Quadrat zu legen 

17) in einem Tropfen Wasser die Charten am Licht zu sehen 

18) As, Konig, Dame und Buben so in ein Quadrat zu legen, daB 
weder 2mal Coeur pp noch auch 2 Damenpp weder in einer 
Horizontal- noch Vertikal-Reihe zu liegen kommen. 

19) Geld durch einen Teller zu schlagen. 

20) die Charten auswendig her zu sagen. 

21) Die 4 Asse in die Mitte zu bringen durch die Volte 

22) Das Stuck mit den 3 Haufen mit der Veranderung. 

23) populeam virgam mater regina tenebat. 

24) 8 Stiicke Geld auf 4 Haufen zu legen und doch niemals mehr 
oder weniger als 2 zu iiberspringen. 

25) Den Nurnberger Tand spielen 

26) Das Holz mit den Ringen 

27) Ein Billet 4eckigt zusammen zu stecken, welches mir Herr Kal- 
tenhofer zeigte. 

28) Der Tumbler 

29) Das Glas mit dem Papier darauf, herum zu wenden. vid[e] infra. 

30) Die beiden NuBschalen zusammen zu kntipfen. 

31) Einen Rechen zu zeichnen. 

32) Ein Stuck Bindfaden durch die Schlinge hinter dem Daumen 
zu stecken 

33) Ein Schnupftuch nach der Tur zu werfen und dabei iiber die 
andere Achsel zu sehen. 

34) Die Karte so zu werfen, daB die oberste allein herum fliegt. [230] 

Es gibt ein Spruchwort im Englischen, das heiBt: er ist zu dumm 
um ein Narr zu werden. Es steckt sehr viel feine Bemerkung hier- 
in. [231] 

Cranz. Beschr. v. Gronland. T. I p. 64 ; T. I. p. 1 80 Gronlander halt 
sich fur sehr weiB T. I. p. 23 1 satyr. Duelle. p. 259 Seelenwanderung 
hat man unter ihnen; p. 103 T. I. Eine gewisse Art von Feldhuhnern 
ist weiB im Winter und grau im Sommer. [232] 

Der erste der das Venus-Obel nach Europa gebracht hat war ein 
Monch namens Buellio der namliche [der] den Christ. Kolumbus 



78 SUDELBUCHER 

exkommunizierte, und hernach in Spanien es dahin brachte daB 
der groBe Entdecker der neuen Welt in Ketten und Banden gelegt 
wurde. Recherches philos. sur les Americains T.L p. I6\ ist dieses 
Buch von Pauw? [233] 

Je wilder eine Nation ist desto weniger kann man die Weiber an 
den Gesichtern von den Mannern unterscheiden. Defenses des re- 
cherches philos. sur les Americains p. 19 [234] 

In den Recherches sur les Americains im II [— ] Tom[e] p. 162 
wo ich nicht irre stent, daB man einmal ein[en] Wilden, den die 
Missionar[e] fur einen ihrer Neubekehrten ausgegeben gefragt 
hatte wer Christus gewesen ware, so habe er geantwortet ein gebo- 
rener Franzos, der ein Tausendkiinstler gewesen und in London ge- 
henkt worden ware, Pontius Pilatus ware ein Lieutenant in der Garde 
des Konigs gewesen pp. [235] 

GroBe ohne Starke ist dem Herrn Rat Moser ein reicher Grund 
des Lacherlichen. Harlequin, p. 48 [236] 

Scaramusche bezeigt eine aufrichtige Freude, da er diejenigen, 
welche ihn derb geschlagen, um deswillen noch auslacht, daB er 
sie betrogen und durch seine vom Harlekin entlehnte Kleidung zu 
einem Irrtum in Ansehung der Person verfiihret habe. [237] 

Bergamo das Land der Harlekine. [238] 

Den Harlekin charakterisiert die gute lacherliche Dummheit, 
Herr Scapin ist spitzfundig, Mezzetin hohnisch, Triveltn gramlich, 
Pierrot baurisch lacherlich. [239] 

Die Zaporavianischen Kosaken dulten keine Weiber in ihrem 
Land, die Manner halten sie auBerhalb des Land[es]. V. memoirs 
of Russia by colonel Manstein. p. 19. [240] 

Zwischen Petersburg und Moskau muB man sagt Manstein p. 52 
den Postillionen Geld geben, damit sie langsam fahren. [241] 



KEPAS 'AMAA0EIAE 233-249 



79 



General Miinnich entwarf mit einem Bleistift den Plan zu der 
Hiitte die sein grofier Nebenbuhler Biron im auBersten Siberien 
(Pelim) beziehen sollte, nicht eingedenk, daB er den Plan zu seinem 
eigenen Kerker entwarf. Vid. Manstein. 280. v. 322 [242] 

p. 324. Die Kaiserin Elisabeth gelobte bei dem Antritt ihrer 
Regierung niemand an Leben zu strafen, dieses machte den Pobel 
sehr iibermiitig in RuBland. Rebellion [en] sogar in der Armee wur- 
den dadurch hervorgebracht. [243] 



<Saleh Beg hieB der Morder des Schach Nadir.) 



[244] 



<Schach Nadirs Pyramiden mit Menschen-Kopfen angefiillt.) 

[245] 

Die Krankheit, davon Niebuhr Achenwallen erzahlte da namlich 
den Leuten diinne Wurmer wie Zwirnsfaden aber zuweilen 6 Ellen 
lang in den Armen und im Rucken und den Beinen pp wachsen, die 
die Patienten noch und noch heraus winden mussen, wird auch in 
Guiana gefunden Vid. Barrere eine Beschreibung von Guiana in der 
Sammlung merkwurdiger Reisen, die in Gottingen herausgekom- 
men sind Tom. 2. p. 56. Sie heiBen da Guineische Wurmer. Die 
Wunde heilt allemal schwer zu und die Patienten bekommen oft 
eine Schwindsucht. [246] 

Was ist der Roucou dessen Bereitung Barrere eben daselbst. p. 70 
beschreibt, die Indianer farben sich damit. [247] 

<Die Pitte (fil de Pite) ist eine Art von Ananas (Ananas non acu- 
leatus Pitta dictus V. description des plantes de Tamerique par le P. 
Plumier) sie gibt einen guten Flachs, der Faden davon ist starker und 
feiner als Seide) Die Portugiesen machen Strumpfe draus, welche 
den seidenen an Feine nichts nachgeben sollen. Wenn sie in Europa 
Mode wiirde, so glaubt man sie wiirde den Seiden-Manufakturen 
Abbruch tun. p. 84. [248] 

Die Stocke des Mais, wenn sie noch zart sind konnen wie Gurken 
eingemacht werden, und sollen vortrefflich schmecken. vid[e] 
Osnabr. Intell. Bl. 1771. St. 25. [249] 



80 SUDELBUCHER 

Die Maulwurfe zu vertreiben wird ein sonderbares bewahrt ge- 
fundenes Mittel in den Schwed. Abh. fur das Jahr 1761 angegeben. 
Herr Haderstrom ist der Erfinder. Ein[e] Tonne mit einen Boden 
wird mit der offnen Seite in die Erde eingesenkt, durch den Boden 
wird eine Stange gesteckt, die nach unten in die Erde getrieben wird, 
oben an der Stange befestigt man eine gewohnlicheWindklapperdie 
durch ihre Umdrehung eine Erschutterung und Getose in der Tonne 
verursachen soil, welche die Maulwurfe sehr weit spiiren, und weil 
sie dadurch in dem Schlaf nach ihren Mahlzeiten, den sie sehr lie- 
ben gestort werden, so sollen sie die Gegend verlassen. [250] 

<Ein Franzos, der aber auch daftir auf der Bastille sitzt, schrieb zu 
Paris unter die Statue des Konigs zu Pferd, wobei die Tugenden 
gehn. 

O le beau monument ! o le beau piedestal ! 

Les vertus sont a pied et le vice a cheval.) [25 1 ] 

Wo muB ich hierbei hin sehen um etwas zu finden, was noch kein 
Mensch gefunden hat? [252] 

Was wird nicht endlich noch hiervon fur ein Gebrauch gemacht 
werden, da der Magnet selbst anfanglich nur den Taschenspielern 
diente? [253] 

Louisd'or und Peitschen-Hiebe. [254] 

Unerwartet : die Menschen sehen vermittelst der Chorioidea? 

[255] 

Consensus variorum in [?] wie im Tom Jones das Wesentlichste 
der Schonheit eines jeden Werks. [256] 

Die Bibliotheken werden endlich Stadte werden sagt Leibniz. 

[257] 

Ist in jeder Periode alles bestimmt gesagt nichts etwa wie 
Schwere des Arguments oder gleiche Halften oder mit Kartetschen 
verschanzt. [258] 



KEPAS 'AMAA0EIAL 250-27 1 8 1 

Kann man zu dieser Einrichtung nicht noch etwas hinzu tun? 

[259] 

Die Verwandtschaft der Dinge. Camera obscura und Sonnen- 
Mikroskop. Euler. [260] 

Adjektiva durch Bilder als anstatt hoch, mit einem Absatz von 
4 Fingern. [261] 

Alles gelernt, nicht um es zu zeigen, sondern um es zu nutzen. 

[262] 

Wo Fleisch und Blut und das eigentliche Selbst antworten und 
tun will, da muB Philosophie und der Nexus der Umstande ant- 
worten. [263] 

Wie wiirde dieses geworden sein, wenn ich es selbst aus hatte 
finden sollen nach der Verfassung meines Systems? [264] 

Dieses ist mit jenem einerlei. Witz. Dieses ist von jenemhimmel- 
weit verschieden. Verstand. [265 ] 

Alle Materie der Weltkorper lieBe sich vielleicht in einen Kubik- 
Zoll zusammen bringen dachte Newton. Ein kiihner Gedanke nach 
Herrn Flogel. Gesch. des menschl. Verst. p. 3 3 . [266] 

Welches ist das Verborgendste hierbei? [267] 

So wie das Malen der inneren Gipsmaske, daB man glauben muB 
es sei die erhabne Seite. [268 ] 

Das Trennen der Farben [269] 

Kann man hierzu nicht etwas andres noch gebrauchen als dieses? 

[270] 

Ich glaube grad das Gegenteil. [271 ] 



82 SUDELBUCHER 

Auf sehr entfernte Dinge auf einmal zu kommen und dann im 
folgenden zu zeigen, daB doch ein Zusammenhang dazwischen 
war. Dieses ist einer von Yoricks GrifFen. [272] 

Geht es nicht noch auf eine andre Art an. [273] 

Charakter von Brieftragern, Schuster [n], Gartnern und allerlei 
Stud[i]en angebracht. [274] 

Das Besondere statt des Allgemeinen. proprie communia dicere 
Gansediebstahl statt Dieberei (dieses ist das Element des Ausdrucks. 

[275] 

Erst die naturlichen Betrachtungen gemacht ehe die subtilen 
kommen, und immer vor alien Dingen erst versucht ob etwas ganz 
simpel und natiirlich erklart werden konne. [276] 

Popular wie Gellert, Shakespear und Hogarth [277] 

Die Kapitel dazu entwerfen, wie Lavater im zweiten Teil seiner 
Physiognomik. [278 ] 

Eine Miinze oder Vignette auf den Vorfall. [279] 

Andere Meinungen davon, die den allgemein angenommenen 
schnurstracks entgegen laufen. [280] 

Was ist die Absicht? Ist aber dieses auch eine niitzliche und der 
Miihe wert? [281] 

Den Ausdruck beim Wort fassen, Ich nehme mir die Freiheit, derm 
geben wiirden Sie sie mir in Ewigkeit nicht. Nicht ein Substantiv 
sondern vier, nicht ein Adjectivum sonder[n] sechs. [282] 

Mit welchen Arten von Dingen ist dieses verwandt, etwa so wie 
die diinnen Becher mit der Gestalt der Hobelspane, oder kann man 
etwas daraus herleiten, so wie man aus der Gestalt der Hobelspane 
auf jene Becher schon hatte schlieBen konnen. [283] 



KEPAE 'AMAA0EIAL 272-292 83 

Alles soil auBerst allgemein betrachtet werden, iiberhaupt und 
denn zu den besondern Bestimmungen dieses Dinges zuriickge- 
kehrt. [284] 

So sonderbar ausgedruckt als nur immer sein kann. [285] 

Die schonste Art der Ironie ist, eine Sache die gar nicht verteidigt 
werden kann, zu verteidigen mit Grunden, die voll satyrischer 
Bitterkeit sind, haufig Stellen zu zitieren und zu erklaren. [286] 

Charakter von Bekannten angebracht, gewisse Favorit-Ab- 
sichten genutzt, manche geringe Personen gelobt, und bekannt ge- 
macht. [287] 

Ideal davon, und Karikatur da von. [28 8 ] 

Was ist das Gemeine hierbei das jedermann in die Augen fallt 
und welches das Ungemeine, das Tausende nicht sehen, aber gewiB 
bemerken wiirden wenn sie wiiBten, daB man auf die Dinge, die 
nicht gleich in die Augen fallen auch zu sehen hatte. [289] 

Rousseau gibt eine Regel, immer beim Anfang von der Unter- 
suchung eines gewissen Gebrauchs in der Welt zu denken es sei 
gewiB der falsche, so kann man sich bei jeder Erfindung auch fra- 
gen was fur Verbesserungen lieBen sich dabei anbringen. Man wird 
finden daB die meisten Sachen in der Welt eine Verbesserung lei- 
den. [290] 

Man soil ofters dasjenige untersuchen was von den Menschen 
meist vergessen wird, wo sie nicht hinsehen, und was so sehr als 
bekannt angenommen wird, daB es keiner Untersuchung mehr wert 
geachtet wird. [291] 

Auch die allergemeinsten Dinge wurde jedermann anders aus- 
driicken, wenn er seinem eigenen individuellen Gefiihl folgen wollte 
dieses geschieht selten vor einem gewissen reifen Alter, da man 
merkt, daB man so gut ein Mensch ist, als Newton oder als der Pre- 
diger im Dorf, oder der Amtmann und alle unsere Vorfahren. 
Shakespear ist eine Probe davon. [292] 



84 SUDELBUCHER 

Stille ist nicht stille, weiB nicht weiB, wir supponieren nur so, was 
wir nicht merken ist nicht, fiir uns. [293] 

Vielleicht ist dieses nur durch eine bestandige Gewohnheit von 
Kindheit an in mir so entstanden. Was fiir Aussichten wiirden wir 
bekommen, wenn wir unser Kapital von Wahrheiten einmal von 
demjenigen entbloBen konnten, was ihnen nicht so wohJ wesent- 
lich ist als vielmehr aus der ofteren Wiederholung zuwachst. [294] 

Die gemeinsten Meinungen und was jedermann oft fiir ausge- 
macht halt verdienen oft am meisten untersucht zu werden, aber 
von Zweifeln dagegen muB man allzeit bedenken was Franklin 
sagt Experim. and observ. on Electr. Lond. 1769 4— p. 469: If we 
propose our objections modestly we shall tho* mistaken, deserve a 
censure less severe, than when we are both mistaken and insolent. 

[295] 

Man frage sich selbst, ob man sich die kleinsten Sachen erklaren 
kann, dieses ist das einzige Mittel sich ein rechtes System zu formie- 
ren, seine Krafte zu erforschen, und seine Lektiire sich niitzlkh zu 
machen. [296] 

Statt jedes einzelnen Wortes konnte man 6 machen, wir druk- 
ken zu viel mit einerlei Wort aus. [297] 

Alles wiirkt beinah in medio resistente ist so mit andern vermischt 
wie das Silber auf dem Harz mit Blei, Schwefel und lapide vitra- 
scibili, dieses zu scheiden. [298] 

Was ich hier sehe ist eine Summe von vielen wie d. Libration 
von Umdrehn um die Axe die vom Umdr. um die 6" [299] 

Zu untersuchen was bei einer Sache das Veranderliche ist und 
das Ewige, und wenigstens angezeigt, wo man aufhoren muB 
dezisiv zu sein. [300] 

Ist es wiirklich das oder sind nicht viele andere Dinge damit ver- 
mischt, die uns scheinbar verschwinden. [301] 



KEPAS 'AMAA0EIAE 293-315 



85 



Dieses ist vermutlich nicht so,? vielleicht ein kleiner Blick einer 
ganz neuen Welt von Erscheinungen, so wie das Anziehen des 
Bernsteins ehmals einer der Elektrizitat war. [302] 

Wie wird es erscheinen, wenn man es immer wachsen laBt, wie 
Newton vom fallenden Apfel zur allgemeinen Schwere kam, oder 
wie man vom Reiben der Hand die Entziindung hatte erraten kon- 
nen,welche erfolgt,wenn man Holz auf einander reibt. Was er- 
folgt wenn man es eben so abnehmen laBt? [303 ] 

ja^™ Wie kann dieses verbessert werden? leidet es eine Ver- 
fff besserung. [ 3 o 4 ] 

Die Grenzen der Fehler dabei zu bestimmen so viel wissen wir 
gewiB, so viel ist zweifelhaft, da fangt sich das gewiB Falsche an. [305] 

Was kann hierbei auf MaB Zahl und Figur gebracht werden. [306] 

Die Kunst alle Dinge recht tief unten anzufangen, und eine Frage 
in tausend untergeordnete zu zerfallen. [307] 



Inquisitio in legem, quam servant haec 



[308] 



LaBt sich dieses auf etwas anders referieren, so wie die Oberwucht 
auf eine geringere Schwere? [309] 



LaBt sich dieses in andere Dinge zerfallen? 

Eine Maschine? 

Was halten hohere und niedre Wesen hiervon. 



[3io] 
[3ii] 
[312] 



Was sind die Grade hiervon und was bestimmt dieselbe ? [313] 
Zu was Ende? [ 3I4 ] 

Was ist es eigentlich? [ 3I5 ] 



86 SUDELBUCHER 

Sein Ursprung in der menschlichen Natur? [ 3l6 j 

Taugt es zu einem Gedanken in der Dichtkunst? [ 3I? ] 

Sind nicht gatiz neue Wissenschaften hierin verborgen? [318] 

1st es audi wurklich das wo fur man es halt. [3 j 9 ] 

Schadet es nicht? [320] 

Nutzt es nicht zu andern Dingen? [321] 

LaBt sich dieses auf etwas GroBeres anwenden? [322] 

Was konnen hierbei vor Versuche angestellt werden? [323 ] 

Was laBt sich hierbei messen? [324] 

Was kann es zur Charakteristik beitragen? [325 ] 

Gibt es nicht andere ahnliche Dinge in der Natur? [326] 

Kann man hiervon einen neuen Grund angeben? [327] 

Gehort es nicht mit unter ein bekanntes Genus von Dingen? [328 ] 

Was leidet es fiir Abweichungen, wenn man gewisse Umstande 

andert? [329] 

Was ist das Unmerkliche hierbei? [330] 

Was geht in mir dabei vor? 
Mathematisch betrachtet 

Physisch 

Physiologisch 

Metaphys[isch] 

Politisch 

Moralisch [331] 



KEPAL 'AMAA0EIA2 316-342 



87 



Was iibersehe ich wohl hierin, wegen meinem eingeschrankten 
Verstand. [332] 

Was fiir Miihe hat es nicht die ersten Menschen oder das Kind 
gekostet bis es zu dieser Erkenntnis gelangt iste [333] 

Der Verfasser des Matho kommt auf viele von seinen artigen Ge- 
danken, daB er wie in algebraischen Formuln bei seinen Satzen ge- 
wisse Dinge veranderlich setzt. [334] 

LaBt sich hier etwas umkehren als wie die Apostrophe. [3 35] 

Situationen [336] 

End-Ursachen. [337] 

Zu was kann dieses der Anfang sein? oder umgekehrt was war 
der erste Schritt hierzu? [338] 

Die Geschichte gewisser Vorurteile, Gedanken und Gesin- 
nungen. [339] 

Wenn dieses gar nun nicht da ware, was wiirde alsdann werden? 

[340] 

Was wird dazu erfordert, wenn dieses Ding das Vollkom- 
menste nach meinem Begriffsein soil? [341] 



Mein Gott wenn das so fort geht. 



[342] 



w 



Feelers GrundriB der Phil. Wissenschaften 
<Rie>dels Theorie der sfchonen]. Kiinste und Wiss. 
Tissots Anleitung fur den geringen Mann. 
Schrockh allgemeine Biographic 
Brucker hist, philosoph. 
Newton arithmetica universalis. 



D 



Wissenschaftliche Notizen 



i 772-1 777 



I^^^'^f^'- 



ANNOTATIONES ET COLLECTANEA 
PHILOSOPHICA ET PHYSICA 



(*) der englische Titul heiBt an Attempt towards a Natural History of the 
Polype pp in a letter to Mr. Folkes president of the R. Society, Lon- 
don 1743. 



HEFT D 673~675 



93 



Swift See his Life. p. 55. 

upon his house keepers removing a knife (in his madness) as he 
was going to catch at it shrugged up his shoulders and said. I am 
what I am, I am what I am, and in about six minutes repeated the 
same words two or three times. [673] 

Ibid [em] p. 60. an instance of his humour 

His cook a woman of large size, robust constitution, and coarse 
features, whose face was very much seamed with the small pox and 
furrowed by age : this woman he always distinguished by the name 
of sweet heart. 

It happened one day that sweet heart greatly overroasted the only 
joint he had for dinner; upon which he sent for her up, and with 
great coolness and gravity, Sweet heart, says he take this down into 
the kitchen and do it less. She replied that was impossible. Pray 
then, said he, if you had roasted it too little would you have done it 
more? Yes, she said, she could easily have done that. Why then 
Sweet heart, replied the dean let me advise you, if you must commit 
a fault, commit a fault that can be mended. [674] 



Von Polypen 

Trembley Memoires pour servir a Thistoired'un genre de Polypes 
d'eau douce a bras en forme de Cornes (denn der Kuttelfisch oder 
die Meerspinne hieB schon vorher Polypus) a Leide chez Jean Ver- 
beek 1744. 

(*) Baker hat eine natiirliche Gesch. der Polypen geschrieben, da- 
von die franz[6sische] Ubersetzung den Titul fiihrt. Essai sur 
Thistoire naturelle du polype Insecte a Paris 1744 

Rosel im dritten Teil seiner Insekten-Belustigung p. 433. 

Schaffer von den griinen Wasserpolypen um Regenspurg. 

Reaumur Mem. pour servir a Thistoire des Insectes. Tom. VI. 
preface p. 6. 

Jussieu Examen de quelques productions marines, qui ont ete 
mises au nombre des plantes, et qui sont Touvrage d'une sorte 
d 'insectes de mer. Mem.de Paris 1742 p. 392. Edit, d' Amsterdam]. 

Baker Employment for the microscope Lond. 1753. p. 306 Kap: 



94 SUDELBUCHER 

X describes an animal which he calls the Bell flower animal or 
plumed Polype, it is as M- Roesel observes I.e. p. 448 somewhat 
different from M- Trembley's Polype a Pannache. 

The Hannoverian Polypes, have all the qualities of those which 
Roesel calls brown polypes p. 505. 

Im dritten Teil des allgemeinen Magazins finden sich des Herrn 
Lecat Gedanken iiber die besondern Eigenschaften der Polypen. 

Traits d'lnsectologie ou observations sur quelques especes de 
vers d'eau douce, qui coupe's par morceaux deviennent autant 
d'animaux complets par Charles Bonnet a Paris 1745. 12—. Von 
diesen Schlangelchen beschreibt Rosel 2 Arten. Tom. Ill p. 567 seq. 

Schaffers Abhandlung von Polypen 

von den griinen Armpolypen 

Leeuwenhoeks Beobachtungen des Polypen stehen in den Philos. 
Transact. N-283. er hat ihre besondre Fortpflanzung bemerkt. 
Aus Bakers dedication zu dem oben angefiihrten Werk p. 6. sieht 
man daB Herr Folkes selbst mit den Polypen experimentiert hat, 
seine Versuche stehen in den Transact: (wo ist nicht angezeigt. Sie 
stehen in N- 469. 

Auf dem Titul der 2— Ausgabe von Bakers microscope made easy 
steht, with an additional plate of the solar microscope and some 
further accounts of the polype. 

Herr Westfeld in Biickenburg erzahlte mir von einem Werkgen 
iiber die Polypen, das ein gewisser Delisle geschrieben haben soil. 

In der Vorrede der Kriinitzischen Ubersetzung von Ellis Werk 
von Korallen und Korallinen findet sich eine Bibliothek dieser 
Schriften. 

Linnaeus nachzusehen. [675] 

Federbusch-Polyp 

Abbildung beim Rosel (lnsek[ten~]Bel. T. III. Tab[ula] LXXIII, 
LXXIV, LXXV) 

Beim Trembley (Memoires. III. Pi. 10 fig[ure] 9. ist etwas von 
dem Roselschen unterschieden 

Bei Baker (Employment for the microscope. The bell flower 
animal 



HEFT D 675-676 



95 



von diesen Polypen bewohnt jeder eine eigne Zelle eines Gebau- 
des in welchem allzeit mehrere beisammen wohnen. 

Ihre Arme stehen am Munde herum in regelmaBiger Ordnung 
und stellen einen artigen Federbusch vor. Der Roselsche ist von 
dem Bakerschen unterschieden, u[nd] kommt dem Trembleyschen 
nahe. 

Er ist gesellig doch hat jeder seine eigne Zelle. Die Hauser einer 
solchen Familie sehen, wenn die Polype eingezogen sind einem 
Korallen-Zinken ahnlich, sind sie aber heraus, einem BlumenstrauB, 
daher auch Rosel solche Familien Polypen-StrauBe nennt. 

Es gibt nach Rosel dreierlei Arten. 

1) der Trembleysche. Wo die Familie zuweilen vermittelst eines 
besondern Grundstucks an einem Stiickgen Holz pp anhangt, zu- 
weilen sind ihrer 100 in einer Familie. 

2) der Bakersche. Es wohnen ihrer gemeiniglich 10 bis 15 selten 
mehr oder weniger beisammen. Aufier dem Wasser hat ihr Gebaude 
keine regelmaBige Form, sondern gleicht einer Gallerte, in Wasser 
aber so ziemlich einer Glocke deren OfThung nach oben gekehrt ist. 
Es ist durchsichtig und kann man die Bewegung der Bewohner 
durchsehen. 

3) die Roselsche. von [der] Trembleyschen nur durch das Grund- 
stiick unterschieden. 



Vom Rosehchen 



Man findet sie vom Mai bis September unter den Meerlinsen. Wenn 
sie ihre Arm [e] eingezogen haben, so behalten sie sie zuweilen 3 Tage 
drin, stehen auch wohl gar ab, und der Stock treibt junge Sprosse. 
Sie haben auch Lause, die sie zuweilen ganz aufreiben. 

Die Stdcke geben sich unmerklidfi auseinander, die Stocke trei- 
ben neue Sprossen 452. ob sie sich auch auf andere Art fortpflanzen 
ist noch nicht bekannt. 453. 

Das VergroBerungs-Glas zeigt, daB die Wohnung der einzelnen 
Polypen durch Kanale verbunden sind in welchen man dunkle Kor- 
ner zerstreut antrifFt. Abbildung R. T. LXXIV die dunkeln Korner 
sind Samen-Korner der Meerlmsen und dienen den Roselschen 
Polypen zur Nahrung 455. 456. 



96 SUDELBUCHER 

Ein Federbusch besteht aus beinah 60 Armen die einem langen 
/ ahnlich sehen oben auswarts, unten, wo sie festsitzen einwarts 
gebogen. Genauer laBt sich die Anzahl nicht bestimmen. Die Ende 
der Arme liegen nicht in einem Zirkel sondern in einer solchen 
Figur ^ [676] 

Baker macht 4 Arten 

p. 17. Die erste Art, diejenige die Herr Trembley vom Haag aus 
nach England schickte. wenn sie sich ganz ausgedehnt haben sind 
ihre Korper 1 bis i 1 / 2 Zoll, und wenn sie sich ganz zusammen 
Ziehen sind sie nicht x / 10 eines Zolles lang. Im letzten Zustand haben 
sie hinten einen etwas durchsichtigen Fortsatz den man einen 
Schwanz nennen konnte im ersteren aber kann man fast den Leib 
von dem Schwanz unterscheiden. Wenn sie voll oder zusammen ge- 
zogen sind, scheinen sie hellbraun, sind sie aber leer oder sehr aus- 
gedehnt so sehen sie weiB und fast durchsichtig aus. Die Anzahl 
ihrer Arme ist von 8 bis 14. Die gewohnlichste Anzahl ist 12. Die 
Farbe der Arme ist weiB. [677] 

p. 18, Die zweite Art. [Sie] waren im Anfang kleiner, durch 
gute Wartung wurden sie aber fast groBer. Ihre Schwanze sind 
diinne, lang und durchsichtig, bringt man sie unter das Mikroskop, 
so sieht man deutlich ein langes gerades Eingeweide in demselben, 
das sich einen Korper grade durch dieselbe bis an eine Offiiung am 
Ende derselben erstreckt. Sie sind um die Wahl heller als die erstern 
und [haben] nicht leicht mehr als 6 oder 8 Arme, die sie aber sehr 
stark ausdehnen konnen. [678] 

ig Die dritte. Die Grasgriinen. Die Anzahl der Arme 8, 9 bis 10. 
Ihre Farbe kommt nicht von ihrer Nahrung her. Der Schwanz ist 
nur wenig diinner, als der Leib, aber gegen das Ende zu mehr aus- 
gearbeitet als bei den andern Arten. [679] 

20 Die vierte ist langarmigt, sehr helle von Farbe, und wenn sie 
hungrig oder ausgestreckt sind, beinah ganz durchsichtig, in dieser 
kann man die verschluckten Wurmer am besten erkennen. Die 
Nahrung gibt den einen eine dunkle traurige Farbe, diesen eine an- 



HEFT D 676-682 



97 



genehme rotliche. Ihre Schwanze sind ungewohnlich lang hell und 
diinne auch wenn sie sich ganz zusammen ziehen, ihre Arme kon- 
nen sie auf etliche Zolle ausdehnen, und mehr als alle die iibrigen 
Arten, oben sitzen kleine Knotchen an denselben. [680] 



Das von dem Herrn Pastor Wette zu Lotte in der Grafschaft 
Tecklenburg erfundene Mittel, wildgewordene Pferde plotzlich 
auszuspannen und welches in den Osnabriick, Intel). Blattern St. 14. 
1771. beschrieben wird lauft kurz darauf hinaus. a ist die Deichsel 
von oben b von der Seite. c ist der Deichsel- 
stock, wodurch sie in der Schere festgehalten 
wird, cd ist ein Brettchen das in der Rinne be- 
weglich ist und bei m herausfallt, wenn an der 
Deichsel gezogen wird, urn nun dieses zu ver- 
hindern ist bei e noch ein Nagel der auch in 
fig[ura] 1 vorgestellt ist, um diesen ist eine 
starke Zunge e n (fig[ura] 2) sehr leicht be- 
weglich, so daR sie wenn ihr keine Hindernis 
im Wege steht beim geringsten Zug an der 
Deichsel zuriick fallt und dem Nagel und 
Brettgen den Ausgang verstattet. Befestigt 
wird sie durch das Stuck Eisen, welches bei b 
ein Charnier und bei n ein Loch hat, in wel- 
ches sie zu liegen kommt, wenn das Eisen b n 
nieder gedruckt wird, dieses nun zu befestigen, 
ist die Ose o angebracht, die in ein anderes im Eisen bei q befind- 
liches Loch zu liegen [kommt] hinter welch [em] ein Haken ist, 
so wie in Fig[ura] 3. Dieser Haken hat ein kleines Loch in welches 
die Schnur befestigt wird, womit man den Haken im Fall der Not 
loset, da dann, die Feder r die Stange b q in die Hohe hebt die Zunge 
e n lost, die gleich durch den Zug der Pferde zuriick fallt. pp. Man 
hat es versucht und gefunden, daB die Pferde so geschwind losgehen 
als wenn (wie der Ausdruck lautet) [sie] durch Hiilfe eines Flinten- 
schlosses abgeschossen worden waren. Es versteht sich daB man sich 
eines losen an die Deichsel befestigten Schwengels bediene. [681] 

Osnabr. Intell. Bl. 22— St. 1771. Hier ist eine Abhandlung vom 
flieBenden Frost. Der Verfasser sagt gestiefelte oder gestockte Boh- 




p8 SUDELBUCHER 

nen, werden nicht vom Frost angegriffen, da die ungestiefelten 
verfrieren, er sieht die Stangen als eine Art von Kalte-Ableiter an, 
und will durch sie ebenfalls die Kalte vom jungen Wein abhalten. 
Die Froste ziehen nach ihm strichweise, aus der offenen und be- 
deckten Lage laBt sich seiner Meinung nach nichts enveisen. Er er- 
wahnt eines Umstandes daB ein Hagelwetter just den schmalen 
oder langen Strich genommen, den ein Frost vorher genom- 
men hatte so gnau als wenn sie in einem Gleise gefahren waren, 

[682] 

B . Vorigen Sommer hatte ich bei meinem Auf enthalt in Hannover 
Gelegenheit einige Versuche mit Polypen anzustellen, von deren 
Bekanntmachung mich damals die Hoffnung zuriickhielt, sie 
ehestens mehr vervielfaltigt den Liebhabern der Naturkunde vor- 
legen zu konnen allein das bald darauf einfallende warme Wetter 
sowohl bei welchem gar keine mehr an den Stellen anzutreffen 
waren, wo man sie sonst mit leichter Miihe zu hunderten heraus 
Ziehen konnte, als auch der ganzliche Mangel an anderen Arten von 
Polypen, die ich auch aller angewandten Miihe ohngeachtet nicht 
antreffen konnte, haben diese HofTnung vereitelt. Ich mache sie also 
bekannt um andern wenigstens Gelegenheit zu geben sie zu erwei- 
tern, zumal da sie auch in dieser unvollkommenen Gestalt den Bei- 
fall einiger Kenner erhalten, und einem groBen Naturkundiger 
merkwiirdig geschienen haben. Der Polype, mit dem die folgenden 
Versuche angestellt sind, ist der den Rosel im dritten Teile seiner 
Insekten-Belusti[gung] S. 505 unter dem Beinamen des Braunen 
beschreibt. Er ist vor dem Agidientor in dem Graben neben dem 
Wege nach dem neuen Hause, und in der Fontane auf dem Neu- 
stadter Markt, an den Meerlinsen, andern Wasser-Gewachsen und 
den Hausern der Wasserschnecke haufig anzutreffen, man wird ihn 
iiberhaupt selten vergeblich suchen, wenn man ihn im Friihling, im 
Sommer wenn es nicht allzu heiB ist, und im Herbst in solchen 
Wassern sucht, die etwas mit Meerlinsen gedeckt sind und einen 
sanften AbfluB haben, in stehenden, die ganz mit Meerlinsen zu- 
gedeckt sind und von kleinen Wasserinsekten wimmeln fmdet man 
ihn selten, und man kann sich die Miihe des Fischens ganz ersparen, 
wenn das Wasser einen faulen Geruch hat. Die gewohnlichen Ver- 
suche durch das Zerschneiden gehen mit ihm sehr leicht von stat- 



HEFT D 682-683 



99 



ten, Von Anfang zerschnitt ich ihn mit einer sehr feinen Schere die 
ich mir zu dieser Absicht angeschafft hatte, ich verdoppelteaber her- 
nach auch einen mit einer eilf Zoll langen ziemlich verrosteten 
Papier-Schere. Sie nach der Lange halb oder ganz zu spalten oder 
aufzuschlitzen werden allerdings feine Instrumente erfordert. Die 
dabei notigen HandgrifFe trifFt man in alien Btichern die von Poly- 
pen handeln an, oder man findet sie sich allenfalls bald selbst. Ich 
komme nun zu meinen Versuchen selbst. Ich nahm einen Polypen, 
der sich kurz vorher sehr gemastet hatte [und] unter alien im Glase 
durch eine besondere GroBe und Starke empfahl zugleich mit der 
Meerlinse an deren Wurzel er hing heraus klebte die Meerlinse an 
den Tisch, so daB die Wurzel in die Hohe stund, an deren Ende nun- 
mehr der ganze Polype als ein Stiickgen Gallert etwa eines starken 
Nadelknopfs groB erschien. Hierauf schlung ich einen Knoten in 
ein Haar, brachte den Polypen herein und zog zu, so daB er nun- 
mehr aus zwei gleich groBen Kiigelchen bestund zwischen welchen 
sich der Knoten befand. Damit er nicht aufgehn mogte machte ich 
noch den zweiten, und brachte nun das Haar mit dem daran ge- 
bundenen Polypen wieder in das Wasser, nah genug an die Seite 
des Glases, daB man ihn mit einem VergroBerungs-Glas beobach- 
ten konnte, und doch auch nicht so nah, daB er sich hatte mit dem 
Hinterteil daran festsetzen konnen. In diesem Zustand hing er lange, 
ohne daB ich die geringste Bewegung an ihm hatte bemerken kon- 
nen weil sich aber die Auflosung des Korpers, welche gewohnlich 
bald auf den Tod des Polypen folgt, nicht zeigte, so horFte ich immer 
noch fiir ihn. Er fmg auch endlich an wurklich einen Arm nach dem 
andern auszustrecken, wiewohl so kraus und durch einander ge- 
schlungen, als ich es vorher noch nie gesehen hatte, auch sein Leib 
bekam nun [die] ordentliche Lange wieder und ich fand nunmehr, 
daB [ich] ihn ungefahr in der Mitte des dicken Teils seines Korpers 
zusammengeschnurt hatte. Dieses gewaltsame Zusammenschniiren 
des Unterleibs so bald nach der Mahlzeit hatte ihm die halbverdaute 
Speisen alle wieder zu Munde heraus getrieben vor welchen sie sich 
wie ein Schwamm ansetzten. Dabei kriimmte er sich unaufhorlich, 
streckte seine Arme nach alien Seiten aus um Hulfe, verlangerte und 
zog sich zusammen, so daB ich [mich] vielleicht noch wiirde haben 
bewegen lassen ihn aus Mitleiden in Stiicken zu schneiden, wenn er 
sich nicht bald selbst auf eine Art geholfen hatte, die hochst seltsam 



100 SUDELBUCHER 

und dabei allem was ich fur ihn hatte tun konnen unendlich vorzu- 
ziehen war. Nach Verlauf einiger Stunden, die er in diesem erbarm- 
lichen Zustand gehangen hatte schwoll das Fleisch zu beiden Seiten 
des Knotens auf, so daB von dem Knoten nichts mehr zu sehen war. 
Der Polype verdoppelte nun sein Bemiihn sich los zu reiBen, und 
auf einmal bemerkte ich zu meinem Erstaunen, daB der Knoten auf 
der einen Seite des Korpers heraus kam, und daB der Polype schon 
wieder an der andern zusammen hing, nach 10 Minuten war der 
Knoten ganz heraus und [das] Tier balancierte nun einen halben 
Zoll von demselben entfernt frei auf dem Haar bald darauf fiel er 
ganz zusammen geheilt und als ein vollkommener Polype auf den 
Boden des Glases nieder, am folgenden Tag trat er seine langsame 
Reise vom Boden nach derOberflache des Wassers wieder an, raubte 
und fraB unterwegs wie vorher. Kunstlicher hatte sich selbst Miltons 
Teufel nicht von dem Strick los machen konnen, wenn der Engel 
anstatt ihn zu zerhauen ihn zu strangulieren versucht hatte. Der Ver- 
such erfordert zwar einige Vorsichtigkeit, daB er aber so gar schwer 
nicht ist, wird daraus erhellen, daB er mir unter omal, da [ich] ihn 
anstellte nur zweimal miBlungen ist, ich hatte namlich die Knoten 
zu fest zugezogen und das Tier ging, als ich es in das Wasser brachte 
in Stiicken, doch kommt auch vieles auf die LeibesbeschafTenheit 
des Tieres an. Je starker und undurchsichtiger sie sind, desto ge- 
schickter sind sie dazu, ich zweifele daher ob der Versuch mit dem 
weiBen kurzarmichten Poly pen zu machen sein wurde, weil der 
schon zuweilen beim Herausnehmen aus dem Wasser durch das 
Anhangen an der Oberflache zerreiBt. Von den sieben erwahnten 
Versuchen bemerke ich nur einen noch hauptsachlich, da ich den 
Polypen nicht wie vorher durch den Knoten gleichsam giirtete, son- 
dern so band daB der Knoten den Polypen nach der Lange faBte, so 
wie etwa der Bindfaden um ein [en] Zuckerhut geschlagen wird, 
dieses brachte auf eine gewaltsame Art Kopf und Schwanz zu- 
samfmen] und auf beiden Seiten des Knotens lagen symmetrische 
Teile des Korpers. Auch dieses lieB den Knoten nach Verlauf einiger 
Stunden, wie der erste durch sich durch und fiel ganz wie wohl 
sehr ungestalt herunter. Dieses monstrose Ding hat nun Maul und 
Magen verloren, aber noch nicht die Vorsorge fur beide, sondern 
kaum lag es auf dem Boden des Glases, so streckte es seine 6 Arme, 
die nichts gelitten hatten auf eine Lange, von drittehalb Zollen in 



HEFT D 683 101 

die Hohe aus, und packte sehr groBe Wasserinsekten an, von denen 
er sich durch das ganze Glas herum reiBen lassen muBte, so daB es 
schwer gewesen sein wiirde zu entscheiden welches der Rauber und 
welches der Raub, wenn nicht in diesem Fall mit Recht der Ver- 
dacht allemal auf den feindseligen und unersattlichen Polypen fal- 
len muBte. Aus andern Versuchen mit zerstiimmelten Polypen laBt 
sich schlieBen daB ihm wieder ein Maul und ein Magen gewachsen 
sein wiirde, dieser hat es nicht erlebt, indem durch einen Zufall er 
und das Glas, mit alien die es noch zugleich bewohnten zu Grunde 

g in g- 
Nachdem mir diese Versuche gegliickt waren, so fin g ich an zu 

versuchen ob ich nicht zwei Polypen auf diese Art zusammen hei- 
len und aus zweien einen machen konnte, da man so oft und lange 
aus einem mehrere gemacht hat. Jetzo erst und iiber ein halbes Jahr 
nachdem ich die Versuche angestellt habe sehe ich aus Herrn Bakers 
Attempt towards a natural history of the polype London 1743 8—, dem 
einzig[en] Werk von Polypen, das ich hier bei der Hand habe, 
Herr Trembley habe im August 1743 der Societat berichtet, daB er 
zuweilen Mittel gefunden habe, Teile von verschiedenen Polypen 
zusammen zu heilen, er sage das Experiment sei mit groBen Schwie- 
rigkeiten verbunden, beschreibe aber die Art seines Verfahrens gar 
nicht. Herr Baker machte sich sogleich an den Versuch, sein Ver- 
fahren dabei beschreibt er in dem angefuhrten Werk S. 175 seq, es 
hat ihm aber nie gliicken wollen. Ich furchte auch, es wird nie je- 
manden gliicken, der so verfahrt wie er. Er zerschneidet zwei 
Polypen und bringt alsdann in einen Tropfen Wasser die Teile, die 
er verbinden will zusammen, da sich aber die Stiicke gleich nach 
dem Zerschneiden zusammen Ziehen, und sie auBerdem immer im 
Wasser erhalten werden miissen, wo sie die geringste Bewegung 
wieder trennt, gesetzt auch daB man die zerschnittenfen] Fibern 
einmal glucklich an einander gelegt hatte, so sieht man schon ein 
wie unmoglich es ist, auf diesem Weg zum Endzweck zu gelangen. 
Ich bin auf folgende Art verfahren, und zweifele nicht, daB nicht 
andere, die geschicktere Hande haben als ich auf diesem Weg niitz- 
liche Versuche werden machen konnen. Ich band zwei Polypen zu- 
sammen, welches auch leichter ist, als man sich vorstellt, denn als 
Gallert-Kliimpchen auBer dem Wasser hangen sie sehr fest zusam- 
men; als ich das Haar in das Wasser gebracht und die Polypen sich 



102 SUDELBUCHER 

wieder ausgedehnt hatten, zeigte es sich, daB ich sie unter den Armen 
zusammen gebunden hatte. Nach4 Stund[en] war der Knoten durch 
beide durchgegangen und die Polypen hingen wie wohl sehr 
schwach zusammen, sie fanden wider mein Vermuten Mittel sich 
mit [den] Schwanzen auf die gewohnliche Art anzusetzen, da sie 
nun einen Widerhalt hatten, so zerrten sie so lange an[einander] bis sie 
sich wieder von einander gerissen hatten, doch blieb ein ganzes Stuck 
von dem einen an dem andern hangen. Der zweite Versuch gelang 
mir besser, ich band zwei unter der Mitte des Leibes zusammen, oder 
fand vielmehr, daB sie da zusammen gebunden waren, nachdem ich 
den Knoten auf Geratewohl zugezogen hatte ; diese hingen nachdem 
sie aus dem Knoten, wie alle vorhergehende heraus waren zusam- 
men und wuchsen so feste an einander. Weil sie eben in diesem Zu- 
stand aussahen, als wie diejenige, die man durch das halbe Durch- 
spalten hervorbringt, so bemiihte ich mich die griinen Polypen zu 
erhalten und auf diese Art, einen griinen auf einen braunen zu 
pfropfen, ich zweifle gar nicht, daB es angehen wird. Ich habe aber 
[die griinen] weder in Hannover noch hier in Osnabruck, wo ich 
doch im September die braunen auch in Mengen gefunden habe, 
antreffen konnen. In Hannover wurden mir einmal zwei orange- 
farbene gebracht, sie waren aber zu klein und zu schwach um sie da- 
zu zu gebrauchen, sie zergingen auch wurklich ehe ich mich ent- 
schlieBen konnte, sie als die einzigen die ich hatte und doch auch 
Liebhabern gerne zeigen wollte, zu einem so miBlichen Experiment 
zu gebrauchen. [683] 

C. Den hohlen Weg im Mond, den Bianchini in seinem Buch 
Hesperi & Phosphor i nova phaenomena fol. Romae 1728 auf der 
6— Seite vorstellt habe ich im Febr : 1773 zu Hannover durch Herrn 
Schernhagens neuen Tubum eben so deutlich gesehen. Dieser Stich 
in Bianchini gefallt mir besser, als der beim Plato Seite 5 beob- 
achtet worden (schwarze Kunst). Der Stich auf der 6— Seite ware 
fiir Mayers Mond-Charte recht angemessen. [684] 

Praecipua ex Euleri Diss: de emendatione Laternae magicae et 
microscopii Solaris. Vid. Comment: nov[i] Petrop: Tom III. 
p. 363 seqq. 

In utraque machina objecta a parte a lente aversa illuminari, 



HEFT D 683-685 



103 



ideoque peilucida esse debent, et si quae partes sint opacae penitus 
inconspicuae evadunt: Alterum et praecipuum incommodum est, 
quod plurimi radii lucis vel solis per objectum penetrent, atque 
tabulam albam, effigiei excipiendae destinatam illuminent. Denique 
hi radii alieni tabulam illuminantes ibidem imaginem quandam 
confusam lucis vel solis exhibebunt, quae quidem in laternis magicis 
lente peculiari ipsi objecto contigua magis confusa redditur, ut 
nulla flammae species determinata dignosci queat. Interim tamen 
utcunque ista imago fuerit confusa, ea semper erit imagini verae 
permixta eamque corrumpet. Praeterea vero hi radii ob diversam 
refrangibilitatem imaginem diversis coloribus inquinabunt, quod 
incommodum imprimis in microscopio solari animadvertitur - ad 
quae ingentia impedimenta accedit, quod vulgo non solum lentibus 
nimis magna apertura tribuitur, sed etiam objecto nimis magna 
amplitudo relinquitur, unde radii ab objecti extremitatibus in len- 
tem nimis oblique incidunt. 

1) Angulus X 20 gradus non exce- 

dere debet sive quod ad idem reddit 
*^JL : -^ — ^f AB non debet esse minor 3 DC, 2) Sit 

focus lentis = f, quantam aperturam 
huic lenti tribui conveniat videndum est. Nam quo major lenti 
conceditur apertura, eo majori confusione imago in N afficitur, 
quia radii per aperturae oram transmissi, et ii qui per medium 
lentis transeunt, non in eadem distantia colliguntur. Ne igitur haec 
confusio nimis fiat sensibilis, si aperturae quam circularem assumo 
semidiameter ponatur = b quantitas —• partem digiti quinqua- 
gesimam superare vix debet: seu si Sdenotet digiti partem 50^21 
non esse oportebit b > ]/ Sf, quo minor autem accipiatur apertura, 
eo magis confusio ab apertura oriunda cavetur. Quodsi vero exi- 
guam confusionem non curemus quantitas 8 ad partem digiti 
vicesimam imo decimam augeri poterit. 

3) Sit objecti semidiameter AD = e ejus a lente distantia = a, 
quam jam vidimus non minorem esse debere [quam] 6e. Turn sit len- 
tis distantia focalis = f et aperturae semidiameter — b debebitqueesse 
b < ]/ Sf S denotante valorem no. 2. indicatum. His positis imago 
post lentem exhibebitur ad distantiam -^ hocque loco tabulam con- 
stitui oportebit, unde patet distantiam a majorem esse debere quamf. 
Magnitudo autem imaginis tanta est ut sit ejus semidiameter ac ad 




104 



SUDELBUCHER 



semidiametrumobjectieut distantia Ba ad distantiam BA ideoque 



ef 

— a_f 

4) Imprimis autem splendoris seu quantitatis luminis, quo imago 

super tabula est apparitura ratio est habenda, ut jam ante judicare 
valeamus utrum effigies ad contemplandum satis futura sit luminosa 
nee ne. Ac splendor quidem iste imaginis, ut alibi demonstravit 111: 
Eulerus, partim a splendore istius objecti, partim ab apertura lentis, 
partim vero a distantia Ba = -— ^ ita pendet, ut si objecti splendor 
seu quantitas luminis ponatur = L ob aperturae semidiametrum = b 
splendor effigiei super tabula alba depictae f uturus sit = ^ r ^ i . 
L =^- • (j - -f ) 2 . L quae quantitas quidem semper erit valde parva, 
sed ex Cel : Bougueri experiments recordandum est, si L denotet 
lumen quo corpora a sole illustrata conspiciunturtum^^Lesse 
splendorem corporum a Luna plena illuminatorum, unde non 
difficulter splendor effigiei cum hoc lumine lunari comparabitur 

Sit data tarn magnitudo objecti quam effigiei, invenire f et Ba 
sit semid: objecti = e, et imaginis = ne, hinc statim patet, fore 
Ba = na, deinde ex aequatione Ba = na — -^L elicitur lentis 
distantia focalis f = ^~ a cui deinceps conveniens apertura facile 
assignatur. Lumen denique quo imago super tabula splendebit 
erit = jp^j L posito objecti lumine = L. Cum autem sit b 2 =8f 

— j^~ Sa erit hoc lumen imaginis 4n / n+I \ a unde patet lumen hoc 
[eo] fore debilius, quo major fuerit tarn ratio n: 1 quam a: 1. 

Celeberrimus auctor quatuor machinas excogitavit, simulque 
tabulas addidit, ex quibus dato n, quantitates f, b, Ba & L desumi 
possunt. 

Tabula pro genere secundo ad objecta magnitudinis unius pedis 
repraesentanda 



n 


f 


b 


Ba 


Quant: 
luminis imaginis 


3 


27 


0,73 "dig 


108 dig 


* T 
86400 ^ 


2 


24 


0,69 


72 


1 T 
43 200 "^ 


1 


18 


0,60 


36 


1 T 

14400 u 


2 
3 


^ 


0,54 


24 


8000 ^ 


1 
2 


12 


0,49 


18 


54oo ^ 



HEFT D 685-686 



105 



Tabula pro genere tertio ad objecta magnitudmis duorum pollicum 
repraesentanda 



£ 


b. 


Ba. 


4idig 


0,30 


9 


6 


o,34 


18 


*i 


0,36 


27 


7y 


0,38 


36 


i\ 


0,39 


45 


7f 


o,39 


54 


ik 


0,40 


63 



Lumen imaginis 

1 j 

3600 ^ 

L__ T 

10800 ^ 

L_ T 

21600 ^ 

L__ T 

36000 *- 

1 T 

54000 "^ 

L__ T 

75000 Jj 

1 L 

100800 -^ 






Pro genere 4- ad obj. magnitudmis duarum lin: repraesentanda 



9 
10 

12 

14 
16 
18 

20 



9 
9_ 
10 
10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 



0,13 
0,13 
0,13 

0,13 
0,13 
0,14 
0,14 

0,14 
0,14 

0,14 
0,14 



9 
10 
12 

H 
16 
18 

20 



6000 

1 
8400 

1 
11 200 

1 
14400 

1 
18000 

1 
22000 

1 
31200 

1 
42000 

1 
54400 

1 
68400 

1 
84000 



L 
L 
L 
L 
L 
L 
L 
L 
L 
L 
L 



Objecta ope lampadum plurium vel speculorum concavorum 

illuminari debent ita ut nullus radiis Lucis sit ad parietem, qui 

^ imaginem excipit aditus. Specula elliptica et 

0p^-^__^^ parabolica hie erunt praeferenda sphaericiis, 

4' — ~__ ^J n praecipuo si objecta fuerit parva et valor nota- 

-/ bilis. [685] 

Die Klasse der schonen Wissenschaften zu Berlin hat auf die Be- 
antwortung der folgenden Frage einen Preis gesetzt der den 
3i[— ] Mai 1775 zuerkannt werden wird: Welches sind die Ursachen 



106 SUDELBUCHER 

von dem Verfall des Geschmacks bei den verschiedenen Vo'lkern? Dabei 
muB man ja die Verschiedenheit des Einflusses derselben auf die 
Jahrhunderte, wo er ausgeartet ist, beobachten. 

Die Spekulativische Klasse hat sich iiber ihre Frage so erklart: 
Die Seele besitzt zwo ursprungliche Fahigkeiten, welche der Grund 
von alien iibrigen Eigenschaften und Wirkungen derselben sind; 
namlich die Fahigkeit zu erkennen und zu empfmden. Wenn die 
Seele die erste iibet, so ist sie mit einem Gegenstand beschaftigt, 
den sie als eine Sache auBer sich betrachtet, und nach dem sie neu- 
gierig ist. Ihre Tatigkeit scheint sich alsdann nicht weiter zu er- 
strecken als wohl zu sehen. Wenn sie aber die andere iibet, so be- 
schaftigt sie sich mit sich selbst und mit ihrem Zustande, in dem sie 
gut oder bos beschafFen ist. Ihre Tatigkeit scheint alsdann bloB be- 
stirnmt zu sein ihren Zustand zu verandern, wenn sie unangenehme 
Dinge ruhren, und zu genieBen wenn sie angenehme Dinge ruhren. 
Nach dieser Voraussetzung verlangt man 

i) eine gnaue Entwickelung der urspriinglichen Bestimmungen 
dieser beiden Fahigkeiten und die allgemeinen Gesetze, denen sie 
folgen. 

2) Eine griindliche Priifung der wechselseitigen Abhangigkeit 
dieser Fahigkeiten und der Art wie eine in der andern EinfluB hat. 

3) Grundsatze, die da zeigen, wie das Genie und der Charakter 
eines Menschen von dem Grad der Starke und der Lebhaftigkeit 
und des Fortgangs einer und der andern dieser Fahigkeiten und 
deren Verhaltnisse unter einander abhangt. An Herrn Formey, 
bis zum 1— Janner 1775 werden Abhandl. angenommen. 

Der Preis der math. [Klasse] welcher den 3i[— ] Mai 1774 zu- 
erkannt werden wird betrifft folgende Frage: Wie konnen die 
Methoden vollkommner gemacht werden, deren man sich bedient, 
den Lauf der Kometen nach Beobachtungen zu berechnen; und wie 
konnen vornehmlich allgemeine und strenge Formeln gegeben 
werden, die die Auflosung des Problems enthalten, wo von der 
Bestimmung der parabolischen Laufbahn eines Kometen durch die 
drei Beobachtungen geredet und deren Gebrauch gezeigt wird, dieses 
Problem auf die einfachste und gnauste Art aufzulosen? [686] 

In den Transact: philos. Vol[ume] LXI gibt in der 25— Abhandl. 
Herr Beccaria Nachricht von dem Bonon[iensischen] Leucht- 



HEFT D 686-689 



IO7 



Stein, und sagt, was ich wiirklich schon anno 1769 gemutmaBet 
hatte, namlich daB der Bononiensische Stein dieselbe Farbe des 
Prismas wiedergabe, die er erhalten hat. Auf diese Art wiirde man 
vermittelst einer Camera obscura Landschaften und andre er- 
leuchtete unbewegliche Gegenstande eine kurze Zeit so vorstellen 
konnen daB sie bleiben. [687] 

Der Rezensent von der Bonnetscben Psychologie (namlich von 
welcher Herr B. wahrscheinlicher Weise Verfasser ist) sagt 
(G6tt.gel.Anz. 84— St. 1773.) man habe dieses Werk jederzeit als 
die entschlossenste Verteidigung des Fatalismus angesehen. Der 
Ubersetzer, fahrt er fort, erklart sich auch nachdriicklich fur das- 
selbe System des Fatalismus, oder wenn man lieber will Determinis- 
mus. Ware es nicht immer besser, wenn man den ungegrundeten 
moralischen Folgerungen aus diesem System widersprache, ohne 
es so sehr zu empfehlen, und fur so ausgemacht auszugeben. Die 
Untersuchungen auf die es hier ankommt grenzen auf mehr als 
einer Seite an solche Tiefen der Erkenntnis, bei welchen das £7rex £iv 
doch wohl die Frucht des langern Nachdenkens sein konnte. [688] 

Ibid. St. 83 Herr Zobel der Weltweish. Prof, zu Frankfurt an der 
Oder hat herausgegeben: Gedanken iiber die verschiedenen Mey- 
nungen der Gelehrten vom Ursprunge der Sprachen. Als Verteidi- 
ger des gottlichen Ursprungs werden angefuhrt: Plato, Muhamed, 
Walton und SuBmilch. Gegner dieser Meinung sind: Lukrez, 
Gregor. Nyss., Richard, Simon, Quenstedt, Mendelssohn und Her- 
der. Es scheint ihm in dieser ganzen Streitigkeit zweierlei vernach- 
lassigt zu sein; einmal die gnau[e] Bestimmung und Unterschei- 
dung der Begriffe vom Wesentlichen und Naturlichen: so dann der 
deutliche Beweis des nat. Ursprungs der eigentlichen Worte aus den 
ersten naturlichen Zeichen, den abgesonderten und zu Merkmalen 
des Ganzen gewordenen Teilen des Empfundenen. (Der Ursprung 
der eigentlichen Worte setzt der Rezensent hinzu ist wohl haupt- 
sachlich in den allmahlichen Abanderungen der ersten natiirliche- 
ren Zeichen und in den a priori nicht gnau bestimmlichen, aber 
aus analogischen Erfahrungen doch iiberhaupt leicht zu vermuten- 
den Veranlassungen zufalliger auBerlicher Umstande zu suchen, 
und die meiste Schwierigkeit dabei verursacht uns der Mangel 



108 SUDELBUCHER 

einer tieferen Einsicht in die Natur und Verhaltnisse der inneren 
Organe. [689] 

B. Was audi Herr Franklin sagen mag, so riihrt das Leuchten des 
Seewassers doch gewiB zum Teil und in manchen Gegenden von 
Insekten her, aus einer Abhandlung die in dem 4— Band der Un- 
terhaltungenp. 710 stent und aus dem Italianischen eines Ungenann- 
ten tibersetzt ist, wiederum sehr. Der Verfasser hat gefunden, daB 
das durchgeseihete Meer-Wasser nicht mehr leuchtet hingegen 
das Tuch desto mehr. Er fand das Tierchen. Dem bloBen Auge 
scheinen sie kleiner als das feinste Haar, ihre Farbe ist dunkel-gelb 
und ihr Wesen ganz auBerordentlich zart. Unter dem Mikroskop 
fand er: Sie gleichen den Raupen bestehen aus 11 Gliedern, welche 
Zahl nach Malpighi dem ganzen Geschlecht der Wiirmer eigen 
ist, auf diesen Ringen und mehr am Bauche ist eine Art kleine FloB- 
federn oder Fltigel vermittelst welcher sie sich bewegen. Es hat 2 Hor- 
ner vor der Stirne und der Schwanz ist zweigespalten. Sie leuchten 
nur bei heiBer Witterung, und wenn sie sich bewegen. Das erstere 
tun auch, nach Herrn ReaumursBeobachtungdie leuchtendenBand- 
wiirmer. In manchen Gegenden Indiens soil es leuchtende Fliegen 
in solchen Mengen geben, daB die Walder im Feuer zu stehen schei- 
nen sollen. [690] 

Eine sehr merkwurdige Stelle in Herrn Herders Abhandlung iiber 
die Sprache ist diese: Er antwortet sich auf die Frage wie hangt Ge- 
sicht und Gehor, Farbe und Wort Duft und Ton zusammen? also : 
Nicht unter sich in den Gegenstanden. Aber was sind denn diese 
Eigenschaften in den Gegenstanden, sie sind bloB sinnliche Emp- 
findungen in uns, und als solche flieBen sie nicht alle in eins. Wir 
sind ein denkendes sensorium commune, nur von verschiedenen 
Seiten beruhrt. Da liegt die Erklarung. Wir sind voll solcher Ver- 
kmipfungen verschiedener Sinne, nur bemerken [wir] sie nicht 
anders, als in Anwandlungen, die uns aus der Fassung setzen, in 
Krankheiten der Phantasie, oder bei Gelegenheiten, wo sie auBer- 
ordentlich merkbar werden. [691] 



HEFT D 689-692 



'"""■"■■^r».;'.r~*-'^s| 

. ■' . : fr 

109 



Abweichungen der Magnetnadel aus Lieutenant Cooks und Banks 
Reise um die Welt zusammen getragen. 



Breite 


Lange von 
Greenwich 


Ab- 


Inklination 
der Nordl. 




an gerechnet 


weichung 


Spitze 


Funchiale 








auf Madeira 








32 33'33"N. 


1 6° 49. W. 


I5°30'W* 
i6°30'(t)W 


77° 18' 


30°u'N. 


58 leagues 
from Fun- 
chiale in the 
direction of 








S. 16 E. 


I7°50'W 




um den Pico 


von TenerifFa 


1 7 22' to 
i6°30' 




14 6' N. 


22°K)'W. 


io° 37' 
a good 
observ. 
next morn- 
ing 10° 




7° 58' 

0° 


22°I3'- 

29 30'- 


8°39'W 
2 24' good 
by repeated 
observ: for 
in the morn- 
ing it was 
1 8' W. in the 
afternoon 
34' East. 





* Herr Heberden daselbst (Funchiale) wollte sie abnehmend ge- 
funden haben, die Englander zweifeln aber an der Richtigkeit der 
Beobachtung 



no 



SUDELBUCHER 



Breite 



Lange von 

Greenwich 

an gerechnet 



Ab- 

weichung 



Inklination 

der Nordl. 

Spitze 



io°38'S. 
6o°io'S 



32"i 3 '43" 
74 30' W. 



27V Ost. 



56 S. 

Cape Horn 
56° S 
57° S 
18 47 S 
18 23 S. 
17 48- 
I7°29 / I5*S 



Sudlicher ist Capt. 
Cook, der Herrn 
Banks on board 
hatte nicht ge- 
kommen. (*) 



6i° 4 5 - 
65 30'- 
68 40- 
13928'- 
141 12' - 

143 35' 
149 32' 30* 



2i°i60st. 
25 Ost. 
22 O. 
2°54 / 0. 
5 ° 3 8 O 
6 32 
4 16' Ost. 



Observation zu 
Otaheite 



(tf 



< 



B. Funchiale 
\ AB = i 3 ° 

. -< BC = 76 Meilen (englische See-Meilen 



(*) Capt. Phipps ist bis 8o°48' Nordlicher Breite gesegelt. [692] 

D- Heberden hat den Pico von Teneriffa gemessen und ihn 
15 396 FuB gefunden. Vid. Lieut [enant] Cooks Voyage, p. 12 engl.) 
Herr Adanson in seiner Histoire naturelle du Senegale findet ihn 
12000 FuB vermutlich Pariser. Er kommt also den Alpen und den 
Andes nicht gleich, muB aber hoher aussehen, weil er gleichsam 
aus dem Meere selbst hervorragt. [693] 

Ibid: p. 15 seq: Das Leuchten der See, das siejenseit des Aquators 
sahen kam von einer Species von Medusa und von leuchtenden 
Krabben her; ganz neue Tiere nach Herrn Banks Untersuchung. 

[694] 



HEFT D 692-700 III 

Staaten Land ist nicht so schrecklich anzusehen, und Fretum le 
Maire kann nicht so leicht verfehlt werden als Anson sagt. (Das erste 
widerspricht Parkinson, p. 10). [695) 

Ibid [em] T.L p. 248. These Compasses (D- Knight's :) I thought the 
best, that could be procured, yet when applied to the meridian line 
I found them to differ not only one from the other sometimes a 
degree and a half but the same needle half a degree from itself in 
different trials made on the same day; and I do not remember that 
I have ever found two needles which exactly agreed at the same 
time and place, though I have often found the same needle to agree 
with itself, in several trials made one after the other. [696] 

Zu Otaheiti scheint der Boden verbrannt, auch auf den andern 
Insuln. [697] 

Die Krusel, die mit der Peitsche getrieben werden finden sich 
auch in New Seeland. [698] 

A. T. III. p. 53 o. Herr Cook fand zuweilen die Magnet-Nadel um 
30 falsch auf Neu-Seeland, ja einmal um 2 Punkte (-^~ des Zirkels) 
innerhalb einer Veranderung des Orts von 14 FuBen, unterschie- 
den. Er hob Steine auf und hielt sie an aber spiirte nichts, es mussen 
also wohl unten Eisen-Erze gewesen sein. [699] 

p. 621. This method (of taking distances of the ]) from the or 
fixed stars.) of finding the longitude at sea may be put into univer- 
sal practice, and may always be depended upon within half a degree, 
which is sufficient for all nautical purposes.If therefore, observing 
and calculating were considered as necessary qualifications for every 
sea officer, the labours of the speculative theorist to solve this pro- 
blem might be remitted without much injury to mankind: neither 
will it be so difficult to acquire this qualification or put it into prac- 
tice, as may at first appear for with the assistance of the nautical 
almanach, and astronomical Ephemeris the calculations for finding 
the Longitude will take up little more time than the calculation of 
an Azimuth for finding the variation of the compass. [700] 



112 SUDELBUCHER 

Ibid : p. 668. den i6[— ] Sept. 1770 des Abends um 10 Uhr 4 leagues 
von Soman im io° siidlicher Breite sahen sie gegen S. S. E. ein Nord- 
licht. [701] 

p. 695 Bei Gelegenheit der Steine auf der Insul Savu, die den Re- 
gierungen der Konige zum Andenken aufgerichtet werden sagt Herr 
Hawkesworth: 

Many of these stones are so large that it is difficult to conceive by 
what means they were brought to their present situation, especially 
as it is the summit of a hill; but the world is full of memorials of hu- 
man strength in which the mechanical powers that have been since 
added by mathematical sciences, seem to be surpassed; and of such 
monuments there are not a few among the remains of barbarous 
antiquity in our own country, besides those upon Salisbury plain. 

Auf eben dieser Insul werden bei dem Tod des Raja alle lebendige 
Tiere, die man habhaft werden kann getodet und auf diesen Steinen 
verzehrt, hemach hungert man so lang, bis die wenigen iibrigge- 
blieben[en] sich wieder vermehrt haben. [702] 

697. Auf der Insul Savu gibt es so viel Gotter als Leute sind jeder 
glaubt seine eignen, Sie sind auch nach den Vorschriften des Chri- 
stentums beurteilt tugendhaft. Jeder hat nur Ein Weib [703 ] 

Banks und Solander haben eine Art von Flachs-Seide mitgebracht, 
die unter der Breite von London wachst und von welcher man sich 
vieles verspricht, vid. The Journal added to M- Parkinson's Journal, 
p. 207. [704] 

Helvetius Discours I. 

Urteilen ist empjinden. Der Unterschied der Urteile hangt von den 
Leidenschaften und der Unwissenheit ab, man halt die Seite, die 
man sieht fur die einzige, oder man hat nicht alles im Gedachtnis ge- 
genwartig, was man wissen muB um in der Sache gehorig zu urtei- 
len. Der MiBbrauch der Worter hat ebenfalles die groBten Manner 
irre gefuhrt. p. 58. En effet s'il faut tirer tout le parti possible de Tob- 
servation, il faut ne marcher qu'avec elle, s'arreter au moment 
qu'elle nous abandonne et avoir le courage d'ignorer ce qu'on ne 
peut encore savoir. [705] 



HEFT D 701-712 

Discours. II 



"3 



C.Jupiter, der so wenig Masse hat, konnte in einer hohlen Kugel 
stecken, wie Saturn in einem Ring. Er konnte kleiner werden. Er 
konnte einen Ring bekommen. Wir sitzen zuweilen unter Stiik- 
ken einer hohlen Kugel, den Wolken. [706] 

A. Wenn die Luft ihre Elastizitat verliert ohne ihre Durchsich- 
tigkeit zu verlieren, so rmissen quasi luftleere Raume entstehen in 
welchen sich der Phosphorus zeigt, den man in den Barometern fin- 
det. Dieses konnen Striche geben wie das SchieBen der Lichtbalken 
bei Nordscheinen. [ 7 o 7 ] 

A. Kann die Luft nicht zuweilen in den Zustand kommen, als 
wie Frauen-Eis, Selenit, wenn er gebrannt, Glas wenn es gestoBen 
wird, da namlich in den Zwischen-Raumen einer kornigten 
gefrornen Luft der Ather sich befande. [708 ] 



GestoBenes Glas unter der Luftpumpe. 



[709] 



A. Was ich offers von einem Wasser-Barometer an Kirchen ge- 
sagt habe lieBe sich noch besser durch das Wheel barometer ein- 
richten. [ 7I0 ] 

A. Wenn die S telle eines Barometers so verandert wurde daB das 
Quecksilber immer gleich hoch in demselben stiinde, so wurde es 
empfindlich genug sein. [ 7 u] 

C. Einige Fragen und Betrachtungen iiber die Gestalt und Lage der 
Monds-Flecken. Die erste Zahl bedeutet die Breite, die andere dieLdnge 

Wenn man die Mayersche Charte ansieht so wird man fast ohne 
Ausnahme finden, daB wenn 2 Flecken nahe an einander sind der 
kleinere immer in den groBeren eingreift und gleichsam auf dem- 
selben zuliegenscheint z. E. ^ (j| ||> oder gar wie bei -40, -1 
|)^e wo immer einer des andern runde Gestalt verdrangt zu 
haben scheint bis auf den kleinsten der der rundeste ist. Eine solche 
Figur |g) da der groBere in den kleineren hinein ginge wird man 



114 SUDELBUCHER 

kaum finden. Was laBt sich hieraus schlieBen? Welche sind zuletzt 
entstanden die groBen oder die kleinen? Der groBere macht dem 
kleineren Platz. [712] 

Konnen darunter Werke der Kunst sein und welche vielleicht 
die Flecke -4 + 20 wie lange haben die hochsten Spitzen Tag? 

[7i3] 

Die kleineren in die groBen verschwindende Flecken hangen fast 
nie an der nordostlichen Seite derselben welches grad der Winkel 
des Mondes ist, der aus dem groBen Meere besteht. [714] 

Die Verbindung der beiden Flecke - 15 +25, die einem Kanal 
ahnlich sieht ist merkwiirdig. [715] 

Die Verwiistung von Callao nachzuschlagen und die Verande- 
rung gnau mit einer Veranderung eines Mondsfleckens zu ver- 
gleichen. [716] 

C. Wenn Aristarch und andere alte Astronomen eine Charte vom 
Mond so wie sie Mayer gezeichnet hat zu sehen bekamen, sie wiir- 
den glauben es ware mit OfFenbarung zugegangen. [717] 

Durch einen Tubum der den Durchmesser i5omal vergroBert 
erscheint uns der Mond so als wenn wir etwa um 0,1403 Durchmes- 
ser der Erde oder 121,658 Meilen deren 15 auf einen Grad gehen 
von ihm entfernt waren. (Wenn wir tiber die Erdflache 100 Meilen 
erhaben waren so wiirde uns der Durchmesser der Erde unter einem 
Winkel von 83 ° 42' erscheinen, die Erde aber iiberhaupt unter einem 
Winkel von 127 12'. [718] 

A. Die Berge im Mond sind wohl durch keine Sxindnut gewor- 
den. [719] 

Die Gesetze nach denen sich einzelne Berge richten fallen beim 
Monde leicht in die Augen, hingegen diejenigen nach welchen sie 
sich im ganzen richten, die allgemeineren sind schwerer. Einigehabe 
ich oben erwahnt [720] 



HEFT D 712-726 



115 



A. Die Watte mussen den Mondbiirgern bei der Ebbe anders aus- 
sehen als bei der Flut. Hierbei konnen Mayers Experimenta circa 
visus acietn sehr genutzt werden. [721] 

C. Die Phenomena der Libration konnten vielleicht so betrach- 
tet werden, daB man annahme der Mond stiinde stille und die Erde 
bewege sich in einer krummen Linie. z. E. A ware der Mond BC die 
krumme Linie in welcher sich die Erde bewegt. 



Ao> 



so etwas miiBte bei den Monds- 



Kugeln gebraucht werden konnen. 



[722] 



Der Mond blendet uns nicht wenn wir ihn am Tage sehen des 
Nachts hingegen sehr stark. Man hat Beispiele, daB Astronomen 
um ihre Augen gekommen sind dadurch, daB sie [den] Mond lange 
durch Tubos angesehen haben man darf nur das Objektiv-Glas er- 
leuchten, so tut er kein Schade mehr, also noch mehr Licht hinzu 
tun. Es scheint daB das Blenden daher ruhrt, daB ein Nerve sehr 
ungleich angegriffen wird. [723] 

Wir sehen mehr Sachen als das Licht, wenn man sich die Augen 
driickt, die Funken, die beim Niesen vor den Augen entstehen. Das 
Brausen in den Ohren ist keine Bewegung der Luft. [724] 

A. Es kann durch Ursachen innerhalb unserer Erde z.E. Ent- 
zundungen, so viel Luft austreten, daB dadurch die ganze Kugel 
einen groBeren Durchmesser bekommt, es konnen andere Ursachen 
die Luftkugel kleiner und groBer machen. Die Luft kann durch 
Warme dahin kommen daB sie mehr Diinste auflost und dadurch 
gleichsam ein specifice schweres Fluidum wird, als dieses kann das 
Barometer steigen und fallen machen. Sind die Diinste nicht mehr 
aufgeloset sondem fliegen in der Luft herum und werden durch 
Winde und innere Bewegung in der Hohe gehalten, so tun sie keine 
groBere Wurkung auf die Quecksilber-Saule, als ein gleich groBes 
Partikelchen Luft. [725 ] 

C Wenn man die Stelle des Monds innerhalb einer Minute weiB, 
so hat man sie auf 15 Meile[n]. Ein Grad auf dem Mond betragtrt 
4,05 Meilen. 



Il6 SUDELBUCHER 

Plato im Lichten mag etwa 15 Meilen lang sein. 
Plato's im Lichte groBe Axe betragt 3 45' des groBen Zirkels auf 
dem Monde [726] 

C Alle unsre Empfindungen sind Summen von vielen. Das Tren- 
nen hierbei wie z.E. die Libration die von der Umdrehung um die 
Axe des Mondes von derjenigen, die von seinem ungleichformigen 
Umlauf herrtihrt. [727] 

C. In der Popularen Astronomie kann ein eignes Kapitel von den 
Bewohnern eingeriickt werden. Es ist immer gut zu wissen was die 
Vernunft davon sagt. Der Bauer halt die Planeten fur Lichtchen, aus 
diesem Satz folgt daB sie nicht bewohnt sind, oder wenigstens nicht 
mehr als unsere Lichtflammen. Der Philosoph halt sie fur groBe 
Kugeln jetzt wird es schon schwerer zu entscheiden. Wenn das was 
man [von] den Bewohnern der Planeten sagt auch an sich nicht viel 
Grund fur sich hat so ist es doch immer angenehm es zu wissen, und 
unumganglich notig wenn man sie mit Vernunft bezweifeln will. 
Was Hugenus in seinem Cosmotheoros von der Bewegung der Ge- 
schopfe sagt ist in der Tat vortrefflich. Gehen, hupfen, kriechen, 
fliegen und schwimmen kurz alle Arten von Fortbewegung haben 
wir. Die Planeten sind rund, wie unsere Erde, von einigen wissen 
wir, daB sie sich um ihre Axe drehen, was sich iiber ihre Flache er- 
hebt, fallt wieder darauf wenn es nicht unterstiitzt wird. Gewitter 
sind moglich, Pendula [728] 

A Die Erde liegt in einer idioelektrischen Hiilse. Wenn die Sonne 
im Aquator steht, so wird innerhalb 24 Stunden einmal die ganze 
Erde beschienen und auch erwarmt kein Wunder, daB man als- 
dann so etwas wie das Nordlicht sehen muB, da die idioelektrischen 
Korper auch durch einen gewissen nicht allzu starken Grad von 
Warme, ihre Elektrizitat auBern. Diese Kugel kann ihre Pole haben 
wie derTurmalin. [729] 

Lehrsatz auf den ich einmal anno 1763 gekommen [bin]: Wenn 
a eine ganze Zahl und A die Summe aller natiirlichen Zahlen von 
1 bis a ist, so ist 
a 3 = A + A-ha-f-A + 2a-fA + 3a + A + (a-i) a 



HEFT D 726-731 



117 



Diese arithmetische Reihe hat a Glieder, und ihre Summe ist 
2Aa + (a-i)a 2 



also 



2 
(2 A- a) a 

■ 2 A-a 



oder 



Aus dem ersten Ausdruck ergibt sich folgendes, wenn ich die 
Zahlen so unter einander schreibe 



so ist die Summe aller in dem Quadrat befmdlichen ZifFern = dem 
Kubus der Zahl, die in der obern Ecke rechter Hand und in der lin- 
ken unten steht. 

Die Summe [der] Zahlen in den Diagonalen ist dem Quadrat der- 
selben ZifFern gleich [ 730 ] 

Zwischen Hin- und Herfahren der Dunste in der Luft und einem 
darin Aufgel6st-Sein muB wohl distinguiert werden. Die Leibni- 
zische Art das Fallen und Steigen der Barometer zu erklaren ist 
meines Erachtens immer noch die beste. So lange die Dunste vollig 
in der Luft aufgelost sind, so machen sie mit derselben ein einziges 
fluidum aus, welches schwerer als Luft und leichter als Wasser ist, 
werden sie aber prazipitiert allein von ihrem Fallen auf die Erde 
entweder durch die Bewegung der Luft, durch Elektrizitat, auch 
durch ein abwechselndes Auflosen und Prazipitieren aufgehalten, 
so drucken sie die Luft nicht mehr als ein gleich groBes Luft-Teilgen 
und das Barometer muB fallen. Auf ein schnelles Fallen des Queck- 
silberfs] folgt bald ein Steigen und umgekehrt, dieses kann daher 
ruhren, es ist nicht wohl moglich, daB eine Luft, die sich aller Dunste 
entledigt nicht bald wieder einige derselben auflosen sollte, und eben 
so ist eine, die ihrer gar zu viele aufgeloset eher einer baldigen Pre- 
cipitation ausgesetzt. Was erfolgt, wenn man metallische Solutionen 
abwiegt und sie hernach auf der Waage (z.E. einer sehr empfind- 
lichen hydrostatischen) prazipitiert? Wahrend des Niederschlagens 
muB wohl die Solution leichter werden, wenn namlich das nieder- 



Il8 SUDELBUCHER 

schlagende Mittel nicht wieder durch sein Gewicht den Abgang er- 
setzt. [731] 

^S.T A Die Winde sind vermutlich meistens Wirbel deren 
<t yt f Fiachen verschiedene Neigungen gegen den Horizont 
^fe^"' haben, mit denselben parallel gehen oder auf denselben 
senkrecht stehen konnen. Wenn wir wie [. . .] [732] 

A. Wenn ein Gewitter in der Nahe vorbei zieht, so weht immer 
ein kleiner Wind von daher, es ist ein Vergniigen in diesem Fall den 
Windfahnen zuzusehen, sie zeigen immer nach der dem Gewitter 
grade entgegen gesetzten Weltgegend. Daher ist eine Sage der ge- 
meinen Leute entstanden, die Gewitter zogen dem Wind entgegen. 
Weil der Wind oft wenn sie von uns abziehen noch von ihnen her 
weht. Die Gewitter kommen oft mit groBem Sturm an und wenn 
sie da sind so laBt der Wind nach und die Regengiisse gehen ganz 
grade herunter. Dieses zeigt, daB dieser Wind nur ein Luftzug ist, 
der von der Wolke herkommt. Ein Wind vielleicht der von dem 
fallenden Wasser erzeigt wird, und der nach alien Seiten seinen Aus- 
gang sucht. Die Wolke kann von dem eigentlichen herrschenden 
Wind doch fortgetrieben werden und der ganze Zug-Wind mit 
ihr. [733] 

Das Blaue des Himmels scheint uns zu einer Zeit hoher als zur an- 
dern. [734] 

Ob eine Seite des Monds sich wohl wieder abkiihlt bis die Sonne 
herum kommt. Ware dieses nicht so miiBte der Mond endlich eine 
erstaunliche Hitze annehmen, iiberhaupt da sein Durchmesser so 
sehr klein ist, so miissen die Wirkung[en] der Sonnen-Strahlen 
auf sein Inners sehr viel starker sein als in unserer Erde die vielen 
Vertiefungen konnen ausgebrannte Vulkane sein. Freilich viel 
groBer als die unsrigen. Brydone hat diese Trichter so regelmaBig 
gesehen, als die netteste Bowl. [73 5] 

B. Nach den Lava-Schichten, die mit den Erdschichten in Sizilien 
abwechseln miiBte die Welt wenigstens 14000 Jahre stehen. Man 
sehe den Brydone. [736] 



HEFT D 731-741 JI 9 

Der Atna wirft groBe Felsen-Stiicke so hoch daB sie 21 Sekunden 
Zeit brauchen von ihrer groBten Hohe wieder herunter zu kommen, 
was sind dagegen die groBen Austerschalen des Herrn Ebell auf den 
Alpen, die Felsen-Stiicke fahren also auf eine Hohe von 7000 (eigent- 
lich 661 5 Paris. FuB) FuBen. Die vom Vesuv nicht iiber 1200. [737] 

Das was man gewohnlich das feste Land im Mond nennt, sieht 
aus, als wenn es ein verharteter Schaum ware, verhartete Blasen, 
die mit der Zeit eingefallen waren, aber was waren die kleinen er- 
habenen Punkte in ihm? Wenn man iiber die Mondsflecke raso- 
nieren will so muB man vorziiglich Hevels Beobachtungen des 
wachsenden und abnehmenden Mondes gnau durchlesen, sie ent- 
halten sehr viel Sonderbares iiber die Gestalt der Flecke. z. E. [738 ] 

A. DaB uns die Farben der Gegenstande in einer Camera obscura 
ofters so sonderbar vorkommen zeigt, wie sehr sich das Urteil in 
unsere Empfindung mischt. Wenn wir bloB empfanden, so wiirde 
uns manches was uns jetzt nicht ruhrt, sehr stark, und manches Starke 
schwach vorkommen. [739] 

A. DaB die Welt immer kleiner wird, wenn sich namlich die Hoh- 
len in ihr so destruieren wie die Berge. Immer dichter. Jupiter viel- 
leicht hohl. Saturns Ringe. Der Magnet in der Erde. 



£& 



[740] 



Plutarch, de Causis naturalibus. Kap. XII. nach der Ubersetzung 
des Longolius. Oleum mare translucidum et pacatum facit 

Quare quum in mare oleum funditur, ipsum et dilucidumet tran- 
quillum evadit. Utrum spiritus (haec est autem Aristotelis senten- 
tia) a laevitate excidens, neque istum neque agitationem park? An 
hoc ad exteriores rationes probabiliter ab eo dictum est? Verum 
quum urinantes, ut asserunt, oleum ore continent, quod in fundo 
lucis et perspicuitatis causa cum flatu exspuant, nemo his e spiritus 
lapsucausamdicere potest. Quamobcausam considerandum tibi est 
num mare, quum sit terreum et inaequale, propter densitatem, ole- 
um extrudat & dissipet, atque quum in sesc redit et concurrit,exigui 
meatus, qui inter medii relinquuntur efficiant, ut et oculis lucida 



120 SUDELBUCHER 

via et perspicuitas tribuatur. An aer qui mari commiscetur, propter 
caliditatem lucidus est, turbato autem illo et inaequalis et obscurus 
evadit? Quum itaque oleum sua densitate inaequalia laviget, rursus 
ad aequalitatem et perspicuitatem redit. 

Und wiederum derselbe in der Abhandl. de primo frigido nach des 
Turnebus Ubersetzung. 

Oleum . . tranquillitatem quoque in mari facit fluctibus inspersum, 
non quia per lubricam eius laevitatem ventus labatur ut Aristoteles 
credit : sed quod omni humore verberatus fluctus discutiatur. Siehe 
noch eine Stelle im Klitterbuch F. p. 65. [741 ] 

A. Nach Herrn Wilcke's Theorie die er in den Schwedischen Ab- 
handlungen vom Jahr 1777 1- Quartal seqq, wieder vorgetragen 
(Kongl. Vetenskaps Academiens Handlingar for Ar 1777. p. 56. 
p. 128. p. [216]) und auf den Elektrophor angewendet hat, wird die 
obere Platte des Elektrophors, so wie sie auf die Tafel gelegt wird 1) 
durch Verteilung des elektrischen Flussigen positiv elektrisiert, das ist 
zumal, wenn man gegengesetzte Elektrizitaten annimmt, auf fol- 
gende Weise begreif lich zu machen, der Harzkuchen zieht das Eld 
alle an die untere Seite hingegen das Syra wird nach der Oberflache 
getrieben, und diese halt er so separiert durch seine Kraft, es kann aber 
auch wurklich Eld in den Kuchen (ibergehen und seinen Mangel 
ersetzen, dieses nennt er die Elektrizitat durch Ubergang. Wird eine 
Glasplatte mit einem Kiissen gerieben, das eine glaserne Handhabe 
hat, so geht eben dieses vor. Durch das Andriicken zieht das Glas das 
Eld des Kiissens und das Kiissen das Syra der Tafel, starker als sich 
diese verschiedene Materien unter einander selbst ziehen; werden 
sie schnell von einander getrennt, so reifit das Kiissen das geraubte 
Syra mit weg und so auch dieTafel ihr geraubtes Eld, das ist das erstere 
hat eine positive und die letztere eine negative Elektrizitat. Eine 
gleiche Trennung wird durch das gewohnliche Elektrisieren erhal- 
ten, auf der untern Flache geschieht grade das Gegenteil, (bekannt- 
lich) ; werden aber beide Flachen in Verbindung gebracht, so mischt . 
das verjagte Eld, der untern Flache sich mit dem verjagten Syra, der 
oberen, und dieses verursacht den StoB. [742] 

Aus folgender Stelle des Herrn Wilcke laBt sich vermutlich vieles 
von Herrn Grosens elektrischen Pausen erklaren er sagt §35. 



HEFT D 741-747 121 

Sa snart nagondera af de electriska amnen, til exempel Syran, blifver 
uti en kropp radande, eller ej ar mattad af dess tilhorande Eld; up- 
vackes deraf straxt fordelning uti nasi omgifvande Luft. Syran drager 
til sig Luftens Eld, och utdrifver dess Syra til ut-sidan af de narmaste 
Luft-Lagren; desse fortplanta likasom flera ihoplagde glastaflor, 
denna fordelning, med aftagande styrka, och luftens motstand 
tillater. Kroppen omgifves derigenom med en vidstrackt atmo- 
spher, hvilken ej genom blast eller kroppens flyttning kan den- 
samma frantagas pp. Das andere gehort nicht mehr fiir die Pausen. 

[743] 

Herr Wilcke halt die Elektrischen Pinsel fiir weiter nichts als 
Reihen von Elektrischen Funken, die die an einer Spitze elektri- 
sierte und abfahrende Luft gegen die unelektrisierte schlagt. [744] 

Bei Turmalin heben die entgegen gesetzten Elektrizkaten ein- 
ander nicht auf wenn die Leiter verschiedener Seiten gegen einan- 
der gebracht werden, er scheint also kaum ein geladenes Glas zu 
sein. Und wiirde wie Herr Wilcke (Schwed. Abhandl. Jahr 1758. 
p. 267. seq) glaubt, keinen StoB geben, wenn man diesen Stein groB 
genug heben konnte. Es wird dieses wie Herr W. sagt ein rechter 
Probierstein fiir alle Hypothesen sein. [745] 

Von Gottingen reiste ich ab: Montags den 29— August. 1774. 
um 1 1 Uhr des Vormittags. Die Wege fand ich in sehr gutem Stand. 
Ein Kaufmann erzahlte mir, daB sie in Languedoc und Provence, 
die Esel mit Trauben und Melonen fiittern, die sie ihnen in einen 
Maulkorb herein stecken. Die Reben liegen auf der Erde hinaus und 
die Trauben unter den Blattern (sie werden beim Keltern getretten 
und ofters von Kindern beiderlei Geschlechts, es geschieht auf einer 
schiefen Flache, der Saft lauft unten in eine Rinne, die ihn in das 
GefaB fuhrt. [746] 



Ankunft in Hannover <£ 30. um 5 Uhr. nachmittags. HeiB und 
unangenehm, die Gesellschaft war zu stark, und eine sehr dicke 
Pastoren-Frau diinstete mehr, als der Luftzug wegnehmen konnte. 
Wenig Neues. [747] 



122 SUDELBUCHER 

J £ den 3 1 [— ] sah ich im Club bei Geh. Sekr. Partz eine von Wedg- 
wood verfertigte Paste, es ist derselbe Mann, der die antiken Ge- 
f aBe so schon nachmacht. Die Masse ist schwarz und nicht sehr glatt, 
der Abdruck daher matt aber scharf. Herr Major von der Borg sprach 
K von einem englischen Parallel-Lineal, das Dollond verfertigt und 
der Graf v. Biickenburg fiir 4 Louisd or gekauft haben soil. Das Li- 
neal wird vermittelst zwoer Rollen fortgerollt, durch die Axe wird 
ein Zeiger umgedreht der die Entfernung der Parallele und wenn 
das Lineal um einen einzigen Punkt gedreht wird, auch den Win- 
kel [mi8t], den seine verschieden[e] Lagen unter einander rnachen. 

[748] 

M- Irby Junior erzahlte mir als eine sehr wahrhafte Geschichte. 
Nachdem M- Stanhope an den Lord Chesterfield die Briefe gerich- 
tet, worin er ihm so sehr die gute Lebens-Art empfiehlt, wieder 
von seiner Reise zuruckgekomrnen so stellt sein Vater ein groBes 
Traktament an, wozu er alle die auslandischen Gesandten einlud. 
Der junge Stanhope bat sich etlichemal etwas von einer Apfel- 
Tarte aus, die ihm schmeckte, und als sie endlich vom Tisch weg- 
genommen wurde, nahm er sie den Bedienten aus den Handen und 
biB in aller Gegenwart hinein und beschmierte sich das ganze Ge- 
sicht, man wiirde so etwas nicht anmerken, wenn es nicht deswegen 
geschahe, weil sein Vater ihm besonders die gute Lebens-Art bei 
Tisch empfohlen hat. Eben dieser M- Stanhope kleidete sich be- 
standig sehr sauisch und heiratete wider seines Vaters Willen, jedoch 
ein sehr artiges und tugendhaftes Frauenzimmer. Er starb vor seinem 
Vater der ihm wegen des erwahnten Ungehorsams nicht viel Geld 
zuwendete. Die Witwe mit 2 Kindern bekommt jahrlich 400 Pf und 
ein sehr geringes Einkommen fiir eine Dame von Stand in England. 

[749] 

Den 11— Oktober habe ich dem Pferde-Rennen zu Maiden- 
head in Berkshire beigewohnt. Es ist ohnstreitig ein sehenswurdiges 
Schauspiel, und unmoglich sich nicht darin zu interessieren. Es 
rennten an diesem Tage drei Pferde, und da das Pferd das den Preis 
erhalten soil zweimal gewinnen muB, so muB 2, 3 oder viermal 
gerennt werden. Ein heat zu Maidenhead bestund aus 2 Touren 
jede von 2 englischen Meilen oder 2.5100 = 10200 FuB das ist aus 



HEFT D 748-752 123 

20400 Fu6. Im ersten Wettlauf gewann der violette Reuter (vid[e] 
den Zettul) der orangefarbene und rote schienen fast mit FleiB zu- 
riick zu bleiben und der violette sah sich ganz erstaunt urn. Nach 
einer Stunde Zeit fing sich der 2- Wettlauf an, in diesem gewann der 
rote Reuter mit dem Pferd des Herrn Wildmanns namens Wanton, 
der auch im dritten gewann und den Preis davon trug. Es war zum 
Erstaunen, mit welcher Geschwindigkeit bei dem dritten geritten 
wurde. Ich hatte eine Uhr in der Hand und sah gnau nach die 
20400 Fu6 legten sie in 8 i/4Minuten zuriick oder 42 FuB in einer 
Sekunde. Das Pferd welches gewann, war grau sah steif und holzern 
aus und tat warm es gefiihrt wurde kurze und steife Schritte. Ich 
hatte ihm am wenigsten zugetraut. Eben dasselbe Pferd hat vor eini- 
ger Zeit, da sein Reiter abgeworfen war, ganz fur sich allein den Lauf 
fortgesetzt und gewonnen. a der Ort wo sie nach b zu ausliefen. Die 

f- j- __ Bahn be ist mit Pfahlen 

f$ ' "~ x ^\ un< ^ Stocken eingefaBt 

\l\ \ \ d ist ein Strick der alle- 

; q* J J mal kurz vorher ehe sie 

-'- - \ " ." 5' f - jk — - — - , ./r ankommen weggenom- 

' men wird. Bei d steht 

auch ein Pfahl der folgende Bedeutung hat. Wenn bei der ersten 
Tour ein Pferd d noch nicht erreicht hat wahrend als schon eines 
bei a ist, so darf es die zwote Tour nicht mehr mit rennen. ec die 
Bahn kurzes Gras und guter Bodeh. bei f hielten wir und hinter uns 
und vor uns Kutschen, so wie auch bei gg. hh waren Stande (booths) 
oben bedeckt, fur Damen. [750] 

Zu Han well park bei Bunbury dem Landhaus von Sir Jonathan 
Cope ist eine Uhr die vom Wasser getrieben wird [75 1 ] 



aus dem kleinen Buck in langlicht Octavo fortgesetzt 

Die beriihmte Sangerin, die im Winter 1774 und Friihling 1775 im 
Pantheon in London sang Signora Agujari alias Bastardini hatte in 
ihrer Jugend das Ungluck, daB ihr ein Schwein einen ihrer Hinter- 
backen abbifi und jene ganze Gegend sehr beschadigte, der Verlust 
ist durch etwas weit Unedlers durch Silber wieder ersetzt worden 



124 SUDELBUCHER 

auf dieses machte Herr Planta ein Sinngedicht, das in London vielen 
Beifall erhalten hat. uberschrieben: 

on a celebrated Bum fiddle lately imported 
in a silver case from Italy 
Sweet in heavnly accents come 
Sounds argentine from her bum 
Equal raptures to impart 
If she sings, or lets a f — 
Auf eben diese Gelegenheit ist ein sehr wohlgeratenes Gedicht 
The Silver Tail heraus gekommen. [752] 

Am 30— Marz 1775 starb Lord Boston an einer Entkraftung. 
Ob er gleich zusehends abnahm, so war er doch seiner Lage nicht 
bewuBt, noch wenige Stunden vorher ehe er starb bat er D- Heber- 
den ihn wieder herzustellen und zu bedenken, daB alle bisherige 
Mittel nichts gefruchtet hatten, seinen Charakter druckt das ange- 
klebte Blatt sehr gut aus, er war ein Mann, der seine eigne Meinung 
in alien Stucken hatte ausgenommen, in politischen Dingen wo er 
der Meinung des Hofes implicite anhing 

On Thursday last died, at his House in Grosvenor-Street, the 
Rt. Hon. William Lord Boston. Was his Character to be properly 
delineated, it would be deemed too prolix for this Sort of Publi- 
cation; let it suffice then to say, he was pious, just, and liberal, in the 
most comprehensive Sense those Words will bear. He was called to 
a Peerage by his present Majesty, as a Reward for his true Worth 
and steady Attachment to the Royal Family, which only ended 
with his Life. In short, he was one of those rare Examples brought up 
about a Court without being corrupted by it. Nothing can alleviate 
the Sorrow felt by all Degrees of People for the Loss of this ex- 
cellent Man, but the many Virtues which shine conspicuous in his 
Rising Generation. [753 ] 

Die Taxefn] die Lord Boston jahrlich bezahlt belaufen sich auf 
150 Pfund. 20 Pfund wheel taxes. Liberty [754] 

Bei dem beriihmten Silberschmied in Bondstreet M' Hemmins 
wurde vor einigen Tagen ein silbernes Service fur 30000 Pfund be- 
stellt, es geht auBer England und er selbst weiB nicht fur wem es ist, 



HEFT D 7 '52-760 



125 



er macht es auf ordre zweenerKaufleuteinthecity.DieserM- Hem- 
mins hat ein vortreffliches Landhaus und Gut bei Uxbridge, ich fuhr 
am 6— April daran vorbei was fur ein Unterschied zwischen ihm 
und Knauer [755] 



M- Medalle die Tochter des Yorick ist willens ein kurzes Leben 
ihres Vaters bekannt zu machen. Becket wird das Werk verlegen, 
sie hat in offentl. Blattern, alle diejenige gebeten, die mit ihrem Vater 
korrespondiert haben, ihr die Original-Briefe mitzuteilen. [756] 

L. Am 13 [— ] April 1775 besuchte ich Herrn Merlin einen ge- 
schickten Kiinstler der die Klaviere sehr verbessert hat. (Dieser 
Merlin hat vieles fiir Herrn Cox gearbeitet.) Alle die verschiedenen 
Veranderungen werden namlich durch Pedal [e] hervorgebracht. 
Es sind der Pedale 2, das fiir den rechten FuB bringt das Piano Forte 
hervor, das linke zieht das Hammer-Werk nach der Seite, so daB 
sie mehr oder weniger Saiten treffen. (AuBer diesen Veranderungen 
konnen auch noch welche durch Register gemacht werden.) Die- 
ser Merlin arbeitet zuweilen in einem Hausgen in Gestalt eines Fas- 
ses, das er aber nicht walzen kann, wie Diogenes. Seine mannichfalti- 
gen Bratenwender und Goldwaagen. [757] 

A Ramsdens Barometer. Wenn das Quecksilber in der Buchse 
einen gewissen Stift beruhrt, so steht es in der Rohre auf dem Punkt 
wo er seine Teilung anfangt. Ist es gefallen oder gestiegen so wird 
das Quecksilber so lange herab oder hinauf geschraubt bis es den 
besagten Stift wieder beruhrt, diese Beriihrung laBt sich mit auBer- 
ster Scharfe beobachten. Adams sagt sein Vater habe diese Erfin- 
dung gemacht Ramsden habe sie nur versimpelt. [758] 

Jeder Lord in England hat gewisse Watermen, die dafiir, daB sie 
sich sein nennen vom Matrosen-Pressen frei sind. [759] 

Feuer 

Kurze Aufzahlung der Phanomene 

A Es ist eine von den Lehren der Physik, worin falsche Philosophic 

sehr vorgearbeitet hat. Man bringt hier viele Erfahrungen mit. Die 

Korper um uns her geraten ofters in einen Zustand, den wir dadurch 



126 SUDELBUCHER 

andeuten daB wir sagen sie seien warm oder kalt. Selbst im gemeinen 
Leben unterscheidet man gewisse Grade Warme und Kalte. 1st die 
Empfindung mit Schmerz verbiinden so sagen wir der Korper sei 
heifl, droht die Hitze Zerstorung der Organe so sagt man man ver- 
brenne sich an dem Korper, bei der Kalte druckt man eine ahnliche 
Zerstorung durch Verfrieren aus, man kann die FiiBe verbrennen 
und verfrieren adurere im Lateinischen bezeichnete beides so wie 
auch die Initial-Empfindungen sehr viel Ahnlichkeit mit einander 
haben. - Auch im gemeinen Leben nennt man den minder warmen 
Korper von zweien kalter, man nimmt also an daB Kalter-Werden 
so viel ist als Warme verlieren und Kalte ein bloB geringerer Grad 
von Warme sei. Im gemeinen Leben ist nichts Positives in der 
Kalte. 

Bei vielen Korpern ist ein bestimmter Grad von Hitze mit einer 
Entwickelung von Licht verbunden, man sagt alsdann der Korper 
gluhe, und erstreckt sich diese Glut auch uber seine scheinbare 
Grenze auf Teilchen, die ihn verlassen (?) so sagt man er brenne eine 
Flamme und dieser Zustand da ein Korper Warme oder Hitze mit 
Licht und Flamme verbunden zeigt oder dieser Zustand von sicht- 
barer oder leuchtender Warme heiBt im gemeinen Leben Feuer. 
Sehr scharf ist auch diese Grenze nicht. HeiBes Eisen das uns am 
Tage dunkel erscheint, kann uns bei der Nacht zu gluhen scheinen, 
und eines das uns selbst im Dunkeln nicht mehr zu gluhen scheint 
konnte es wieder scheinen wenn wir das Licht 
durch Werkzeuge etwa auf iooo oder gar millio- 
nenmal verdichten konnten. Das Sehen im 
Dunkeln hat keine Grenze so wie das Phospho- 
reszieren der Korper. - Vielleicht ist das Schwarze 
doch etwas Positives. Die schwarzen Streifen 
bei der Inflexion. - 
Alle diese subjektive Veranderungen, sind mit andern sehr auf- 
fallenden objektiven verbunden, grade denen welchen alle Korper 
unterworfen sind folglich auch unsere sinnliche Werkzeuge, die 
also vermutlich das Mittel sind, wodurch wir jene Eigenschaften 
empfinden. Alle Korper nehmen einen groBeren Raum ein, oder 
Ziehen sich in einen geringern zusammen so wie die Warme in 
ihnen zu- oder abnimmt. [760 ] 




HEFT D 760-769 



127 



Herr D- Brande hat mit der fixierten Luft die in der Magnesia 
enthalten ist, Scheidewasser gemacht, da diese Magnesia gewiB kein 
Vitriol enthalt, so wird dadurch Herrn Priestley's Theorie sehr be- 
stattigt. [ 7 6i] 

Ramsdens Goldwaage, Merlins Goldwaage. Des letztern Stuhl 
sich zu wiegen; seine mannichfaltigen Bratenwender [762] 

Bei Dodsley ist gedruckt Price 6 Shillinge 4— A series of new Ex- 
periments relating to Phosphor by B. Wilson F. R. S. together with 
a Translation of Prof. Beccari Discoveries on the same subject. [763] 

Glas mit Eis zu belegen und mit Elektrizitat zu laden. Man konnte 
dazu die gefrorne Fenster-Scheiben gebrauchen, so wie sie in den 
Fenstern fest sitzen. [ 7 <5 4 ] 



Was leidet der feine Silberdraht fiir eine Veranderung in der Kalte 
undWarme. [765] 

Ist die Refraktion des kalten Glases von der Refr. des warmen 
unterschieden. [ 7 <5<5 ] 

Man konnte Uhren von Wasser treiben lassen ja gar vom Winde. 

[767] 



Das neue Wheel barometer. 




[768] 



tiber die Einmischung unseres Urteils in die Schatzung der Far- 
ben. Ich glaube daB einem Mann von feinen Sinnen em Schatten im 
Gesicht wurklich blau oder schwarz aussieht. Ein anderer, der mit 
seinem Urteil vorne ist sieht dieses nicht, und halt das ganze Gesicht 
fiir fleisch-farb. Es ist also eine Hauptsache, das was die Sinne an- 
geben recht zu untersuchen und zu vergleichen. Erst das Bild auf der 
retina recht belcuchtet und gepnift ehe man Biicher daruber schreibt. 

[769] 



128 SUDELBUCHER 

Hieher gehort ferner der Betxug mit dem aufgehenden Mond. 
Dieser Irrtum entsteht weder aus Unwissenheit noch aus Leiden- 
schaft. 

So halten wir auch unter zwei K6rper[n] von gleichem Gewicht 
aber ungleicher spezifischen Schwere, das Gewicht des'spezifisch 
leichteren ofters fur geringer. Ein Pfund Palisander-Holz scheint 
uns leichter als ein Pfund Blei. Der aufgehende Mond ist also ge- 
wissermaBen specifice grofier, ob man gleich das Wort specifice 
nicht wohl hier gebrauchen konnte. [770] 

Auch beim Horen findet so etwas statt. Camera obscura-Gemalde 
auf Bononiensischen Phosphorus. [771] 

Die beiden Penduln von Magneten z.E. : so A und B 
waren die gleichnamigen Pole, oder 2 Magnet-Na- 
deln. 
^ B 1 Der eine Magnet A konnte fest stecken. [772] 

Die leeren Wagen konnten zu Griitze- und KafFee-Miihlen 
Sagmiihlen gebraucht werden, blinde Orgeln konnten daran ange- 
bracht werden, Glasschleif-Muhlen. [773] 



G 

1779-1783 



HEFT G 1-2 



131 



Der Verstand scheint das Band zu sein, wodurch wir mit der 
Welt uberhaupt und mit ihren Absichten zusammenhangen, nicht 
unser Geflihl allein. Wemgstens muB der Verstand vorher erkannt 
haben, und dann konnen sich seine Schlusse endlich, zur Klarheit 
herabgestimmt, mit andern Gefuhlen durch Assoziation verbinden. 
Schlusse von Schonheit auf Vollkommenheit zu machen, ist nicht 
besser, als von den Konvulsionen und Gesichtsverzerrungen eines 
Sterbenden auf seine schrecklichen Empfmdungen zu schlieBen. Er 
kann gerade in einer Art von wollustigem Geftihl liegen, wie der 
Mann, von dem in den Pariser Memoiren (fur das Jahr 1773) erzahlt 
wird, der einem in mephitischer Luft erstickten Menschen zu Hulfe 
eilen wollte, und selbst ohne Empfindung hinfiel, und nur durch 
die sorgfaltige und anhaltende Bemiihung einiger Arzte ins Leben 
zuruckgebracht wurde. Hier heiBt es in dem Berichte: 

»Entre le moment de son entree dans cette cave et celui, ou il 
perdit connoissance, il ne s* ecoula qu'environ deux minutes. Pen- 
dant cet espace de terns il ne ressentit ni douleur, ni oppression, et 
Tinstant, qu'il perdit connoissance, il eprouva une sensation des 
plus voluptueuses, un delire inexprimable; il goutoit avec plaisir, 
a la porte du tombeau, une satisfaction delicieuse, absolument exemte 
des horreurs, que Ton a ordinairement de la mort. Il perdit enfm 
tout mouvement, tout sentiment, et resta dans cette situation en- 
viron une heure et demie au pied de Tescalier de la cave, ou il etoit 
tombeetc.« [1] 



Ich muB mich immer freuen, wenn die guten Seelen, die den 
Sterne mit Tranen des Entziickens in den Augen lesen, glauben, der 
Mann spiegele sich in seinem Buche. Die Sternische Einfalt der Sit- 
ten, sein warmes gefiihlvolles Herz, seine mit allem, was edel und 
gut ist, sympathisierende Seele, und wie die Phrasen alle heiBen, und 
der Seufzer alas poor Yorickl der alles zugleich sagt, sind unter uns 
Deutschen zum Spriichwort geworden. Man hat dies vermutlich 
einem Manne, der mehr Geschmack als Kenntnis der Welt hatte, 
nachgesagt, ohne die Sache weiter zu untersuchen. Denn die, die 
Sternen am meisten im Munde fiihren, sind eben nicht die, die einen 
auBerst witzigen, schlauen und biegsamen Kenner der Welt zu be- 
urteilen im Stande sind. Man kann den Eindruck von zehn Spriich- 
wortern auf einen Kopf leichter ausloschen, als den von einem ein- 



132 SUDELBUCHER 

zigen auf das Herz, und neulich hat man ihm sogar den redlichen 
Asmus nachgesetzt. Das geht zu weit. Die nicht bloB aus Schriften, 
sondern aus Taten bekannte rechtschafFene Seele des Wandsbek- 
kers soil Sternen nachstehen, well uns ein falscher Spiegel ein ange- 
nehmes Bild von diesem zuruckwirft, oder zuriickzuwerfen scheint? 
Ein Buch kann die ganze Seele seines Verfassers zuriickwerfen, aber 
es verrat eine groBe Unbekanntschaft mit der Welt unddem mensch- 
lichen Herzen, wenn man dieses von Yoricks Schriften glaubt. 
Yorick war ein kriechender Schmarotzer, ein Schmeichler der 
GroBen, und eine unausstehliche Klette am Kleide derer, die er zu 
beschmausen sich vorgenommen hatte. Er kam uneingeladen zum 
Friihstiick, und wenn man ausging, um ihn loszuwerden, so ging 
er mit aus, und mit in andere Gesellschaft, weil er glaubte, er konne 
nirgends unangenehm sein. Ging man nach Hause, so ging er wie- 
der mit, und setzte sich endlich zu Tisch, wo er gern allein und von 
sich selbst sprach. Ein gelehrter und sehr rechtschaffener Mann in 
England fragte mich einmal : was halten sie in Deutschland von un- 
serem Yorick? Ich sagte, er wiirde von einer groBen Menge ange- 
betet, und Kenner dieser Art Schriften, die ihn eben nicht anbete- 
ten, hielten ihn doch alle fur einen auBerordentlichen und einzigen 
Mann in seiner Art ; ich fande nicht, daB man in England so von ihm 
dachte. - »Um Verzeihung, war die Antwort, man denkt in Eng- 
land eben so von ihm; nur weil wir ihn naher kennen, so wird das 
Lob durch die HaBlichkeit seines personlichen Charakters sehr ge- 
mildert; derm er war ein Mann, der seine auBerordentlichen Ta- 
lente groBtenteils anwandte, niedertrachtige Streiche zu spielen.« - 
Ich weiB, viele, vielleicht die meisten meiner Leser werden dieses 
fur wahre Lasterung halten. 1st es nicht eine Schande, werden sie 
sagen, Nesseln auf das Grab desjenigen zu pflanzen, der sie so liebe- 
voll von Lorenzo's Grab ausriB? Aber nicht ausgerissen haben wiirde, 
mochte ich antworten, wenn ihn ein Herzog eingeladen hatte, oder 
Nesseln ausreiBen dem unerreichbar angenehmen Schwatzer und 
Maler von Empfindungen nicht so vortrefflich geklungen hatte. 
Mit Witz, verbunden mit Weltkenntnis, biegsamen Fibern und 
einem durch etwas Interesse gestarkten Vorsatz, eigen zu scheinen, 
laBt sich viel sonderbares Zeug in der Welt anfangen, wenn man 
schwach genug ist, es zu wollen, unbekannt mit wahrem Ruhm es 
schon zu finden, und miiBig genug, es auszufiihren. [2] 



HEFT G 2-9 



133 



Es war entweder in der Nacht vom 14. auf den i5.,*oder vom 15. 
auf den 16. Oktober (1779), als mir traumte, ich sehe eine feurige 
Wolke unter den Plejaden herfliegen; zugleich lautete die groBe 
Glocke zu Darmstadt, und ich fiel auf die Knie und sprach die 
Worte: heilig, heilig etc. aus. Meine Empfindungen waren dabei 
unaussprechlich groB, und ich hatte mich derselben kaum mehr 
fahig geglaubt. [3] 

Die Schwachheiten groBer Leute bekannt zu machen, ist eine Art 
von Pflicht ; man richtet damit Tausende auf, ohne jenen zu schaden. 
Der Brief von d'Alembert iiber Rousseau im Mercure de France, 
Sept. 1779. verdient bekannter zu sein. [4] 

An Werthern gefallt mir das Lesen seines Homers nicht. Es ist 
subtile Prahlerei, daB der Mann etwas Griechisches lesen konnte, 
wahrend andere Leute etwas Deutsches lesen miissen. DaB deutsche 
Schriftsteller so oft ihre Helden mit einem Griechen in der Hand 
spazieren lassen, ist deutsche Prahlerei, Zeitungs- und Journalen- 
leserei. Literarisches Verdienst ist in Deutschland leider der MaBstab 
von wahrem Wert geworden, weil Schulfuchse den Thron des Ge- 
schmacks usurpieren. Anstatt einen Helden immer in seinem Homer 
lesen zu lassen, wollte ich ihn lieber in das Buch sehen lassen, aus 
dem Homer selbst lernte; das wir ganz ohne Varianten, ohne Dia- 
lekte vor unshaben. Es ist von diesen tiefen Kennern des Geschmacks 
gar nicht schon, daB sie eine Kopie studieren, wahrend sie das Ori- 
ginal vor sich haben. [5] 

Die Menschen versprechen sich jetzt so viel von Amerika und 
dessen politischem Zustande, daB man sagen konnte, die Wiinsche, 
wenigstens die heimlichen, aller aufgeklarten Europaer hatten eine 
westliche Abweichung, wie unsere Magnetnadeln. [6] 

Statt Quod erat demonstrandum, xugte eXevjaov! unter eine 
psychologische Demonstration. [7] 

Mein Aide de Camp - Adelungs Worterbuch. [8] 

Von dem Erziehungsbuche bis zum Erziehungsbesen. [9] 



134 SUDELBUCHER 

Eine Jungfer Hausfrau, oder eine Frau Hausjungfer. [10] 

Herr Camper erzahlte, daB eine Gemeinde Gronlander, als ein 
Missionair ihnen die Flammen der Holle recht fiirchterlich make, 
und viel von ihrer Hitze sprach, sich alle nach der Holle zu sehnen 
angefangen hatten. [n] 



Physiognomtsche Missionsberkhte, oder Nachrkhten von dem Zustande 
und Fortgang der Physiognomik zu Tranquebar 

Es wird unsern Lesern noch aus den Erlanger Zeitungen im Anden- 
ken liegen, daB um die Mitte des Jahrs 1778 das SchirT7a Divineuse, 
unter Fiihrung des Capitains Sebastian Brant, geladen mit Storch- 
schnabeln, Stirnmessern und fiinfhundert Ballen Silhouetten, aus 
dem Texel nach Ostindien abgegangen, um das Licht der Physio- 
gnomik in jenen finstern Gegenden zu verbreiten. Am Bord des- 
selben befanden sich drei Eingeweihete; namlich: Don Zebra Bom- 
bast, eigentlich ein geborner Spanier, der aber in Deutschland er- 
zogen ist; ein Mann von edlem hohen Sinn, in Gang und Stil von 
recht kronungsmaBigem Wesen. Von der Wahrheit der Physio- 
gnomik uberzeugt, oder doch so gut als uberzeugt, achtete er keine 
Einwtirfe mehr. Herr Lavater hatte auf keinen wiirdigeren Mann 
verfallen konnen; hauptsachlich weil er mit dem utili nicht allein 
das dulce, sondern auch das amarum zu verbinden weiB. 

Der zweite war Peter Kraft> ein auserwahlter physiognomischer 
Glaubiger, der durch Herrn Lavaters Stil uberzeugt worden war, 
weil er glaubte, in solcher Begeisterung konne man keine Unwahr- 
heiten reden. Der kaltbliitige Mensch allein irre eigentlich nur, weil 
Kalte, Erde und Irrtumer Synonyma waren ; hingegen sei der warme 
Mensch gottesbesessen, sei Planzug des Ganzen, ohne freien Wil- 
len, und also offenbar Triebwerk des Weltzwecks. Weissagungen 
aus Uberlegung waren ipso facto keine. Nur allein Gott weissage 
aus Raisonnement, das Geschopf nur durch ihn; und das geschehe 
allemal, wenn es koche, 

Don Zebra und Peter Kraft waren die besten Freunde, und des- 
wegen von Herrn Lavater gewahlt worden. Es war auch nicht 
leicht moglich, daB sie hatten Feinde werden konnen; denn in der 
t)berzeugung von der Wahrheit der Physiognomik waren sie 



HEFT G IO-I5 



135 



schon eins, und hatten also nicht notig, sich auf die Griinde einzu- 
lassen; daher sie die meiste Zeit nur in starken, zuweilen witzigen 
Ausdriicken wider die Gegner der Physiognomik sprachen. 

Der dritte Friedrich Weifi aus Berlin, ebenfalls ein Verteidiger 
der Physiognomik, wiewohl kein warmer. Nach einem einstimmi- 
gen Zeugnis aller, die die Reisegesellschaft gekannt haben, war er 
der beste Kopf unter ihnen. Er hatte in der Tat iiber Physiognomik 
nachgedacht. Herr Lavater hatte ihn, ohne es sich merken zu las- 
sen, gewahlt, um Leute zu uberzeugen, in denen die Gnade nicht 
wirken wollte; hingegen Don Zebra und Peter Kraft, diejenigen 
zu uberzeugen, die ohne Oberzeugung glauben. [12] 

Es ist fast unmoglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedrange 
zu tragen, ohne jemandem den Bart zu sengen. [13] 

Die Suppe schmeckte so abscheulich, daB, um zu glauben, es sei 
auf eine Vergiftung abgesehen, man nur notig gehabt hatte, ein 
groBer General oder ein Konig zu sein. [14] 



Welch ein Unterschied, wenn ich die Worte: »Ehe denn die Berge 
wurden, und die Erde und die Welt geschaffen worden, hist du Gott von 
Ewigkeit zu EwigkeiU - in meiner Kammer ausspreche, oder in der 
Halle von Westminstersabtei ! Ober mir die feierlichen Gewolbe, 
wo der Tag immer in einer heiligen Dammerung trauert, unter mir 
die Reste zusammengestiirzter Pracht, der Staub der Konige, und 
um mich her die Trophaen des Todes ! Ich habe sie hier und dort aus- 
gesprochen; in meinem Schlafgemach haben sie mich oft erbaut; 
ich habe sie von Kindheit an nie ohne Riihrung gebetet, aber hier 
durchlief mich ein unbeschreibliches, aber angenehmes Grauen; ich 
fiihlte die Gegenwart des Richters, dem ich auf den Fliigeln der 
Morgenrote selbst nicht zu entrinnen vermochte, mit Tranen, weder 
der Freude noch des Schmerzes, sondern mit Tranen des unbeschreib- 
lichen Vertrauens auf ihn. Glaubt nicht, ihr, die ihr iiberall mutmaBet 
und mehr mutmaBet als leset, daB ich aus modischer Schwermut 
dieses dichte. Ich habe den Young nicht ganz lesen konnen, als es 
Mode war, ihn zu lesen, und hake ihn noch jetzt fur einen groBen 
Mann, da es Mode ist, ihn zu tadeln. [15] 



I36 SUDELBUCHER 

Die Augen eines Frauenzimmers sind bei mir ein so Wesentliches 
Stiick, ich sehe oft darnach, denke mir so vielerlei dabei, daB, wenn 
ich nur ein bloBer Kopf ware, die Madchen meinetwegen nichts 
als Auge sein konnten. [16] 

Was man feine Menscheiikenntnis nennt, ist meistens nichts als 
Reflexion, Zuriickstrahlung eigener Schwachheiten von anderen. 

[17] 

Wer sich selbst recht kennt, kann sehr bald alle anderen Menschen 
kennen lernen. Es ist alles Zuriickstrahlung. [18] 

Es ist doch sonderbar, daB das, was die Menschen im Genie vor- 
trefFlich nennen, so selten ist. Bin Shakespeare, Bin Newton, Bin 
Franklin usw. Warum sind dieser Menschen so wenige, da es doch 
Gott gleich leicht war, den Dummkopf und das Genie zu schafFen? 
Ich weiB keine andere Antwort, als daB das Genie allezeit einge- 
schrankt ist und es notiger war, Menschen zu haben, die zu allem, 
als die zu Einem Dinge taugen. [19] 

Wer sich nicht auf Mienen versteht, ist immer grausamer oder 
grober, als andere Leute; deswegen kann man auch gegen kleine 
Tiere eher grausam sein. [20] 

Ich sagte bei mir selbst : das kann ich unmoglichglauhen, und wahrend 
dem Sagen merkte ich, daB ichs schon zum zweitenmal geglaubt 
hatte. [21] 

Menschen, die sich auf die Beobachtung ihrer selbst gut verstehen 
und sich damit heimlich groB wissen, freuen sich oft iiber die Ent- 
deckung eigner Schwachheit, wo die Entdeckung sie betriiben 
so lite. So sehr viel mehr gilt bei manchen der Professor als der 
Mensch. [22] 

Es ist zwar sehr wahr, daB die meisten Menschen, die keiner Liebe 
fahig sind, auch fur die Freundschaft wenig taugen. Man sieht aber 
doch auch oft das Gegenteil. [23 ] 



HEFT G 1(5-31 137 

Es ist der gemeine Fehler aller Leute von wenig Talenten und mehr 
Belesenheit als Verstand, daB sie eher auf kiinstliche Erklarungen 
verfallen als auf natiirliche. [24] 

Das ganze Knochengebaude unserer Denkungsart und unsers 
Glaubens wird formiert aus unseren Helden, und Musterwahl geht 
zu einer Zeit vor, wo wir die wenigste Erfahrung und Oberlegung 
haben, und wirkt doch am Ende auf unsere Oberlegung, wo nicht 
auf die Folgen unserer Erfahrung. [25] 

Der schmeichlerische Elende, ich mochte fast sagen der Feig- 
herzige, der unter jedem Streich des Schicksals winselt, der sich mit 
dermitigen Gebarden naht, Brod fordert, und sich auf Gnade und 
Ungnade seinem Wohltater ergibt, ist leicht erkannt; der Jagd- 
junker im Vorbeisprengen versteht Mienensprache genug, ihn zu 
kennen. Der andere, stille, nur fur ein paar Stationen geschaffene 
Mann, dessen Elend nicht geschwatzig ist, der mehr denkt, und wo 
er auch immer an der gemeinen Last angespannt wird, besser zieht, 
ist schwerer zu kennen. Es gehort ein geubtes Auge dazu, seine unge- 
kiinstelte Bescheidenheit vom heimlichen Stolz und seine Kurze 
in allem vom Trotz zu unterscheiden. [26] 

Man muB nie den Menschen nach dem beurteilen, was er geschrie- 
ben hat, sondern nach dem, was er in Gesellschaft von Mannern, 
die ihm gewachsen sind, spricht. [27] 

Die Menschen haben immer Witz genug, wenn sie nur keinen 
haben wollen. [28] 

Es ist ja doch nun einmal nicht anders : die meisten Menschen 
leben mehr nach der Mode als nach der Vernunft. [29] 

Es gibt Gesichter in der Welt, wider die man schlechterdings 
nicht Du sagen kann. [30] 

Die Muttermilch fur den Leib macht die Natur; fur den Geist 
wollen unsere Padagogen sie machen. [31] 



I38 SUDELBUCHER 

Wenn England eine vorzugliche Starke in Rennpferden hat, so 
haben wir die unsrige in Kamfedern. Ich habe welche gekannt, die 
mit einem einzigen Satz uber die hochsten Hecken und breitesten 
Graben der Kritik und gesunden Vernunft hinubersetzten, als waren 
es Strohhalmen. [32] 

1st es nicht sonderbar, daB man das Publikum, das uns lobt, immer 
fiir einen kompetenten Richter halt; aber sobald es uns tadelt, es 
fiir unfahig erklart, uber Werke des Geistes zu urteilen? [33] 

Es ist schade, daB man bei Schriftstellern die gelehrten Einge- 
weide nicht sehen kann, urn zu erforschen, was sie gegessen haben. 

[34] 

Conrad Photorins (p. t. Fotorins) Sendschreiben an die Herausgeber 
des Magazins, die Abschaffung der Hosen betreffend. 

Ew. Wohlgeboren ruhmlichst bekannter Eifer fiir unsere neue 
Orthographie oder, wie sie sie jetzt schicklicher nennen, Cano- oder 
Kainographie, um sie nicht mit der alten so genannten Orthogra- 
phie zu verwechseln, hat mich aufgemuntert, Denenselben einen 
Plan zur Bekanntmachung vorzulegen, der mit dem Kainographi- 
schen viel Ahnlichkeit hat, namlich, die Beinkleider abzuschaiFen; 
und sollte dieser Ihren erwiinschten Beifall erhalten, so sollen Die- 
selben ein Werk von mir bekommen, wovon ich Ihnen jetzt nichts 
weiter sagen kann, als daB es eine Reformation der deutschen 
Sprache ist, und unsere Canographie muBte notwendig darauf 
leiten. Denn welches ist torichter, der zu schreiben, und ddhr zu 
lesen, oder zu sagen, ich drehe, ich drehete; ich stehe, ich stand; ich 
sehe, ich sah; ich gehe, ich^m^? Dieses macht den Auslandern und 
Kindern unendliche Miihe. Daher auch die Juden, die zwar ein 
unterdriicktes Volk sind, aber doch zuweilen uber uns aufrecht- 
stehend wegsehen, manchmal sagen: es sehete unvergleichlich aus; es 
ware am besten, er gehete hin etc. Ich muB Ew. Wohlgeb. gehorsamst 
um Vergebung bitten, daB ich mich der Canographie in meinem 
Briefe nicht bediene. Mein Geist ist zwar stark, allein aber das Fleisch 
ist schwach. Ich bin nicht mehr jung, und verschreibe mich jeden 
Augenblick; auch weiB ich zwar immer, wie ich spreche, allein ich 
weiB es nicht immer zu schreiben. Z.B. recht darf ich nicht, und racht 



HEFT G 32-35 



139 



kann ich nicht schreiben, denn es wird ja nicht gesprochen wie 
Hecht, usw. 

Forschlach kunftig keine Bainklaider mer zu tragen 

Der schonste Teil des menschlichen Geschlechts tragt keine, so 
wenig als der zarteste, namlich das weibliche Geschlecht und die 
Kinder. Die grofiten Menschen haben keine getragen, weder die 
Erzvater, noch der plus Aeneas, noch Tullus und Ancus. Cicero, 
Pompejus und Casar trugen keine, auch hat vermutlich Sokrates 
keine getragen, Ja die gesiindesten Volker, ich meine die ungesitte- 
ten, tragen bis auf diese Stunde keine; auch die gesitteten Berg- 
schotten nicht. DaB es einem auffallend sein wiirde, jetzt einen 
Minister oder General ohne Beinkleider herumgehen zu sehen, 
das ist bloB die Ungewohnheit, lacherliches Vorurteil. Es ist nicht 
mehr, als statt des einfaltigen der und phystsch jetzt dar und ftistsch zu 
schreiben, welches recht ist. Ohne Beinkleider zu gehen, soil Leuten 
sehr dienlich sein, die sich verandern wollen, indem es ein gelindes 
kaltes Bad ist. Das bestandige Auf- und Zuknopfen ist wirklich sehr 
beschwerlich. Wer an einer Kirche wohnt, darf nur die Leute be- 
obachten, die am Tage die einwartsgehenden Winkel derselben 
stehend einnehmen; was das oft fur Umstande setzt, einige miissen 
sogar den Stock wegstellen, und beide Hande brauchen. Ich riete 
eine Art kleiner Schurze, die rund herum ginge, so wie die Backer- 
schtirzen am Rhein etc. 

Was die Englander in der Fusik, die Franzosen in der Metafiisik 
sind, sind die Deutschen unstreitig in der Ortokraji. Das Sustem, das 
unsH.K...hieriibergegeben hat, ist vortreflich. Fiirz gleich nicht 
uberall Uberzeugung bei sich, so fiirz doch auf Einigkeit, und hilfz 
nichz, so schatz doch auch nichz. Vorziiglich Dank ferdint Herr 
MUlius in Berlin, der auch in seinem zerdeutschten Gil Bias Hupokrates 
schreibt, und also auch vermutlich Filuppus und Hippotese schreiben 
wiirde. — Neulich entstand bei einem Testament ein entsetzlicher 
und fast skandaloser Streit iiber folgende Worte: »Auch vermache 
ich das Heu von meinen Wiesen den jedesmaligen drei Stadtfarren 
zu O . . .« Es wurde namlich gestritten, ob Testator die Prediger des 
Orts, oder die Bullen gemeint habe ; und weil die letztern einen bes- 
sern Advokaten erhielten, als die erstern, so fiel das Heu dem Bul- 
lenstall zu. Der Advokat fur die Prediger wuBte nichts beizubrin- 
gen, als daB man einem unverniinftigen Vieh nichts vermachen 



140 SUDELBUCHEH 

konne; nur sei bekanntlich Testator ein Anhanger von Herrn K. . . 
und dessen prosaischen Werken gewesen, und habe daher/arren statt 
pfarrern geschrieben. Dagegen erwies der Advokat fur die Bullen 
mit unwidersprechlichen Zeugnissen, Testator sei zwar ein eifriger 
K-ianer, aber, da er selbst Pfeiffer geheiBen, auch ein hartnackiger 
Verteidiger des Pf gewesen, weshalb er wohl oft Klopfstock und 
Trepfe gesagt, aber sich nie Feiffer unterzeichnet habe. Die Sache 
ware also klar. Oberdies habe der Selige bekanntlich nicht viel auf 
die dasigen Herren Prediger gehalten, und da die Wiesen gegen 
300 Taler abwerfen, so ware es gar nicht wahrscheinlich, daB er sie 
gemeint hatte, usw. [3 5 ] 

Es gibt eine wahre und eine formliche Orthographic [36] 

Der eine hat eine falsche Rechtschreibung und der andere eine 
rechte Falschschreibung. [37] 

1st das nicht ein herrlicher Zug in Rousseau's Bekenntnissen, wo 
er sagt, er habe mit Steinen nach Baumen geworfen, um zu sehen, 
ob er selig oder verdammt wiirde? GroBer Gott, wie oft habe ich 
Ahnliches getan, ich habe immer gegen den Aberglauben gepredigt 
und bin fur mich immer der argste Zeichendeuter. Als N . . . auf 
Tod lag, lieB ich es auf den Krahenflug ankommen, wegen des Aus- 
gangs mich zu trosten. Ich hatte, wenn ich am Fenster stand, einen 
hohen Turm mir gegemiber, auf dem viele Krahen waren. Ob rechts 
oder links vom Turm die erste Krahe erschien. Sie erschien von der 
linken, allein da trostete ich mich wieder damit, daB ich nicht fest- 
gesetzt hatte, welches eigentlich die linke Seite des Turms genannt 
zu werden verdiente. Es ist vortrefflich, daB Rousseau sich mit 
FleiB einen dicken Baum aussuchte, den er also nicht leicht fehlen 
konnte. [38] 

In alien Dingen in der Welt gibt es ein Coup d'Oeil, das heiBt, 
jeder verminftige Mensch, der etwas hort oder sieht, urteilt instinkt- 
maBig dariiber. Er schlieBt z.B. aus dem Titel des Buchs und des- 
sen Dicke auf den innern Wert. Wohlverstanden, ich sage nicht, 
daB diese Dinge sein eigentliches Urteil lenken, sondern nur, daB 
er mit dem ersten Anblicke einer Sache auch ein, dieser geringen 



HEFT G 35-44 



141 



Information proportioniertes, Urteil von ihr verbindet, oft ohne 
daB er sich dessen deutlich bewufit wird. Auch hebt die Erfahrung 
der nachsten Sekunde das Urteil oft wieder auf. Alles dieses sind 
Samenkorner von Wissenschaften, aus denen ein Lambert etwas 
hatte ziehen konnen; allein so wie nicht aus jedem Samen ein Baum 
oder Kiichenkraut wird, so eben auch hier. Indessen sind diese 
Winke nie aus der Acht zu lassen; sie sind die Resultate vieler emp- 
fangenen Eindriicke in der verstandlichsten Summe konstruiert. 

[39] 

Das Moserische Mehl und nicht die Muhle ist vortrefFHch; Friichte 
der Philosophic und nicht die Philosophic Wenn wir fragen, wie 
viel Uhr es ist, so wollen wir nichts von der Einrichtung der Ta- 
schenuhr wissen. Die Kenntnis der Mittel ist heutzutage eine ruhm™ 
liche Wissenschaft geworden, und niemand gebraucht sie zu seinem 
Gluck und dem Gliicke der Welt. Kenntnis der Mittel ohne eine 
eigentliche Anwendung, ja ohne Gabe und Willen sie anzuwenden, 
ist, was man jetzt gemeiniglich Gekkrsamkeit nennt. [40] 

Man irrt sich, wenn man glaubt, daB alles unser Neues bloB der 
Mode zugehorte, es ist etwas Festes darunter. Fortgang der Mensch- 
heit muB nicht verkannt werden. [41 ] 



Mir ist es unbegreiflich, warum der Zustand der unendlichen 
Herrlichkeit nicht lieber gleich angeht, da doch dieses Leben nur 
uberhaupt ein verschwindender Punkt ist. [42] 

Ich glaube, es ist ein groBer Unterschied zwischen Vernunft lehren 
und vernunftig sein. Es kann Leute geben, die nichts weniger als 
eigentlich gesunden Verstand besitzen, und doch vortrefflich iiber 
die Regeln nachdenken, die er befolgen muB ; so wie ein Physiologe 
den Bau des Korpers kennen, und selbst sehr ungesund sein kann. 
Die groBen Analysten des menschlichen Kopfs waren nicht immer 
die Praktisch-Verniinftigen. Ich rede hier nicht von Moral, sondern 
vonLogik. [43] 

So lange die verschiedenen Religionen nur verschiedene Reli- 
gionssprachen sind, so ist alles recht gut; nur muB die Absicht, der 



142 SUDELBUCHER 

Sinn einerlei und gut sein. Was liegt endlich daran, ob einer vor 
einem holzernen Christus niederfallt, wenn er nur dadurch zum 
Guten geleitet wird. Nur muB die Religion an sich selbst die Prii- 
fung aushalten, darnit sie in jedem Dialekt, wie sich Semler aus- 
driickt, Gutes wirken kann. Es verrat wenig Weisheit bei manchen 
Leuten, daB sie sich iiber die religiosen Gebrauche anderer lustig 
machen; sie beweisen durch ihre Auffiihrung, daB sie den ganzen 
Sinn der Bibel nicht fassen. Wenn bei dem Volke Zweifel entstehen," 
so muB sie der Gelehrte zu heben wissen ; allein es verrat unbeschreib- 
lichen Unverstand, wenn Gelehrte gegen die Religion des Volks 
schreiben und daran zu Helden werden wollen. Semler sagt sogar*: 
nicht alle Menschen mussen unsere christliche Religion haben. [44] 

Die Menschen glauben iiberhaupt schwerer an Wunder, als an 
Traditionen von Wundern, und mancher Tiirke, Jude usw. der 
sich jetzt fur seine Traditionen tod schlagen lieBe, wiirde bei dem 
Wunder selbst, als es geschah, sehr kaltbliitig geblieben sein. Denn 
in dem Augenblicke, da das Wunder geschieht, hat es kein anderes 
Ansehen, als das ihm sein eigener Wert gibt; es physisch erklaren, 
ist noch keine Freidenkerei, so wenig als es fiir Betrug halten, Blas- 
phemie. Uberhaupt ein Faktum leugnen, ist an sich etwas Unschul- 
diges ; es wird nur in der Welt gefahrlich in so fern, als man andern 
dadurch widerspricht, die seine Unleugbarkeit in Schutz genom- 
men haben. Manche Sache, die an sich sehr unwichtig ist, wird da- 
durch wichtig, daB sich Leute von Ansehen ihrer annehmen, die 
man fiir wichtig halt, ohne eigentlich zu wissen warum. Wunder 
mussen in der Feme gesehen werden, wenn man sie fiir wahr, so wie 
Wolken, wenn man sie fiir feste Korper halten soil. [45] 

Es gibt einen Zustand, der wenigstens bei mir nicht sehr selten ist, 
da man die Gegenwart und Abwesenheit einer geliebten Person 
gleich wenig ertragen kann; wenigstens bei der Gegenwart nicht 
das Vergniigen findet, welches man, aus der Unertraglichkeit der 
Abwesenheit zu schlieBen, von ihr erwarten sollte. [46] 

Die determiniertesten Philosophen sind zuweilen aberglaubisch, 
und halten etwas auf das Ominose. [47] 

* In seine m Leben, 2.T. S. 114. 



HEFT G 44-54 J 43 

Sonderbar ist die allmahlige Entwickelung des Kunftigen, welche 
die Spieler der plotzlichen Enthiillung vorziehen. Bei Hazardspielen, 
wobei umgeschlagen wird, betrachten sie die Karte, die sie frei 
ansehen durften, lieber erst gegen ein schwaches Licht von hinten. 
Selbst Kinder tun dies. [48] 

Jemand geht lange unentschlossen in seiner Stube auf und ab ; 
auf einmal findet er eine holzerne Walze, auf der er Kupferstiche 
erhalten hatte, und dieser Prtigel gibt seinem Geist Starke, und er 
entschlieBt sich. Vielleicht hielt er es fiir einen Marschallsstab, ohne 
es deutlich zu denken. [49] 

Aus der Narrheit der Menschen in Bedlam miiBte sich mehr 
schlieBen lassen, was der Mensch ist, als man bisher getan hat. [50] 

Wovon das Herz nicht voll ist, davon geht der Mund iiber, habe 
ich offers wahr gefunden, als den entgegengesetzten Satz. [51] 

Das respite jinem ist einer weit fruchtbarern Erklarung fahig, als 
man ihm gewohnlich gibt. Der Mensch, der den Himmel erfunden 
hat, rechnet aufs Kunftige. Wer bei jeder Handlung den EinfluB be- 
denkt, den sie auf sein Kiinftiges haben kann, und sie nicht unter- 
nimmt, wenn sie ihm nicht im Kunftigen Vorteil bringt, wird ge- 
wiB glucklich leben. Alle groBen Leute haben bloB des Kunftigen 
wegen das Gegenwartige unternommen, und schlechte Menschen 
haben immer, wie die Tiere, bloB das Gegenwartige vor Augen; ja 
sie erniedrigen sich unter die Tiere, weil diese aus Instinkt manches 
furs Kunftige tun, und also die Natur gewissermaBen ihre Beseelung 
iiber sich nimmt. [52] 

Ich glaube auch an den Helvetiusschen Satz : Man kann, was man 
willy aher nitht alles, was man sith ruhig wunstht zu konnen, will man. 
Die Art zu wollen, die Helvetius meint, ist unwiderstehliche Be- 
gierde, die fast nie ohne die erforderliche Fahigkeit ist. [53] 

Es ist gewiB ein sicheres Zeichen, daB man besser geworden ist, 
wenn man Schulden so gerne bezahlt, als man Geld einnimmt. 

[54] 



144 SUDELBUCHER 

Es gibt eine gewisse Jungferschaft der Seeie bei den Madchen, 
und eine moralische Entjungferung ; diese findet bei vielen schon sehx 
friihzeitig statt. [55] 

Woher mag wohl die entsetzliche Abneigung des Menschen her- 
riihren, sich zu zeigen, wie er ist, in seiner Schlafkammer, wie in 
seinen geheimsten Gedankene In der Korperwelt ist alles wechsel- 
seitig, das, was es sich sein kann, und zugleich sehr aufrichtig. Nach 
unsern BegrifFen sind die Dinge gegen einander alles Mogliche, was 
sie sein konnen, und der Mensch ist es nicht. Er scheint mehr das zu 
sein, was er nicht sein sollte. Die Kunst sich zu verbergen, oder der 
Widerwille, sich geistlich oder moralisch nackend sehen zu lassen, 
geht bis zum Erstaunen weit. [56] 

Es ist wirklich nichts abscheulicher, als wenn sich selbst zugezogene 
Strafgerichte nocheinlaufen, nachdem man schon lange angefangen 
hat, sich zu bessern. [57] 

Der Geldgeiz der beim Ehrgeiz stent, verdiente allemal ein bes- 
seres Wort. [58] 

Die Helden der alten Dichter sind sehr von denen im Milton z. B. 
verschieden. Sie sind tapfer, klug und weise, aber selten nach unseren 
Sitten liebenswiirdig und barmherzig. Milton hat die seinigen aus 
der Bibel entnommen. Sollte vielleicht unsere christliche Moral 
ihren Grund in einer gewissen Schwachheit haben, in einer jiidi- 
schen Feigheit, da sich die andere auf Starke griindet? Allgemeine 
Vertraglichkeit ist vielleicht ein schones Hirngespinst und was sich 
nie wird erreichen lassen. [59] 

In jedes Menschen Charakter sitzt etwas, das sich nicht brechen 
laBt - das Knochengebaude des Charakters; und dieses andern wollen, 
heiBt immer, ein Schaf das Apportieren lehren. [60] 

Man kennt manchmal einen Menschen genauer, als man sagen 
kann, oder wenigstens als man sagt. Worte, Grad der Munterkeit, 
Laune, Bequemlichkeit, Witz, Interesse - alles driickt und leitet zur 
Falschheit. [61] 



HEFT G 55-68 145 

Wo MaBigung ein Fehler ist, da ist Gleichgiiltigkeit ein Ver- 
brechen. [62] 

Ich kenne die Miene der affektierten Aufmerksamkeit, es ist der 
niedrigste Grad von Zerstreuung, [63] 

Ich bin iiberzeugt, daB der Zank Homerischer Helden manchen 
Zank im Parlamente hervorgebracht hat. Mancher, der gegen Lord 
North sprach, dachte, er redete gegen den Agamemnon. Es ist der 
menschlichen Natur sehr angemessen. [64] 

Den Menschen so zu machen, wie ihn die Religion haben will, 
gleicht dem Unternehmen der Stoiker; es ist nur eine andere Stufe 
des Unmoglichen. [65] 

Es war wohl niemals ein Mann von irgend einigem Wert, auf den 
kein Pasquill gemacht worden ware, und nicht leicht eine schlechte 
Seele, die keins auf irgend einen Mann von Verdienst gemacht hatte. 

[66] 

Uber nichts wird fluchtiger geurteilt, als liber die Charaktere der 
Menschen, und doch sollte man in nichts behutsamer sein. Bei 
keiner Sache wartete man weniger das Ganze ab, das doch eigent- 
lich den Charakter ausmacht, als hier. Ich habe immer gefunden, 
die so genannten schlechten Leute gewinnen, wenn man sie genauer 
kennen lernt, und die guten verlieren. [67] 

Wer sich nur etwas Miihe geben will, wird leicht bemerken, daB 
es eine gewisse Menschenkenntnis, eine Philosophic und cine Theo- 
rie des Lebens gibt, die, ohne weiter untersucht zu werden, doch 
vielen zum Leitfaden im Handeln sowohl als Sprechen dient. Es 
gibt sogar beriihmte Leute, die weiter nichts vorzuweisen haben. 
So halt man in mittelmaBig groBen Stadten immer den Professor 
fur einen Pedanten; ja sogar das UniversitatsmaBige hat da die Be- 
deutung von Steifigkeit. Der Landjunker ist auch ein bekannter 
Charakter, und doch sind die meisten Landjunker das gar nicht. 
Schwache Kopfe sind in dieser Philosophic gemeiniglich sehr zu 
Hause. Man muB zuweilen wieder die Worter untersuchen, denn 



I46 SUDELBUCHER 

die Welt kann wegriicken, und die Worter bleiben stehen. Also 
immer Sachen und keine Worterl Denn sogar die Worter unendlich t 
ewig y immer haben ja ihre Bedeutung verloren. [68] 

Man irrt sich gar sehr, wenn man aus dem, was ein Mann in Ge- 
sellschaft sagt oder auch tut, auf seinen Charakter oder Meinungen 
schlieBen will. Man spricht und handelt ja nicht immer vor Welt- 
weisen; das Vergniigen eines Abends kann an einer Sophisterei 
hangen. Beurteilt ja auch kein Vernunftiger Cicero's Philosophic 
aus seinen Reden. [69] 

Man sollte nicht glauben, daB der unnattirliche Verstand so sehr 
weit gehen konnte, daB sich Leute beim Einsteigen in die Trauer- 
kutsche komplimentieren konnten. [70] 

Er wunderte sich, daB den Katzen gerade an der Stelle zwei 
Locher in den Pelz geschnitten waren, wo sie die Augen hatten. 

[71 1 

Die recht guten offenherzigen Leute muB man nie unter den 
Phrasesdrechslern suchen, wie Sterne. [72] 

Wenn die Menschen sagen, sie wollen nichts geschenkt haben, 
so ist es gemeiniglich ein Zeichen, daB sie etwas geschenkt haben 
wollen. [73] 

Man muB keinem Menschen trauen, der bei seinen Versicherungen 
die Hand auf das Herz legt. [74] 

Wie glucklich wiirde mancher leben, wenn er sich um anderer 
Leute Sachen so wenig bekummerte, als um seine eigenen. [75] 

In jedem Menschen ist etwas von alien Menschen. Ich glaube 
diesen Satz schon sehr lange; den vollstandigen Beweis davon kann 
man freilich erst von der aufrichtigen Beschreibung seiner selbst 
erwarten, namlich, wenn sie von vielen unternommen wird. Dieses, 
was man von alien hat, mit gehoriger Genauigkeit zu scheiden, ist 
eine Kunst, die gemeiniglich die groBten Schrirtsteller verstanden 



HEFT G 68-83 147 

haben. Man braucht nicht viel von jedem Menschen zu besitzen. 
Es gibt geschickte Leute, die ihre chymischen Versuche im kleinen 
anstellen, und richtigere Sachen herausbringen, als andere, die sehr 
viel Geld darauf zu verwenden haben. [76] 

Jedes Gebrechen im menschlichen Korper erweckt bei dem, der 
darunter leidet, ein Bemiihen, zu zeigen, daB es ihn nicht driickt: 
der Taube will gut horen, der KlumpfuB iiber rauhe Wege zu FuB 
gehen, der Schwache seine Starke zeigen, usw. So verhalt es sich in 
mehreren Dingen. Dieses ist fur den Schriftsteller ein unerschopf- 
licher Quell von Wahrheiten, die andere erschuttern, und von 
Mitteln, einer Menge in die Seele zu reden. [ 77 ] 

Es ist wahr, alle Menschen schieben auf, und bereuen den Auf- 
schub. Ich glaube aber, auch der Tatigste findet so viel zu bereuen, 
als der Faulste; denn wer mehr tut, sieht auch mehr und deutlicher, 
was hatte getan werden konnen. r 7 gi 

Es gibt Leute, die konnen alles glauben, was sie wollen; das sind 
gliickliche Geschopfe! [ 79 ] 

Ein Madchen, die sich ihrem Freund nach Leib und Seele ent- 
deckt, entdeckt die Heimlichkeiten des ganzen weiblichen Ge- 
schlechts; ein jedes Madchen ist die Verwalterin der weiblichen 
Mysterien. Es gibt Stellen, wo Bauernmadchen aussehen wie die 
Koniginnen, das gilt von Leib und Seele. [80] 

Er hat bloB Feinheit genug, sich verhaBt zu machen, aber nicht 
genug, sich zu empfehlen. [ 8l j 

Es gibt wirklich sehr viele Menschen, die bloB lesen, damit sie 
nicht denken diirfen. r 82 i 

Es gibt eine Art enthusiastisch buBfertiger Sunder, die schon in 
der Erzahlung ihrer Missetaten mit Einschiebseln zu buBen anfan- 
gen, und eine Beruhigung darin finden, sich anzuklagen. Rousseau 
konnte in diesem Falle gewesen sein; alle Verteidigungen sind zu 
fruh - das muB aus dem Ganzen beurteilt werden. Es ist hiermit als 



148 SUDEtBUCHEft 

wenn man einer Erfahrung nicht glauben wollte, weil sie einer lang 
angenommenen Theorie widersprache. Ein Leben, so wie Rousseau, 
allem Ansehen nach, das seinige beschxieben hat, muB man nicht 
nach der moralischen Etiquette beurteilen wollen, oder aus Leben, 
die nicht wie das Rousseauische beschrieben sind. So lange wir 
nicht unser Leben so beschreiben, wie es vor Gott erscheint, kann 
man nicht richten. Ich bin davon so sehr iiberzeugt aus dem, was 
ich von beriihmten Mannern gesehen habe, daB ich glaube, eine 
solche Lebensbeschreibung eines groBen Mannes, wie ich sie mir 
denke, wiirde dem Etiquettenmanne aussehen, als kame sie aus dem 
Monde. Wir kennen uns nur selbst, oder vielmehr, wir konnten 
uns kennen, wenn wir wollten; allein die andern kennen wir nur 
aus der Analogie, wie die Mondbiirger. Man sehe nur zwei Leute 
an, die einander freundlich begegnen, einander mit Frau und Kind 
besuchen, wenn sie sich iiberwerfen, was da fur Vorwiirfe ausspru- 
deln, Anekdoten etc. - alles das schlief vorher in ihnen, wie das Pul- 
ver in der Bombe, und wenn sie sich gegen einander biickten, so 
buckte es sich mit. So lange wir nicht unser Leben so beschreiben, 
alle Schwachheiten aufzeichnen, von denen des Ehrgeizes bis zum 
gemeinsten Laster, so werden wir nie einander lieben lernen. Hier- 
von hofFe ich eine ganzliche Gleichheit. Je harter es wider den Strich 
geht, desto getreuer muB man gegen sich selbst sein. Dieses scheint 
unsern Zeiten aufbehalten zu sein. Es wird nie sehr gemein werden; 
allein es wird doch manchen trosten, und manchen kliiger machen, 
und das ist schon Gewinn genug. Auch der Philosoph sollte denken : 
dulce est pro patria mori, es ist siiB, den Kredit, den man im Leben 
gehabt hat, fur die Philosophic aufzuopfern. Vor Gott machen wir 
doch nichts schlimmer damit. - Jeder Mensch schlieBt zwar schon 
von sich auf den andern, aber vermutlich oft falsch. Es ist eine unbe- 
greifliche Modealfanzerei, daB wir den einzigen Gegenstand in der 
Natur, den wir recht kennen, ich meine unser moralisches Selbst, nur 
nach einem einfaltigen philosophischen Polizeiformular beschrei- 
ben, auf dafi der Menge kein Schaden geschieht. In der Kindheit der 
Welt, worin wir leben, sollte man nicht ruhen, und Tatigkeit immer 
vorziehen. Die Zeit des allgemeinen Sinismus ist fur unser Klima, 
Philosophic und Religion noch lange nicht da. Es sollte mir leid tun, 
wenn ein anderes Volk oder eine andere Zeit uns diesen Zweig von 
Wissenschaft weghaschte. [83] 



HEFT G 83-93 



149 



GewiB ist die Anbetung der Sonne zu verzeihen. Jedermann sieht 
schon unwillkurlich nach einem hetlen Fleck. Das tun auch die Tiere, 
und was bei Katzen, Hunden unwillkiirliches Starren, ist bei den 
Menschen Anbetung. [84] 

Irren ist auch in so fern menschlich, als die Tiere wenig oder gar 
nicht irren, wenigstens nur die kliigsten unter ihnen. [85] 

Die gesundesten und schonsten, regelma'Bigst gebauten Leute 
sind die, die sich alles gefallen lassen. Sobald einer ein Gebrechen 
hat, so hat er seine eigne Meinung. [86] 

Die Geistlichen machen einen Larm, wenn sie einen Mann sehen, 
der frei denkt, wie Hennen, die unter ihren Jungen ein Entchen 
haben, welches in das Wasser geht. Sie bedenken nicht, daB Leute 
in diesem Elemente eben so sicher leben, als sie im Trocknen. [87] 

Ein groBes Genie wird selten seine Entdeckungen auf der Bahn 
anderer machen. Wenn es Sachen entdeckt, so entdeckt es auch ge- 
wohnlich die Mittel dazu. [88] 

Von dem seltsamen Geschmacke der Menschen zeugt auch die- 
ses, daB bei belagerten Stadten Leute sowohl heraus als hinein deser- 
tieren. [89 ] 

Nichts zeigt so kraftig, wie sehr man sich durch die Gewohnheit 
uber alles wegsetzen lernt, als die Periicken, die selbst Geistliche in 
einer von dem natiirlichen Haarwuchs so sehr abweichenden Form 
tragen, ohne dadurch lacherlich zu werden. [90] 

Es ist eine alte Regel: Ein Unverschamter kann bescheiden aus- 
sehen, wenn er will, aber kein Bescheidener unverschamt. [91] 

Den Streich, den Parrhasius dem Zeuxis, und Zeuxis den Vdgeln 
spielte, spielen taglich Tausende ihren Nebenmenschen mit ihren 
Gesichtern. r 92 i 

Ich gebe zu, daB die ganz groBen, und die ganz schlechten Men- 
schen gezeichnet sein mogen - ist das aber zu einer Physiognomik 



150 SUDELBUCHER 

genug? Die meisten und minder monstrosen Menschen liegen ge- 
wiB in der Mitte, und erst die Gelegenheit und der Zufall wirft sie 
in eine von beiden Klassen. [93] 

Ein aufgeblasener Mensch kann sehr schwindsuchtig aussehen. - 
Die HofFnung, die man sich von Physiognomik macht, hat sehr viel 
mit den Traumen Fontenelles gemein, der von dem Fliegen in der 
Luft auf das Fliegen nach dem Monde fallt. Die Damen glaubten 
ihm auch. [94] 

Von allem, was ich iiber Physiognomik geschrieben habe, 
wunschte ich bloB, daB zwei Bemerkungen auf die Nachwelt 
kamen. Essind ganz einfaltige Gedanken, und niemand wird mich 
darum beneiden. Der eine, daB ich die Ahnlichkeit zwischen 
Physiognomik und Prophetie erkannt habe; der andere, daB ich 
uberzeugt gewesen bin, die Physiognomik werde in ihrem eigenen 
Fette ersticken. [95] 

Wenn die Pockeninokulation allgemeiner wird, so werden wir 
urn eine ganze Klasse von Gesichtern kommen. Uberhaupt, wenn 
Krankheiten ausstiirben, so wiirden viele Gesichtsgeschlechter 
untergehen. [96] 

Der Zweck aller Erziehung ist, tugendhafte, verstandige und ge- 
sunde Kinder zu Ziehen. In wie weit stimmt dieses mit unserer 
Methode iiberein? Unser Einblauen der Geographie scheint keines 
von alien Dingen sonderlich zu befordern. Es kann einer in seinem 
zwanzigsten Jahre noch glauben, daB das Konigreich PreuBen eine 
Insel sei, und deswegen doch ein in allem Betracht trefflicher 
Mensch sein. Ich habe einen solchen gekannt. Man soil zwar immer 
bei der Erziehung auf die konventionellen Schonheiten des Geistes 
Riicksicht nehmen, aber es sind doch die letzten. [97] 

Kinder zu kuppeln, wie die Hunde oder die Schweine in England. 
Es wird in der Welt nicht eher gut gehen, bis man die Kinder 
kuppelt. [98] 

Es ist in der Tat verkehrt, wenn man unsern Kindern alles mit 
Liebe beibringen will, da in dem hoheren Leben, wenn wir alter 



HEFT G 93-104 151 

werden, uns das wenigste zu Gefallen geht, und wir uns immer 
unter einen Plan demiitigen miissen, den wir nicht iibersehen. Also 
je eher je lieber zu jenem kiinftigen Leben gewohnt! [99] 

Ich wunschte ein Kind zu haben, das ich mir ganz eigen machen 
konnte ; ich wollte es zu allem anhalten, wovon ich jetzt zu spat ein- 
sehe, daB ich es versaumt habe. Die Eltern halten ihre Kinder nicht 
genug zu dem an, was sie nun erkennen miissen versaumt zu haben. 
Uberhaupt glaube ich, daB es sehr wenige Lehrer gibt, die so unter- 
richten, daB sie das vermeiden zu lehren, was sie selbst, wenn sie 
bei jetzigem Verstande Jung waren, vermeiden wiirden zu lernen. 

[100] 

Es war ein vortreff licher Junge, als er kaum sechs Jahr alt war, 
konnte er schon das Vater Unser ruckwarts herbeten. [101] 

Friiher Unterricht gewahrt eine Zeitlang den Anschein des 
Genies, erhalt sich aber nicht. Die Stillstande erfolgen bald friiher 
bald spater. [102] 

Es ist ein schlechter Lohn, wenn ein Junge, auf den man etwas 
verwandt hat, am Ende ein Poet wird. Ein Viertelstiindchen Nacht- 
musik fiir einen jahrelangen Dienst. Eltern, die bemerken, daB ihr 
Junge ein Poet von Profession werden will, sollten ihn so lange 
peitschen, bis er das Versemachen aufgibt, oder bis er ein groBer 
Dichter wird. [103] 

Dr Forster sagt, die Vielweiberei bringe mehr Madchen als 
Knaben hervor. Diese Behauptung (in wie weit sie gegriindet ist, 
weiB ich nicht) bestatigt eine alte Meinung von mir, daB es sich mit 
dem menschlichen Geschlecht verhalte, wie mit dem einzelnen Men- 
schen. Es bequemt sich zu allem. Dies ist wiederum eine Folge 
seiner Perfektibilitat. Vielleicht wiirde Vielmannerei mehrere Kna- 
ben erzeugen, weil da die Reihe an einen desto seltener kame. Es 
versteht sich von selbst, wenn der Mann eine Untreue beginge, so 
ware dieses nicht mehr Vielmannerei. Wozu lieBe sich nicht das 
menschliche Geschlecht bringen! [104] 



152 SUDELBUCHER 

Das Land, wo die Kirchen schon und die Hauser verfallen sind, 
ist so gut verloren, als das, wo die Kirchen verfallen und die Hauser 
Schlosser werden. [105] 

DaB man so viel wider die Religion und die Bibel schreibt, ge- 
schieht mehr aus HaB gegen eine gewisse Klasse von Menschen. 
Wenn Philologen anfangen sollten zu herrschen, so konnte leicht 
den alten Klassikern Homer, Virgil, Horaz und andern eine ahn- 
liche Ehre mit groBerem Vorteil widerfahren. Wir diirften nur ein- 
mal einen philologischen Pabst bekommen. [106] 

Uber nichts konnte sichdieSatyremitgliicklicherem Erfolge aus- 
breiten, als fiber das abscheuliche Obersetzen zu unserer Zeit. Die 
meisten deutschen Gelehrten sind die Dolmetscher der MiiBig- 
ganger und die Makler der Buchhandler. Man ubersetzt, um, wie 
man sagt, niitzliche Kenntnisse gemeiner zu machen, und die Kennt- 
nisse werden gemeiner, ohne niitzlich zu sein. Ewig Mittel gesam- 
melt und kein Endzweck erreicht ! Es ist zum Erstaunen, wie manche 
Gelehrte in Deutschland Kenntnisse anhaufen, bloB um sie vorzu- 
zeigen. [107] 

In den ganz alten Werken der Bibel, in griechischen und lateini- 
schen Schriftstellern fmdet man eine Menge von Tugendlehren, so 
viele seelenstarkende Sentenzen, die von den erleuchtetsten Kopfen 
aus der Erfahrung gesammelt, und mit dem Zug einer ganzen Le- 
bensbahn verglichen, endlich in diesen Schatz niedergelegt worden 
sind. Im Salomo stehen eine Menge vortrefflicher Lehren, die wohl 
nicht von ihm sind - Eingebungen; vielleicht Hefte, die ihm seine 
Lehrmeister diktiert haben. Eben dieser Verstand der Alten, die 
Gabe, die sie haben, einem Beobachter seiner selbst ins Herz zu 
reden, ist es, was mir die Lesung der Bibel so angenehm macht. Es 
sind die Grundzuge zu einer Weltkenntnis und Philosophic des 
Lebens, und die feinste Bemerkung der Neuern ist gemeiniglich 
nichts als eine mehr individualisierte Bemerkung jener Alten. [108] 

Ein Mann von Weltkenntnis und Verstand belehrt oder unterhalt 
mich immer, wenn es auch gleich manchmal nicht gerade von der 
besten Seite geschehen sollte. Bei einer Schlacht zwischen Engeln 



HEFT G IOj-112 



153 



und Teufeln hat Milton mehr Schones gesagt, als andere bei ihrem 
Sonnenwagen. Lamberts Abhandlung iiber Dinte und Papier ist 
fur mich unterhaltender, als Zimmermanns ganzer Nationalstolz. 

[109] 

Durch unser vieles Lesen gewohnen wir uns nicht allein Dinge 
fur wahr zu halten, die es nicht sind, sondern unsere Beweise bekom- 
men auch eine Form, die oft nicht sowohl die Natur der Sache mit 
sich bringt, als unser unvermerkter Anhang an die Mode. Wir be- 
weisen aus den Alten, was wir mit Beispielen aus unserm Ort eben 
so kraftig unterstiitzen konnten; auch werden Sentenzen zitiert, 
die nichts beweisen, und Satze, aus denen man nichts Neues lernt. 
Es ist sehr schwer, eine Sache neu anzusehen, nicht durch das Me- 
dium der Mode, oder mit Rucksicht auf unser Modesystem. Es 
wird immer Ansehen gebraucht, wo man Griinde brauchen sollte, 
immer geschreckt, wo man belehren sollte, und Gotter werden zu 
Hiilfe genommen, wo Menschen hinreichend waren. [no] 



Garrick dankte sehr weislich ab, um nicht das Schicksal des 
Schauspielers Aesopus zu haben, der noch bei Einweihung des 
Theaters des Pompejus agieren wollte. Die Stimme fehlte ihm, und 
man weiB noch jetzt, daB man wiinschte, er ware weggeblieben. 
Middleton Tom. I. pag. 470. [in] 

Unter den Gelehrten sind gemeiniglich diejenigen die groBten 
Verachter aller (ibrigen, die aus einer miihsamen Vergleichung 
unzahliger Schriftsteller endlich eine gewisse Meinung iiber einen 
Punkt festgesetzt haben. Auch dieses muB freilich geschehen, und 
sie verdienen desto aufrichtigern Dank, je mehr es ausgemacht ist, 
daB wir an ihrer Stelle eben das tun und denken wiirden. Vieles 
Wachen und Lesen, denkt man, verdient den Lohn des Ruhms. 
Allein diese Leute miissen auch bedenken, daB gerade mit eigenen 
Augen in die Welt hineinsehen, auch ein Studium ist, wozu sie 
nicht aufgelegt sind. Denn ob ich Bemerkungen hinter demBuche, 
oder hinter den Fensterscheiben mache, ist wohl gleichviel. Nehmet 
alles mit Dank an, und verachtet keinen. Es ist alles gut, und alles 
kann zu einem groBen Endzweck genutzt werden. In Biichern nach 
den Menschen suchen, sollte ich deswegen fur eine schlechtere Arbeit 



154 SUDELBUCHER 

halten, als selbst beobachten, weil die wenigsten im Stande sind, den 
Menschen, so wie er ist, zu Buch zu bringen; und dasselbe Geistes- 
gebrechen, welches macht, daB man den Menschen falsch beobach- 
tet, macht, daB man ihn auch falsch im Buche erkennt; also ist bei 
dem letztern Studium die Wahrscheinlichkeit zu fehlen doppelt so 
groB, als bei dem erstern. [112] 

Alles was unsere Schriftsteller noch zu schildern vermogen, ist 
etwas Liebe; und auch diese wissen sie nicht in die etwas entfernten 
Verrichtungen des menschlichen Lebens zu verfolgen. Bemerkun- 
gen in einem Roman anzubringen, die sich auf die langste Erfah- 
rung und tiefsinnigsten Betrachtungen grtinden, soil sich kein 
Mensch scheuen, der solche Bemerkungen vorratig hat. Sie werden 
gewiB ausgefunden; durch sie nahern sich die Werke des Witzes 
den Werken der Natur. Ein Baum gibt nicht bloB Schatten fur 
jeden Wanderer, sondem die Blatter vertragen auch noch das 
Mikroskop. Ein Buch, das dem Weltweisen gefallt, kann deswegen 
auch noch dem Pobel gefallen. Der letzte braucht nicht alles zu 
sehen; aber es muB da sein, wenn etwa jemand kommen sollte, der 
das scharfe Gesicht hatte. [113] 

Die traurigste Art Schriften ist die, die weder Raisonnement ge- 
nug enthalten, um zu iiberzeugen, noch Witz genug, um zu er- 
gotzen; dahin gehoren einige Schriften des Herrn Leibmedicus 
Zimmermann in Hannover. [114] 

Wenn einem die Meinungen der Besten iiber eine Sache alle be- 
kannt geworden sind, so laBt sich mit bloBer Schlauigkeit oder 
wenigstens sehr geringer Fahigkeit noch etwas dariiber sagen, was 
die Welt in Erstaunen setzt. BloBer Vorsatz, etwas zu sagen, kann 
da schon viel tun. [115] 

Es ist jeder Zeit eine sehr traurige Betrachtung fur mich gewesen, 
daB in den meisten Wissenschaften auf Universitaten so vieles vor- 
getragen wird, das zu nichts dient, als junge Leute dahin zu bringen, 
daB sie es wieder lehren konnen. Griechisch wird gelehrt, auf daB 
man es wieder lehren konne; und so geht es vom Lehrer zum Schil- 
ler, der, wenn er gut einschlagt, hochstens wieder Lehrer wird und 



HEFT G II2-II9 155 

wieder Lehrer zieht. Bergmans vortreffliche Terminologie, die 
man nicht annehmen will, und nimmt man sie an, doch mit der 
alten verbinden muB, gehort hierher. [116] 

Mir ist es immer vorgekommen, als wenn man den Wert der 
Neuern gegen die Alten auf einer sehr falschen Waage wage, und 
den letztern Vorziige einraumte, die sie nicht verdienen. Die Alten 
schrieben zu einer Zeit, da die groBe Kunst, schlecht zu schreiben, 
noch nicht erfunden war, und bloB schreiben hieB gut schreiben, Sie 
schrieben wahr, wie die Kinder wahr reden. Heutzutag flnden wir 
uns, wenn wir im sechzehnten Jahre zu uns selbst kommen, schon, 
mocht ich sagen, von einem bosen Geist besessen; und diesen erst 
durch eigene Beobachtung und Streit gegen Ansehen und Vorurteil 
und gegen die Macht einer vierzehnjahrigen Erziehung auszutrei- 
ben, und dann noch wieder die eigene Haushaltung der Natur anzu- 
fangen, erfordert sicherlich mehr Kraft, als in den ersten Zeiten der 
Welt, naturlich zu schreiben, jetzt da natiirlich schreiben, mocht ich 
sagen, fast unnatiirlich ist. Homer hat gewiB nicht gewuBt, daB er 
gut schrieb, so wenig wie Shakespear. Unsere heutigen guten 
Schriftsteller miissen alle die fatale Kunst lernen : zu wissen, daft sie 
gut schreiben. [117] 

Es gibt keine Art von Gelehrsamkeit, und keine Art literarischer 
Beschaftigung, die man nicht mit irgend einem Handwerk oder 
sonst einer Handarbeit vergleichen konnte. Wir haben im Reiche 
der Gelehrsamkeit Wegeverbesserer, ein sehr nutzliches Geschafte, 
das wenig einbringt; Sklaven, die mit blutigem SchweiB Zucker 
pressen und sieden, den andere Leute verschmausen; Leute, die 
griechische Munzen einschmelzen, um modernes Zeug daraus zu 
gieBen; Gassenreiniger; Bettelvogte; Ausrufer; Bader, die sich fiir 
Wundarzte ausgeben, u.a.m. Allein ich habe nie eine Gattung 
fmden konnen, die so viel mit dem Kesselflicker gemein hatte, als 
die Leute, die unter dem Schein, ein nutzliches Handwerk zu trei- 
ben, herumziehen, um die Leute zu betriegen und zu bestehlen, 

[118] 

Ich habe immer gefunden, je weniger ein Schriftsteller in der 
Naturlehre im Stande ist, in seinem Werke seine eigene GroBe zu 



I56 SUDELBUCHER 

beweisen, desto geneigter ist er, bestandig die GroBe Gottes zu zei- 
gen. Und die fromme Welt findet sich von ihrer Seite wiederum 
geneigter beim Letztern, als beim Erstern den guten Willen fur die 
Tat anzunehmen. [119] 

Es ware gewiB sehr niitzlich, der Welt die Schriftsteller anzuzei- 
gen, die mit Kenntnis anderer, die vor ihnen gewesen sind, aus sich 
selbst allein geschopft haben. Durch diese allein lernt man, und es 
sind ihrer gewiB sehr wenige, die also jedermann leicht lesen konnte. 
Die andern pragen nach und sind im eigentlichen Verstande Falsch- 
mtinzer. [120] 

Swift kleidet die Kinder seiner Phantasie freilich oft seltsam ge- 
nug heraus, daB man sie kaum von Hanswursten und Luftspringern 
unterscheidet; allein Zeuge, Borten und Steine, die er darauf ver- 
wendet, sind immer echt. [121] 

Der Gemeinspruch, daB das Leben eines Gelehrten in seinen 
Schriften bestehe, verdient sehr eingeschrankt zu werden. [122] 

Es ist leider in Deutschland der allgemeine Glaube, doch nur 
Gottlob! unter den eigentlich Unmtindigen, daB jemand von dem- 
jenigen viel verstehen musse, woriiber er viel geschrieben hat. 
Gerade das Gegenteil ! Die Leute, die keine Denker sind, und bloB 
schreiben, um zu schreiben und im MeBcatalogus zu stehen, ver- 
stehen of 14 Tage nachher weniger von dem, was sie geschrieben 
haben, als der erbarmlichste ihrer Leser. Gott bewahre alle Menschen 
vor dieser Art von Schriftstellerei ! es ist aber leider die gemeinste. 

[123] 

Populairer Vortrag heiBt heutzutage nur zu oft der, wodurch die 
Menge in den Stand gesetzt wird, von etwas zu sprechen, ohne es zu 
verstehen. [124] 

Es ist wie die tagliche Erfahrung lehrt, sehr wenig Anstrengung 
notig, etwas zu sagen, das eine ganz betrachtliche erfordert, es zu 
verstehen. Hingegen erfordert es auBerordentlich viel Talent, 
einem vernunftigen Marine etwas Neues und Wichtiges so leicht 



HEFT G 1 19-13 1 157 

vorzutragen, daB er sich freut, es jetzt zu wissen, und sich schamt, 
es nicht selbst bemerkt zu haben. Letzteres ist ein so charakteristi- 
sches Zeichen von einem groBen Schriftsteller, daB wenige solcher 
Bemerkungen einen ganzen Band alltaglicher Dinge veredeln 
konnen. [125] 

Die simple Schreibart ist schon deshalb zu empfehlen, weil kein 
rechtschafFener Mann an seinen Ausdrucken kiinstelt und kliigelt. 

[126] 

Ein Volk kann in seinen Schriften vernunftiger scheinen, als es 
ist, denn es kann noch lange die Sprache seiner Vater schreiben, 
wenn ihm schon ihr Geist zu mangeln anfangt. Die Metaphern in 
unserer Sprache entstanden alle durch Witz, und jetzt gebraucht 
sie der Unwitzigste. Die Morgenlander denken bei ihren vielen 
Bildern nicht mehr als wir. So fassen auch oft Leute das AuBere der 
Sitten rechtschafFener Leute, ohne daB sie es wissen. Die bilderreich- 
ste Sprache muB mit der Zeit das Bildliche verlieren, und bloB zu 
Zeichen erkalten, die den willkurlichen nahe kommen. So kann 
Sprachkenntnis sehr niitzlich werden. [127] 

Es ist fast durchaus der Fehler unserer Schriftsteller, daB sie sich 
aus anderen Schriften bilden, und bloB zusammensetzen. Die Gradus 
ad Parnassum-Methode habe ich es genannt. Sie lesen nach, ehe sie 
uber eine Sache nachgedacht haben, und so wird endlich ihre ganze 
Wissenschaft die Kenntnis dessen,was andere gewuBt haben. [128] 

Ihre Kritik ist bloB experimental, sie bewundern, was sie haben 
bewundern horen. [129] 

Es ist nur schade, daB Leute die an Hofen und in groBen Stadten 
leben, nicht wenigstens ein paar Tage in der Woche der Auslegung 
alter Weltweisen und Schriftsteller iiberhaupt widmen. Ich glaube, 
sie wiirden alle Schulfiichse auf einmal niederschlagen konnen. 

[130] 

Ich habe in meinen Universitatsjahren und nachher enthusiasti- 
sche Bewunderer von Haller und welche von Klopstock gekannt. 
Die von Haller, ich rede hier bloB von demDichter, waren gemeinig- 



I58 SUDELBUCHER 

lich Leute von Geist und Nachdenken, die ihre Brotwissenschaft nie 
vernachlassigten. Hingegen mit Klopstocks enthusiastischen Be- 
wunderern verhielt es sich gerade umgekehrt. Die meisten waren 
unausstehliche Pinsel, denen vor den Wissenschaften, die sie eigent- 
lich erlernen sollten, ekelte. Musenalmanache waren eine Haupt- 
lekture fur sie. Waren es Juristen, so lernten sie nichts, waren es 
Theologen, so wurden es friihzeitige Prediger, und die kamen 
noch am besten fort. Mediziner, die enthusiastisch fur Klopstock 
eingenommen gewesen waren, habe ich nicht gekannt. Mir ist 
nicht bewuBt, daB ein deklarierter Bewunderer von Haller und der 
seine Gedichte mit vorziiglichem Vergniigen gelesen, hernach et- 
was frappant Einfaltiges geschrieben hatte, hingegen ist es eine ganz 
bekannte Sache, daB unter Klopstocks eifrigsten Bewunderern 
einige der groBten Flachkopfe der Nation sind. Das Faktum ist 
wahr. Erklaren kann ich es selbst nicht. [131] 

In einem Lande, wo der zuletzt Schreibende bei den meisten 
Recht behalt, muB man nicht antworten, sobald man sich einiges 
Ubergewichts bewuBt ist. Diejenigen, fur die der Mann von Ver- 
stand allein schreibt, haben ohnehin entschieden, ehe die Duplik 
erscheint. So habe ich bei der Physiognomik gedacht. [132] 

Wenn man sich einmal einen Gedanken eines andern ein wenig 
zu Nutze macht, so schreien alle Rezensenten : halt den Dieb. Dieses 
kommt mir vor, als wie, wenn sich ein Knabe hinten auf eine 
Kutsche setzt, so rufen alle anderen, die die Freude nicht haben 
konnen, dem Kutscher zu: es sitzt einer hinten auf [133] 

Ich mag immer den Mann mehr lieben, der so schreibt, wie es 
Mode werden kann, als den, der so schreibt, wie es Mode ist. [134] 

Ist es nicht sonderbar, daB eine wortliche Obersetzung fast 
immer eine schlechte ist? und doch laBt sich alles gut iibersetzen. 
Man sieht hieraus, wie viel es sagen will, eine Sprache ganz verstehen ; 
es heiBt, das Volk ganz kennen, das sie spricht. [135] 

Despaviladura heiBt eine Lichtputze auf Spanisch. Man sollte 
glauben, es hieBe wenigstens ein kaiserlicher Generalfeldmarschall- 
lieutenant. [136] 



HEFT G 131-138 



159 



Wenn ein witziger Gedanke frappieren soil, so muB die Ahnlich- 
keit nicht bloB einleuchtend sein, das ist noch das Geringste, ob es 
gleich unumganglich notig ist; sondern sie muB auch von andern 
noch nicht gefunden worden sein, und doch muB alles, was dazu ge- 
hort, jedem so nahe liegen, daB es ihn Wunder nimmt, daB er sie 
noch nicht ausgefunden hat. Das ist die Hauptsache. Hat man die 
Bemerkung schon dunkel gemacht, so wohl die eigentliche, als 
die, womit die Vergleichung angestellt wird, aber noch nie deutlich 
gedacht, so steigt das Vergniigen aufs hochste. Die Menschen sehen 
taglich eine Menge von Dingen, die sie zur Regel erheben konnten, 
es geschieht aber nicht; sie bringen sie nicht zu Buch, und das ist die 
rechte Fundgrube des Witzes. [137] 



Ich glaube, die Zeit des deutschen Hexameters kommt erst durch 
Gewohnheit. Wenn man erst recht viel Gutes in deutschen Hexa- 
metern zu lesen haben wird, so wird er sich durch Assoziation emp- 
fehlen. Diese Zeit ist noch nicht da. Besser ware es unstreitig, durch 
liebliches SylbenmaB selbst dem mittelmaBigsten Gedanken Anmut 
zu verschaffen, als einem widrigen SylbenmaB durch GroBe der 
Gedanken aufhelfen zu wollen. Es ist etwas Verkehrtes in der Ab- 
sicht. Warum haben Englander und Franzosen keine beruhmten 
Hexameter? Unberiihmte mogen sie wohl genug haben; ich habe 
selbst dergleichen gesehen; sie schienen mir abscheulich, und ich 
habe Ursache zu glauben, daB es unzahligen andern nicht besser da- 
mit gehen wiirde. Warum halten diese Nationen nichts darauf? Ich 
fiirchte, der Grund davon liegt sehr tief. Bewahre Gott, daB so et- 
was eine Regel fur Deutsche werden sollte, aber ein Wink ist es alle- 
mal Mit Raisonnement muB man nicht kommen; Gefiihl geht hier 
dariiber, und nur dieses hat ein Recht, zu entscheiden. Warum will 
man etwas einfuhren, das dem Gefiihl erst durch Assoziation von 
Begriflfen ertraglich wird? Bei den Englandern bekiimmert man sich 
nicht um Raisonnement, wo es auf Gefiihl ankommt. Ein wohl- 
klingender Hexameter ist ja deswegen noch nicht ein wohlklingen- 
der Vers iiberhaupt. Was den Griechen und Romern gefallen hat, 
muB uns deswegen nicht auch gefallen. Indessen verdienen diejeni- 
gen unter unsern Dichtern, die etwas Schones in schonen Hexametern 
gesagt haben, Dank, indem sie dadurch vermutlich der Ergotzung 
unserer Nachkommen ein groBeres Feld verschafft haben. [138] 



160 SUDELBUCHER 

Es ist etwas, was, diinkt mich, unsere besten Rotuanendichter 
von den groBen Mannern der Auslander in diesem Fach unterschei- 
det (auch der groBte Teil unserer dramatischen Schriftsteller gehort 
mit dahin), daB man, urn ihren Wert und die Schwierigkeit, so zu 
schreiben, ganz zu fuhlen, Lektiire haben muB. Sie sollten aber ihre 
Charaktere so entwerfen, daB man glaubte, man fande sich unter 
Lebendigen, und ginge mit ihnen um, und lebte mit ihnen. Es 
scheint, als wenn der FleiB auch sogar den Dichter bei den Deut- 
schen machte und machen miiBte. Es ist, glaube ich, eine gute Er- 
innerung fiir unsere Landsleute, wenn sie auf Eminenz Anspruch 
machen wollen, sich Facher zu wahlen, wo bloB FleiB und Urteils- 
kraft den Wert des Werks ausmachen, und lieber da wegzubleiben, 
wo ein Senfkorn von Genie die vierzigjahrige Arbeit des studierten 
Nachahmers verdunkeln kann. Das Fliegen muB man den Vogeln 
iiberlassen. [139] 

Die Kiinste uben die Empfmdung und Phantasie, und verfeinern 
sie. Diese Fahigkeiten aber und ihre Vervollkommnung sind zur 
Erreichung des Zwecks menschlicher Natur unentbehrlich, wir 
mogen nun diese in die Gliickseligkeit, oder in die Ausiibung der 
Tugend setzen. [140] 

Die Nachtigallen singen und wissen wohl dabei nicht, was fiir 
Larm die Verliebten und Dichter aus ihren Gesangen machen und 
daB es eine Gesellschaft hoherer Wesen gibt, die sich ganz mit Philo- 
melen und ihren Klagen unterhalten. Vielleicht halt ein hoheres 
Geschlecht von Geistern unsere Dichter wie wir die Nachtigallen 
und Kanarienvogel; ihr Gesang gefallt ihnen eben deswegen, weil 
sie keinen Verstand darin finden. [141] 

Von den meisten Widersachern des Reims gilt wohl, was Dry- 
den von Milton sagt, sie besitzen die Talente zum Reimen nicht. 

[142] 

Funf Komodien von Einem Akt zu schreiben, ist nicht halb so 
schwer, als eine einzige von fiinf Akten. [143] 



HEFT G 139-144 



l6l 



Nachahmung der englischen Cross-readings* 

Gestern disputierte unter dem Vorsitz des Herrn Leibmedicus - 
Ein Hengstfullen mit einem weiBen Plefi vor dem Kopf. 

Einejungfer von gutemHerkommen wiinscht alsKammermadchen 

anzukommen - 

Hinten steht die Jahrzahl 1719. 

Es wird eine Kochin gesucht, die mit Backwerk umzugehen weiB - 
Zu zwei Personen eingerichtet, nebst etwas Kellerraum. 

Ein junger starker Kerl, der schon als Reitknecht gedient - 
Vertreibt Vapeurs und Mutterzufalle in kurzer Zeit. 

Heute wurde Frau N . . . von Zwillingen entbunden - 
Wer auf zehne pranumeriert, kriegt eines umsonst. 

Dem Forster zu W... ist gestern ein junges Rind von der Weide 

entlaufen - 

Um kiinftigen Sonntag seine Antrittspredigt zu halten. 

Neulich gab der Churfiirst dem Capitel ein splendides Diner - 
Drei Personen wurden gerettet, die iibrigen ersoiFen. 

Die drei Damen, deren gestern Erwahnung geschehen - 
Konnen immer eine Stunde vor der Auktion besichtigt werden. 

Am 13. dieses schlug der Blitz in die hiesige Kreuzkirche - 
Und setzte Tages darauf seine Reise weiter fort. 

Die Vermahlung des Grafen v. P... ist glucklich vollzogen 

worden - 

Er hat aber Gottlob ! nicht geziindet. 

*Man muBsich vorstellen, dasLesen geschehe in einem offentlichen Blatte, 
worin sowohl politische, als gelehrte Neuigkeiten, Avertissements von aller- 
lei Art, usw. anzutreflfen sind: der Druck jeder Seite sei in zwei oder 
mehrere Kolumnen geteilt, und man lese die Seiten quer durch, aus einer 
Kolumne in die andere. 



162 SUDELBUCHER 

Den 12— starb ein Mann in semem 104— Jahre - 
Und bekam in der Taufe die Namen Friderica Sophia. 

Die neue Galanteriekramerin am Markte verkauft - 

Schnupfen, Kopfweh und andere Zufalle. [144] 

Der Schuh und der Pantoffel 
Ein Schuh mit einer Schnalle redete einen Pantoffel, der neben 
ihm stand, also an: Lieber Freund, warum schafFst du dir nicht auch 
eine Schnalle an? es ist eine vortreffliche Sache. Ich weiB in Walirheit 
nicht einmal, wozu die Schnallen eigentlich niitzen, versetzte der 
Pantoffel. Die Schnallen! riefder Schuh hitzig aus, wozu die Schnal- 
len niitzen? Das weiBt du nicht? Ei, mein Himmel, wir wurden ja 
gleich im ersten Morast stecken bleiben. Ja, liebster Freund, ant- 
wortete der Pantoffel, ich gehe nicht in den Morast. 

A. Sie miissen sich notwendig Cramers Er und iiber ihn anschaf- 
fen, es ist ein unentbehrliches Buch. 

B. Warum unentbehrlich? 

A. Ei, mein Gott! Sie verstehen ohne dasselbe nicht eine Zeile in 
Klopstocks Oden. 

B. Ja, mein Freund, ich lese Klopstocks Oden nicht. [145] 

Das Sprachrohr und der Mund 

Man wiirde dich gewiB nicht auf funf hundert Schritte horen, 
sagte das Sprachrohr zum Munde, wenn ich nicht den Schall zu- 
sammenhielte. 

Und dich wiirde man nirgends horen, versetzte der Mund, wenn 
ich nicht sprache. 

Ihr Geschichtschreiber, ruckt den Helden nicht auf, daB ohne 
euch ihre glanzendsten Taten nach hundert Jahren vergessen sein 
wurden, denn ohne diese glanzenden Taten hatte man nie etwas von 
euch erfahren. [146] 

Er hatte ein paar Warzen auf seiner Nase, die so saBen, daB man 
sie leicht fur die Kopfe der Nagel hatte halten konnen, womit sie 
am Gesicht angeheftet war. [147] 



HEFT G 144-158 

Ein Ball en Masque zum Besten der Armen. 



163 
[148] 



Da stent er, wie Niobe, unter den Kindern seines Witzes, und muB 
sehen, wie ihm Apoll eines nach dem andern iiber den Haufen 
schieBt. [149] 

Das Buch, das in der Welt am ersten verboten zu werden ver- 
diente, ware ein Katalogus von verbotenen Biichern. [150] 

Jetzt, da wir Buchdruckereien haben, brauchen wir kein stehendes 
Heer von Abschreibern, Monche, zu halten. [151] 

Die Bticher in einen Hofstaat zu ordnen: Lalande ware mein 
Premierminister, Robinson mein Kammerdiener, gelehrte Zeitun- 
gen die Jagdhunde usw. [152] 

Von einem, der nur immer auf das Gegenwartige denkt, konnte 
man sagen, er hat die Unsterhlkhkeit der Seek nicht erfunden. [153] 

Es war nur schade, wenn er auch ein noch so niedliches Kleid 
trug, so machte sein okonomisches, submisses Gesicht, daB man im- 
mer glaubte, es sei sein einziges. [154] 

In einem Lande, wo den Leuten, wenn sie verliebt sind, die Augen 
im Dunkeln leuchteten, brauchte man des Abends keine Laternen. 

[i55j 

Weil er seine eigenen Pflichten immer vernachlassigte, so behielt 
er Zeit genug iibrig, zu sehen, wer von seinen Mitburgern seine 
Pflichten vernachlassigte, und es der Obrigkeit anzuzeigen. [156] 

Harlequin will sich selbst ermorden, und nachdem er gegen jede 
Todesart etwas einzuwenden findet, entschlieBt er sich endlich, sich 
tod zu kitzeln. [157] 

Es ist kein lustigerer Charakter, als der von einem Universal- 
patron ohne Kenntnisse. [158] 



164 SUDELBUCHER 

Andere lachen zu machen, ist keine schwere Kunst, so lang es 
einem gleich gilt, ob es iiber unsern Witz ist, oder iiber uns selbst. 

[159] 

Das Werkchen ist bei aller seiner Dicke so leer, daB man es fast 
fur kein Buch, sondern fur ein Futteral halten sollte. - Charteke so 
viel als Chartae Theca. [160] 

Dieser Mann arbeitete an einem System der Naturgeschichte, 
worin er die Tiere nach der Form der Exkremente geordnet hatte. 
Er hatte drei Klassen gemacht : die zylindrischen, spharischen und 
kuchenformigen. [161] 

Es ist doch nichts als eine bloBe Verwechselung vom Mein und 
Dein bei beiden, beim ehrlichen Manne sowohl, als bei dem Spitz- 
buben. Der eine sieht jenes an, als ware es dieses, und der andere 
halt dieses fiir jenes. [162] 

Die Gelehrten haben seit jeher ihre Hypochondrie oder ihre 
Augenkrankheit lieber beschrieben, als die Krankheiten des innern 
Kopfes. [163] 

Man sollte Katarr schreiben, wenn er bloB im Halse, und 
Katarrh, wenn er auf der Brust sitzt. [164] 

Manche Leute behaupten eine philosophische Unparteilichkeit 
iiber gewisse Dinge, weil sie nichts davon verstehen. [165] 

Wenn einmal jemand dem groBten Schelm in Deutschland 
100000 Louisd'or vermachte, wie viele Pratendenten zur Erbschaft 
wiirden sich nicht fmden! [166] 

Die menschliche Haut ist ein Boden, worauf Haare wachsen; 
mich wunderts daB man noch kein Mittel ausfindig gemacht hat, 
ihn mit Wolle zu besaen, um die Leute zu scheren. [167] 

Condamine soil in Amerika einige AfFen gesehen haben, die seine 
Operationen nachmachten: nach einer Uhr liefen, dann nach einem 



HEFT G 159-177 



165 



Perspektiv, dann taten, als schrieben sie etwas auf, u. dergl. m. - 
Solcher Philosophen gibt es viele. [168] 

Bahrdt im Ketzeralmanach und der Verfasser des Almanachs fur 
Belletristen sagen freilich ofters die Wahrheit, aber doch tun sie es 
in den meisten Fallen wie die Narren und die Kinder. [169] 

Die Wilden haben dieses im Gebrauch, und die Zahmen in man- 
chen Gegenden Deutschlands auch. [170] 

Wenn sich Priigel schreiben HeBen, schrieb einmal ein Vater an 
seinen Sohn, so solltest du mir gewiB dieses mit dem Riicken lesen, 
Spitzbube! [171] 

Der Vater. Mein Tochterchen, du weiBt, Salomon sagt: wenn 
dich die bosen Buben locken, so folge ihnen nicht. 

Die Tochter. Aber, Papa, was muB ich dann tun, wenn mich die 
guten Buben locken? [172] 

Unter die grofiten Entdeckungen, auf die der menschliche Ver- 
stand in den neuesten Zeiten gefallen ist, gehort meiner Meinung 
nach wohl die Kunst, Bticher zu beurteilen, ohne sie gelesen zu 
haben. [173] 

»Die Antwort wird verbetew - was man so haufig unter die Trauer- 
briefe setzt, ware unter den Rezensionen recht schicklich. [174] 

Wer ein Gewitter, und nur ein paar hunderttausend Hornisse 
kommandieren konnte, der konnte mehr tun als Alexander, oder 
auch nur eine halbe Million Menschen. [175] 



Die Leute, die das y so gern aus dem ABC verbannen wollen, 
kann ich wenigstens so viel versichern, daB, als in den Jahren funfzig 
die Worte: Seidfromml am Himmel standen, das Wort seid mit 
einem y geschrieben war. [176] 

Wenn uns der liebe Gott ferner Leben und Gesundheit schenkt, 
so horTe ich sollen wir alle hier begraben werden. Rede in einem 
Familienbegrabnisse. [177] 



166 SUDELBUCHER 

Das Faustrecht ist heutzutage verschwunden bis auf die Freiheit, 
jedem eine Faust in der Tasche zu machen. [i 7 8] 

Die seltsamsten Ideen schwarmten seinem Kopfe zu y als wenn 
ihre Konigin darin saBe, und das war auch wahr. [i 79 ] 

Gestern Nachmittag 3 3 / 4 Uhr ist meine Taschenuhr ganz sanft 
verstorben. Sie hatte schon seit drei Monaten gekrankelt. [180] 

Er exzerpierte bestandig, und alles, was er las, ging aus einem 
Buche neben dem Kopfe vorbei in ein anderes. [181] 

Um dieses Gebaude gehorig aufzuftihren, muB vor alien Dingen 
ein guter Grund gelegt werden, und da weiB ich keinen festern, 
als wenn man uber jede Schicht pro gleich eine Schicht contra auf- 
tragt. [182] 

Der Amerikaner , der den Kolumbus zuerst entdeckte, machte eine 
bose Entdeckung. [183] 

Unter alien den Kuriositaten, die er in seinem Hause aufgehauft 
hatte, war er selbst am Ende immer die groBte. [184] 

Er erfand alles etwa so, wie die wilden Schweine und die Jagd- 
hunde die Salzquellen und Gesundbrunnen. [185] 

Das AuBerordentlichste bei diesem Gedanken ist unstreitig die- 
ses, daB, wenn er ihn eine halbe Minute spater gehabt hatte, so hatte 
er ihn nach seinem Tode gehabt. [186] 

Er las immer Agamemnon statt »angenommen«, so sehr hatte er 
den Homer gelesen. [187] 

Er hatte gar keinen Charakter, sondern wenn er einen haben 
wollte, so muBte er immer erst einen annehmen. [188] 

Was den Weg zum Himmel betrifFt, so mogen wohl, auf und ab, 
Religionen gleich gut sein, allein der Weg auf der Erde, das ist der 
Henker. [189] 



HEFT G 178-201 



I67 



Er hatte immer so viel mit den Geistlichen zu schafFen, daB sich 
endlich die Leib lichen der Sache annahmen, und ihn aus der Stadt 
schafFten. [190] 

Da liegen nun die Kartoffeln, und schlafen ihrer Auferstehung 
entgegen. [191] 

In einem Aufsatze, worin ein neuer Brunnenkurort empfohlen 
wird, wird auch angezeigt, daB ein schoner geraumiger Kirchhof 
da sei. [192] 

Seine Bedienten waren noch so ziemlich weichmaulig, sie kamen 
beim zweiten Klingelzug allemal. [193] 

Er hatte einige Jahre mit ihr im Stande der unheiligen Ehe gelebt. 

[i94] 

Die Schulen - gelehrte Raspelhauser. - Er raspelte die auctores 
classicos seine ganze Lebenszeit durch. [195] 

Franklin, der Erflnder der Disharmonica zwischen England und 
der neuen Welt. [196] 



Lieber Gott, ich bitte dich um tausend Gotteswillen. 



[197] 



Als unsere selige Kuh noch lebte, sagte einmal eine Frau in Got- 
tingen. [198] 

Es gibt eine Art von Prosa, die man die Staatsperuque nennen 
konnte. [199] 



Sie ist zwar noch nicht verheiratet, hat aber promoviert. [200] 

Jedes Zeitalter hat eine Menge Eigenheiten, die die Nachwelt 
mit Vergniigen aufgezeichnet sehen wiirde, und die viel zu klein 
fur den Geschichtschreiber sind, die immer wechselnden Torheiten 
der Zeit etc. Fur diese ist Hogarths Grabstichel das beste Medium sie 
aufzubewahren. Wer in aller Welt kann einen Parlamentswahl- 



l68 SUDELBUCHER 

schmaus, oder eine Midnight conversation so schildern, wie er ge- 
tan hat, und wie lehrreich kann nicht eine solche Schilderung ge- 
macht werden ! [201 ] 

Die Deutschen lesen zu viel. Dariiber, daB sie nichts zum zweiten- 
mal erfinden wollen, lernen sie alles so ansehen, wie es ihre Vorfah- 
ren angesehen haben. Der zweite Fehler ist aber gewiB schlimmer, 
als der erste. [202] 

Keine Nation ftihlt so sehr, als die deutsche, den Wert von andern 
Nationen, und wird leider! von den meisten wenig geachtet, eben 
wegen dieser Biegsamkeit. Mich diinkt, die andern Nationen haben 
recht : eine Nation, die alien gefallen will, verdient von alien ver- 
achtet zu werden. Die Deutschen sind es auch wirklich so ziemlich. 
Die Ausnahmen sind bekannt, und kommen nicht in Betracht, wie 
alle Ausnahmen. [203] 

Warum gibt sich nicht leicht irgend jemand, der es nicht ist, fur 
einen Deutschen aus, sondern gemeiniglich, wenn er sich fur etwas 
ausgeben will, fur einen Franzosen oder Englander? Das ist in dieser 
Welt ausgemacht. Aber das sind HasenfiiBe. Gut, aber warum gibt 
es keine HasenfiiBe unter andern Nationen, die sich fiir Deutsche 
ausgeben? Es ist seltsam. Es ist ein Irrtum. Aber Irrtum von Natio- 
nen, wer will ihn richten? Es werden Kriege gefiihrt iiber Ursachen, 
die im gemeinen Leben den Galgen verdienen. Aber wer will 
richten? [204] 

Der deutsche Gelehrte halt die Biicher zu lange ofFen, und der 
Englander macht sie zu fruh zu. Beides hat indessen in der Welt 
seinen Nutzen. [205] 

Ein gutes Mittel, gesunden Menschenverstand zu erlangen, ist 
ein bestandiges Bestreben nach deutlichen Begriffen, und zwar nicht 
bloB aus Beschreibungen anderer, sondern so viel moglich durch 
eigenes Anschauen. Man muB die Sachen oft in der Absicht ansehen, 
etwas daran zu fmden, was andere noch nicht gesehen haben; von 
jedem Wort muB man sich wenigstens einmal eine Erklarung ge- 
macht haben, und keines brauchen, das man nicht versteht. [206] 



HEFT G 201-210 



169 



Durch eine strikte Aufmerksamkeit auf seine eigenen Gedanken 
und Empfindungen, und durch die starkstindividualisierende Aus- 
driickung derselben, durch sorgraltig gewahlte Worte, die man gleich 
niederschreibt, kann man in kurzer Zeit einen Vorrat von Bemer- 
kungen erhalten, dessen Nutzen sehr mannichfaltig ist. Wir lernen 
uns selbst kennen, geben unserm Gedankensystem Festigkeit und 
Zusammenhang; unsere Reden in Gesellschaften erhalten eine ge- 
wisse Eigenheit wie die Gesichter, welches bei dem Kenner sehr 
empflehlt, und dessen Mangel eine bose Wirkung tut. Man be- 
kommt einen Schatz, der bei kunftigen Ausarbeitungen genutzt 
werden kann, formt zugleich seinen Stil, und starkt den innern Sinn 
und die Aufmerksamkeit auf alles. Nicht alle Reichen sind es durch 
Gluck geworden, sondern viele durch Sparsamkeit. So kann Auf- 
merksamkeit, Okonomie der Gedanken und tJbung den Mangel 
an Genie ersetzen. [207] 

Man kann nicht leicht iiber zu vielerlei denken, aber man kann 
uber zu vielerlei lesen. Uber je mehrere Gegenstande ich denke, das 
heiBt, sie mit meinen Erfahrungen und meinem Gedankensystem 
in Verbindung zu bringen suche, desto mehr Kraft gewinne ich. 
Mit dem Lesen ist es umgekehrt: ich breite mich aus, ohne mich zu 
starken. Merke ich bei meinem Denken Liicken, die ich nicht aus- 
fiilien, und Schwierigkeiten, die ich nicht iiberwinden kann, so 
muB ich nachschlagen und lesen. Entweder dieses ist das Mittel, ein 
brauchbarer Mann zu werden, oder es gibt gar keines. [208] 

O, wenn man die Biicher und die Kollektaneen sahe, aus denen oft 
die unsterblichen Werke erwachsen sind - (ich habe die Gestand- 
nisse einiger vertrauten Schriftsteller fiir mich, die nicht wenig Auf- 
sehen gemacht haben) - es wiirde gewiB Tausenden den groBten 
Trost gewahren ! Da nun dieses nicht leicht geschehen kann, so muB 
man lernen durch sich in andere hinein sehen. Man muB niemanden 
fiir zu groB halten, und mit Oberzeugung glauben, daB alle Werke 
fiir die Ewigkeit die Frucht des FleiBes und einer angestrengten 
Aufmerksamkeit gewesen sind. [209] 



LaB dich deine Lektiire nicht beherrschen, sondern herrsche iiber 
sie. [210] 



170 SUDELBUCHER 

Von den jedermann bekannten Biichern muB man nur die aller- 
besten lesen, und dann lauter solche, die fast niemand kennt, deren 
Verfasser aber sonst Manner von Geist sind. [211] 

Jeden Augenblick des Lebens, er falle, aus welcher Hand des 
Schicksals er wolle, uns zu, den giinstigen, so wie den ungiinstigen, 
zum bestmoglichen zu machen, darin besteht die Kunst des Lebens, 
und das eigentliche Vorrecht eines verniinftigen Wesens. [212] 

Es ware ein guter Plan, wenn einrnal ein Kind ein Buch fur einen 
Alten schriebe, da jetzt alles fur Kinder schreibt. Die Sache ist 
schwer, wenn man nicht aus dem Charakter gehen will. [213] 

Ein Madchen, 1 50 Biicher, ein paar Freunde und ein Prospekt von 
etwa einer deutschen Meile im Durchmesser, war die Welt fiir inn. 

[214] 

Mit wenigen Worten viel sagen heiBt nicht, erst einen Aufsatz ma- 
chen, und dann die Perioden abkiirzen; sondern vielmehr, die 
Sache erst iiberdenken, und aus dem Oberdachten das Beste so sa- 
gen, daB der vernunftige Leser wohl merkt, was man weggelassen 
hat. Eigentlich heiBt es, mit den wenigsten Worten zu erkennen 
geben, daB man viel gedacht habe. [215] 

Die Rolle des Pajazzo, die allerdings etwas sehr Sonderbares hat, 
konnte in andern Dingen nachgeahmt werden. Die Nachahmer 
Sterne's sind gleichsam die Pajazzi desselben, und so ist Zimmermann 
Lavaters Pajazzo. [216] 

Das/a mit dem Kopfschutteln, und das Netn mit dem Kopfhicken 
wird einem sehr schwer, bekommt aber doch nachher eine eigene 
Bedeutung, wenn man es kann. [217] 

Twisshatte sich mit seiner Tour through Ire land so verhaBtgeniacht, 
daB man sein Portrait auf dem Boden der Nachttopfe mit ofFenem 
Munde und Auge vorstellte mit der Umschrift: 
Come let us piss 
On Mr. Twiss. [218] 



HEFT G 211-225 



171 



Konnte man nicht vierteljahrige Kalender herausgeben, oder gar 
fiir jeden Monat einen, mit einer niedlichen Vignette, Nachrichten 
und Gedichten, geziert? [219] 

Er hatte den Brief erst mit Oblaten, und oben darauf mit Lack ge- 
siegelt, aus einer ahnlichen Absicht, wie Merkur die Grundsatze 
der Geometrie auf Saulen aus Ton und Erz grub. Denn ward der 
Brief zu nahe an den Ofen gelegt, so hielt ihn die Oblate zu, und 
fiel er ins Wasser, das Lack. [220] 

Die meisten Leute halten die Augen zu, wenn sie rasiert werden. 
Es ware ein Gliick, wenn man die Ohren und andern Sinne so ver- 
schliefien konnte, wie die Augen. [221] 

Wenn man einem vernunftigen Manne einen Hieb geben kann, 
daB er toll wird, so sehe ich nicht ein, warum man einem tollen nicht 
einen sollte geben konnen, daB er klug wird. [222] 

Wenn eine Geschichte eines Konigs nicht verbrannt worden ist, 
so mag ich sie nicht lesen. [223] 

Swift ging einmal mit Dl Sheridan verkleidet auf eine Bettler- 
hochzeit; letzterer stellte einen blinden Musikanten vor, und Swift 
war sein Handleiter. Da fanden sie das groBte Wohlleben, sie be- 
kamen Geld und Wein im ObernuB. Tags darauf ging Swift auf der 
LandstraBe spazieren, und fand da Blinde, die auf der Hochzeit recht 
gut gesehen, und Lahme, die recht gut getanzt hatten. Er schenkte 
ihnen das auf der Hochzeit erworbene Geld, sagte ihnen aber zu- 
gleich, wenn er sie noch einmal hier, oder irgendwo in diesem Ge- 
werbe antrafe, so wiirde er sie insgesamt einstecken lassen; worauf 
sie alle eiligst davon liefen. - So wurden die Blinden sehend, und 
die Lahmen gehend. [224] 



Als es den Goten und Vandalen einfiel, die groBe Tour durch 
Europa in Gesellschaft zu machen, so wurden die Wirtshauser in Ita- 
lien so besetzt, daB fast gar nicht unterzukommen gewesen sein soil. 
Zuweilen klingelten drei, vicr auf einmal. [225] 



172 SUDELBUCHER 

DaB wir unsere Augen so leicht, und unsere Ohren so schwer ver- 
schlieBen konnen, wenigstens nicht anders, als wenn wir unsere 
Hatide davor bringen, zeigt unwidersprechlich, daB der Himmel 
mehr fur die Erhaltung der Werkzeuge, als fiir das Vergniigen der 
Seele gesorgt hat. Doch sind die Ohren noch unsere besten Wachter 
im Schlafe. Was fiir eine Wohltat ware es nicht, die Ohren so leicht 
verschlieBen und orTnen zu konnen, als die Augen! [226] 

Im Deutschen reimt sich Geld auiWelt; es ist kaum moglich, daB 
es einen vernunftigern Reim gebe ; ich biete alien Sprachen Trotz ! 

[227] 

Wenn jemand alle gliicklichen Einfalle seines Lebens dicht zu- 
sammen sammelte, so wurde ein gutes Werk daraus werden. Jeder- 
mann ist wenigstens des Jahrs einmal ein Genie. Die eigentlich so 
genannten Genies haben nur die guten Einfalle dichter. Man sieht 
also, wie viel darauf ankommt, alles aufzuschreiben. [228] 

Es erleichtert die Korrespondenz, wenn man weiB, daB der Kor- 
respondent eine schone Frau hat. [229] 

Wer eine Wissenschaft noch nicht so inne hat, daB er jeden Ver- 
stoB dagegen fuhlt, wie einen grammatikalischen Fehler in seiner 
Muttersprache, der hat noch viel zu lernen. [230] 

In den Bibelerklarungen kommt mir vieles vor, wie in den Er- 
klarungen der Figuren in der Baumannshohle. Man hat da betende 
Jungfrauen, Taufsteine, Paten, Monche, Rindszungen, Saulen, 
Eierstiicke, Himmelfahrt Christi, Pauken usw. Man muB aber ge- 
meiniglich schon wissen, was es sein soil, urn es darin zu erkennen. 

[23i] 

Ich habe einmal in einem okonomischen Schriftsteller folgenden 
Einfall gelesen, der sehr artig ist, und auch auf menschlichen Urn- 
gang angewandt werden konnte. Unter alien Vogeln, sagt der Ver- 
fasser, scheinen die Sperlinge die groBten Vertrauten der Bauern 
zu sein, und keine Art wird von Bauern so sehr gehaBt als diese. 

[232] 



HEFT G 226-241 



173 



Der schwarze Mann der Kinder gehort mit in die Klasse von Er- 
findungen, worin die Hollenstrafen stehen. Es ist, glaube ich, nicht 
moglich, den Aberglauben auszurotten. [233] 

Die Neigung der Menschen, kleine Dinge fur wichtig zu halten, 
hat sehr viel GroBes hervorgebracht. [234] 

Einer glaubt genauen Umgang mit Kastner gehabt zu haben, und 
am Ende wars der Waisenhausprazeptor Kestner zu Gottingen. [235] 

Warum kann jedermann ohne Vorwurf von Stolz sagen: ich 
bin ein ehrlicher Mann, aber nicht: ich bin ein Mann von Genie, 
oder ein witziger Kopf? 1st etwa jenes weniger, oder schimpft das 
Wort Spitzbube nicht so viel als Dummkopf? Und doch diirfen 
Rezensenten es den Leuten nicht allein in das Gesicht sagen, daB sie 
Dummkdpfe sind, sondern es ihnen sogar auch beweisen. [236] 

Es gibt Leute, die das r wie ein w aussprechen, sie sind mir uner- 
traglich. Z. B. Fwiktion, Fwage, Bweite, statt Friktion, Frage, Breite. 

[237] 

So viel ist ausgemacht, die christliche Religion wird mehr von 
solchen Leuten verfochten, die ihr Brod von ihr haben, als solchen, 
die von ihrer Wahrheit uberzeugt sind. Man muB hier nicht auf 
gedruckte Biicher sehen, das ist das Wenigste, die bekommen Tau- 
sende nicht zu lesen, sondern auf die Personen, die taglich an ihrer 
Aufrechterhaltung schnitzeln und stumpern, und auf Universitaten 
vom Freitische an dazu erzogen und l^rzogen werden. [238] 

Es ist doch sonderbar, daB wir so viele Mittel kennen, eine Krank- 
heit zu befordern, und so wenige, sie zu heilen. [239] 

Den Esel macht seine Ahnlichkeit mit dem Pferde nur desto 
lacherlicher, aber das Pferd wird nicht lacherlich durch den Esel. [240] 

Ein untrugliches Mittel wider das Zahnweh zu erfinden, wodurch 
es in einem Augenblick gehoben wiirde, mochte wohl so viel wert 
sein und mehr, als noch einen Planeten zu entdecken. [241 ] 



m^w^ 



H 

1784-1788 



HEFT H 1-6 177 

Allgemeine Bemerkungen 



Gegenstande der Satyre in meinem Gedicht: Moden und Trach- 
ten, schlechtes Theater, auslandisches Recht, Mangel an Ehrerbie- 
tung gegen die Alten, Phlegma der Justizpflege, Aflfektation der 
Studenten, Kriechen der Professoren vor reichen Studenten, Fres- 
serei, Zwangsehen, Unehrlichkeit der Kinder auBer der Ehe, Mesal- 
liance, Empfindelei, Romane, Mondmanie, geringfugige Ursachen 
der Kriege, Soldaten, schlechte HeerstraBen, Hazardspiele, Verges- 
sung der urspriinglichen Gleichheit, Titelprunk in den Zeitungen, 
Kanonisationen, Unwissenheit der Kloster, Moncherei, ausschlie- 
Bende Rechte des Adels zu hoheren Amtern, Anglomanie in den 
Garten, Inquisition, Aberglaube des Pobels. [1 ] 

Ja meinen Aberglauben recht auseinander zu setzen. Z.E. daB, 
wenn ein frisch angestecktes Licht wieder ausgeht, ich meine 
Reise nach Italien daraus beurteile. Dieses ist ein sehr merkwu rdiger 
Umstand in meinem Leben und in meiner Philosophic [2] 

In jedem Menschen liegen eine Menge von richtigen Bemerkun- 
gen; allein die Kunst ist, sie gehorig sagen zu lernen - das ist sehr 
schwer, wenigstens viel schwerer, als mancher glaubt; und gewiB 
kommen alle schlechte Schriftsteller darin mit einander iiberein, 
daB sie von allem dem, was in ihnen liegt, nur das sagen, was jeder- 
mann sagte, und was daher, um gesagt zu werden, nicht einmal in 
einem zu liegen braucht. [3] 

Waren nur die Herren Weiber besser, mit den Frau Ehemannern 
ginge es wohl noch hin. [4] 

Die edle Einfalt in den Werken der Natur hat nur gar zu oft ihren 
Grund in der edeln Kurzsichtigkeit dessen, der sie beobachtet. [5] 

Dinge, die mich vorziiglich zum Lacheln bringen konnten, waren 
z. B. die Idee einiger Missionarien, einen ganzen Hof voll Prose- 
lytcn mit der Feuerspritzc zu taufen; und dann, daB einmal ein 
Schiiler die Stelle aus dem Horaz: Pallida mors aequo pulsat pede 



I78 SUDELBUCHER 

etc. ubersetzte: der Tod mit seinem PferdefuB. Letzteres fiel mir 
einmal bei sehr groBen Schmerzen ein, und bewirkte ein wiewohl 
sehr kurzes Aufwallen von Lachen. Wenn ich nicht schlafen konnte, 
suchte ich oft die Lachen erregende Materie aus solchen Dingen zu 
scheiden. [6] 

Es hat mich ofters geschmerzt, daB ich seit 20 Jahren nicht mehr 
dreimal in einem A tern genieset, noch mich an das Kummeleckchen 
gestoBen habe. [7]- 

Ich habe oft des Nachts iiber einen Einfall lachen miissen, der mir 
am Tage schlecht oder gar frevelhaft vorkam. [8] 

In Gesellschaft spielte ich zu Zeiten den Atheisten bloB Exercitii 

gratia. [9] 

Ach Gott ! wenn man doch nur in der Welt immer lernen konnte, 
ohne beobachtet zu werden. Was fur ein himmlisches Vergmigen ge- 
wahrte mir nicht Astrognosie in meiner Jugend. Du gerechter Gott ! 
ich kenne keine schonere Zeiten, es sind die vergniigtesten meines 
Lebens. Der Neid und die Spotterei anderer, die hier und da etwas 
mehr wissen, ist unertraglich. Wie selig lebte ich damals! jetzt, da 
alles, was ich tue, beobachtet wird; und von manchem, der nicht die 
Halfte von mir wert ist, und eine bloB auswendig gelernte Bemer- 
kung meinem ursprunglichen Bestreben entgegensetzt, werde ich 
ausgelacht. Man sollte doch unterscheiden lernen, zwischen dem, 
was ein Mann selbst gedacht hat, und dem, was einer abschreibt. [10] 

Wenn ich einen Nagel einschlage, nur um etwas anzuheften, so 
denke ich immer, was wird geschehen, ehe ich ihn wieder heraus- 
ziehe. Es ist gewiB hierin etwas. Ich heftete den Pappdeckel im No- 
vember an mein Bett an, und ehe ich den Nagel noch herauszog, 
war mein vortrefFlicher Freund Schernhagen in Hannover, und eines 
meiner Kinder gestorben, und die italienische Reise zu Wasser ge- 
worden. [11] 

Es ist ein groBer Unterschied zwischen etwas glauben, und das 
Gegenteil nicht glauben konnen. Ich kann sehr oft etwas glauben, 
ohne es beweisen zu konnen, so wie ich etwas nicht glaube, ohne es 



HEFT H 6-I5 179 

widerlegen zu konnen. Die Seite, die ich nehme, wird nicht durch 
strikten Beweis, sondern durch das Obergewicht bestimmt. [12] 

Es ist mir keine Betrachtung angenehmer, als die, in den polierte- 
sten Zeiten Spuren von Gebrauchen der rohesten Volker aufzu- 
suchen, freilich ebenfalls verfeinert. (Es ist unmoglich, daB ein Volk 
lange in einer Gattung seiner Kenntnisse zunehmen soil, ohne in 
den andern auch mit zuzunehmen, wenigstens nicht ohne Scheiter- 
haufen.) So wird es einem scharfen Beobachter nicht schwer wer- 
den, einen subtilen Schamanismus (geistliche Taschenspielerei) 
selbst auf unsern Kanzeln zu finden. Solche Dinge aufzufinden, darf 
man nur die Reihe aufsuchen, in welcher der Schamanismus liegt. 
Alles laBt sich verfeinern, und alles laBt sich vergrobern - ein vor- 
treffliches Erfindungsmittel. [13] 

Was, wie ich glaube, die meisten Deisten schafft, zumal unter 
Leuten von Geist und Nachdenken, sind die unveranderlichen Ge- 
setze in der Natur. Je mehr man sich mit denselben bekannt macht, 
desto wahrscheinlicher wird es, daB es nie anders in der Welt her- 
gegangen, als es jetzt darin hergeht, und daB nie Wunder in der 
Welt geschehen sind, so wenig als jetzt. DaB ganze Zeitalter hinter- 
gangen werden, und noch leichter einzelne Menschen, daB man aus 
tausendfachem Interesse etwas glaubt, daB es sogar ein Vergniigen 
sein kann, etwas zu glauben, was man nicht untersucht hat, das ist 
gar kein Wunder, das sehen wir taglich; daB aber die Sonne beim 
Vollmond verfinstert, Wasser in Wein verwandelt wird, und der- 
gleichen ist unbegreiflich. [14] 

Wer die Geschichte der Philosophie und Naturlehre betrachten 
will, wird finden, daB die groBten Entdeckungen von Leuten sind 
gemacht worden, die das fur bloB wahrscheinlich hielten, was an- 
dere fur gewiB ausgegeben haben; also eigentlich von Anhangern 
der neuern Akademie, die das Mittel zwischen der strengen Zuver- 
lassigkeit des Stoikers und der UngewiBheit und Gle ichgiil t i gkeit 
des Skeptikers hielt. Eine solche Philosophie ist um so mehr anzu- 
raten, als wir unsere Meinungen zu der Zeit sammeln, da unser Ver- 
stand am schwachsten ist. Dieses letztere verdient in Absicht auf 
Religion in Betrachtung gezogen zu werden. [15] 



l80 SUDELBUCHER 

Ich glaube, der sicherste Weg, den Menschen weiter zu bringen, 
ware, durch die polierte Vernunft des verfeinerten Menschen die 
blinden Naturgriffe des Barbaren (der zwischen dem Wilden und 
Feinen in der Mitte stent) mit Philosophic zu verfeinern. Wenn es 
einmal in der Welt keine Wilden und keine Barbaren mehr gibt, 
so ist es um uns geschehen. [16] 

Zu den feinsten Ramifikationen unserer Wissenschaften und 
Kiinste liegt irgendwo der Stamm in unserer Wildheit oder Barbarei 
(dem Mittelzustand zwischen Wildheit und Verfeinerung) ; diesen 
aufzusuchen, wie viel Philosophic erforderte es nicht, aber wie viel 
Nutzen hatte es auch! [17] 

So wie die Volker sich bessern, bessern sich auch ihre Gotter ; weil 
man letztern aber nicht gleich alle die menschlichen Eigenschaften 
nehmen kann, die ihnen rohere Zeiten angedichtet haben, so halt 
die verminftige Welt manches noch eine Zeit lang fur unbegreif lich, 
oder erklart es figiirlich. [18] 

Die Herren, die gegen Kants Vorstellung von Raum und Zeit 
disputieren, kann man billig fragen, was sie denn eigentlich unter 
ihrer wahren Kenntnis der Gegenstande verstehen, und ob iiberhaupt 
eine solche Kenntnis moglich ist. Alles, was ich empfinde, ist mir ja 
nur durch mich selbst gegeben, und jede Einwirkung eines Dings 
auBer mir ist ja Wahrheit; was wollen wir als Menschen weiter? Es 
ist ein Radikalirrtum aller derer, die gegen diese Kantischen Vor- 
stellungen disputieren, dafi sie dieselben fur Idealismus, oder gar 
fiir einen Betrug des Urhebers der Natur halten, wenn es so ware. 
Allein da alle Dinge in der Natur Beziehung auf einander haben, 
was kann reeller und wahrer sein, als diese Beziehungen? Wenn ich 
sage: die Korper nehmen einen Raum ein, so sage ich etwas sehr 
Reelles, weil ich von einer Beziehung auf mich rede. Aber behaup- 
ten zu wollen, die Korper objektive nehmen einen Raum ein, ist 
gerade so unsinnig, als ihnen eine Farbe, oder gar eine Sprache zuzu- 
schreiben. - Wenn auch aus allem diesem nichts erhellet, so erhellet 
doch wenigstens so viel daraus, daB es ein ganz vergebliches Be- 
miihen ist, Herrn Kant widerlegen zu wollen. [19] 



HEFT H 16-28 



l8l 



111 alien Wissenschaften kann es mitzlich sein, Falle zu supponie- 
ren, die nicht, so viel wir wissen, in der Natur stattfinden, so wie die 
Mathematiker andere Gesetze der Schwere. Es ist immer eine Ubung 
und kann zuweilen auf Bemerkungen fuhren. [20] 

Ich wollte, daB ich mich alles entwohnen konnte, daB ich von 
neuem sehen, von neuem horen, von neuem fiihlen konnte. Die 
Gewohnheit verdirbt unsere Philosophic. [21] 

Man kann auf so vielerlei Weise Gutes tun, als man sundigen kann, 
namlich mit Gedanken, Worten und Werken. [22] 

Wo damals die Grenzen der Wissenschaft waren, da ist jetzt die 
Mitte. [ 23 ] 

Die gefahrlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten maBig ent- 
stellt. [ 24 ] 

Wir miissen glauben, daB alles eine Ursache habe, so wie die 
Spinne ihr Netz spinnt, um Fliegen zu fangen. Sie tut dieses, ehe 
sie weiB, daB es Fliegen in der Welt gibt. [25] 

Das eigentlich Christliche in unserer Religion ist die Seele alkr 
Religion, das ubrige ist Korper. Vom schonsten Griechen bis zum 
Neger ist alles Menschen-JLzce. [26] 

Es gibt Wahrheiten, die so ziemlich herausgeputzt einhergehen, 
daB man sie fur Liigen halten sollte, und die nichts desto weniger 
reine Wahrheiten sind. [27] 

Merkwurdig war es, daB, als ich in der Nacht vom 23. auf den 
24. Oktober so viel von Paul Jones traumte, ich ihn unter zwei ver- 
schiedenen Gestalten sah. Einmal, da er aussah wie der Schinder von 
G..., und einmal, wie ein groBer, starker hollandischer SchirTer. 
Diese Traume haben mir allerlei Ideen, die in meiner Seele schliefen, 
entwickelt. Die Unerschrockenheit hatte ich von dem Schinder ge- 
borgt, der eine der rohestcn und verwegensten Physiognomien 
hat, die ich kenne. Es ist ein merkwiirdiger Zustand der Seele, da 



1 82 SUDELBUCHER 

man sich einen Mann unter zweien oder auch mehreren vorstellt, je 
nachdem sich Bilder mit den Eigenschaften assoziiert haben. [28] 

Wenn uns von einer Gesellschaft von Leuten traumt, wie sehr 
in ihrem Charakter lassen wir sie nicht reden! warum gelingt uns 
das nicht eben so, wenn wir schreiben? [29] 

Vieles Lesen macht stolz und pedantisch; viel sehen macht weise, 
vertraglich und niitzlich. Der Leser baut eine einzige Idee zu sehr 
aus; der andere (der Weltseher) nimmt von alien Standen etwas 
an, modelliert sich nach alien, sieht, wie wenig man sich in der 
Welt um den abstrakten Gelehrten bekummert, und wird ein 
Weltburger. [30] 

Wer in sich selbst verliebt ist, hat wenigstens bei seiner Liebe den 
Vorteil, daB er nicht viele Nebenbuhler erhalten wird. [31] 

Der Mensch kann gehen, pfeifen, oder auch Hundert zahlen und 
noch an etwas anderes zugleich denken, und, was das Merkwiirdig- 
ste ist, ohne von alien dreien etwas zu wissen, da doch jedes ganz 
eigne Regeln und Vorsicht erfordert. [32] 

Ein eingebildetes Unvermogen kann bei furchtsamen Personen 
lange die Rolle eines wirklichen spielen, in Werken des Kopfs so- 
wohl wie des Leibes. [33] 

Weil die Menschen sehr geneigt zum Aufschieben und zur 
Langsamkeit sind, und gemeiniglich das, was um 5 Uhr des Morgens 
vor sich gehen soil, erst um 6 Uhr geschieht, so kann man sicher 
darauf rechnen, daB man die Oberhand in einer Sache behalt, wenn 
man alles ohne den geringsten Verzug unternimmt. [34] 

Alle Tugend aus Vorsatz taugt nicht viel . Gefuhl oder Gewohnheit 
ist das Ding. [35] 

Man soil niemanden in seiner Profession lacherlich machen, er 

kann dadurch imglticklich werden. [36] 



HEFT H 28-44 183 

Es 1st sonderbar, dafi diejenigen Leute, die das Geld am liebsten 
haben und am besten zu Rate halten, gerne im Diminutivo davon 
sprechen. »Da kann ich doch meine 600 Tdlerchen dabei verdienen« 
- »ein hiibsches SummchenU - Wer so sagt, schenkt nicht leicht ein 
halbes Talerchen weg. [37] 

Manche Menschen aufiern schon eine Gabe, sich dumm zu stel- 
len, ehe sie klug sind ; die Madchen haben diese Gabe sehr oft. [3 8 ] 

Die Dienstmadchen kiissen die Kinder und schutteln sie mit Hef- 
tigkeit, wenn sie von einer Mannsperson beobachtet werden; liin- 
gegen prasentieren sie sie in der Stille, wenn Frauenzimmer auf sie 
sehen. [39] 

Ich habe das schon mehr bemerkt, die Leute von Profession wissen 
oft das Beste nicht. [40] 

Der Mensch ist der groBten Werke alsdann fahig, wenn seine 
Geisteskrafte schon wieder abnehmen, so wie es im Julius und um 
2 Uhr des Nachmittags, da die Sonne schon wieder zuriickweicht 
und sinkt, heiBer ist, als im Junius und um 12 Uhr. [41] 

Jeder Mensch hat seinen individuellen Aberglauben, der ihn 
bald im Scherz, bald im Ernst leitet. Ich bin auf eine lacherliche 
Weise ofters sein Spiel, oder vielmehr ich spiele mit ihm. Die 
positiven Religionen sind feine Benutzungen jenes Hanges im Men- 
schen. Die Menschen haben alle etwas davon, wenn sie nicht deut- 
lich denken, und es ist gewiB noch nie ein so vollkommener Deist 
gewesen, als er im Compendio stent; das ist unmoglich. [42] 

Der Mensch, der sich vieles Gliicks und seiner Schwache bewuBt 
ist, wird aberglaubisch, fliichtet zum Gebet, und dergleichen 
mehr. [43] 

Es ist zum Erstaunen, wie weit ein gesunder Menschenverstand 
reicht. Es ist auch hier, wie im gemeinen Leben, der gemeine Mann 
geht hin, wohin der Vornehme mit Sechsen fahrt. [44] 



184 SUDELBUCHER 

Jeder gute Kopf ist ein mathematischer Wilder, der sich sein 
Boot mit kummerlichen Werkzeugen baut, aber in vielen schweren 
Fallen, durch individuelle Geschicklichkeit und Ubung, oft Dinge 
ausrichtet, die jener nicht ausrichten kann. [45] 

Uber die Erziehung soil man nicht raisonnieren, sondern erst 
Erfahrungen sammeln, welche Nation die groBten, aktivsten Leute 
hervorgebracht hat, nicht die groBten Kompilatoren und Biicher- 
schreiber, sondern die standhaftesten, die groBmiitigsten, in Kun- 
sten geschicktesten usw. - Das mochte doch wohl die englische 
sein. [46] 

Die Konige glauben oft, das was ihre Generale und Admirale 
tun, sei Patriotismus und Eifer fur ihre eigne Ehre. Offers ist die 
ganze Triebfeder groBer Taten ein Madchen, welches die Zeitung 
liest. [47] 

Ja einmal recht grundlich zu untersuchen, warum das Bluhen 
ohne Fruchte zu tragen so sehr gemein ist, nicht bloB an den Obst- 
baumen. Bei unsern gelehrten Kindern ist es eben so : sie bluhen vor- 
trefflich, und tragen keine Fruchte. [48] 

Vielleicht ist noch nie ein Vater gewesen, der nicht irgend ein- 
mal sein Kind fur etwas ganz Originelles gehalten hat. Doch glaube 
ich, sind die gelehrten Vater diesem zartlichen Irrtum mehr aus- 
gesetzt, als irgend eine andere Klasse von Vatern. [49] 

Wenn man nur die Kinder dahin erziehen konnte, daB ihnen alles 
Undeutliche vollig unverstandlich ware. [50] 

Ich bin iiberzeugt, daB die vermeinte Grundlichkeit beim Vor- 
trage der Anfangsgriinde sehr schadet. Es ist gar nicht notig, daB ein 
Lehrer dem Anf anger die Sache grundlich vortragt ; aber der Lehrer, 
der diesen Vortrag wahlt, muB sie grundlich verstehen; alsdann ist 
gewiB fiir den Anf anger gesorgt. [51] 

Die Liiftung der Nation kommt mir zur Aufklarung derselben 
unumganglich notig vor. Denn was sind die Menschen anders als 
alte Kleider? Der Wind muB durchstreichen, Es kann sich jeder- 



HEFT H 45-56 



I85 



mann die Sache vorstellen, wie er will; allein ich stelle mir jeden 
Staat wie einen Kleiderschrank vor, und die Menschen als die Klei- 
der desselben. Die Potentaten sind die Herren, die sie tragen, und 
zuweilen biirsten und ausklopfen, und wenn sie sie abgetragen ha- 
ben, die Tressen ausbrennen und das Zeug wegschmeiBen. Aber die 
Luftung fehlt; ich meine, da8 man sie auf den Boden hangt. Wenn 
der Kaiser einmal seine ungarischen Schafe auf den Sand in der 
Mark triebe, und der Konig von PreuBen die seinigen in Ungarn 
weiden lieBe, was wiirde da nicht die Welt gewinnen! [52] 

Wenn man auf einer entfernten Insel einmal ein Volk antrafe, 
bei dem alle Hauser mit scharf geladenem Gewehr behangt waren 
und man bestandig des Nachts Wache hielte, was wiirde ein Rei- 
sender anders denken konnen, als daB die ganze Insel von Raubern 
bewohnt ware? 1st es aber mit den europaischen Reichen anders? 
Man sielit hieraus, von wie wenigem EinfluB die Religion iiber- 
haupt auf Menschen ist, die sonst kein Gesetz fiber sich erkennen, 
oder wenigstens, wie weit wir noch von einer wahren Religion ent- 
fernt sind. DaB die Religion selbst Kriege veranlaBt hat, ist abscheu- 
lich, und die Erfinder der Systeme werden gewiB dafur buBen mus- 
sen. Wenn die GroBen und ihre Minister wahre Religion, und die 
Untertanen verniinftige Gesetze und ein System hatten, so ware 
alien geholfen. [53] 

Es ist sehr gut, die von andern hundertmal gelesenen Bucher 
immer noch einmal zu lesen, denn obgleich das Objekt einerlei 
bleibt, so ist doch das Subjekt verschieden. [54] 

Das Stiimpern in hohern Wissenschaften ist, wenn es mit einigem 
Witz und einer gewissen Duplizitat des Ausdrucks geschieht, das, 
was niedere Klassen fur hohe Weisheit halten; der Mann, der von 
dem Fache ist, worin hier gestiimpert wird, lachelt liber die Tor- 
heit. H. in seinen I. z. G. d, M. ist ein Stumper an vielen Stellen. [55] 



Wie man alte Bucher studiert, in der Absicht Wahrheit zu suchen, 
so kann man wohl zuweilen eine Ausbeute erhalten, die andern 
entgangen ist, allein man riskiert auch zuweilen, die beste Zeit sei- 
nes Lebens zu verkuxen, [56] 



186 SUDELBUCHER 

Zimmermanns Buch, und audi viele Menschen, die nur die 
Formen der Philosophic haben, gleichen einem Gebaude mit ge- 
malten Fenstern; man glaubt Wunder was sie fur Licht hatten, sie 
sind aber dessenungeachtet sehr dunkel; oder gegen ein Fenster, 
das ein biBchen Licht ins Haus bringt, sind allemal zehn gemalte. [57] 

Es gibt wenige Gelehrte, die nicht Einmal gedacht haben, sich 
reich zu schreiben. Das Gluck ist nur wenigen beschieden. Unter 
den Biichern, die geschrieben werden, machen wenige ihr Gluck, 
wenn sie leben bleiben; und die meisten werden tod geboren. [58] 

Kurzsichtig sein und weit sehen werden im metaphorischen Ver- 
stande von Geistesgaben falsch gebraucht. Ein Kurzsichtiger heiBt 
da ein Blinder; es ist aber klar, daB Kurzsichtige auch Dinge sehen, 
die andere Leute nicht sehen. [59] 

Der Teufel ist wohl heutzutage, in unseren aufgeklarten Zeiten, 
ein recht armer Teufel. Woher mag iiberhaupt die Redensart: 
armer Teufel kommen? Sie fmdet sich auch in anderen Sprachen; 
poor devil, pauvre diable. [60] 

DaB die Verwechselung von lehren und lernen, die bei uns, zumal 
in der Sprache des Umgangs gemeiner ist, als man denken sollte, 
von etwas Tieferm herruhrt, als bloB von der Ahnlichkeit des 
Lautes, kann man daraus abnehmen, daB die Schottlander haufig 
to learn mit to teach verwechseln, die doch nicht verschiedener 
klingen konnen. Hingegen verwechselt der Englander haufig to lie 
liegen, und to lay legen, welches auch der unstudierteste Deutsche 
nicht tut, da doch die Ahnlichkeit des Lauts und der Relation in den 
BegrifFen, die sie ausdriicken, bei beiden gleich groB ist. Wer liegt, 
der hat sich gelegt; und wer sich lehrt, der lernt; oder, wer ge- 
legt wird, liegt, und wer gelehrt wird, lernt. [61] 

Ich glaube, es konnte einer Sprache gar nicht schaden, wenn man 
viele Latinismen und Grazismen ubertriige. So wiirden gewiB die 
Alten wenigstens verstandlich werden. In meinen Schuljahren, wo 
das Wort popular noch nicht so Mode war wie jetzt, glaubten wir, 
es hieBe pobelhaft oder so etwas. [62] 



HEFT H 57-68 



I8 7 



Aufschieben heiBt, seinem Gehirne eine groBere Extension geben. 

[63] 

So wie es vielsilbige Worter gibt, die sehr wenig sagen, so gibt 
es auch einsilbige von unendlicher Bedeutung. [64] 

Es ist ein groBer RednerkunstgrirT, die Leute zuweilen bloB zu 
iiberreden, wo man sie uberzeugen konnte; sie halten sich alsdann 
oft da fiir (iberzeugt, wo man sie bloB uberreden kann. [65] . 

Mir ist nichts abgeschmackter in unsern Schauspielen, als die wohl- 
gesetzten Reden, die auf den Knien gehalten werden. Man wird 
nach und nach auch so sehr daran gewohnt, daB es nicht viel groBern 
Eindruck macht, jemanden auf den Knien zu sehen, als wenn er die 
Arme kreuzt. Wenn mich mein eigenes Gefuhl nicht betriigt, so 
kniet man nicht leicht vor einem Menschen, und nicht eher als bis 
die Sprache zu fallen anfangt. Wer mit seinem Knien so fertig ist, 
und seine Beteuerungen so regelmaBig hersagt, der ist ohne Zweifel 
ein Betriiger. Ich fordere die Herzen aller derjenigen auf, die irgend 
einmal in der Welt einen Menschen vor einem Menschen aus 
AfFekt haben knien sehen, oder selbst einmal gekniet haben; und 
frage, ob es billig ist, mit diesem groBten und ehrwurdigsten Zei- 
chen des innersten Affekts, das die menschliche Natur hat, jede 
kleine vorubergehende Wallung des Bluts zu bezeichnen? Ich habe 
ein einzigesmal einen Mann im Ernst knien sehen, und als er hin- 
fiel, so war es mir, als entginge mir der Atem. [66] 

Eine Stockhausscene sollte sich vortrefflich auf dem Theater aus- 
nehmen. Es miiBten da die Spitzbuben tiber Freiheit und Ehrlich- 
keit mit einander disputieren. [67] 

Sich erst eine Absicht zu wahlen und einen Endzweck festzusetzen, 
und dann alles, auch sogar das Geringste in der Welt dieser Absicht 
unterwlirfig zu machen, ist der Charakter des verniinftigen und 
groBen Mannes und groBen Schriftstellers. In einem Werk muB jede 
tiefsinnige Bemerkung, so gut wie jeder Scherz dazu dienen, die 
Hauptabsicht sicher zu erhalten. Auch wenn der Leser vergniigt 
werden soil, vergmige man ihn so, daB die Hauptabsicht dadurch 
erreicht wird. [68] 



188 SUDELBUCHER 

Die feinste Satyre ist unstreitig die, deren Spott mit so weniger 
Bosheit und so vieler Oberzeugung verbunden ist, da6 er selbst 
diejenigen zum Lacheln notigt, die er trifft. So sprach Lord Chester- 
field im Oberhause. D- Maty sagt von diesem groBen Redner: 
»He reasoned best, when he appeared not witty; and while he gained 
the affections of his hearers, he turned the laugh on his opposers, 
and often forced them to join in it.« [69] 

Es ist eine sehr schone Bemerkung von Priestley, daB der bilder- 
reichste Stil eben so naturlich ist, als der einfachste, der nur die ge- 
meinsten Worte gebraucht; denn wenn die Seele in der gehorigen 
Lage ist, so kommen jene Bilder ihr eben so naturlich vor, als diese 
simpeln Ausdriicke. [70] 

Ein guter Charakter fur eine Komodie oder einen Roman ist der, 
der alles zu fein versteht, weil er kein gutes Gewissen hat, und alles 
deutet und zu seinem Schaden nutzt. [71] 

Ein guter Schriftsteller hat nicht allein Witz notig, die Ahnlich- 
keiten auszufinden, wodurch er seinem Ausdruck Anmut verschaf- 
fen kann, sondern auch die zu vermeiden, die dem Leser zum ganz- 
lichen Verderben desselben einfallen konnen. Zu oft ist nicht so- 
wohl das, was der Autor sagt, dem Eindruck, den er machen will, 
nachteilig, als das, was dem Leser, dessen Gedanken minder angst- 
lich fortgehen, dabei einfallt, und woran er selbst nicht gedacht 
hat. [72] 

Bei einem Roman sollte hauptsachlich darauf gesehen werden, 
die hr turner so wohl, als die Betrugereien aller Stande und aller mensch- 
lichen Alter zu zeigen. Hierbei konnte sehr viel Menschenkenntnis 
angebracht werden. [73] 

Nichts erweckt die Neugierde der Jugend mehr, als Fragmente 
nutzlicher Kenntnisse in angenehme Gedichte eingewebt. Thom- 
sons Jahrszeiten sind ein Meisterstiick hierin, und haben wohl in 
manchem Englander die Liebe zur Natur erweckt. [74] 

Wer, wie Boileau, den zweiten Vers zuerst macht, und ihm alle 
mogliche Geschwindigkeit und FluB erteilt, wird gefunden haben, 



HEFT H 69-83 189 

wie schwer es ist, dem ersten solche FiiBe zu geben, daB er nach- 
kommen kann. Doch ist es immer besser, als dem ersten eine Ge- 
schwindigkeit zu geben, womit er den zweiten liber den Haufen 
rennt, und beide zusammen sturzen. [ 75 ] 

Es ware eine ruhrende Situation, jemanden vorzustellen, der des 
Nachts plotzlich blind wurde, und glaubte, die Nacht dauerte fort. 
Er nimmt sein Feuerzeug und schlagt, und kann keine Funken her- 
ausbringen, und dergleichen mehr. [ 7 6] 

Der wahre Witz weiB ganz von der Sache entfernte Dinge so zu 
seinem Vorteil zu nutzen, daB der Leser denken muB, der Schrift- 
steller habe sich nicht nach der Sache, sondern die Sache nach ihm 
gerichtet. [77 j 

Es ist mit den Sinngedichten, wie mit den Erfmdungen iiber- 
haupt: die besten sind ebenfalls diejenigen, wobei man sich argert, 
den Gedanken nicht selbst gehabt zu haben. Das ist es wohl, was die 
Leute meinen, wenn sie sagen, der Gedanke musse naturlich sein. 

[78] 

Die Briefe eines klugen Mannes enthalten immer den Charakter 
der Leute, an die er schreibt. Dieses kann in einem Roman in Brie- 
fen sehr schon gezeigt werden. [ 79 ] 

Ich sehe immer einen Soldaten mit seinem Bajonette als ein Argu- 
ment an, und eine Revue als eine logische Obung, Menschen zu 
iiberzeugen, was sie sind. [80] 

Das alte Weib konnte eine vortreffliche politische Monatsschrift 
werden. [ 8l i 

Die schonen Weiber werden heutzutage mit unter die Talente 
ihrer Manner gerechnet. rg 2 i 

Wenn auch einmal einer lebendig begraben wird, so bleiben da- 
fur hundert andere iiber der Erde hangen, die tod sind. [83] 



190 SUDELBUCHER 

A. Hat das Madchen nicht einen herrlichen Busen! B. Ja wohl, 
das ist recht was Horaz ein bene praeparatum pectus nennt. [84] 

All hail, Macbeth! ubersetzte einmal jemand durch: »Alle Hagel, 
Macbeth !« [85] 

Die Hiihner verschlucken Steine, wenn sie verdauen wollen. 
Die Seele scheint bei Verdauung der Gedanken etwas Ahnliches 
notig zu finden, indem sie bekanntlich immer Steine in der Zirbel- 
drtise hat. [86] 

Die Braut war pockengriibig, und der Brautigam finnig. Spotter 
sagten, wenn das Parchen nur erst zusammengeschmiedet ware, so 
gaben ihre Gesichter ein treffliches Waffeleisen. [87] 

Was ist fiir ein Unterschied zwischen einem Pastor und einem 
Arzt? 

Antwort: Der Pastor baut den Acker Gottes, und der Arzt den 
Gottesacker. [88] 

Bei Prophezeiungen ist der Ausleger oft ein wichtigerer Mann 
als der Prophet. [89] 

Er liebte hauptsachlich die Worter, die nicht in Worterbuchern 
vorzukommen pflegen. [90] 

Es wird noch aufkommen, Visitenkarten in den Collegiis zu- 
riackzulassen; noch besser bei den Kirchen. Man geht hin, wenn 
keine Kirche ist, und laBt eine Karte da, etwa beim Kiister. [91] 

Der DreifuB, den hier und da die Galgen formieren, hat gewiB 
mehr Wahrheit wo nicht gelehrt, doch eingescharft, als der zu 
Delphi. [92] 

Er verschluckte viel Weisheit, es war aber, als wenn ihm alles in 
die unrechte Kehle gekommen sei. [93] 

Bei den geistlichen Schafen in der Gemeinde so gut, wie bei den 
weltlichen auf dem Felde ist die Wolle immer die Hauptsache. 

[94l 



HEFT H 84-IO6 191 

Es gibt Predigten, die man ohne Tranen zu weinen nicht anhoren, 
und ohne welche zu lachen nicht lesen kann. [95] 

Es scheint, wir haben jetzt nur noch Zugochsen, Auerochscn gibt 
es nicht mehr. Wir haben jetzt nur Zugdichter, die eigentlichen 
Auerdichter gibt es nicht mehr. [96] 

Man hat Beispiele von Geburten, die 44 Jahre im Mutterleibe zu- 
gebracht haben, und am Ende ist doch nichts daraus geworden. 

[97] 

Daft am Menschen nicht viel Sonderliches ist, beweist hauptsach- 
lich die Weitlauttigkeit der Jurisprudenz. [98] 

Ob er am Herzen beschnitten war, weiB ich nicht, aber daB er 
verdient hatte, es an den Ohren zu sein, das weifi ich. [99] 

Der Mann sans la lettre war besser, als nachdem man den Titel 
darunter gestochen hat. [100] 

Vom Stolzieren des welschen Hahns. Ich mochte wohl wissen, 
was die Natur damit will. Er selbst kann nichts damitwollen. [roi] 

Es gibt Familien, in denen die Leute schon bei jungen Jahren 
die Schneidezahne verlieren. Es sind das keine sonderliche Leute. 

[102] 

Was das Glockenlauten zur Ruhe der Verstorbenen beitragen 
mag, will ich nicht entscheiden; den Lebendigen ist es abscheulich. 

[103] 

So wie die Leibarzte der Ochsen Menschen sind, so hat man auch 
oft gefunden, daB die Leibarzte der Menschen Ochsen sind. [104] 

Er hatte sich wenigstens seit 6 Wochen nur in Gedanken ge- 
waschen. [105] 

Einer will sich ersaufen, allein scin groBer Hund, der ihm nachge- 
laufen, apportiert ihn allemal wieder. [106] 



192 SUDELBUCHER 

Einer zeugt den Gedanken, der andere hebt ihn aus der Taufe, 
der Dritte zeugt Kinder mit ihm, der Vierte besucht ihn am Sterbe- 
bette, und der Funfte begrabt ihn. [107] 

Er glaubte nicht allein keine Gespenster, sondern er fiirchtete sich 
nicht einmal davor. [108] 

Er konnte das Wort »succulent« so aussprechen, daB, wenn man 
es horte, man glaubte, man bisse in einen reifen Pfirsich. [109] 

Die Natur hatte bei dem Bau dieses Menschen ihren Plan auf 
90 Jahre angelegt, er selbst aber fand fiir besser, ihn nach einem zu 
bearbeiten, bei welchem nicht vollig das Drittel von jenem heraus- 
kam. [no] 

Er schlief in seiner gewohnlichen Untatigkeit einmal so lange 
auf der Fensterbank, daB ihm die Schwalben hinter die Ohren bau- 
ten. [in] 

Man stattete ihm sehr heiBen, etwas verbrannten, Dank ab. [112] 

Er hing noch auf der dortigen Universitat, wie ein schoner 
Kronleuchter, auf dem aber seit zwanzig Jahren kein Licht mehr 
gebrannt hatte. [113] 

Ein Kerl, der einmal seine 100000 Taler gestohlen hat, kann her- 
nach ehrlich durch die Welt kommen. [114] 

Zu den jahrlichen Sterbelisten sollten noch folgende Rubriken 
hinzukommen: In den Himmel sind gekommen 33; zum Teufel 
sind gefahren 777; zweifelhaft 883. Mit solchen Zetteln konnten 
die Theologen sich Geld verdienen. [115] 

Er hatte ein paar Augen, aus denen man, selbst wenn sie still stan- 
den, seinen Geist und Witz so erkennen konnte, wie bei einem still— 
stehenden Windhunde die Fertigkeit im Laufen. [116] 

Von einem Juden : er starb den 7— September, nachdem er be- 
reits den 6— ejusdem, wie dieses bei dem Volke Gottes gebrauch- 
lich ist, war begraben worden. [117] 



HEFT H 107-125 193 

Er hielt sehr viel vom Lernen auf der Stube, und war also ganzlich 
fiir die gelehrte Stallfiitterung. [118] 

An die Universitatsgaleere angeschmiedet. [119] 

»Diesen meineii Secundaverweis« schreibt ein Kaufmann an 
seinen Sohn. [120] 

Selbst aus den Tausend und einer Nacht kann man die Indolenz 
der Indianer erkennen. Aladdins Lampe, womit er sich alles ver- 
schaffen kann, das Pferd, das vermittelst eines Zapfens hinfiihrt, 
wohin man will, sind unwidersprechliche Kennzeichen des Charak- 
ters. Haben nicht tatigere Nationen auch in ihren Fabeln mehr 
Tatigkeit? [121] 

Jede Universitat sollte einen Ambassadeur auf den iibrigen Uni- 
versitaten haben, zu zweckmafiiger Unterhaltung sowohl der 
Freundschaften, als der Feindschaften. [122] 

Eine Statistik der Religion ware wohl ein Werk, das, von einem 
Kenner geschrieben, groBes Aufsehen machen konnte. [123] 

Der Pas de Calais sollte kunftig Pas de Blanchard heiBen. [124] 

Wir glauben fiir die Nachwelt zu sorgen, wenn wir unsere Ge- 
danken auf Lumpenpapier abdrucken lassen, die dann die Nachwelt, 
das heiBt, die Leute, die uns UrgroBvater nennen, wieder auf 
Lumpenpapier kopieren. Aber, mein Gott! was wird aus allem 
Lumpenpapier und unserer Wissenschaft werden, wenn wir wie- 
der einmal Boden des Meeres werden? Die agyptischen Pyramiden 
waren ein gescheuter Gedanke. Jene Leute verstanden sich auch 
auf das Papiermachen, aber sie vergaBen, etwas darauf zu drucken. 
Wir soliten auf einer Stelle in der Schweiz, die Deluc, Saussure, 
Senebier angeben muBten, ein solches Denkmal errichten, und 
Europa miiBte subskribieren. Ich gebe meinen Louisd'or. Aber 
welche Hieroglyphe wiirde dazu gewahlt werden miissen? Welches 
sind die Zeichen, wodurch man sich einem kiinftigen Menschen- 
geschlechte wieder verstandlich machen konnte? Es miiBte eine 



194 SUDELBUCHER 

Sprache sein, die Kinder und Philosophen verbande. Die Hiero- 
glyphen konnten also sehr wichtig sein. O wenn doch Zeichen 
auf den Pyramiden standen! Vielleicht hat jemand den Gedanken 
vor mir gehabt, und die Hieroglyphen oder Mysterien sind das, 
was ich meine. [125] 

Ein sehr schones Siijet fur einen Maler waren einige kleine un- 
schuldige Madchen, die neugierig in einen Brunnen gucken, aus 
dern, ihrer Meinung nach, die Kinder geholt werden. Es konnte 
allenfalls nur eines hineinsehen, wahrend die anderen warten, bis 
die Stelle frei wird. [126] 

Es ist sehr reizend, ein auslandisches Frauenzimmer unsere 
Sprache sprechen und mit schonen Lippen Fehler machen zu horen. 
Bei Mannern ist es nicht so. [127] 

Ich kann mir eine Zeit denken, welcher unsere religiosen BegrifFe 
so sonderbar vorkommen werden, als der unsrigen der Rittergeist. 

[128] 

Es klingt lacherlich, aber es ist wahr: wenn man etwas Gutes 
schreiben will, so muB man eine gute Feder haben, hauptsachlich 
eine, die, ohne da8 man viel driickt, leichtweg schreibt. [129] 

Ein groBer Nutzen des Schreibens ist auch der, daB die Meinung 
eines Menschen und das, was er sagt, unverfalscht auf die Nachwelt 
kommen kann. Die Tradition nimmt etwas von jedem Munde 
an, durch den sie lauft, und kann endlich eine Sache so vorstellen, 
daB sie unkenntlich wird. Es ist allemal eine Ubersetzung. [130] 

Sie sprechen fur ihre Religion nicht mit der MaBigung und Ver- 
traglichkeit, die ihncn ihr groBer Lehrer mit Tat und Worten 
predigte, sondern mit dem zweckwidrigen Eifer philosophischer 
Sektierer, und mit einer Hitze, als wenn sie Unrecht hatten. Es sind 
keine Christen, sondern Christianer. [131] 

Ist es nicht sonderbar, daB die Beherrscher des menschlichen Ge- 
schlechts den Lehrern desselben so sehr an Rang iiberlegen sind? 
Hieraus sieht man, was fur ein sklavisches Tier der Mensch ist. [132] 



HEFT H 125-136 



195 



Es war eine Zeit in Rom, da man die Fische besser erzog, als die 
Kinder. Wir erziehen die Pferde besser. Es ist doch seltsam genug, 
daB der Mann, der am Hofe die Pferde zureitet, Tausende von Ta- 
lern zur Besoldung hat, und die, die demselben die Untertanen zu- 
reiten,dieSchulmeister,hungemmussen. [133] 

In Genua darf sich kein Mann bei seiner Frau auf der StraBe oder 
sonst ofFentlich blicken lassen; der Cicisbeat hat da die groBte Hohe 
erreicht, und ein Mann, der nicht darauf achten wollte, wiirde ver- 
spottet werden und sich den groBten Insulten des Pobels aussetzen. 
Man tadelt diesen Gebrauch vielleicht mit Recht, aber es ist doch 
etwas in dem Gefuhl, was ihn entschuldigt. Es gibt doch zu sonder- 
baren Gedanken AnlaB, einen Mann bei seiner Frau zu sehen. Sie 
werden ausgemessen, und allerlei dabei gedacht, was man nicht 
denkt, wenn man jedes allein sieht. Einen Erzbischof von Canter- 
bury mit seiner Frau einher gehen zu sehen, wiirde wenigstens das 
bischofliche Ansehen nicht fester griinden, das ist gewiB. In jedem 
menschlichen, von einem ganzen Staat gebilligten Gebrauch, liegt 
immer etwas zum Grunde, was sich, wo nicht rechtfertigen, doch 
entschuldigen lafit. [134] 

Ach! beim Tabakrauchen bedenkt der Statistiker nur den Tabak. 
Aber, gerechter Gott! das Vergniigen, nach des Tages getragener 
Last und Arbeit, in seiner Familie ruhig und vorbereitend zum kur- 
zen Schlaf und der sich morgen wieder erneuernden schweren 
Arbeit, das Kraut abbrennen zu sehen, das Geschaft des Ausspuckens, 
und den Ersatz durch teuer erkauften Trunk, die ausruhende Be- 
schaftigung - o groBer Gott! das alles bedenkt niemand. LaBt es 
dem Armen, der es einmal hat, ihr, die ihr alles habt, was ihr wollt, 
und wechseln konnt, wie es euch gefallt. [135] 

In dem Roman muB ein sehr lustiger witziger Mann aufgefiihrt 
werden. Und der miiBte alle den Witz sprechen, der in manchen 
Biichern steht. 

1785 den 7[— ] Oktober (sqes.) beschlossen, einen Roman zu 
schreiben, alles anzuwenden. Roderick Random gelesen. Es ist doch 
nichts Rechts! widrige Geschichte und Quarrels ohne viele tiefe 
Menschenkenntnis; das muB in einem Roman alles besser werden. 

Iu6) 



I96 SUDELBUCHER 

Absicht. Exjesuiten auf alle Weise durchgezogen. Elende Prinzen, 
die man dennoch die besten Fiirsten nennt, wie den Churfiirsten 
von Pfalzbayern an Galgen geschlagen. Vieles von Religion und 
Judenpolizei. Langsamkeit der Arbeiter. Biirgermeister, die dieses 
nicht besser wissen etc. [137] 

In dem Roman ja recht darauf zu bestehen, da6 wir eigentlich 
nicht in Gesellschaft gehen, sondern nur einen Bevollmachtigten 
hinschicken, der iiber den eigentlichen Zustand seines Hofes das 
geheimnisvollste Stillschweigen beobachten muB, zumal gegen die, 
die man zu fiirchten hat, hingegen mit den armen Teufeln schon 
etwas deutlicher zu sprechen. Dieses hat mir die Gesellschaft der 
meisten Menschen und hauptsachlich der Professoren verhaBt ge- 
macht, Einmal zur andern Zeit zu entwickeln, was die Professoren- 
gesellschaften unangenehm macht, zumal der jungen, die vor kur- 
zem in einer Zeitung gelobt worden sind. Das sind unertragliche 
Geschopfe. [138] 

Im Roman konnte auch der Gedanke geniitzt werden, von der 
Vollkommenheit aller Anstalten auf einer Universitat, Haus- Gar- 
ten- Feldbau, Polizei, damit alles da lehrt durch Tat. [139] 

Es ist mir nichts angenehmer, als da, wo meine Zu- oder Abnei- 
gungen vor meiner Vernunft vorhergehen, aufzusuchen, wie sie 
mit ihr zusammenhangen. Mit andern Worten, mir bewuBt zu 
werden, daB ich das in der Welt sei, oder warum ich das sei, was ich 
bin. - Ich glaube iiberhaupt, daB unsere ganze Philosophic darin 
besteht, uns dessen deutlich bewuBt zu werden, was wir schon 
mechanisch sind. Es ist sehr sonderbar, daB uns der Himmel so viel 
Spielraum gegeben hat. Vermutlich konnen wir so haufig im 
Scherz fehlen, damit wir uns nicht bei unserem freien Willen ein- 
fallen lassen im Ernst zu fehlen. [140] 

So wie es schon schmerzt, manche Entdeckung nicht gemacht 
zu haben, sobald man sie gemacht sieht, obgleich noch ein Sprung 
notig war, so schmerzt es unendlich mehr, tausend kleine Gefuhle 
und Gedanken, die wahren Stiitzen menschlicher Philosophic, 
nicht mit Worten ausgedriickt zu haben, die, wenn man sie von 



HEFT H 137-146 



197 



andern ausgedruckt sieht, Erstaunen erwecken. Ein gelernter Kopf 
schreibt nur zu oft, was alle schreiben konnen, und laBt das zuriick, 
was er schreiben konnte, und wodurch er verewigt werden wiirde. 
Solche Bemerkungen, wie Hartknopf beim Ziehbrunnen macht, 
habe ich in meinem Leben sehr viele gemacht. [141] 

Fur den Geist des Menschen ist nicht minder gesorgt, als fur den 
Leib der Tiere; was hier Trieb und Kunsttrieb heiBt, ist dort ge- 
sunder Menschenverstand. Beide sind einer Erstickung fahig, nur 
mit dem Unterschiede, daB das Tier diese nur von auBen, der 
Mensch auch von innen erhalten kann. Das Tier ist fiir sich immer 
Subjekt, der Mensch ist sich auch Objekt. [142] 

Wenn die Welt noch eine unzahlbare Zahl von Jahren stent, so 
wird die Universalreligion gelauterter Spinozismus sein. Sich selbst 
iiberlassene Vernunft fiihrt auf nichts andres hinaus, und es ist un- 
moglich, daB sie auf etwas andres hinausfuhre. [143] 

Im ReligionshaB liegt sicherlich etwas Wahres, also vermutlich 
etwas Nutzliches. Ich wunschte sehr, man mochte dieses ausfmden. 
Unsere Philosophen sprechen vom ReligionshaB als von etwas, 
das sich vielleicht wegraisonnieren HeBe ; das ist aber sicherlich nicht. 

[H4l 

Eine der groBten Raffinerien des menschlichen Geistes ist unstrei- 
tig die, daB man der Menschen Hoffnungen auf einen Zeitpunkt zu- 
sammengezogen hat, von welchem sich (wenigstens mit geometri- 
scher GewiBheit) nie etwas Entscheidendes/wr oder wider ausmachen 
lassen wird; obgleich ein undeutliches Gefiihl, das schwer zu ent- 
wickeln ist, nur allzu deutlich zeigt, daB alles nichts ist. [145] 

Ich und mich. Ich fuhle mich - sind zwei Gegenstande. Unsere 
falsche Philosophic ist der ganzen Sprache einverleibt; wir konnen 
so zu sagen nicht raisonnieren, ohne falsch zu raisonnieren. Man 
bedenkt nicht, daB Sprechen, ohne RCicksicht von was, eine Philoso- 
phic ist. Jeder, der Deutsch spricht, ist ein Volksphilosoph, und 
unsere Universitatsphilosophie besteht in Einschrankungen von 
jener. Unsere ganze Philosophic ist Berichtigung des Sprachge- 



I98 SUDELBUCHER 

brauchs, also, die Berichtigung einer Philosophic, und zwar der 
allgemeinsten. Allein die gemeine Philosophic hat den Vorteil, daB 
sie im Besitz der Deklinationen und Konjugationen 1st. Es wird 
also immer von uns wahre Philosophic mit der Sprache der falschen 
gelehrt. Worter erklaren hilft nichts; denn mit Wortererklarungen 
andere ich ja die Pronomina und ihre Deklination noch nicht. [146] 

Wir mogen uns eine Art uns die Dinge auBer uns vorzustellen ge- 
denken, welche wir wollen, so wird und muB sie immer etwas von 
dem Subjekt an sich tragen. Es ist, diinkt mich, eine sehr unphiloso- 
phische Idee, unsere Seele bloB als ein leidendes Ding anzusehen; 
nein, sie leihet auch den Gegenstanden. Auf diese Weise mochte es 
kein Wesen in der Welt geben, das die Welt so erkennte, wie sie ist. 
Ich mochte dieses die Affinitaten der Geister- und der Korperwelt 
nennen, und ich kann mir gar wohl vorstellen, daB es Wesen geben 
kb'nnte, fiir die die Ordnung des Weltgebaudes eine Musik ist, wor- 
nach sie tanzen konnen, wahrend der Himmel aufspielt. [147] 

Die groBte Inkonsequenz, die sich die menschliche Natur je hat 
zu Schulden kommen lassen, ist wohl gewiB, daB sich die Vernunft 
sogar unter das Joch eines Buches geschmiegt hat. Man kann sich 
nichts Entsetzlichers denken, und dieses Beispiel allein zeigt, was 
fiir ein hulfloses Geschopf der Mensch in concreto, ich meine in 
diese zweibeinige Phiole aus Erde, Wasser und Salz eingeschlossen, 
ist. Ware es moglich, daB die Vernunft sich je einen despotischen 
Thron erbauete, so miiBte ein Mann, der im Ernst das Kopernika- 
nische System durch die Auctoritat eines Buchs widerlegen wollte, 
gehenkt werden. DaB in einem Buche stent, es sei von Gott, ist 
noch kein Beweis, daB es von Gott sei; daB aber unsere Vernunft 
von Gott sei, ist gewiB, man mag nun das Wort Gott nehmen, wie 
man will. - Die Vernunft straft da, wo sie herrscht, bloB mit den 
natiirlichen Folgen des Vergehens oder mit Belehrung, wenn Be- 
lehren strafen genannt werden kann. [148] 

Man kann nicht genug beherzigen, daB die Extstenz eines Gottes, 
die Unsterblichkeit der Seele und dergleichen bloB gedenkbare, aber 
nicht erkennbare Dinge sind. Es sind Gedankenverbindungen, Ge- 
dankenspiele, denen nicht etwas Objektives zu korrespondieren 



HEFT H 146-150 199 

braucht. Es war ein groBer Fehler der Wolffischen Philosophic, 
daB sie den Satz des Widerspruchs auf das Erkennbare ausdehnte, 
da er doch eigentlich bloB das Denkbare angeht. [149] 

Wenn man iiber Idealismus in verschiedenen Stadiis des Lebens 
nachdenkt, so geht es gemeiniglich so : zuerst als Knabe lachelt man 
iiber die Albernheit desselben; etwas weiter findet man die Vorstel- 
lung artig, witzig und verzeihlich; disputiert gern dariiber mit Leu- 
ten, die sich ihrem Alter oder Stand nach noch im ersten Stadio 
befinden. Bei reifen Jahren findet man ihn zwar ganz sinnreich, sich 
und andere damit zu necken, aber im Ganzen kaum einer Wider- 
legung wert und der Natur widersprechend. Man halt es nicht der 
Miihe wert, weiter daran zu denken, weil man glaubt, oft genug 
daran gedacht zuhaben. Aber weiterhinbekommt er, bei ernstlichem 
Nachdenken und nicht ganz geringer Bekanntschaft mit mensch- 
lichen Dingen, eine ganz uniiberwindliche Starke. Denn man darf 
nur bedenken, wenn es auch Gegenstande auBer uns gibt, so konnen 
wir ja von ihrer objektiven Realitat schlechterdings nichts wissen. 
Es verhalte sich alles wie es wolle, so sind und bleiben wir ja doch 
nur Idealisten, ja wir konnen schlechterdings nichts andres sein. 
Denn alles kann uns ja nur bloB durch unsere Vorstellung gegeben 
werden. Zu glauben, daB diese Vorstellungen und Empfmdungen 
durch auBere Gegenstande veranlaBt werden, ist ja wieder eine 
Vorstellung. Der Idealismus ist ganz unmoglich zu widerlegen, weil 
wir immer Idealisten sein wiirden, selbst wenn es Gegenstande 
auBer uns gabe, weil wir von diesen Gegenstanden unmoglich et- 
was wissen konnen. So wie wir glauben, daB Dinge ohne unser Zu- 
tun auBer uns vorgehen, so konnen auch die Vorstellungen davon 
ohne unser Zutun in uns vorgehen. Wir sind ja auch ohne unser Zu- 
tun geworden, was wir sind. Die Ursache, warum so viele Men- 
schen dieses nicht fiihlen, ist, daB sie mit dem Wort Vorstellung 
einen sehr unvollstandigen BegrifF verbinden, namlich den von 
Traum und Phantasie. Dieses sind freilich Gattungen von Vorstel- 
lungen, aber sie erschopfen das Genus nicht. Hierin liegt unstreitig 
der Grund des MiBverstandnisses. Man muB erst eins werden iiber 
das, was man unter Vorstellungen versteht. Sie sind sicherlich von 
verschiedener Art, aber keine enthalt irgend ein deutliches Zeichen, 
daB sie v on aufien komme. Ja, was ist auf en ? was sind Gegenstande 



200 SUDELBUCHER 

praeter nos? Was will die Proposition praeter sagen? Es ist eine bloB 
menschliche Erfindung; ein Name, einen Unterschied von andern 
Dingen anzudeuten, die wir nicht praeter nos nennen, Alles sind 
Gefuhle. [150] 

Auflere Gegenstande zu erkennen, ist ein Widerspruch; es ist dem 
Menschen unmoglich, aus sich heraus zu gehen. Wenn wir glauben, 
wir sahen Gegenstande, so sehen wir bloB uns. Wir konnen von 
nichts in der Welt etwas eigentlich erkennen, als uns selbst, und die 
Veranderungen, die in uns vorgehen. Eben so konnen wir unmog- 
lich fiir znderefuhlen, wie man zu sagen pflegt; wir fuhlen nur fiir 
uns. Der Satz klingt hart, er ist es aber nicht, wenn er nur recht ver- 
standen wird. Man liebt weder Vater, noch Mutter, noch Frau, 
noch Kind, sondern die angenehmen Empfindungen, die sie uns 
machen; es schmeichelt immer etwas unserem Stolze und unserer 
Eigenliebe. Es ist gar nicht anders moglich, und wer den Satz leug- 
net, muB ihn nicht verstehen. Unsere Sprache darf aber in diesem 
Stticke nicht philosophisch sein, so wenig als sie in Riicksicht auf 
das Weltgebaude kopernikanisch sein darf. Aus nichts leuchtet, 
glaube ich, des Menschen hoherer Geist so stark hervor, als daraus, 
daB er sogar den Betrug ausfindig zu machen weiB, den ihm gleich- 
sam die Natur spielen wollte. Nur bleibt die Frage ubrig: wer hat 
Recht, der, welcher glaubt, er werde betrogen, oder der es nicht 
glaubt? Unstreitig hat der Recht, der glaubt, er werde nicht betro- 
gen. Aber das glauben auch beide Parteien nicht, daB sie betrogen 
werden. Sobald ich es weiB, so ist es kein Betrug mehr. Die Erfin- 
dung der Sprache ist vor der Philosophic hergegangen, und das ist 
es, was die Philosophic erschwert, zumal wenn man sie andern ver- 
standlich machen will, die nicht viel selbst denken. Die Philosophic 
ist, wenn sie spricht, immer genotigt, die Sprache der Unphiloso- 
phie zu reden. [151] 

Die verminftigen Freigeister sind leichte fliegende Corps, immer 
voraus und die die Gegenden rekognoszieren, wohin das gravita- 
tische geschlossene Corps der Orthodoxen am Ende doch auch 
kommt. [1 52] 

Sachen, die man mit dem Zirkel geteilt hat, unterwirft man doch 
auch noch dem AugenmaB, um zu sehen, ob man nicht grobe Feh- 



HEFT H 150-159 201 

ler begangen. So muB man das Resultat seiner Schliisse der Probe 
des gesunden Menschenverstandes aussetzen, um zu sehen, ob alles 
richtig zusammenhangt. [153] 

So wie das hochste Recht das hochste Unrecht ist, so 1st auch 
umgekehrt nicht selten das hochste Unrecht das hochste Recht. 

[i54] 

Es gibt viele Bemerkungen, die man sich ofters aus falscher Philo- 
sophic bekannt zu machen schamt, so wie man auch, wenn man 
Englisch oder Franzosisch lernt, aus falscher Scham manche Tone 
nicht nachspricht, ob man es gleich konnte. Ich lag einmal in meiner 
Jugend des Abends um 11 Uhr im Bette und wachte ganz helle, 
denn ich hatte mich eben erst niedergelegt. Auf einmal wandelte 
mich eine Angst wegen Feuer an, die ich kaum bandigen konnte, 
und mich diinkte, ich fiihlte eine immer zunehmende Warme an 
den FuBen, wie von einem nahen Feuer. In dem Augenblicke fing 
die Sturmglocke an zu schlagen, und es brannte, aber nicht in meiner 
Stube, sondern in einem ziemlich entfernten Hause. Diese Bemer- 
kung habe ich, so viel ich mich jetzt erinnern kann, nie erzahlt, weil 
ich mir nicht die Miihe geben wollte, sie durch Versicherungen 
gegen das Lacherliche, das sie an sich zu haben scheint, und mich 
gegen die philosophische Herabsehung mancher der Gegenwarti- 
gen zu schiitzen. [155] 

Wenn ich je eine Predigt drucken lasse, so ist es uber das Vermogen 
Gutes zu tun, das jeder besitzt. Der Henker hole unser Dasein hie- 
nieden, wenn nur der Kaiser Gutes tun konnte. Jeder ist ein Kaiser 
in seiner Lage. [156] 

Das Wort Gottesdienst sollte verlegt, und nicht mehr vomKirchen- 
gehen, sondern bloB von guten Handlungen gebraucht werden. 

[157] 

Die Menschen denken uber die Vorfalle des Lebens nicht so ver- 
schieden, als sie dariiber sprechen. [158] 

Wenn Religion der Menge schmecken soil, so muB sie notwendig 
etwas vom haut gout des Aberglaubens haben. [159] 



202 SUDELBUCHER 

Die Tonsur der Zeit und die Corona civica der Debauche um 
die Schlafe. [160] 

Ich bin nicht der Meinung, die Erde zum Hospitalplaneten zu 
machen. [161] 

Er ist in eigenhandiger Person hinaufgestiegen. [162] 

Ein Mittagsmahl iibersetzte ein Franzose : mal de midi. Sie sind 
in Gottingen ofters wahre maux de midi. [163] 

Er hatte mehrere Krankheiten, allein seine Hauptstarke besaB er 
tm asthmatischen Fache. [164] 

Warum schielen die Tiere nicht? Dies ist auch ein Vorzug der 
menschlichen Natur. [165] 

Der Esel kommt mir vor wie ein Pferd ins Hollandische iibersetzt. 

[166] 

Wenn man jemanden bezahlt, der nur eine gewisse, scharf be- 
stimmte, Summe erwarten und fordern kann, nichts mehr und nichts 
weniger, so bezahlt man ihn, ohne das Geld in Papier zu wickeln; 
ist die Summe unbestimmt, so bezahlt man im Papier, sich und dem 
Einnehmenden alle Mienensprache zu ersparen. Es ist noch mehr 
hierin. [167] 

Das Sammeln und bestandige Lesen ohne Obung der Krafte hat 
das Unangenehme, welches ich seit einigen Jahren (1788 geschrie- 
ben) bei mir bemerke, daB sich alles an das Gedachtnis und nicht an 
ein System hangt. Daher fallen mir beim Disputieren oft die besten 
Argumente nicht so leicht bei, wie wenn ich allein bin, oder eigent- 
lich, ich muB mir wirklich erfinden was ich schon wuBte, aber ge- 
meiniglich erst in dem Augenblicke erfahre ich, daB ich es wuBte, 
wenn es mir nichts niitzt, es gewuBt zu haben. [168] 

Wir glauben, daB wir frei waren in unseren Handlungen, so wie 
wir im Traume einen Ort fur ganz bekannt halten, den wir gewiB 



HEFT H 160-171 203 

jetzt zum ersten Male sehen. So traumte mir in der Nacht vom 
23— auf den 24— Oktober 1788, ich hatte mich in eine Stadt ver- 
irrt, von der mir nicht einmal der Name im Traume bekannt war 
und endlich, als ich in der Feme eine zerfallene Bogenstellung be- 
merkte, war ich froh, weil ich die von meinem Garten aus sehen und 
also mein Haus nicht weit sein konnte. Beim Erwachen fand ich 
aber schon, dafi ich nie in meinem Leben an einer solchen Bogen- 
stellung gewohnt hatte usw. In meinen Traumen findet sich mehr 
dergleichen. [169] 

In meinem sechsundvierzigsten Jahre fing ich an, die langsten 
und kiirzesten Tage des Jahrs mit einer Art von Interesse zu beobach- 
ten, das gewiB die Frucht dieses Alters war. Alle Merkmale der Ver- 
ganglichkeit bei Dingen auBer mir, waren mir Meilenzeiger meines 
eigenen Lebens. Und selbst die hohere Weisheit (wie ich sie in die- 
sen Jahren zu nennen beliebe), alles dieses zu bemerken, wurde 
verdachtig. [170] 

Als ich 27 Jahr alt war, wurde ich Professor in Gottingen. Damals 
sagte ich zu den Purschen, die mich gruBten, ganz gehorsamer Diener. 
Als ich Hofrat war, sagte ich bei dieser Gelegenheitr^wsr untertanig- 
ster Diener. Wie ich zu diesem doppelten Superlativ kam, begreife 
ich bis auf diese Stunde nicht. Influenza der Zeit. [171] 



204 sudelbucher 

Physikalische und philosophische Bemerrungen 



Was bin ich? Was soil ich tun? Was kann ich glauhen und hoffen? 
Hierauf reduziert sich alles in der Philosophic Es ware zu wunschen, 
man konnte melir Dinge so simplizifizieren; wenigstens sollte man 
versuchen, ob man nicht alles, was man in einer Schrift zu traktieren 
gedenkt, gleich anfangs so entwerfen konnte. [172] 

Man muB nicht zu viel in Buchern hlattern iiber Wissenschaften, 
die man noch zu erlernen hat. Es schlagt oft nieder. Immer nur das 
Gegenwartige weggearbeitet! [173] 

Zu denken, wie man allem eine bessere Einrichtung geben kann, 
Zeitungen, Schuhen, Schrittzahlern usw., ist gewiB eine herrliche 
Regel und leitet immer an etwas. Ein Philosoph muB sich urn alles 
bekummern; und iiber alles, auch die gemeinsten Dinge, zu schrei- 
ben, befestigt das System mehr, als irgend etwas. Man erhalt da- 
durch Ideen und kornmt auf neue Vorstellungen. Die Gelehrtesten 
sind nicht immer die Leute, die die neuesten Ideen haben. [174] 

Zu einer allgemein brauchbaren Grundlage zu Vorlesungen sind 
die meisten Handbiicher der Physik zu weitlauftig; es fehlt ihnen an 
der aphoristischen Kiirze und der Prazision des Ausdrucks, der zu 
einem solchen gehort. Ein zu einer Grundlage brauchbares Lehrbuch 
muB nur den Kern seiner Wissenschaft oder Kunst in der gedrangte- 
sten Kiirze enthalten, daB der Lehrer in jeder Zeile leichte Veranlas- 
sung frndet das Angegebene zu erklaren. [175] 

Ja den Begriffder Materie recht fest zu setzen. Wir eignen ihrem 
innern Raume Undurchdringlichkeit, Widerstand zu, bedenken 
aber nicht, daB dieses alles Wirkungen von Kraften sein konnen und 
miissen. Dieses fiihrt vortre££lich auf die Kantische Darstellung. Es 
konnte also der Anfang einer Naturlehre gar gut so gemacht wer- 
den, daB man mit dem BewuBtsein anfinge, alsdann zeigte, daB alles 
was wir denken und empfinden bloBes BewuBtsein der Modifika- 
tionen unsers Selbst sind usw. Meditandum et tentandum. [176] 



HEFT H 172-182 205 

Jeder Paragraph in der neuen Physik sollte so behandelt werden* 
daB man sahe, da8 man ihn nicht abgeschrieben, sondern selbst 
dabei gedacht hat. [177] 

Es mu6 in der Physik fast alles neu untersucht werden, selbst die 
bekanntesten Dinge, weil man gerade da am wenigsten etwas 
Neues oder Unrichtiges vermutet. Z.B. Entsteht das Licht nicht erst 
auf unserer Erde? 1st alle Warme von einerlei Natur? 1st es so ganz 
einerlei eine Flasche mit einer Schwefel- oder mit einer Gtekugel 
negativ zu laden, und umgekehrt? [178] 

Nur ja keine Materie fiir erschopft anzusehen; es gibt iiberall 
noch etwas. [179] 

Nur keine Indolenz, wo Vernunft herrscht! Montgolfiers Er- 
flndung war in meiner Hand. [180] 

Eigentlich glaube ich, alle Schwierigkeiten, die wir bei den Er- 
klarungen der Erscheinungen der KSrperwelt finden, flnden sich 
erst, nachdem wir anfangen iiber die Ammen-Instruktion hinaus 
zu gehen und deutlicher zu sehen. Hatten wir gleich von Kindheit 
an deutlich gesehen, so wiirden uns die gemeinsten Eigenschaften 
der Korper eben so unerklarlich scheinen, als die mehr zusammen- 
gesetzten, fiir die wir aufhoren Kinder zu sein, weil wir sie nicht 
eher zu schatzen wissen, als bis wir uns mit dem ganz Unbegreif- 
lichen, Tragheit,Undurchdringlichkeit erst bekannt gemacht haben. 
Von Kindheit an alles deutlich zu sehen ist aber nicht moglich; wir 
miissen erst etwas bloB glauben und empfinden, dieses verwachst 
mit uns, und diese Meinung ist ein Teil unsers Korpers geworden, 
ehe wir einmal wissen, was wir selbst sind. Der Himmel hat also 
auch hier eine Menge von Dingen nicht unsrer Willkur iiberlassen, 
so wenig als das Pochen des Herzens ; aber uns doch am Ende auch 
wieder die Kraft gegeben, aus dem mit BewuBtsein Erlernten 
ruckwarts zu gehen, und hernach zu korrigieren, was unkorrigiert 
hatte bleiben konnen, wenn wir in dem Stande der Wildheit ge- 
blieben waren. [181] 

Waren die elektrischen Erscheinungen in der Natur gemeiner als 
die des Feuers, so wurde unsere ganze Physik umgekehrt werden. 



206 SUDELBUCHER 

Aber das Mehr und Weniger ist fiir die eigentlich philosophische 
Betrachtung Nichts. Das ist es eben, was uns die Erklarung in den 
Erscheinungen der Natur so schwer macht, daB wir auf das Allge- 
mein-Verbreitete zu viel rechnen, und auf das kraftige Seltnere zu 
wenig Rucksicht nehmen und leider nehmen konnen. Wir wissen, 
wie wenig Stoff, nach Volumen und Gewicht geschatzt, notig ist, 
eine Menge StofFs zu verandern z.B. Sauerteig den ganzen Teig, 
Schlangengift, tollen Hundesgift, ein Piinktchen Vitriolol in Lack- 
mustinktur usw. [182] 

Es ware wohl sehr der Miihe wert, einmal recht zu untersuchen, 
warum wir von dem Ursprung der Bewegung nichts wissen. Ja es 
konnte dieses ein rechtes Kriterium werden, wo man anfangen oder 
aufhoren soil. Ich glaube nicht, daB man auf diesen sonderbaren 
Umstand immer stark genug geachtet hat. Es ist hier eine be- 
stimmtere Grenze als irgendwo, weil es nicht sowohl Mangel an 
Erfahrung, als vielmehr absolute Scheidewand zu sein scheint, wenig- 
stens ein Wink, wo sie zu suchen sei. [183] 

Auch einmal kochendes Wasser mit kochend heiBem Gemisch 
von Salpeter und Salmiakpulver zu mischen, um zu sehen, wie viel 
das Thermometer sinken wird. [184] 

Was wird aus dem bekannten Versuch, wenn man rauchenden 
Salpetergeist und Terpentinol sehr heiB zusammenmischt ? [185] 

In eine kleine glaserne Aolipile Terpentinspiritus, und in eine 
andere rauchenden Salpetergeist mit etwas Vitriolol gemischt zu 
fiillen und auf Kohlen zu legen, um die Dampfe gegen einander 
blasen zu lassen - was werden sie bei der Mischung geben? Flamme? 

[186] 

Einmal Blei in reiner dephlogistisierter, auch in gemeiner Luft 
bloB stark zu erhitzen - etwa durch ein Brennglas - aber nicht zu 
schmelzen, und die Luft nachher eudiometrisch oder sonst zu priifen, 
was der Geruch etwa fiir einen EfFekt auf dieselbe konnte gehabt 
haben. Auch auBer dem Eudiometer andere Probier-Mittel zu ge- 
brauchen. Mit einem Worte, zu untersuchen, was das eigentlich 



HEFT H 182-191 207 

ist, was bei den stark erwarmten Metallen eigentlich riecht, und ob 
2.B. Blei oder Zinn-Feilspane lange einer betrachtlichen Hitze, die 
aber nicht im Stande ist sie zu schmelzen, ausgesetzt, etwas von 
ihrem Gewichte verloren. [187] 

Es ist noch nicht ausgemacht, ob nicht Korper bei gleichen Gra- 
den der Warme einen verschiedenen Wirkungskreis haben, Lam- 
bert hat nur gezeigt, so viel ich weiB, daB die Warme abnimmt, wie 
das Quadrat der Entfernung zunimmt. Dieses hat aber mit dieser 
Frage nichts zu tun. Die Frage ist hier, ob eine silberne und bleierne 
Kugel vongleicher Masse undgleichem Durchmesser (die bleierne mufite 
ein wenig hohl gemacht werden,) und gleich stark erhitzt, die 
Warme gleich weit verbreiten. Hier wiirden Kapazitaten zum Vor- 
schein kommen. [188] 

Ich muB ja meinen alten Gedanken durchsetzen, daB es ein Feuer 
gibt, das fast ganzlich frei durch die Korper hinstromt, mit groBer 
Schnelligkeit, ohne anders zu warmen, als wo es aufgehalten wird ; 
und daB dieses Aufhalten durch die Erschiitterung befordert wird, 
die das Reiben bewirkt. Es fliegt namlich eine Warme frei umher, 
mit der Geschwindigkeit des Lichts; diese wird beim Reiben ange- 
halten und wird sensibel. Eben dieses konnte bei der Elektrizitat 
Statt fmden. tJberhaupt verdiente das Anhalten des Fliichtigen viel- 
leicht eine eigene Betrachtung. [189] 

Es lieBe sich vielleicht ein Fluidum denken, worin alle Warme 
auf die Fliissigkeit ginge und nicht auf Erhohung der Temperatur, 
und das ware das Licht oder die elektrische Materie. [190] 

Konnte es nicht sein, daB sich die Warme zuweilen geschwinder, 
zuweilen langsamer ausbreitete? So viel ist gewiB, die Hitze eines so 
genannten schwedischen Ofens hat da, wo sie unertraglich ist, nicht 
das Schneidende des eisernen Ofens. Mir ist dabei, sobald ich es be- 
merkte, so etwas wie Geschwindigkeit eingefallen. Es konnte aber 
auch daher riihren, daB die schwedischen Ofen die Luft allmahlich 
und gleichformiger durchwarmen, so daB man dabei gleichsam wie 
in einem warmen Bade sitzt, und folglich einen geringen Uber- 
schuB von einer Seite nicht so sehr verspurt, als bei einem eisernen 



208 SUDELBUCHER 

Ofen, wo man sehr ungleichformig erwarmt werden kann. Dieser 
letztere Grund ist wohl der wahre. [191] 

Im Januarius 1788. bemerkte ich (Herr Klindworth war mit da- 
bei,) daB gekochtes Wasser, welches sehr warm in ein kleines Zucker- 
glas gegossen und mit ungekochtem kalten Wasser zugleich der 
Kalte ausgesetzt wurde, eher gefror als das letztere. [192] 

Herr D- Gehler im Art. Eis sagt, Mairan habe die alte Meinung, 
daB gekochtes Wasser eher gefriere, als ungekochtes, falsch befun- 
den. Vielleicht kann ich auch hier entscheiden. Ich habe es zuver- 
lassig wahr befunden, allein man muB das Wasser noch heiB mit 
dem ungekochten aussetzen. Dieser Versuch muB ja wiederholt 
werden. - Zu andern Zciten wollte es mit nicht gclingen. [193] 

DaB die Lichtflamme hohl ist, wie man sehr leicht zeigen kann, 
riihrt daher, weil die Dunste sich nur da entzunden konnen, wo sie 
Luft beriihren. Es ware also moglich ein Licht in einem Licht aus- 
zuloschen, wenn das letztere groB ware und man das erstere ge- 
schwind durch die brennende Rinde zuriickziehen konnte, ohne 
es wieder anzuziinden. Es ist ein artiger Versuch, daB, wenn man ein 
Spanchen Holz schnell ins Licht bringt, bis in die Mitte, so brennt 
es am Ende nicht so geschwinde, als an der Stelle, die an der Grenze 
der Lichtflamme liegt. Der Versuch erfordert etwas Geschicklich- 
keit. [194] 

Vielleicht steht noch einmal ein Priestley auf, der uns verschie- 
dene Feuer-Arten kennen lehrt, so wie wir verschiedene Luftarten 
haben. [195] 

Sollte wohl die strahlende Warme, da sie schon einige Eigenscha£ 
ten des Lichts hat, auch vielleicht die Pupille verengern? [196] 

Herr Deluc redet in seiner Meteorologie von hellen Nachten, die 
sich kaum erklaren lassen, wenn man nicht Entwickelung der Licht- 
materie annimmt. Konnte nicht das Leuchten der See eine ahnliche 
Entwickelung sein? [197] 



HEFT II 191-200 



209 



Wenn ein Gegenstand, wie z.B. der Mond am Horizonte, durch 
einen FehlschluB vergroBert wird, werden auch die einzelnen Teile 
deutlicher? So daB ich etwa einen Sonnenflecken, den ich bei hohe- 
rer Sonne nicht wiirde haben sehen konnen, alsdann erkennen 
konnte; oder im Monde am Horizonte Dinge sehen, die es unmog- 
lich ware im Meridian zu unterscheiden? [198] 

Eine Verbesserung des Bennetischen Elektrometers ware vielleicht 
folgende: Ein einfaches Goldblattchen wiirde aufgehangt, und von 
der Seite eine verschiebbare Kugel angebracht, die dem Blattchen 
so nahe gebracht werden konnte, als moglich. Sie konnte so ein- 
gerichtet werden, daB sie sich luftdicht verschieben lieBe. Ich glaube, 
daB man hiermit die kleinsten Grade der Elektrizitat messen 
konnte. Ein solches Elektrometer hatte folgende Vorzuge vor dem 
gewohnlichen: 1) es hat nur ein Goldblattchen, und daher findet das 
verdrieBliche Zusammenkleben nicht Statt. 2) konnte der Winkel 
sehr genau genommen werden. Man brauchte auch die Kugel je- 
desmal nur soweit hineinzudrucken, bis das Blattchen aus der Ver- 
tikalflache wiche ; und wenn der Draht, an dem die Kugel sitzt, ab- 
geteilt ware, so konnte man die Distanzen sehr genau nehmen. Die 
Kugel konnte im Feuer vergoldet werden und dadurch eine groBe 
Glatte erhalten. Das GefaB konnte eine vierseitige geschlifFene 
Flasche sein, deren eine Seite durchbohrt wiirde. 3) die Abweichung 
des Blattchens von der Vertikalflache konnte sogar durch eine Lupe 
oder sonst eine der Dioptern ahnliche Vorrichtung beobachtet 
werden. - Der Boden konnte angekiittet werden. Dieses hatte den 
Vorteil, daB man, wenn das Goldblattchen schon darin ware, die 
Luft mit gliihendem Kalch austrocknete und so auf immer ver- 
schlosse. (Aber wiirde nicht der Kiitt wieder Feuchtigkeit geben?) 

[i99] 

Nach der Entdeckung so vieler Trabanten ware es der Miihe wert 
zu suchen, ob nicht die Erde noch einen Mond habe. Dominicus 
Cassini sagte schon so etwas, und fand es wahrscheinlich wegen der 
groBen Distanz zwischen der Erde und der Venus. Nach dem Kep- 
lerischen Gesetz konnte er eine Umlaufszeit haben, die 312 Mai 
groBer ware, als die des Mondes, also etwa von 42 Jahren. Man 
konnte ihn gesehen und fur einen Kometen gehalten haben. Bailly 
Astron. moderne T. II. p. 449. [200] 



2IO SUDELBUCHER 

Es ist moglich, daB ein Korper einem andern Licht mitteilt, oder 
vielmehr in ihm erweckt, der selbst keines zeigt. So leuchten Stiick- 
chen von griinem FluBspat auf einer Feuerschaufel die zwar heiB, 
aber dunkel ist. Die Spitzen einer Hechel gegen einen stark gelade- 
nen, aber dunkeln, Konduktor gebracht, leuchten. Das St. Elms- 
Feuer wird durch eine dunkle Wolke verursacht. Es ware also mog- 
lich, daB ein dunkler Hauptplanet Licht in seinen Trabanten er- 
weckte, oder daB um eine dunkle Sonne sich leuchtende Planeten 
bewegten. 

In diesem Falle wiirden uns die Planeten Kreise um ein unsicht- 
bares Wesen zu beschreiben scheinen, gerade so wie in dem alten 
Systeme die Planeten um die Mittelpunkte ihrer Epicyklen. In den 
Mittelpunkt der Epicyklen setzten die Alten nichts. Wir nennen das 
unphysisch. Aber ist es begreiflicher, daB die Erde sich in einem 
Kreise bewegt, weil in dem Mittelpunkte desselben sich etwas 
Sichtbares auf halt, da doch durch den ganzen Raum, durch welchen 
der Zug ausgeubt wird, nichts sichtbar ist? Die Hauptsache ist 
immer unsichtbar. Was unser Auge bei diesem Umlauf gewahr 
wird, ist nicht das, was den Planeten halt. 

Es ist uberhaupt ein Beweis von der groBen Eingeschranktheit 
unserer Sinnlichkeit, daB wir gerade die Hauptsachen nicht sehen. 
Beim Magnet sehen wir seine Farbe, und fuhlen sein Gewicht, seine 
Undurchdringlichkeit, seine Harte; aber diese Eigenschaften sind 
es nicht - weder einzeln noch zusammengenommen - vermoge 
welcher er das Eisen zieht. Denn alle diese Eigenschaften besitzen 
auch andere Korper. [201] 

Ein physikalischer Almanach oder Taschenbuch fiir Physiker 
konnte noch ein mitzliches Buch werden. Der Kalender enthielte 
bloB den Gregorianischen und allenfalls noch den Julianischen, aber 
alles kurz. Keine Namen der Heiligen - denn was sollen die Heiligen 
in der Physik? - sondern bloB die Zeichen } <J mit den Haupt- 
festen und den Namen der Sonntage, ganz kurz und mit verstand- 
lichen Abbreviaturen. Hinter den Monatstagen konnten leicht 
7 Kolumnen verzeichnet werden fiir 3 Barometer- und 3 Thermo- 
meter-Beobachtungen taglich, und die siebente fiir den Wind, der 
am langsten gedauert hat. Auf dem Blatte gegemiber konnte man 
die Witterung und andere physikalische Vorfalle einzeichnen, auch 



HEFT H 201-205 



211 



herrschende Krankheiten. Vielleicht fande sich auch da noch eine 
Kolumne fur die Zeitgleichung. Nahme man zu jedem Monate 
4 Seiten (denn 3 Seiten zu nehmen ware nicht gut, weil dann gleiche 
Dinge nicht in alien Monaten auf ahnlich liegende Seiten fallen), so 
konnten noch eine Menge von Dingen angebracht werden: Mond- 
wechsel, Tagesanbruch und dergleichen. Anstatt der groBen Herren, 
die so wenig hierher gehoren, als die Heiligen, wiirde nach alpha- 
betischer Ordnung der Lander Geburt, Verdienst, Sterbejahr usw. 
von groBen verstorbenen Physikern in sehr biindiger Kurze an- 
gegeben, die Astronomen mit eingerechnet. An Ende gabe man das 
genaueste Verzeichnis der FuBe, Thermometer-Skalen usw. Die 
ausgearbeiteten Artikel waren nun die Hauptsache. Erst alle die vor- 
ziiglichsten Erfindungen in der Physik. Hierbei konnten Kupfer- 
stiche kommen. Preise der notigsten Instrumente in Deutschland, 
England und Frankreich. Beschreibung eines physikalischen Appa- 
rats. - Leben von groBen Physikern, zumal den neuern. [202] 

Hat man wohl je untersucht, warum die Nasen gesunder Hunde 
so kalt sind? Es konnte leicht die Absicht haben, daB sich manche 
Geriiche leichter darauf niederschliigen. [203 ] 

Hat man wohl prazise Versuche daruber, daB Milch bei einem 
Donnerwetter gerinnt? und ist dieses der Fall, wie wird es am na- 
tiirlichsten erklart? [ 204 ] 

Wird Wasser, auf das man Ol gieBt, heiBer als 212 Fahr. ehe es 
kocht? so wie es kalter wird als 32 ehe es friert. Es muB vorher recht 
luftleer gemacht werden. [205] 






GOLDPAPIERHEFT 
Winter 1789 



214 SUDELBUCHER 

Den 25 pS] Nov. 

grofie Mattigkeit in der Nacht, sogar Fu [relit] vor Ohnmacht. 

Alsdann ein kleiner Anfall, und urn XII Uhr Mittag der starkste 
den ich noch gehabt habe. 

Unempfindlichkeit an der ganzen rechten Seite. 

5mal Stuhlgang, einigemal mit Schneiden 

Den Abend Schwindel, Kopfweh mit einem Wort den ganzen 
Tag nicht [wohl]. Die Nacht auf den 

26^2 Novem. 

etwas weniges besser, aber groBe Mattigkeit nach dem Schlaf. 

Meine Hande fiirchterlich (gestern) Zucken in einzelnen kleinen 
Teilen des Leibes 

Schwindel, Brausen Klingen in den Ohren. Ziehen, Kalte Emp- 
fmdlichkeit in den FuBen. 

Compendium 
2^Blatt2-^Seite 
3-^ 2 I£ 



GOLDPAPIERHEFT I-14 215 

<( hira. Serperlos. nose E> [i] 

Uber ein Ohr gehen. [2] 

Herrn Richters Vorstellung von der Bewegung des Herzens, 
transzendent zu machen. [3] 

Der Bastillensasse Lenglet du Fresnoy. Er hat 6 bis 7mal darin 
gesessen. [4] 

Ehre ist unendlich viel mehr wert, als Ehrenstellen. [5] 

Unter die Bastarte gehdrt auchjephtha Buch der Richter cap. XL 

[6] 

Jomberts Tables Log[arithmiques] portatives sollen sehr gut sein. 
Paris 1783 
Hutton's Log. Tables, London 1785 ebenfalls. [7] 

Sehr merkwurdig ist: an account of the Life, writings pp ofjohn 
Napier by David Stuart Earl of Buchan. London 1788. 7s. 6d [8] 

Ein Naturheiliger Zar Peter S- Peter [9] 

<Hieriiber wollen wir das Gras ruhig wachsen lassen) [10] 

ad fatim [11] 

Man sieht nicht ein wozu eine Korperwelt niitzt, kann der Idea- 
list sagen da die unvermerkte Einwiirkung eines Geistes oder des 
Schopfers selbst eben dieses hatte tun konnen. [12] 

An Kohlreifs durchsichtigen Spiegel zu gedenken. [13] 

Es ist ein vortrefflicher Gedanke von Forster, den er irgendwo in 
seiner Obersetzung von Wilsons Pelew Islands auBert, daB uns das 
Komponierte im policierten Zustand gelauftiger ist, als das einfache. 
Es ist dieses ein reenter Hauptquell von Fallaciis, die den feinen er- 
kiinstelten Kopfen vorzuglich eigen ist. [14] 



2l6 SUDELBUCHER 

Was istDauer?nachmeinem System? [15] 

Wo wir keine lokale Empfindung haben, wo wir den Eindruck 
eigentlich nicht fiihlen auf die sinnlichen Werkzeuge konnen wir 
ja nichts auf unsern Korper reduzieren, Wer sein Auge nicht zu- 
halten u. s. v. konnte, der wiirde nicht wissen ob er mit dem Bauch 
sahe oder mit dem Kopf. 

Voigts Argument kurz und kraftig auszudrucken ware dieses. 
Wenn die Lichtstrahlen Nadelstiche waren, so wiirden wir die 
Stiche von unten oben fiihlen, aber stechen und sehen. 

Es muB also viel tiefer ausgeholt werden, namlich erst erwiesen 
werden daB wir mit dem Auge sehen, alsdann konnen wir von dem 
Ort im Auge reden. Wo stehen die Bilder des Inneren Auges, der 
Phantasmen? Gibt es da auch einen Ort? Wenn mir jemand mit 
einer Nadel an der Nase nahe beim Auge abwarts kratzt so fiihle ich 
dieses abwarts gehend, wenn aber jemand eine Rakete steigen sieht, 
oder eine Feuer-Kugel langsam sich erheben so geht das Bild auf der 
Tunika retina durch abwarts, wiirde auf der Farbenhaut der Weg 
mit der Nadelspitze kratzend bezeichnet, so konnte es sein, daB es 
jemanden vorkame als wiirde abwarts gekratzt. Hier wird der 
MaBstab fur oben und unten der Korper selbst, beim Auge ist es 
bloB dessen Bild, dessen eigentlichen Ort wir gar nicht gar nicht 
wissen. [i<5] 

Fur das Compend. Uber die Wiirkung einer stark verdichteten 
Luft ist noch wenig getan zumal was Wachstum der Tiere und 
Pflanzen tut. Die Versuche sind gefahrlich, und unbequem, die 
Haarlemer Societat hat fur den i[— ]Nov. 1790 eine Preisfrage 
aufgegeben dariiber. [17] 

Einwiirkung der Elektrizitat auf die Pflanzen. 
IngenhouB in Schwankhards Brief an Ehrmann. Journ. de Phys. 
Dez. 1785. [18] 

Darwider schrieb Duvarnier. ibid. Febr. 1786 [19] 

IngenhouB selbst in einem Brief an Molitor damals kannte In- 
genhouB noch nicht Gardini de Influxu Electricitatis atmosphaericae 



GOLDPAPIERHEFT 15-26 217 

in vegetantia die von der Lyoner acad. 1782 gekront wurde und 
1784 erschien. audi kannte er Bertholon[s] sehr entscheidend an- 
gefiihrte Versuch[e] in dessen Electricite des meteores noch nicht 
die 1787. erschien. - Nachher erhielt er sie priifte alles in einer 
Schrift Journ. de Phys. Mai 1788. und fand nichts von EinfluB [20] 

Herr Carmoy in einem Brief an den Marquis de Vichi. Journ. 
de Phys. behauptete dafi die negative Elektrizitat am meisten wach- 
sen mache. Diesen hat Herr Rouland widerlegt in einem Briefe an 
Herrn la Metherie. Journ. de Phys. Juillet 1789. Es ist alles nichts. 
Jedoch ist hier sehr zu beherzigen was der Abbe" d'Ormoy in Rozier 
Sept. 89 sagt. Er hat alles von IngenhouB falsch befunden. [2 1 ] 

<Herr Keate nennt sehr schon, jedes SchloB und jeden Riegel 
eine Satyre auf die biirgerlichen Vertrage,) [22] 

Die griindliche und scharfe Rezension von Roden's Anmer- 
kungen iiber Karsten, steht in der Literatur-Zeitung vom Monat 
octobr. 1789. Das Stuck habe ich vergessen. [23] 

<Ein Charakter, der so wie es meine Gewohnheit ist, die Hunde 
und andere Tiere redend einfuhrte konnte ein gutes Roman-In- 
gredienz werden.) [24] 

(Aeorologie) Compend. [25] 

Des Pater Cotte Observationen iiber die Perioden in den tag- 
lichen Veranderungen der Magnetnadel finden sich im Journal de 
Phys. T. 29. p. 189; T. 30 p. 349; T. 32. pag. 282. und T. 35 p. III. 
pag. 35.- Am letzten Ort bemerkt er, daB die tagliche Variation 
von morgens 8 Uhr bis Nachmittag urn iUhr zunehme(vonNor- 
den nach Westen) und von da an bis abends um 9 abnehme etwas 
ganz Ahnliches hat Saussure auf Col du Geant von der Elfektrizitat]. 
bemerkt sie nimmt von 4 Uhr morgens bis Nachmittag um 1,2 
Uhr zu, wo sie ihr Maximum erreicht. Was aber die Variation in 
Rucksicht auf Monate betrifft, so wachst sie vom November bis in 
den Marz, und nimmt alsdann bis in den September ab. Bekanntlich 
aber nimmt die Elfektrizitat], in den Sommer-Monaten zu. Die 



218 SUDELBUCHER 

groBte Variationen trefFen mit der Erscheinung des Nordlichts zu- 
sammen. P. Cotte hat eines daher voraus gesagt. Den 27. Marz 1789. 
Niemand wird heutzutage mehr die tagliche periodische Variation 
der Magnet-Nadel leugnen. Dieses ist das Faktum: Was ist aber die 
Ursache. Die weifi man nicht. Man sehe hiertiber eine vortrerfl. 
Abhandl. in dem VIII[— ] Bande der Memoires des savans etrangers, 
von Herrn van Swinden. [26] 

Im Journ. de physique Mai 1789 steht eine Beschreibung einer 
neuen Luftpumpe von Herrn Cazalet. Hierauf bezieht sich auch 
ein Aufsatz im Julius desselbenjahres von Abt Hervieu. [27] 

Die Schildkroten leben oft noch 2 Monate nachdem ihnen der 
Kopf abgeschnitten ist. Broussonet. Rozier. Julius 1789. p. 68. DaB 
die Kroten so lange eingesperrt leben konnen ohne ihre Luft zu ver- 
derben ist ein Zeichen daB hier kein Crawfordischer ProzeB vor- 
gehen kann, daher sind sie auch kaltblutig. [28] 

Esame della Teoria del Calore del Sgr. Crawford pp par M, Leo- 
pold Vacca Berlinghieri. [29] 

<Das Konigreich Granada (denn in Spanien sind die Konigreiche 
nicht sehr groB.> [30] 

Ich glaube man lastert den Namen Christi wenn man die katho- 
lische Religion, so wie sie in Spanien und Portugal herrscht unter 
die christliche nennt. [31] 

Zu Erlauterung des Bauchredens konnen auch die papierene Don- 
ner-Wetter bei dem Guckkasten geniitzt werden. [32] 

<Wenn das neue Testament genau die Vorschriften der christ- 
lichen Religion enthalt, so ist die katholische schwerlich eine christ- 
liche. Es steht auch sogar da: trinket alle daraus. Die katholische Re- 
ligion hat ihre jetzige Form zu den Zeiten der grobsten Unwissen- 
heit erhalten, die die Gemuter fesselte, und jetzt soil ihr der Mensch 
noch anhangen, dem man den Gebrauch der Vernunft wieder ge- 
stattet hat, dieses ist unmoglich, und kann nur bloB durch Feuer und 
Schwert erhalten werden.) [33] 



GOLDPAPIERHEFT 26-41 219 

Wenn man Sekunden zahlt ohne Uhr bloB nach einem gewissen 
Gefiihl so ist es eine groBe Frage ob diese Sekunden, alle einander 
gleich sind zu einer Zeit wie zur andern. [34] 

<Wie wenig Ehre es einem Maler macht Tiere durch seine Vor- 
stellungen zu betriigen habe ich heute den 2— Nov. 89 recht deut- 
lich gesehen, da sich mein Rotkehlchen durch ein Schlusselloch 
betriigen HeB und es fiir eine Fliege hielt.> [35] 

Uber das Feuer. Ein Beitrag zu einem Unterrichts-Buche aus 
der Naturlehre von Joseph Weber Landshut. 1788. Enthalt viele 
gute Notizen. [36] 

Herr Blumenbach merkt an, daB ob gleich die Bienen kalt- 
bliitig sein, dennoch die Warme eines ganzen Stocks der vom 
menschlichen Blute gleich sei. [37] 

Ausdunstung und Niederschlag bei meteorologischen Beobach- 
tungen, wie sie gewohnlich angegeben werden fiihren auf nichts. 
Denn die Oberflache der Erde wird durch die Pflanzen vermehrt. 
Herr Sam. Williams (Philos. Transact, of the American Society. 
Vol II.) hat unter andern gefunden, daB : 

Ein Zweig von 1 jungen Apfelbaum a 23 Gr. Gewicht 

jungen Erlen a 30 Gran 

Pflanze Frauenminze 22 Gr. 

Klee-Pflanze 43 Gr. 

in einem zyl. GefaB von 3 * Durchmesser in Wasser gestellt so viel 
ausdunsten als 70 nZoll Wasser-Flache. [38] 

Uber den Zug der Heringe von Gilpin in eben diesen Transact, 
konnte zum Kalender dienen. [39] 

Den Gedanken bekannt zu machen, was auf die Wande der Toll- 
hauser geschrieben worden ist von den Bewohnern derselben ver- 
dient Beherzigung. [40] 

h la cryptocatholicisme. konnte eine Frisur im Taschenkalender 
werden. [41] 



220 SUDELBUCHER 

Aus Frankreich wird Schnupftabak nach Spanien, und aus Spa- 
nien nach Frankreich gesmuggelt. [42] 

Uber die btirgerliche Verbesserung der Sperlinge. [43 ] 

Vorschldge zu Kalender-Kupfern 

1) 12 der groBten Begebenheiten dieses Jahrhunderts 

2) vielleicht zur Voyage du jeune anarchasis 

3) Zu den Komodien der Kaiserin von RuBland. NB. Z.E. Der 
Familienzwist pp. 

4) Vielleicht auch allegorische Kupfer. Eine Germania wie ihr 
geraten wird in 12 Fallen. [44] 

Lorenzens chem. phys. Untersuchung des Feuers. Kopenh. 
1789. 10 Gr. [ 45 ] 

Wenn ich nur einen rechten EntschluB fassen konnte gesund zu 
sein ! valere aude statt sapere aude. [46] 

Ja aus England kommen zu lassen Nicholson's Treatise on natural 

philosophy welchen Crawford, p. 205 der neuen deutschen Uber- 

setzung anfuhrt, ist schon deutsch da. Siehe mein neustes Compen- 

, dium p. 14 oben am Rande. [47] 

Der Weinwachs konnte mit Stromen verglichen werden: Der 
Portwein entspringt in Portugal und ergieBt sich in England, wo 
sich denn einige kleine Branntwein-Bachlein pp. auch das Aus- 
breiten anderer Dinge konnte durch dieses Bild dargestellt wer- 
den. [48] 

Ist das wahr, daB der Kampfer-Baum ofters iiber 300 FuBe hoch 
wird und ihn 20 Manner kaum umklaftern konnen? [49] 

Anstatt die Marschroute des Schicksals so zu zeichnen, wie sie 
von diesem standhaften Heerfiihrer genommen worden, zeichnete 
er eine die es nehmen sollen oder wenigstens nehmen konnen. [50] 

Higgins's comparative View of the phlogistic and antiphlogistic 
Theories. 8 — London 1789. 7 s. [51] 



GOLDPAPIERHEFT 42-59 



Diese Krankheit ist mir gewiB in allerlei Riicksicht zum Ziel 
meines bisherigen Lebens gesetzt, ich mag nun sterben oder leben. 
Jedes Gefiihl undjeder Gedanke verkiindigt mir dieses. [52] 

Wenn unser ganzer Erdball aus Wasser bestiinde, wiirde wohl 
Ol gegen denselben schwerer sein? [53] 

Form die Bestimmung, die Art etwas zu denken; Materte das 
Bestimmbare das Gegebene. [54] 

Die Gewitter stiften viel moralisches Gute, sie legen Familien- 
Zankerein bei, wenn sich die Leute namlich furchten. Die Freude 
daB sie voriiber sind mit der unschadlichen Majestat des Abzugs 
derselben, offhet die Herzen pp. Vielleicht dachte Lavater so etwas, 
als er sich so sonderbar gegen mich auBerte. [55] 

<In ein Lehrbuch. Viele Sachen in den wenigsten Worten; mehr 
Literatur als Raisonnement ; unumschrankte Wahrheits-Liebe und 
Bescheidenheit.) [56] 

Die Gottingischen Scharwachter machen es wie die Katzen : wenn 
diese eine Maus gefangen haben, so lassen sie sie laufen und ver- 
suchen ob sie sie nocli einmal erhascben konnen. Den Katzen ge- 
lingt dieses gemeiniglich, allein den Scharwachtern selten oder 
niemals. [57] 

Inniges Gefiihl von Gliickseligkeit sie bestehe worin sie wolle 
mit dem EntschluB sich durch Tugend dauerhaft zu machen ist 
Dank gegen das Wesen in welchem oder durch welches ich bin, es 
sei nun der Gott der Christen oder der des Spinoza. [58] 

Ist es nicht hochst sonderbar, daB der Blitz der sich doch mit einer 
solchen Schnelligkeit bewegt so selten oder niemals in einer graden 
Linie geht und sich so leicht lenken laBt man sieht also iiberhaupt 
daraus daB der Zug eben nicht sehr in die Feme geht, sondern nur 
von einen nach den andern in eine groBe Nahe. Die mit dem auro 
musivo belegte Platte, oder noch besser die mit den Aventurin- 
Spanen oder metallischen Sand, Aventurin-Glanz bestreute Platte. 

[59] 



222 SUDELBUCHER 

Die Genealogie mancher Natur-Erscheinungen zu verfolgen. 
Z.E. beim Verbrennen wird gebundenes oder latentes Feuer frei, 
also muB es ja doch auch wieder einen Weg geben auf welchem es 
wieder gebunden werden kann. Z.E. wird bei jeder Verbrennung 
dephlog. Luft zersetzt, so muB ja wieder dephlog. Luft zusammen 
gesetzt werden konnen, und so mit Elektrizitat ebenfalls, wenn sie 
anders chemisch entwickelt wird. [60] 

Die Finnenwurmer haben sich auch im Menschen gefunden 
wird allgem. d, Biblioth. 89. B. 1. Abt. p. 139 gesagt, stent auch 
schon im Blumenbach. p. 463. Der Mann in dessen Leichnam man 
sie fand war iibrigens robust und gesund. Sie saBen in den Muskeln. 

[61] 

Die Einschachtelung des Organismus namlich des Organischen 
besteht (nach unsern Begriffen wenigstens) aus dem Nicht-Organi- 
schen, dieses konnte aber eigentlich nur so viel sagen aus einem 
Organismus, der uns wenigstens [als nicht-organisch erscheint]. 
Armeen, Regimenter, Soldaten einzeln. Zuweilen kann ein Graben 
mehr tun als ein Regiment. [62] 

Wie ist es am besten anzufangen die brauchbarsten Wahrheiten 
sich immer gegenwartig zu machen, und ihre Summe zu vermehren. 
Z.E. Ich weiB eine Menge von Dingen, sie sind mir aber nicht ge- 
lauiig und fallen mir beim Disputieren nicht ein. Wie ist diese Ab- 
senz zu verbessern. [63] 

Werner vom Feuer ist rezensiert allg. d. Biblioth. Band 89. 
1. Abt. S. 144 [64] 

Grundliche Anweisung Vogel auszustopfen und besonders gut 
zu konservieren. Leipzig 1788. 8. ist ein sehr vortrefFliches Werk- 
chen. Der Rezensent in der allg. d. Bibl. 89^2 Band p. 151. merkt 
an, daB Herr Engelmann zu Quedlinburg bediente sich eines sehr 
simpeln Mittels, das aber Wunder tat. Er nahm - nie einen jungen 
oder sich mausernden Vogel dazu, in dessen Kielen noch Blut war, 
und rieb den Balg mit feiner Tabaksasche, Alaun und Kampfer aus, 
so erhielten sich sogar uneingeschlossene auf 18 Jahre in einem 
kleinen und feuchten Hause. [65] 



GOLDPAPIERHEFT 60-77 



223 



Die Liste von alten Menschefn] stent im Whitehurst (Kalender). 

[66] 

(Kalender) 

Neuste Reise durch Corsika mit Bemerkungen liber die natiirliche 
Geschichte des Landes aus dem Franz, des Abt Gaudin. Leipzig. 
Weygand. 1788. 8— sehrgut. [67] 

Den Teil der Wissenschaft organisieren driickt sehr gut aus, was 
ich sonst durch AnschlieBen Anpassen gegeben habe. [68] 

Walkers Haupt-Abhandlung uber die gefrierenmachenden 
Materien stehen Philos. Transact. Vol. 78. P. II. for the Year 1788. 
Fein pulveris. Salp. und Salmiak aa im Sommer in eine Schtissel 
welche in V a 50 gemischt und gekiihlt und denn mit Brunnen- 
Wasser vermischt brachte das Therm, auf 14 [69] 

Ich dachte ich miiBte ihm einen kleinen Stich zuspielen um ihn 
zu trosten. [ 7 o] 

Herr Spath iiber die Fehler beim Winkelmessen pp sehr gut. [7 1 ] 

Des Herzogs von Gotha Toise kostet 1000 Livres. [72] 

Handbuch des deutschen Munz-, MaB- und GewichtsfuBes von 
Gerhardt Berlin 1788. Es sollen noch mehrere Teile folgen (vor- 

trefflich), [ 73 ] 

Didaktischer Roman, der durch Vorschriften und nicht durch 
Beispiel bessert. [74] 

The botanic garden. Ein vortreffliches Gedicht a poem with 
philosophical notes. [75] 

Mehlkleister bindet nicht mehr, wenn er einmal gefroren war. 
Warum? Das Faktum ist wenigstens gewiB. [76] 

Der Krieg trieb die Bauren nach den Maierhofen und der Burg, 
so wurden Stadte 11 80-1209 waren Minden, Gottingen und 



224 SUDELBUCHER 

Northeim noch keine Stadte, also vor 600 Jahren noch nicht. Urn 
diese Zeit etwa mit einem Spiel-Raum von etliche 40 Jahren sind 
alle hiesige Stadte entstanden. Northeim Hildesheim, Eimbeck 
Osterode, Munden, Miinder Holzminden, Hameln pp. [ 77 ] 

Es ist notig alle seine Kenntnisse umzuriihren und sich dann 
wieder setzen zu lassen, um zu sehen wie sich alles setzt. Nach un- 
serer Erziehung wird alles angebaut wie musivische Arbeit, es 
wird zum Verschicken gepackt, da man vielmehr hatte alles nach 
seiner spezifischen Schwere sich setzen lassen sollen. Dieses Bild 
weggelassen und in Raisonnement aufgeloset, wird gut werden. [78] 

Die Rezensionen sind bei weitem noch keine Gottesurteile. [79] 

Werm noch ein Messias geboren wiirde, so konnte er kaum so 
viel Gutes stiften, als die Buchdruckerei. [80] 

Da kam der lacherliche Mensch hinzu, und anstatt uns einander 
zu genieBen brachten wir die Zeit mit groBtenteils vergeblichen 
Bemuhungen zu kluger zu scheinen als wir wiirklich waren. [8 1 ] 

Die Fabel von M. der Marmor sammelt und allerlei andre Ma- 
terialien, um einen Sonnen-Tempel zu bauen, die [er] hernach fur 
alte Ware verkauft oder sonst schlechtes Zeug daraus verfertigt. 

[Sz] 

Unser Verfahren Elektrizitat zu erwecken ist noch immer sehr 
eingeschrankt. Mit dem Feuer ist es anders, wir erwecken Feuer 
durch Reiben, allein alsdenn unterhalt es sich selbst wenn wir nur 
Korper hinzubringen, in denen es latent vorhanden ist. Mit der Elek- 
trizitat verhalt es sich anders wir erhalten nur welche so lange wir 
reiben. Bei dem Gewitter scheint ein solcher ProzeB statt zu finden, 
den wir noch nicht kennen latente Elektrizitat sensibel zu machen. 
Donner-Wolken und Vesuv. [83] 

Konnte es nicht sein, daB die Donnerwetter ein vulkanisches Pro- 
dukt waren? daB alle Luft-El[ektrizitat]. aus der Erde kame, und 
der Sommer ihre ungestorte Passage begiinstigte. [84] 



GOLDPAPIERHEFT 77-93 



225 



Wenn auch nicht im strengsten Verstande wahr sein sollte, was 
Herr Crawford lehrt, daB alle Veranderungen der Warme durch 
Veranderung der Kapazitat entstehe[n], so kann ihm doch kein 
Mensch beweisen, daB diese Kapazitat nichts sei, also wird die 
Warme immer eine Funktion der Kapazitat bleiben. [85] 

Relationen und Ahnlichkeiten zwischen Dingen zu finden, die 
sonst niemand sieht. Auf diese Weise kann Witz zu Erfindungen 
leitcn. f86] 

Sollte es nicht ein Mittel geben auf irgend eine Weise die dephlog. 
Luft von der phlogistischen der Atmosphare zu scheiden anders als 
durch Verkalchung der Metalle pp. [ 8? ] 

Zu Rom auf der Saule des Antonius fangen die Leute die Schwal- 
ben mit Angeln, ist das hier zu Lande versucht worden, vielleicht 
lieBen sich Fleder-Mause so fangen. [88] 

Die Erkliirung vom Brand-Terp. und Sp[iritus] Nitri fum[ans] 

[89] 



steht Crawford 2 d Ed. p. 420 



Es ist als wenn der tierische Magnetismus recht aufgekommen 
ware sich extra et intra [muros] zuprostituieren. [ 90 ] 

Bei der Abnahme des Meerwassers ist doch wiirklich auch der 
Miihe wert einmal zu bedenken ob nicht vom vielen was die Pflan- 
zen fixieren das wenigste wieder zuriickkehrt, was zum tierischen 
Korper verwendet wird und was zu den Steinen darauf geht. [91] 

La Thcorie du Feu avec son application au corps humain par 
M- DuTastaLaserre soil gut sein. [ 92 ] 



dies auf grope Ideen hinaus gejuhrt, alles ins Grofie. 



[93] 



226 SUDELBUCHER 

I789. 

Die Argandsche Lampe angesteckt den I7[— ] Nov. abends urn 
5 Uhr. (darin 1/2 U 6\) 

gebrannt an dem Tage 1 Stunde 

den 19. bei Herrn Dietrich — 8' 

den 21. bei Herrn Hofr. Richter — 15' 

den 5^ Dez. Herr Klindworth -- 10' 

den 6— morgens — 30' 

dito des Abends von 3 h 30-6 h 3o' 3 

In diesen 3 Stunden brannte doch eine kleine Kohle die beim Hin- 
unterschrauben abbrach, und etwas rauchte. 
Den 7— Dez. nur schwer zu probieren — 5' 

Den 9— morgens — 40' 

10 morgens 1- 40' 

13 1- 20' 

Da wurde es etwas duster und ich loschte es aus, es brannte also zu- 
sammen i 5 48' 

beim letzten Male sprang das Glas, das zweite Mai vorher hatte Herr 
Klindworth den Ring oben enger gemacht. 



1789-1793 



HEFT J 1254-1259 229 

i?8g. Vermischte Antnerkungen (eigentlich blofl Finger z[eige] .) fur 
Physik und Mathematik. 

Da Jedermann gletch das Gewohnliche bei einer Sache einfdllt, gleich 
vorsdtzlich auf das Ungemeine und Ungewohnliche zu gehen. Sexus 
plantarum, Sexus astrorum, acidorum et alcalinorum pp. [1254] 

Im Esprit desjournaux Oct. 1788 steht ernes Schweden Haggren 
Abhandlung iiber das Phosphoreszieren einiger Blumen bei Sonnen- 
untergang oder 1/2 Stunde nachher. Sie waren alle von Aurora- 
oder Feuerfarbe als z. E. die rotgelbe Calendula, die gelbe Lilie pp. 
sollte da nicht ein optischer Betrug dahinter stecken. (Man muBte 
Blumen* von aurorafarbenen Bandern und Sammet machen und 
untersuchen ob sich etwas Ahnliches zeigte. Auch das Nasturtium 
indicum, wobei es die Tochter des Linne bemerkte hat diese Farbe. 
1st es etwas Elektrisches, so kann es gewLB leicht bei isolierten Topfen 
mit Bennets Elektrometer ausgefunden werden. [1255] 

Man sollte mehr Pflanzen isolieren als bisher geschehen, man 
wiirde gewiB auf etwas kommen. [1256] 

Alle Veranderungfen] bei Gewittern konnen recht gut ihren Grund 
allein in der Erde haben. Plotzliches UbermaB, oder plotzlicher Man- 
gel an Elektrizitat in der Erde. Es ist dieses freilich wohl die Meinung 
aller Physiker, allein ihre Sprache dariiber ist nicht immer die, die 
einen darauf leiten sollte. Man denkt immer bei einem Gewitter 
bloB die Wolke. Die Wolke ist aber eigentlich nur das halbe Ge- 
witter. [1257] 

Vielleicht konnte viel Niitzliches ausgemacht werden, wenn man 
die Abnahme des Gewichts bei Friichten z.E. Kirschen, usw. auch 
Blattern untersuchte, und wxe und ob sie zuweilen zunehmen. Sehr 
viel wird wohl nicht herauskommen. [1258] 

Wenn ich aus der Analogie schlieBen will, so muB ich doch 
notwendig einen Rang zwischen Analogien annehmen, denn es 
ist und kann ja eine nicht so gut als die andre sein, und worin besteht 

* warum gerade Blumen? 



230 SUDELBUCHER 

der Rang von Analogien. Bei der oft traktierten Lehre vom Feuer 
und Licht gewiB in dem Nicht-Zittern, weil dergleichen Ubergange 
gewiB haufiger sind als das Mitteilen durch Zittern. [1259] 

Den 3[— ]Jan. (1789) da an meinemkleinenSchrankdasR[eau- 
mursche] Therm. +19 zeigte stund das Barometer eben daselbst 
auf 28"2,3 W Paris, und im Saal, wo das Therm, auf -14 stund, 
stund es auf 28" 1**, also betrugen hier 33 Reaum. Grade 1,3" im 
Unterschied in der Hohe. Gleich darauf brachte [ich] es wieder in 
die warme Stube, und es stellte sich wieder her. [1260] 

Etwas recht Paradoxes hieruher, woran nochgar kein Mensch leichtge- 
dacht haben kann. [1261] 

Es ist gar nicht schwer in der groBten Kalte Hitze hervorzu 
bringen, allein es erfordert viele Kunst, in groBer Hitze Kalte her- 
vorzubringen. Man kann bei der groBten Kalte ein Haus und Stadte 
abbrennen, allein bis jetzt kennen wir noch kein Mittel zu machen, 
daB die Leute in einem Dorf verfrieren wahrend die andren in der 
Nahe den angenehmsten Sommer haben. In sich unmoglich ist das 
eine so wenig als das andere. [1262] 

Vielleicht etwas fiir Herrn La Metherie, oder in meinen Fragen 
aufzusuchen manches wiirde recht gut dahin gehen. [1263] 

Sollte nicht bei den Monds-Vulkanen etwas Elektrisches zum 
Grunde liegen? Wie wiirde sich zum Exempel ein Nordlicht auf 
dem Monde ausnehmen. Ist nunmehr unnutz. [1264] 

Herr Landriam sagte, daB die Platina allezeit den geriebenen 
Korpern positive Elektrizitat gabe, da andre Metalle bald positive]. 
bald negative gaben. [1265] 

Der Sache einett andcrn Namen zu gehen, der ihr aber zukommt in 
anderer Rucksicht und daraus dann Folgerungen zu ziehen. So hatte 
Herr Voigt zu Gotha seinen Fehler nicht hegangen, wenn er das Punctum 
congelationis auch regelationis genannt hatte. Hier ist oft schon 
eine figiirliche Benennung hinreichend [1266] 



HEFT J 1259-1269 23I 

Am 9[™] Jan. (89) da das Thermometer auf -14 Reaum. stund 
brachte ich meine Metall-Drahte in die Kalte, behauchte sie im 
Freien, trug sie alsdann bei zugemachter Kapsel in die warme Stube, 
wo ich sie noch einmal behauchte, da sie denn alle einen kleinen Be- 
schlag bekarnfen], so wie etwa der an reifen Pflaumen, der die Poli- 
tur ganz versteckte und die Farbe etwas anderte. So brachte ich sie an 
das Fenster, wo das Thermometer auf +7 stund, hielt ein Schnupf- 
tuch vor Mund und Nase und betrachtete sie in einer Entfernung 
von etwa 1V2 FuBen. Nach einiger Zeit sah ich erst die Politur beim 
Zinn und zwar am entferntern Ende, also wenn eine kleine DifTe- 
renz von Temperatur da war, am kaltern und folgten sie uberhaupt 
m der Ordnung Zinn (2|.), Blei(rj), Eisen (c?), Silber (])), Kupfer 
($), Gold (©). Allein ganz frei wurden sie in der Ordnung 0, h 
^D, <?, ?. Freilich ist das Stangchen Gold das kiirzeste nur 2 x j t 
Pariser Zolle lang, und die iibrigen, weil sie alle gnau von gleichem 
Gewicht und Durchmesser (i 1 ^ Pariser Linie) sind, in der umge- 
kehrten Verhaltnis ihrer spezifischen Schweren, langer, allein man 
sieht, (vid[e] IngenhouB. im einzeln Band S. 330) die ganzliche Auf- 
tauung geschah weder im Verhaltnis ihrer Langen, noch ihrer spe- 
zif. Schweren noch auch ihrer Politur. Nachdem sie, haupt- 
sachlich das Gold, Blei und Kupfer etwa 1 / 2 Zoll lang ihre Politur 
gegen das Fenster zu erhalten hatten schmolz das iibrige und blieb 
in Tropfchen sitzen, welches auch von einem starkern Beschlag her- 
ruhren kann. Merkwiirdig war die lange Dauer des Beschlags beim 
Kupfer. [1267] 

Vielleicht lieBe sich wenigstens ein guter Kalender-Artikel iiber 
die Taktik der Tiere schreiben. Zug der Schnee-Ganse eine Art 
Larven der Coccinellen glaube ich, meine Herde Schafe. Manche 

Mause ! Wie die Vogel von den Bau- 
men und auf die Baume fliegen viele 
so wie ABC. Der Sperling wenn er 
gejagt wird, wahltnicht die grade 
Linie AC. [1268] 

Von wellenformigen Wegen, wo die Kiihe und Schafe vorbei 
ziehen. [1269] 




232 SUDELBUCHER 

1st es wohl wahr, was ich oft gehort habe, daB die Hunde nicht 
schwitzen, und wenn es wahr ist was laBt sich fiir ein physiologischer 
Grund angeben? [1270] 

Die Sehnerven sind doch bestandig beschaftigt wenn [ich] in 
der dunkelsten Nacht im Bette liege und noch uber das die Augen 
schlieBe so sehe ich doch immer kein voiles Schwarz sondern im- 
mer etwas mit Grau meliert. [1271] 

Wenn es eine gebundene Elektrizitat gabe, so wiirde wenn der 
Konduktor mit dem Reibzeug verbunden wiirde, so muBten beide 
positiv werden konnen. [1272] 

Wie ware der Vorschlag am leichtesten auszufiihren einen Korper 

zu machen, der > > so gestrichen + E und so * < - E 

bekommt. Herr Wilcke will schon etwas von der Art bei einem Fe- 
derkiel mit Quecksilber bemerkt haben, und mir fiel ein, daB wenn 
man sich eine Reihe von Glas-Platten [denkt,] 

*- t> c *> C 

die a He an Federn so befestigt waren daB sie grade aufstiinden, so 
wiirden sie, wenn sie auf einer Seite blank und auf der andern matt 
waren von A nach E gestrichen + E und von E nach A, - E geben. 

[1273] 

Wenn der Druck der Luft die Ursache von dem Steigen des 
Wassers in den Haar-Rohrchen ware, so muBte es steigen und fal- 
len mit dem Barometer hatte man eines worin es auf 6" hoch stunde, 
wenn das Barometer auf 29* steht so wiirde es bei 27* Hohe nur 
auf 5* 7 W stehen also $'" gefallen sein. Mit der Luftpumpe geht 
alles das viel leichter. Wie hilft sich Hooke dagegen. [1274] 

Im Hamb. Correspond. Beilage zu N- 3 von 1789. Am Dienstage 
den 5[— ]Jan. 1789, wird unter demArtikel: Wien gemeldet: Der 
Herr Hofr. v. Born hat ein SchieBpulver erfunden, das weit starker 
ist, als das bisherige, und wozu man keinen Salpeter, sondern ein viel 
wohlfeileres Salz gebraucht. [1275] 



HEFT J 1270-1279 



233 



Dinge zu bezweifeln, die ganz ohne weitere Untersuchung jetzt ge- 
glaubt werden, das ist die Hauptsache uberall. [1276] 

Ein sehr guter Gebrauch von dem Amontonsischen See-Baro- 
meter, dem konischen, ist mir eingefallen namlich an einer Waage 
wiirde es obgleich kein Quecksilber weiter hinzu kommt, [fur] 
den Wallisischen Versuch im Collegio ohne das fatale Probieren 
geniitzt werden konnen, und ferner ware es der Miihe wert in einem 
Gehause zu untersuchen : was das Steigen und Fallen fur ein Schwen- 
ken verursachen konnte, es wiirde gewiB etwas entstehen. Uber- 
haupt was das Steigen und Fallen des Quecksilbers im Barometer 
fur EinfluB auf die Waage hat, durch die Friktion. Bei dem Amon- 
tonsschen Barometer ist doch folgendes bei 
der Waage zu bedenken wenn BA die Baro- 
meter-Hone zu einer Zeit und DC zu einer an- 
dren ist, und P halt AB das Gleich-Gewicht so 
ist dieFrage: ob es auch das Gleichgewicht mit 
DC halten wird. Das ist wenn der conus trunca- 
tus BA so schwer ist als der conus truncatus 
CD und die Seiten der Kegel gleich geneigt 
sind, wie hier ist der Zylinder B A so schwer als 
der Zylinder CD? Diese Frage aufzulosen muB 
auf folgendes Riicksicht genommen werden: 




Es ist der Kegel AB C gegeben, aus welchem mit dessen 
Basi parallel gleich groBe Stiicke geschnitten wer- 
den; wie werden sich die Hohen dieser Stiicke ver- 
halten. Also z.E. das Kegelstuck ABDE sei - FGHJ 
wie verhalten sich MN und KL und werden sich 
die Zylinder die auf diesen Basibus aufstehen eben- 
falls einander gleich sein? Die Auflosung stehtp. VII. 

[1277] 



Allgemeine Gedanken uber gewisse Kapitel der Physik nachdem alles 
in Betracht gezogen ist, Idies sur la Meteorologie. [1278] 

Uber die Ursache, warum es so schwer ist etwas Neues und 
Niitzliches zu erfinden. [1279] 



234 SUDELBUCHER 

Das hohe Alter mancher Mathematiker (Fontenelle, Euler, Leib- 
niz) konnte eine Folge sein der Betrachtung ihrer selbst, des Sub- 
jektivischen bei den Korpern, weil das eigentlich Wiederholung 
ist. So konnte die Mathematik zu Verlangerung des Lebens beitra- 
gen. [1280] 

Wenn man 2 Amontonssche Barometer mit einander verbande, 
das eine mit dem engen Teile, das andre mit dem weiten oben, so 
wiirden dadurch die Quecksilber-Oberflachen sehr von einander 
entfernt werden, und die Frage ist ob nicht hierdurch manche 
Unbequemlichkeiten konnten gehindert werden. Ich will 
setzen, wenn etwas das Steigen langsamer erfolgen sollte, 
als das Fallen, welches wegen des Haar-Rohrchen-Wesens 
wohl wahrscheinlicli ist, so wiirde hierdurch der Fehler, 
(caeteris paribus NB) aufgehoben. Auch hier miiBte man 
kalibrieren. Das Barometer mit dem schmalen Ende unten geht 
nicht [128 1 ] 



Den 18— Janner (89.) band ich iiber ein Arznei-Glas mit Wasser 
eineauBerst trockne und ausgewunden[e] von Luft durchzusammen 
gedrehte Kalbs-Blase. Alles zusammen wog 4 Unzen 5 Drachmen 
und 49 Gran, so setzte ich es in einen Ofen des Morgens um 9 Uhr. 
(Aus diesem Versuch ist nichts geworden, wegen einiger Neben- 
umstande) [1282] 

Jeder Staub kann ein organisches Wesen sein, die Geometrie hat 
wenigstens mit dem Organischen nichts zu tun, dafiir gibt es noch 
keine Geometrie, wenigstens hat es unsrige jetzige noch nicht ge- 
wagt [sich] so weit auszubreiten, und es wiirde ihr auch libel ge- 
lingen. Jedes Teilchen der Materie schwebt umher in der Erwar- 
tung (wenn ich so reden darf ) organisch zu werden wird es orga- 
nisch so ist es fur alle geometrische Betrachtung verloren. [1283] 

Was wiirde eine leuchtende unendlich entfernte Linie fur eine 
Kriimmung wegen der Aberration annehmen. Dieses konnte eine 
schone Aufgabe werden, und auf die Form der Kometenschweife 
angewandt werden. [1284] 



HEFT J 1280-1289 



235 



Am dreiBigsten Jan. 89. wog ich iVa Unzen trocknen frisch ge- 
brannten Gips ab, und goB dazu so viel Wasser, daB es ein dtinner 
Brei wurde, dieses Wasser wog 1 Unze 3 Dr. 2 gr. Die Masse er- 
hartete bald. Dieses geschahe etwas vor 10 Uhr des Morgens. Ein 
4— nach 10 hatte der Gips verloren 1 8 gr. Therm. Reaum[ur] +15. 

Nun stellte ich ihn auf einen maBig warmen Ofen (etwa von -f 49) 
Um halb 12 hatte der Gips noch 44 gr. verloren also zusammen 
1 Dr. 2 gr. Die Ofen-Warme nimmt sehr ab. [1285] 

Den 31— Janfner] morgens um 9 Uhr hatte der Gips, nachdem 
er verschiedentlich gestern und diesen Morgen eine betrachtliche 
Warme ausgehalten noch grade 1 Unze verloren, also in allem 1 Unze 

1 Drachme und 2 Gran, da nun das Wasser 1 Unze 3 Drachmen 

2 gr. wog, so haben [sich] gnau 2 Drach[men] Wasser mit dem 
trocknen Gips verbunden, als[o] verbindet sich, nach diesem Ver- 
such, 1 Teil mit 5 Teilen Gips. - Als ich nachher das Stuck Gips 
aus der Tasse heraus nahm, und frei wog so merkte ich doch einen 
Zuwachs von 2 Drachm. 7 gr. Es ist also vermutlich vorher ein 
kleines Versehen begangen worden. NB. Nachdem es einige Stun- 
den frei auf dem Ofen getrocknet hatte verlor es noch 1 Dr. 8 gr. 
also bleibt nun nur noch 59 gr. Wasser. (Hierbei ereigneten sich 
einige Umstande, die es wahrscheinlich machen, daB irgendwo 
gefehlt ist, und dieser Versuch noch einmal muB angestellt wer- 
den. [ I2 86] 

Vermutlich hat man die Cartesianischen Teufel von Anfang des- 
wegen von Glas gemacht damit man sehen konnte was in ihnen 
vorging. Jetzt macht man es so bunt und dick, daB man nicht 
durchsehen kann und in dem Falle, wenn man nicht [s] als Spiel- 
werke verlangt, brauchte man sie auch nicht von Glas zu machen, 
wo sie schwer zu machen und kostbar sind, und dabei leicht zer- 
brechen. [1287] 

Das Amontonssche konische Barometer konnte auch dadurch 
erhalten werden, daB man in die zylindrische Rohre einen koni- 
schen Eisen-Draht brachte. Warum nicht auch eine glaserne? [1288] 

Dietrichs zylindrisch. 5/6 Paris. Zolle dick, und 13V2* langfes] 

Talglicht angesteckt den 3 1 [— ] Jan 89. 4 Uhr 6 Min. ausgeloscht um 



236 SUDELBUCHER 

8 Uhr 47'. 1— Febr. angesteckt morgens 7 h 25' ausgeloscht 8 h 18'. 
Mein Licht angest. 5 h 15' ausgeloscht 7 h 53'[i— Februar abends] an- 
gesteckt VI. 52. ausgeloscht VIII. 18' Dietrichs angesteckt Febr. 1. 
abends 5 h 21' ausgeloscht. j h 52'. flieBt ein wenig gegen das Ende, 
oder vielmehr der FluB hauft sich auf. angesteckt VP 52'. Um 
IX Uhr ein wahrer Stummel, etwa 1 Zoll lang. 

ausgeloscht um IX h 37'. 

Es brannte also bis zum zoll-langen Stummel io 11 11'. Nachher 
noch 37' also alles in allem io h . 48'. [1289] 

ad. pag, V Zum Amontonsschen Barometer die ganze Frage ist 
lacherlich: denn da allemal das in der Hohe erhaltene Quecksilber 
so viel Druck erfordert, als das im Korbe durch die Schwere 
driickt so pp usw. [1290] 

Mir kommt es vor als wenn deswegen bei feuchten Korpern keine 
Elektrizitat entstehen konne, weil sie dabei gleich wieder latent 
wird, eben aus dem Grund, daB geriebene Fluida sich nicht erhitzen 
konnen, weil die erzeugte Warme sogleich auf Ausdehnung und 
groBere Fluiditat verwendet wird. - Dieses ist denn doch noch 
eine Frage bei dem letzteren. [1291] 

In der neusten Ausgabe von Chambers Encyclopadie wird vieles 
von den Vorteilen of bent timber des gebogenen Holzes geredet? ? 

[1292] 

Sollte wohl das Eudiometer etwas gezeigt haben, als die Influenza 
grassierte? Im Hindenburgischen Magazin steht etwas daruber vom 
sel. D-Ludwig. [1293] 

Bei der groBen Kalte in diesem Monat Januar hatte ich in der kal- 
ten Kammer bei der kleinen Stube einen Krug stehen lassen in 
welchem noch etwas sehr luftvolles Bier enthalten war. Als ich 
mich grade im Saal befand entstand ein heftiger Knall in der Kam- 
mer als ich hinein kam, war der Kork heraus geflogen und ein 
Teil des Biers hing wie Hefen an der hohen Decke, und das ubrige 
auf der Erde es war nicht gefroren. [1294] 



HEFT J 1289-1296 237 

Zweiter Versuch mit Gips. Den 1. Fehr. 8g 

Gips gnau § II 
Holzchen zum Umruhren gnau 8 gr. 
Temperatur des Gipses, Wassers + 18 ° R 
VIII* 58'= +18' 
IX 11 2' = 4. 20 - Der Gips will sich nicht recht verdicken, 

scheint schlecht. 

7' = fallt und stent fast auf 19 

12' = + 19 der Gips glanzt nicht mehr 

20' -4-20 freies Therm. + 17. 

24' = + 21 _+ l6 + 

(es wird kalter am Fenster) 

27 = +23 + l6 _ 

30 - +26 freies TL +15 

34 = +30 — ; -+15- 



-38 = +32, 

-47 = +31V2 fallt also 

-55 = +30 . +i 4 i/ t 



Das Gewicht der Tasse stent im Schrank in der Farben-Schale. 

Den 7 [t£S] Februar nachdem der Gips die ganze Woche in der war- 
men Stube gestanden hatte, hatte er gnau § III Gewicht uber die obi- 
gen g II 8 gr., welches also Krystallisations-Wasser war. So weit sind 
die Versuche sehr gnau nur will ich den Gips noch langer trocknen 
lassen. - Nach diesem Versuch fixierte also % II Gips gnau 3 III 
Wasser Also die Verhaltnis wie 16:3, [was so] betrachtlich nicht 
1st Vielleicht verliert auch der Gips noch etwas Wasser, oder weil 
ich den ersten etwas bei Zeiten erwarmte habe ich das Wasser etwas 
zu schnell weggejagt, auch war er nicht so schon gebunden als 
der letztere und farbte ab. Oberhaupt scheint mir das ganze Mehl 
nicht sonderlich viel zu taugen. Noch muB ich anzeigen, daB die 
Tasse worm der Gips erharten sollte auf Baumwolle stund, und daB 
er auch, so bald als er so hart war, daB die Baumwolle nicht mehr 
anpappen konnte auch damit bedeckt wurde, urn die Warme so 
viel als moglich beisammen zu behalten. [l2p5 j 

Die Elektrizitat des Turmalins durch Reiben konnte einiger- 
maBen so vorgestellt werden, daB sich seine Teile durch Erwarmen 



238 SUDELBUCHER 

um ihre Axe drehten und so einander rieben wie weiin ich eine 
Maschine durch Warme triebe rrjj A und B Teile des Turmalins 
A Glas und B leitend und drehte sich A um seine Axe, so wurde A + 
und B -E erhalten. NB sollte nicht das Bernoullische Luftthermo- 
meter bei schnellem Fallen leuchten. [1296] 

Worin mag eigentiich das Starkende bei den Granulier-Badern 
bestehen? Herr Hofrat Vogel sagte mir Herr Ilsemann zu Clausthal 
habe ihm gesagt er habe wenig Eisenhaltiges darin gefunden soll- 
te es nicht gar die inflammable]. Luft sein oder die Zersetzung 
des Wassers. Wie sollte die Kohlen-Luft wirken? Die ist doch 
wohl auch eine bloBe Zersetzung des Wassers. [1297] 



Den 8, 


Febr. 


89 wiederum 2 Unzen Gips. Holzchen 8 gr. ver- 


mischt. 






Therm 






IX. 40' 


I7°74 




— 42 


17 7* 




— 43 






— 45 




noch immer etwas Wasserglanz 


— 48 




der Gips nimmt noch den leichtesten Druck an. 


— 50 1 /* 




der Glanz verliert sich 


— 547. 


1772 




X* 2' 


20 


wegen Besuchs unterbrochen 


- 13' 


307* 




— 14 


31 




— 15 


32 




— 18 


327 2 


hochster Stand. 


— 27 


32+ 


[1298] 



Am 14 [— ] wurde der obige Gips wieder gewogen ; er wog mit dem 
darin steckenden Holzchen §11, gill 12 gr. 

Gips-Mehl und Holzchen §11 8 gr. 

hat also Wasser fixiert gill 4 g r * 

Zugleich wurde auch der vorige wieder gewogen, und eben so 
schwer befunden als am 7— Febr., sollten sie einen Unterschied an- 
geben, so ware es daB er leichter geworden ware, es konnte aber 
nicht iiber 72 gr. betragen. [1299] 



HEFT J 1296-1305 



239 




Theophrast hat de odoribus geschrieben. (nachzusehen.) Auch 
Cardan S. unten p. LXXXIII. 2. [ Ij00 ] 

Am25p2] p ebr. 89. versuchtenHerrKlindworthundichdieHeber 
mit den Sagspanen im Wasser, urn die Bewegung sichtbar zu 
machen. Vielleicht ware es schon uberhaupt alle, selbst hydrosta- 
tische Versuche mit einem Wasser zu machen, dessen Bewegung 
man sehen kann, das ist mit etwas vermischt, welches mecha- 
nisch darin hangt. fnoil 

Es zeigte sich dabei auch eine artige Erscheinung, namlich daB 
I der Heber lief obgleich oben eine groBe Luftblase 
befindlich war, namlich die Luft war noch ver- 
diinnt genug urn das Saugen der kurzeren Saule zu 
verstatten a b war die Luftblase, und doch schlich 
sich das Wasser an dem untern Bogen des Hebers 
bei c sehr schon hin. [ I302 j 

<K6nntehieraufnicht eine Maschine gegrundet werden.) [1303] 

Ein Spielwerk lieBe sich hierauf griinden namlich eine starke 
Dinte in ein GefaB von starker Saure laufen zu lassen und vice versa. 

[1304] 
Zum ersten Mai aufdem Garten 
h den i8[^] April 89. fing ich meine Beobachtung mit dem Schall 
wieder [an]. 
Um X h morgens 
XI 
XII 

I* 

lib 

III h verfehlt. 

V* 
Ich bin mir hierbei nicht des mindesten Fehlers bewuBt 
VlUhr 2" 3 6- 

hierherum liegt die Wahrheit, allein der Laut selbst ist von 
Dauer. r 

[1305] 



2* 

2" 
2" 

2" 
2" 

2" 
2" 



33" 

42* 
38" 
39" 
35" 

38'" 
32* 



240 SUDELBUCHER 

Die Lehre von der Seele, ist wie die vom Phlogiston. [i 306] 

Am 25— April 1789. den Sonnabend vor dem Dankfest fuhr ich 
bei sehr windigem Wetter auf den Garten, nachmittags um 1 Uhr. 
(Mit dem grofien Te leskop) 

Um II Uhr beobachtete ich den Schall wieder 
um II h 2" 47 ) der Wind war stark 

[1307] 



III* 


2" 


46 


nordwestlich und 


IV* 


2" 


44 J 


Regen. 


Den 26. Dankfest. 






um IX h — 


2" 


42 w 


sehr starker Wind 


X* 


2" 


46" 




XI* 


2" 


40"' 




XII 


2" 


34" 


und doch habe ic 



mir nichts vor- 

zuwerfen, der Wind weht abscheulich. Vielmehr glaube ich, daB 
die kurzesten Zeiten die wahrsten sind, dieses laBt sich a priori be- 
weisen, weil man an der Tertien-Uhr den Daumen wohl nicht leicht 
fruher zuriickziehen wird, als notig ist, allein zu spat kann es ge- 
schehen. Was das Niederdrucken anbetrifft, so kann dabei freilich 
auch gefehlt [werden]. 

II h 2" 42'" 1 der Wind hat sich 

IIP 1 2" 44 w J vollig gelegt. [1308] 

An die Gonggong ein parabolische[s] Sprachrohr von Blech an- 
bringen zu lassen, zu Beobachtungen iiber den Schall. [1309] 

Eine Maschine wo man durch eine Verbindung von in- 
nam[mabler] und dephlogistisierter Luft schmelzen kann. [13 10] 

Aus den fliegenden Miicken im Auge kann man sehen, daB sich 
der Humor vitreus bei jedem Umherblicken stark bewegt. [1 3 1 1 ] 

Herrn Chaptals Versuche iiber den EinfluB den Lichts bei der 
Krystallisation steht in Rozier's Journal octobre 1788. und eines 
gewissen Herrn Dize Brief dariiber ibid. Fevrier 1789. Us 12 ] 

Zu der Liste iiber die Metalle konnte zu stehen kommen 1) Ihre 
spezif. Schwere 2) Ihre ZerreiBbarkeit 3) Schmelzbarkeit a) durch 



HEFT J 1306-1315 24I 

Feuer b) durch Elektrizitat 4) Vermogen Warme zu leiten 5) Ver- 
mogen Elektrizitat zu leiten 6) spezif. Warme auch vielleicht wie 
viel von jedem in gleicher Quantitat Aqua Regis aufgeloset wird. 
Auch was ich S. II in diesem Buche gesagt habe von Auftauen des 
Reifs auf den Metallen 7) Ausdehnbarkeit durch die Warme hatte 
am 2— pjatz stehen sollen. [1313] 

Wie besteht die eigne Bewegung des Weltgebaudes mit der Aber- 
ration des Lichts? Hat wohl schonjemand daran gedacht? [1314] 

Am 2— Jun[i] 89 (Dienstag nach Pfingsten), beobachtete ich, da 
ich eben auf dem Garten war, ein Donnerwetter, das sich durch 
allerlei besondere Umstande auszeichnete. Es regnete fast den gan- 
zen Nachmittag und zwar zuweilen sehr heftig und der ganze Him- 
mel war mit niedrigen Wolken bedeckt, so wie gewohnlich bei 
sogenannten Landregen. Die Witterung war nicht sehr warm, und 
der Wind fast vollig nordlich und stark. Gegen 8 Uhr, nachdem es 
eine halbe Stunde vorher ungewohnlich stark zu regnen angefangen 
hatte horte ich in groBer Entfernung heftig donnern. Mir schien es 
in Siidwesten zu sein. Ubrigens hatte der Himmel ganz einerlei 
Farbe, einen etwas dunkelern Kranz ausgenommen, der sich etwa 
6 Grade iiber dem Horizont von Siidwesten bis Nordwesten er- 
streckte, unter welchem aber der Himmel wieder die weiBlich 
graue allgemeine Farbe hatte. Der Wind wehte sehr heftig aus Nor- 
den, so daB der Regen haufig zwischen den Fensterrahmen haufig 
durch drang. Auch schien der Wolken-Kranz sehr stark nach Suden 
getrieben, indessen donnerte es naher. Einen Strahl konnte ich 
nicht sehn , sondern nur eine allgemeine Erleuchtung aller Wolken. 
Doch schien der Dormer immer sich in Siidwesten zu endigen. Trotz 
der Bewegung des Kranzes gegen Suden schien er sich aber auch 
herauf zu bewegen und seine scheinbare Hohe iiber den Horizont 
nahm sehr merklich zu. Auf einmal blitzte es auch in Westen, und 
das war das Donnerwetter, das also aus Westen gegen Suden zog; 
wahrend alles in demselben dessen Bewegung man bemerken konn- 
te, sehr stark zugleich nach Siiden getrieben wurde. So kam es end- 
lich aus Westen in das Zenit bei einem heftigen Nordwind. Zu 
dem westlichen Fenster des Gartenhauses konnte man bequem 
hinaus sehen, wahrend der heftige Regen wie Hagel an die nord- 



242 SUDELBUCHER 

lichen schlug. Der Regen kam also von Norden und das Gewitter 
von Westen. Ferner ist es doch wiirklich schwer zu erklaren wie 
es moglich ist, da6 ein heftiges Donnerwetter sich erhalten kann 
wahrend der ganze Himmel mit einem Landregen uberzogen ist, 
der einen ganzen Nachmittag gedauert hatte. Verschiedne Schich- 
ten miissen es freilich gewesen sein. Allein wenn der Wolken-Kranz 
so independent von dem Dormer -Wetter war, warum folgte er 
ihm und hatte eine doppelte Bewegung. Eines war Bewegung des 
entstandenen Dunstes und das andere Bewegung des Ortes der 
Pracipitatio. NB NB Diesen wahren aber unverstandlich aus- 
gedruckten Satz deutlicher auseinander zu setzen. [1315] 

Eine der schwersten Aufgaben in der Lehre von der El [ektrizitat] . 
ist wohl die: einen idioelektrischen Korper vollig von aller El. so 
zu befreien, (ohne (NB) jedoch ihn dadurch unfahig zu machen, so 
bald man will wieder welche anzunehmen) daB auch der feinste 
Verdoppler keine Spur von El. zeigt. Vielleicht ist Auflosung un- 
moglich. [1316] 

Zu bedenken ob hierbeietwas von Kapazitat stattfinden konne. [1317] 

Das Wort Devaporation des Herrn Darwin aufzunehmen. [1318] 

Sexus Electricitatum? ± [1319] 

Herrn Akademie-Inspektor Werners Abhandlungen iiber die 
Nonvulkanitat des Basaltes stehen im Bergmannischen Magazin. 
Dezember 1788. Marz 1789. Mai 1789. Aus einem MS. das er mir 
giitigst mitteilte merke ich folgendes an. Es sei merkwiirdig daB 
mehrere Schriftsteller viel vonBasalt [schreiben, daB er] in einigen de- 
klariert vulkanischen Gegenden vorkommt, es ist zwar bloB ein 
schwaches Argument. Ein weit groBer[es] ist das Argument daB in 
den vesuvischen Laven dieselben Hornblende-Krystalle (irrig Schorl) 
vorkommen, die sich so haufig in den Basalten und den Wacken be- 
finden. Auch findet man in den Laven, die weiBem Granat ahnliche 
Krystalle, die in manchen Basalten vorkommen (von Bolzena). Da 
man diese nun beim Vesuv fur Wiirkung des Feuers hielt so auch 
da. Dieses machte Herrn W. Schwierigkeit, weil er noch der ge- 



HEFT J I3I5-I323 



243 



meinen Meinung zugetan war, daB die Vulkane auf den uranfang- 
lichen Gebiirgen ruhten wo keine solche Krystalle sind. Allein da 
er nun durch vielfaltige Erfahrung weiB, daB der Basalt ofters auf 
Kohlenfl6ze[n] liegt, sokam er auf den Gedanken, ob [man] nicht, die 
vesuvische Laven aus den auf demKohlenfloz liegen [den] Basalten er- 
halten haben konnte. Er ist ganz wider die Schwefelkies-Entziindung 
wo hat man sie je gesehen. Schwefelkies schmelzt leicht, daher ent- 
steht der so genannte Rohstein, den man auf den Silberschmelz- 
Hiitten bei der so genannten Roharbeit erhalt. Da der Schwefel- 
Kies eine so reichhaltige Eisenmine ist, warum haben die Laven so 
wenig Eisen? Ferner wiirde der Schwefeldampf alien Zutritt zu den 
Miindungen der Vulkane ganzlich hindern. (hiergegen lieBe sich 
doch manches einwenden.) Sollte nicht Dunst des Schwefels wie- 
der durch andere Dampfe neutralisiert werden konnen. Stein- 
kohlenfloze sind sehr viel machtiger als die von Eisen auch ent- 
ziinden sie sich von selbst. (Siehe Morands Abhandlung Memfoires] 
de Paris 1781. p. 169-227. Crell Annalen Jahr 1788 3— Stuck.) Bei 
Alaungruben entziindet sich die Alaun-Erde oft von selbst. Wacke 
ist sehr leichtflussig. Beim MeiBner liegen Steinkohlen 15 Lachter 
(105 FuB) und auf 100 Lachter Basalt dariiber. (Nur begreife ich 
noch nicht was das Feuer unterhalt). Herr Werner erzahlte mir auf 
dem Garten daB er rund um den Dransberge eine Sandschicht gefun- 
den habe, wo die Wasser quellefn]. (Sollte aberdie wohl ganz durch 
gehen.) In seinem Briefe steht schon eine Beobachtung davon, daB 
Basalt auf einem Sandlager aufliegt. Auch findet man in den Laven 
des Vesuvs, wie er sagt, alle die Krystalle eingewickelt die man in 
der Wacke so haufig hat, so daB er glaube daB die Korper iiber dem 
Kohlenfloz im Vesuv eben so liegen wie er angegeben hat. Die 
Kohlen-Floze riihren ihm alle vom Holz her. [1320] 

Den Versuch mit der Elektrizitat durch Basalt gehen zu lassen. 
Herr Werner glaubt daB die Basalte durch den Blitz konnte [n] 
magnetisch gemacht worden sein. [1321] 

Der schwarze Bims-Stein scheint ein wahrer Coak zu sein, also 
wiirklich ausgebrannte Kohle. Werner. [1322] 

Herr Werner ist ganz gegen den schwefel-kiesigten Ursprung des 
Feuers unter der Erde. Alles von Stein-Kohlen, die wie er sagt in 



244 SUDELBUCHER 

manchen Gegen[den] drittehalb hundert Jahre schon brennen. 
(wo?) [1323] 

Am I5[--] Aug. 1789. Herr Inspektor Werner auf dem Garten. 

[1324] 

Am 20 [— ] Aug [11st] 1789 war der Erbprinz von Oranien nebst 
Herrn Obristen von Stammford bei mir auf dem Garten. Er stellte 
die Beob[achtung]. iiber den Schall mit der Tertien-Uhr an, um 
6 Uhr verfehlte er die Beobachtung um 7 Uhr fand er 2" 27"' wel- 
ches viel zu wenig ist. Nach Herrn Oppermanns Messung ist die 
Distanz der Glocken vom Volborthischen Garten etwa 2678 FuB. 
oder 17,2774 FuB in 1'" Zeit. [1325] 

Warumglaube ich dieses ? Ist es auch wiirklich so ausgemacht [1 326] 

Was fur Vorteile konnte ich hieraus Ziehen ? Fur mich undfiir andere? 
Selbst okonomischen Vorteil nicht ausgeschlossen? [1327] 

Ich habe zuweilen gesehen, daB sich bei Talglichtern, deren 
Docht nicht in der Mitte war, nach der schmalen Seite Talg 
ansetzte. Ist das Bildungstrieb? so wird auch jedes § Kugelchen 
wieder rund. Die Salze. [1328] 

Es verdiente einmal recht ernstlichfur eigene Haushaltung untersucht 
zu werden: warum die meisten Erfindungen durch Zufall miissen gemacht 
tverden. Die Hauptursache ist wohl die, dafi die Menschen alles so an- 
sehen lernen wie xhre Lehrer und ihr Umgang es ansieht. Deswegen mufite 
es sehr nutzlich sein einmal eine Anweisung zugeben wie man nachge- 
wtssen Gesetzen von der Regel ahweichen kb'nne. [1329] 

Der BegrifFvon latent werden ist unstreitig einer von den reich- 
haltigsten fiir die ganze Physik und Philosophic iiberhaupt. Selbst 
Bewegung kann fiir uns latent werden, wenigstens zum Teil, die 
Bombe die sich um ihre Axe dreht diese Bewegung kann in einem 
Augenblick wieder geradlinigt werden. Die Vitriol-Saure im 
Gips dem Geschmack, dem Geruch dem Geftihl, namlich als Ner- 
ven-Reiz, so werden Sachen dem Auge latent; warum konnen es 



HEFT J 1323-1336 



245 



gewisse Materien nicht fur alle Sinne werden. Ich sollte mich nicht 
wundern, wenn einmal jemand die magnetische Materie mit einer 
andern verbunden dem Auge darstellte und was ist das Nordlicht? 
Die schwarze Farbe ist in einem Augenblick weg und wieder da. 

[1330] 

Verlasse hier einmal dieLandstrafte, undglaubeja nicht dafi diese Sache 
nurfiir andere Leute auszumachen gehore, denke immer du hist ein Mitg lied 
des Rates. [1331] 

Ich habe schon an verschiedenen Orten gezeigt, dafi es gut ware 
auf dem Thermometer mit ± zu bezeichnen bloB um den 
Fortgang auszudriicken und die Art, wie es dazu gekommen ist. 

[1332] 



Ein tatiger Mann der aus Schulden wachsend zu nichts kommt und 
dem Manne der aus einem groSen Vermogen decrescendo dazu 
kommt, bedenke ich nun noch daB Liederlichkeit und Industrie sehr 
dem Grade nach verschieden sein konnte so ergibt sich hieraus auch 
die Verhaltnis der Differential und was daso:o = a:b = 2:3 sagen 
will. So rechnet man auch im gemeinsten Leben mit Differentialen. 

[i333] 

Als ich am i8[— ]Dez[ember] i78oinmeinerNerven-Krankheit 
die Ohren mit den Fingern zuhielt befand ich mich sehr viel besser, 
nicht allein weil nun mein Nerven-System weniger StoBe durch 
das Gehor bekam, sondern auch, weil ich nun das krankliche Sausen 
in meinen Ohren fiir ein erkiinsteltes hielt und mich fur gesund in 
diesem Artikel, und daher selbst auf einige andere Gefuhle weniger 
achtete. Die gute Wiirkung war unleugbar. [1334] 

Die Repetier-Uhr, welche ganze Stunden, wie gewohnlich in 
einem tieferen [Ton] schlug, und wenn sie in der Kammer stund mir 
sie um eine ganze Terz hoher zu schlagen schien. [1335] 

Zuweilen iiber die gemeinsten Sachen seine Meinung zu schreiben mit 
alien Eigenheiten an Vorschlagen zu Verbesserungen. Z.E. iiber die 
Zettu I an den Arzneigldsern. [1336] 



246 SUDELBUCHER 

Dem latent machen steht zum Teil Prazipitation entgegen. [1337] 

Schwarze Menschen, weiBe Menschen, schwarze Trauben, die 
dunkeln Friichte werden mehr geheizt selbst, daB der RuB 
schwarz ist, ist ein Vorteil beim Verbrennen der Stamm der Eiche 
ist gewiB nicht vergeblich schwarz, so wie der der Birke nicht ver- 
geblich weiB. Was sollte das wohl werden, wenn man die Stamme 
schwarz make auch die Blatter von Blumen? [1338] 

Die Mechanik beschaftigt sich bloB mit den Kraften, die Bewe- 
gungen hervor bringen oder wenigstens nur in so fern sie solche 
hervorbringen. Allein die Veranderungen in der Korper-Welt 
gehen ja nicht alle auf diese Weise vor. Obgleich StoB und Druck 
die Wiirkungen oft begleiten mag, so ist doch dieser StoB und Druck 
nicht die Hauptursache der Wiirkung. - Sondern sie hangt auch von 
der chemischen ab. So konnen sich chemische Krafte einander be- 
fordern oder auch ganz aufheben (zusammen Null machen) oder 
auch auf unzahlige Weise zusammen gesetzt werden (compositio 
virium) Wiirkungen, die weder durch Bewegungen hervor- 
gebracht werden noch auch selbst darin bestehen, und doch konnte 
auf diese Veranderung wieder eine ganze Mechanik gebaut werden. 
Ein Atome (wenn ich so reden darf ) von Vitriol-Saure kann eine [m] 
Atoma von Gewachslaugen-Salz begegnen; sie konnen sich ein- 
ander stoBen, und nun als vitriolisierter Weinstein einen dritten sto- 
B&i t aber gegen den Nerven haben sie ihre Kraft groBtenteils ein- 
gebuBt. Ihre chemischen Krafte sind nurmehr so zusammen ge- 
setzt, daB sie wenig oder nichts auf den Nerven wurken. Wieviel 
nun hiervon dem Nerven selbst wieder zugehoren mag, will ich 
nicht entscheiden. Gnug hieraus ist wenigstens verstandlich was ich 
meine. Zwei Kugeln eine aus alkalinischer Luft eine andere aus salz- 
saurer die gegen einander anrennten, wiirden nicht so gegen ein- 
ander rennen, wie 2 Kugeln aus alkalinischer, oder salzsaurer usw. 
sondern sie wiirden Salmiak werden. S. Seite XVIII. Dieses konnte 
unter dem Namen physischer Dynamik nach v. Swinden vor- 
getragen werden. [1339] 

Der BegrifF von Latent-werden verdiente eine eigene umstand- 
liche Behandlung. Es ist eben das Aufheben und Verschlingen der 



HEFT J 1337-1344 247 

chemischen Krafte und ihre Entwickelung wieder, durch die 
die Natur so vieles ausrichtet. Es ist dieses die eigentliche Weltseele. 
So wie die Kanonen-Kugel, die sich schnell urn ihre Axe dreht 
auf einmal eine progressive Bewegung erhalten kann, und Bewe- 
gung gleichsam latent war, so kann alles latent werden, selbst all- 
gemeinere Eigenschaftfen] als Flussigkeit Elastizitat, vielleicht 
Penetrabilitat, Fiihlbarkeit, und da alien diesen Relationen gegen 
unsere Sinnen auch gewiB andere analoge gegen andere Korper da 
sind, wie die ganze Scheidekunst beweist, so laBt sich daraus viel 
GroBes schlieBen. [1340] 

Wenn ich nun aufetnen neuen Gedanken, auf eine Theorie gekommen 
bin, allemal zufragen: Ist denn das auch wurklich so neu als du glaubst 
Dieses ist auch uherhaupt die heste Erinnerung nichts in der Welt anzu- 
staunen. <Nil admirari) [1341] 

Es ist sonderbar, daB der Mensch der nur ein einziges Mineral 
(Salz) im eigentlichen Verstande speist, so viel Arzneimittel aus dem 
Mineralreiche herholt. med. Er muB Erde werden aus der er ge- 
nommen. [1342] 

DaB es wurklich auch bei dem Gehor sehr viel Aktives gibt, kann 
man schon daraus sehen, daB, wenn Z.E. verschiedene Stiicke auf 
verschiedenen Instrumenten zu gleicher Zeit gespielt werden, ich 
dennoch eines vorziiglich anhoren kann, so auch beim Glocken- 
Gelaute und in einer Versammlung wo mehrere zugleich reden. 
Dieses Verfahren ist gewiB sehr viel kunstlicher als beim Auge. Hier 
ist schon bloBes Wegwenden hinreichend. Bei dem Ohr hilft weg- 
wenden allein nicht, allein es scheint ein Wegwenden einer andern 
Art zu geben, es scheint fast, als wenn man einen gewissen Teil 
abspannen konnte. Hieran schlieBt sich auch noch die nachstfol- 
gende Betrachtung. [1343] 

Das Ohr ist darin auch sehr von dem Auge unterschieden, daB es 
mehr Eindriicke von innen emptangt. Es klingt sehr oft, ja bei 
Ohnmachten wo die Augen dunkel werden klingen die Ohren 

Caligare oculos, sonere aureis 

succidere artus 



248 SUDELBUCHER 

Lucret. Liber III. v. 157. Vielleicht riihrt auch daher die Macht 
der Musik, des Donners und des Geschiitzes. [1344] 

ad S. XVII. was ich da von physischer Dynamik sage wird van 
Swinden in seinen Positionibus Physicis kiinftig sehr umstandlich 
ausfiihren. Ich bin sehr begierig darauf, da ich diesen Gedanken ge- 
fa6t habe lange vorher ehe ich seine Vorrede gelesen hatte, worin er 
dieses verspricht. Auch Newton Opt. Quaest. 31. 1 [1345] 

Wenn jemand Zinkblumen genommen hatte und nahme bald 
darauf etwas Vitriolsaure so konnte ein Zinkvitriol im Leib ent- 
stehen. So konnte im Korper ein atzender Sublimat entstehen, und 
wer weiB was ofters Krankheiten fur Ursachen haben mogen. Wie 
entstehet Ubligkeit? Dadurch daB sich im Leibe ein Brechmittel 
erzeugt. Konnte nicht die Pest auf ahnliche Weise entstehen ein 
kiinstliches Ferment, und man sieht daraus den vortrefflichen Bau 
des menschlichen Korpers ein, daB sich unter so mannigfaltigen 
Prozessen nicht mehrere solche Verbindungen im Magen er- 
geben. 1st hingegen der Mensch krank, das heiBt ist die.Maschine 
in Unordnung so geraten die Prozesse gleich ganz anders, wie ich 
bei meiner jetzigen Nerven-Krankheit nur zu oft erfahre. [1346] 

Sollte die Erde nicht gewissen Krankheiten und einem Veraltern 
ausgesetzt sein? Sollte sich nicht vieles verknochern. Abnahme des 
Seewassers in wie fern ist es denn erwiesen, daB die Pflanzen kein 
Wasser fixierfen] so wie etwa der Gips. [1347] 

Ein[e] Argandsche Lampe mit inflammabler Luft ware leicht aus 
der Maschine zu machen die Luftarten zu verbrennen. [1348] 

BloBes Licht bei der Flamme kann es nicht sein, sonst wtirde man 
die Flamme nur so sehen wie das Bild im foco eines Glases, sonder[n] 
es muB dadurch auch ein Korper gesehen werden. Was ist das? 
Gliihendes Wasser vielleicht wie schon Leidenfrost sagte ? [ 1 3 49 ] 

So gehorte unsere ganze Moral und Religion zu jener Dynamik, 
von der ich oben geredet habe. Newton sagt am Ende seiner be- 
ruhmten Quaestionen am Ende seiner Optic jemehr wir die Ein- 



HEFT J 1344-1352 249 

richtung der Welt kennen lernen, desto mehr lernen wir Gott ken- 
nen (oder das was nun jeder Gott nennen mag und am Ende muB 
n\i) und folglich desto mehr lernen wir seinen Willen tun so wie 
das Salz das anschieBt. Dieses tut seinen Willen, und weiB es nicht, 
der Mensch mit einem Gefuhl das er BewuBtsein nennt, und was 
noch mehr ist mit einem Gefuhl als hatte er jenen Willen auch nicht 
tun konnen, wenn er nur gewollt hatte so wie wir auch glauben, 
der Wind der heute weht hatte auch heute nicht wehen konnen. 

[1350] 

Es ist gewissermaBen alles gut so wie eine Ebene, mit Sandkornern 
tibersaet, alle mogliche Zeichnungen enthalt, man diirfte nur die 
schicklichste marquieren. Da es aber doch gewiB ein bestes gibt, so 
muB man kiinstliche Bewegungsgriinde erschaiFen. Religion, der 
Philosoph schafft sich die besten selbst, dem andre [folgen] miissen. - 
Der gewohnliche Mensch ist in einem Boot mit einigem Proviant, 
auf der See wo er kein Land sieht, er hat Ruder und Krafte, aber 
lange kann er nicht da verweilen, so wird ihm Religion zum Leit- 
stern notig. Aber was fur eine nun? Ich sehe jede Religion als ein 
kunstliches System von Bewegungsgrunden an, dem man durch 
Auctoritat dasjenige Ansehen gegeben hat, das ihm sonst teils aus 
subjektiven teils objektiven Ursachen abgehen mochte. Das Ding 
das sich nicht anders bewegt, als wenn es gestoBen wird, muB 
wenigstens nach Regeln gestoBen werden. Ware die Kanone vornen 
so fest zu, als sie es hinten und von der Seite ist, so wiirde sie entweder 
gar nichts tun oder die Constabler erschlagen. - Hieraus, aus dieser 
Vorstellung ergeben sich nun durch Analysen eine Menge von all- 
gemeinen Satzen, endlich wenn man von mehrern Seiten kommt, 
so gibt es etwas. So kann der Witz der Erfindung durch Analyse 
sehr zu statten kommen und endlich darreichen was durch Synthese 
versteckt man nie fur einen Fund des Witzes erkannt haben wiirde. 

[i35i] 

Ja uber alles seine Meinung \sagen] mit so vielen Zusatzen von Neuem 
als moglich; ohne dieses wird aus allem nichts nur hute dich vor dem 
Drucken-Lassen. Nicht hlofi stilles Nachdenken sondern auch Aufschrei- 
ben erleichtert den Ausdruck sehr> sondern verschafft auch die Gabe selbst 
dem Auswendiggelernten eine Farbe des eignen Denkens zugeben [1352] 



250 SUDELBUCHER 

Man kann auch beim Sehen seine Aufmerksamkeit vor einen 
von 2 Piinktchen richten die ganz nahe beisammen sind, auf einen 
klein[en] Buchstaben und dann auf einfen] groBefn]. Aufmerk- 
samkeit auf den letztern ist denn doch nur aus den ersten zusammen 
gesetzt, da man jene feinere auf einzelne Teile tragt nach und nach. 

[1353] 

Hauptsachlich etwas tiefer zu untersuchen, wie eigentlich Be- 
wegungsgrtinde einem Volk fuhlbar gemacht werden konnen. Es 
sind bei den Menschen eigentlich nicht so wohl die sogenannte 
ausgesetzten Belohnungen sondern, das Lob was Leute von Gewicht 
gewissen Handlungen erteilen nur unter der Hand, so daB es laBt, 
als meinten sie es eigentlich nicht einmal als eine Belohnung. [i 3 54] 

Wie wiirde es sich mit einem Wiirfel verhalten, der das Licht 
etwa nach der Diagonale anders brache als nach deri Seiten, oder 
nach einer der Seiten anders als nach der andern? [1355] 

Vielleicht konnte auch die El[ektrizitat]. mittelbar wiirken auf 
die Pflanzen-Versuche. Staub abhalten, die Erde erschuttern, In- 
sekten entfernen. [1356] 

Nichts in der Welt kann schwerer sein als die Umstande bei Ver- 
suchen hinlanglich gleich zu machen; zumal bei den elektrischen 
Versuchen mit Pflanzen. Das Schiittern der Maschine, die Ausdtin- 
stungen der Menschen pp a lies konnte etwas mit beitragen. Die 
Frage ist ob nicht manche Sachen besser wuchsen, wenn man ihnen 
taglich etwas vorgeigte oder bliese, zumal mit der Trompete und 
dem Waldhorn [1 3 57] 

Ob die Musik die Pflanzen wachsen mache, oder ob es unter den 
Pflanzen welche gebe, die musikalisch sind ? [1358] 

Die Spanier haben ein Spriichwort das heifit: wer Pahst werden 
will mufi an nichts anders gedenken. Das tat Sixtus der 5-. [1359] 

Unsere kiinstlichen Systeme in der Naturgeschichte sind gewiB 
nicht die besten, man wahlt sie nur [aus] Mangel an einem natiir- 



HEFT J 1353-1368 25I 

lichen. Aber selbst der glaubt daB alle kiinstliche Systeme falsch seien 
wird doch zugeben miissen, daB wenn je ein naturliches System zu 
Stande kommt, man es gewiB dem unermiideten Eifer zu danken 
haben wird, womit man an den kiinstliche [n] gearbeitet hat. Eben 
grade so ist es mit den Hypothesen, und nun leugne jemand den 
Nutzen derselben. [1360] 

Es lafit sick gewifi nachjedem was gut gesagt ist etwas Ahnliches for- 
men t wenn es auch ofters blofi Transszendentmachung ware. Es kann ein 
Paradigma abgeben. [1361] 

Ein paradigma aufzusuchen wornach man dieses deklinieren kann. [1362] 

Anjeder Sache etwas zu sehen suchen was noch niemand gesehen und 
woran noch niemand gedacht hat. [1363] 

Zuweilen Beschreibungen in poetischer Prose zu machen oder sonst 
Schilderungen von einzelnen Gegenstanden; sie konnen alle gebraucht 
werden. [1364] 

So viel als moglich der gemeinen Meinung entgegen: So behauptete 
Meister und, wie mich dunkt, mit Recht, daflje longer die Welt stunde 
desto mehr Erfindungen wurden gemacht werden. [1365] 

Ob es wo hi moglich ware eine Maschine zu machen, wie z. E. 
eine Miihle, da man an einem Ende rohes Talg und Baumwolle 
hinein wiirfe und am [andern] Ende schon gegossene Lichter her- 
aus kamen? [1366] 

Ob man wohl die gezogenen Lichter nachher durch warme Ringe 
zieht? Dadurch konnten sie doch etwas bessere Form bekommen. 
Die Wachsstocke miissen auf eine ahnliche Art gemacht werden. 

[1367] 

In der leblosen Natur auf unserem Erdball geht alles mehr che- 
misch als mechanisch zu. Hingegen bei den Tieren finden wir den 
Hebel und den Strick, bei den Pflanzen ist viel Hydrostatisches. Was 
aber [geht] bei der Bewegung der Planeten bei der Schwere und 



252 SUDELBUCHER 

dem Anziehen der Krafte selbst wieder [von] Konnte da nicht 
etwas Hypermechanisches sein, so wie gewifi etwas Hyperchemi- 
sches dabei ist. [1368] 

Der Nebel von 1783 sollte die Meteorologen aufmerksam ge- 
macht haben, nicht alle Veranderung der Witterung im Luftkreis 
zu suchen oder vom Himmel zu holen. Ich mochte wohl den Kugel- 
Ausschnitt sehen dessen Basis Europa ware. Die Witterung hangt 
gewifi sehr von den chemischenOperationen ab, die in diesemKugel- 
Sektor vorgehen. [1369] 

Es ware wohl einmal der Mtihe wert die Chemie iiberhaupt mit 
einem zweifelnden Blick zu uberschauen. Es wird gewifi vieles was 
sie in den Korper linden erst gemacht auch ist dabei wohl zu be- 
denken, was einmal Deluc sagt: Die Luft sei ein einfaches Wesen, 
und kein Compositum, obgleich die Chemiker darin phlog. 
dephlog. und fixe Luft wollen gefunden haben. Die Bemerkungen 
finden sich irgendwo in seinen Idees sur la meteorologie (Idees 
T. II. Kap. V. 1 1.) Da die Natur alles in Luft verwandeln kann, wer 
weifi ob sie nicht umgekehrte Prozesse in Menge hat. Man bedenke 
nur die Cavendishische Verwandlung der phlog. Luft in Salpeter- 
saure. Und die beim Verbrennen von der dephlog. und infl. das 
Durchgehen der Luft durch die Retorte (NB) und der Dunste riick- 
warts. Ich fiirchte es kommt im nachsten Jahrhundert einmal ein 
chemischer Kant und wirft uns unsere jetzige Chimie uber den 
Haufen, doch hoffe ich hier mehr von einem chemischen Spinoza, 
als von einem chem. Kant. [1370] 

Einmal die ganze Chemie mit dem vorhergehenden Satz vox Augen 
durchzugehen. [1371] 

Etwas Jahre long fortzusetzen z.B. Jahre lang zu kochen, einzu- 
sperren in Glas, unter Quecksilber. [1372] 

Vieles von dem was man uber die Luft geschrieben hat ist un- 
brauchbar, weil man die Feuchtigkeit dabei nicht in Betracht zog. 
Auch Herr Crawford laboriert an diesem Fehler. Landriani bedient 
sich zum Trocknen der Luft im kleinen der Terr, foliat. Tart. [1373] 



HEFT J I368-I379 253 

Die Zerlegung der Zerlegungs-Mittel in der Chemie ist schwer, 
weil sie nicht immer auf einander wiirken Die El[ektrizitat].ist erst 
kurzlich unter die Zerlegungs-Mittel erhoben worden ; es ist immer 
noch eine Frage ob auch die durch El. erhaltenen Metallkalche 
ganz gnau von der Art sind, wie die durch das Kuchenfeuer erhal- 
tenen. [1374] 

Versuche mit Schwammen in den verschiedenen Luftarten. 
Linne, Biittner Miinchhausen und noch neuerlich D- Weifi haben 
es zweifelhaft zu machen gesucht ob die Schwamme zu den Pflan- 
zen oder Tieren zu rechnen seien. Sollten sich hier nicht entschei- 
dende Versuche anstellen lassen, die aus der Allgemeinen Physik ihre 
Unterstutzung erhielten, in welcher der Botaniker nicht immer be- 
wandert ist. [1375] 

Averrhoa Carambola heiBt beim Linne die empfindliche Pflanze 
deren gegeniiber stehende Blatter mit dem Riicken zusammen 
kommen wenn man einen Blatt-Stiel erschiittert Bruce beschreibt 
sie Philos. Transactions] Vol. LXXV P. II. p. 356. S. auch Bota- 
n[isches] Magazin 1787. 1— St. p. 96. [1376] 

Die Luft wird ein Organ fur die Erzeugung des Regens so wie 
sich Teile des Korpers durch Reiz in Eiter-Organe verwandeln, 
nach Herrn Grasmeyer. Das Organisieren und Desorganisieren in 
der Natur ist von groBem Umfang und liegt ganz auBerhalb des 
Sprengels der Chemie, wenigstens noch zur Zeit. [1377] 

Wenn wir Wasser als die Ursache der Feuchtheit, Licht als die 
Ursache der Hellheit (Helle) und Feuer fiir die Ursache der Warme 
ansehen, so konnen wir doch nicht leugnen, daB diese Ursachen 
ruhen konnen, wie die Vitriolsaure im Tart. Vitriol. - Da sich die 
Teile des Wassers im Eise zur volligen Trockenheit verbinden kon- 
nen wer will leugnen, daB dieses auch auBer dem geschehen konne? 

[1378] 

Wir konnen unmoglich die absolute Quantitat der Warme und 
der Elektrfizitat]. bestimmen, unsere Erde konnte sehr elektrisch 
sein, und daher etwas an den Polen aus fliegen? Sollte die groBere 



254 SUDELBUCHER 

Ruhe der Lander dort nicht etwas beitragen? Auch konnte die 
Elektrizitat aus einem verborgenen Quell herkommen, entweder 
innerhalb der Erde oder auBerhalb, so wie Licht und Warme von 
der , wer sollte wohl an einem gedeckten Tage glauben, daB das 
Licht und die schone Farben der Blumen in einem Garten von einer 
Kugel her riihre, die 21 Million Meilen von uns hangt? [1379] 

Herr Darwin glaubt in seinen schonen Versuchen frigorific Ex- 
periments on the mechanical Expansion of air Philos. Trans [actions] 
Vol. 1788. daB man vielleicht im Ernst noch einmal den Wind werde 
machen lernen, so wie ich vom Verfrieren der Stadte. Die mon- 
strosen Gedanken haben auch ihren Nutzen. [1380] 

Kann hierhei wohl ein monstroser Gedanke angebracht werde.n> so wie 
die im vorhergehenden §. sind. [1381] 

Wenn das Meer prismatischen Salpeter statt Kochsalz enthielte 
so konnte man (etwas monstros) die Entstehung desselben s o erklaren . 
Es ware eine ungeheure Menge dephlogistisierter und inflammabler 
Luft entziindet worden, diese gab das Wasser und die Salpeter- 
Saure, und die verbrannten Korper gaben das Alkali; was fur Kor- 
per?? [1382] 

Eine Federharzflasche mit Pulver zu fiillen wie einen Kanonen- 
Schlag und anzuziinden. [1383] 

Im Bad habe ich gefunden daB sich die Federharzflaschen vor- 
trefflich ansaugen, konnte man ihnen noch mehr Elastizitat geben, 
oder konnte man sie noch steifer haben, als meine eine schuppigte, 
so lieBen sie sich recht gut statt der Schropfkopfe gebrauchen. 

[1384] 

Wenn man bei dem Versuch zu Erlauterung der Haar-Rohr- 
chen das gefarbte Wasser zwischen die Glasplatten bringt, so merkt 
man, daB der geringsteDruck die FigurenauBerordentlich verandert. 
Dieses hat mich auf den Gedanken gebracht, ob man sich nicht 
dieses Umstandes bedienen konnte kleine Veranderungen in den 
Korpern wo nicht zu messen, doch wenigstens sichtbar zu machen. 



HEFT J 1379-1390 255 



f* 



Wenn A und B zwei unbestimmt lange Glasplatten waren und C 
ein Tropfen Spiritus Vini und die bei[den] Platten naherten sich nur 
wenig so wiirde der Tropfen sehr lange werden, wenn er namlich 
unten mit dem Reservoir kommuniziert aus den Eigenschaften der 
Haar-Rohrchen. [1385] 

Man hat bekanntlich eine sphdrische, eine theorische und eine physische 
Astronomic, diese sphartsche, theor, und physische Unterschiede auch 
in andern Dingen aufzusuchen. - Man wird es gewifi finden wenn man 
nur sucht. [1386] 

Da es ausgemacht ist, dafi das Licht noch mehr Nutzen hat als 
dem Auge zu leuchten, und folglich auch aus anderer Absicht zu- 
weilen dem organischen Korper nutzen [kann], so ist doch noch 
eine Frage ob alles was wir an Insekten fur Augen halten, 
wiirklich Augen sind. De Lahire zweifelte einmal daran. Einige 
Schmetterlinge haben sogar Haare auf diesen Augen. Reaum. 
Hist, des Insectfes.] [1387] 

Das seltsamste amphibische Insekt beschreibt Reaumur Mem 
de Paris 1714 Es lebt bloB mit dem Kopf und SteiB im Wasser der 
ganze ubrige Leib ist heraus. [1388] 

Die Frage: Ist dieses auch wahr? ja bei allem zu tun, und dann die 
Griinde aufzusuchen warum man Ursache habe zu glauben, daB es 
nicht wahr sei. [1389] 

Den 2™ Mai 1790 zum erstenmal mit meiner Frau auf den 
Garten gefahren herrliche Blute und Bienengesumse. Aber mir 
nicht recht wohl. Ich flng meine Beob. mit dem Schall wieder an, 
ob mir gleich der Mut sehr dazu gebrach. 
Urn XII h 2" 40" Wind Sud bei West. 

— I 2" 34" still. 

— II verfehlt 





Ill 


2" 


35" 










IV 


2" 


35* 








— 


V 


2" 


30" 


Der Wind p 



mir auch sehr gnau bewuBt, daB ich etwas friiher den Daumen ab- 
gezogen habe, so etwas ist unvermeidlich bei der Dauer des Schalls ; 
die kurzesten Distanzen werden aber alsdann die besten. Dieses ist 
ein Fehler [der] Glocken zu diesem Gebrauch. 
-VI abends 2" 38'" stille. [i 39 o] 

Den 3— Mai die Sonne zum erstenmal aufgehen sehen um % auf 
fiinf 

um 5 Uhr die Beobachtung versaumt, weil meine Taschen-Uhr 
5' zu spat ging. 

gens 2" 40'" 

etwas ungewiB. 

auf diese Beobachtung rechne 

ich viel. 



um 6 Uhr morgens 


2" 


40 


VII - 


2" 


42' 


VIII - 


2" 


V" 


IX - 


2" 


35' 


X 


2" 


37' 


XI - 


2" 


31' 


XII - 


2" 


41' 



[1391] 

Den 8— Mai wieder auf dem Garten. Wiederum nach dein Fah- 
ren sehr iibel. Um IX h machte ich 3 Observation [en] mit dem 
Schall so daB ich die Summe aller 3 bekam, die Summe betrug 

also eine = 2" 38^ 
um XII h betrugen 4 Observationen 10* 2$"' 
also eine = 2" $6'" 
Um IV h aus 2 Observation [en] 

= 2* 34" 
Um V h aus einer 

= 2" 38'" 
den 9— um III h aus 2 Observationen 

= 2 " 36 w [1392I 

Ja an das zu denken was Deiman mit Recht sagte die Deutschen taten 
jetzt nichtsfur Experimcntal-Physik. [1393] 



HEFT J 1390-1401 257 

Wenii man gesunden Urin mit der leichten Wolke in die Sonne 
stellt, so steht die Wolke fast nie stille. [1394] 

Die Natur hat vermutlich Wege zu isolieren von denen wir nichts 
Gewisses wissen Sie kann El[ektrizitat]. durch Zug latent machen 
hinterlegen wo sie will. [1395] 

1st es nicht merkwiirdig wenn man bedenkt, daB der groBe 
Scheele das Feuer, fiir eine Zusammensetzung von dephlogfisti- 
sierter] Luft und Phlogiston hielt, und daB die Neuern grade daraus 
das Wasser komponieren wenn man namlich mit Kirwan p. XXVII 
phlog. und infl. Luft fiir eins halt. Hier fiel einem Englander im 
Gentleman's Mag. Ciceros Bemerkung ein : Opiniones tarn variae 
sunt, tamque inter se dissidentes, ut alterum profecto fieri potest, 
ut earum nulla, alterum certe non potest ut plus una vera sit. Wenn 
man aber bedenkt, daB bei jedem Verbrennen Wasser entsteht, wie 
ich schon bei einer anderen Gelegenheit angemerkt habe, so konnte 
hier dennoch das Hauptsachlichste wahr sein und beide recht 
haben. [1396] 

Konnte nicht der Diabetes, die Brustwassersucht, und die Wasser- 
sucht iiberhaupt, aus einer Verdorbenheit der Einatmungs-Werk- 
zeuge herruhren, so daB Wasser gebildet wird, wo etwas anderes 
hervorgebracht werden soil. [1397] 

Hat man schon Versuche wie sich der Schall durch die Dampfe 
fortpflanzt z. E. in dem kupfern Kessel der Wilckeschen Luftpumpe 
noch ehe das kalte Wasser hinzu kommt. [1398] 

Man konnte auch das Barometer bei der Wilckeschen Luft- 
pumpe anbringen. [i399l 

Wir wissen so wenig von den Kraften der Materie, daB wir gar 
nicht wissen konnen, ob nicht die Tiere ebenfalls durch Krystalli- 
sation entstanden sein, denn was ist Krystallisation? Jetzt ist die Welt 
zu alt noch Menschen auf diese Weise hervor zu bringen. [1400] 

Wie differiert das Leuchten vom Phosphorus vom Brennen des- 
selben. Er leuchtet in fixer Luft, brennt aber nicht in derselben, und 



258 SUDELBUCHER 

nach welcher Theorie laBt sich dieses erklaren? Der Versuch ist 
von Herrn Tromsdorf. Gottlings Almanach 1790. p. 123 [1401] 

Meine groBe Batterie einmal am Drachen zu laden [1402] 

Sollte es nicht ein Mittel geben Metall auf andere Weise unter 
dem Wasser zu verkalken, als die Elektrizitat? Antwfort], Schwer- 
lich. [1403] 

Man sollte notwendig mehr darauf denken die Eudiometra zu 
vervielfaltigen oder den chemischen Gehalt der uns umgebenden 
Luft kennen zu lernen alles recht genau was sie enthalt, um dadurch 
etwas mehr Licht iiber das zu bekommen was in der Erde vorgeht 
hieruber ist noch die groBte Dunkelheit verbreitet. Wir wissen zwar 
vieles von den sogenannten bosen Wettern in der Erde, aber diese 
bosen Wetter kommen audi gewiB herauf zu uns, so bald nur die 
Luft in der Atmosphare dazu disponiert ist, entweder durch ver- 
minderten Druck, oder sonst chemische Veranlassung. Man wurde 
da gewiB auf die Ursachen der Influenza gestoBen sein. Auch ist es 
mir wahrscheinlich, daB der Nebel 1783 etwas Permanentes ist, 
was vielleicht ein Bindungsmittel des Wassers abgibt mit der Luft. 
Ich habe irgendwo gelesen, daB man Luft in destilliertes Wasser 
geblasen hat. [1404] 

Sollte wohl die Luft die uns umgibt noch dieselbe sein, die sie 
vor Alters war oder sollte wohl das Seewasser dasselbe sein? Oder 
ist die Erde-Kugel nur da um bestandig diese Reservoire wieder 
zu fiillen, die bestandig verbraucht werden, und aus denen immer 
etwas gebunden wird, das nicht wieder zuruckkehrt. Es ist klar, daB 
unser Meer und unsere Luft nur der Schaum von der Suppe ist, die 
inwendig gekocht wird, und wenn in der Erde Luft entwickelt wird 
so steigt sie gewiB immer aufwarts, bleibt hangen wird wieder ge- 
bunden, oder kommt am Ende herauf. Luftblasen konneh viel- 
leicht Jahre lang hangen, bis sie durch eine Erschiitterung oder Er- 
warmung wieder etwas herauf riicken. Daher riihren vermutlich 
die atmospharischen Erscheinungen, die man bei den Erdbeben 
bemerkt. Auch kann der Mondesstand etwas dazu beitragen. 

[1405] 



HEFT J 1401-1412 259 

Unsere Erde ist unter den Geschopfen die im Meer der Himmel 
um die Sonne herum spielen der Zitter-Rochen. (die elektrische 
Erde) [1406] 

Ja alles was kiinftig gebraucht werden kann, zumal fur die Physik, 
gletch einzeln auszuarbeiten, bald hinten im compendia bald vornen, so 
wie Seekatz make ohne dieses Verfahren ist nie ein grofies Werk ge- 
schrieben worden. [1407] 

Sollte wohl das Auge nur allein zum Sehen taugen, oder nicht 
auch ein Verdauungs-Werkzeug fur das Licht sein. Ich kann mir 
auch nicht vorstellen, daB das Ohr nur allein zum Horen und 
die Nase zum Riechen dienen sollte. Was fur eine Menge von sanf- 
ten Erschiitterungen entgeht dem Tauben. Dieses hangt sehr gut 
mit einer Bemerkung in meiner Krankheit zusammen. Sollte auch 
zum Ex. die Erquickung, die uns der Anblick der aufgehenden 
Sonne gewahrt ganz allein moralisch sein? Richter in seiner Ab- 
handlung de insolatione veterum sagt wenigstens dunkt mich: Man 
solle um die Augen zu starken zuweilen in die Sonne sehen. [1408 ] 

Die Verdiinstungs-Rechnungen nach der blofien Oberflache der 
Lander sind gewifi alle sehr falsch, weil sie die Blatter der Pflanzen 
nicht in Betracht ziehen, und ziehen konnen. Siehe hieruber einen 
sehr merkwiirdigen Aufsatz im Esprit des Journaux Avril 1790 
p. 361. Siehe etwas aus dieser Abhandl. in meine[n] neue[n] 
Exzerpten S. 31. [1409] 

Die Hitze beim Feuer-Schlagen ist erstaunlich da sogar der Stahl 
schmilzt und zum Teil verkalkt wird, wie bei der Stahlfeder in 
dephlog. Luft. [1410] 

Alles neu so wie meine Tafel fur die Elektrizitdt. - Ltefie sich eine 
Tafel hiervon machen, oder lassen sich schickliche Zeichen gebrauchen? 

[1411] 

Der von Herrn Hellwag im neuen dfeutschen]. Museum. 4. St. 
1790. p. 420 seqq. gegebenfen] sinnreichen Erklarung des viel- 



260 SUDELBUCHER 

fachen Regen-Bogens kann ich dochim Ganzen nicht beipflichten. 
Die regelmaBigen ringformigen Wellen sind wohl nicht zu erwarten 
bei K6rper[n] die so sehr vom Winde getrieben werden, die sich um 
ihre Axe drehen und ich sehe auch nicht ein, wie solche Wellen sich 
nicht sollten auf den ganzen Tropfen erstrecken, da man bei dem 
geringsten Blasen auf einen Tropfen nicht so wohl Wellen mit dem 
VergroBerungs-Glase bemerkt als Biegungen und Schwankungen 
des Ganzen. Man kann dieses sehr schon sehen wenn man einen 
Tropfen sehr blasse Tusche mit dem VergroBerungs-Glase betrach- 
tet. Mir ist folgende Erklarung wahrscheinlicherf :] Die Wolken be- 
stehen aus Blaschen, aber nicht der Regen, der aus Tropfen besteht, 
die Wolken sind nie lange dieselben, die Blaschen zerspringen, und 
formieren Tropfen und es entstehen neue Blaschen teils aus den 
wieder aufgelosten Tropfen teils aus der ersten Quelle der Dampfe 
in der Luft oder nach einem unbekarmten ProzeB aus der Luft 
selbst. Wo nun zerspringende Blaschen in Tropfen iibergehen, da 
ist es unmoglich, daB nicht ehe das zerplatzende Hautchen sich 
zum runden Tropfen sammelt [es] vorlaufig andere Figuren anneh- 
men sollte die nicht spharisch sind, ja selbst zwei sphar. Tropfchen, 
die in eins zusammen flieBen formieren kurz vorher einen spharoi- 
dischen. Da nun dieses Zerplatzen der Blaschen jeden Augenblick 
unzahligemal unter physisch gleichen Umstanden wiederholt 
wird, so sieht man leicht daB solche Erscheinungen moglich sind. 
DaB der Haupt-Regenbogen sich so verhalt wie es die Theorie vor- 
aussetzt beweist nicht sowohl, daB unter den unzahlichen Tropfen, 
die bei weitem groBere Anzahl spharisch sei, sondern weil die Ku- 
gel keine Seite hat die Lage gegen das Auge dem Auge nicht gleich- 
giiltig ware, das Auge sieht die Kugel immer rund sie liege wie 
sie wolle, da hingegen der Spharoid dem Auge in unzahligen Ge- 
stalten erscheinen kann, folglich konnen nur verhaltnismaBig we- 
nige die Lage bekommen, die fiir jene Bogen die giinstigste ist, die 
iibrigen stellen uns so schwache Bogen vor daB wir sie nicht sehen 
konnen. Eine Frage aber hierbei ist, ob solche Bogen kreisformig 
sein konnen. Allerdings. Denn wenn eine Lage des Spharoids der 
Farbe-Erzeugung besonders giinstig ist, so wird das Auge nur diese 
sehen. Nun miiBte noch untersucht werden, wie es sich mit Farben 
in einem elliptischen Spharoid verhalt. Dieser Teil ist ganz mathema- 
tisch. [1412] 



HEFT J 1412-1416 26l 

Am 23 [— ] Jun. 1790. da wir die Gewitter allhier hatten stieg das 
Reaum. Thermometer in der Sonne auf 26 Grad in Saussure's 
Kasten auf 56. Ich uberfirniBte einige Rosen- und Ringelblumen- 
Knospen, die schon nach einigen Stunden welk herab hingen, da 
sich hingegen, die Lilien-Knospen uberfirniBt iiber 3 Wochen hal- 
ten, zwar kleiner bleiben aber [sich] doch entwickeln. [141 3] 

Herr Hube in seiner Schrift iiber die Ausdunstung, bemiiht sich 
das was man Kapazitat fur die Warme nennt allein durch die mehr 
oder mindere leitende Kraft der Korper zu erklaren. Ich sehe aber 
gar nicht wie dieses moglich ist. Silber ist unter alien Metallen der 
starkste Leiter, und seine Kapazitat ist dem ohngeachtet gering wie 
ich glaube. Oberhaupt scheint Herr Hube IngenhouBens Versuch 
iiber die leitende Kraft der Metalle nicht zu kennen, und daher etwas 
ganz anderes leitende Kraft zu nennen. [1414] 

Aus dem Regenbogen erkennt man daB der groBte Teil der 
Regentropfen wenigstens rund sein musse; die Neben-Regenbogen 
zeigen aber daB noch andere Dinge in derRegenwandvorgehen. - 
So konnen kleine Dinge groBe Zeichen ihres Daseins geben, welches 
man nicht genug merken kann. Die Expansions-Krafte fuhrten 
Herrn Lesage auf die konkav-konvexe Form der Elementarischen 
Teilchen. Eine kleine Veranderung in einem Dinten-Fleck kann da- 
durch sehr merklich werden, wenn ich mir ein Gesicht darunter 
gedacht habe. Dahin gehort auch was auf der folgenden Seite XXX. 
Kol. 2 oben von den Farben der Korper gesagt ist. [141 5] 

Warum ich Herrn Lesage's Theorie so sehr bewundere davon ist 
vorziiglich dieses der Grund, daB sie uns indem sie auf Analogie und 
strenge Geometrie gestiitzt vor sich her aufraumt, und das AuBerste 
unseres Erkenntnis-Kreises umfaBt, alles kleinliche hypothetische 
lokale Spielzeug verschlingt und alles weitere Traumen unniitz 
macht. Ist es ein Traum, so ist es der groBte und erhabenste der je 
ist getraumt worden, und womit wir eine Liicke in unsern Buchern 
ausfiillen konnen, die nur durch einen Traum ausgefullt werden 
kann, und ist der Traum in sich zusammenhangend, entfernt man 
sich nie von den Vorschriften einer richtigcn Analogie, so kann er ja 
die Wahrheit selbst sein oder ihre Stelle vertretten. Er kann in Typen 



262 SUDELBUCHER 

lehren, so wie man in Allegorien predigt. Ja der Taubstumme lernt 
in Tonen sprechen die er selbst nicht hbrt indem von seinem Auge 
geleitet er die Bewegung der Sprechmuskeln nachzuahmen strebt. 
Man muB nicht kommen und sagen Herr Lesage kann Unrecht 
haben, man muB ihm zeigen, daB er und wo er wurklich Unrecht 
hat, oder einmal etwas Besseres an seine Stelle setzen. Alles andre 
Disputieren ist gemeiniglich die Folge eigner Unfahigkeit, eigener 
Indolenz oder auch des Neides. Siehe zu Verteidigung dieser Theorie 
oben in diesem Buch S. 56 ein paar Worte. 
Ein Webstuhl fiir die Korper. [X416I 

Schon die Farben der Korper verraten eine gewisse RegelmaBig- 
keit, die das Auge hierdurch nur dunkel erkennt. [1417] 

Lord Mahon soil in seinem Werk iiber Elektrizitat sagen, daB er 
durch die Theorie des HerrnLesage auf seinenlndirTerenz-Punktge- 
kommen sei. Ich habe vor langer Zeit das Werk gelesen und rezen- 
siert, erinnere mich aber dessen jetzt nicht. Die Seegersche Uber- 
setzung anzuschafFen. [141 8] 

Es miiBte sich aus der Lesagei'schen Theorie dartun lassen, daB die 
Corpuscules gravifiques die Ursache aller Bewegung in der Natur 
sind. Denn sie machen die fluides discrets, das Feuer Warme und so 
weiter. Dieses ist doch wurklich ein groBer Gedanke : das was die 
Korper gegen die Erde fallen macht ist der Grund aller Bewegung 
in der Natur. [1419] 

Auf das Unsichtbare und nicht Pondrable in der Natur paBt 
Lukrez. Vers. Lib. I. v. 329 sehr gut: 

Corporibus caecis igitur natura gerit res. [1420] 

Was hat man nicht die Alchymisten mit ihrem trocknen Wasser 
ausgelacht jetzt spricht man und zwar sehr mit Recht eben [so]. 
Man sagt gebundenes Wasser. [1421] 

Ja,bei alien Ausarbehungen des Maler Seekatz Manier zufolgen: 
Heimlich nachdem der Plan entworfen ist bald hier bald dort zu arbeiten, 
einzelne Betrachtungen zu vollenden, ja selbst Ausdrucke/wr diesen oder 



HEFT J 1416-1429 263 

jenen Ort zu sammeln, je nachdem man aufgelegt ist. Dieses unterhalt 
den Mut, den nichts so sehr niederschldgt,als der Mangel an Abwechselung 
und ein methodisches Fortschreiten in der Ausarbeitung von unten auf 
Man kann wohl mit Zuversicht behaupten, dajS in keinem guten Gedicht 
in der Welt der erste Vers zuerstgemacht worden ist. [1 422] 

Finery Cinder iibersetzt Herr Morveau in einer Note zu Kirwan 
sur le phlogistique, p. 342 (lurch laitier d'affinerie und nennt es une 
pure chaux de fer ou scorie, absolument semblable aux ecailles de 
fer brule a Fair libre. Im Esprit de Journaux wird es durch Fraisil 
iibersetzt. 1790. avril. p. 75. [1423] 

Herr Prof. Martinichow hat sehr schone Versuche mit dem Knall- 
Gold in allerlei Luftarten angestellt, die in Gottlings Almanach fur 
1790 stehen - allein wichtig ware noch immer ein Versuch mit 
Phosphor-Luft. [1424] 

Neues Compendium. Ober MaBe undGewichte umstandlich. 
Es steht viel schones dahin Gehoriges in der franz. Ubersetzung 
von Kirwan on Phlogiston p. 37 seqq. [1425] 

Gegen Hube. Hat Herr Hube auch bemerkt, dafi eine Mischung 
von inflammabler Luft und gemeiner undurchsichtig wird? oder 
halt er dieses auch fur Auflosung? [1426] 

In alien Stucken zu sammeln nicht bloft Wahrheiten, sondern auch 
Wendungen und Ausdriicke fur gewtsse Gelegenheiten, wenn man sie 
ofters durchliest, so vermehrtsich der Vorrat durch ahnliche. [1427] 

Sich eine Marsch-route der Arbeit fur den Tag nach den Stunden zu 
entwerfen. [1428] 

Am27[~] und28[— Jjulii 1790 stellteichwieder den Goezischen 
Versuch mit dem Aale an habe aber wiederum nichts bemerken kon- 
nen. In Gegenwart des Herrn Ay eke am 27 [— ] bedienten wir uns 
des bloBen Eisens, wie die Danziger Fischer tun sollen. Den andern 
Tag gebrauchte ich auch den Magneten, aber ebenfalls vergeblich. 

[1429] 



264 SUDELBUCHER 

Es mufi ja in allem ein gewisser Geist sein, ein Blick, der gleichsam 
ah eine Seek das Game leitet. [1430] 

Am 30 [— ] Julii (90) habe ich auf dem Garten selbst bemerkt, 
daB bei der Paarung der Fliegen das Mannchen unten sitzt oder viel- 
leicht das Weibchen die Miindung seines Uteri dem Mannchen in 
den Leib stoBt. Den 23. Aug. noch einmal und ganz zuverldssig. 

fH3i] 

Beccaria hat mit der Elektrizitat geschossen vermittelst des Was- 
sers. [1432] 

Wie muBte ein Metrometer aussehen, oder welche Maschine 
konnte man so nennen? Vielleicht das Sekunden-Pendel. [1433] 

Wenn der Dunst von liquor anod[inus] pp eine Auflosung ware, 
so ist es nicht wahrscheinlich, dafi er noch eben so riechen wiirde? 
(n[i) muB weiter gepriift werden. [1434] 

Eine neue undgrofie Idee hteruher schon der Gedanke und die Hoffhung 
spannt den Geist immer etwas besserzu sehen. [1435] 

Herrn Lesage's Theorie auf die Kometen-Schwanze anzuwenden. 

[1436] 

Wasser und Luft konnen vulkanische Produkte sein. [1437] 

Nichts setzt dem Fortgang der Wissenschaft mehr Hindernis 
entgegen als wenn man zu wissen glaubt, was man noch nicht weiB. 
In diesen Fehler fallen gewohnlich die schwarmerischen Erfinder 
von Hypothesen. [1438] 

DaB zur Schmelzung der Kiesel-Erde Feuer allein nicht zureicht, 
konnte uns iiberhaupt aufmerksam auf alle Schmelzungen machen, 
ob nicht ahnliche Umstande auch bei andern statt finden, ohne daB 
wir eben grade notig haben das dritte selbst hinzu zu tun. [1439] 

Ich habe das Wort tropf bar statt liquid gebraucht und ich habe 
gefunden, daB es einige Physiker angenommen haben. Es schlieBt 



HEFT J 1430-1445 265 

namlich so wohl die festen Korper als die luftartigen aus, ihre Ober- 
flache stellt sich horizontal, sie besitzen wenig Elastizitat. Mein 
+ E und - E ist ebenfalls angenommen worden auch schon von 
Auslandern. [1440] 

So wie beim DifFerenzieren die Konstante verloren geht, so ist 
es auch bei den chemischen Analysen. Man sollte also Schwefel 
= Phlog[iston] + Vitriol-S [aure] -f Konst. schreiben NB (siehe 
hieriiber auch noch Exzerpte p. 41) oder so: die chemischen Zer- 
legungensind denDifFerential-Gleichungen in derhoherenRechen- 
Kunst ahnlich wobei die Konstanten verloren gehen. Hierbei kann 
vielleicht auch noch die Vorstellung gebraucht werden, deren sich 
Lukrez haufig bedient Ignis signi usw. Sieh[e] H.p. 6. [1441] 

Was wiirde erfolgen wenn man die chemischen Versuche in 
vollig getrockn[et]er Luft anstellte, denn ich glaube das Wasser 
spielt eine groBe Rolle in derselben? [1442] 

Wie hangt eigentlich das Roten der Krebs-Schalen mit den che- 
mischen Grundsatzen zusammen. Versuche hieriiber. Wie verhal- 
ten sich ungerotete Krebse in den verschieden[en] Luft-Arten fixe 
Luft pp. [1443] 

Zimmer schwarz tapeziert muBte sich besser heizen lassen nach 
dem was Pictet. Essais. T.I. p. 49 erzahlt. S. p. LVIII. Kol. II. 3. 

[1444] 

Irregulare Dinge bestehen in der Natur sehr oft aus einer Ver- 
bindung von mehren regularen. Wenn ich 3, 4 Zeichnung[en] auf 
geoltem Papier aufeinander lege, so sehe ich nicht mehr deutlich, 
selbst das oberste nicht mehr. In der Witterung konnen Zirkel 
sein, da von 1 alle Jahr der andere alle 2 Jahre, der dritte alle 10 
Jahre pp herein kommt. Am 20— August 1790 sahe ich auf 
der Chaussee einen Wagen mit Blei vorbeifahren, hinten stund ein 
Brett etwa 3 FuBe hinaus das gespalten war, und dessen beide Telle 
verschiedentlich oszillierten 5 bis 6 Sekunden schien das Brett we- 
nig zu schwanken auf einmal fing es an zu schwanken und zu rap- 
peln, dann lag es wieder stille, selbst unter den Schwankungen mit 



266 SUDELBUCHER 

Getose waren einige die mehr larmten und langer anhielten als die 
iibrige, sie hat wieder ihre Perioden. NB. NB. [1445] 

Zu derZeit, da man sich mit einer Sache beschaftigt, da sie einem vollig 
gelaufig und gegenwartig nach alien ihren Teilen ist t mufi man suchen 
sie allem anzupassen auch oft den entferntesten Gegenstanden, dutch 
Gleichnisse, Analogien erlautern und andere Sachen mit ihr. [1446] 

Was wird aus der Menge von entzundbarer Luft die bestandig 
entwickelt wird, und so schnell die hohren Gegenden sucht? [1447] 

In Kalkwasser gewaschene reine und dephlog. Luft jedoch nicht 
heftige Knalluft iiber Kalkwasser zu ziinden und zu sehen ob fixe 
erzeugt wird, gegen Gren der glaubt, kein Verbrennen erzeuge 
fixe Luft. [1448] 

Zu den Albernheiten, die mit dem sogenannten Tierischen Ma- 
gnetismus Analogie haben kann man auch die Kiinste des Wasser- 
sehers, Quellensehers Bletor rechnen S. Goth. Mfagazin]. I. 2.100 

[i449] 

P. Cotte. (S. Goth. Magazin I. 3 . p, 42) Stellte Versuche iiber die 
Ausdiinstung an, unter den Resultaten heiBt das erste so: hieraus 
erhellt nun 1) daB die Erfahrung der Theorie schnurstracks entgegen 
gesetzt ist. [1450] 

Werners Ather zu vergleichen mit Carra's gefalligem Agens. 
S. Goth. M. I. 3. 133. auch Rabiqueau's Sonne ibid [em] p. 131. 
Ein physikalisches Tollhaus, Bedlam oder Bicetre konnte eine Ab- 
teilung in einem phys. Journal werden. Auch Harrington, ibid. p. 
145. auch Vialon ibid. I. 4. 205 vielleicht auch Lyon ibid. p. 202. 
Carra noch einmal ibid. I. 4. 210. Auch Goth. M[agazin], III. 1.159. 
160. [145 1] 

Zu versuchen ob Pelletier Recht habe, der ungeloschten Kalch 
mit etwas Wasser loschte und Feuer bemerkte als er ihn im Dun- 
keln umriihrte Goth. Mag. 1. 4. 40. Auch Elektrizfitat]. dabei. [1452] 



HEFT J 1445-1458 267 

Als am 27. Aug |ust] 1790 abends das Dorf Hetjershausen in 
der Nebelbanke begraben lag, die von der Sonne etwas erleuchtet 
war und aussah, wie der hahnenkammformige Schwerspat, hatte 
man nicht gedacht, daB da unten Menschen ruhig leben, Tabak 
rauchen und amour treiben konnten. [1453] 

Nach Lesage's Theorie konnte die Sonne zum Quell aller 
Warme und alles Lichtes, so wie die Schwere zu dem aller Be- 
wegung gemacht werden, [1454] 

Ich mochte wissen, ob die Zitterer auch bedenken, was ge- 
schehen wiirde wenn ich in den Mittelpunkt eines spharischen 
leeren Raums dessen Durchmesser der Distanz des Sirius gleich 
ware, auf ein Drachme Eisenfeil ein Drachme Vitriol-Geist gosse? 
Welcher unter ihnen wiirde es wagen zu leugnen daB nicht der 
ganze Raum in einer Sekunde mit infl. Luft angefiillt werden 
wiirde. Ich sage im vollig leeren Raum. Sollte das Auflosung im 
Ather sein, wie Werner meint, was wiirde aus unsrer Luft werden. 
Noch besser Knall oder 3) hiebei ja zu lesen was Goth. M. V. 4. 
50 steht, schon die Beriihrung so gar von Wasser bewiirkt die hef- 
tigste Explosion, wie leicht gebunden ! [145 5 ] 

Die Veranderungfen] auf unserer Erde haben sicherlich ihren 
Grund von innen, wenigstens miissen wir ihn da suchen, weil da 
Ursachen genug sind, die noch taglich fortdauern. Von auBern wir 
aber eigentlich noch gar nichts erlebt haben. [1456] 

Meine Gedanken vom Feuer 1) Was man so nennt? Kann das 
Licht davon getrennt werden und wie? Herrn Gren's Meinung. 
Deluc pp. Entstehung desselben. Alle bekannte Arten erzahlt, also 
Ursprung der Warme. Erxleben. Urspriingliche mitgeteilte, Lei- 
tung derselben. Pictet. IngenhouB. Reflexion Brechung. kurz freie 
Warme umstandlich: alsdann kombinierte. Crawford. Gren. und 
die iibrigen. Muschenbroek. Scheele. Macquer. D- Gehler. Vapori- 
sations- und Fluiditats-Feuer. Wieglebs Geschichte des Wachstums 
in der Chymie. [1457] 

Was ist hieriiber ausgemacht, was mufi noch erst ausgemacht werden. 

Was ist schwerlkh auszumachen y und dennoch niitzlich. [1458 ] 



268 SUDELBUCHER 

1st noch in diesem Fache ein Herschel moglich? [1459] 

Die Zitterer sind noch nicht darauf verfallen, andere Arten von 
Warme, nach den Schwingungen so wie Tone und Farben anzu- 
nehmen. Also sind unsere Nerven keine Schwingungszahler fur 
das zitternde Feuer. Sollte die Elektrizitat so etwas sein? Ein nicht 
ganz reif gewordenes Feuer oder eine Modification desselben 
Wesens, so wie etwa bei Verbrennen der inft. und dephlog. Luft, 
bald Wasser, bald Salpeter-Saure bald RuB entsteht. Beseke ist auf 
diesem Wege Goth. M. IV. 1. 125. [1460] 

Einen leeren Bogen vollkommen trocken zu wiegen alsdann 
vollzuschreiben wieder zu trocknen, und wieder zu wiegen. [1461] 

Crawford ist bei seiner Theorie in den Fehler verfallen, in wel- 
chen audi diejenigen geraten, die den Regen, aus einer Verminde- 
rung der Kapazitat der Luft fiir die Feuchtigkeit halten. [1462] 

Nicht blofi das Alte schon zu erklaren und schon zu tnachen suchen 
zum Exempel der Englander, Delucs und Lesage's Erjindungen, sondern 
audi selbst neu[e] Blicke zu wagen. NB. Kant. [1463] 

Van Marum sollte im foco eines Metallspiegels eine elektrische 
Flasche losschlagen lassen, und sehen ob ein Luftthermometer nach 
Art der Pictetschen im foco eines anderen steigt. NB. [1464] 

Hat es wohl je jemanden von Geriichen getraumt, wozu keine 
Veranlassung auBerlich da war, ich meine z. E. von Rosengeruch 
zu einer Zeit, wo keine Rose oder Rosenwasser an die Nase kom- 
men konnte. Von Musik ist es gewiB, und von Licht auch, allein 
Empfindung[en] von Schmerz im Traume, haben gemeiniglich eine 
auBere Veranlassung von Geruch bin ich ungewiB. [1465] 

Die vis antigrave, die Pictet beim Feuer bemerkt, konnte doch 
eine bloBe Folge seiner Expansibilitat sein. Denn da sie sich vermut- 
lich schon ausbreitet noch ehe sie unsere Thermometer anzeigen, 
so konnte ihr doch die Erde Schwierigkeiten in den Weg legen, die 
sie nach oben zu nicht fmdet. [1466] 



HEFT J I459-I4<>9 



269 



So wie das Sonnen-Licht weggeht so verliert sich auch die 
Warme, und es ist eine Frage ob sich nicht am Ende alles Licht aus 
der Erde verlore, wenn die Sonne wegginge. [1467] 

Zu Untersuchung tiber die Fortpflanzung des Schalles unter 
dem Wasser konnte der See zu Seeburg auch vielleicht etwas weit 
von Gottingen die Leine genommen werden. Vielleicht brauchte 
man gar nicht unter zu tauchen. A und B waren 2 holzerne Kasten, 
die wasserdicht und versenkt werden konnten, an den Seiten a und 
b die einander gegen iiber stiinden konnte man Eisenbleche einset- 
zen und inwendig an das Eisen anschlagen und dann sehen ob man 



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es im andern horte, man konnte auch dagegen schreien. Noch 
besser vielleicht man steckte ein blechernes GefaB von der Form 



^ 



das bei c verschlossen ware in das Wasser und hielte das Ohr in D 
wahrend als in der Feme jemand ein paar Steine unter dem Wasser 
zusammen schliige. Auch Kanonen-Schlage unter dem Wasser. 
Dieses Instrument kostete nicht viel, und konnte [n] erst ganz in der 
Stille Versuche damit gemacht werden. Franklins Versuch steht 
Exper. & Observ. on Electricity London 1769. 4— p. 435. DieLeb- 
haftigkeit die Franklin bei dem Schall der Steine vernahm konnte 
freilich daher riihren, daB das Wasser an seinen Ohren lag. (Herr 
Monro soil Versuche dariiber haben in seinem Buch iiber die 
Fische. So sagte mir Herr Townson im Aug. 1792.) [1468] 

Feuer absolute Elastizitat ist eine Qualitas occulta. Wir diirfen 
nichts annehmen, als Materie, Form der Teile, Tragheit und Be- 
weglichkeit, Elastizitat besteht in einem Streit zweier stoBenden 
Krafte. Recht erklart was Expansibilitat ist, und wie sich ein sol- 
ches Fluidum ausbreiten kann. Ich sehe gar nicht das mindeste Wi- 
dersprechende in der Vorstellung, daB sich ein Drachme Pulver im 
Mittelpunkt einer leeren Kugel bis an den Sirius ausbreiten sollte. 
Wir konnen ja doch einmal nur menschlich von diesen Dingen re- 
den. Auf unsrer Erde durchkreuzen sich eine Menge solcher 



270 SUDELBUCHER 

fluidorum worin eines im andern sein kann. Also fur ein solches 
elastisches Fluidum, nur sehr viel feiner, halte ich das Feuerwesen. 
Woher bekommt es aber seine Elastizitat. Dieses kann das Licht 
sein. Die Feuerpartikeln Ziehen sich, das heiBt sie werden von ihrem 
Fluido zusammen gehalten und das Licht wirbelt in ihnen, der- 
gleichen ja schon Bernouilli angenommen hat. So haben wir ein 
elastisches Fluidum wobei Licht und FeuerstofF die Bestandteile 
sind. So wie Wasser und Feuer bei den Dampfen, die man daher 
recht genau untersuchen sollte. Dieses Fluidum wiirde, wie jedes 
andere expansibele Fluidum eine leere Kugel bis an den Sirius durch 
dringen, da aber diese Kugel nicht leer ist, so geht es langsamer, es 
stoBt an wird in sich selbst zuriickgeworfen, und dadurch wiirkt 
dieses Fluidum die erste und hauptsachliche Erscheinung namlich 
es strebt andere Korper zu expandieren oder es wird zum Antagoni- 
sten seines zusammentreibenden Fluidi, das ist seiner anziehenden 
Krafte - Bei dieser Theorie werden freilich viele zusammen 
treibende Fluida angenommen Fluida, die alle am Ende expansible 
Fluida sind allein gewiB kommt diese Voraussetzung gar den 
Schwierigkeiten nicht bei, die bei Einschachtelungen statt finden, 
welches System so lange mit Beifall aufgenommen worden 
ist. Es ist ja hier nicht um vollige Oberzeugung zu tun, sondern um 
Beruhigung, so wie in der Religion. Will jemand sich damit be- 
ruhigen da8 er die Hand auf den Mund legt und sagt davon weiB 
ich nichts, so muB man ihn deswegen nicht anfeinden. Allein er 
muB auch nicht glauben, daB er mit seinem Ansehen den Unter- 
suchungs-Geist andrer lahmen will. Ja er wird sich es sogar miissen 
gefallen lassen, daB ihm diejenigen, die sich nicht mit ihm be- 
ruhigen konnen, es ihm fur Tragheit, Eigensinn oder Unfahigkeit 
auslegen, oder gar neidischen Eigendiinkel. Solche Urteile iiber 
den Mann der nicht ofFenherzig verfahrt bleiben wenigstens nach 
seinem Tode nicht aus und das ist sehr recht. Ansehen, als bloBe 
Folge eines noch nie ernstlich untersuchten Kredits muB nie gedul- 
tet werden. Alles was hier angehort werden kann ist kaltblutig 
apodiktischer Beweis der Unmoglichkeit, oder besser ma- 
chen. Sollte dieses jemand fiir einen Traum halten, wohlan, so 
trenne er es ganz von Physik und betrachte es als ein bloBes mecha- 
nisches Problem, dieses wird er doch gelten lassen miissen, oder er 
muB seine Unfahigkeit bekennen, und dieses steht jedermann frei, 



HEFT J 1469-1473 



271 



ja man raumt einen in der Welt fast nichts leichter ein. - Herr Lesage 
nimmt vieles an. Recht gut das ist wahr. Kannst du es ausfiihren 
mit wenigerem so zeige deine Kunst. Die Frage ist hier wieder: 
ist es moglich etwas Einfacheres zu denken? ist es moglich einfacher 
anzufangen als er - (Es mufi hier besonders auseinander gesetzt wer- 
den was man Beruhigung nennt). Es soil uns ja dieses nicht von 
Baco's Weg abfiihren, die Natur bloB durch Versuche zu erfor- 
schen, eigendunkelvolles Erwarten, soil uns nicht gegen das 
Wiirkliche blind machen. (Hier von der falschen Scham bei ge- 
wissen Jahren seine Meinung zu andern, und sich unter den Scepter 
des uberlegenen Genies eines anderen zu beugen. Wo diese ist, da 
ist wahre Philosophic noch sehr feme, es geht freilich schwer ein ; 
allein so lange es noch schwer eingeht, so ist es ein Zeichen, daB man 
eine Kraft noch nicht geiibt hat in deren Besitz man ist. Hier New- 
ton, Franklin, Meister. Was das fur ein Gliick ist mit einem solchen 
Manne umzugehen und nicht durch seine Regeln, sondern durch 
sein Tun geleitet zu werden, die Regeln werden auch nur dann erst 
verstanden, wenn man den besten Teil schon ohne es zu wissen aus- 
iiben gelernt hat - Bei dem Feuer ist noch zu untersuchen ob nicht 
dieses elastische Fluidum auch erschiittert werden, und was alien- 
falls davon fur eine Wurkung entstehen konnte. [1469] 

Wenn ein elastisches Fluidum entwickelt wird, so ware doch noch 
die Frage, ob nicht ein Teil davon plotzlich sehr weit dringen kann 
namlich der Teil der lauter Poren trifFt, wie bei Pictets Warme. 

[1470] 

DaB [das] Latent- Werden des Feuers ganz von seiner Leitbarkeit 
verschieden sei, welches Hube leugnet, zeigt Landriani unwider- 
sprechlich. Goth. M. III. 4. 32 unten. [147 1] 

In der Preisschrift vom Feuer, wenn ich mich je daran mache 
mu8 hauptsachlich gegen Hube gezeigt werden, wie speziflsches 
Feuer und Konduktibilitat von einander unterschieden sind. [1472] 



Der Gedanke kann gel tend gemacht werden vielleicht, daB 
latente Warme von kombinierter, dadurch unterschieden ist, daB 
erstere nicht absolut dieselbe Warme bleibt so gut als wie beide 
freien. [1473] 



272 SUDELBUCHER 

Auch Versuche mit Amalgamieren Landriani hat eine Warme 
gefunden. Goth. M. III. 4. 25. Meine Gips-Geschichte. [1474] 

Sollte nicht bei Ebells Tief-Frieren Hannoverisches Magazin 1789. 
45 [— ] St. wiirklich die Erschiitterung nicht etwas dazu haben bei- 
tragen konnen. Dieses lieBe sich vielleicht in einem Garten durch 
Versuche ausmachen. [1475] 

Aut accurate aut quam proxime sagt immer der behutsame New- 
ton, ou precisement ou sensiblement (ibersetzt es Le Sage. [1476] 

Hat man auch schon beim ZusammengieBen sehr heiBer flui- 
dorum Kalte entstehen sehen. [1477] 

Wenn beim Verkalchen Luft gebunden wird, so muB dadurch 
eine groBe Glut entstehen, weil sie ihre Fliissigkeit verliert so ent- 
stehet Hitze beim Feuerschlagen. [1478] 

Beim Hammern entsteht Warme nach Herrn Lesages Theorie 
sehr natiirlich, derm durch das Erschiittern der Teile bekommen die 
Feuerteilchen eine groBere Expansiv-Kraft, ihre Bewegung wird 
freier, wahrend der Zeit der Erschiitterung. [1479] 

Wenn man sich vorstellen will, was Schlagen fur Veranderungen 
in einem Korper verursachen kann, so miissen wir bedenken was 
der ganzen Fixsternen-Kugel widerfahren konnte, wenn einmal ein 
Schlag dagegen geschahe, der alle Sonnen einmal 100 Million 
Meilen vorwarts und riickwarts stieBe. [1480] 

Bei der ganzen Lehre von der Kapazitat fur die Warme ist folgen- 
des sehr zu bedenken Jeder der beiden gemischten Korper, deren 
Temperatur z.B. um 10 Grade verschieden ist besitzt eine sehr 
groBe wenigstens eine unbekannte Menge von Feuer, davon setzt 
er einen Teil ab, nach MaBgabe der Kapazitaten. Verliert der eine 
3 Grade und der andere bekommt 7 so sagt man ihre Kapazitaten 
verhalten sich wie 7:3 allein hiebei hat man diinkt mich nicht genug 
iiberlegt, daB man stillschweigens annimmt, alle die Warme die 
der kaltere Korper erhalt habe ihm derwarmre mitgeteilt, das heiBt 
aber einen sehr falschen Satz als wahr annehmen, namlich daB die 



HEFT J 1474-1484 



273 



Korper bloB durch Mitteilung konnten erwarmt werden, einen 
Satz den man doch gleich anfangs da man von den Mitteln han- 
delt Warme zu erzeugen fur falsch erkennt, ja in der Lehre von 
den Kapazitaten und ihrer Anwendung hauptsachlich selbst fiir 
falsch erkennen muB. Denn es kann ja Warme audi noch durch 
Reiben entstehen, und durch Verminderung der Kapazitaten durch 
chemischen EinfluB zumal bei Dingen die sich vermischen. Ferner 
ist die Frage auf wie vielerlei Weise konnen die Kapazitaten ver- 
andert werden? Also die gewohnliche Untersuchungs-Mtthode 
der Kapazitaten setzt den Satz voraus, daB die Korper bloB durch 
Mitteilung erwarmt werden konnten. Hingegen die Anwendung 
setzt voraus daB dieses auch aiif andere Weise geschehen konne, 
durch Veranderung der Kapazitat, wie z.B. beim Verbrennen, 
dieses schadet aber der Crawfordischen Darstellung nicht. Denn 
wenn ich nur beweisen kann, daB die Kapazitat eines Korpers ver- 
mindert worden ist, so ist ihm geholfen, denn die GroBe der Hitze 
die entsteht dependiert bloB von der Schnelligkeit der Entwicke- 
lung. Hatte ich einen Korper dessensp[ezifische]. Warme = 10000 
ware und flnde ihn in einen von 9999 verwandelt so konnte dieses 
genug sein Gold zu verglasen, wenn sie in einer unendlich kleinen 
Zeit entwickelt und in eben der Zeit einem Stuckchen Gold mit- 
geteilt wiirde. [148 1] 

Ober die Wiirkung der plotzlichen Entwickelung des allmahlig 
Aufgesparten, nach dem vorhergehenden §. allgemein nachzu- 
denken. [1482] 

zu Lesage. Ich mochte wohl wissen welches besser ist bei einem 
dunkeln Wort stehen zu bleiben oder nach der Analogie Ursachen 
anzunehmen die mich durch AuBerung des groBten Scharfsinns 
doch endlich beruhigt. Nichts in der Welt kann uns verpflichten 
eher stille zu stehen, als bis wir gar nicht mehr im Stande sind, auch 
nur eine plausible Hypothese zu denken. z.B. bei dem Ursprung 
der Bewegung, bei dem Ursprung der Dinge. [1483 ] 



Die Chymie beschaftiget sich mit Zersetzung und Zusammen- 
setzung der Korper. Eben dadurch geschehen alle Operation [en] 
in der Natur im GroBen. Bewegung, StoB, Zersetzung und Zu- 



274 SUDELBUCHER 

sammensetzung. (Bewegung daher Gleichgewicht) Zersetzung und 
Zusammensetzung scheinen die Hauptabsicht zu sein, Bewegung 
und StoB nur die Mittel zu sein. Wie Bewegung iiberhaupt entsteht 
wissen wir nicht, allein Veranderungen in den Bewegungen Rich- 
tung konnen wir erklaren, j a wir konnen auch Entstehung lokaler 
Bewegung erklaren, wenn wir erweisen konnen, daB die Kraft 
dazu nur verborgen in der Nahe lag. Konnen wir erklaren wie 
Ruhe entstehet? Eben so wenig (tz[l) als Bewegung. Korper ver- 
andern die Bewegung vermehren und vermindern sie, nicht weil 
sie impenetrabel oder ausgedehnt sind, sondern weil sie txag sind, 
und woher ihre Tragheit komme wissen wir nicht. Wer also Trag- 
heit leugnet kann nicht erklaren woher Verminderung in der Bewe- 
gung en [t] stent. Eben so wenig als wir wissen wie ein Korper iiber- 
haupt entsteht, wissen wir auch den Ursprung seiner ersten Figur, 
und eine Form mufi er doch haben hingegen konnen wir die 
Wandelbarkeit der Zusammensetzungen erklaren und diirfen es 
wagen es iiberall zu tun, so bald er nicht aus den Grenzen der zuerst 
angenommenen Formen geht. Also was uns bei Erklarung der Er- 
scheinungen in der Natur verstattet ist, ist Form der ersten Teile der 
Materie, die nicht weiter teilbar sind oder nie weiter geteilt vor- 
kommen oder angenommen werden. (Hieher das Solve et coa- 
gula der alten Chemisten.) Bewegung dieser Korperchen und zwar 
bloB gradlinicht. Tragheit. Geschwindigkeit ohne Grenze, Sub- 
tilitat ohne Grenze Raum ohne Grenzen, auch gilt dieses 
von den Richtungen. Die Frage ist, ist dieses alles gegeben, 
nebst der Sinnlichkeit hat die menschliche Vernunft Kraft hieraus 
ein Korper-System zu weben, das so aussieht wie unsere Korper- 
Welt? Oder ist auBer dem Ur-Quell von Kraft, aus dem wir diese 
Materialien ohne weitere Untersuchung als flieBend annehmen noch 
mehr Okkultes anzunehmen? Freilich da wir nicht wissen wie Emp- 
findung und Vorstellung entsteht, und was aus uns werden wurde, 
wenn wir diese Dinge selbst waren. Indessen aber kann dieses nur aus 
der ganzlichen Unmoglichkeit erkannt werden so etwas durch An- 
nalime jener Simplicium darzustellen. Ich hake die Auflosung jener 
Aufgabe fur moglich. Die Moglichkeit leugnen zu wollen ware Indo- 
lenz. Der Webstuhl ist groB und bequem und der Zeddel und Ein- 
schiisse sind unzahlige es laBt sich also etwas weben. Was zuerst erklart 
werden muBte ware Attraktion und Repulsion, Kohasion, Elastizitat 



HEFT J 1484-1488 



275 



Fliissigkeit, allenfalls Reizbarkeit. Hatte man dieses so ware gewiB 
die Sache schon gewonnen. Ohne Not miiBten die Flussigkeiten 
nicht vervielfaltigt werden und die Beobachtung der wiirklichen 
Welt wiirde bestandig, die Kriterien. Ware dieses geschehen, so 
ware die Entstehung der Kugeln eine der leichtesten Aufgaben. - 
Hierauf miiBte die Anwendung gemacht werden wie ein Wiirfel 
entstehen konnte ; oder die iibrigen mathematischen Korper. Hierbei 
an Chladnis Figuren zu denken, die bloB durch Schwere und Schwin- 
gung hervorgebracht werden. Es ist gleichviel gefehlt aus den 
Ruinen von Palmyra Basalte, und aus den Salzen Polypengebaude 
zu machen. Zu sagen die Form der Salze ist nicht mechanisch, das 
ist doch offenbare Faulheit denn wer kann das wissen? Chladnis 
Figuren sollte man kaum fur mechanischen Ursprungs halten. 
Wenn sie fest wiirde [n] so wiirden manche den Schnee-Figuren 
nichts nachgeben. - Man mache also eine Skizze einer Welt worin 
wir hernach alles nach Beobachtungen der wiirklichen hineintra- 
gen. Ich habe ein [en] Bossierer gekannt, der wenn er den Medallion 
von jemanden verfertigen sollte, den weichen Ton auf einer 
Platte schon mitbrachte, auch schon in der ohngefahren Form eines 
Kopfs gelegt. [1484] 



Gott, diese groBe Qualitas occulta. 



[1485] 



Sollte nicht bei Hygrometern auch eine Vermehrung und Ver- 
minderung der Kapazitat fur die Feuchtigkeit vorgehen konnen? 
Ich frage nur. [i486] 

Tone und Farben pragen sich unseren Nerven und dem Gedacht- 
nisse so ein daB manche [r] noch nach Jahren sich derselben genau 
erinnert, wie ich z. E. der groBen Glocke zu Darmstadt. Warme und 
Kalte hingegen ob man gleich in demselben Augenblick geringe 
Unterschiede bemerkt, pragt sich dem Gediichtnisse gar nicht 
ein, wir halten vielmehr im Winter denselben Keller fur warm den 
wir im Sommer fur kiihl halten obgleich die Temperatur dieselbe 
ist. [1487] 



Wenn die Erde so groB wiirde wie eine Flintenkugel, mit aller 
Materie darin in derselben Verhaltnis wie jetzt? Und wenn hin- 



276 SUDELBUCHER 

gegen der Turmalin zurErde wiirde mit aller Materie in der Verhalt- 
nis wie jetzt? Diese Idee durchgesetzt. Analogien von Organisation. 
Der Turmalin hat gewiB so seinen Bau wie die Nessel, um Turmalin 
zu sein, denn sonst ware Turmalin und dessen chemische Ingredien- 
zen zusammen geschmolzen eine und eben dieselbe Sache. Aber was 
Frucht der Zusammensetzung ist, das zerstoren wir 2ugleich mit 
der Zusammensetzung. Wenn wir die Biicher chemisch zerlegten 
worauf wiirde man kommen? und diese regelmaBige Lage der 
Poren muB notwendig eine regelmaBigfe] Trennung in dem 
hervorbringen was umher geschieht, so bringt man mit dem Kamm 
verwirrte Haare in eine ordentliche Lage; so wird gehechelt gesiebt, 
gewurfelt, filtriert, getropfelt ein Korper vermutlich sezerniert 
da gibts freilich Dinge genug die kein Gegenstand fiir die Waage 
sind. [1488] 

Sollten nicht ganze fluida verloren gehen konnen ? [1489] 

Gebrauch des Firnis-Hautchens, das man erhalt, wenn man einen 
Spiritus-Firnis auf Wasser gieBt. Zum Schmelzen beim Elektri- 
sier-Hygrometer? pp. [1490] 

Ein Meisterstiick der Schopfung ist der Mensch audi schon des- 
wegen, daB er bei allem Determinismus glaubt er agiere als freies 
Wesen. [1491] 

Der blaue Himmel konnte von Salpeter-Saure mit Wasser ver- 
diinnt herriiliren. [1492] 

Die Natur hat Wege Warme zu isolieren, die wir nicht kennen. 
Wenn sie Warme versenden will, so macht sie in Indien oder in 
Afrika Luft und schickt sie nach Europa [1493 ] 

Den 28 [— ] 7bris 1790 morgens nach VI Uhr stund im Garten das 
Therm [ometer] R[eaumur]. zum erstenmal auf- 2. Die Pflanzen 
waren bereift und zwar die meisten Kohl ausgenommen, an den 
Kan ten der Blatter. Der Buchsbaum. Sellerie, die Birnblatter sahen 
vortrefflich aus. Die Blatter des Turk. Weizens am Rand und 
auch auf der Flache etwas ; die Frucht-Kapseln desselben waren 
aber ganz mit Reif bedeckt weil da die Kanten anlagen. [1 494] 



HEFT J 1488-1503 



277 



<Nach Herrn Schurers Bericht schmelzte Paets van Troostwyk 
Metall in dephl. Luft und die Salzsaure wird dephlog. und er er- 
halt inflamm. Luft.> [1495I 

<Da das SchieBpulver sich im luftleeren Raume nicht entziindet, 
wie unter dem Wasser, sollte vielleicht zur Entwickelung der de- 
phlog. Luft aus dem Salpeter doch der Zutritt der gemeinen Luft 
notig sein? Sollte sich dephlog. Luft aus dem Salpeter im luftleeren 
Raume entwickeln lassen?) [1496I 

Deluc sagt sehr schon (Rozier. Juin 1790 p. 463) : Dire que les 
ph^nomenes sont produits par des loix, c'est dire qu'ils sont produits 
par euxmemes, car les loix ne sont que les phenomenes euxmemes, 
exprimes sous une forme gen&ale. [1497] 

So wie der Geognostische Charakter der Steinarten schlechter- 
dings nicht bloB von den Bestandteilen herzunehmen ist, sondern 
aus der Natur im Grofien zu entlehnen ist, so sollte man iiberhaupt 
mehr auf die Natur im GroBen Rucksicht nehmen. [1498] 

Das Mikrometer das der Baron von Vay am ,29 [^] ybris 1790 
mir zeigte teilte das menschliche Haar in 420 Teile also 60 auf eine 
Linie gerechnet der Zoll in 302000 Teile. [ I499 ] 

Wenn Ramsden, der dieses Mikrometer gemacht hat sich ein- 
mal in Pyrometrie begeben wollte, so wurde er alles uber den Hau- 
fen werfen. [l50o] 

Die isolierenden Korper konnen durch Punkte angedeutet wer- 
den. NB. iiberhaupt Schraffierung einzufiihren. [1501] 

Lesage Hypothese: Anzunehmen, daB das alles unerklarbar sei 
ist auch eine Hypothese, dergleichen der gemeine Mann iiber 
Dinge hat die der Gelehrte erklaren kann. Zu sagen es sei ungewifi 
ist auch eine Hypothese, oder es ist nichts gesagt, denn woruber 
in der ganzen Naturlehre konnen wir dcnnganzgewifi sein? [1502] 

Die sinnreiche Art Hagel durch die Luft durchzugieBen Patent 
shot [1503] 



278 SUDELBUCHER 

Sollte man nicht Hagel aus Glas gieBen konnen allein das Glas 
bekommt nie jene Flussigkeit. Sonst konnte man da auf eine leichte 
Art Kugeln genug erhalten, Wande fiir Regenbogen damit zu be- 
setzen. [1504] 

Man sollte mehr auf die Refraktion von kunstlichen Fliissigkei- 
ten acht haben ob sich nicht eine verdoppelnde darunter zeigte; 
irgend eine Gelee pp. zumal Mischungen von Salz-Auflosungen. 
Vermutlich aber hat Nekton alles dieses schon probiert. Auch ver- 
schieden[e] Eisarten? [1505] 

Sollte nicht bei dem el[ektrischen]. Schlag durch kleine Quan- 
titaten Wasser, wodurch eine so heftige Explosion hervor gebracht 
wird, das Wasser gar zersetzt werden. Oder ist es eine bloBe Auf- 
losung in Dampfe. [1506] 

Auch beim Gregorianischen Teleskop lieBe sich eine Einrich- 
tung treffen, den groBen Spiegel nicht zu durchlochern, wenn der 
kleine ein wenig inkliniert wiirde. [1507] 

Was in England mit kochendem Wasser ausgerichtet wird ist 
doch wiirklich zum Erstaunen. [1508] 

Wenn unsere Erde noch mehr erkaltete so wiirde sie vorher mit 
Schnee oder mit einer Eisrinde iiberzogen werden, dieses konnte 
eine Nachkommenschaft, wenn eine moglich ware fiir ein Sandfloz 
halten so wie die Eisberge fiir ein Krystall aus dessen Trummern 
der Schnee entstanden ware. Ware alles Wasser nieder geschlagen 
so konnte die Reihe an die Luft kommen und ihr pondrabler Teil 
wiirde ein neues Floz ausmachen. - Allein in diesem Stadio der Exi- 
stenzunsrerKugelgehtdieErkaltungsehrlangsamvon Statten, denn 
so wie ein Korper sein latentes Feuer verliert so kann eben dieses 
Feuer wieder einen andren fliissig machen. Setzt man diesen Floz- 
prozeB riickwarts fort, so konnten die ersten Grundgeburge schon 
solche Niederschlage sein, der Tonschiefer und die primitiven 
Kalkgebiirge. Diese konnte [n] lange vor dem Wasser da gewesen 
sein. LaBt man die Erde der Sonne naher riicken und der ganze 
ProzeB [wiirde] wieder riickwarts gehen und am Ende alles in einen 



HEFT J 1504-1516 279 

Dampf verwandelt werden. Dieses ist eigentlich ein Gedanke New- 
tons. S. v. Swinden Oratio deHypothesibus. p. 55 in derNote. [1509] 

In wie feme kann Finsternis reflektiert werden. Ein finsterer Punkt 
kann ein Bild formieren, weil von der Stelle kein Licht kommt, 
wo er ist. Eben so kann audi Kalte reflektiert werden, weil von der 
Stelle keine Warme auf den Spiegel fallt. [1 5 10] 

Sollte es nicht in der Natur irgendwo teleskopische Augen ich 
meine katoptrische Augen geben, oder wenigstens welche wo zu- 
gleich eine katoptrische Wiirkung im Spiel ware, wie z.E. bei den 
Katzen? [1511] 

Verdoppelt wohl mein Stuck Steinsalz? [r5 12] 

Zunder in Glas eingesperrt lieBe sich unter Wasser ja im Eise 
ziinden, auch vermittelst Eises. [1513] 

Schade, daB die Lapplander und Islander nicht schwarz und die 
Afrikaner weiB sind, die Physicotheologie wiirde da ein vor- 
treffliches Spiel mit Endursachen treiben konnen. [1 5 14] 

Die meteorologischen Beobachtungen mtiBten notwendig noch 
mit denen von der Durchsichtigkeit der Luft vermehrt werden. Mac- 
quer fandofters beimTrudanischenBrennglasef, daB] die geschmol- 
zenen Metalle fest werden, ohne merkliche Ursache, dabei zeig- 
ten sich durch ein Fernglas entfernte Gegenstande merklich un- 
deutlicher. Wenn man mehr auf diese Undurchsichtigkeit der Luft 
bei meteorolog. Beobachtungen achtete so wiirde man daraus 
mehr schlieBen konnen als aus alien andern vielleicht zusammen- 
genommen, denn sie begreift mehr das Ganze in sich, da zumal 
Therm, und Hygrometer sehr durch kleine Lokalitaten verandert 
werden konnen. [1515] 

Je langer die Welt steht, desto mehr Entdeckungen werden ge- 
macht werden, sagte schon Meister. Es ist damit wie mit dem Feuer 
das um sich greift, die Wiirkung disponiert neue Ursachen [1516] 



280 SUDELBUCHER 

Leidenfrosts Versuche waren vorziiglich in GefaBen von Pla- 
tina anzustellen. [15 17] 

Immer Endursachen aufzusuchen nicht ihrer selbst wegen sowohl ah 
zu Aufdeckung des Zusammenhangs und ah tin blofi heuristisches Mittel. 

[1518] 

Am 18— ybris (ich schreibe dieses aus dem Almanach ab daher 
ist das Datum friiher als aus dem Laufe dieses Buchs vermutet war- 
den konnte.) schickte ich Georg nach Feders Villa, 2 Kanonen- 
schlage anzuziinden der Schall des ersten brauchte 4*, 15'", der 2- 
4*, 14'" wovon Herr Bendavid aus Berlin Zeuge war. Den 19 [— ] 
ging Georg auf den Schuhuberg und ziindete 3 Kanonenschlage an 
der 1) brauchte 8* 35'" 

2) 8" 20"' 

3) 8" 15'" 

Der erste taugt nicht, weil ich iiberhaupt unruhig war und wegen 
des gar nicht vermuteten langen Ausbleibens des Schalles wurklich 
glaubte ich hatte ihn iiberhort. Da nun nach meinen vielen Beob- 
achtungen der Schall etwa 1018,8 Pariser FuB in einer Sek. und in 
1'", 16,98 Pariser FuB gibt so waren von Volborths' Garten-Haus 
entfernt nach einem Mittel aus 2 Beob[achtungen]. Herrn Hofr. 
Feders Villa 4338' Paris 
Schuhuberg 8444. [1519J 

Hypothesen, Vermutungen nach der Analogie des Ausgemach- 
ten. [1520] 

Wer bloB Beobachtung und Experimente hauft kommt mir vor 
wie jemand der ein Register fuhrt iiber die Steine, die zwei Schach- 
spieler aufheben und niedersetzen oder wegnehmen, der der be- 
merkt, welche Bewegungen sie machen ist schon viel weiter, es 
wird ihn nicht wenig Zeit kosten die Gesetze der Bewegung genau 
aus zu machen, und doch wird viel Zeit verstreichen bis er die Ab- 
sicht errat warum alle diese Bewegung [en] unternommen werden, 
und daB alles geschieht um den Konig zum Gefangenen zu machen. 
Ohne Hypothesen dieser Art laBt sich nichts ausrichten. Die Frage 
ob sie niitzlich sind, hat etwas Ungereimtes in sich: denn man will 



HEFT J 1517-1522 



28l 



ja doch die Erscheinungen in der Natur erklaren, und eine solche 
Hypothese ist ja weiter nichts als eine solche gewagte Erklarung, 
sie fallt sogleich von selbst iiber den Haufen, so bald ihr die Erschei- 
nungen widersprechen. Auch die Frage ob die falschen Hypothesen 
ihren Nutzen haben konnen beantwortet sich sogleich von selbst. 
Es ist namlich nicht jedermanns Sache gleich das Beste zu treffen. 
Sie kommen nicht bloB in der Naturlehre vor. Turenne und Fried- 
rich II folgten Ihnen bei ihren Unternehmungen so gut als New- 
ton. L'hombre kann ohne Hypothesen nicht gespielt werden, und 
die feinsten Spieler machen die meisten, und wenn die falsche 
widerlegt wird, so steht gleich wieder eine andere da, die selten 
schlechter ist. [1521] 



Hiebei ist wiederum sehr auf die Analogie mit der Astronomie 
zu dringen, die Muster bei alien physischen Untersuchungen sein 
konn[t]e. Die Lehre gebietet auBerdem durch Ihre Erhabenheit, die 
im Grunde doch bloB subjektivisch ist. Man baut keine Palaste und 
umsegelt die Welt nicht urn die Eigenschaften des Turmalins ken- 
nen zu lernen, der wohl vor Gott so viel gilt, als die Sonne. Es wird 
von unwissenden Menschen nichts mehr angestaunt als die Fort- 
schritte der Astronomie. Man ist aber darin so weit gekommen, weil 
es so sehr leicht ist, und bei Bestimmung der Orter auf 100— von 
Meilen eben nicht ankommt, und weil die Gesetze so sehr simpel 
sind. DaB hierbei Rechnungen notig sind, die nur die wenigsten 
Menschen erlernen konnen und erlernen, beweist nichts fur die 
Schwierigkeit. Es ist nur ein Beweis, daB die Verbindungen von 
simpeln Gesetzen, sehr verwickelte Erscheinungen gewahren kon- 
nen. Bei Dingen auf unserer Erde reichen alle jene Kenntnisse nicht 
zu. Man kann Durchgange der Venus voraus sagen, aber nicht die 
Witterung und ob heute in Petersburg die Sonne scheinen wird. 
Mit einem Wort, eine Sache worin es der Mensch weit bringt, kann 
nicht sehr schwer sein. Die Astronomie wird auch durch das all- 
gemeine Interesse befordert und durch die Natur der Gegenstande 
die zu gleicher Zeit so weit umher beobachtet werden konnen, 
und daB man in einer Winter-Nacht bei weitem den groBten Teil des 
Himmels iibersehen kann. - Jeder Teil der Physik hat seinen Spha- 
rischen Teil, seinen Theorischen und seinen physischen. Der Spha- 
rischeTeil [ist] einegenaue Erzahlung der Phanomene, hieruber muB 



282 SUDELBUCHER 

keine Uneinigkeit statt finden, wo welche ist, kann sie leicht 
ausgemacht werden. [1522] 

Die Bewegung in der Natur scheint nicht so wohl Zweck als 
Mittel zu sein. Raum ist das Vehiculum NB der Bewegung (7T(x) 
wodurch wir alles erkennen. [1523] 

tjber alles grope Ideen, iiber das allgemeine Sich-Suchen in der Kor- 
per-Welt und wie das Feuer wirkt dap sich alles auch finden kann. [1524] 

Wenn man eine heiBe Platte, so wie den Teller eines Elektrophors 
gegen eine polierte Metallplatte brachte sollte nicht da eine obenein 
groBere Hitze entstehen oder doch langer anhalten, als wenn es Glas 
ware nach den bekannten Versuchen zu schlieBen mit den belegten 
Platten. [1525] 

Die Eiszapfen sind am starksten bei der Quelle die Strome am 
Ende. [1526] 

Den I3[— ] Oktjober] 90. Gingen Braunhold und Georg mit 
einer kleinen Kanone auf den Hainberg es wurde 5mal geschossen, 
die 2 ersten horte ich nicht wegen des Windes, und dem Vorbei- 
fahren der Wagen. Den dritten horte ich endlich der Schall brauchte 
9" 29"' der 4— wurde wieder iiberhort. beim 5— war der Wind 
heftig ich horte jedoch etwas und dieses nach 9" 38"' so daB also 
hier ein Unterschied von 9'" ware. Der Wind war sehr heftig bei 
dem letzten Fall, und fast grade der Richtung des Schalls entgegen. 
Es muB eine starkere Kanone und eine bessere Tags-Zeit genommen 
werden. Die Passage ist zwischen 5 und 6 des Abends sehr stark. - Auch 
nahm ich den Winkel zwischen Herrn Fedefs Villa und dem 
Schuhuberg 3mal mit verschieden[en] Seiten des Oppermannischen 
Astrolabii und fand ihn einmal 27 32' und zweimal 27 33'. Mor- 
gen werde ich die andern Winkel nehmen und die Berechnung an- 
stellen. Nehme ich also dieDistanz des Hainbergs nach einem Mittel 
zu p Min \uten\ 33 Terzien an so ergibt sich die Distanz des Hain- 
bergs vom Volborthischefn] Gartenhause in Pariser FuBen = 
9729,6. 



HEFT J 1522-1532 



283 



Herrn Hofr. Feders Villa = 4338' 

der Schuhuberg = 8444 

Villa vom Schuhuberg (Trigonia) = 4985 

a — Volb. Gartenhaus 
b = Schuhuberg 
c — Feders Villa 
Z_ bac = 27 . 33' 
ZL abc == 23 . 44' 
ZL bca = 128 . 53' 

Den 14^2 Qkt. Winke[l] genommen. 
Villa und Hainberg 47 34' 

Hainberg und Jacobi-Turm 41 4' 
Villa und Turm 88 38'. 




[1527] 



Plane zu entwerfen auch iiber Dinge die man nicht abzuhandeln gt- 
denkt sondern nut sich selbst zu priifen. [ x 528 i 

Es ist sonderbar, daB nur auBerordentliche Menschen die Entdek- 
kungen machen, die hernach so leicht und simpel scheinen, dieses 
setzt voraus daB die simpelsten aber wahren Verhaltnisse der Dinge 
zu bemerken sehr tiefe Kenntnisse notig sind. [ T $29 ] 

Bei Herrn Gren's Meinung ist doch immer zu bedenken, daB 
wurklich auch in so fern viel Zusam[men]hangendes darin ist, daB 
er das Brennbare fur Warmestoff mit Licht gebunden halt allein 
wenn man annimmt, daB das Licht von der Sonne aufsteige, was ist 
alsdann das Licht? und wenn es von unserm Kuchenfeuer aufsteigt 
ist es da schwer. Euler der glaubte, die Kometen-Schweife ent- 
stunden durch den StoB des Lichts nimmt also nicht allein an, daB 
das Licht von der O abfliege sondern, daB es auch die schwerenTeil- 
chen der Kometen ihrer Schwere berauben konne. [i 530 ] 

Wit kann daraus tine der CCC Fragen an Physiker und Mathtmatiker 
formitrt wtrden ? [1 53 1 1 

Wie gelangen wir zu dem Begriff des : aufier uns. Warum glauben 
wir nicht, alles sei in uns, und gehe in uns vor? Oberhaupt zu dem 



284 SUDELBUCHEH 

BegrifF von Distanz? Dieses scheint sehr schwer zu entwickeln. 
Dieses geht so weit daB wir das, was in uns ist und in uns vorgeht, 
namlich die Veranderung in dem Bilde auf der Retina auBer uns 
setzen, und doch einen Stich einfen] Schmerz im Auge sogleich ins 
Auge versetzen. [1532] 

Kein Satz ist so allgemein und so ohne viele Untersuchung ge- 
glaubt worden, als der, daB alle Materie gleich schwer sei. Dieses 
miiBte einmal recht durch untersucht werden in alien Gegenden 
der Welt. Man wiirde sehr groBe Unterschiede finden, wenn die 
Instrumente genau genug verfertigt werden konnten. Ich mochte 
fast sagen es ist gar nicht moglich. Konnte es dargetan werden daB 
ein Stuck Blei eben so von der Erde gezogen wiirde als ein Stuck 
Gold, so wiirde ich ohne Anstand annehmen, daB alle Materie einer- 
lei ware und aller Unterschied bloB in der Zusammensetzung lage. 
Eis, Wasser, Schnee, Nebel die Hohlen in der Erde pp verstatten 
keine vollkommene Gleichheit schon allein. [1533] 

Das Wort Schwierigkeit muj$ gar nicht fur einen Menschen von Geist 
ah existent gedacht werden. Weg damit! [1534] 

Die Art die Cartesianischen Teufel zu bewegen, konnte vielleicht 
auf allerlei Weise gebraucht werden. Auch zu einer Art von Luft- 
thermometer, wenn man bei jedesmaliger Temperatur die Kugel 
durch einen bekannten Druck sinken machte pp. [1535] 

Bei Beobachtungen machen Schwierigkeiten die objektive und 
subjektive Irregularitat. Man kann die letztere also als objektiv 
ansehen und so mit berechnen. [1536] 

Aujkr uns. Es ist gewiB sehr schwer zu sagen wie wir zu diesem 
BegrifF gelangen denn eigentlich empfinden wir doch bloB in uns. 
Etwas auBer sich empfinden ist ein Widerspruch, wir empfinden 
nur in uns, das was wir empfinden ist bloB Modification unserer 
selbst, also in uns. Weil diese Veranderungen nicht von uns abhan- 
gen, so schreiben wir dieses andern Dingen zu die auBer uns sind, 
und sagen es gibt Dinge man sollte sagen praeter nos, dem praeter 
substituieren wir die Proposition extra, das ist ganz etwas anders, 



HEFT J 1 532-1 544 



285 



das ist wir denken uns diese Dinge im Raume auBerhalb unser das 
ist orTenbar nicht Empfindung, sondern es scheint etwas zu sein 
wasmitderNatur unser[es] sinnlichefn] Erkenntnis-Vermogens in- 
nigst verwebt ist, es ist die Form unter der unsjene Vorstellung 
des praeter nos gegeben ist. Form der Sinnlichkeit. [1537] 

DaB wir glauben wir handeln frei, wenn wir Maschinen sind, 
konnte das nicht auch Form des Verstandes sein? Es ist uns iiberhaupt 
unmoglich die ersten Entstehungen zu bemerken, wir bemerken 
uberall nur was geschehen ist, nicht wie es geschieht, wenn wir also 
glauben wir tunjetzt eine Sache so ist sie schon getan [1538] 

Franklin rat die Mauern fiir Wallfruit schwarz anzustreichen. 
Vielleicht konnte man manche Friichte selbst schwarz anmalen. 
Z.E, Melonen [1539] 

Ich habe schon einmal gefragt : hat man den Baumen schon fremde 
Wurzeln angepropft, und was wiirde das fiir Folgen haben, wenn 
man es tate. [1540] 

Obgleich der Begriff von Antiperistasis aus der Physik verbannt 
ist, so findet er doch noch im Moralischen statt. [1541] 

Am 21 [— ] Okt. 90. Erzahlt mir Hofrat Zimmermann von einem 
Englander M- Stanley, der kurzlich in Island gewesen ware und 
Lava mitgebracht, die oben in formliche[n] Basalt iibergegangen 
ware. Er sagte es wiirde etwas in dem 6!££ Stiicke seiner Annalen 
dariiber vorkommen. Er merkte dabei sehr richtig an, daB zu sa- 
gen, wie die ungeheuren Basaltmassen durch Feuer dahin gekom- 
men sein sollten, eben auch von den Muscheln konnte gefragt wer- 
den. [1542] 

Beim Schall gibt es nichts was dem Schwarzen bei den Farben 
korrespondiert. Die Todesstille konnte man schwarz nennen. Die 
Pause ist schwarz. [1543] 



Reaumurs Beispiel mit dem Zitterrochen kann einen von einer 
andern Seite behutsam machen. Die ersten mit denen er Versuche 



286 SUDELBUCHER 

anstellte, wollten gar nicht wiirken, selbst ein sehr gesunder und 
starke[r] im Meere nicht er sagt selbst es habe geschienfen] als woll- 
te[n] sie ihn mit allem FleiB hintergehn. [1544] 

Statt des usurers konnte man wohl zu dem Zauberbild ein [en] 
Zitter-Rochen nehmen. [i545] 

Meine aufgeblasene Feder-Harzflasche zu laden. [1546] 

In der Gabe alle Vorfalle des Lebens zu seinem und seiner Wissenschafi 
Vorteilzu ntitzen darin besteht eingrofier Teil des Gemes. Franklin mit 
den Fliegen im Madeira. [1547] 

Es geht in der Physik wie mit den Geschlechts-Registern in der 
Bibel, der war ein Sohn; der war ein Sohn und der war ein Sohn 
Adams und der war Gottes. [1548] 

Man sollte denken, wenn man eine glaserne Kugel plotzlich sehr 
aus einander treiben konnte, so mufite notwendig Elektrizitat ent- 
stehen, wenn sie so ausgebreitet ist wie man sagt, denn in den Raum 
konnte sie doch durch das Glas nicht gleich eindringen. Konnte 
nicht Elektrizitat auf diese Weise in der Natur entstehn. [1549] 

Durch das Planlose Umherstreifen durch die planlosen Streifziige 
der Phantasie wird nicht selten das Wild aufgejagt, das die planvolle 
Philosophic in ihrer wohlgeordneten Haushaltung gebrauchen 
kann. [1550] 

Der Mensch ist ein Ursachefn] suchendes Wesen, der Ursachen- 
sucher wurde er im System der Geister genannt werden konnen. 
Andere Geister denken sich vielleicht die Dinge unter andern uns 
unbegreiflichen Verhaltnissen. [1551] 

Aeolipila ein[e] Orgel von Dampfen vielleicht. Chauvin schlagt 
auch vor Kugeln damit spielen zu lassen. [1552] 

In alien Dingen gute undfrappante Beispiele ist eine Hauptsache heim 
guten Vortrag. Z.E. dieLehre[n] von Versetzungen ruhren wenig; so bald 



HEFT J 1544-1559 287 

ich aber sage daft 10 Person [en] an einem Tisch konnen 362$8oomal 
versetzt werden, das macht aufmerksam, so ist es in alien Dingen. Auck 
ware es vielkicht hier noch besser zufragen: Wieviel Rangordnungen 
finden zwlschen 10 Personen statt? [1553] 

Die RuBschwamme nicht zu vergessen, die an Lichtern wachsen. 

[i554] 

Der Knall bei Zerbrechung des trocknen Holzes ist gewiB sehr 
stark, und iibertrifFt oft den von der Peitsche. Man denkt aber wenig 
an dessen Erklarung. Als ich einmal einen Wellenstock zerbrach und 
den linken Daumen nicht fest angelegt hatte wurde derselbe 
beim plotzlichen Zerbrechen des Bengels so erschuttert, daB er auf 
einige Minute [n] an der einen Seite wie betaubt war. den 26^ 
Okt. 90. [ I555 j 

Ein[e] Gewitter-Wolke Torpedo zu nennen; ein Zitternebel 
nebula Torpedo pluvia torpedo. Nubes Torpedo. [1556] 

Was mufiten eigentlich diese Instrumente noch leisten? was mufite 
eigentlich hierbei noch getan werden. [1557] 

D- Hooke Birch T. Ill p. 4 gebraucht das Wort Skotoskop. night 
glass. Birch III. p. 19 D- Hooke promissed to show at the next meet- 
ing something having neither reflexion nor refraction, and yet 
diaphanous, p. 20 zeigt es sich, daB es vermutlich die schwarzen 
Flecken auf der Seifenblase waren; wenigstens war es etwas auf 
den Seifenblasen. (Ist vielleicht der schwarze Bogen bei dem Nord- 
licht und die schwarze Wolke etwas Ahnliches. nya) p. 28 erhellt 
deutlich, daB es solche Flecken sind. Aber er zeigt nicht daB sie 
durchsichtig sind. [1558] 

Den Mann nenne ich groB, der viel gedacht und gelesen und er- 
fahren hat, und der alles was er gedacht gelesen und erfahren hat bei 
jeder Sache die er unternimmt also auch bei jedem Buch das er 
schreibt vereint zum besten Zweck anzuwenden weiB, alles so an- 
schaulig darzustellen, daB jeder sehen muB was er selbst gesehen 
bat. [I559] 



288 SUDELBUCHER 

Sollten sich wohl beim Zerbrechen des Holzes Spuren von Elek- 
trizitat zeigen? [1560] 

Man wird mir zwar bei mein[em] Gewitter-Leiter einwerfen. 
Die Spitzen haben doch auch viele Hauser gerettet. Die Spitze 
nicht so wohl als die Leitung, und wie viel Hauser werden denn 
iiberhaupt vom Blitz geziindet. Und haben die Spitzen solche nahe 
Schlage nicht verhindert, was hat man fur Vorteil von ihnen? Den 
schonen Versuch vom Inspektor Kohler, die Spitze [n] verhindern 
den Schlag nicht, wenn sich Elektrizitat plotzlich entwickelt. [1 561 ] 

Die Natur hat zwischen der GroBe des Samens und der Pflanze 
so wie auch zwischen den Eiern und dem Tier keine Proportion, die 
Eichel und die Saubohne haben gleiche GroBe, ja die Bohne ist 
groBerpp. DieEier des. Lobsters Hummer[s] sind kleiner als die des 
Krebses. Ray hat mehrere sehr schone Beispiele Birch Vol. III. p. 162. 
seqq. [1562] 

In einem Aufsatze eines Herrn Henshaw Birch III. p. 181 seqq. 
stehn viele schone Bemerkungen, die zu Erlauterung von Herrn 
Prof. Biischs Beob. dienen konnen er verlor namlich den Korper des 
Schiffes vollig aus den Augen, ehe es durch die Riinde der Erde ge- 
schehen konnte, dieses ruhet von einem dichteren Dunst her der die 
See oft uberzieht. Er sah ofters den Korper durch Perspektive wie- 
der. Das £ <£}*> Sonnen-Bild beim Untergan [g] war oft ab : cd = 3 : 4 
und 4:5. [1563] 

So bald man etwas bemerkt was in diegenerelle Physik einschlagt, so- 
gleich damit das ganze Feld der Physik durchzulaufen, urn zu sehen ob 
sich nichts daraus erklaren lasse. Vielleicht ware es gut einen bequemen 
Plan, eine Tabelle zu entwerfen womach man die Physik durchlaufen 
konnte. [1564] 

Einen Trumpfzahler in einem Ringe, so wie man Schrittzahler 
hat. [1565] 

Mil einem gewissen Wort als z.B. Schrittzahler die ganze Physique 
zu durchlaufen und Ahnlichkeiten aufzusuchen und so mitandern Worten. 
Mittelpunkt [1566] 



HEFT J 1560-1573 



289 




Einen Geschmackmesser gibt es nicht auBer der Zunge, unci der 
Nase, [die] jene zuweilen untersttitzt. [j 5 <$ 7 i 

In der wahren Welt ist wohl jeder Zustand von dem vorher- 
gehenden und nachfolgenden scharf abgeschnitten und begrenzt, 
das nach dem Gesetz der Stetigkeit Ubergehende, das Kontinuier- 
liche, ist vermutlich bloBe Form der Anschauung, wir bringen also 
alles nur an die langst angrenzenden Gesetze. 10:100:1000:10000 
und 10:99,9:998,9:9998,8. nicht unterschieden. [1568] 

Wenn das Licht die durchsichtige Korper fortstoBen konnte wie 
wiirde es sie fortstoBen? und was wiirde aus einer Glaskugel werden 
wenn sie dem Licht ausgesetzt ware. Es wiirde eine Stelle geben, wo 
sie weder nach der Sonne fallen noch von ihr fliehen wiirde. 

Die Bogen die den Winkeln A, A 
zugehoren, drucken die Verhaltnisse 
. J ) der Antagonisten aus die dem Korper 

in A entgehen, in so fern nur die in 
einer Ebne befmdliche gedacht wer- 
den, wenn T die Erde ist. ^ 6 , 

Solltefn] nicht manche Korper eine Veranderung leiden, wenn sie 
in eisernen GefaBen eingeschlossen wurden, weil da die magnetische 
Materie nicht so frei darauf wurkt. Wie wurden Magnetnadeln wir- 
ken die man in eine eiserne Kugel von 100 FuBen im Durchmesser 
einschlosse? [i5?o] 

Es ist ein gates Erfindungsmittel sich aus einem Systeme gewisse Glieder 
wegzudenken, und aufzusuchen, wie sich das ubrige verhalten wiirde: 
zum Ex. man denke sich das Eisen aus der Welt weg, wo wurden wir 
sein: dieses ist ein altes Exempel [ I57I i 

Bei den Sonnuhren steht der Schatten still und die Uhren drehen 

sich. r -, 

[1572] 

Die Wachslichter, Talglichter und Lampen hat man zu einer 
groBen Vollkommenheit gebracht ohne daB man eigentlich weiB 
wie es zugeht, daB sie leuchten. [ I573 i 



290 SUDELBUCHER 

Da Menschen sehr lange scheinbar todt sein konnen, so ist die 
Frage ob man nicht endlich lernt ihnen diese Betaubung kiinstlich 
zu geben, und sie so zu erhalten. [1574] 

Allgemein. Die Natur isoliert Warme, und Elektrizitat anders 
als wir. Warme konnen wir nicht isolieren. Sie entbindet beides 
augenblicklich, und bindet es, vermutlich alles durch chemische 
Prozesse. In dem Plotzliche[n] sind wir noch sehr zuriick. Es steht 
uns noch eine Chemie bevor, von der wir jetzt nur schwache Spuren 
haben. Entstehung des Hagels, der Blitze, der stoBweise wurkenden 
Orkane usw. Unsere Lichter und Feuer ist ein einziger solcher Pro- 
zeB, der uns bis jetzt verliehen ist, noch einen solchen fiir das Was- 
ser und die Elektrizitat miiBten wir haben und fiir die Kalte. [1575] 

Es ist gewiB ein vergebliches Bestreben den Regen durch die Sud- 
winde zu erklaren, denn wenn die Dampfe, den Regen dort nicht 
erklaren, wie konnen sie ihn bei uns machen, und bei uns schlagt ein 
gleicher Unterschied bloB Tau nieder. [1576] 

Unsere groBe Unwissenheit in der Meteorologie riihrt gewiB 
von unserer ganzlichen Unbekanntschaft mit dem Inneren unsrer 
Erde her. Was mogen da nicht fiir Dinge gekocht werden, wovon 
unsere Atmosphare nur den Schaum enthalt und empfangt. So 
lange wir dieses nicht wissen und nicht wissen konnen, so wird alles 
dunkel bleiben. Hieher gehort Delucs vortreffliche Bemerkung an 
La Metherie im 7— Brief. Rozier. Aug. 1790 daB beim Fallen des 
Barometers manche Personen so sehr leiden, da sie sich sehr wohl 
beflnden, wenn sie oben so hoch auf Bergen steigen, als dieser Baro- 
meter-Stand erfordert, dieses zeugt von andern Ursachen, die zu- 
gleich jene Veranderungen bewurken. Es ist hier eine Veranderung 
in der Natur der Luft selbst, und eine Mischg. mit andern fluidis. 

[i577] 

Man hat bisher fast nur allein das Aufsteigen und Fallen der Diinste 
betrachtet wenn man Verhaltnisse von Erde und Atmosphare be- 
trachtete. Mein Gott! was mag da nicht noch aufsteigen aus dem 
1720 deutsche Meilen dicken Kessel? [1578] 



HEFT J 1574-1585 291 

Die Meteorologie wartet noch auf einen Newton oder einen Her- 
schel. [1579] 

Wir miissen Wasser anmachen lernen so wie wir Feuer anmachen ; 
vielleicht ist schon der ProzeB derselbe. Wenn Wasser in der Luft 
latent ist [1580] 

Was ist der Mastix, womit die Juweliere die Brillanten polieren, 
und wovon Herr Graf v. Cassini sagt (Bodensjahrbuch 1792. p. 126) 
daB er die Durchsichtigkeit des Glases annahme, so daB er so zwi- 
schen konkave Glaser gegossen zu Objektiv-Glasern gebraucht 
werdenkann. [1581] 

<Ramsden zieht die Rohren zu Tubis von Draht.) [1582] 

Herr Prof. Herrenschneider hat von Herschel und seiner Schwe- 
ster selbst gehort daB der neue Spiegel zum groBen Teleskop 2500 
Pfund wiegt. [1583] 

Konnte man Fliissigkeiten in den Objektiv-Glasern gebrauchen, 
so konnte man das Flintglas vielleicht entbehren. [1584] 




Des Punktes A Vermogen Antagonisten aufzuhalten, nimmt 
ofFenbar ab, wie das Quadrat der Entfernung zunimmt 




denn es ist eigentlich vollig cinBeschatten oder vielmehr ein Bestrah- 
len. alle die Rayons gravifiques die F treffen, trefFen auch A und B 
folglich wenn A nach F gebracht wiirde so wiirde es grade in der 
umgekehrten Verhaltnis der Quadrate der Entfernung weniger 
getrofFen werden. [1585] 



292 SUDELBUCHER 

In Bodens Jahrbuch 1789. p. 245 wird von einem Trabanten des 
Rigel gesprochen den Herr Herschel gefunden haben will. Hat 
man je wieder etwas davon gehorte kame er in einem Jahr herum so 
konnte es vielleicht Aberration eineslangsamerenLichtessein. [1586] 

Wenn das letzte Viertel des Mondes in seine Knoten fallt, so sind 
wir nach etwa 3 x /2 Stunden da wo der Mond 3 72 St. vorher stund. 
Sollte dieses nicht irgend etwas in unserer Atmosphare bewiirken 
konnen. Der Theorie nach nicht, aber hier mu6 bloB Erfahrung 
entscheiden. Diese Lage gegen einander dauert eine betrachtliche 
Zeit da wir uns immer in dem Track des 2) befinden. [1 587] 

So fein wie sich das Wurzelwort in seinen abgeleiteten verliert 
oder der Lichtquell im Tages-Licht. Wer kann die Wurzelworter 
wieder finden. Man sehe was Leibniz von Auge herleitet, vortreff- 
lich im Zollner iiber spekul[ative]. Philosophic 61 in der Note bis 
zu Ende derselben. [1588] 

Nach Herrn Gren geben die chemischen Zergliederungen aller 
organischen Wesen a) in den vegetabiltschen Korpern: Phlogiston, 
Wasser, Pflanzen-Saure, Luftsaure, Phosphorsaure, Gewachs-Al- 
[kali], Mineral-Alk[ali], fliicht[iges] Alk[ali]; alle/tm/ einfache Er- 
den, Salzsaure, Vitriol-Saure und Eisen. b) in den tierischen. 
Phlogist[on], Wasser, Luftsaure, Pflanzensaure, Phosphor-Saure, 
fluent. Alk. und Kalk-Erde - doch finden sich auch in einzelnen 
Produkten des Tier-Reichs noch einige von obigen aus dem Pflan- 
zenreiche. [1589] 

Dunstblaschen konnte[n] so erklart werden dafi es bei sehr kleinen 
Teilchen von Luft wohl moglich ware, dafi die Warme die Luft aus- 
dehnte ohne sie deswegen in einefr] kaltern gleich zu verlassen. 
Manbedenke nur den Umstand wie schwer es ist z.E. ein Auf losungs- 
Mittel ganz von Eisen zu reinigen ob es gleich bis auf einen gewis- 
sen Grad sehr gut angeht. Diese Betrachtung verdient Aufmerk- 
samkeit. [1590] 

Herr Gren Karsten § 437 k. p. 600 glaubt doch an wahre Luft- 
gestalt der Dampfe welches falsch ist. Auch ist 437 1. am Ende falsch. 
p. 601. [1591] 



HEFT J 1386-1595 293 

Auch bei dem Streite iiber das Phlogiston mochte der Mittel- 
Weg der beste sein. DaB etwas weggeht und sich etwas verbindet. 

[1592] 

Fourcroy gibt im III. Band der Annales de Chimie ein Verfahr [en] 
an auf ein [en] EiweiBstoff in den Pflanzen zu gelangen. Er preBte 
2 Pf. Saft ausjungen Kressen liefi [ihn] in der Warme stehn filtrierte, 
den griinen Bodensatz, und kochte ihn so erhielt er vollig eine Ma- 
teriam Albuminosam. [1593] 



Das beste Verfahren die spezifische Schwere kleinefr] Korper 
[zu bestimmen,] die sich nicht im Wasser auflosen und schwerer 
sind als das Wasser ist sie in Glasern abzuwiegen. Erst sucht man 
das absolute Gewicht des Glases, alsdann wiegt man es in Wasser 
und NB. laBt den Draht, nur bis an ein gewisses Zeichen ins Wasser 
gehen. Oder besser wenn ich das absolute Gewicht des Glases habe 
so werfe ich die Krystalle hinein und finde so das absolute Gewicht 
der Krystalle. Hierauf suche ich das relative Gewicht des GefaBes, 
und dann das relative Gewicht des GefaBes und der Krystalle zu- 
sammen, ziehe ersteres von letzterm ab, so habe ich das relative Ge- 
wicht. Hierbei fallt in die Augen, daB die spez. Schwere des Glases 
ganz unniitz bei der Sache ist, wenn ich das absolute Gewicht des Kor- 
pers weiB so setze ich das Glas unter dem Wasser ins Gleichgewicht, 
lege alsdann das Gewicht des Korpers auf die freie Waagschale und 
werfe den Korper selbst in das Glas unter Wasser so kann er sein 
Gegengewicht nicht mehr balancieren weil er in dem Wasser von 
seinem Gewicht verliert, driicke ich ihn also durch Gewichte auf 
dem Tellerchen wieder nieder zum Gleichgewicht, so ist dieses 
die GroBe des Verlusts. Es sei a das absolute Gewicht, b die GroBe 
des Verlustes, so ist £ das spezifische Gewicht fur das Wasser = 1. 

[1 5941 

Wenn ich eine eiserne Kugel aufhebe, so brauche ich bloB ihr 
Gewicht zu iiberwinden fur die Krafte womit die Teile zusammen 
halten brauche ich nicht zu sorgen. Wenn wir auch diese Kraft her- 
geben sollten so mochte die Kraft des starksten Menschen nicht hin- 
reichen nur ein Hagei-Kornchen zu formieren. [1 595] 



294 SUDELBUCHER 

Am 2o[— ] Dez. 90. war ich morgens bei Aufgang auf dem 
Garten, und fand an dem bekannten Fenster die Sonne beim Auf- 
gang bei a 



w 

Grade in der Mitte iiber Bottchers Garten-lure b. Den 21— hin- 
auszufahren verhinderte mich mein Herzklopfen. [1596] 

Gmelin lobte mein Gleichnis als ich sagte es verhielte sich mit 
dem Regen, wie mit der Verfertigung des durch sich prazipitiert [en] 
Quecksilbers; es steige Quecksilber auf, verkalche sich in der Hohe, 
und dieses werde wieder reduziert. [1 597] 

Liefie sich hieruber noch so etwas schreiben wie Lamberts Cosmolo- 
gische Briefe. Auch dieses Werk selbst verdiente nach den Herschelschen 
Entdeckungen eine neue Bearbeitung [1598] 

Wenn man die Luftballe gefiillt pfundweis kaufte, so konnte es 
kommen, daB man gar nichts kriegte, derm sie werden negativ 
schwer, und man muBte also noch gar nach der gewohnlichejn] 
Art zu rechnen etwas herausgeben. [1599] 

Uber die Wurkung der Harmonika auf die Nerven verdienten 
noch mehr Untersuchungen angestellt zu werden. Herr Rollig 
spricht in seinem Buche viel davon das Buch ist in den Exzerpten 
p, 72 angefuhrt. Es ist das Beben der Finger-N erven, verbunden 
mit der bebenden Musik. Wo ich nicht irre, so erzahlte mir Herr 
Groschke daB Mesmer und seine Nachahmer und Gehiilfen auch 
die Harmonika bei ihren Streichen geniitzt haben. [1600] 

Ist es nicht sonderbar, daB Glanz auf dem Bruch immer ein An- 
fang von Durchsichtigkeit ist, also Reflexion des Lichts Von Prelu- 
ciditat, da hingegen Einsaugen oder Mattigkeit auf dem Bruch 
das sicherste Zeichen von Undurchsichtigkeit ist? [1601 ] 

Je mehr sich bei Erforschung der Natur die Erfahrungen und Ver- 
suche haufen, desto schwankender werden die Theorien. Es ist aber 



HEFT J 1596-161O 295 

immer gut sie nicht gleich deswegen aufzugeben. Denn jede Hypo- 
these die gut war, dient wenigstens die Erscheinungen bis auf ihre 
Zeit gehorig zusammen zu denken und zu behalten. Man sollte die 
widersprechenden Erfahrungen besonders niederlegen, bis sie sich 
hinlanglich angehauft haben um es der Miine wert zu machen ein 
neues Gebaude aufzufuhren. [1602] 

1st dieses nicht ein Gleis (orniere), aus welchem wir erstheraus miissen ? 

[1603] 

Sollte nicht den Planeten abwarts von der Sonne immer etwas 
ankleben, also in der Nachtseite, so wie die Schweife an den Kome- 
ten? Namlich nach meiner Regel es ist alles in allem? [1604] 

Warum taut es nie am Tage, sollte [n] nicht wenigstens zuweilen 
doch in unserer Luft sich Umstande finden, die es moglich machten? 

[1605] 

Vortrefflich ist der Gedanke des Herrn Deluc 8— Brief an de 
La Metherie, daB die Sauren, alle aus Wasser sein konnten, das durch 
das saurende principium mehr Dichtigkeit erhalten habe, mehr zu- 
sammen gezogen worden sei. - (Sind am Ende nicht unsere meisten 
fluida Wasser-Arten, die durch ein Zwischen-Mittel, das Unter- 
scheidende werden?7t[i,) [1606] 

Wenn einmal der Atna statt Lave geschmolzenes Gold auswiirfe 
und einen Strom bildete von 5 Meilen Lange und 1 breit 30 bis 40 
FuB dick, so wurde das Gold sein [en] ganzen Wert verliern- Es ist 
gut, daft es latent bleibt. [1607] 

Am 7[— ] Jan. 91 die kalte Lotungdes Bleies vermittelst Queck- 
silber be [obachtet] . [1 608 ] 

Der Gedanke von Klindworth war gar nicht libel eine[n] 
Blase-Balg zu machen der die dephlogistisierte Luft, aus der atmo- 
spharischcn bei jedem Zug schiede. [1609] 

Unsere Luft ist ein Feuer-Meer (Ozean). [1610] 



296 SUDELBUCHER 

Sich die Vorstellung zu erleichtern, wie Licht expansible Warme 
machen konnte darf man nur des Tages Licht gedenken, wie es bei 
bedeckten Himmel umber geprellt wird pp. [161 1 ] 

Aufmunternd sind die Betrachtungen, dergleichfen] im 79 [~] 
Band der Transact [ions], so wohl Herr Walker bei seinen Gefrier- 
Versuchen, als aucb Herr Nicholson bei seine [n] elektrischen an- 
stellt, die zwar nicht so ausgedruckt sind aber doch (n\i) dahin fuhren. 
Man dachte man ware am Ende, als Watson das Wasser im Sommer 
ohne Eis gefrieren machte, und jetzt hat Walker eine Methode ge- 
funden das Quecksilber nicht bloB im Winter sondern im Sommer 
und in den heiBesten Climatibus gefrieren zu machen. Nicholson 
berechnet eben so man dachte Wunder was man fur eine Elektri- 
zitat hatte als man einen Zylinder mit der Hand oder mit Gold-Papier 
rieb, nach der Hand bewegte man das Reibzeug, endlich brachte 
man Amalgama darauf und nun vermittelst des Seidenen Ober- 
schlag[s] hat man nun eine Exzitation hervor gebracht, die wohl 
hoffen laBt daB man am Ende es bis zur Verstarkungs- Starke brin- 
gen wird. [1612] 

Herr Walker hatte sollen die latente Warme des Quecksilbers 
untersuchen, als er ein so schones Stuck gefrornes hatte. [1613] 

Sollte es nicht, so wie es einen Kondensator fiir die Luft-Elek- 
trizitat gibt, auch einen fiir die Feuchtigkeit derselben geben, das 
ware eine groBe Entdeckung. [1614] 

Man hat jetzt 22 Mineral-Systeme davon 16 sich auf auBere und 
6 auf innere Kennzeichen griinden. Bergman par Mongez [1615] 

Werner, der in seinem Mineralsystem die Farbe zum Charakter 
annimmt hat 54 Farben, da konnte ein Mayerscher Farbentriangel 
niitzen, und 21 verschieden [e] Arten von Bruch-Form. [1616] 

Bei den Schichten ist gewiB das System der Ubergange nicht ganz 
zu vernachlassigen, wie auch Herr Link p. [Vorrede] bemerkt, auch 
Herr Werner stimmt darauf (kurze Classification und Beschr. 
der verschiedenfen] Gebirgsarten §. 4 am Ende). (Verwittern ist 



HEFT J l6ll~l627 297 

ein Obergang, den wir zu erklaren wissen, die iibrigen konnen wir 
uns noch nicht erklaren 7i\i) [1617] 

Es ist sehr schdn, daB Herr Deluc in dem langsamen Zusammen- 
ziehn des Wassers ehe es gefriert, schon die Ausdehnung des Eises 
erblickt. Es konnen hier 2 Krafte einander entgegen wiirken. [1618] 

Sich alien Abend ernstlich zu befragen was man an dem Tage Neues 
gelernt hat. [1619] 

Der Witz ist der Finder (Finder) und der Verstand der Beobachter. 

[1620] 

Einen Finder zu erfindenfiir alle Dinge [1 621 ] 

Ein Tubus Heuristicus. [1622] 

Der Campus eines Tubi vertritt Finders Stelle. Die groBen Genies, 
die Erflnder, haben bei allem was sie sehen einen grofien Campum 
der ihnen den Zusammenhang mit andern und oft den entlegensten 
Dingen zeigt. [1623] 

Das Wasser ist ja auch eine Gebirgsart wie wenn es das Krystalli- 
sations-Wasser zersetzter Krystalle ware, deren feste Bestandteile 
nun unsere Gebirge, oder den festen Teil unserer Erde ausmacht die 
Luft liegt sehr hoch iiber die Flozgebirge und den Granit weg. Sie 
verwittert zuweilen. [1624] 

Es ist gut Tabellen iiber Dinge zu haben z. E. wie die Remlerische 
iiber den Gehalt der Steine, Trommsdorf iiber die Luftarten und 
s.w. weil es auf allerlei allgemeine Schliisse leitet, die einem beim 
einzelnen entgangen waren. [1625] 

Es fehlt noch vorziiglich an Versuchen die Verhaltnisse der Kapa- 
zitaten auszumachen die die festen Korper und fluida haben die 
aus ihnen entstehn. [1626] 

Gestern als am I2[— ] Febr[uar] 91. machte ich die Bemerkung 
am Uranus, daB er beim Mondschein so merklich vor den iibrigen 
Sternen der 6— GroBe leuchtete. [1627] 



298 SUDELBUCHER 

Was ist das was die Baume und Pflanzen der Richtung der 
Schwere entgegen wachsen laBt? Dieses konnte Herrn Gren und 
Pictet vielleicht dienen. [1628] 

Unsere Magnetnadeln sind Uhren die freilich etwas langsam 
gehen, stiinde eine auf Halley's unbeweglichen Pol, so wiirde sie in 
700 Jahren herum kommen. Die Fortriickung der Nachtgleiche ist 
auch eine, das Zuruckweichen der Mondsknoten pp. [1629] 

Sollte wohl die Einwurkung der Salpetersaure allein und der Salz- 
saure allein auf das Gold so ganz null sein, da sie es in Verbindung 
gebracht, auflosen? Worin besteht eigentlich hierbei das so genannte 
Aneignen? Jedes allein hat gewiB eine Einwurkung auf das Gold, 
die es zum Auflosen durch das andre geschickt macht, ob wir sie 
gleich noch nicht deutlich erkennen. 

Es entsteht dephlogistisierte Salz-Saure, die das Gold angreift. [1630 ] 

Dampfe nach Delucs Vorstellungs-Art 
Sie sind ein Fluidum, das aus Wasser und Feuer-Materie besteht. 
In einem jedenRaume er sei luftvoll oder Iuftleer,wo Feuchtigkeit 
ist, entstehen sie und haben in beiden ungefahr gleiche expansive 
Kraft hex derselben Temperatur. Sie werden aber dichter je groBer die 
Hitze ist, denn das Feuerwesen hindert ihre Vereinigung. Man 
stelle sich also vor die Wasserteilchen ziehn sich auf eine gewisse 
Strecke, dieser Zug nimmt mit der Entfernung ab so kommen beide 
ins Gleichgewicht, da aber eine starkere Hitze einem starkern Zug 
das Gleichgewicht halten kann, so lost die Warme mehr Wasser 
auf, der Dampf wird dichter ohne deswegen zusammen zu flieBen, 
mit einem Wort, jede Warme macht einen Dampf bei welchem die 
Wasserteilchen eine gewisse kleinste Entfernung fur jene Tempera- 
tur haben, denn kleiner kann sie fur diese Temperatur nicht werden, 
weil alsdann die Wasserteilchen sich naher kommen wiirden als die 
Kraft der Warme sie zu halten vermag, und folglich wiirden sie 
zusammen fallen, und das Nahere wiirde zu Wasser werden bis 
sie sich selbst ihr minimum von Distanz gefunden haben, so bleibt 
alles. Erkalten sie sich so zersetzen sich diese werden gediegenes 
Wasser, und es entsteht ein neues groBeres Minimum eine andere 
Klasse von Dampf dieses ist alles sehr schon. Allein wie verhalten 



HEFT J 1628-1636 299 

sie sich nun in der Luft. Im luftleeren Raum wenn die Temperatur 
geringer ist, wiirde sie ein sehr geringer Druck zersetzen, er wiirde 
sie naher als ihr Minimum bringen, denkt man sich aber ein GefaB 
dessen Deckel durch eine Stahlfeder in die Hohe gehalten wiirde, so 
wiirde die Stahlfeder diesen Druck zum Teil tragen und die Dampfe 
darunter wiirden freies Spiel haben. Eine solche Feder ist nun die 
Luft. Die Luft ist nicht im Stande sie zusamm[en] zu driicken. Denn 
da die Luft von alien Seiten druckt so haben sie ihr freies Spiel durch 
die Zwischen-Raume der Luft durch. Bei jedem Druck nur wenn 
sie die Hitze des kochenden Wassers erhalten sind sie im Stande 
den Druck der Atmosphare zu iiberwinden. AuBer seinem §. 14 
Idees erklart sich Deluc noch umstandlicher uber diese Meinung 
und die Meinung der Gegner im 550-555. §. [1631] 

Briefe an Jedermann. [1632] 

Es kdnnte wohl sein, da6 der Blitz bei dem Donnerwetter nur eine 
Nebensache ware, (Verzeih mir meine schwere Siinden !) so wie er 
es bei den Vulkanen ist, da sagt man wenn die Berge Feuer spein, so 
sieht man Blitze. Kennten wir die entsetzliche Zerstorungen und 
die Prozesse die in der Luft vorgehen, so wiirden wir vielleicht 
sagen, diese Revolutionen sind mit Entwickelungen elektrischer 
Materie verbunden. Wer botanisieren will muB nicht auf der 
Chaussee bleiben, man muB heutzutage uber die Hecken springen, 
wenn man etwas Neues finden will. Unsere Konventions-Physik 
besteht aus einem Feld mit lauter FuB-Pfaden, wer immer darauf 
fortwandelt, wird nicht viel mehr finden. [1633] 

Ja Wort zu halten und bei allem zufragen: wie kdnnte dieses besser 
eingerichtet werden? [1634] 

Was mich von meinen alten Lehren abgehen heiBt, sind nicht 
meine individuellen subjektiven Fortschritte. Nein es sind Fort- 
schritte der Wissenschaft selbst. [1635] 

Gewitter-Ableiter. Wenn man die Feuers-Gefahr worin eine 
Stadt wegen Unvorsichtigkeit der Leute ist, sinnlich darzustellen 
etwa durch ein Donnerwetter ausdriickte, so wiirde man eines wall- 



300 SUDELBUCHER 

len mtissen, das nie aufhorte zu donnern, das alle Woche ein paar- 
mal einschliige ohne zu ziinden, und des Jahrs wenigstens einige 
Mai mit Ziinden, auflioren zu donnern wurde es nie. - AuBer den 
2 festen Punkten, das Gewitter ist elektrischen Ursprungs, der Blitz 
folgt den Metallen, wissen wir wenig von ihm. [1636] 

Die Farben die die Metalle dem Glase mitteilen gehen prismatisch 
geordnet nach der Dichtigkeit Gold rot, Blei orange, Silber gelb, 
Kupfer griin Eisen blau. [1637] 

Eine Wirkung zur Vergleichung clurch eine andere auszudrucken, wie 
aufdieser Seite im vorhergehenden Artikel die Feuersgefahr dutch Donner- 
wetter. t l6 3 8 l 

Ist das wirklich die einzige Art dieses zu erklaren? [1639] 

Dinge die ganz nacheinerlei Richtung liegen, konnen durchKrafte 
entslanden [sein,] die einander grade entgegen wiirkten, so wie auch 
Ruhe durch Gleichgewicht entgegen gesetzter Krafte entsteht. 
NB. [1640] 

Hadleyscher Oktant. 



c 

Hauptsatz. 

Der Winkel m den der Strahl FD vom Gegenstand mit dem vom 
2— Spiegel AC reflektierten GD am Auge D macht, ist noch einmal 
so groB als der Winkel n, den die beiden Spiegel zusammen machen. 

Beweis. 
o — n+x, weil er ein auBerer Winkel des A GECist, dessen innere 
entgegen gesetzten x und n sind. 



HEFT J 1636-1644 301 

2 o+p = 2 x+m+p. namlich beide zeigen Rechte. 
folglich 20 = 2 x+m und aus der ersten 
Gleichung 20 = 2 x+2 n, also 
m = 2n. 
Bei der gewohnlichen Observation von vornen, sind die Spiegel 
AC und BC einander parallel, wenn die Alidade auf Null steht. Fiir 
die Beobachtung von hinten ist noch ein dritter Spiegel angebracht, 
der mit dem ersten festen einen rechten Winkel macht, und folglich 
auch mit dem Alidade-Spiegel, wenn dieser auf Null steht. Dieser 
Spiegel ist in der Mitte getrennt, daB ich zugleich hindurch sehen 
kann. Steht also die Alidade auf o und ich sehe in diesem dritten 
Spiegel den Horizont hinter mir abgebildet, so macht dieser re- 
flektierte Strahl mit dem vom hinteren Horizont, wenn er nach 
meinem Auge kommt einen Winkel der noch einmal so groB ist, 
als der Winkel, den die Spiegel machen, da nun dieser Winkel = 90 
ist so machen diese Strahlen einen von 180 und ich sehe durch den 
Spiegel durch vor mir den Horizont. Steht nun die ©30° Grade hoch 
und ich sehe durch den Spiegel durch nach ihr, und drehe die Ali- 
dade so lange bis ich den hintren Horizont sehe, so werden die Spie- 
gel einen Winkel von 75 ° machen, ich werde also den Alida den- 
Spiegel um 1 5 verriickt haben, weil aber diese 15 in 30 Teile ge- 
teilt sind, so gibt auch hier der Oktant die Hdhe. t l6 4 r l 

Ober die Winde wundere ich mich nicht, aber uber die Wind- 
stillen. [1642] 

Gleick an die Grenzen der Wissenschaft zu gehen. Es laflt sich bald 
lernen wo es nochfehlt. [1643] 

Was den Fortgang der Meteorologie hauptsachlich hindert, ist, 
daB die Erscheinungen nur durch ihre GroBe bemerklich werden, 
und also in unsern Laboratoriis nicht gut nachgemacht werden 
konnen, oder uns im kleinen entgehen; hieraus erhellt die oft ge- 
gebene Regel: Alles zu vergrofiern und zu sehen was entstehen konnte 
wenn man Eigenschaften wachsen lafit, und die grbfiten Dinge abnehmen 
zu lassen in eben der Absicht. Dieses ist eine fruchtbare Mutter neuer 
Gedanken. Wenigstens gehoren die groBten Entdeckungen dahin, 
sie sind aber schwerlich durch dieses Mittel gemacht worden. [1 644] 



302 SUDELBUCHER 

Bei der Verkleinerung der Erdkugel ist doch zu bemerken, daB 
unser gegenwartiges Wasser, das Wasser der kleinen Kugel nicht 
mehr vorstellen konnte. Es muBte viel fliissiger sein, und so mit an- 
dern Eigenschaften. Also mit der GroBe ist es nicht allein ausge- 
macht. [1645] 

Wenn ich irgend in etwas eine Starke besitze so ist es gewifi im Aus- 
finden von Ahnlichkeiten und dadurch im Deutlich-Machen dessen was 
ich vollkommen verstehe, hieraufmufi ich also vorzuglich denken. [1646] 

Aphorismen uber die Physik zu schreiben jeden Tag etwas, das 
beste kurz zusammen, und allenfalls mit dem trefFendsten Beispiel, 
das sich nur finden laBt. [1647] 

Das Wort Echo ist ein hochst einraltiges Wort, denn Echo heiBt 
der Schall auf Griechisch. Es ist so abgeschmackt als wenn man das 
Bild im Spiegel Licht nennen wollte, das deutsche Wort ist sehr 
schon Widerhall. 9^dyyo^ t I<5 4 8 l 

Gleich den hochsten, den grofitmoglichen Versuch: Den optischen Ner- 
ven an der probiert. [1649] 

Den Donner auf Noten zu setzen ware vielleicht nutzlich, urn zu 
erfahren ob man ihn nicht in sehr geringen Distanzen gleich sehr 
verschieden hort. Denn da einige nur einen einzigen Knall und 
andere bei demselben Blitz rollenden Donner horen so mogen 
wohl der Verschiedenheiten sehr viel sein, und jeder einen andern 
Donner horen. [1650] 

Schwarz sehen heiBt nicht so viel als nichts sehen, wer keine Augen 
hat, sieht nicht alles um sich her schwarz, sondern er sieht gar nicht. 
Wir sehen mit den Ohren die Dinge nicht schwarz, sondern gar 
nicht. Schwarz wird also gewissermaBen gesehen oder empfunden, 
es ist Gefuhl der Stille f iir einen Sinn, der durch das Licht beschaftigt 
wird. [1651] 

Am 28 [— ] und 29 [— ] April 91. brachte mich die Sonne die durch 
Wolken schien und einen sehr hellen Fleck formierte dessen schein- 
bare GroBe wohl groBer war als der der Sonne, auf den opt. Nerven 



HEFT J 1645-1658 303 

und der Lichter-Kreis verschwand mir vollig. Mit der Sonne selbst 
hat es mir noch nicht gelingen wollen. Die Einzige Art dieses viel- 
leicht auszurichtenhabe ich in dem rotenBuch p. I4angezeigt. [1652] 

Was Versuche im GroBen vermogen sieht man daraus dafi die 
vielen Leichname, die in Frankreich zusammen begraben nicht ganz 
verfaulten, sondern in eine Art von kasigter Materie iibergingen. 
Diese Erfahrung ist von groBer Wichtigkeit, und zeigt wie wenig 
wir der Natur in manchen Stiicken nacharbeiten konnen. [1653] 

Warum zeugen Eltern die beide die Pocken gehabt haben 
Kinder, die sie wieder bekommen? [1654] 

Es ist ein Gedanke von Forster, dafi die Strome Seen konnen ge- 
wesen sein die endlich durchbrachen, so blieb der kleine Strom ubrig. 
So konnte der Masch der Boden eines Sees gewesen sein. Vielleicht 
meinte auch Ljungberg dieses. [1655] 

Von dem Gerinnen der Milch bei Dormer wetter habe ich ami- 
Mai 91 auf dem Garten wieder eine sehr eklatante Probe gehabt. 
Sollte es nicht eine aus der Luft nieder geschlagene Saure sein. Sal- 
peter-Saure? [1656] 

S. 32. Fragen: Sind wohl die ungeheuren und kostbaren Anstalten, 
die man jetzt an verschiedenen Orten fur die Astronomie macht, ver- 
nunftig? Ist nicht schon durch die Anstalten der Englander der Fran- 
zosen einiger Italianischen Staaten usw. hinlanglich fiir diese Wis- 
senschaft gesorgt? Wenigstens miiBte man andere Wege versuchen. 
Herschel versuchte den Weg der VergroBerung und erlangte da- 
durch die Unsterblichkeit. MuBte man nicht Observatoria in gro- 
Ben Hohen auf dem Montblanc und Montrose errichten oder an 
andern Seiten der Erde, ob da die Schwere vielleicht anders wtirkt, 
oder sich sonst etwas Neues zeigte. - Ist es wenigstens weislich ge- 
handelt diese Anstalten zu machen, da noch andre Wissenschaften 
im Staube liegen? [1657] 

Es ist doch sonderbar daB es fiir das groBe Weltgebaude keine 
Tiere gibt, keine kosmische Insekten-Schwarme, keine Tiere in 



304 SUDELBUCHER 

dem Weltgebaude iiberhaupt hin und her ziehn wie bei uns die 
Vogel von Land zu Land nicht ein einziges ist noch gesehn worden. 
Vielleicht hat irgend eine Krahe aus der Sonne einmal ein Samen- 
Korn auf unsere Erde getragen, oder auch ein Paar Menschen. Wer 
weiB was die Feuer-Kugeln fur Same[n] zu uns bringen. Sind die 
Kometen vielleicht Schwarme kosmischer Insekten? [1658] 

Ein Sprech- und Schallwerk, wenn man etwas in einer fremden 
Sprache hinein redet, so schallt es zu einem andern Loch ins Deutsche 
iibersetzt heraus. [1659] 

In das rote Buch einzutragen, daB man wenn man die Auge[n] 
lange starr ofFen gegen den gestirnten Himmel halt, man die Sterne 
endlich nicht mehr sieht. [1660] 

Jemand soil beantworten: was ist wohl die schlechteste, und welches ist 
die schonste Tat, die du in deinem Leben nach deinem Urteil begangen 
hast? Eine geheime Cabinets-Frage. [1661] 

Am 15— Mai 91. sah ich mit demTubo an einem vortrefFlichen 
Morgen um *U auf 7 Uhr nach den Linden auf dem Kirchhofe und 
sagte dabei das Wort: spanische Kreite. Wie ich zu diesem Worte 
gekommen, kann ich nicht ausmachen, ich habe an dem Tage ofters 
Viertelstunden lang dariiber nachgedacht. [1662] 

Wenn jemand iiber mir spricht und jemand unter mir, so muB 
dieses auch durch die Lagen der erschutterten Nerven im Ohre be- 
zeichnet werden, und da konnen ja grade die Schallbilder wenn ich 
so reden darf auch verkehrt liegen. Man sieht wenigstens hieraus, 
daB sie liegen konnte[n] wie sie wollte[n], so wiirde das keine An- 
derung machen. [1663] 

Es ist nicht einmal erweislich, ob die Tlere die Dinge im Raum 
und in der Zeit anschauen, denn wenn sie ihrer Anschauung gemaB 
handeln, so muB es uns dennoch immer scheinen, als handelten sie 
nach Raum und Zeit. So ist es auch mit den Handlungen der Blind- 
gebornen. [1664] 



HEFT J 1658-1671 305 

Was von der Quantitat bei Versuchen abhangt konnte man sich 
sehr gut dadurch erlautern, daB man sich vorstellte wie wenig wir 
zu der Kenntms z.B. des Wassers noch wiirden gelangt sein, wenn 
wir es nur in kleinen Tropfchen zu Versuchen anwendeten. [1665] 

Alles im Grofien zu suchen was man im Kleinen beohachtet, und umge- 
kehrt. Z.B. alles was das Kindspricht und tut, tutgewifi auch der Mann 
in andern Dingen, worin er cin Kind ist und bleibt, denn wir sind dock nur 
Kinder von mehreren Jahren. Die Worte dieser Lehre sind sehr gemein f 
ein Mann von Erfahrung wird ihnen abergewifi den Sinn zugeben wissen, 
den ihnen nfj, beigelegt wissen will. Wir schlagen zwar den Tisch nicht 
rrtehr, an dem wir uns stoflen, wir haben uns aberfilr andere aber ahnliche 
Stofie das Wort Schicksal erfunden, das wir anzuklagen wissen. [1666] 

Schon ware es, wenn Herr Woltmann auch iiber die Geschwin- 
digkeit des Schalls mit in seine Beobachtungen nahme da er die Ge- 
schwindigkeit des Windes miBt. In Rohls gesammelten Schriften 
steht eine Abhandlung iiber das Messen durch den Schall. [1667] 

Sollte es wohl Geschopfe geben die genau wissen, was mit uns 
nach dem Tode vorgeht, etwa so wie ich weiB, daB der Leib des 
Hundes verfaulen wird, den ich todschlage? [1668] 

Ich bin uberzeugt, daB wenn man die Menschen die Lippen nicht 
bewegen sahe, man gar nicht wissen wiirde, wer in einer Gesell- 
schaft spricht, so wenig als wie [man] in einem vollkommenen 
Spiegel-Zimmer wissen wiirde welches das wahre Objekt ware. 
Als ich das Kanonieren fur einen Schlag an das Haus hielt. Hieraus 
die Bauchrednerei. [1669] 

DaB manche Dinge ehe sie brennen erst schwarz werden, scheint 
gleichsam eine Zubereitung der Natur zu sein denn schwarze Sachen 
empfangen die Hitze besser, es befordert den Obergang zu ver- 
gleichen mit p. XXXIII. Kol. II. 3. [1670] 

Bei einem aufgesuchten Motto auszufinden, wo es am besten angebracht 
werden konnte. Zum bon mot die Gelegenheit zufinden. Es ist Boileaus 
zweiter Vers zuerst [1671 ] 



306 SUDELBUCHER 

Den eigentlichen Regeln zur Erfindung der Wahrheiten fehlt es 
noch an einem Newton und Herschel. [1672] 

Die Apotheker mogen machen was sie wollen, nur wird man 
hoffentlich die Physik mit der barbarischen Nomenklatur ver- 
schonen. Die elektrische Materie haben sie gar nicht; warum nennt 
Girtanner das Wasser nicht oxide d'Hydrogene oder Halbsauren 
WasserstofF Halbsauren HyderstofF. Warum Girtanner iibersetzt 
sieht man nicht ein oxygene ist ja so wenig franzosisch als Phlogiston 
eshatteja ganz gut so bleiben konnen oxid im Deutschen wiirde nicht 
widriger geklungen haben als liquid, oder oxymel. Girtanners 
Ubersetzung klingt fast, als wenn er die Sprache hatte lacherlich 
machen wollen. 

Vorschlage: Calorique oxide oder oxide de Calorique dephlo- 
gistisierte Luft. Das Wort Calorique miiBte notwendig mit in die 
Nomenklatur. - Wenn auch Girtanner die Entstehung des Regens 
erklart, wie will er mit der Elektrizitat fertig werden, die ja auch bei 
Auf brausungen erfolgt. So lange man die chemischenVerbindungen 
der elektrischen Materie nicht kennt, so ist alle Nomenklatur 
schwankend, da es so iiberall steckt. Selbst die Erzeugung der 
Knalluft in dem Troostwykischen Versuch konnte daher Erlaute- 
rung fmden, da man schon Phlogiston und Feuerstoffin der Elektri- 
schen Materie gefunden hat. Ich glaube es ist die Forstersche Mut- 
maBung. [1673] 

Bei der franz. Theorie sind vorziiglich die Dampfe mit Elektri- 
zitat zu versuchen. Wie sind diese Versuche ambesten anzustellen? 
2) Woher das Wasser beim Verbrennen des Schwefels entsteht. [1674] 

Da das saurende Prinzipium auch das feuernde ist, so hatte sich 
auch eine ganz artige Nomenklatur darauf bauen lassen. Das Wasser 
hatte alsdann wohl am besten halbge(be)feuerter WasserstofF ge- 
nannt werden konnen. Da Feuer im Sinne des gemeinen Lebens 
ohne dephlog. Luft statt findet, so konnte man ihr Brand eben so 
gut zuschreiben, als Saure. [1675] 

Einen Namen fur das SchieBpulver zu erfinden ad modum der 
Franzosen. [1676] 



HEFT J 1672-1682 307 

Beim Schall kann man kleine Distanzen messen, wenn man sich 
das intervallum bei einem genauen Gehor imprimiert und so nach- 
macht, und ofters wiederholt dieses kann zu groBer Genauigkeit 
ja bis auf einzelne Terzien gebracht werden, wo von ich eine Probe 
gemacht habe. [1677] 

Bei dem Verbrennen der dephlog. Luft mit infl. Leidenfrosts 
Versuch mit dem Nagel nachzumachen ob man nicht aus Wasser 
RuB erhalten kann. [1678] 

Die Maschine zu Verbrennung der infl. und dephlog. Luft ein- 
mal wahrend des Prozesses zu isolieren, um zu sehen ob Elektri- 
zitat entsteht. [1679] 

Es konnten die Wasser-Decompositeure sehr leicht in dem Falle 
der Erden-Rcduzierer sein, sie arbeiten in einem Instrumente das 
sie nicht ganz kennen,so lange Ihnen die elektr.Materie unbekannt 
ist. [1680] 

Man muB wohl unterscheiden. Sich der franzosischen Nomen- 
klatur widersetzen heiBt«nicht ein Phlogiston annehmen. Eben der 
Zeitpunkt, da es ungewiB gemacht ist, ob es ein Phlogiston gibt ist 
eben der Zeitpunkt Behutsamkeit zu lehren, und nicht gleich wieder 
ein [e] Sprache [zu] erfinden, wenigstens sollte der philosophische 
Deutsche das nicht so gleich tun. Die Namen sollten nicht iibersetzt 
werden. Ein griechischer Name ist daher immer besser, als ein 
deutscher fur uns, der wenigstens durch ein[e] Generation hindurch 
den Fortgang der Wissenschaft erschwert. Elektrisieren ist besser 
als das ^/stein-Kraftigen des sel. Hemmer. [1681 j 

Hinter dem Nebel der elektrischen Mysterien lauert gewiB ein 
gefahrlicher Feind der franz. Nomenklatur, denn sie bekummern 
sich so wenig um diese Materie, die die ganze Erde erfiillt, als 
manche Chemiker sich bei Ihren Prozessen um die Natur der 
Schmelztiegel. Man sagt eine Retorte sei leer wenn nichts als atmo- 
spharische Luft darin ist, dieses kann auch in tausend Fallen ein ganz 
unschadlicher Ausdruck sein. [1682] 



308 SUDELBUCHER 

Was hat man nicht fiir Eigenschaften vom Dampf entdeckt, 
ohne deswegen seinen Namen zu andern, Eau surcaloriquee [1683] 

Wie wenn nun, die Luftarten durch eine Zersetzung der elektri- 
schen Materie geschahe[n]. Die Salpeter-Luft gibt mit der elektri- 
schen Materie Salpeter-Saure nach van Marum, da ware also we- 
nigstens oxygene. Wenn ich auf Messingfeilspane Salpeter-Saure 
gieBe, so entsteht Warme, Salpeter-Luft und Elektrizitat. Wie kann 
man da Herz haben eine Nomenklatur an[zu]nehmen, wo solche 
Dinge zurtick sind und aufeinem Wege frei [zu] wandeln, wo solche 
FuBangeln liegen. - Herr Schroter sagt auch noch immer Mare 
imbrium. [1684] 

Es ware doch eine Frage an die Antiphlogistiker, was bei dem 
Verbrennen der Uhrfedern in dephlog. Luft die heftige Explosion 
verursacht. Das sieht doch nicht aus als wenn das Eisen etwas ein- 
nehme, wenigstens nicht blofi so. [1685] 

So vortrefTJich die Versuche der Franzosen sind, so sehr sie von 
den Fortschritten des menschliche[n] Geistes zeugen, so barbarisch 
ist die Nomenklatur. Ich nenne hier barbarisch was von Zuriick- 
gehen oder Zuriickbleiben des menschliche[n] Geistes zeugt. Eben 
der Geist der uns am Ende des 18— Jahrhunderts lehrtanderExi- 
stenz des Phlogistons zu zweifeln muB uns auch lehren keine neuen 
Namen zu schafTen. Was hilft denn alle Welt- und Menschen- 
Kenntnis, wenn man sich immer wieder will betoren lassen und 
Namen geben, wo sie ganz unniitz sind. Die Erscheinungen sind 
ja nicht neu sondern nur die Erklarungen und die Meinungen und 
neue Meinungen erfordern keine neue Sprache, vielmehr ist grade 
umgekehrt notig urn sie verstandlich vorzutragen sich der einmal 
rezipierten zu bedienen. Unser vortrefFliche Schroter nennt ja auch 
nicht das Mare Crisium im Mond Sylva Hercynia. Dieses ist nicht 
Philosophic, sondern Eitelkeit. Nichts ist [in] der ganzenTheorie, 
dasdem 4- und -Eahnlich ist. Castor und Pollux. [1686] 

Chemische Arbeits-Tische mit FiiBen von Bennetschen Elektro- 
metern. [1687] 



HEFT J 1683-1692 309 

Die elektrische Materie, die die Alkali nische Luft aufschwellt, 
die die Kiesel-Erde schmelzt. [1688] 

Gehen wohl die Lungen unter der Luftpumpe getodeter Tiere 
im Wasser unter? Nein [1689] 

Vielleicht konnte es auch iiberhaupt nicht schaden die Leiden- 
frostische Versuche uber den RuB selbst mit Veranderungen und 
neuen Anwendungen zu wiederholen. [1690] 

Was kann leichter sein zu behalten, als dafi die Metalle nicht durch 
eine Zersetzung sondern durch Beitritt der Basis der Lebensluft 
verkalcht werden, und daB das Wasser aus der Basi der infl. und 
Lebens-Luft mit etwas Warmestoffbestehe. Dieses driickt die Mei- 
nung deutlich aus, was will man weiter? Meinungen werden 
Meinungen folgen so lange die Welt steht, daher erfordert die 
philosophische Okonomie den Aufwand bei diesem immer zu 
befurchtenden Wechsel so gering zu machen als moglich, so 
aber bleibt uns mit jeder veranderten Meinung das ganze un- 
niitze Worter-Gehause am Ende auf dem Halse. Wir haben ja 
eine Sprache durch die wir uns vollig verstandlich machen konnen. 
Will man denn nach diesem ewigen Wechsel nicht endlich kliiger 
werden? Auf diese Versuche zu achten (auf diese Zeichen der Zeit 
zu achten) ist ja auch Philosophic, nur ich glaube daB es Ehre brin- 
gend ist, dieses jetzt zu merken. Ware ich der einzige oder der erste, 
der dieses bemerkte, so wiirde ich stolzer darauf sein, als auf die 
ganze franz. Chemie. Die Nachwelt wird mit solchen Torheiten 
mehr belastigt, als wir aus Not fmden miissen, was wir mit etwas 
Philosophie voraus sehen konnen. Es mufi am Ende dazu kommen. 
Jetzt vielleicht nur bei wenigen, die sich nicht blenden lassen, am 
Ende, wenn es nicht mehr auszuhalten sein wird, bei alien. Ich 
wiinschte lieber, daB diese Meinung von mir auf die Nachwelt 
kame, als irgend etwas. - Sie werden bei der 100— Generation mer- 
ken miissen, was wir bei der 3— konnten. - wenigstens den Protest 
aufzuzeichnen. Denn was vermag der Strom der Menge nicht? 
Hypothesen sind Gutachten, aber Namen sind Dekrete. [1691] 

Der Bleikalch ist keine Saure und wenn er eine ist, keine halbe. 

[1692] 



3IO SUDELBUCHER 

Gibt weiBgluhendes Eisen in Wasser geloscht inflammable Luft? 
undwie verhalt sich das Wasser dabei? Granulier-Bad. Warumwird 
der Wassertropfen im flieBenden Kupfer und Eisen so schmetternd, 
auf weiBgliihendem nicht? wie him gen die Wiirkungen der ge- 
schmolzenen Glas-Galle, und von Abichs geschmolzenem Koch- 
salz mit der Zersetzung des Wassers zusammen. [1693] 

Selbst mit der schonen positiven und negativen Elektrizitat kann 
es ein Ende nehmen, wenn wir der Natur auf die Spur kommen. 
Bergmans Feder-Kiele. [1694] 

Herr Lavoisier in seinen No ten zum Kir wan p. 23 sagt selbst aus- 
driicklich. Sidoncppil fautenconclure que Tair vital, le gas oxigene, 
est le corps inflammable par exellence pp. Hier konnte auch die 
Konstante gentitzt werden S. XXXIII. [1695] 

Urn recht iiber die Zusammensetzung des Wassers aus infl. und 
dephlog. Luft zu entscheiden, miiBte man vielleicht diese Luft- 
arten besonders einschlieBen, hermetisch versiegeln lange aufbe- 
wahren und sehen was sie fur sich tun. Man hat hierin noch zu 
wenig versucht. [1696] 

Wenn Herr D. Girtanner mit infl. Luft pp und El[ektrizitat]. in 
der Luft kommen sollte, so ist zu merken daB Herr Deluc schon den 
Herrn Libes, der sich eben dieser Ausfliichte bedient vollig wider- 
legt hat, und zwar im Rozier, Mai 179 1 p. 390 pp. [1697] 

Es ist immer eine sehr merkwurdige Erscheinung, daB wir im 
Anfang des August 1791 so viel heiBe und schwiile Tage hatten, 
und wenn Wolken aufstiegen, doch diese nur gewohnlich in sehr 
leichten Donnerwettern oder gar in einem sanften Regen endigten. 
Zumal ist dieses heute den 13— August sehr merkwurdig, der Tag 
war einer der schwiilsten es wird am Horizont trube regnet so gar 
gegen Northeim zu, aber ich hore keinen Donner und sehe keine 
Blitze. Was ist das? Die Erde, die sehr trocken ist, scheint nicht in 
korrespondierender Disposition zu sein. [1698] 

Die franz[6sische] Nomenklatur (auch Barbara Celarent) lasse 
ich als versus memoriales gelten. post SIMSUM sequitur pp. Das 



HEFT J 1693-1707 311 

Verschen ist nun ganz falsch geworden, denn wenn man auch 
Usimsum sequitur [hat,] so fehlen doch nicht weniger als 13 pallidae 
lunae: die Epizyklen. [ I<5 99] 

Die Versuche sind ein Werk des Genies, allein die Namen ein 
Werk der Eitelkeit. [1700] 

Was fur groBe Manner haben sich nicht selbst noch nach Newtons 
Entdeckungen bemuht die Wirbel des Cartesius zu verteidigen. 
Dieses Gleichnis ist fur die Antiphlogistiker. [1701] 

Da die Kiesel-Erde so gar in luftartiger Gestalt dargestellt wer- 
den kann, wer will es von andern Erden leugnen? wer weiB ob alles 
was wir auf der Oberflache der Erde bemerken Niederschlag aus 
dem Wasser war. Doch dieses ist mit groBer Behutsamkeit anzu- 
wenden. [1702] 

Meinen schonen Versuch, da ich den Sonne-Strahl in den koni- 
schen Spiegel fallen lieB und er von der Seite griin aussah, da doch 
das Glas gar nicht griin ist, dieses ist Farbe durch Reflexion. Ich muB 
gestehen, daB ich mir dieses noch nicht recht erklaren kann. Es 
muBnur auch ja mit den UfFenbachischen Conis und Pyramiden 
probiert werden. [1703] 

Die Mohnblatter zu Elektrometern zu gebrauchen. [1704] 

Alle chemische Prozesse in trockner Luft alle Prozesse, so viel als 
moglich im luftleeren Raum. Man bedenke nur, wo unsere Theo- 
rien der Physik und der Chymie hin geraten wiirden wenn man 
die Luft fiir nichts achten wollte. [1705] 

Wie weit ist wohl die allgemeine Sage gegriindet, daB sich ein 
Skorpion, um den man einen Kreis von gliihenden Kohlen legt, 
sich endlich, wenn er nicht heraus kann, selbst ersticht? [1706] 

Koelektrizitat ist ein sehr gutes Wort manche Begriffe aus- 
zudriicken. [1707] 



312 SUDELBUCHER 

Da tnirjeder eigene neue Gedanke soviet Mut macht, so habe ichja 
daraufzu sehen, alles soviet als moglich zu beleuchten, urn dabei aufetwas 
Eignes zu stoflen, welches mirsetten miflingt wenn ich mich nuranstrenge. 

[1708] 

Wenn die Grillen und Heuschrecken ihren so genannten Gesang 
wiirklich mit den Fliigeln hervorbringen, so wundert es mich doch 
wiirklich, daB die Kunst noch gar nichts zur Nachahmung hierin 
getan hat. Neue musikalische Instrumente. [1709] 

In den Gefrier-Mitteln wird man gewiB kiinftig noch weiter 
kommen, denn es ist gar nicht widersprechend, daB so wie die 
Fackeln Brand verbreiten durch Freimachen von Feuer, es nicht 
[einen] ProzeB geben sollte es eben so schnell zu binden. [1710] 

DaB Hagel entsteht ist nicht wunderbarer, als daB ein Feuer vom 
Himmel fallt, das Metall schmelzt und Hauser in Brand steckt. Das 
eine ist bloB der umgekehrte ProzeB vom andern. [1711] 

Wie wenn nun der Hagel nichts anders ware, als eine plotzliche 
Beraubung der Luft von ihrem Aerifikations-Feuer? da denn das 
tibergebliebene Wasser gefrore. Allein wo kommt das Feuer hin. 

[1712] 

Warum ist der Erkaltungs-ProzeB so selten, und der Erhitzungs- 
ProzeB so gemein in der Natur? [171 3] 

Das ManifestmaBige in der Nomenklatur. [1714] 

Es konnte vielleicht eine gute Sozietats-Abhandlung werden die 
Lehre von den Tropfen vorzunehmen. Erst miiBte bloB destilliertes 
Wasser gebraucht werden. Dann untersucht wie sie von Warme 
abhangen, wie sie von der Beschaffenheit des GefaBes abhangen; 
wenn das GefaB von Glas Metall Holz, Stein, fettig usw. ist ; wie viel 
sie in jedem Grad der Warme in einer gegeben[en] Zeit verlieren; 
wie [siejsichmitden Auflosungen verandern,hier konnten auch Un- 
tersuchungen mit andern Fliissigkeiten angestellt werden. - Man hat 
sie vorgeschlagen zu einem allgemeinen MaBe. Wenn man nam- 
lich die Seite eines Wiirfels hatte, der genau eine Billion Tropfen 



HEFT J 1708-1718 313 

hielte, so ware das MaB bestimmt. Man lieBe sich ein [en] genauen 
Wiirfel machen zahlte die Tropfen die notig sind ihn anzufiillen, 
nahme seine Seite zurEuxheit an, und berechnete alsdann z.E. die 
Seite des Wiirfels von einer Billion Tropfen. Ich sehe die Schwierig- 
keit gar wohl ein die es haben wiirde zu wissen wann der Wiirfel 
voll sei. Allein ich habe auf Mittel gedacht. Auf einem dunnen 
Plattchen von Elfenbein setzte man senkrecht einen Draht mit einem 
Visier auf und richtete dieses wenn [es] genau der oberen Flache des 
Wiirfels korrespondiere auf einfen] entfernten Gegenstand, alsdann 
lieBe man es auf dem Wasser vermittelst eines Gegengewichtes 
schwimmen, so daB es sich gar nicht untertauchte : Hier steigen frei- 
lich Zweifel auf, allein die Frage ist ob dieser Fehler einen merk- 
lichen EinfluB auf das Gauze hatte. Hier miiBten notwendig Ver- 
suche angestellt werden. Wenn die Seite des Wiirfels = 100'" ware, 
und ein Tropfen = 1 cubic-line, so erhoht 1 Tropfen Wasser die 
Wasser-Flache um 0,0001. Von der Figur [der] Tropfen. Siehe 
Gehler Tropfen. Uber diesen Vorschlag zu einem MaBe. S. Speeches 
in the house of commons upon the Equalization of the Weights 
and Measures of great Britain; with notes observations, by Sir 
John Riggs Miller Brt. und die gute Rezension dieser Schrift im 
Monthly Review enlarged May 1791. p. 60. (ausdiinstig) [171 5] 

Als ich noch zu Hause war (in Darmstadt), hatte ich mir schon 
die Frage aufgeschrieben, die ich mir jetzt, da ich fast 30 Jahre alter 
bin, noch nicht recht beantworten kann: woher kommt es, daB, 
wenn geweiBte Stuben anfangen vom Rauch braun zu werden 
sie immer da, wo die Tiinche uber die Balken weggeht, weniger 
dunkel sind, als in den Fachern selbst. [1716] 

Sollten wir nicht Affinitaten gegen andere Korper fiihlen kon- 
nen? und sich nicht daraus eine dritte Theorie des Lichts herleiten 
lassen. Was ist Affinitat bei einem empfindliche[n] Geschopf? Ist 
nicht unsere ganze Relation unserer Anschauungen nur verandert 
das, was in der Chymie Affinitat heiBt? NB. Licht, Schall, ist^e- 
fuhlte Affinitat. [1717] 

Luft ist nach den meisten Physikern weiter nichts als ein gewisser 
Grundstoff, der durch Warme in luftartiger Gestalt gehalten wird. 



314 SUDELBUCHER 

Umgekehrt konnte man auch sagen: Es sei Warme, die durch einen 
gewissen StofFnunmehr so gebunden sei, daB sie die Korper nicht 
mehr durchdringen konne. Was spielt dabei Elektrizitat fur eine 
Rolle? [1718] 

Wenn man das mittellandische Meer im kleinen vorstellen wollte, 
so riskierte man, daB es an einemwarmenTage einmalvertrocknete. 
Schliisse hieraus auf Modelle und Versuche im kleinen iiberhaupt. 

[1719] 

Die antiphlog. Theorie ist eine herrliche Sache fiir die Ge- 
schwindwisser, fiir die superfiziellen Vielwisser. Es kann alles sehr 
herrlich, sehr schon sein, nur schade, daB es nicht wahr ist. [1720] 

Es ist ja hier nicht die Frage, ob die Theorie schon ist, das leugnet 
kein Mensch, sondern die Frage ist, ob sie wahr ist. Herr Deluc 
nennt sie sehr schon eine Theorie der Professoren. [1721] 

Das Fechten mit Auctoritaten, das ist sehr nett, wo ich nicht irre 
haben dieses Argument die Katholiken gebraucht. Und wenn die 
protestantische Lehre wieder in die Mauern von Wittenberge zu- 
riickgetrieben wurde, so wiirde ich doch sagen die protest, sei 
besser. [1722] 

DaB Kirwan ubergetreten ist, ist nicht zu verwundern, sein 
System enthielt schon zu viel vom andern, sein Phlogiston hat 
schon zu viel von dem Hydrogen der andern, oder ist es schon 
wurklich. [1723] 

Eis und elastischer Dampf machen in gewissem Verhaltnis ge- 
mischt Wasser: Wiederum wenn Strome schnell gefrieren, so 
dampfen sie, hier wird das Wasser zersetzt, das Eis bleibt liegen und 
der Dampf geht fort. Ja wenn einmal jemand bemerkte, daB kaltes 
Metall beschluge, so konnte er geneigt sein zu glauben jenes kalte 
Metall sei eine Art von Eis. [1724] 

Herrn Delucs Briefe sind freilich so geschrieben, daB sie kein 
Geschwindwisser liest. [1725] 



HEFT J 1718-1732 315 

Der Versuch iiber die Abnahme der Schwere nach dem Aquator 
zu lieBe sich audi vielleicht so anstellen : Man KeBe einen sehr feinen 
Draht von Gold ziehen, und schickte, etwas davon nach Stock- 
holm und eines in die stidlichen Gegenden. Man untersuchte, von 
wie viel Gewicht sie an beiden Orten rissen: brachte alsdann die 
Gewichte wieder genau an denselben Ort und untersuchte sie. Sie 
miiBten notwendig mehrmal [s] wiederholt werden dieLange muBte 
genau mitgeschickt werden. Auch die Temperatur durchaus einer- 
lei sein. [1736] 

Was Seite LXIV von dem Verkleinern des Mittellandischen 
Meeres gesagt ist, konnte auch eine allgemeine Hindernis bei chemi- 
schen Versuchen im kleinen werden. [1727] 

Bergman will gefunden haben, daB zwei Federkiele an einander 
gerieben beide + E erhielten. Wenn man 2 Korper an einander 
reibt, so werden beide warm. Die Frage ist, ob nicht der eine zu- 
weilen kalt wird. Dieses kann nur ausgemacht werden, dadurch, 
daB man untersucht, ob sie gleichwarm werden. Hier kann Mit- 
teilung alles erschweren, so wie auch bei manchen Korpern bei der 
El. [1728] 

Gibt es nicht Korper die an einander gerieben beide kalt wer- 
den? Es ist moglich so bald die Kapazitat durch das Reiben ver- 
mehrt wird (Erkaltungsmittel). [1729] 

Man hat, wie ich hore eiserne Hauser in Petersburg, aber eins 
wie S. XLVII Kol . 2 erwahnt wird ist doch noch nicht gebaut. [1730] 

Ob wohl nicht aus dem Jouj ou der Normandie etwas Ernst- 
haftes konnte gefolgert werden : Lasten zu heben, oder das Ding im 
GroBen. Es konnten wohl Taschen-Uhren gemacht werden, die 
sich so aufziehen lieBen, wie die Joujous. [173 1] 

Den Wetterweisen muB der Mut nicht wenig bei der Betrach- 
tung sinken, daB ein Funke eine ganze Stadt in die Asche legen 
kann, unsere Witterungs-Begebenheiten konnen ja ofters eben so 
entstehen, wer will das alles schatzen. [1732] 



3l6 SUDELBUCHER 

Was wiirde geschehen wenn ich einmal in den Papinianischen 
Topf Alkohol brachte und beim Auskochen anziindete? NB. Der 
Versuch miiBte wohl zuerst auf dem Garten im Freien angestellt 
werden. Auch Terpentin-Spiritus. Nur miiBte verhindert werden, 
daB das Feuer des Ofens keine Entzundung bewiirkte. Ware viel- 
leicht bei Feuerwerken zu gebrauch[en] [1733] 

Versuche mit Auf losungen in sehr kondensierten menstruis. Salz 
z.E. in Abichs Maschine. oder auchMetalle in andern kondensier- 
ten oder komprimierten menstruis ob sie vielleicht unaufgelost 
bleiben. [1734] 

Urn des Asklepius Versuche nachzumachen und zu priifen, muB 
die Anhanglichkeit des Quecksilbers am Glase auf der Waage ver- 
sucht werden, auch mit Salz-Wasser, und in verschiedenfen] Gra- 
den der Warme. Auch in meiner Haar-Rohrchen-Maschine. [1735] 

Das war ein guter Gedanke von Herrn Townson, Erbsen (grime) 
in Portable Soup auf zu bewahren. Vielleicht HeBe sich auf diese 
Weise noch allerlei aufbewahren. [1736] 

Eben derselbe erzahlte, daB d'Arcet wollte gefunden haben daB 
das Wasser aus dem Papinianischen Topf, eigentlich der Dunst, der 
jemanden ins Gesicht gesprungen ware sich ktihl angefuhlt hatte. 

[1737] 

Es ist ein sehr wesentlicher Umstand, (wenn es nur verstanden wird) 
sich alles, was man weift, so elgen zu machen, dafi esganz zu eines seinem 
Wesen zugehoren scheint. Das historische Wissen ist grade das Gegenteil 
davon, das taugt beim Denken nichts undfdllt einem nicht bei, wenn mans 
braucht, ob esgleich gut ist vieles historisch zu wissen. Also alles recht an 
ein Ganzes angeschlossen sei es auch zweifelhafte Hypothese, es ist immer 
besser als Kollektaneen vonfactis dem Gedachtnis anvertraut. In dem, was 
ich hier sage ist mehr als ich auszudriicken im Stande bin. Ich werde mich 
aber hoffentlich immer wieder verstehen, wenn ich dieses lese. (Gambol 
26[^]Dez.i 7 9i-) [1738] 

Es befinde sich in einem Lande wo es in der Ebne nie schneit, ein 
hoher unersteiglicher Berg, dessen Gipfel zuweilen mit Schnee 



HEFT J 1733-1746 317 

bedeckt wiirde den die Anwohner beobachten konnten. Was fur 
Hypothesen wiirden nicht Physiker machen. Blumen, Schimmel 
Schaum, weil Wasser herabgeflossen kommt. Phosphore[s]zenz - 
Ein[e] Fabel iiber die Mondvulkane. [1739] 

Was mag wohl die Schwungkraft der Erde fiir einen EinfluB 
auf die Richtung bei den Magnetnadeln haben? [1740] 

Die Warme vermindert die anziehende Kraft des Magneten, 
vermutlich, weil sie denselben ausdehnt, und dadurch Dinge trennt, 
deren Vereinigung man die Starke zu verdanken hat. Oder es kon- 
nen dadurch Gablers kleine Nadeln verruckt, und dadurch Storun- 
gen verursacht werden. [1741] 

In dem Versuch von Deiman und Paets van Troostwyk, da sie 
Wasser durch Elektrizitat in dephlog. und inn. Luft verwandelt zu 
haben glauben, ist wohl die erste Frage: wie ist diese Verwandlung 
geschehen? Hat sie als Feuer gewiirkt oder als bloB mechanisches 
Mitteh Schwerlich, sondern es ist vielmehr wahrscheinlich daB die 
elektrische Materie hierbei eine Verbindung mit den Wasser- 
Dampfen eingegangen ist. Nach diesen Betrachtungen konnte die- 
ser Versuch, den man als eine so groBeBestattigung der antiphlogisti- 
schen Theorie angesehen hat, ein sehr bedenklicher Zweifel wider 
dieselbe werden, dahin gehoren die Zersetzungen der alkalinischen 
Luft, und der schweren inflammabeln, von Austin philos. Trans. 
Vol. 80. [1742] 

Wie verhalten sich die v. Humboldtischen Kugeln mit Dampf 
aufgeblasen gegen den Konduktor im Dunkeln. [1743] 

Es scheint als wenn el. Materie iiberhaupt eine wichtige Rolle 
bei der infl. Luft spielte. [1744] 

Ein metallenes GefaB mit infl. und Knall-Luft zu fiillen und auf 
dem Bennetschen Elektrometer mit einem Licht anzuzunden. [1745] 

Die Zeit da die Chemie der Elektrizitat entwickelt werden wird, 
wird vermutlich die sein, da die Franz. Chemie iiber den Haufen 
fallen wird. [1746] 



3l8 SUDELBUCHER 

Woher riihren manche Geriiche der Metalle? beim Schmelzen 
des Bleies verspure ich wenigstens immer einen Geruch dieses muB 
freilich erst sehr gepriift werden. [1747] 

Mit der Elektrizitat haben wir Krankheiten geheilt, wir haben 
die Kiesel-Erde, und die Platina in einem Augenblick schmelzen 
gesehn; wir haben ohne Warme zu erwecken, die heftigste Er- 
schutterungen damit hervorgebracht, und den Tod in einem 
Augenblick. Man hat Uhrwerke damit getrieben. Ich mochte fast 
fragen : gibt es noch eine machtigere Materie auf der Welt? und diese 
vernachlassigt man? daB wir so viel elektrische Spielwerke haben 
und noch wenig Griindliches beweist nur, daB wir nur an den 
auBersten Zweigen hangen und den Stamm noch gar nicht kennen. 
Wir miissen Feuer und Elektrizitat nicht trennen, ich glaube, die 
Lehre vom Feuer ist unverstandlich ohne jene, und was wir dem 
Feuer ganz zuschreiben kann zum Teil diesem Fluido zugehoren. 
NB. Die Lehre vom Feuer ist vielleicht bloB deswegen so unvoll- 
standig, weil man sie von der El[ektrizitat]. getrennt hat. Mit 
einem Wort: alles muB undeutlich werden wenn man ein 
Wesen vernachlassigt, das sich in alles mischt. Man kann sich doch 
furwahr kaum des Lachelns enthalten, wenn man Menschen sieht, 
die so recht en Professeur denken, sie konnten eine Materie in der 
Natur abhandelnwie einen Paragraphen, erst den und dann den, ohne 
zu bedenken, daB sich keiner ohne den andern abhandeln laBt, und 
daB alles zusammen nur eins ist. Wir haben eine Lehre von der 
Elektrizitat und vom Feuer, auf StarFeln aufgefaBt und angemerkt, 
wo sie am wenigsten wiirksam sind eben, weil sie allein sind. Was 
ware das Wasser, wenn man es bloB im Trinkglas kennte. Magne- 
tismus, Affinitat, alles, alles bleibt unbekannt so lange ein Glied in 
der Kette fehlt. Wie wenn ein groBer Teil der Dunkelheit, die in 
der Naturlehre herrscht daher ruhrte, daB man die elektrische Ma- 
terie mehr allein als in Verbindung bisher beobachtet hat? Selbst die 
magnetische Materie kann davon modifiziert werden. [1748] 

NB. Da alle die chemische Zersetzungen der Luft durch Elek- 
trizitat, bei der alkalinischen ? schweren inflammabeln (auch beim 
Wasser Paets van Troostwyk und Deiman. So konnte vielleicht 
der Strahl, die Explosionen und noch mehr erklart werden.) usw. 



HEFT J 1 747-I75<5 319 

auf inflammable Luft fuhren so konnte wohl manche Erscheinung 
beim Einschlagen eben dieser ProzeB sein, eine Zerteilung der 
atmospharischen [Luft], in inflammable und eine andere. [1749] 

Auch kommt hierbei gewiB der Phosphorische und Schwefel- 
Geruch beim Elektrisieren, und Einschlagen des Blitzes in Betracht. 
Auch das fliichtige Riechen konnte immer das Phlogiston sein, das 
aber ohne Wasser keine Luft erzeugen kann. Wohcr riihren die 
Farben bei dem elektrischen Feuer? Warum lassen die Blitze iiber 
Goldpapier grun? Alles dieses sind Fragen die bei chemischer Unter- 
suchung der Elektrizitat von auBerstem Gewicht sind. [1750] 

Ja auf ein Mittel zu denken, den elektrischen Schlag durch Dampfe 
gehn zu lassen, da wiirde die so genannte Zersetzung des Wassers 
die Paets van Troostwyk bewiirkt hat leichter von statten gehen. 

[1751] 

Bei der chem. Elektrizitat des Herrn Prof. Schmidts Abwiegen 
derselben [1752] 

Das Krystallisations-Wasser kann auch nicht allein vorgestellt 
werden. Namlich so bald es ausgetrieben ist, ist es das Wasser nicht 
mehr das es in den Krystallen war. NB. mit Anwendungen durch- 
zudenken. [1753] 

Uber den EinfluB der Oberflachen der Korper bei Bestimmung 
ihrer spezif. Schwere. Etwas davon habe ich an Professor Schmidt 
in GieBen geschrieben den 21 [— ] Jan. 1792. [1754] 

Sollte wohl in durchsichtigen Dampfen Phosphorus brennen? 
Oberhaupt mtiBten Dampfe mehr behandelt werden, aber schade 
ist, daB uns die Gefahr zu sehr hier abschrecken muB, uns mit Ver- 
suchen abzugeben, wodurch so manches Licht gewiB erhalten wer- 
den wiirde. [1755] 

Im Granit und in den uranfanglichen Gebirgen finden sich keine 
Versteinerungjen] in den Flozgebirgen finden sie sich, niemand 
wird sich leicht denken konnen, daB sie nachdem die Gang-Gebirge 



320 SUDELBUCHER 

sich gesetzt hatten, geschafFen worden, und vom Himmel herab ge- 
worfen waren, der Himmel hat Muscheln geschafFen wie er Apfel 
schafFt. Werwill einegenerationem aequivocam leugnen? Konnte [n] 
nicht in den Bergen Muscheln entstanden sein, als sie weich waren, 
so gut wie im Wasser ? ! ! [1756] 

Bei einer Abhandlung iiber die Vernachlassigung der Elfektrizi- 
tat]. bei chymischen Versuchen muB notwendig angefuhrt werden, 
daB Cavendish aus 3 Teilen Stickluft und 7 Teilen dephlog. durch 
Elektrizitat Salpeter-Saure erhalten hat. Hatte er infl. Luft zuge- 
mischt und Salpeter-Saure erhalten, so wiirde man gesagt haben, 
diese Saure bestehe aus dephlog. phlog. und infl. Luft. Itzt da es 
Elektr. tut, sieht man diese fur an. - Auch Salpeter-Luft wird 
durch den el[ektrischen]. Funken vermindert und Salpeter-Saure 
niedergeschlagen. Was ist das? [1757] 

Man kann die Natur erklaren so wie Minellius den Virgil, aber 
auch wie Heyne. Mit einem kleinlichen Blick, der sich nicht iiber 
die Grammatik hinaus erstreckt, aber auch mit dem groBen, der das 
ganze Altertum, und die menschliche Natur umfaBt. Apotheker- 
Blick. [1758] 

Die franzosische Theorie. Man mag es Reim nennen, oder 
Organisation so ist es doch noch immer nicht eigentlich Wahrheit. 

[i759] 

Zu Verbannung empirischer Gleichungen ist es freilich noch zu 
friih aber Anlagen dazu muB man immer machen. [1760] 

Was ist denn das, was Marat sichtbar gemacht hat? Das ist eine 
gute Bemerkung von Mayer. Eigentlich zu fragen was ist das, 
was man iiber den Schatten gliihender Korper im Lichtkegel des 
Sonnenmikroskops sieht. [1761] 

DaB es Orter auf der Erde gibt, wo es gar nicht regnet, zeigt doch 
genug daB das Lokale des Landes notwendig Anteil daran haben 
muB. Es muB da etwas entwickelt werden, was die Zersetzung der 
Luft hindert. Es taut aber doch wohL Sehr zu prufen. [1762] 



HEFT J 1756-1770 321 

Ich sehe nicht ein warum die Erde nicht anfangs bei der groBen 
Revolution sollte lebendige Geschopfe haben konnen hervorbrin- 
gen, die jetzt sich nur bloB durch Samen fortpflanzen. [1763] 

Das Urgewasser war gesalzen, es ist kaum anders moglich. Wir 
bekommen es nur destilliert durch den Regen. Von Anfang waren 
aber wohl mehrere Salze darin, die sich mit andern Erden verbun- 
den haben, Gips, FluBspat So braucht man nicht lange zu raten wie 
die See salzig geworden sei. [1764] 

Es verdient vielleicht einer besondern Beleuchtung wie sich das 
Wasser innerhalb der Masse bewegt, bei allerlei Art von AusfluB, 
an der Seite unten im Boden usw. Dieses konnte mit Sagespanen 
oder vielleicht mit einer noch bessern Masse versucht werden. [1765 ] 

Es ist ebenfalls einer we item Untersuchung wert warum das 
Quecksilber in den gewohnlichefn] vtehcrngldsernen Hebern nicht 
lauft. Man kann Quecksilber im Glase auf Papier nicht umwenden, 
wie ich schon lange einmal erfahren habe. Sollte es wohl in gleich 
weiten bleiernen Hebern laufen. NB. oder in zugespitzte[n] Glasern. 

[1766] 

Antiphlogfistische Chemie.] Nachzusehen was Volta gefunden 
hat, daB es namlich keine bestimmte Elektrizitat gibt, wenn man 
Wasser auf Kupfer tropft, und damit zu vergleichen, daB es alsdann 
keine inflammable Luft gibt NB. (es ist bloB ungewiB ob sie + oder 
— ist). [1767] 

Das Beispiel : daB Wasser aus Eis und Wasserdampf bestehe halt 
doch etwas mehr Stich als ich glaubte, zumal wenn man bedenkt, 
daB der Dampf, der beim Gefrieren auf steigt, vermutlich elek- 
trisch ist. [1768] 

Vielleicht ein Barometer mit Vitriolol zu machen es konnte aus 
4 bis 5 in einander geschmirgelten Rohren bestehen. [1769] 

Man muB etwas Neues machen um etwas Neues zu sehen. [1770] 



322 SUDELBUCHER 

Wenn man ausmachen will, warum es an einem Ort heiter ist, 
oder regnet so muB man hauptsachlich untersuche[n] warum es an 
gewissen Orten gar nicht regnet, und an manchen Orten halbe Jahre 
lang. [1771] 

Am 15— Februar brachte mir Herr Lentin ein nierenformiges 
graues Mineral, das er von Herrn Inspektor Bauer aus Osterwalde 
erhalten hatte, es gab auf Kohlen einen bituminosen Geruch, wurde 
schwarz und soil durch die Kalzination schwerer werden. [1772] 

Ist hierin eine ganzliche Revolution moglich ? [1773] 

Diese Theorien sind kunstliche Systeme die immer in Ermange- 
lung eines naturlichen ihren Wert haben. [i774] 

Man tadelt, wie mich diinkt, die Theorien der jetzigen Physiker 
mit Unrecht, wenn man ihnen vorwirft, daB sie zum Beispiel als 
Atomisten sich nicht um die Festigkeit der Atomen bekummerten, 
und Festigkeit eher als Flussigkeit annahmen. Diese transszendente 
Physik kann, diinkt mich, sehr gut allein bleiben. LaBt sie nur nach 
ihrer Art forterklaren und sammeln, so laBt sich am Ende alles zusam- 
men bringen. Wenn man zu viel von Schwierigkeiten in den ersten 
Griinden spricht, so konnte dieses den FleiB mancher Forscher 
hemmen. So lange wir noch beim Sortieren der Phanomene be- 
grifFen sind, so lange kann man jener metaphysischen Physik gar 
wohl entbehren, wenn man nur nicht zu positiv ist, und Worte fiir 
Beweise ausgibt. Entbehrt doch auch der Landbauer der chemischen 
Untersuchung des Diingers. Der Gedanke des Lesage hat immer viele 
Vorziige, weil er so sehr mit dem GroBen der allgemeinen Schwere 
zusammen hangt. Im Grofien mussen wir das Kleine kennen 
tern en. Ich kann mir unser ganzes Sonnen-System als einen Punkt 
gedenken. Warum hat die Natur sich so oft der Schwungkrafte 
oder der Tragheit der Materie bedient Vereinigung zu hindern. 
DaB Krafte notig seien einen Raum zu erfiillen ist ja auch eine 
Voraussetzung. Sollten wir nicht aus dem GroBen auf das Kleine 
schlieBen konnen. [1775] 

Mich diinkt es ist ein trauriger Umstand bei unserer ganzen 
Chemie, daB wir die Bestandteile der Korper nicht frei suspendieren 



HEFT J 1771-1782 323 

konnen, ohne welche fortzujagen die Luftarten und das Ver- 
brennbare gehen fort, wie Dolomieu Rozier. Novembre 91 sehr 
vortreff lich bemerkt. Konnten wir Korper mischen, so daB die an- 
ziehenden Krafte ihrer Teile freies Spiel behielten, was wurden da 
nicht fiir Verbindungen entstehen? [1776] 

Wir kennen das Wasser im gemeinen Leben nur in dem Zustand 
da es naB macht und da wir es trinken. Unsere Winter zeigen es uns 
in einem andren Zustand und die Chemie der Salze wieder in einem 
andern. Wir gebrauchen es um Dinge zu erweichen, die Natur um 
sie fest zu machen, und manche Korper zerfallen erst wenn man sie 
ihres Wassers beraubt hat. [1777] 

Dolomieu (Rozier Nov. 91. p. 381. Note [II]) sagt er zweifele 
nicht, daB man Quarz-Krystalle erhalten wiirde, wenn man feinen 
Quarzsand und Eisenfeil mit einander vermischte und zuweilen 
zumal mit luftsaurem Wasser befeuchtete. Er sagt er wiirde gewiB 
den Versuch schon angestellt haben, wenn ihn nicht sein[e] vie er- 
rante davon abhielte. [1778] 

Ja meinen Versuch nicht zu vergessen , da ich eine Nelke im Vacuo 
trocknete, die sich mit einem Schimmel iiberzog. [1779] 

Wasser mit dem Liquore Libavii (iibersaures kochsalzgesauertes 
Zinn nennt es Herr Girtanner) soil einen festen Korper geben. 
S. unten p. CVIII Lassone. [1780] 

Es ist gewiB etwas sehr Charakteristisches in dem Deutschen ein 
paar Erfahrungen sogleich in ein System zu ordnen, dieses tut der 
Englander nicht. Nichts hindert den Fortgang der Wissenschaft 
mehr, wie schon Baco und hundert andere gesagt haben. [1 78 1 ] 

Es ware wohl dem Himmel ein Leichtes gewesen uns einen Sinn 
zu geben, der uns unmittelbar die Entfernungen der Gegenstande 
angabe denn so wie unser Ohr so zu reden Schwingungen von 
Saiten zahlt. So wie das Licht nur die Lage der Gegenstande ihrer 
Richtung nach zeigt, so ware wohl ein Sinn moglich, der die Ent- 
fernung unmittelbar angabe. Die Entfernung[en] der Gegenstande 
werden alle bloB geschlossen. [1782] 



324 SUDELBUCHER 

Herrn Hofr. Mayers Versuche (in Grens Journal III. B. 2- H. und 
IV. 1— Heft) iiber die Leitung der Warme beweisen denn doch 
nur, daB das Blei seine Warme lieber an Luft absetzt als an Blei da 
hingegendieFranklmisch-IngenhouBische [Versuche] beweisen, daB 
es sie sehr schwer in sich selbst absetzt, also die Warme sehr schwer 
fortleitet. Es ware also wohl hier nicht sowohl zu untersuchen wie 
geschwind ein Korper, die Warme, die er einmal hat, in der Luft 
verliert, sondern wie bald er sie annimmt, denn ein Korper der sie 
schwer annimmt, also ein schlechter Leiter ist, kann sie audi wegen 
der geringen Anhanglichkeit desto leichter wieder verlieren. Dieses 
muftte notwendig versucht werden. Man muBte z.B. ein Thermometer 
in hohle blei erne Zinnen, messingene Kugeln auch holzerne uber- 
firniBte einschlieBen und in kochendes Wasser halten. Ich bin fest 
iiberzeugt daB es in der bleiernen am spatesten steigen wird. Und in 
dieser Bedeutung des Wortes Leitung niitzt der Begriffmehr den 
KUnsten zu Stielen an GefaBen. pp. S.S. LXXIIL Kol. 2. [1783] 

Ich glaube es rmiBte notwendig mehr untersucht werden, was 
in der Welt durch Polaritat vorgeht. So nenne ich namlich die 
Eigenschaft der Materie sich nach gewissen Seiten zu verbinden. Es 
scheint darin etwas Allgemeineres zu stecken, als man gewohnlich 
glaubt. Selbst die Natur der Warme konnte unter dieser Form 
noch am besten als Modification der Korper dargestellt werden. 
Nicht als ein Zittern sondern als bloBe Form der Anziehung. 
Wenn unsere Nerven Eisenteilchen enthielten, so wiirde uns die 
Welt ganz anders aussehen. Dieses was ich hier sage konnte als 
Traum zum Anprobieren durchgesetzt werden. [1784] 

Am 26. Febr. 92. Bemerkte Herr Townson (ein eifriger Anhanger 
von Hutton) sehr gut daB das Wasser die Bestandteile der Kiesel- 
Erde (, und diese konnen sie allemal haben) vielleicht (wieder viel- 
leicht) einzeln aufgelost enthalten haben konne, daB aber bloB durch 
ihre Verbindung ein insolubeler Korper entstehen konne. [1785] 

Auch Bartels redet im dritten Teil von seinen Reisen irgendwo 
von dem Maccalubba dem Luft- und Dreck-Vulkan. [1786] 

Konnte man nicht annehmen, daB die ganze Atmosphare einmal 
mit den soliden Teilen der Erde vereint gewesen ware in dem Zu- 



HEFT J 1783-1794 3^5 

stande muBte das Wasser sehr viel mehr Dinge haben auflosen 
konnen, als jetzt, da diese Dinge auf ewig von ihm getrennt sind. 
Die Luft liegt jetzt ebenso iiber der Erde, wie der Porphyr auf dem 
Granit. Das Wasser ist auch getrennt. [1787] 

Ginge in dem Verbrennungs-ProzeB das Wasser fort und das 
frei gewordene Feuer konnte aufgefangen werden, so wiirde man 
sagen, das Feuer bestlinde aus dephlog. und inn. Luft. [1788] 

In meiner Schrift iiber die Komposfition des] V- mu ^ notwendig 
angefiihrt werden, was ich in den Exzerpten. p. 12. von Hopson 
gesagt habe. [1789] 

ad p. LXXII. Kol. 2. Mit der Leitung der Warme miiBte auch 
meine bekannte Reflexions-Gescliichte von belegten Platten, ver- 
bunden werden. Hieraus wiirde vermutlich folgen, daB das Blei und 
Zinn schlechte Leiter sind. feines Holz muBte ebenfalls versucht 
werden, mit allerlei Farben und Metallen. Dieses konnte meine 
Sozietats-Abhandlung werden. Auch die Leitung der Kalte in 
Gefrier-Mitteln muB gesucht werden. Es steht vieles hieher Gehorige 
in dem Buche H. Auch Elektr[izitat], muB versucht werden. 
Laden und mit Schmidts Versuch vergleichen. [1790] 

Da die leitende Kraft der Warme sehr viel EinfluB auf alles 
Meteorologische, zum Ex. beim Tau hat, so miiBte einmal, alles 
recht durch untersucht werden. Auch Deluc gefragt. Alles was 
Mayer, Chevalier Thompson, Richmann, Lambert usw. dariiber 
haben nachzulesen. Auch Achard S. pp. LXXV. [1791] 

Was kann hierbei durch Leitung der Warme erklart werden ? [1792] 

Da auf Warme so viel ankommt, so kann wohl nichts einer auf- 
merksameren Betrachtung wiirdig sein als die [Frage,] wodurch sie 
geleitet wird. Aus Mangel an gehoriger Leitung kann Zersetzung 
entstehen. [1793] 

Vorziiglich wirdesdarauf ankommen, auszumachen wo von die 
Grade des Leitungs-Vermogens abhangen. [1794] 



326 SUDELBUCHER 

Bei den Versuchen iiber die Warme Glastafeln von verschiedener 
Dicke und Farben zu gebrauchen. [1795] 

Sollte nicht gar die Glas-Platte mit der Zinnseite gegen das 
Feuer eine groBere Kapazitat erhalten? Ware dieses, so wurde sie 
auch langsamer erkalten NB. NB. [1796] 

Bei diesen Versuchen muB ja auch auf die Oberflachegesehenwer- 
den, namlich sie mit allerlei zu uberziehen. Mandelol, Firnisse um 
zu sehen, wie sehr dadurch die leitende Kraft vermehrt oder ver- 
mindert wird, dieses konnte in den Kiinsten sehr geniitzt werden. 
Das Bestreichen der isolierende[n] Korper mit Firnis oder Siegel- 
lack, die Erscheinunge[n] beim Tau lassen sich vielleicht alle da- 
durch erklaren, auch das AusgieBen der elektr. Zylinder vielleicht. 

[1797] 

Oberhaupt, da Herr Schmidt meine Weissagung wegen seiner 
Schwere der elektrischen Materie wahr befunden hat, so ware es 
gewiB sehr niitzlich etwas Allgemeines iiber den EinfluB der Fla- 
chen bei physikalischen Versuchen zu sagen sie haben gewiB Ein- 
fluB auch bei manometrischen Versuchen und man sieht hieraus 
eine gewisse Grenze fur die Sensibilitat der Waagen. [1798 J 

Der Ausdruck Thermagogisch kann geniitzt werden. [1799] 

Die groBte Schwierigkeit wird sein auszumachen, was das ist, 
was sich nach Pictets Versuchen so schnell fort pflanzt, vermutlich 
Warme in Lichtgestalt. [1800] 

Erkaltungs-Versuche iiberall den warmenden entgegen zu setzen 
NB. es ist freilich weiter nichts, als dieselbe Sache von verschiede- 
nen Seiten, allein man muB hier nicht a priori rasonieren, alles Er- 
fahrung, und Versuch. [1801] 

Bei der Betrachtung iiber die Oberflachen der Korper sind nicht 
zu vergessen[:] Die Taugeschichte, das niatt geschliffene Glas, das 
Fallen der Meereswellen durch Ol,die Farben-Veranderungen und 
Farbe iiberhaupt [1802] 



HEFT J I795-I8ll 327 

Den 5— Marz las mir HerrTownson seine Gedankeniibereiniges 
was wir Sehnsucht in den Pflanzen nennen vor er erklart es sehr 
sinnreich durch Attraktion. [1803] 

Bei meinen Versuchen mit der belegten Platte am Ofen mu6 not- 
wendig audi das Zinn geschwarzt werden. Auch mit schwarzen 
Glanz-Papier iiberlegt. [1804] 

Achards Abhandlung iiber die warmelekende Kraft der Korper 
steht auch in Crells Beitragen zu den chem[ischen] Annalen T. III. 
St. 3. Siehe auch Exzerpte p. 53. [1805] 

Was wiirde das fur ein Gerede in der Welt geben, wenn man 
durchaus die Namen der Dinge in Definitionen verwandeln 
wollte! [1806] 

Leitung der Warme. Ein Thermometer dessen Kugel iiber- 
silbert ist an die Stelle der Argandischen Lampe zu baun, wo sich 
das Papier entziindet. Oberhaupt kann bei diesem Versuche die 
Argandische Lampe sehr gebraucht werden. [1807] 

Wenn sich das violette Licht z.B. langsamer bewegte als das 
rote, so wiirde[n] sich bei der Aberration verschiedene Farben zeigen 
miassen nicht wechselnd sonder[n] stet, vielleicht so was wie Dop- 
pelsterne. [1808] 

Leitung S. H. p. XLIII. NB. Wenn mit vermehrter Ausdehnung 
die Kapazitat zunimmt, so konnen sonderbare Phanomene ent- 
stehen. [1809] 

Ein starker Schlag macht frei liegendes Pulver rauchen aber 
ziindet es nicht. Wie hangt das mit dem sonderbaren Geruch zu- 
sammen, den ich beim Toden der Taube bemerkt habe. Es ist gar 
nicht der Geruch von verbrannten Feder[n]. Ober die Geruche 
hierbei vorsatzliche Versuche anzustellen. Die Geruche bekommen 
wenigstens eine Beimischung woher riihrt diese. [1810] 

Bei den thermagogischen Versuchen vorziiglich zu beobachten 
in wie weit Affinitaten eintreten konnen. Das ist ob in x Grade hei- 




328 SUDELBUCHER 

Bern Wasser eine y Grade kalte Kugel sich in eben der Zeit zum 
bestandige[n] Grad erwarmt, als im Wasser. Alles kommt darauf 
an alien zu brauchenden Fluidis eine bestimmte 
Temperatur zu geben. a ware Wasser in einem Gef aBe, 
das kochend erhalten wiirde und in b worin das 
Thermometer steckte enthielte Ole und Quecksilber. 
Vielleicht konnte noch ein drittes Gef aB hinzu getan 
werdena Wasser; b Ol. c Quecksilber. Die GefaBe 
konnen mit Axen in einander gehenkt werden so 
daB jedes mit seinen Axen auf dem Rande des 
andern ruht. wie die See-Kompasse. [1811] 

In wie feme konnen bei meine[r] Geschichte konvexe metallene 
Spiegel Kiihlung erwecken? Plane [18 12] 

Die Argandsche Lampe ja bei diesen Versuchen anzuwenden 
oder doch wenigstens ein[e] Maschin[e] die auf ahn lichen Principiis 
beruht. [1813] 

Woher mag es uberhaupt kommen daB eine Kohle mehr Hitze 
umher wirft, als eine Lichtflamme. [1814] 

Unter dem Aquator haben der zunehmende und abnehmende 
Mond often die Lage ^J und das erste und letzte Viertel die 
Form <C7 und Lage, welfche] bei uns unmoglich ist. [1815] 

Hat man je den Bononiensischen Stein, den Lichtmagneten elek- 
trisiert? Es versteht sich nicht dadurch daB man Funken darauf 
schlagen lieB sonder[n] dunkel in Verbindung mit Leitern: Nimmt 
er Licht besser an wenn er zugleich elektrisiert wird, indem man ihn 
der Sonne aussetzt. [1816] 

Wenn ich mit meiner Hand auf meine Augen driicke, so sehe 
ich Sonnen und elektrische Figuren und den schonsten Drell. 
Wenn ich die Hand weg nehme und die Augenlider offne, so sehe 
ich Baume und Dachziegel, was ist nun das was jetzt tut was meine 
Hand vorher tat? [1817] 



HEFT J 18H-1823 329 

Wenn man annahme, daB alle Vorstellungen der Menschen eine 
Art von Raserei waren, ein Tollhauszustand, so muB doch ein 
Wesen sein, das diese Absicht hat, die Tollen sind abgerissene Fa- 
den bei dieser Spinnerei, die der Spule nicht folgen. In diesenfindet 
man das Werk Gottes. Sie sind auch bei manchen Volkern heilig. 
DieRasenden geben uns Aussichten in dieHaushaltung des Ganzen, 
die uns nichts anders gibt. Sie sind das gedriickte Auge, das elek- 
trische Figuren und Sonnen und Drellmuster gibt. (S. den vorher- 
gehenden Abschnitt.) [1818] 

So bald man einen primitiven Zustand der Erde annimmt, er sei 
auch welcher es wolle, so nimmt man, natiirlich, etwas an. Aber 
etwas annehmen ist allzeit eine Art von Prophetismus wie Weis- 
sagen, denn wir konnen ja nicht wissen was die Erde anfangs war, 
und was ist anfangs, was sagt das Wort? [1819] 

S. p. LXX. Kol. 1. So lange man nicht weiB wie Tiere entstanden 
sind, so konnen wir auch nicht wissen ob die Muscheln nicht in den 
Bergen entstanden sind. [1820] 

Man erklart die Kohlen-Floze aus der Zerstorung vegetabilischer 
Substanzen, warum nicht auch das fossile Mineral Alkali aus zer- 
storten Kali-Pflanzen. Und wo nimmt denn die Tanne das Harz 
her. [1821] 

Ja recht zu untersuchen, ob die Elfektrizitat]. die Warme-Lei- 
tung hindert oder befordert beides mit + und — E. [1822] 

Rozier 1792. Jan. p. 19. Wird von eine[m] Billiard des Prof. 
Charles zu Paris geredet, das ganz vom Marmor, 9 FuB lang und 
verhaltnismaBig breit ist. Auch die Banden sind von Marmor, hier- 
auf hat er unter andern folgendes artige Phanomenbemerkt: Wenn 
man den Ball zum B[eispiel] unter einem Winkel von 45 anspielt, 
so daB er bei der Reflexion die anliegendende Bande erreicht, so 
wird er von dieser nicht in einer graden Linie sondern in einer krum- 
men Linie reflektiert, und zwar in einer welche gegen die grade 
Linie konkav ist, in welcher sie der gewohnlichen Vorstellung nach 
hatte reflektiert werden sollen. Auf den gemeinen Billiarden be- 



330 SUDELBUCHER 

merkt man dieses nicht, auf diesem ist es so merklich daB man gar 
nicht durch doppelte Reflexion darauf spielen kann. Die Sache riihrt 
unstreitig daher, da8 sich bei jeder Reflexion die Axe der Rotation 
andert. Und hangt mit dem Hartmannischen Vorwarts- und Rifck- 
warts-Gehn derselben Kugel [zusammen,] wenn sie auf die be- 
kannte Weise gekneipt wird. Bewegte sich die Kugel in derfreien 
Luft so wiirde so etwas nicht erfolgen konnen. Auch ist wohl 
schon die erste Reflexions-Linie nicht mehr gerade. [1823] 

Im Rozier Jan[vier] 92. p. 10. wird bei Gelegenheit einer Ent- 
deckung des Herrn Coulomb von einer griinen Materie, die wahr- 
scheinlich nicht aus Samen entsteht (dont on ne pouvait expliquer 
Torigine, que par une generation spontanee) gesagt C'est une idie a 
laquelle ilfaudra toujours revenir dans tout systeme. [1824] 

Ein Mikroskop mit einem Finder ware keine iible Einrichtung. 

[1825] 

Man konnte den Menschen so den Ursachen-Bar, so wie den 
Ameisen-Bar nennen. Es ist etwas stark gesagt. Das Ursachen-Tier, 
ware besser. [1826] 

Richter sagte einmal zu mir: Die Arzte sollten nicht sagen, den 
habe ich geheilt, sondern der ist mir nicht gestorben, so konnte man 
auch in der Physik sagen, ich habe da von Ursachen angegeben, 
wovon man am Ende die Absurditat nicht zeigen kann, anstatt zu 
sagen ich habe erklart [1827] 

Die Naturlehre ist wenigstens fur mich eine Art von sinking fund 
(Tilgungs-Fond) fur die Religion wenn die vorwitzige Vernunft 
Schulden macht. [1828] 

Es konnte sein, daB die Krystalle die beste Form ware [n],unter der 
die ersten Grundteilchen beisammen bleiben konnen so wie Bewe- 
gung in Ellipsen um eine Sonne die beste Einrichtung fur Welt- 
systeme ist, wenn sie dauren sollen. Unsere Gewolbe sind ebenfalls 
solche beste Formen. Die Form der Gewolbe ist eine Art Crystalli- 
satio in die sich unverbundene Steine legen miissen um in ihr[er] 
Lage zu bleiben. Weiter auszufiihren. [1829] 



HEFT J 1823-1835 331 

Der Rezensent von Hermbstadts Systematischem GrundriB in 
der allgem. Lit. Zeitung 1792 N- 73.74. merkt gegen das Lavoi- 
siersche System gleichsam als eine ausgemachte Sache an 1) daB 
Braunstein, den man durch Gliihen von seiner (aller? tc\l) dephlo- 
gistisierten Luft befreit habe dennoch sehr gut zur dephlog. Salz- 
saure angenommen werden konne. 2) daB atzendes trockenes Alkali 
mit Kohlenstaub gegliiht Luftsaure wird. Dieses letzte ist diinkt 
mich doch noch schwacher, als das erste, denn man kalziniert auch 
Metalle im Feuer ohne dadurch einen Beweis gegen die Lavoi- 
siersche Theorie hernehmen zu wollen. Wo Alkali und Kohlen mit 
einander gegliiht werden da kann auch dephlog. Luft hin kommen. 
Das erste behauptet auch Westrumb namlich, daB gegliihter Braun- 
stein noch die Salzsaure dephlogistisiere. Allein hier konnte man 
doch immer fragen, ist er so vollig phlogistisiert, oder so ganz 
desoxygeniert, daB die Salzsaure ihm nicht durch Anhanglichkeit 
noch mehr Oxygene entreiBt. [1830] 

Fiir Menschen gibt es doch keinen Korper in der Welt, der sich 
so zu ihren Kraften verhalt wie etwa ein runder Tropfe[n] Wasser 
sich gegen das Gefiihl eines Tieres verhalten wiirde, dessen GroBe 
sich so gegen den Tropfen verhielte, wie die unsrige gegen die Welt. 
Unstreitig wiirde ein solchefs] Geschopfchen den Tropfen fiir einen 
festen Korper halten und noch iiber das die Teilchen fiir auBer- 
ordentlich schwer. Der Unterschied zwischen Festigkeit und Fliis- 
sigkeit liegt wahrscheinlich in der leichteren Verschiebbarkeit wie 
Baader anmerkt. [1831] 

Welches ist der aufierordentlichste und auffallendste Gebrauch, den man 
hiervon tnachen konnte oder die sonderbarste Folgerung daraus im hochst 
Groflen und Vergrofierten oder im hochst Kleinen und Verkleinerten ? [1832] 

Symbole zu entdecken. Dieses lauft etwas aufmein Paradigma hinaus. 

[1833] 

Die Verteilung des OLichts auf der Erde bei bewolktem Himmel, 
kann nie genug als Paradigma geniitzt werden. [1834] 

Die Vertiefungen auf unserer Erde sind mit Wasser angefullt, 
daher haben wir keine solchen Vertiefungen, wie die auf dem 



332 SUDELBUCHER 

Monde. Wenn der Mond eine See hatte, wiirde er vielleicht keine 
so hohen Bergehaben; und die unsrige wiirden hoher erscheinen, 
wenn wir keine See hatten. [1835] 

Wovon ist dieses ein Typus,oderworinliegtder Typushiervon? [1836] 

Unser Jahrhundert mufite nun noch damit endigen, da£ die See 
ganz zuriicktrate. Ich glaube noch nicht, daB alles zu Ende ist. Es 
ist bloB Stillstand. [1837] 

Da die magnetische Materie uns ganz unfuhlbar, oder iiberhaupt 
kein Gegenstand unserer Sinne ist. So konnte uns der ganze Quell 
derselben eben so unfuhlbar sein. Es ware moglich, daB uns der Quell 
der magnetischen Materie sehr nahe liege. Wenn der Himmel nur 
bedeckt ware so konnten wir den ganzen EinfluB des Lichts genieBen 
ohne seinen Quell j e zu kennen. [1838] 

Alles das Beste aus diesen Fragen zusammen zu nehmen und mit 
alien Paradigmen nochmalszu vergleichen. [1839] 

So wie sich die See gesetzt hat, so haben sich auch mehrere Dinge 
gesetzt: so wie die getobt hat, so haben auch andere Fluida getobt. 
Das Gleichgewicht, das wir jetzt auf unserer Erde in so vielen Dingen 
bemerken, kann eben so bei alien diesen gefehlt haben, als es allem 
Anschein nach beim Wasser gefehlt hat. Es wird mir immer wahr- 
scheinlicher, daB es nicht bloB AbflieBen des Wassers war, was 
unserer Erde die jetzige Form gegeben hat. Wasser folgt den Ge- 
setzen der Schwere, wenn Hohlen einstlirzen; andere Fluida folgen 
andern Einsttirzungen, chemischen Verbindungen usw. Es kann 
ja auch Hohlen jut andere Krdfte gehen NB. [1840] 

Ich glaube doch auch, daB es im strengsten Verstand, fur den 
Menschen nur eine einzige Wissenschaft gibt, und dieses ist reine 
Mathematik. Hierzu bedurfen wir nichts weiter als unsern Geist, 
uns selbst, und unsres Selbsts bedurfen wir ja so gar zu unserer Exi- 
stenz. Allein zu glauben, daB deswegen Mathematik zur Physik ab- 
solut notwendig sei, ist Torheit, denn wo dieses wurklich statt findet, 
hat der Mensch schon das Beste gefunden. Es dahin zu bringen, 



HEFT J 1835-1850 333 

daB er es dem Mathematiker iibergeben kann, das ist die Sache, und 
doch glaube ich wird von dem ursprunglich mathematischen Men- 
schen mehr das Mathematische in den Dingen gesehen, als es wiirk- 
lich darin ist. Dieses ist dunkt mich auch eine Idee von Kant, doch 
weiB ich es nicht gewiB. [1841] 

(Ich muB notwendig schreiben um meinen gewiB reichhaltigen 
Wirrwarr selbst schatzen zu lernen) [1842] 

Wir suchen in der Natur uberall eine gewisse Bestimmtheit, 
aber das alles ist weiter nichts als Anordnung des dunkeln Ge- 
fuhls unserer eignen. Alle mathematischen Gesetze, die wir in der 
Natur linden, sind mir trotz ihrer Schonheit immer verdachtig. Sie 
freuen mich nicht. Sie sind bloB Hiilfs-Mittel. In der Nahe ist alles 
nicht wahr. [1843] 

Auch bei der Leitung Stanniol zwischen 2 Glasplatten. [1844] 

Sollten bei den noch nicht erklarten vielfaltigen Regenbogen, 
nicht Eiskugelchen mit im Spiel sein? [1845] 

Was wiirde wohl eine Glocke so groB wie Gottingen und 2mal 
so hoch als der Jacobi-Turm fiir einen Ton geben, wenn sie gehorig 
angeschlagen wiirde? [1 846] 

Bei den Betrachtungen iiber die Mitteilung der Warme auch auf 
das regelmaBige Knacken der geheizten Ofen zu achten. Sieknacken 
auch beim Erkalten. sehr taktmaBig. [1847] 

Hauptsachlich hierbei zu untersuchen was elektrische Materie 
iiberhaupt zum Feuer beitragt, denn es ist unmoglich, daB sie so 
separat wirken konnen, als sich das System jetzt vorstellt. [1 848 ] 

Kolumbus, Kolumbus! uberall. [1849] 

NB. Wie hangt Ausdehnbarkeit mit der Leitung der Warme 
zusammen? Denn es ist mir sehr wahrscheinlich daB, die Warme 
die auf Ausdehnung verwandt wird, nicht fortgehen kann. [1850] 



334 SUDELBUCHER 

Ober das AffinitatsmaBige bei der Leitung der Warme vor alien 
Dingeti zu versuchen. Z, E. Erhohen gleich warmes Wasser gleich 
warmes Quecksilber gleich warme Hande das Quecksilber in eben 
der Zeit. Das Thermometer. Um gleiche Grade? Es miissen immer 
auch demThermometergleich[e}Grade sein. Vor alien Dingenwird 
es notig einen bequemen Warme -Apothek zu verfertigen namlich 
eine Einrichtung immer gewisse Warme -Grade zu haben Argand- 
sche Lampen mit Stellschrauben fur die Distanz des GefaBes, oder 
so etwas. Hierauf ist ja zu denken. [1851] 

Thermometer von auBen matt geschliffen die Kugeln wenig- 
stens, auch meine Leitungs-Platten, belegte und unbelegte, und im 
Sonnenschein zu probieren. [1852] 

Wir sehen eine Menge von Dingen nicht, weil sie zu klein fiir 
uns sind, aber auch eine Menge, weil sie nicht Licht genug haben. 
Z. E. die beiden andern Regenbogen, die vom Scheitel ab nach der 
Sonne zu liegen. So sah Herschel die planetary nebulas durch seine 
Teleskope nicht weil sie stark vergroBerten, sonderfn] weil sie viel 
Licht faBten. So kann es auch mit andren Sinnen sein. Unserm Ge- 
fuhl konnen Dinge verschwinden weil sie zu subtil sind, oder auch 
weil sie sich nicht schnell genug bewegen. Doch dieses paBt hier 
nicht. Unserem Auge verschwinden Dinge aus doppelter Riick- 
sicht : aus Mangel an hinlanglichem Licht und aus nicht genugsamer 
scheinbarer GroBe. [1853] 

Sollte sich nicht in andern Korpern etwas finden was unsrer 
Phantasie, [unsrem] Schopfungs-Vermogen analog ist? [Wie] 
wurde unser Gehirn aussehen, wenn wir die Veranderungen be- 
merken konnten, die die Gedanken in dessen Textur hervor- 
bringen. [1854] 

Es ist eine grofie Starkung beim Studieren, wenigstens fur mich, alles 
was man liestso deutlich zufassen, dafi man eigne Anwendungen davon, 
oder gar Zusatze dazu machen kann. Man wird am Ende danngeneigt zu 
glauben man habe alles selbst erfinden konnen, und so was macht MuL 
So wie nichts mehr abschreckt als Gefuhl von Superioritat im Buck [1855] 



HEFT J 1851-1859 335 

In die gewohnliche Betrachtungen der Menschen iiber das 
Wesen, das die Welt hervorgebracht hat, mischt sich doch offenbar 
eine groBe Menge von frommem unphilosophischem Unsinn. Der 
Ausruf was muB das fiir ein Wesen sein, das das alles gemacht hat! 
ist doch nicht viel besser als der was mag das fiir ein Bergwerk sein, 
in welchem der Mond ist gefunden worden. Derm erstlich ware 
doch erst einmal zu fragen ob die Welt gemacht worden ist, und 
zweitens ob das Wesen, das sie gemacht hat, im Stand ware eine 
Repetier-Uhr aus Messing zu machen. Ich meine das Messing zu 
schmelzen, in Platten zu Schmieden, die Rader zu teilen und zu 
feilen. Ich glaube nicht, das kann nur der Mensch und ein voll- 
kommnerer Mensch wiirde sich noch allerlei Griffe dabei ersinnen 
aber wenn unsere Welt je ist gemacht worden, so hat sie ein Wesen 
gemacht das nicht auf der Skale der Menschheit liegt, so wenig als 
der Walfisch zum Lerchen-Geschlecht [gehort]. Ich kann daher 
mich nicht genug wundern, wenn beruhmte Manner sagen in einem 
Fliegenflugel stecke mehr Weisheit als in der kunstlichsten Uhr. Der 
Satz sagt weiter nichts, als auf dem Wege auf welchem die Uhren 
gemacht werden kann einer keine Miickenfliigel, aber so wie die 
Muckenfliigel gemacht werden kann man auch keine Repetier- 
Uhren machen. Man muB billig sein und sich iiber dergleichen un- 
niitz frommelnde Anspielungen wegsetzen. Man muB es hierbei 
nicht sagen. Allein man muB die Kraft besitzen so etwas zu denken, 
denn die Kraft ist notig [1856] 

Man muB in der Welt und im Reich der Wahrheit frei unter- 
suchen, es koste was es wolle, und sich nicht darum bekummern, 
ob der Satz in eine Familie gehort, worunter einige Glieder gefahr- 
lich werden konnen. Die Kraft die dazu gehort kann sonst wo 
niitzen. [1857] 

S- Benjam[in] Thompson will gefunden haben, daB die Luft die 
Warme gar nicht leite, vielleicht geht vieles auf ihre Ausbreitung 
verloren. [1858] 

Am 21*— April 92. Als die Kalte einfiel bemerkte ich am Ofen 
auf dem Garten, daB da das Feuer stoBweise durch den Zug ange- 
blasen wurde (Ja wir warens all mit[ei]nander) daB das Knacken 



336 SUDELBUCHER 

in der vertikal stehenden Ofen-Rohre eben den Takt eine Zeit- 
lang mit hielt. [1859] 

Den 18 pSl] und 19^] April 92. hatten wir Gewitter. Den 20^ 
gleich darauf den fiirchterlichen Schnee und dann in der Nacht 
auf den 21— die Kalre. Die Gewitter kiihlen also etwas mehr als 
bloBer Regen. [i860] 

Einer groBen fliissigen Masse, wie z. E. unsere Erde die nur eine 
Kugel-Form angenommen hat kann keine Rotation mitgeteilt 
werden, wenigstens durch keine bekannt[e] Kraft in der Natur. 
Dieses sagt Deluc. Rozier Fevr. 1792. p. 103. [1861] 

Bei Betrachtung des Innern der Kruste scheint es fast als wenn 
ehmals andre Dinge noch dem Wechsel unterworfen geworden 
waren denen jetzt nur noch Feuer, Luft Wasser, Elektrizitat pp 
unterworfen sind. Vielleicht kommen auch diese dereinst zur Ruh. 
(es scheint als wenn Deluc so etwas gedacht hatte) [1862] 

Auf dem Cabinet ja noch einmal zu untersuchen was es mit dem 
gr(in[en] Licht in dem glasernefn] Kegel fur ein[e] Bewandtnis hat. 
Ich halte es nicht fiir leicht zu erklaren. [1863] 

Was die Veranderung der Oberflache fiir eine in der Leitung der 
Warme macht. [1864] 

Es sind vielleicht unzahlige Hypothesen (iber eine Sache moglich, 
in dem Falle muB man die irrationalen ubergehen und bloB die 
rationalen aussuchen eine Regula Coed. Die Regula Coeci sucht 
eigentlich Auflosungen in ganzen Zahlen, wo unzahlige in Bruchen 
moglich sind. [1865] 

Deluc sagt man kenne keine Kraft in der Natur die einer fliissigen 
Kugel eine Umdrehung um die Axe mitteilen konne, nach Leiden- 
frost dreht sich der Tropfen in dem weiBgliihenden Loffel um die 
Axe mit groBer Schnelligkeit. [1866] 



HEFT J 1859-1870 337 

Ware es nach Herrn Lesages Theorie moglich zu erklaren, daB 
ein Korper einen andern nur bis auf eine gewisse Entfernung zoge 
und dann abstieBe, so konnte der Ring des Saturn aus einer solchen 
Materie bestehen, die sehr fliissig ware und sich so nach dem Aquator 
Wnzoge. A a t c ;> c J f f 

b 

Es seien A und D zwei Punkte wovon A alle Punkt[e] a b c d pp 
anzieht verkehrt wie das Quadrat der Distanzen D hingegen alle 
abstoBt verkehrt wie die Wiirfel der Entfernungen, so ist klar daB 
A und D ruhen, hingegen c wird angezogen von e mit einer Kraft 
— 1 / 25 und abgestoBen mit I entfernt sich also f angezogen mit 1 / 36 
abgestoBen mit VsJ g an m ^ t V49, ab mit V27 und h an und ab mit Ve4 
wird also ruhen. Hier kann mein Ol wieder genutzt werden. Ich 
meine die Frage ob es schwer sein wiirde, wenn die Erde ganz aus 
Wasser bestiinde. Wenn es walir ist, daB das Licht in einiger Ent- 
fernung vom Korper reflektiert wird, wie wird dieses vergroBert 
aussehen miissen. Es wird ein[e] Zwiebel-Schicht werden, und so 
konnte ein Ring des Saturns entstehen. 

Wenn die Erde einmal sehr elektrisch ware, so daB sie leichte 
Korper auf eine gewisse Strecke abstieBe, namlich so weit bis die 
abstoBende Kraft, der anziehenden der Schwere das Gleichgewicht 
hielte, so wiirde cbenfalls so etwas entstehen konnen. Aber was ist 
das AbstoBen ist es nicht ein Wert der elektrischen Luft. [1867] 

Was mag der Tropfen im weiBgluhenden Loffel fiir eine Hitze 
haben? So konnte auch dieser Umstand mit in meine Abhandlung 
gezogen werden. [1868] 

(Diese beiden Absdtze gehoren nicht hieher) 

<Herr Werner schreibt in seiner neuen Theorie iiber Gange: 

auf dem Seegen Gotteser Stollen. Das ist als wenn man in meinen 

Dienstags-Vorlesungen durch in Praelectionibus meis Die jovisiis 

iibersetzen wollte.) [1869] 

<Lasciamo stare le cose come stanno ist der Titul eines beriihm- 
ten ultramontanisch katholischen Buches, worin von der Unab- 
anderlichkeit selbst in den kleinsten Disziplin-Sachen bei der 
katholischen Kirche gehandelt wird.) [1870] 



338 SUDELBUCHER 

Er ist eine Meile Wegs bei mir geblieben, (die Zeit durch den 
Raum ausgedriickt, den man durchgehen kann) [1871] 

Ein witziger und dabei fliichtiger Kopf lernt wenig griindlich, 
macht aber von dem wenigen gewiB den bestmoglichen Gebrauch, 
den ein minder witziger aber grundlicherer Gelehrter von dem 
seinigen nicht zu machen im Stande ist. [1872] 

Wenn bekannt ist, was Herr Deluc iiber die Mitteilung der 
Feuchtigkeit gesagt hat, kann [man] es auch als paradigma ansehn 
um die Mitteilung der Warme darnach zu behandeln. Wie sonder- 
bar ist nicht die Erscheinung beim Tau man wird fast geneigt [zu 
glauben,] daB das, was die Feuchtigkeit in der Luft halt der vereinte 
EfFekt der Warme und der Elektrizitat ist. [1873] 

Einmal zu untersuchen wie bald die Planeten herum kommen 
wiirden, wenn sie sich auf ihren Bahnen walzten oder wie viel gro- 
Ber oder kleiner sie sein miiBten, wenn sie sich in eben der Zeit her- 
um wiilzen sollten . [ 1 8 74 ] 

Auch Cardan (Sie[he] oben p. IX.) hat von Geriichen geschrie- 
ben und zwar in seinem III[~] Buch de rerum varietate. Er sagt 
davon sehr stolz : quicquid intentatum est ab aliis, nobis, veluti novo 
Herculi, subeundum est. S. Lessings Kollektaneen zur Literatur T.I. 
p. 154. [1875] 

Nach Megalissus (eigentlich Litzel) in seinem undeutschen Catho- 
liken Jena 1730) ist der Donnersberg ein feuerspeiender Berg. S. 
Lfessing]. Kollektaneen T. I. p. 197. Es ist eine Fabel Siehe Eschen- 
burgs Anmerkungen. p. 442. [1876] 

Bei dem Geruch ist Lessings Artikel Riichen nachzusehen. Es 
finden sich da Beispiele und Bucher angefuhrt. Siehe die vorher- 
gehende Seite. [1877] 

Ja demGedankenrechtnachzu[gehen,] daB Feuer und Elektrizitat 
iiberall mit einander vereint sind, und auf dessenBestattigung loszu- 
arbeiten. [1878] 



HEFT J 1871-1887 339 

Zu meinen Versuchen mich ja mit Wasser oder Talg iiber- 
zogener Tafeln zu versehen, auch Kugeln ausWachs urn das Thermo- 
meter in allerlei Temperatur. [1879] 

Da in der Lehre von der Leitung der Warme so sehr viel Schones 
von Richmann, Mayer (Erlangen) und Lambert getan worden ist, 
so bleibt mir wohl wenig uber als etwa was die Veranderung der 
Flachen, die Elektrizitat, und die Reflexion darin tun. Vielleicht die 
leitenden Krafte der Mischungen. [1880] 

Auch die Mitteilung so zu probieren a a kochendes Wasser, m[|sJ 
b die eingelassene Kugel in einem bloB luftvollen GefaBe. ISulSI 

Probiert. erst mattgeschliffene Kugel, polierte Kugel, mit Mandel- 
Ol beschmierte uberfirniBt. Elektrisiert. Das ging aber hier nicht 
gut an. auch schwarz angemalt. Poliert und elektrisiert und 
schwarz angemalt und elektrisiert. [1 8 8 1 ] 

Bei dem Reflektieren allerlei Metalle auf Glas und Holz zu ver- 
suchen. auch matt geschlifFen. Mit Mandel-Ol, elektrisiert und 
unelektrisiert. [1882] 

Das Pulverzunden vermittelst Elektrizitat muB auch mit andern 
Korpern als mit Wasser versucht werden, denn es konnte doch 
sein, daB das Wasser als solches etwas dazu beitriige, ob mir dieses 
gleich jetzt gar nicht wahrscheinlich ist. [1883] 

Ist dieses auch die wahre Ursache wie man durchgangigglaubtodersteckt 
noch mehr dahinter? [1884] 

Den Nutzen haben solche Nomenklaturen, daB sie die Geschichte 
der Wissenschaft geben, wo man sie freilich nicht sucht. Zitterfisch. 

[1885] 

Noch mehr Sachen so wie Chladni, oder aufahnUche Weise. [1886] 

Ich kann mich denn doch noch nicht ganz (iberzeugen, daB 
IngenhouB, wie Herr v. Humboldt sagt (Bergm. Journal. Febr. 
1792. p. 120) aus schonen Versuchen falsch geschlossen haben soil. 



340 SUDELBUCHER 

Denn es ist ja von j or tleiten die Rede. Es miiBte also notwendig aus- 
gemacht werden ob sich die Warme des Bleies dem Blei leichter 
mitteilt als der Luft. Hierauf miiBte vorziiglich los experimentiert 
werden vielleicht wenn man einen soliden Wiirfel auf einen ge- 
wissen Grad erhitzte und in einen andern einschlosse [1887] 

Nach Herrn Lesage's Theorie ware das Mehr-Wiegen der 
Kalche, und andere Gewichts-Veranderung leicht zu erklaren, 
wenn nur andre Zusammen-Fiigung der Elemente angenommen 
wird. [1888] 

So bald man die Frage genau bestimmt hat die man untersuchen will, 
so teilt man sie in so uiele Abteilungen ab, als hinldnglich ist alle Schritte 
dabei genau zu unterscheiden. Alsdann kann man jede Abteilung wieder 
als eine ganz eigene Materie behandeln und Unter-Abteilungen machen, 
so wird der Ver[n]unftdie Untersuchung der Frage am leichtesten gemacht, 
dieses kunstliche Verfahren hebt ja die Spriinge des Genies nicht auf. Ist 
von Instrumenten die Rede so miissen die Materialien daran eben so be- 
trachtet werden. So verfuhr Deluc bet setnem ersten Hygrometer. [1889] 

Sollte alle Warme einerlei sein und eine so geleitet werden, wie 
die andere? Sonnenwarme wie die vom Kohl[en]feuer. [1890] 

Es konnte leicht sein, daB, bei ubrigens gleichen Temperaturen 
doch sehr vieles auf die Beschaffenheit des beriihrenden Korpers 
bei der Leitung der Warme ankame. Konnte nicht bei demschlech- 
tenLeiter eine Reflexion der Warme nach innen vorgehen wie bei 
dem Prisma mit dem Licht geschieht. So konnte auch das Erhitzen 
der Glas-Platten daher rtihren, daB die Warme von der Zinnfolie 
reflektiert selbst im Glase [bleibt.] [1891] 

Die bleierne Kugel muB auch an den Ofen gebracht werden, wie 
diePlatten. [1892] 

Eine silberne Kugel muB notwendig gemacht werden, weil das 
Silber gerade der Korper ist, worin die Angaben am meisten ver- 
schieden sind. [1893] 



HEFT J l887-l899 341 

Ja alles poliert und matt, geolt und angelaufen mit KienruB. [1894] 

Franklins und IngenhouBen[s] Versuch muB noch sehr beleuch- 
tet werden. Es ist namlich sonderbar, daB sie gar nicht an die leitende 
Kraft des Wachses gedacht haben, denn hierbei kommt ja die spez. 
und die latente Warme, des geschmolzenen Wachses in Betracht. 
Hieriiber ja Untersuchungen. [1895] 

Vielleicht konnte die Argandsche Lampe statt des Ofens gebraucht 
werden, zumal wenn sie mit y rectif. gefiillt wiirdfe], ich glaube 
hier ist die groBte Gleichforrnigkeit zu hofFen und der Gedanke ist 
neu t und glaube ich das schicklichste Instrument was gedacht wer- 
den kann. Doch miissen erst Versuche iiber dieses Instrument an- 
gestellt werden seine Brauchbarkeit zu rechtfertigen. Also diese 
Skale und Fundamental-Instrument erst genau kennen gelernt. 
Dieses konnte ein eigener Abschnitt und eine vorlaufige Beschafti- 
gung werden. Vielleicht wird es notig seine blecherne Instrumente 
auf die glasernen zu stecken. - Hier konnen alle die Kugeln aufge- 
hangt werden auch die Platten, die nun freilich rund sein miissen, 
ich glaube nicht daB eine groBere Gleichforrnigkeit sich erhalten 
laBt und denn aus vielen das Mittel. [1 896] 

NB Was die Argandsche Lampe noch nicht hat, kann ihr noch 
gegeben werden. Die Argandsche Lampe gehorig eingerichtet 
muB die Seele des Ganzen in den neuren Versuchen werden. [1 897] 

Vielleicht konnte auch die Abhandlung betitult werden: Vom 
Nutzen der Argandschen Lampe bei Pyrometrischen Untersuchun- 
gen, oder (bescheidener: Versuch die Argandsche Lampe auf pyro- 
metrische Versuche anzuwenden. Die Einleitung konnte davon 
genommen werden daB die pyrometrischen Versuche fast so aus- 
fallen miissen, als wie die hydrostatischen in GefaBen von Sand oder 
Zucker. Was nicht geht fallt naturlich auf die Unvollkommenheit 
des Instruments. [1898] 

Der Mathematik in die Hande zu arbeiten ist die Absicht des 
Physikers. [1899] 



342 SUDELBUCHER 

Woher mag es wohl kommen, daB diinne Talgtropfen vom 
Leuchter nach dem Erkalten nicht so leicht abspringen als dicke? 

[1900] 

Ich furchte nur, daB bei der Argandsche[n] Lampe mit Wein- 
geist ein[e] Destillation von Wasser vorgehen wird welches viel- 
leicht den erwarteten schonen EfFekt schwachen wird. Doch 
tentandum. Wenigstens wird sich bald ergeben, ob auch hier 
Warme reflektiert wird. [1901] 

Am I9[— ] Mai 1792 da die Sonnje] halb untergegangen war 
und ich eine viertel Min[ute] hinein sah und die Hand vor die Augen 
hielt sahe ich wenigstens sieben Bilder davon in der Form * ^ -" 

Was ist das ? NB es muB versucht werden nur mit einem Auge 
hinein zu sehn. [1902] 

An eben demselben Tage (19 [— ] Mai 92) bemerkte ich auch 
allerlei Seltsames beim Doppel-Spat durch den ich die Sonne be- 
trachtete, das ich zu einer andern Zeit genauer beobachten muB. 
Unter andern formliche Neben-Sonnen, die sich mit dem Doppel- 
spat drehten urn die stillstehende Sonne. [1903] 

Beim Phlogiston konnen auch die Erfahrungen von Geruch der 
Hunde geniitzt werden. [1904] 

Es ist mir doch nicht ganz deutlich warum in dem so genannten 
briquet physique der Phosphorus durch das bloBe Brennen die 
Eigenschaft erhalt sich an der Luft zu entzunden. Sollte es wurklich 
daher riihren, daB [er] noch vieles Wasserigte enthalt, was dadurch 
erst fortgeschafFt wird. [1905] 

Der Vorschlag den Segner zu Archimedeischen Brennspiegeln 
tut lieBe sichvielleicht zum Katzen-Auge ntitzen, namlich immer 
dahin zu leuchten des Nachts wo man hin sieht, gleichsam eine 
leuchtende Chor[i]oidea vorzustellen, Sollte namlich nicht ein Tu- 
bus moglich sein, der mit einem Erleuchtungs-Apparat verbunden 
immer grade dahin leuchtete, wo man hin sahe? [1906] 



HEFT J 1900-1911 343 

Ich glaube man konnte zugeben, daB unter gewissen Umstanden 
aus Wasser dephl. und infl. Luft werden kann, ohne deswegen zu- 
zugeben, daB es daraus zusammengesetzt sei. Denn mein Gott was 
kann nicht aus dem Wasser werden. [1907] 

Man kann nicht genug bedenken, daB alle Anwendung der 
Mathematik auf Physik, bloB immer in dem Sinn gelten muB, in 
dem was man vom mathematischen Korper behauptet vom physi- 
schen gilt. Die Vorstellungen des Mathematikers z.E. vom Bre- 
chungs-Gesetz von der Wirkung der Schwere, sind reine Vorstel- 
lungen, die gewiB in der Natur nicht so statt finden wie er sie dar- 
stellt. So geht es durchaus. Er weicht gleich beim Begriffvom Kor- 
per vom Physiker ab, wie kann er mit irgend einem Recht noch 
ferner Obereinstimmung verlangen. Es sind alles seine Voraus- 
setzungen. [1908] 

Wenn wir Wasserstrahlen in Versuchen darstellen, so sind sie alle 
geflochten, wir nehmen sie zylindrisch an. Jeder etwas heftige Was- 
serstrahl ist gedreht, wie Gersten-Zucker, wie konnen wir da Ober- 
einstimmung mit der Rechnung erwarten? [1909] 

Die Schiffe auf der See, wenn sie auch in betrachtlichen Wellen 
gehn, haben immer einen blanken Streifen hinter sich her, wo 
keine Wellen sind, wenigstens keine kleine, krause. Woher riihrt 
das? (nicht tz[l) [1910] 

Im Gentleman's Magaz. January 1792. p. 92. wird der Tod des 
beriihmten SchriftgieBers Joseph Jackson angekiindigt und einige 
seiner Lebens-Umstande erzahlt. Bei der Gelegenheit wird gesagt, 
daB ihm um das Jahr 1771. der verstorbene Herzog von Norfolk 
das Problem aufgegeben ein hohles Quadrat zu gieBen (to cast a 
hollow square) welches Herr Jackson fur moglichhielt. Worauf ihm 
der Herzog geantwortet, er habe sich schon deswegen an die groBte 
Kunstler in London gewendet, selbst Herrn Caslon (den beriihmte- 
sten SchriftgieBer) nicht ausgenommen, der die Sache fur unmoglich 
erklart habe. Herr Jackson aber iiberzeugte den Herzog bald von 
der Moglichkeit, indem er die Sache in drei Monaten zu Stande 
brachte. Seit der Zeit begiinstigte der Herzog den Mann sehr und 



344 SUDELBUCHER 

erklarte ihn fur den ersten Kiinstler Englands. So weit die Erzah- 
lung. Wasdashohle Quadrat anbetrifFt, so muB mansich nicht wun- 
dern, man findet dergleichen Ausdriicke oft, so fand ich einmal 
den Wurfel ein solides Quadrat genannt. Hier Goeze mit den 4 
Wanden ein Schriftstell[er] der sehr viel Gutes in der Naturge- 
schichte geschrieben hat. Also einen Kubus ganz aus einem Stiick 
hohl zu gieBen ware die Aufgabe. Mit Gips ware wohl die Sache 
keine Frage, weil da schon gewohnlich hohl gegossen wird, man 
diirfte also nur die Form vorher ganz verschlieBen. Allein ob sich 
Metalle eben so behandeln lassen wie der Gips, getraue ich mir nicht 
zu entscheiden. Vielleicht war auch bloB von Typenmafien die 
Rede. 

NB. Der Wurfel ist vermutlich der Ecken wegen vorzuglich 
vor der Kugel bei dieser Aufgabe gewahlt worden. [191 1] 

Auch Senebier glaubt es muBte zur Erforschung der Elektrizitat 
ein ganz neuer Weg eingeschlagen werden. Er gibt seine Vor- 
schlage in dem Buche des Vasalli das ich im Erxleben 4- Auflage. 
p. 671 am Rande angefiihrt habe. [1912] 

Das griine Wachstuch wird hellgrun wenn Wasser lange darauf 
war, beim Trocknen erhielt es die alte Farbe wieder (?) [1913] 

Mittelpunkt der Erwarmung. Es wird eine Stelle geben, wo die 
Warm[e] nicht mehr zunimmt. Der Name Mittelpunkt paBt hier 
nicht. Stangen an der Argandschen Lampe, in einem Saal, wo viel 
Luftwechsel ist. Mittelpunkt der Erwarmung was ware das? Viel- 
leicht der Grad des Thermometers, den ein ungleich erwarmter 
Korper zeigen wiirde wenn die Warme gleichformig verteilt 
ware. [1914] 

Es konnte [n] auch Teller iiber der Argandschen Lampe aufgehangt 
werden, und nun die Stellen gesucht, wo das Thermometer gar 
nicht steigt, das mogte wohl wenn die Teller nicht sehr groB waren 
schwer sein Stangen waren also besser. Indessen kann auch schon bei 
Tellern, die Zeit beobachtet werden wo das Thermometer eine 
gewisse Hohe erreicht. Immer die Oberflache nicht zu vergessen. 

[1915] 



HEFT J 19H-1923 345 

Wenn die Fliisse auf Planis inclinatis abflieBen, warumnimmt ihre 
Geschwindigkeit nicht zu? Die Ursachen die dieses bewirken kon- 
nen sind sehr mannigfaltig. Unebenheit des Bettes wodurch eine 
sehr ungleiche Bewegung des Wassers erzeugt wird. Kriimmungen 
des Stroms usw. [1916] 

Ich habe oben schon S. LXXX angemerkt, daB die Warme nicht 
fortgehen konne, die auf Ausdehnung verwandt werde, hierdurch 
entsteht nun allemal Latenz. Da nun bei der Verbreitung der Warme 
immer Luft die Korper umgibt, die sehr leicht ausgedehnt wird, so 
konnte dieses ebenfalls die Versuche affizieren. Freilich ist die Luft 
bei alien Versuchen wieder dieselbe. Wie dehnt sich Blei aus? [1917] 

Vielleicht ware es gut bei meiner Abhandlung iiber die Warme- 
Leitung keines Menschen Erwahnung zu tun sondern nur was ich 
gefunden habe. Jedoch dieses noch tiberlegen. [191 8] 

Es ist doch anmerkenswert, daB das Blei das nach einigen die 
Warme so gut leitet, so leicht schmilzt. [1919] 

Teller und Stangen bei meinen Versuchen konnten doch auch 
mit gelbem Wachs iiberzogen werden, weil dieses bei einem sehr 
bestimmten Grade schmilzt. Wenigstens geht dieses recht gut an, 
da ich eigentlich bloB den Nutzen der Argandschen Lampe bei die- 
sen Versuchen zeigen will. [1920] 

Auch iiber Schmelzungen konnen Versuche angestellt werden. 

[1921] 

Sollte sich nicht ein Mittel angeben lassen auch nut der Argand- 
schen Lampe Versuche iiber die spez. Warme anzustellen. Uber 
die latente Warme: Ein Drachme Wasser von 60° kocht in x 
Minuten und verdampft in y Minjuten] und s.w. wie D- Black. 

[1922] 

Erst muBte gehandelt werden iiber die Schwierigkeiten, Ver- 
suche mit dem Feuer anzustellen. Alsdann gezeigt in wie weit die 
Argandsche Lampe ein schickliches Mittel sei. Dieses muB vorziig- 
lich umstandlich untersucht werden. [1923] 



34^ SUDELBUCHER 

Eine Unze Wasser kocht in x Min[uten.] Eine Unze Weingeist 

in y Minuten wie bald wird ein[e] Unze aus V und V a a kochen, 
und verkochen? [1924] 

Wenn es in polierten GefaBen geschehen ist mtissen sie nun auch 
schwarz anlaufen gelassen werden. NB. [1925] 

Da das Quecksilber unter gewissen Utnstanden nicht aus glaser- 
nen Hebern lauft, so ware die Frage ob man nicht glaserne Heber 
durch Olen oder Bestreuen mit Hexenmehl auch verhindern konnte 
Wasser zu leiten. [1926] 

Methoden die Ausbreitung der Warme sichtbar zu machen. 
Schwarz gefarbtes Harz, wird zerstoBen doch immer etwas heller, 
auch weiBes Wachs konnte auf einem groBen runden Teller worauf 
schwarze Parallel-Kreise gezogen waren, gestrichen werden die 
nach und nach leserlich wiirden. [1927] 

Mich wundert, daB ich noch nicht versucht habe wie heiB Wasser 
werden kann, wenn man Ol darauf gieBt. [1928] 

Wie leiten lebendige tierische Teile die Warme? lebendige 
Pflanzen-Teile pp. grimes Holz? [1929] 

Man hat theoretische Tiere in der Pathologie, hat man auch theo- 
retische Pflanzen? [1930] 

Durch den Islandischen Spat sieht man entfernte Gegenstande 
einfach weil naturlich nach dem allgemeinen Gesetz der Brechung 
der gewohnlich und der ungewohnlich gebrochene dem ein fallen- 
den Strahle und folglich unter sich parallel ausfahren miissen. Wenn 
man daher das Bild im Tubo durch Doppelspat ansieht, so erscheint 
es einfach und sehr gut begrenzt, obgleich die Fassung des Okulars 
und das Okular doppelt erscheint. Dieses frappierte mich anfangs, 
aber auch nicht langer, als bis ich iiber die Sache nachdachte. Nam- 
lich das Bild im Tubo steht im foco des Okulars und wird also durch 
parallele Strahlen gesehen. usw. [1931] 



HEFT J 1924-1939 347 

Dimensionen meines Stiickes Doppelspat. 
groBte Seite der Basis 2 7 / 8 eng. Zo[lle]. 

kleinste 2 3 / 8 

Lange des Prismatis 4 1 / 8 

also die senkrechte Hohe ohngefahr 4 - [1932] 

Sollte nicht die fixe Luft im Kalchspat Ursache an der Verdoppe- 
lung sein? Auch das Krystallisations-Wasser. [1933] 

Verdoppelt auch das Eis die Gegenstande. [1934] 

Priestley sagt sehr schon: Ein jedes Desideratum ist eine halbe 
Entdeckung (Obersetzung p. 556. Optik) [1935] 

Sollte nicht das Wasser der Grund aller Durchsichtigkeit sein. 
Das Krystallisations-Wasser der Luft. [1936] 

Nach Herrn Eulers Versuchen (S. Priestley s Optik deutsch p. 366) 
gibt es keine Flussigkeit deren brechende Kraft geringer ist als die 
des destillierten oder Regenwassers und keine die starker ware, als 
die des Terpentin-Spiritus. Hier fiel mir ein ob der Ather schon ver- 
sucht ist? Ich glaube nicht, der konnte leicht starker brechen. [1937] 

Nach Herrn Eulers Versuchen (Priestley Optik p. 368) vermehrt 
die Hitze die brechende Kraft des Glases und zwar wie man dort 
sieht sehr merklich. Er erinnert mit Recht von einer Veranderung 
der Figur konne es nicht herruhren, weil diese Veranderung gar zu 
gering ware und auBerdem eine entgegen gesetzte Wiirkung her- 
vorbringen miiBte was iaBt sich hieraus auf das Feuer schlieBen? 
kann das Modifikation sein? Was IaBt sich daraus auf Thermagogie 
schlieBen? Hat Herr Euler daran gedacht, daB die Luft merklich 
verdunnt worden? [1938] 

Da es wohl unwidersprechlich ist, daB der Granit ein Produkt der 
Krystallisation ist, der so aus Quarz, Glimmer und Feldspat besteht 
wie unser Kochsalz aus Mineral-Alkali und Salzsaure : so konnte es 
gar wohl sein, daB wenn ein Salz-Krystall so vergroBert wiirde 



348 SUDELBUCHER 

man die Teilchen eben so wiirde zusanimen sitzen sehen als hier der 
Q. Gl. und Feldsp. Folglich miissen die Krystalle des Granits Alpen 
werden. [1939] 

Der Ausdruck des Deluc in seinem2i[— ] Brief anLaMetherie 
(Rozier avril 92) Granitischer Hagel ist sehr schon, er meint namlich, 
die Teile des Granit seien in dem liquido so nieder gefallen, wie zu- 
weilen schwerer Graupenhagel und Hagel aus der Luft nieder fallt. 
Nur muBte das bei dem Granit zu gleicher Zeit geschehen sein, 
audi konnte sich das Verbindungs-Mittel der Teil[e] zugleich nie- 
der geschlagen haben. Es gibt Granit-Schichten so wie es Schnee- 
Schichten gibt, weil, wie bei letzterem, so auch beim ersten, die 
Prazipitationen par acces stoBweise geschehen. Wir wurden auch 
Schichten von Regenwasser in den Gebirgen finden, wenn sie sich 
nicht vermischten. [1940] 

Was die Theorie der Erde so verwickelt und schwer macht ist, 
daB viele von den ersten Prozessen in der Natur aufgehort haben, 
was wir noch jetzt bemerken sind bloB Kleinigkeiten, die uns bloB 
die Gesetze angeben konnen, diese miissen wir generalisieren nicht 
unmittelbar anwenden wollen, denn wir haben das erste Menstruum 
nicht mehr (unser Wasser selbst ist bloB ein Niederschlag aus jenem 
Menstruo, das bei der gewohnlichen Temperatur fliissig bleibt7tfx). 
Wie wollen wir jetzt den Granitischen Hagel erklaren, da wir den 
gemeinen Hagel nicht erklaren konnen. Es konnte sein, daB darauf 
der Regen aufhorte wie auf dem Monde. [1941] 

Herr Thomas Wedgwood, Sohn des beruhmten Topfers hat 
der konigl. Sozietat eine Menge von Versuchen vorgelegt, wodurch 
die Theorie des Lichts und des Gliihens gewonnen hat. Er hat nam- 
lich eine groBe Menge von Substanzen im Dunkeln erwarmt und 
sie leuchtend befunden, bei alien war die Hitze, die diese Wirkung 
hervorbrachte, geringer, als die die notig ist das Eisen im Dunkeln 
leuchtend zu machen. Vom FluBspat war es bloB deswegeri so lange 
bekannt weil es da sehr auffallend ist. Es laBt endlich nach, (so wie 
auch das Leuchten der Kohle nachlassenwird7r:[ji). Er hat auch Sub- 
stanzen unter dem Wasser gerieben und Licht gesehen, welches 
ich schon vor mehr als 10 Jahren beobachtet habe. [1942] 



HEFT J 1939-1946 349 

Wie vertragt sich die ungewohnliche Brechung beim Doppel- 
spat mit dem Lege parsimoniae, weil da das Brechungsgesetz nicht 
bestandig ist? [1943] 

Da, wie ich schon ofters angemerkt habe, alles in allem ist, so 
fragt sich ob nicht die ungewohnliche Brechung des Doppelspats 
sich iiberall, nur versteckt, findet, und man also den einfachen Strahl 
nicht mehr einen verbundenen doppelten, als den doppelten einen 
gespaltenen einfachen nennen miisse. [1944] 

Warum gibt das Blei nicht auch seinen eigenen Teilen von der 
Seite die Warme ab. Ware nicht ein Korper moglich der seine 
Warme seiner eignen benachbarten Masse eben so leicht hingabe, 
als der Luft? [1945] 

Im Intell. Blatt der Lit. Zeit[ung] 1792. N- 71. steht eine Anti- 
kritik eines Herrn Wild, Ob. Berghauptmann zu Bex im Kanton 
Bern, gegen eine Rezension in Lit. Zeitung N- 310 vom 22. Nov. 
1 79 1., die sehr gut ist darin wird gesagt : Was Herr Rez. von unserer 
wenigen Kenntnis der Warmefahigkeit der Korper sagt (deswegen 
mu6 ich auch jene Rez. lesen) ist freilich mehr wahr als mir lieb ist. 
Der beste Beweis davon ist der, daB die einen w'irmeleitend nennen 
was den andern geradezu das Gegenteil ist. Dieses scheint mir groB- 
ten Teils von der unbestimmten Bedeutung des Worts leiten her- 
zuruhren. Ich mochte zu meinem Behuf, die Warme raubende 
Kraft der Korper naher kennen. Man lese die vortreff 1. Abhandlung 
des Herrn Prof. Mayer in Grens Journ. der Phys. B. III. S. 19 usw. : 
so wird man fmden wie wenig man das Wort leiten versteht. Allein 
in eben dieser Abh. wird doch Herr Rez. die Erklarung des an einem 
Ende gliihenden Stabs finden, der am andern Ende die Hand nicht 
verletzt, wenn dieser an einem Ende mit einem weniger Hitze 
anhaufenden GrifF versehen ist. Uberhaupt aber wiirden zu einer 
genauen Erklarung der Aufgabe viele Umstande genau mussen 
bedingt werden ; denn ist z. B. der Griff nicht ganz scharf anpassend ; 
so hat er nur wenige, vielleicht nur 2 Beruhrungs-Punkte und 
dann ist die Erklarung auffallend - Unterdessen hatte ich (Herr 
Wild) sehr gewunscht, daB es dem wurdigen Herrn Prof. Mayer 
gefallen mochte sich gelegentlich auch an jene Leiter zu erinnern, 



350 SUDELBUCHER 

die nach seiner Bestimmung vorztiglich gute Leiter sein sollten, 
der Erfahrung gemaB aber sehr wenig wdrmeraubend sind. Ein solcher 
ist das Glas. Es ist durch Herrn von Saussure's Erfahrung bekannt, 
daB man vor dem Lotrohr, an einer Glasstange [Korper] sehr viel 
leichter als sonst schmelzt. Hier muB die Warme raubende Kraft also 
geringer sein und doch sollte sie nach Herrn M. Bestimmung per 
analog, mit der Bleistange stark leiten. Ich sollte also glauben es 
musse Korper geben die sehr schwer Warme aufnehmen oder wenig 
Warme raubende Kraft besitzen. Bei Herrn Rezfensent] (soil viel- 
leicht M. heiBen) vermisse ich auch die Applikation des Hygro- 
meters, und doch muB gewiB der feuchte Zustand der Luft auf die 
Expon. V m un ^ 7(1 einen EinfluB haben. [1946] 

In Proffessor] Paulus Memorabilien 2— St. steht Fulda iiber 
Kosmogonie. (nachzusehen) [1947] 

Auch auf den Warmesammler bei meiner Abhandlung Riick- 
sicht zu nehmen. [1948] 

Die Natur der Gabeln an den Weinstocken naher zu untersuchen, 
sie sind wiirklich sehr merkwurdig, und die Phenomena dabei kon- 
nen nicht gut auf die Weise erklart werden,deren sich Herr Town- 
son sehr gut bei Erklarung anderer Erscheinungen bei den Pflan- 
zen bedient z.B. daB sie gegen das Licht zu wachsen pp. [1949] 

Wenn einmal die Teile einer eisernen Kugel mit der Kraft aus- 
einander fiihren, was wu'rde daraus werdem [1950] 

Bei meinen Versuchen Leidenfrosts Versuche mit dem Nagel 
zu gebrauchen siehe oben S. LIX Kol. I. unten. [1951] 

Kompos[ition des] v. gibt es wohl feste Korper die aus 2 fluidis 
bestehen. [1952] 

Der abscheuligste Satz des antiphlogistischen Jacobiner-Clubs 
ist wohl der: dafi es fliissige Korper in der Natur gibt, daran ist der 
Druck der Atmosphare ganz allein Schuld, Ohne den Druck der Atmo- 
sphdre wiirden alle Korper entweder imfesten, oder im luftformigen Zu- 
stande sein. Dieses sind Girtanners Worte (Chimie p. 40) [1953] 



HEFT J 1946-1961 35I 

So wie es jetzt mit dem Phlogiston stent, mag es wohl mit den 
meisten Dingen in der Naturlehre stehen, selbst die Lehre von der 
Schwere nicht ausgenommen. Aber das soil uns eben vorsichtig 
machen. NB. Dieses allgemein durchzufuhren. [1954] 

Herrn v. Humboldts Tabelle fur die Leitung der Warme beflndet 
sich in Crells Annalen: 1792. St. 5. [1955] 

Da das Wasser, so allgemein verbreitet ist, daB man es iiberall 
annehmen kann, so hat man iiberall inflammable und dephlogist. 
Luft das gewahrt der franzosischen Theorie viele Erleichterung 
natiirlich. [1956] 

DaB alles was sich kriimmt, wie Papierduten, Hobelspane und 
dgl. immer nahe beim Zirkel bleibt. verrat schon das Bestreben der 
Natur zum Maximo. Die Blechschlager machen daher alles lieber 
zylindrisch als 4eck[ig]t und oval. [i957] 

Wenn das Wasser aus der Luft niedergeschlagen wird, so fallen 
die Barometer, das reduzierte Wasser scheint also auch weniger 
zu wiegen, als die Luft aus der es entstanden ist, so wie die Metalle 
bei ihrer Reduktion. wenn ihm sein Phlogiston die inflammable 
Luft wieder zugesetzt wird. [1958] 

Ein unmerkliches Tropfchen konzentrierte Vitriol-Saure ist hin- 
reichend ein groBes GefaB mit Lackmus-Tinktur rot zu farben. Was 
hier bloB eine Veranderung von Farbe ist, zeugt in der Sache selbst 
von groBer Veranderung, da Rot und Purpur die im Prisma am 
weitesten entfernten Farben sind. Ja ein unmerkliches Funkchen 
Feuer konnte einen ganzen Planeten von SchieBpulver in einen ela- 
stischen Dunst verwandeln (S. XCV. unt. [1959] 

In Crells Chemischen Annalen 1792. 3— St. S.256 stehtes, daB 
Berthollet nunmehr annehme, daB Licht und Warme beim Ver- 
brennen nicht allein aus der dephlog. Luft komme. [i960] 

Konnte man Hauser von Schachtelbrett bauen, eines uber das 
andere immer etwa einen halben FuB von einander so wurden sie 



352 SUDELBUCHER 

sehr warm sein. Das ist gar keine Frage. Die Obstwande hierbei 
nicht zu vergessen. [1961] 

Konnte man nicht den Phosphorus in sehr [er]hitztenDampfenan- 
ziinden und zusehen ob er das Wasser zersetze. Man muBte eine 
feine glaserne Kugel (Metall wurde Verwirrung machen wegen 
der Saure) luftleer machen, vorher aber ein Stiickchen Phosphorus 
hinein bringen mit einemTropfchen Wasser alsdanndie Kugel nach 
und [nach] erwarmen bis der Tropfen verdampft und der Phos- 
phorus trocken ware [und] ihn mit einem Brennglase anzunden. 
Brennte er nicht, so ware wenigstens erwiesen daft er das Wasser 
nicht zersetzt, das doch von den meisten andern Dingen z.E. auch 
nach Paets van Troostwyck ( Rozier 1792. Juin) durch die Schwefel- 
leber leichter als die dephlog. Luft zersetzt wird. Brennte er, so 
miiftte sich inflfammable]. Luft linden, und fande sich diese nicht, 
so ware das Gasisten-System widerlegt. [1962] 

Es ist aufierst wichtig bei Widerlegungen ja nicht zu geschwind zu 
gehen, sondern jedes Komma umstdndlich auseinander zu setzen, und 
nicht eher zum folgenden uber zu gehen bis alles in dem gegenwartigen 
Schrittfast zum Uberdrufi dargetan ist. Nicht zu eilen. Das ist mein ge~ 
wohnlicher Fehler. [1963 ] 

Was gibt es den Blattern Ahnliches in der Natur. Ein[e] so ge- 
fahrliche Krankheit, die a lie Menschen gewissermaBen haben miis- 
sen und nur einmal bekommen. Unsere Erde bei ihrer Revolution 
kann ein solches Ubel gehabt haben. Dieser Gedanke ist eben so 
albern als er giganrisch ist. [1964] 

Eine von den Hauptfragen ist wohl immer und zwar bei den be- 
kanntesten Dingen: ist das wohl auch wirklich so; la fit sich hierbei eine 
Distinktion anbringen wodurch es klar wird dafi es nicht immer so sein 
konne. Es ist hier nur schade, dafi man grade dann nicht fragU wenn es 
am nbtigsten ware. [1965] 

Wie wenn nun Luft eben so wenig ohne Wasser mdglich ware, 
als sie es ohne Feuer ist. [1966] 



HEFT J 1961-1972 353 

ad XCIV. 2,3. Was ist das Pestgift? Kann nicht die bloBe Beriih- 
rung eines Pestkranken, die ganze Blutmasse des gesundesten Men- 
schen verderben? Und was ist das, wodurch der Hund seinen Herr[n] 
unter tausend Menschen findet, ja das Schnupftuch seines Herrn 
auf 4— Stunde Wegs wieder findet. [1967] 

Das Schlimmste ist daB dieses System der Franzosen alle Unter- 
suchung hemmt, da man gewissermaBen alles fertig daraus erklart. 
Ich bin uberzeugt, daB nicht sowohl die Stifter, als die Apostel jetzt 
an nichts weiter denken als an die Ausbreitung, und blind gegen 
alles sind, am allerwenigsten werden sie selbst auf Zweifel sinnen. 

[1968] 

Die zarten Miasmata (KrankheitsstofFe) wie z.E. die Influenza 
was ist das? Kann beim Phlogiston gebraucht werden. Wenn man 
nicht dergleichen Ausfliisse annimmt so sehe ich gar nicht ein, wie 
man erklaren will warum 2 Korper die beide einzeln fast unschmelz- 
bar sind, es sogleich werden wenn man sie zusammen bringt. (take 
care) es konnte auch verstarkte Affinitat sein [1969] 

Bei der Leitung der Warme muB auch Ebells Beobachtung iiber 
das Gefrieren der Brunnen-Rohren in Hannover gedacht werden, 
das Schmelzen des Reifes auf dem Pflaster und seines Zuriickblei- 
bens auf den Briicken. [1970] 

Wenn der Elektrische Funke die alkalinische Luft zersetzt in infl. 
und phlogistische. Wie wiirkt sie da. Ich glaube daher daB der so 
sehr posaunte Versuch von Paets v. Troostwyk gerade der ist, der 
der neuen Chemie das Mcsser an die Kehle setzt. [1971] 

Es mtiBte notwendig versucht werden die Pistole mit der Blase 
auf das Bennetsche Elektrometer zu stellen und so anzuziinden. 
Man konnte das Loch mit ein biBchen Wachs verkleben und so mit 
der [Pistole] den Wachsstock den man vor eine Glasrohre steckte 
anzunden, auch konnte man das Loch mit etwas Phosphorus ver- 
stopfen und so mit einen isoliertefn] heiBen Draht anziinden. Es ist 
oft versucht aber nichts bemerkt wor[den]. [1972] 



354 SUDELBUCHER 

Ware die erzeugte Luft wahre Knall-Luft so lieBe sich vielleicht 
ein Apparat erdenken sie regelmaBig durch Elektrizitat zu erhalten. 

[i973] 

Vielleicht bekommt nur bei der groBen Dichtigkeit die El[ektri- 
zitats]. -Materie eine Affinitat zum Wasser. Es ist gleichsam eine 
hohere elektrische Temperatur. Bei gewohnlicher Elektrizitat wird 
sie als Compositum geleitet (hier muB Delucs Theorie gebraucht 
werden) . Etwas Ahnliches sehen wir ja auch bei der Warme, sie geht 
unsichtbar, bei groBer Dichtigkeit wird sie sichtbar. [1974] 

Sollte wohl beim Ziinden des freien SchieBpulvers das Wasser 
gar ein notwendiges Requisit sein. NB. NB. NB. man muBte not- 
wendig es mit andern Fluidis versuchen. Es konnte gar wohl sein 
daB es nicht das langsamere Durchstromen ware. Weil die Herrn 
Paets v. Troostwyk und Deiman Salpeter-Saure und Vitriolsaure 
genommen haben, so ware auch dieses zu versuchen auf eine [r] Glas- 
Platte, alsdenn miiBte aber auch das Wasser auf Glas liegen. Was 
mir aber doch die Sache nicht wahrscheinlich macht, ist das Anziin- 
den des Zunders das sich auf etwas Ahnliches griindet. [1975] 

Es ware erne Hypothese zum Untersuchen, ob nicht die Basis 
der dephlog. Luft, der eine und die Basis der infl. Luft der andere 
Teil der elektrischen Materie ist. NB. Die Sache hat viel Wahr- 
scheinlichkeit und konnte auBerst wichtig werden. [1976] 

Wie nah kann ich der Argandschen Lampe mit einem Thermo- 
meter kommen dessen Kugel in Messing (dunnem) steckt? Etwas 
hieher Gehoriges von Landriani H. p. LV. Kol. 2. [1977] 

Schon daB die Flamme der Argandischen Lampe nicht flackert 
zeugt schon von etwas RegelmaBigen, auch beim ZuflieBen der 
Materialien, so wohl der Luft als des Brennmittels [1978 ] 

Konstruktion von der Sache, wie ich bei Delucs Hygrometer 
vorgeschlagen habe. [1979] 



HEFT J 1973-1983 355 

Fragen hex der Frosch-Geschichte 
1) Tut es die menschliche Hand. 2) Der Muskel eines andern Fro- 
sches 3) Der Magnet. 4) leicht uberfirniBtes Silber 5) schwarz ange- 
laufenes Silber 6) erhitztes Silber und andre Metalle erwarmt, die 
es sonst nicht tun 7) Wenn die Belegung mit Goldpapier geschieht 
8) mit Eisen-Feil 9) mit Eis. 10) Amalgama. 11) Der Aal diente 
vielleicht. 12) NB 1st es vielleicht etwas vom Gymnotus imkleinen. 

13) Durch einen wie groBen Bogen von Metall geht es durch 

fd£~li U. a oder dur[ch] C 1^1 

14) wiirde es auch noch gehen, wenn der Bogen in der Mitte durch 
einfen] Nicht-Leiter unterbrochen wiirde. Z.E. da es mit Steck- 
Nadeln ging zu versuchen wenn diese Stecknadeln in Holz gesteckt 
werden f~l/ dieses letzte hat Herr Galvani schon, er fand keine 
Zuckungen. 15) Die Beine des phalangiums. 16) hier den Los- 
schlager zu elektrisieren, ^^\ diirfte nur an eine Glasrohre gekiittet 
und mit der Maschine verbunden werden. 17) an die Danziger 
Aal-Geschichte oben p. XXXI. 2. 1 zu denken auch an den Magne- 
ten bei dem Zitteraal. Siehe auch OIL N- 4. [1980] 

Es war sehr schon was Herr da Camara sagte bei dem Calorimeter. 
Der darin verbrannt[e] Phosphorus, verwandelt sich wieder in einen 
Korper, und also ist alles Feuer das sich erzeugt bloB das gewesen 
was die dephlog. Luft latent enthielte. [198 1 ] 

Wenn man das antiphlog. System gegen die Einwiirfe von der 
El[ektrizitat]. retten wollteso miiBte manes selbst aus einigem die- 
sem System schon Bekannten zusammen setzen. (Namlich das 
El. Fluidum) [1982] 

Konnte nicht beim Mehrwiegen des Kalchs beim Fallen des 
Barometers, auch noch zu versuchen sein ob bet andrer Reduktion 
etwas Ahnliches vorgeht Krystallisationen miiBten an der Waage 
angestellt werden. Es hat ja schon jemand das Eis schwerer befun- 
den als das Wasser woraus es entstanden ist. Aber einen haBlichen 
Strich durch die Rechnung machen wurden die Barometer zwischen 
den Tropicis. Doch ist die Sache noch nicht irretirevable. Denn es 
kann auch durch die Winde diese Sache ersetzt werden, wie man 
jetzt schon ohnehin tun muB. [1983] 



356 SUDELBUCHER 

Es ist doch eine auBerst sonderbare Sache, daB so viele Personen 
die Farben nicht unterscheiden konnten. Ein merkwiirdiges Bei- 
spiel [davon steht] in den Leipziger Sammlungen i [— ] Band p. 
637. Das sind wahre achromatische Augen. An der Linseundden 
Feuchtigkeitenkannes nicht gelegen haben, sondernin der Retina 
und weiter einwarts. Warum man die Augen und das Gehirn die- 
ser Menschen nicht untersucht. Solche Personen und ahnliche sind 
Geschenke, die die Natur dem Physiologen macht und die er nicht 
annimmt, ich glaube gewiB, die Verwandten [eines] solchen Men- 
schen wurden sich oft billiger finden lassen, als man glaubt. Der 
Staat rnuBte kleine Summen Geld dazu aussetzen. [1984] 

Hat es wohl Leute gegeben, die die Tone nicht unterscheiden 
konnten? Morrison der gewiB ein sehr gute[r] Kopf war, konnte 
den Mangel an Symmetrie in den Bildern in seiner Stube nicht unter- 
scheiden. [1985] 

Mein Wurzelnpropfen schlagt schon Baco vor. Aug. Sc Lib[er] 
V. cap. 2. ibd. Waldbaumfe] des Holzes wegen zu prop fen. Er 
spricht schon von der strahlenden Warme dunkler Korper. Er fragt : 
wird Gold mit Quecksilber gerieben spezif. schwerer. (Mit Blei zu 
versuchen tz[l). [1986] 

S. unten p. CXXIII und CXXIV. Gegen das Argument, das die 
Gluhend-Schmiede, wie Werner zu GieBen fiir ihre Quaker- 
Theorie beibringen, laBt sich vortrefflich einwenden: 1) daB die 
Verminderung der geometrischen Kapazitat wiirklich Warme 
schon fur sich erzeugen kann 2) daB man in phlog. und dephlog. Luft 
nichts gliihen machen kann, also auch nicht gliihend Schmieden 
konnen wird. 3) daB man schon durch Schutteln Quecksilber ver- 
kalchen kann, welches beweist, daB auch da schon dephlog. Luft 
zersetzt wird, und in wie fern dieses beim Reiben des Holzes und 
des Eisens statt findet ist ja noch nicht versucht. Doch Pictet hat 
Versuch[e],die mein Raisonnement eben nicht bestattigen. [1987] 

Zu untersuchen in wie fern geriebene Korper in andern Luftarten, 
als dephlog. sich erhitzen, konnte eine Soz[ietats].-Abhandlung 
(NB. nach Pictet) werden. - [1988] 



HEFT J 1984-1990 357 

Baco's vortreffliche Regel: N.O. Lib. L Aphor.88.Was uns in 
einem Falle frappiert, achtet man in andern gar nicht. Beim Holz 
wundertsichkeinMenschdaBes zusammenhangt, bei den Seifenbla- 
sen hingegen. Er hatte auch Magnet und E i sennennenkonnen. Solche 
Sachen aufzusuchen ist die beste Art die Natur zu erklaren. [1989] 

Vom Hagel : Ober die Entstehung desselben sind die bisherigen 
Theorien mehrenteils nur in so fern lehrreich, als sie dienen uns von 
den Schwierigkeiten zu belehren, die sich bei der Erklarung dessel- 
ben finden. Es ist nur schade, da6 diese Geschichte der Meinungen 
den Geist, wenn er nicht groBe eigene Starke besitzt, selten ganz 
frei laBt. Die Zusatze, die man durch neue Anstrengung machen 
[kann,] verlieren sich selten aus dem Gleise. Der Zufall behauptet 
hier sein Recht. - Wie Hitze die selbst die Kiesel-Erde schmelzt 
in einem Augenblicke in der Atmosphare cntstehen kann wissen 
wir, wir konnen es im kleinen nachmachen. Wir sehen, daB Kalte 
in der Atmosphare entsteht, die im Sommer, ja nicht bloB dieses, 
sondern gerade an den heiBesten Tagen desselben, den Regen in Eis 
verwandelt. Es ist bekannt, daB man vermittelst der Knalluft selbst 
in der groBten Kalte eine starke Ochsenblase zersprengen kann. Das 
was diese Gewalt ausubt ist Wasserdampf auf einen hohen Grad 
erhitzt. Wasserdampf zu einem Grad erhitzt daB er bloB den 
Druck der Atmosphare uberwinden kann ist kochend heiB oder 
hat die Hitze des kochenden Wassers. Da nun der eben erwahnte 
nicht bloB dieses leistet, sondern noch die Ochsenblase zersprengt, 
so kann man [annehmen], daB er eine Hitze habe die die Hitze 
des kochenden Wassers sehr iiberwiegen muB. Diese Hitze lieBe 
sich einigermaBen berechnen wenn man auf einer mit einem 
Druckmesser versehenen Kompressionsmaschine den Druck maBe 
durch den eine solche Blase zersprengt werden kann, und was 
man so fande mit den schonen Versuchen des Herrn Betancourt 
iiber die Gewalt der Dampfe und ihre Erhitzung vergliche, Ich 
sage beilaufig und hochstens nur die niedrigste Grenze, weil die 
Knalluft die Blase mit groBer Gewalt und nicht durch steten Druck 
zersprengt. Man wird also schwerlich zu viel annehmen, wenn man 
die Hitzejener Dampfe auf 3 bis 4mal groBer annimmt, als die Hitze 
des kochenden Wassers. Hier haben [wir] einen ProzeB, der dem vom 
Hagel gerade entgegen gesetzt ist. Kann aber kochend heiBes Was- 



358 SUDELBUCHER 

ser entstehen, wenn Luftarten zu Dampfen zersetzt werden, so ist es 
diinkt mich nicht schwer zu begreifen, daB eine groBe Kalte ent- 
stehen muB, wenn Dampfe zumal wenn diese schon selbst eine 
niedrige Temperatur haben, durch irgend ein Aneignungs-Mittel 
in Luft verwandelt werden. Beide Prozesse, die Zersetzung der 
Luft zu Dampfen Nebel Wolke und Regen so wohl als umge- 
kehrt die Verwandlung der Regenwolke in Dampfe und der 
Dampfe in Luft geht unauf horlich in der Luft langsam vor. Eben 
so wie Entwickelung und Verschluckung elektrischer Materie. 
So sind die Ursachen der Erdbeben wohl gewiB immer fort- 
wiirkend. Nur bekommen diese stets fortdauernde Prozesse nur 
Namen (das Speien der Vulkane) so bald sie durch eine zufallige 
Zusammenkunft von Umstanden einen hohen Grad erreichen und 
nun dem gemeinsten Menschen merklich werden. So wie gewisse 
Krankheiten sich sporadisch bestandig zeigen und den Namen von 
Endemien und Epidemien bekommen, wenn eines [das] schwach im- 
mer da war, sich nun auf einmal gehauft zeigt. So entstehen aus Luft- 
zersetzungen, alsdann Platz-Regen aus leichter Elektrizitats-Entwik- 
kelung, Donner-Wetter, dieKrafte die die Erde nicht zuerschiittern 
vermochten erheben sich zu Erdbeben. Vulkane die Jahre lang rauch- 
ten werfen Feuer aus und die Lave stromt hervor. Es geht so uberall, 
im Moralischen wie im Physischen, Eben so glaube ich daB durch 
die Verstarkung eines Prozesses, der taglich vorgeht der Hagel ent- 
steht. Ich denke mir eine Wolke, (um etwas anzunehmen) von 10 
Quadratmeilen untere Oberflache und wir wollen setzen eine Meile 
dick, etwa oberwarts von spharischer oder irgend einer Form, an 
einem heiBen Sommertag. Diese besteht also aus bereits prazipi- 
tierten Dampfen. Nun entstehe an ihrer ganzen Oberflache, die 
untere etwa ausgenommen, oder auch nur an einem betrachtlichen 
Teil derselben der beschleunigende ProzeB von Verdampfung und 
Verwandlung des Dampfes in Luft, so wird eine ungeheure Menge 
Warme verschluckt werden. Die ganze umher liegende Luft sei 
warm und heiter. Diese Warme wird, weil die Dampfe und Blas- 
chen sehr viel bessere Leiter sind, als die reineLuft groBtenteils aus der 
Wolke genommen werden, und die Kalte in der Wolke selbst sehr 
zunehmen, anfangs Schnee und Graupenhagel entstehen, der sehr 
weit unter dem Gefrierpunkt erkalten wird, weil immer Warme ab- 
geleitet und wenig zugefiahrt wird. Diese Zuleitung der Warme 



HEFT J 1990-1991 359 

wird ferner noch sehr dadurch erschwert, da8, wenn einmal Schnee 
und Graupenhagel da ist, dieser durch die zudringende Warme ge- 
schmolzen wird und daher, wie bei dem vortrefFlichen Calorimetre 
der Herren Lavoisier und de Laplace alle Hitze wegnimmt, und statt 
Eis bloB eiskaltes Wasser macht. Durch dieses eiskalte Wasser fallt 
nun der in der Mitte der Wolke entstandene Graupenhagel, der 
sehr weit unter dem Gefrierpunkt erkaltet war und macht es in 
einem Augenblick vollig gefrieren, so ballen sich die Kugeln mit 
dem Kerne in der Mitte zu groBeren usw. In Beverungen, wurde es 
am Tage Nacht, weil Eiskugeln und irregulare Eisformen das Licht 
mehr abhalten als Nebel. Weil die Sommerhitze an dem Rande der 
groBen Wolke wo alles heiter und warm ist eindringt, so sind daher 
alle Hagelwetter am Rande, rings umher bloB Regen, naher gegen 
das Hagelwetter zu Regen und Hagel von verschiedener GroBe ge- 
mischt, ein Mittelpunkt reiner Hagel. DaB diese Verwandlung von 
Dampf in Luft auch Elektrizitat entbinden konne ist wenigstens 
nicht schlechtweg zu leugnen, denn wie viel Elektjrizitat]. auf 
Dampf verwendet wird, laBt sich nicht bestimmen. Ich will und 
kann nicht entscheiden in wie fern diese Theorie rich tig, aber ich 
glaube daB, es werde auch daraus was es wolle, das Ganze auf die 
Wahrheit leiten und wenigstens ein Teil davon wahr bleiben wird. 
Dieses alles kurz zu iibersehen, will ich auf den Hauptgang der 
Ideen noch einmal kurz aufmerksam machen. Nach Herrn Delucs 
Ideen, die ich bis jetzt wo nicht fur unwiderleglich, doch bis jetzt 
fiir unwiderlegt halte, geht in unserer Atmosphare bestandig Was- 
ser und Wasserdampf in atmospharische Luft iiber. Jeder Ubergang 
von Luft zu Dampf und Wasser ist mit Erhitzung, und jeder von 
Wasser und Dampf, umgekehrt mit Erkaltung begleitet, nach ganz 
bekannten Prinzipien. Dieses geschieht in dem ruhigen Gang der 
Natur taglich. Im Sommer, da die Sonne aus der Erde manches An- 
eignungsmittel aufsteigen machen mag, konnen diese Prozesse bis 
zur Bemerkung gemeiner Menschen beschleunigt werden, pp. [1990] 

Baco N. O. I aph. 100. Man mufi sich bemuhen nicht blofi die 
Natur zu erforschen sondern auch von den bisherigen ganz verschie- 
dene Methoden versuchen. Das ist wohl ein rechter Haupt-Umstand. 
Einmal das ganze Compendium mit diesem Gedanken durch zugehen. Auch 
die allergewohnlichsten, zum Exempel Druck der Luft. [1991] 



360 SUDELBUCHER 

Das Bennetsche Elektro meter im luftleeren Raum 2u versuchen 
auch im Dunkeln NB. [1992] 

DaB der Ostwind Trockenheit und Kalte zugleich bringt, ist 
merkwiirdig. Eben so der Siidwind Warme und Nasse. Man 
hat es freilich erklart denn was ist in der Welt nicht erklart: Aber 
es sieht groBtenteils nur so aus. Es sind gemalte Fenster. Konnte 
nicht die Warme die Ursache des Siidwindes sein. Die Kalte konnte 
von der Verwandlung der Dampfe in Luft herriihren. Der kalteste 
Wind ist bei uns nicht der Nordwind sondern Nordost, der 
also fast mit der Richtung der Magnet-Nadel einen rechten Winkel 
macht. und der ent[gegen]gesetzte ist auch der [der] immer Feuch- 
tigkeit bringt. Es mag noch manches Polarisch sein in der Natur. 

[i993] 

Das Antigrave des Pictet beim Feuer konnte wohl die Ursache 
des Steigens und Fallens des Barometers sein, so wie es wahrschein- 
lich auch macht dafi die Pflanzen aufwarts wachsen. Ist noch sehr 
zu iiberlegen. [*994] 

Was ich immer in den Prolegomenis von Mathematik sage sagt 
Baco sehr deutlich N. O. Lib[er] I. Aphorfismus] 96. [1995] 

Baco sagt schon N. O. Lib. [IL] Aph. XIII no. 3. calx reliquias 
latentes caloris prioris retinet. [1996] 

ibid: N- 21 was [ist] Caphora? richtig Camphora [1997] 

Wenn die Erleuchtung eine Folge eines Zitterns ware, sollte nicht 
irgend in der Natur ein Fall anzutreffen sein, daB ein Korper der 
erleuchtet wiirde heller leuchte je langer er erleuchtet wurde? [1998] 

Sollte man nicht durch Verdampfung mit dem kleinen Feuer- 
becken Platten laden konnen? Schwerlich. Man muBte den aufstei- 
genden Dampf mit der Unterbelegung zu verbinden suchen. [1999] 

Es ist wiirklich ein artiger Versuch von Bohnenberger. Beschreib. 
von Elektr[isier]. -Maschinen 5- Forts. 57— Versuch p. 218 seqq. 



HEFT J 1992-2007 36l 

daB sich der Phosphorus nur auf einsaugenden Spitzen entzunden 
laBt. Sollte es mit dem Harzstaub bei der Flasche wohl eben so sein. 
2) Mit seiner negativen Batterie hat er me das SchieBpulver ziinden 
konnen, obgleich mit der Trommel-Maschine, die ebenfalls negativ 
ladet. S. 7. Anmerkfung] p. 233 ibid. Er verweist dabei auf die 
2- Anmerk. zum 13— Versuch. Es steht aber da nichts Besonderes. 

[2000] 

Sollte sich nicht der Eisendraht besser durch den unterbrochenen 
Erschiitterungs-Kreis schmelzen lassen? [2001] 

Auch den Paets van Troostwykischen Versuch mit dem unter- 
brochenen Erschiitterungs-Kreis. [2002] 

Man muBte bei dem Frosch den Leiter mit der Zunge unterbre- 
chen. [2003] 

EfFiciens semper ponitur nihil aliud esse quam vehiculum sive 
deferens formae. Hier ist das deferent des Deluc. Baco N. O. Lib[er] 
II. aphorism. XXIII. p. 3 3 8. [2004] 

Die Ahnlichkeit der sud lichen Spitzen der festen Lander steht 
schon beim Baco. N. O. Lib[er] II Aph. 27. p. 344. Auch Opp. Vol. 
2. p. 8. [2005] 

Sollte es nicht wohl dienlich sein das Abnehmen und Zunehmen 
der Warme, das wir auf unserer Erde bemerken, Tag und Nacht, 
Sommer und Winter, auch bei chemischen Operationen nach- 
zumachen. DaB alles erst wieder ruhte. Beim Braten am BratspieB 
fuidet so was statt. [2006] 

Baco. N. O. Lib[er]. II. Aph. XXXVI p. 356. wirft die Frage 
auf ob die Flamme das Licht reflektiere. Dieses ist wurklich ein 
schoner Gedanke, der weitere Untersuchung verdient. Wie wiirde 
sich die Flamme im Foco des Brennglases verhalten? Im Licht-! 
kegel des 0Mikrosk[ops]. konnten vielleicht einige Versuche 
hieriiber angestellt werden. [2007] 



362 SUDELBUCHER 

Wie sieht d. Flamme der elektrischen Lampe im Lichtkegel des 
Mikroskops aus? Wie die Argandische Lampe? NB. [2008] 

Alle kiinstliche Versuche sind gewissermaBen Monstra. [2009] 

Auch die Ziegel werden beim Brennen rot wie die Krebse beim 
Kochen hat schon Baco. Vol. 2.p. 6. Karpfen und Hechte von hei- 
6em Essig blau. [2010] 

Das Wasser verbindet sich mit den Salzen, (Krystallisations- 
Wasser.) Es ist sehr wahrscheinlich, daB es diese Rolle bei alien 
Krystallisationen spielt, da nun diese Salze wesentlich verschieden 
sind, ja da alle Korper, unter gewissen Umstanden in Krystall-Ge- 
stalt erscheinen, so sieht man daB das Wasser durch den Beitritt von 
mehreren Korper [n] in einen Zustand gebracht werden kann, in 
welchem es aufhort ein Gegenstand des Hygrometers zu sein. Ja 
ich mochte hier fast wie Herr Hofrat Mayer mutmaBen, daB das 
sogenannte Krystallisations- Wasser nicht alles Wasser sei was die 
Salze enthalten und daB am Ende alle Salze nichts sein als Wasser, 
das durch ein[en] StofF der ebenfalls imponderabel sein kann in 
dieser festen Form [gebunden wird?]. [201 1] 

Zu meiner Erklarung des Hagels kann noch genutzt werden war- 
um es in manchen Gegenden nicht regnet, und an vielen Orten gar 
nicht aufhort. Wo die Leitung derWarme vollkommen ist, ist auch 
der Niederschlag vollkommen daher sich die Wolken an den Ber- 
gen und Waldern sammeln. Dieses ist sehr zu merken. NB. [2012] 

Im allgemeinen ist so viel gewiB. Wo groBe Kalte mitten in einer 
nicht sehr niedrigen Temperatur entsteht, da ist chemische Ver- 
schluckung. Von keinem Korper unserer Atmosphare wissen wir 
dieses mit groBrer GewiBheit als bei Entstehung der Luft. Luft 
entsteht nach Herrn Deluc also muB dieses probiert werden. Wei- 
ter ist es nichts als Anprobierung, und es sollte mich gar nicht wun- 
dern. So wie Luft-Zersetzung quoad celeritatem ungleich ist, so 
kann es auch Luft-Erzeugung sein. Sollten beide nicht zusammen- 
trefFen konnen? Es kann freilich sein, daB Elektr [izitat] . Warme weg 
nimmt, aber wir mussen das Bekannte vor dem Unbekannten pro- 



HEFT J 20O8-20I7 363 

bieren. Ehe wir versuchen ob Elektr[izitat]. Warme weg nimmt, 
miissen wir erst versuchen, ob es Lufterzeugung nicht sehr viel 
mehr tut. [2013] 

Deluc sagt in seiner ersten Schrift iiber Hygrometrie (Leipziger 
Sammlung I. Band p. 14) Obgleich man ohne Worte seine Gedan- 
ken nicht zu verstehen geben kann, so sind sie doch sehr oft ein 
Hindernis auf neue Ideen zu kommen. Das ist sehr wahr, Ich habe 
schon lange einmal ein Beispiel gegeben, bei dem Auftau- und Ge- 
frierpunkt. [2014] 

Ich glaube an die Komposition des Wassers nicht. Man muB 
an das was uns Reisende von den Versuchen in Paris erzahlen nicht 
glauben. Sehr selten reisen Leute von schon gebildeten Geist, es 
sind gemeiniglich Universal-Kandidaten, die hochstens viel gelesen 
und wenig gedacht haben, und daher, das erste was sie in der Fremde 
horen, zumal wenn es durch Charakter der Manner, Pracht der In- 
struments Verschwendung in den Materialien dargestellt wird be- 
gierig auffangen und verkiindigen. (Dieses muB besser ausgedriickt 
werden.) [2015] 

Der Stand der Frage zwischen mir und Mayer ist der: 1) Die 
Moglichkeit daB Wasser oder eigentlich Wasserdampf in Luftge- 
stalt erscheine laBt sich nicht leugnen, dieses kann aber [durch] Aneig- 
nungs-Mittel zwischen Warme und Wasser nicht geschehen. Dieser 
Aneignungs-Mittel konnen mehrere sein, so hatten wir eine ganze 
Reihe von Luftarten. 2) kann es auch moglich sein daB die Luft das 
Wasser so auf lost, als wie Herr Hofrat Mayer glaubt, dieses leugne ich 
nicht, aber das muB bewiesen werden. Jener erste Satz bedarf keines 
Beweises, denn trockne Luft ist sich uberall gleich. Dann muB die 
Vorstellung von der Knall-Luft-Atmosphare kommen, die die Sache 
gewiB sehr gut darstellt. [2016] 

In der Atmosphare ist die Elektrizitat von so ungeheuerer 
Wichtigkeit Donnerwetter, Hagelwetter, auch bei Erdbeben und 
Vulkanen, aber was sind das alles anders als chemische Prozesse 
im GroBen. Solche Versuche im GroBen werden Mikroskope fur 

die Neben-Umstande. Man muB ja nicht glauben, daB diese Dinge 



364 SUDELBUCHER 

bei unsern Prozessen im kleincn fehlen wir bemerken sic nur nicht, 
mich diinkt das ist so klar, daB niemand etwas dagegen wird sagen 
konnen. Daher ist es ein vortrefflicher Gedanke des Herrn Deluc 
aus dem GroBen herunter auf das Kleine zu kommen. Es wird 
vermittelst des Storchschnabels ohne Verlust der Ahnlichkeit ver- 
kleinert, aber oft mit groBem ja ganzlich[em] Verlust derselben 
vergroBert. Die Luft im gliicklichen Arabien, Petersburg fur die 
Elektrizitat, Holland flir die Nebel. Helvetien fiir die samtliche 
Meteorologie. [2017] 

DaB das Wasser aus zwei verschiedenfen] Materien zusammen 
gesetzt sein kb'nne wird niemand leugnen, denn wir haben mehrere 
zusammen gesetzte Fluida, daB es aber wurklich zusammengesetzt 
sei, und zwar aus zwei Materien die sich einzeln und allein in Luft- 
gestalt darstellen lassen ist ein so kuhner und mit allem bisher Be- 
kannten so wenig durch Analogic verbundener Satz, daB er wenig- 
stens nicht eher unter die ausgemachten Wahrheiten aufgenommen 
werden kann und darf bis mit aller Evidenz, deren physische Satze 
fahig sind erwiesen ist, daB alles was man durch Zersetzung und 
Zusammensetzung des Wassers bisher erklart hat, sich schlechter- 
dings auf keinem bekannteren Wege erklaren lassen. So lange noch 
die mindste Ausflucht da ist. Wenn jemand die Wahrheit des ani- 
malischen Magnetismus erweisen will, so muB gezeigt werden, 
daB es vollig unmoglich ist, die Sache anders zu erklaren. Warum 
geben wir der Erklarung des Phanomens der Torricellischen Rohre 
so willig unsern Beifall? Deswegen weil gar kein Mittel in der 
Welt iibrig ist es anders zu erklaren. Nun aber sehen wir das Wasser 
so mannigfaltige Gestalten annehmen, zum Beispiel im Krystalli- 
sations- Wasser. Es ist sehr Unrecht, wenn man glaubt das Krystal- 
lisations-Wasser sei in alien Krystallen einerlei. Freilich wohl wenn 
es wieder von dem Salz, Erde pp getrennt ist, aber so sagt der Satz 
gar nichts, denn da ist es kein Krystallisations- Wasser mehr. Ich 
will [es], weil es wenigstens zu dieser Absicht schicklich ist mit 
Herrn D- Girtanner einmal Eis nennen so gibt es so viele Eisarten 
als es Krystalle gibt, und alles das ist Wasser, das seine Fliissigkeit 
nicht bloB durch Verlust des Fliissigkeits-Feuers sonderfn] noch 
durch den Beitritt eines dritten verloren hat. Das Krystallisations- 
Wasser wird zu einem Eis gebunden durch Salz, und so entstehen 



HEFT J 2017-201 8 365 

so viele Eisarten, als es Luftarten gcbcn kann und mehrere. Unser 
Eis xoct i^oyr^ entsteht aus Wasser, dem man sein Feuer auf 
einen gewissen Grad entzogen hat. Dampfist Wasser, das sich durch 
Vereinigung mit dem Feuer zu einem Fluido verbunden hat, das 
manches mit den Luftarten gemein hat, aber keine wahre Luft. So 
ist Eis ein Korper der manches mit den Salzen gemein hat aber 
kein wahres Salz. Dampf ware so die erste Luftart so wie das Eis 
das erste Salz. Auch hier ware es moglich daB das, was wir das Kry- 
stallisations-Wasser nennen nicht alles Wasser ware was die Kry- 
stalle enthalten es konnte nur das sein, was wir durch unser Feuer 
da von trennen konnen, und so liefe dieses auf einen Gedanken des 
Herrn Deluc hinaus, da8 die Salze Wasser oder Eis waren, das nur 
durch die salzigen Grundstoffe oder die Erden deren Quantitat wir 
nicht kennen in diese Form gezwungen wurde. Jedoch dieses nur 
im Vorbeigehen. So wie sich also das Wasser unter sehr mannig- 
faltigen Form [en] durch den Beitritt eines dritten als fester Korper 
zeigen kann, eben so kann sich der Dampf oder die unvollkommene 
Luft durch den Beitritt eines dritten in unzahligen Formen erschei- 
nen und das werden Luftarten. Bei manchen Luftarten kennen wir 
jenes Tertium schon z.E. bei den sauren Luftarten bei der dephlo- 
g[istisierten] und inflammabeln Luft kennfen] wir es noch nicht, 
weil wahrscheinlich beides sehr feine Materien sind. (Wer weiB ob 
das Eis selbst ein so ganz reines Wasser ist als man gewohnlich glaubt 
und ob der Wasser-Dampf so ganz reines Wasser und Feuer ist. 
Einige wollen wenigstens das Eis immer mehr wiegend gefunden 
haben, als das Wasser woraus es entstanden ist.) Wer will mich also 
widerlegen, wenn ich glaube es gibt in der Natur ein iiberall ver- 
breitetes Wesen, das sich bei der Gliihe-Hitze zersetzt und mit dem 
Wasser-Dampf verbindet, und so die beiden Luftarten macht. 
Wir sehen ja bloB, daB das Wasser in 2 Teile auseinander geht. Kein 
Mensch in der Welt wird es torigt oder lacherlich finden zu glauben, 
daB der eine so gut Wasser-Dampf sei als der andere: nur permanent 
gemacht durch den Beitritt von einer unbekaiuiten Materie. Gegen 
solche noch nicht bekannte Materie sollten die am allerwenigsten 
sprechen die eine ganze Materie noch nicht gebrauchen die elektri- 
sche, von der man eine Zusammensetzung mit so vielem Grunde 
gemutmaBet hat. Ich gestehe gerne, daB ich nicht beweisen kann, 
daB dieses die Elektrizitat tue. Allein hierin sind wir ja einander 



366 SUDELBUCHER 

wieder gleich. Ich kann nicht beweisen, da6 dieses die Elektrizitat 
tue, und die andere Partei kann nicht beweisen, daB die elektrische 
Materie nichts tue. Das ist ja einerlei, und dieses nicht einmal, sondern 
es ist ein Obergewicht von meiner Seite. Denn daB die elektrische 
Materie uns uberall umgibt ist wohl gewiB, daB sie in den chemi- 
schen Prozessen der Atmosphare eine sehr groBe Rolle spielt ist 
eben so gewiB. Bei diesen Versuchen im unermeBlich GroBen sehen 
wir sie und Versuche im GroBen sind Mikroskope zur Erkenntnis 
der Natur. Alles geht gewiB im kleinen eben so vor pp (dieses um- 
standlich durchgefuhrt) hingegen, daB eine solche Materie gar 
nichts tun sich bloB leiden[d] verhalten solle ist gar nicht wahr- 
scheinlich, und von der andern Seite der Satz, daB das Wasser zu- 
sammen gesetzt sei nicht etwa aus 2 tropf baren Fluidis, sondern aus 
2 Wesen, die sich nie anders zeigen als in Luftgestalt ist zwar an 
sich nicht in sich widersprechend, aber doch so etwas Eigen[e]s, 
daB man diinkt mich erst alles versuchen muB. [2018] 

In den Krystallen wird das Wasser zum festen Korper, das ist 
ausgemacht, will man Wasser im festen Zustand Eis nennen, wie 
Herr D- Girtanner getan hat, so kann man es tun. Ich finde diesen 
Ausdruck zu meiner Absicht sehr schicklich. Was aber auch dieses 
Eis in den Salzen sein mag so sieht man wenigstens ein es ist von dem 
xoct e^o^yjv so genannt[en Eis] verschieden. Es ist nicht gemeines 
Eis mit den Salzteilen mechanisch gemischt, sonst wiirde es in be- 
kannten Temperaturen zu schmelzen anfangen. Es ist also etwas da 
was ihm groBere Permanenz gibt, und dieses riihret wohl unstreitig 
von den Salz- und Erdteilchen her, da nun diese Korper selbst sehr 
verschieden sind, so werden auch alle jene Eisarten von einander 
verschieden sein. So wie aber abwarts vom Gefrierpunkt durch den 
Beitritt dritter Korper die Eisarten sich vervielfaltigen nach ver- 
schieden [en] Graden der Permanenz, eben so sind aufwarts vom 
Siedpunkt Dampfarten von verschiedenen Graden der Permanenz 
durch den Beitritt eines 3— moglich und dieses sind nach meiner 
Vorstellung die verschieden [en] Luftarten, worunter bekanntlich 
manche eben so leicht im Wasser schmelzen, als manche Salze (Es 
ist schade, daB man die Wasserdampfe nicht so behandeln kann wie 
die Luftarten. Uberhaupt diinkt mich hat man noch nicht genug 
Versuche mit den Dampfen angestellt. Wenn man zum Excmpel 



HEFT J 2018-2024 367 

die Luftarten damit behandelte. Es ware moglich, daB sich manche 
Luftarten, die sich nicht mit dem Wasser im tropf baren Zustand 
verbanden sich vielleicht mit dem Dampf bei einer sehr hohen 
Temperatur verbinden wiirden und dadurch konnten Fluida ent- 
stehen, die wir entweder noch nicht kennen, oder wenigstens nicht 
auf diesem Wege bereiten (Branntwein). Die Auflosung der Kiesel- 
Erde im Geyser auf Island). Das Wasser steht in der Mitte, es kann 
als fester Korper erscheinen die Eise pp, Der dritte Korper kann sich 
mehr oder minder haufig oder subtil fmden. so konnte Quarz bloBes 
Wasser sein von der Eis-Seite, so wie die dephlog[istisierte] Luft 
von der Luft-Seite. [2019] 

Herr Lassone will entdeckt haben, daB eine Auflosung von Seig- 
nette-Salz mit Kalchwasser gemischt, beim Feuer verharte (S. 
mein Taschen Calender 1780. p. 86.) und NB bei der Kalte wieder 
fliissig werde. Siehe oben p. LXXIL Girtanner. [2020] 

Im Compendio der Physik nicht mehr das Wort Theorie zu 
gebrauchen bei Feuer, Elektr[izitat]. und Magnetismus und bei vie- 
len andern. Sondern Facta und MutmaBungen; Vorstellungs-Art. 
pp. [2021] 

Hat Lavoisier oder sonst jemand, die Entstehung der Knall-Luft 
aus dem Wasser durch Elektrizitat, erklart? Es konnte also doch 
sein, daB diejenige die ich gefunden habe, als ich mit Herrn Habel 
sprach, mir zugehorte. [2022] 

Sollte meine Abhandlung an Gren gedruckt sein, so konnte ich 
den Ausdruck, daB der Amsterdamische Versuch nach der Anti- 
phi [ogistischen]. Chemie unerklarlich sei, so entschuldigen. Ich 
hatte mehr dabei gedacht, als ich gesagt hatte, da die elektrische 
Materie mehrere Luftarten zersetzt, die Salpeter-Luft, weil es aber 
in diesen Fallen die Warme nicht sein kann, so ist es wahrschein- 
lich, daB sie es auch dort nicht ist. [2023 ] 

Mayers Theorie unterscheidet sich hauptsachlich dadurch, daB 
er Aneignungs-Mittel annimmt, wodurch die Ziehkraft der Luft 
verstarkt wird. Das ist schon eine sehr starke Supposition. Wenn ich 
behaupte, es sei etwas in einem Menstruo aufgelost, so muB ich 



368 SUDELBUCHER 

dieses zeigen, denn daraus, daB sich etwas absondert, kann ich noch 
nicht schlieBen, daB es ein Niederschlag sei, es kann auch eine Zer- 
setzung sein. Das Feuer, das sich beim Verbrennen des Phosphors 
in dephl. Luft zeigt war nicht in der dephlog. Luft aufgelost, son- 
dern dieses Feuer und die Basis der dephlog. Luft (das oxygene 
wenn man will) machte die dephlog. aus. Oberhaupt kann man das 
Unsichere wenigstens von Herrn Mayers Theorie zeigen, wenn man 
alles mit dem Feuer vergleicht, denn wiirklich glaubt Herr Deluc 
das Wasser sei so in der Luft enthalten wie das Feuer, latent [2024] 

Der Aufsatz gegen Mayer kann dadurch sehr kurz werden, daB 
der Hauptpunkt scharfer bestimmt wird, namlich beide reden von 
Verschwinden fur das Hygrometer, nur der eine sagt, die Luft hat 
das Wasser latent gemacht der andere sagt der Aerisier-StofF hat 
es latent gemacht. Die Frage ist also kurz diese: ist das was wir 
hochst trockne Luft nennen, bloBe Luft, oder ist es Luft die noch 
Wasser aufgelost enthalt. Es gibt ein Fluidum, das wir atmospharische 
Luft nennen was ist das? Wie erhalten wir es im reinsten Zustand? 
Das Wasser ist der Korper, der sie am meisten affiziert. Davon reini- 
gen wir sie durch Korper, die die starkste Anhanglichkeit an das 
Wasser haben. Was diese iibrig lassen miissen wir fur Luft erkennen. 
Denn was ist Luft? Dieses ist die Frage auf die alles ankommt und 
von der man nicht weichen muB NB. NB. Dieses ganz zu Anfang 
umstandlich ausgemacht was ist atmospharische Luft. Denn es 
ware lacherlich sich darauf einzulassen nur eine Zeile zu schreiben, 
wenn diese Frage nicht scharf bestimmt ware. Also dahin alles re- 
duziert, gleich von Anfang. [2025] 

Nach D- Harrington's Versuchen oder Versicherung eigentlich, 
soil das mit fixer Luft impragnierte Wasser an der Sonne dephlo- 
g[istisierte] Luft geben, wo bleibt da die Kohle? Gentleman's 
Mag. 1792. September. [2026] 

Man hat aus der atmospharischen Luft durch Elektrizitat fixe 
[Luft] nieder geschlagen, die das Kalkwasser triibte. [2027] 

Gibt es wohl auBer der Temperatur noch ein Mittel die Affini- 
taten zu verstarken [in] der Chemie. Ich weiB es nicht, die so ge- 



HEFT J 2024-2031 369 

nannte Aneigfn]ungs-Mittel so zu nennen kommt mir wenigstens 
nicht schicklich vor. Wenn ich sage : Laugensalz vermehrt die Affini- 
tat des Wassers zum Ol, so ist dieses unrichtig gesprochen. Wir wis- 
sen nicht was fiir ein Durchdringen von Eigenschaften bei den 
Auflosungen vorgehen kann, woriiber Herr Kant einige schone 
Gedanken beibringt. [2028] 

Es scheint fast als wenn Herr Mayer unter Natur verandern, 
Dekomposition verstehe. Allein ich glaub da6 Wasser, das nicht mehr 
naB macht, seine Natur verandert hat. Die Wiirkung des Wassers, 
das keine chemische Verbindung eingeht ist immer haar-rohrchen- 
artig, Er scheint auch zu glauben als ob Herr Deluc eine Zersetzung 
des Wassers glaube. Der Zucker saugt Wasser an, so wie Weingeist, 
allein ersteres lost ihn bloB auf. [2029] 

Volta's weitschweifige Theorie des Hagels steht in T. XIV der 
bibliotheca fis[ica] d'Europa des Brugnatelli. Er glaubt da6 zu Bil- 
dung des Hagels eine Kalte von 15 unter Reaum. notig sei, da 
nun eine solche Kalte erst in einer Hohe von 4000 Toisen iiber dem 
Meere statt finde, die Hagelwetter aber sehr niedrig gingen, und 
so gar auf hohen Bergen unter den FiiBen gesehen wiirden, wenn im 
heiBen Sommer und am Tage Hagel fallen soil, so sieht man daB 
jene Kalte nicht die Ursache des Hagels sein kann. Er glaubt es 
ruhre von einer sehr schnellen Verdiinstung der Wolken in der oben 
so trockenen Luft her und daB dadurch die Wolke sehr plotzlich 
negativ wiirde, die schnelle Ausdiinstung ruhre von der Heftigkeit 
der Sonnenstrahlen her. Dieses ware nun fast ganzlich meine Theorie 
nur daB ich eine Verwandlung in Luft annehme, denn bloBe Aus- 
diinstung, wenn nicht noch etwas dazu kommt, mochte wohl die 
Sache nicht erklaren, es wiirden wieder Wolken entstehen und we- 
nig Warme verschluckt werden. Volta's Aufsatz kenne ich noch zur 
Zeit bloB aus der Lit. Zeitung. N- 285. Kol. 214. 1792. [2030] 

Die Akad. der Wissfenschaften] zu Paris setzt fiir 1793 einen Preis 
auf die Theorie der Feuer-Maschine und fiir 1794 auf die Theorie 
des Kometen von 1770 [aus] wobei die Beobachtungen gepruft und 
bestimmt werden soil, woher es komme daB dieser Komet eine Um- 
laufszeit von 5 Jahren zu haben schien ungeachtet man ihn weder 



370 SUDELBUCHER 

vorher noch nachher gesehen. Der Preis ist 2000 Livres. Dieser 
Komet kann wohl der gewohnliche[n] Theorie von seiner Dauer 
ein Ende machen. Man sollte eine Sternschnuppe oder Feuerkugel 
einmal so berechnen. Vielleicht ging er gar um unsere Erde. [2031] 

Zur Vergleichung von Mayers und Delucs Theorie: DaB Wasser- 
dampf eine Luft-Gestalt annimmt ist doch fiirwahr nicht 
wunderbarer, als daB Luft Wasser auflost. Ja der Wasserdampf 
selbst hat schon selbst sehr groBe Ahnlichkeit mit der Luft, auch 
will man schon Wasser in Luft verwandelt haben. DaB hingegen 
ein permanent elastisches Fluidum das Wasser auflosen konne ist 
gar nicht erwiesen. Es konnte vollig unmoglich sein, und die Beweise 
der Verteidiger dieser Auflosung stiinden noch eben so. Wie wenn 
es nun unmoglich ware, daB ein elastisches Fluidum ein tropf bares 
aufloste? Wenn nun jemand einmal das schlechtweg leugnete, so 
wiiBte ich nicht was man ihm antworten wollte. Hingegen wenn ich 
sage Wasser kann in Luft verwandelt werden, so wird kein ver- 
niinftiger Mensch das Herz haben das schlechtweg zu leugnen, weil 
wir taglich sehen wie eine Menge von Korpern durch das Feuer in 
elastische Fliissigkeit verwandelt werden. Das Experimentum Crucis 
hierin ware wohl zu verschieden[en] Jahrszeiten in einer gewissen 
Hohe bei Trockenheit und Diirre so wohl als mitten in der Regen- 
Wolke eine Quantitat Luft zu schopfen, sie in einem [?]men Apparat 
bis zu einem gewissen Grad des Hygrometers zu trocknen, und 
dann zu untersuchen ob sie bei iibrigens gleicher Temperatur mit 
gleichem Barometer-Stand immer dasselbe spez. Gewicht und die- 
selbe eudiometrische BeschafTenheit habe. [2032] 

Ich verstehe nicht recht was Herr Hofr. Mayer damit sagen will, 
die Luft enthalte das Wasser, ohne seine Natur zu verandern. Was- 
ser, das nicht mehr naB macht hat wohl so gut seine Natur verandert, 
als Feuer das nicht mehr warmt. [2033] 

Wer ist uns denn gut dafiir daB es nicht eben so ein Aerisations- 
Wasser geben konne, so wie es Krystallisations -Wasser gibt, und 
wenn es ein solches gibt, wie viel es von jeder Luftart ausmacht. 

[2034] 



HEFT J 2031-2036 371 

Es ist noch nicht lange her, daB man die Luftarten iiberhaupt fiir 
nichts anders als Auflosungen gewisser StofFe in gemeiner Luft 
hielt. Hofmann zu Mainz, pp. Schwalben-Luft des Marcard. [203 5 ] 

Wenn ich sage bei dem Amsterdamischen Versuch ist es die 
Elektrizitat die den Wasserdampf in infl. und dephlog [istisierte] 
Luft verwandelt, so habe ich noch Griinde fiir mich, von einer Art, 
die der andern Partei ganz fehlt. Denn ehe die Lehre von der Zer- 
setzung des Wassers aufkam, hatte niemand nur eine Spur von so 
etwas wie Saure und BrennstofFim Wasser bemerkt, aber grade die 
beidefn] Eigenschaften sind es, die man ohne weitere Absicht dabei 
zu haben, der elektrischen Materie gleichsam beizulegen genotigt 
war. Die Schriftsteller sprechen schon so gar von Saure, Feuer, 
Phlogiston usw. Und nun finden wir, daB diese Materie das Wasser 
grade in die beiden Arten von Luft verwandelt, von denen andere 
Schriftsteller wieder eben so sprechen wie jene von der elektrischen 
Materie. Der eine nannte denn inn. Luft das Phlogiston, und der 
andere die dephlog. Luft Feuer-Luft. Nun bedenke man daB die 
elektrische Materie die Salpeter-Luft zersetzt, was die dephlog [i- 
stisierte] Luft tut, und daB sie die alkalinische in infl. und phlog. zer- 
setzt. Sind dieses nicht Spuren von der Wahrheit dessen was ich 
sage. Aber wie zersetzt denn die Elektrizitat das Wasser, nach der 
antiphlog. Theorie kann sie es nur bloB durch Hitze tun, denn hier 
ist nichts dessen Affinitat zu einem Teile des Wassers durch die 
Hitze vermehrt wird und die Trennung erzwingt. Hier muB also 
sehr erhitzter Wasser-Dampf sich selbst durch diese Hitze zersetzen, 
das heiBt, wenn Wasser sehr erhitzt wird, so bekommen dessen Teile 
eine groBere Verwandtschaft zum Feuer als sie unter sich haben, fah- 
ren aus einander und machen nun jeder fiir sich eine Luftart aus. 
Das ist sehr seltsam. Das Seltsame liegt nicht darin, daB die Dinge 
durch groBe Hitze getrennft] werden, sondern daB sie durch bloBes 
Feuer verfluchtigt, nicht wieder zusammen fallen, wenn dieses 
Feuer sich verliert denn bis jetzt ist, wie ich glaube, noch kein StofF 
bekannt, der fiir sich allein mit dem Feuer allein ein permanent ela- 
stisches Fluidum gegeben hatte. Wo Luftarten entstehen, da ist, so 
viel ich jetzt einsehe, [nicht] ein bloBes Feuer und ein anderer StofF, 
sondern man wird immer Grund genug haben Wasserdampf anzu- 
nehmen und das aneignende dritte. Ist es also so ganz unwahrscheinlich , 



372 SUDELBUCHER 

wenn ich sage in dem Amsterdamischen Versuche habe sich die elek- 
trische Materie zersetzt, der eine Teil derselben macht mit dem Was- 
serdampf infl. der andere dephlog. Luft. Man nenne den einen Teil 
oxygene meinetwegen (denn Grund ein [en] Sauerstoffin der el [ektri- 
schen] Materie anzunehmen ist ohnehin genug da. Man bedenke 
nur, daB sie die Salpeter-Luft zersetzt.) und nenne den andern was 
man will nur nicht hydrogene. Phlogiston mochte wohl der schick- 
lichste sein. In dem bekannten Versuch mit dem Flintenlauf und den 
Wasserdampfen ist es eben dasselbe. Die elektrische Materie ist all- 
gegenwartig hier braucht sie keine Hitze hervorzubringen, als[o] ist 
kein kleisttscher Schlag notig, sie zersetzt sich in der Gluhhitze macht 
mit ihrem oxygene mit dem Wasserdampf dephlog [istisierte] Luft 
und das Eisen verschluckt sie und die infl. geht fort. Dafi also in dem 
bekannten Versuch das Wasser so viel wiegt als die beiden Luft- 
arten ist leicht zu begreifen, denn da die Elektrizitat im einzeln noch 
niemand gewogen hat, so wird sie auch mit Wasserdampf verbun- 
den nicht wiegen. Also nun frage ich in aller Welt, was ist denn Fak- 
tisches in der Behauptung der franz. Chemisten daB das Wasser 
aus oxygene und hydrogene zusammen gesetzt sei? Dieses In- 
flammable und Dephlogistisierte entstehen da wo Wasser ist bei 
vielen Prozessen zu gleichejr] Zeit. Dieses ist das Factu[m] das 
iibrige ist alles Hypothese, denn von dem ubrigen lehren uns unsere 
Sinne nichts, ja in dem Amsterdamischen Versuch ist es hochst 
wahrscheinlich daB es die elektrische Materie ist, weil die Luftarten 
grade die Eigenschaften haben, die man an der Elektrizitat bemerkt 
haben will. Von der ganzen Geschichte der Dekomposition des 
Wassers, als dieses, daB aus dem Wasser zwei Luftarten entstehen, 
[und] daB dieses die Bestandteile des Wassers sein, kann wahr sein, 
aber bisjetzt ist es ein[e] Hypothese, die eben dadurch verdachtig ge- 
macht wird daB in der Atmosphare ein ahnlicher ProzeB statt findet. 
So konnte ein Unerfahrener glauben Wasser bestiinde aus Eis und 
Wasserdampf von einer hohen Temperatur, denn beide zusammen 
machen Wasser, auch wenn die Strome plotzlich gefrieren rauchen 
sie ofters als wenn sie kochten, da zersetzt sich das Wassfer] das Eis 
bleibt zuriick und der Dampf geht fort. Hier ist auch Komposition 
und Dekomposition. Es sind aber hier nicht konstituierende Teile des 
Wassers, sondern bloBe Modifikation desselben Stoffs Hier kann nun 
der Ubergang gemacht werden zuden Eis-Reihen usw. [2036] 



HEFT J 2036-2045 373 

Hauptsachlich muB auch in dem Streit die groBe Rolle der Luft- 
El[ektrizitat]. urgiert werden. Das sind Mikroskope, auch j a die 
Schwalben-Luft und was dahin gehort. [2037] 

Was mogen wohl die Herrn, die so sehr gegen die antigraves 
sind zu den Kometenschweifen sagen? Das ist doch etwas was sehr 
wie Antigrave aussieht. [2038] 

Sollten nicht alle Planete[n] so etwas hinter sich haben, wie 
Kometen-Schweife wenn wir es auch gleich nicht sehen? Uranus 
sieht uns wohl alle Jahre in der Sonne? Nein gewiB nicht denn da 
die Sonne nur ein paar Minuten bei ihm im Durchmesser hat so ist es 
nur alsdann moglich,wenn seine Opposition nahe an seinenKnoten 
vorfallt. [2039] 

Da wir kein Gefiihl fiir die magnetischen Wirkungen haben, so 
konnte dieses wohl die Wiirkung auch eines Korpers sein, der kein 
Gegenstand unsrer Sinne ist. Hier von dem verteilten Sonnenlicht. 

[2040] 

Vor alien Dingen Erweiterung der Grenzen der Wissenschaft, ohne 
dieses ist alles nichts. [2041] 

Bei dem Wasser-Tropfen ist alles im Gleichgewicht, jeder Trop- 
fen mit alien andern inwendig in einem solche[n] Planeten lieBe 
sich es mit einer Wasser-Waage oder eine[m] Pendelfin- 
wA den, oben an der Grenze ist die Oberflache. Man kann 
nicht bloB sagen, daB der Conus a den Conus b balan- 
ciert, denn es balanciert sich alles. [2042] 

Meine so genannte Seelenwanderung einmal der Kantischen 
Philosophic anzuprobieren. [2043] 

Wegen Asclepii Versuche mit der Barometer-Rohre, das runde 
Kohasions-Glas mit Salzwasser zu bestreichen und so die Gewichte 
zu suchen bei den [en] es losreiBt. [2044] 

Ja den Ladungs-Versuch zu priifen, wo von Exzerpte p. 90 ge- 
redet wird NB. [2045] 




374 SUDELBUCHER 

Es verdiente doch untersucht zu werden, in wie fern der Druck der 
Atmosphare nichts dazu beitragt, die Glas- und andere Platten auf 
den Fliissigkeiten anhangen zu machen. S.Erx[leben]. IV- Ausgabe 
p. 139 am Rande. [2046] 

NB was ist der Hydraulische Ventilator, der in Mem. de la So- 
ciety de Lausanne T. III. beschrieben ist. sehr niitzlich bei Feuer? 
Castelli hat inn erfunden. [2047] 

Seltsamer Gedanke des Magellan, daB der Weinstein an den 
Zahnen ein Polypen-Gebaude sei. Goth. M [agazin] . II. 2. 27. [2048] 

Sollte es nicht eine Methode geben, die Oberflache der Korper 
etwa durch Abwiegen zu finden, so wie man ihre Soliditat finden 
kann? Ein[e] solche Erfindung ware sehr niitzlich. Vielleicht durch 
eine genaue Waage so z.E. beim Zinn: Man verfertige eine Kugel 
von einem Zoll und von 2 Zollen im Durchmesser, wiege sie 
genau, alsdann tauchte man sie in Baumol (NB bei eine[r] gewissen 
Temperatur) und lieBe alles ablaufen bis nichts mehr fallen wollte, 
und woge sie wieder so miiBten sich die Zunahmen-Gewichte wie 
die Quadrate der Durchmesser verhalten wenn alles gleichformig 
anhinge. Wiirde nun ein zinnerner Teller eben so behandelt, so 
konnte daraus seine Oberflache gefunden werden. Freilich konnte 
es bei winklichten Korpern sehr trugen, und man konnte nie von 
dem einen auf den andern schlieBen jeder Stein und jedes Metall 
muBte besonders untersucht werden (Weiter nachzudenken) [2049] 

Herr D- Chladni sagte mir, daB der Dampf der von frischen 
Blattern aufstiege, die man mit dem Brennglase verbrennte griin 
sei. [2050] 

Sollte sich nicht durch Chladni's Verfahren auf Glasplatten, 
mannichfaltig unterstutzt Buchstaben und Landschaften vorstellen 
lassen? [2051] 

So viel ich einsehe so ist der Beweis den Hemsterhuis von der 
Umdrehung der Planeten um die Axe angibt S. dessen Werke 
T. 2. S. 183 ganz falsch. Ich setze dieses hieher, damit ich die nahere 

Untersuchung nicht vergesse. [2052] 



HEFT J 2046-2060 375 

Sollte sich nicht das rote Pracipitat per se durch Elektrizitat ver- 
fertigen lassen. Auch sich durch Elektrizitat herstellen und dephlog. 
Luft erhalten lassen. [2053] 

Wenn groBe starke Leute Kinderstimmen haben, so weiB man 
von Anfang nicht ob sie oder jemand anders spricht. Ein solcher 
Mann soil des Silhouetteur Borns Schwager sein. [2054] 

< Wurkung der Gnade, vielleicht aber auch der Mondsucht) [2055 ] 

Durch das Bertholletsche Salz einmal den elektrischen Funken 
schlagen zu lassen. [2056] 

Wenn wir Magnet-Nadeln von solcher Empfindlichkeit hatten, 
daB wir in Gottingen merken konnten, wenn der groB[e] Magnet 
im Britischen Museo von London nach Oxford gebracht wiirde, 
so wiirden sie gar nicht stille stehen. Vielleicht ist der groBe Handel 
den Schweden mit Eisen treibt Ursache an der Abweichung unsrer 
Magnet-Nadeln. (Scherz) [2057] 

Wenn ich dephlog. Luft mit Salp.-Luft vermische, so entsteht 
Salpeter-Saure die fliissig ist, woher das Wasser? Wenn ich Schwefel 
in dephlog. Luft verbrenne so entsteht Vitriolsaure woher die 
Flussigkeit? [2058] 

Erst ein Jahr nach meiner groBen Krankheit fing ich an auch an 
der linken Seite alter zu werden. Was ich darunter verstehe ist mir 
sehr wohl bekannt und wird an einem andern Ort ausgefiihrt 
werden. [2059] 

Meine Luft-Pumpe lieBe sich leicht so einrichten, daB man ein[e] 
Blase durch Kompression der Luft im Vacuo zersprengen konnte. 
Es diirfte nur wenn A die gewohnliche OfFnung 
auf dem Teller ist bei B noch eine geoffnef wer- 
# \ den, die mit der Exantlations-Seite in Verbindung 
ist. Wiirde nun die durch Kompression zu zer- 
sprengende Blase aufgeschraubt so konnte tiber B 
und A zugleich ein Rezipient gestiirzt werden, so 
wiirde der durch B ausgeleert, wahrend durch A exantliert 
wird. [2060] 




37<$ SUDELBUCHER 

Man miiBte von dem Chemischen das Hyperchemische unter- 
scheiden. Garung ist wohl etwas Hyperchemisches so audi die Ver- 
anderungen die man in den Luftarten, durch das Wachsen der Pflan- 
zen usw. [her]vorgebracht hat. Was wir nicht wieder zusammen- 
setzen konnen, das zerlegen wir hyperchemisch. [2061] 

Das Argument gegen die antiphlog. Chemie, daB manche Eisen- 
kalche so schlecht vom Magneten gezogen werden verdient doch 
einige Aufmerksamkeit. Denn Beimischung sollte man denken 
konnte die Einwirkung nicht storen, aber wohl Zersetzung. [2062] 

IngenhouB (iiber die Pflanzen T. I. p. 121 der deutschen Aus- 
gabe) redet von einer Luft die er dephlog. nennt, die van 
Troostwyk gefunden haben soil, worin Tiere 8 bis 9mal langer 
leben, als in der gemeinen und diese kunstliche Luft kann keines- 
weges durch die Salpeter-Luft vermindert werden. Es soil in einer 
Preisschrift stehen die im 5— Bandeder Abhandlungfen] der Rot- 
terdamer Gesellschaft steht. Was ist das? und wie besteht dieses 
mit der neuen Chemie? [2063] 

Man bedenkt nicht was die Natur im GroBen zusammensetzen 
konne. So konnte Klipstein wohl Recht haben, daB in der See Salz 
bearbeitet wird. Unsere Chymie ist alles Feuer und Saure. Seitdem 
man sich des Wachstums der Pflanzen bedient hat hat man Luft- 
arten umgeandert. Die Sonnenstrahlen richten schon andere Sachen 
aus als unser Feuer. Die Leichen-Geschichte auf dem Kirchhofe des 
Innocens zu Paris, sie steht auch in Crells Annalen I2[— ] St. 1792. 
Die Veranderung in den tierischen Korpern. Man miiBte Dinge in 
die Erde vergraben. [2064] 

Unsere Erde besitzt eine Schwerkraft und eine magnetische. 
Erstere ist bei der ganzen Erde sehr merklich, in einzelnen Teilen 
verschwindet sie, letztere ist bei der ganzen Erde, die Erde als eins 
betrachtet geringe, allein bei manchen Teilen (dem Magneten) 
sehr stark. Man hat noch kein Mittel gefunden, die Schwerkraft in 
einzelnen Teilen zu verstarken. [2065] 

Die Menschen, die den luftleeren Raum fur einen leeren Raum 
halten, verfallen in den Fehler der gemeinen Leute, die von leeren 



HEFT J 2061-2073 377 

Trinkglasern und -geschirre sprechen. Eigentlich fehlen jene Ge- 
lehrte noch mehr, als die gemeine Leut, denn in der letzten Bedeu- 
tung [ist] leer ein bloB relativer BegrifF. [2066] 

Wenn wir ein magnetisches Fluidum hatten nur von der Dich- 
tigkeit wie die Luft, oder gar wie das Wasser das eigentlich von der 
iibrigen Erde nicht gezogen wiirde, so wiirde es Kugeln urn die 
Magnetische Pole bilden. Wie hangt das mit unserm Nordlicht zu- 
sammen? [2067] 

Ich sehe nicht ein warum die Sonne nicht gewisse Materie ab- 
stoBen konne die ein andrer Korper zieht, und daB so die Kometen- 
Schwanze entstehen konnen. [2068] 

Selbst die Salzgruben bei Bochnia und Wielitschka enthalten 
Versteinerungen. Hube Briefe. p. 56. [2069] 

Wenn du ein Buck oder eine Abhandlung gelesen hast t so sorge daftir 
dafi du es nicht umsonst gelesen haben magst; abstrahiere dir intmer etwas 
daraus zu deiner Besserung, zu deinem Unterricht oder fur deine Schrift- 
steller-Okonomie. [2070] 

La M&herie (Rozier Dec. 1792. p. 437) sagt mit Recht La question 
de la cause premiere de la matiere et du mouvement appartient a la 
haute PHitosoPHJE. Le Physicien sans remonter si loin voit la 
matiere exister, se mouvoir: il ne voit dans cet univers sensible que 
de la matiere en mouvement. Il recherche les loix du mouvement 
qui ont organise cette matiere pour en former Tunivers et le main- 
tenir dans Tetat ou nous Tappercevons. [2071] 

Einen Klotz der auf der Erde liegt und den ich gar nicht aufheben 
kann kann ich doch etwas heben, wenn er schwimmt, ob er glcich 
in beiden Fallen vollig von der Unterlage getragen wird. Im letzten 
Falle ist das Wasser sogleich erkenntlich gegen den Hebenden. 

[2072] 

Bei der Abnahme des Meerwassers ist mir ofters eingefallen, ob 
wohl die Wasser-Flache der Erde die regelma'Bige Form hatte, von 



37^ SUDELBUCHER 

der man so viel spricht. Zu Marseille stund das Wasser vor 2300 Jah- 
ren ohngefahr eben so hoch wie jetzt, wenigstens sagt man es, unter 
andern auch La Metherie gegen Deluc im Dezember-Stiick von 
Rozier fur 1792. An andern Orten hat die See abgenommen, oder 
viel mehr das Land zu. Das konnen atterissements sein, die See 
braucht deswegen gar nicht zuriick zu tretten. Allein wenn Forster 
sagt, daB in der Siidsee die Korallen hervor ragen, Gebaude von 
Tieren, die unmoglich in der Luft subsistieren konnen, so scheint es 
als wenn die See dort gesunken ware. Konnte dieses nicht aus Ver- 
anderungen herruhren, die mit denen von Abweichung der 
Magnet-Nadel Ahnlichkeit hatten. Bei einefr] Verriickung des 
eigentlichen Schwerpunkts der Erde, kann das Wasser nicht un- 
geandert bleiben, ob man gleich dieses an dem festen Lande so bald 
nicht bemerkt. Es konnte also gar wohl eine Veranderlichkeit der 
Hohe des Seewassers geben, so wie Veranderungen der Magnet- 
Nadel, ohne daB deswegen die Veranderungen allgemein von glei- 
cher GroBe waren. Zu vergleichen mit Mayer unten p. CXX. [2073 ] 

Konnte nicht das Leuchten der See auch etwas von Pickels Salz- 
prozeB sein, der Tartarus vitriolatus der sich ihm mit Licht auf- 
losete. [2074] 

Hat wohl irgend jemand bei Garungen Licht bemerkt? bei der 
faulen gewiB. [2075] 

Was haben wirgetan? 

Was tun wir jetzt? 

Was sollten wir nock tun ? [2076] 

Salz und Eis. Beide sind in Absicht auf die Warme in einerlei 
Zustand, letzteres aber jcder freien Warme offen um seinen Zustand 
zu verandern, da ersteres zwar ebenfalls jede freie Warme zulaBt, 
aber ihr nicht verstattet seinen Aggregat-Zustand zu verandern. 
Dieser Zutritt der Warme in sein Inneres muB auf andern Wegen 
erofrnet werden. Viele Salze schmelzen im Feuer und verschlucken 
da wieder Warme das andere ist ein kaltes Schmelzen, weil da Kry- 
stallisations -Wasser fliissig wird. Da es also Korper gibt, die das 
Wasser binden konnen, daB es nicht mehr fliissig ist, sollten nicht 



HEFT J 2073-2082 379 

auf eine ahnliche Weise Dampfe gebunden werden konnen, daB 
sie nicht mehr troprbar wiirden. [2077] 

Ware es nicht gut im Anfang unserer physischen Lehrbiicher das 
Allgemeine von unsern Sinnen beizubringen, wo die Ausdriicke 
von latent werden vorbereitet werden konnten. Auch daB wir 
Wiirkungen genug in der Natur antrefFen deren Ursachen nicht in 
die Sinne fallen Ursache der Schwere, die magnetische Materie. 
Man bedenke nur wenn wir keine Augen hatten, wodurch offen- 
barte sich uns das Licht. [2078] 

Hat man wohl schon das Wasser worin Fische gestorben sind, 
chemisch gepriift, denn sie sollen ja auch von Luft leben. [2079] 

Es ist wohl mehr als bloB wahrscheinlich, daB es sehr mannich- 
faltige Arten und Stufen von Zersetzung gibt so wie es sehr ver- 
schiedene von Bindung und Zusammenhang gibt. Was mich von 
alien chemischen Theorien abschreckt, ist, daB noch gar keine 
Grenze zwischen den gewohnlichen chemischen Operationen und 
den hyperchemischen der freien Natur fest gesetzt ist. Wie ent- 
stehen die unzahligen Pflanzen-Safte aus Regenwasser der Meer- 
rettig neben der Zucker-Wurzel? und so mit unzahligen andern. 
Sind das bloBe Zersetzungen des Wassers? Woher entstehen nun 
auch die festen Teile? Und wenn sich nun endlich aus Wasser Luft- 
arten bilden, wer will mir gut dafiir sein, daB dieses nicht durch 
hyperchymische Operationen geschieht. [2080] 

Was Herr Kliigel. (Priestley Gesch[ichte] der Optik und Gehlers 
Worterbuch. T. L p. 317) flir eine mit Brechung verbundne Beu- 
gung des Lichts halt ist gewiB bloB Brechung in dem 
an der obern Nadel aufsteigenden Wasser, wodurch 
auch Farben entstehen. Der Strahl ab wird bei b gegen 
das Auge zu gebrochen. [2081] 

Es ist doch merkwiirdig, daB der Doppelspat nicht doppelt 
reflektiert sollte wohl ein Korper moglich sein, der auf derselben 
Flache eine doppelte Reflexion verursachte? [2082] 




38O SUDELBUCHER 

DaB sich Nordlicht und Magnet so nalie an den Polen der Erde 
halten konnte doch wohl von der Sonne her kommen, die als die 
Erde noch weich war, manche Materie so disponieren konnte, wie 
Licht und Warme. So wie also Dunkelheit und Kalte nach den 
Polen getrieben werden so konnen auch andere Dinge nach den 
Polen getrieben worden sein die sich bei der Verhartung nicht wie- 
der zuriickziehen konnten. Das ewige Eis und der ewige Schnee 
zieht sich ja schon nach den Polen, konnten sich nicht mehrere 
Dinge eben so nach den Polen Ziehen, die der Sonne weichen miis- 
sen? [2083] 

Als Herr Pictet im Vacuo eine Thermometer-Kugel nur durch 
einige Zaserchen Baumwolle reiben lieB entstund eine groBe Hitze 
(sur le feu §. 160. p. 207.) er mutmaBet, daB hier El[ektrizitat], mit 
im Spiele sei §. 162. warum hat er nicht eine Thermometer-Kugel 
mit dunnem Metall belegt und gesehen ob da auch Warme durch 
Reiben entsteht. Dieses verdiente Untersuchung. [2084] 

<Wenn man annahme und annehmen konnte daB ein Licht ohne 
deswegen> [2085] 

Hat man wohl schon Versuche tiber die Beugung des einfarbigen 
Lichtes im Prisma angestellt? Wie verhalten sich z.B. die Schatten 
in das blau- und orangefarbene Licht pp gehaltener Korper? [2086] 

Beim Turmalin mich wiederum meiner virgulae divinatoriae 
eine[r] Pflaum-Federn zu bedienen, und so die Ubergange zwischen 
beiden Polen zu untersuchen. [2087] 

Der Gedanke von Abt Sextroh am 25 [— ] Marz 93 war nicht ubel 
eine Theorie des Sonnenscheins zu schreiben. [2088] 

Es konnte von Nutzen sein so wohl das Leitungs-Vermogen, als 
die spezifische Warme des Turmalins zu untersuchen. Ich konnte 
den meinigen in Zinn und Blei abgieBen lassen um Vergleichungen 
anzustellen. Mir kam es immer vor als wenn der Turmalin seine 
Hitze sehr lange hielte. [2089] 



HEFT J 2083-2098 381 

Wenn der WarmestofF eine elastische Fliissigkeit ist, so ist doch 
immer die Frage ob er nicht ebenfalls in eine zitternde Bewegung 
gesetzt werden kann, und was die Wirkung[en] dieser Vibration auf 
die Korper sind. [2090] 

Barneveld ein Hollander hat ebenfalls iiber die Zusammensetzung 
des Wassers nach Lavoisierschen Grundsatzen geschrieben. Es ist 
schon iibersetzt. [2091] 

surhydrogeni, surcarhonJ, surcaloriqui, surazotiqut. [2092] 

Nicht zu sagen Hypothese, noch weniger Theorie, sonder[n] 
Vorstellungs-Art. [2093] 

Ware es nicht moglich, daB die Lava erst zu gliihen anflnge wenn 
sie an die Luft kommt. Es kann eine erstaunliche Hitze entstehen 
ohne Glut, und alle Schmelzung kann ohne Glut vorgehen. [2094] 

Der Ring des Saturns konnte auch wie die Eisblatter in den zer- 
borstenen Bomben entstanden sein, durch die Ritze Berge mit 
groBer Gewalt hervor gebrochen. [2095] 

Alle die wider die Einwurkung des Feuers bei Formierung unserer 
Erdkruste geschrieben haben, disputieren meistens mehr gegen 
Brand als gegen Feuer. Die Wiirkung des Feuers kann aufs auBerste 
gehen, ohne diesen Brand. (S. von der Lava gegeniiber S, CXIX). 
In unserm Korper ist das Feuer immer wurksam ohne zu brennen. 

[2096] 

Etwas Zusammenhangendes iiber die Bilder zu schreiben, die 
man sich von Zahlen macht, und wie man die Raume abteilt. Auch 
ahnliche aufzusuchen. Vom Donner. [2097] 

Urn das Gewicht der Seele zu fmden schlug jemand vor einen 
Menschen auf der Waage sterben zu lassen. Die negative Schwere 
der Seele. Bei Tieren es zu versuchen, ob sie schwer[er] werden 
wenn sie verkalcht werden, vererdet. [2098] 



382 SUDELBUCHER 

Es ist ja noch eine Frage ob alle Materie gegen alle schwer ist, 
oder ob nicht die gleichnamigen sich anders ziehefn] als [die] ver- 
schiedenen. So konnten alle Korper schwer sein, weiljeder aus Teilen 
besteht,wovonjederwiederumVerwandtedurchdieganzeErdever- 
breitet enthalt. Wo aber eine groBe Masse gleichnamiger beisamme n 
ist konnten kleine Unterschiede wohl merklichwerden. So lieBe sich 
das Steigen und Fallen des Barometers erklaren, das von Verande- 
rungen innerhalb unsrer Erde abhangen konnte, die gegen die Pole 
zu haufiger sind als gegen den Aquator. Eine geringe Veranderung, 
die einen so ausgebreiteten Korper trifft als die Luft kann sich an 
einem besondern Korper sehr stark zeigen (das letztere paBt nicht 
sonderlich. [2099] 

T. Mayer hat in den Hannoverschen niitzl. Sammlungen 1756. 
iq[— ] St. die Erdbeben aus einer veranderten Richtung der Schwere 
erklart; dieses muB notwendig nachgelesen werden, verstiinde er 
es bloB von einem Verriicken des Schwerpunkts, so konnte es doch 
wohl mit der veranderten Abweichung der Magnet-Nadel zu- 
sammen hangen. Der Magnettsche Schwerpunkt der Erde verandert 
sich ja bestandig. Konnte es nicht ein inneres Nachrutschen der Erde 
sein. S. oben CXVII. Kol. I. [2100] 

Sollte wohl das Eisen inwendig gliihen? Es ist nicht sehr wahr- 
scheinlich. <Es gliiht gewiB nicht, weil es Schrott wird. NB.> 

[2101] 

Es ist doch merkwiirdig daB das Glas in dem Augenblick, da es 
das Licht nicht mehr durchlaBt (wenn es gliiht) die Elektr[izitat]. 
leitet. [2102] 

Konnte nicht aus der Undurchsichtigkeit des gliihendefn] Glases 
etwas gegen die Eul[ersche]. Theorie des Lichts hergeholt werden? 

[2103] 

Mehr Mittelpunkte aufzusuchen. [Einen] Mittelpunkt der magneti- 
schen Schwere habe ich schon. Einen Mittelpunkt der Warme gibt es 
wohl. Der Mittelpunkt der magnetischen Schwere wird verandert 
durch das Streichen. [2104] 



HEFT J 2099-21 1 1 383 

Durch Abspiegelung sehen wir die Oberflache der Korper durch 
Farbe einen Teil des Innern. [2105] 

Gewicht, Schwere und Tragheit geben uns einen Begriff von dem 
Innern der Korper. Es wird Muskel-Kraft verwendet. [2106] 

Man mufi alles auf seines eignen Selbsts Wetse und Erfahrung in der 
Welt verstehen lernen oder wenigstens zu verstehen suchen. Ko'mmt man 
auf Sdtze die allem von den weisesten Menschen Behaupteten wider- 
sprechen, so muJJ man aufsuchen woran dieses liegt und sich zu bessern 
oder die andern zu widerlegen suchen. t 2I °7] 

Ja bei erster Gelegenheit Versuche iiber das Aufsteigen der Salze 
in den Glasern worin sie aufgeloset sind anzustellen 1) mit ver- 
schiedenfen] Salzen und 2) an verschiedenfen] Korpern und 3) 
iiberhaupt mit der Tiefe der GefaBe und der Hohe der Solutionen 
in denselben sehr zu variieren. [2108] 

Argandsche Lampe im Lichtkegel des Sonnen-Mikroskops auch 
wegen Leitung der Warme. Steht schon oben CIII. Kol. 2 [2109] 

Einige sehr gute Bemerkungen iiber das, was die fairy rings 
eigentlich sind, stehen in Gren's Journal B. VII. p. 69. Sie sind von 
James Hutton. Es ist sehr schwer zu erklaren. Elektrizitat, Insekten 
und Schwamme konnen es nicht sein. DaB es erstere ist, davon sieht 
man gar keine Moglichkeit, und wo sich letztere finden, da bleibt 
es immer noch die Frage, ob Insekten und Schwamme nicht viel- 
mehr die Folge des Phanomens als die Ursache sind. Es wird nicht 
gesagt ob sich Kreisbogen abwarts an Hiigel ausbreiten, doch so 
etwas HerabflieBendes kann es auch nicht sein, weil man audi die 
Erscheinung wenigstens die fairy rings, wo ich nicht irre auf hori- 
zontalen Ebnen bemerkt hat. Es ist dieses ein Phanomen, das sehr 
viel Aufmerksamkeit verdient. [21 10] 

DaB nicht jede Glut eine Zersetzung der reinen Luft ist, sieht man 
an dem Glase, das zu Griinenplan unter dem Wasser gluhte, [21 1 1 ] 



SUDELBUCHER 



Sollte es nicht moglich scin den Quecksilber-Kalch im Vacuo zu 
reduzierefn]? Wenn der Retorten-Hals sehr lang ware so konnte 
, ~ man bei a einen Hahn anbringen und 
k£f die Luft heraus pumpen wahrend der 

Kalch darin ware. Wahrend des Auspumpens konnte Feuer unter 
der Retorte gehalten werden nicht zum Reduzieren sondern den 
Kalch fort zu gltihn und Dampfe aus zu jagen, und endlich der 
Hahn verschlossen. Ja es ware wohl gar moglich die Rohre noch 
bei b zuzuschmelzen, namlich sie dort in ein Feuer-Becke[n] zu 
bringen, zu schmelzen und dann durch Kneipen und Drehen 
zu verschlieBen. Es versteht sich von selbst, daB die Kugel der 
Retorte groB genug sein muBte, alle die zu entwickelnde Luft 
zu fassen. Vielleicht fande sich es da, daB so wie kein Quecksilber 
ohne Beitritt der Luft verkalcht, auch keins ohne denselben redu- 
ziert werden kann. [21 12] 

Jemand, der gar kein Gefiihl hatte, aber ehmals gegangen ware, 
wiirde gegen eine Mauer gehen, an derselben stehen bleiben und 
glauben er ginge weiter. Undurchdringlichkeit bleibt noch wenn 
die Tragheit auf Null abnimmt. Es ist ein Korper gedenkbar, der 
bloB nach der Richtung der Schwere widerstiinde. Wenn wir einem 
Korper Bewegung mitteilen so geht er ins Unendliche mit gleicher 
Geschwindigkeit in einer graden Linie fort, findet er einen Wider- 
stand so kann er zur Ruhe gebracht werden, und wird dieser 
Widerstand gehoben so ruht er dennoch fort. Wenn die Schwere 
einen Korper treibt und er findt einen Widerstand so ruht er eben- 
falls allein er bewegt sich wieder so bald dieser Widerstand gehoben 
wird. Die Schwere ist also eine Kraft die den Korper immer be- 
gleitet und auch im Zustand der Ruhe nie verlaBt. Wenn der Korper 
keine Tragheit hatte, so wiirde die Schwere ihn nicht beschleuni- 
gen konnen, oder eines Korpers der vom Monde herab fiele, Ge- 
schwindigkeit wiirde bloB zunehmen so wie das Quadrat der Ent- 
fernung abnimmt. Es wiirde also wenn ein Korper vom Monde 
herabfiele seine Geschwindigkeit zunehmen wie Cubi der Ent- 
fernung von der Erde (Dieser Satz laBt [sich] aus der Elementar- 
Geometrie erweisen durch Pyramiden-Stucke). Die Beschleunigung 
ist also eine Folge der Schwere verbunden mit der Tragheit, und ohne 
Tragheit ist nur alsdann Beschleunigung moglich wenn die Schwere 



HEFT J 2II2-2II8 385 

veranderlich ist . Wenn sich daher ein Korper im Kreise um einen 
anziehenden Punkt dreht, so wird er nicht beschleunigt, ob gleich 
die Schwere bestandig in ihr wiirkt. [2113] 

Bei meteorologischen Phanomenen, die sich des Nachts ereignen 
hat man nicht bloB auf die Abwesenheit der Warmc der Sonne zu 
sehen, sonder[n] auch des Lichtes, z.B. beim Tau. [21 14] 

Das Zerteilen des Terpentinols durch Spitzen [21 15] 

Es ware moglich daB in dem Licht viel Subjektives in unserer 
Erde ware, und daB wir die Sonne und Fixsterne nur sehen so lange 
wir mit unsrer Erde verbunden sind, und daB wir sie auBer unsrer 
Erde nicht sehen konnen. Es ist wohl gewiB daB die Erde selbst als 
ein Organ unsrer Seele angesehen werden kann und wir von man- 
chen Dingen iiber uns gar nichts wissen wiirden, wenn wir nicht 
auf unsrer Erdkugel waren. So wie man gewohnlich glaubt, daB ge- 
wisse AfFektionen der Materie, oder eine gewisse [ ?] erst zu Licht 
wiirden, wenn sie unsere Netzhaut trefFen, so konnten sie erst Licht 
werden, wenn sie unsere Erde trefFen. Die Luft ist freilich nicht, so 
eingeschrankt muB man die Idee nicht fassen. Ich setze solche Be- 
trachtungen bloB her um Bacon's Regel (S. oben p. 120) in Aus- 
iibung zu bringen Non arctandus est mundus pp. und dann was ich 
oben S. CII aus Baco angemerkt habe. Man muB ganz neue Wege 
versuchen, und nicht bloB die alten verbessern. [21 16] 

Wir haben 2 Worte fur Feuer und Elektrizitat, und glauben also 
auch daB beide in den Operationen der Natur getrennt sein. Wer 
hat denn je Feuer und Elektrizitat getrennt? Wir trennen sie bloB 
durch die Worte. Eben so spricht man in der Chymie bloB vom Zu- 
tritt der Luft mit der immer Wasser zutreten wird, wenn sie nicht 
wie Herrn Deluc's 14 Tage iiber gliihendem Kalch gestanden hat. 
Der Chemiker prapariert sich Wasser durch Destination, und Luft 
nicht. Es geht freilich nicht bei alien Prozessen an, allein es miiBte 
gesch[eh]en so bald man ausmachen will was und wieviel die Luft 
dabei tut. [2117] 

Man sollte in die Retorte iiber den Kalch allerlei Luftarten brin- 
gen, auch mit Olen sperren. [2118] 



386 SUDELBUCHER 

D- Girtanner fiihrt in seiner Chemie 3 1 Versuche an zu beweisen, 
daB das Ammoniak aus phlogistischer Luft und inflammabler oder 
eigentlich ihren Bestandteile[n] bestehe. Wie ist dieses mit meiner 
Meinung zu vereinigen, daB die Elektrizitat es als Elektrizitat trenne. 
Man muB sagen es sei die in ihm enthaltene Elektrizitat die es trenne, 
namlich die alien Korpern eingemengte. [21 19] 

Wenn der Demant, wie Herr Girtanner glaubt reiner Kohlenstoff 
ist, was sind andere Steine der Quarz? usw. [2120] 

Da die Warme wurklich reflektiert wird was wiirde geschehen 
wenn man eine Kohle in den Mittelpunkt einer hohlen metallenen 
polierten Kugel brachte, es brauchten auch nur einzelne Kugel-Stiicke 
zu sein, und um den Zutritt der Luft nicht auszuschlieBen konnten 
es Stiicke verschiedener Kugeln sein. f^^ \ 

V^./' [2121] 

Durch Herrn Prevost's Theorie vom Feuer (Gren's Journ. B. VI. 
p. 325) laBt sich vielleicht auch etwas Gutes fur das Gluhend-Schmie- 
den sagen. Z. E. Herr P. nimmt ein strahlendes und ein nicht strah- 
lendes Feuer an. Das erste geht frei durch die Korper durch, das 
andre wird durch die Korper aufgehalten und verliert etwas von 
seiner Bewegung. Setzen wir nun, daB durch das Schlagen von dem 
strahlenden Feuer ein Teil ausgetrieben wird, der aber augenblick- 
lich wiederkehrt, aber immer etwas aus dem benachbarten Korper 
mit sich herein reiBt das sich mit dem Korper selbst verbindt und 
nicht strahlend wird: so ware die Sache erklart. Man sahe auch ein 
warum in dem Pictetschen Versuch durch Reiben im Vacuo die 
Hitze so schnell anwuchs ob gleich nur mit Baumwolle gerieben 
wurde, weil das zuriickkehrende Feuer leichter etwas mitbringen 
konnte, als aus benachbarter Luft. Den Verlust des bloB strahlenden 
Feuers kann man nicht empfinden, indem es sich den Augenblick 
wieder aus der Nachbarschaft ersetzt. So ware also das Gliihend-Schmie- 
den wetter nkhts als eine Verwandlung von strahlendem Feuer in halbge- 
bundenes. Ich glaube diese Vorstellungs-Art ist sehr befriedigend. 

[2122] 

Es ist eine Frage, ob nicht durch das vorhergehende strahlende 
und nicht strahlende Feuer allerlei bei Elektrizitat und Verkalchung 



HEFT J 2II9-2I29 387 

erklart werden kann? Im allgemeinen dadurch, daB etwas was alle 
Korper, oder was sonst Korper frei durchstromt nunmehr ange- 
halten wird. Dieses ist wohl zu iiberlegen und andern Phanomenen 
anzupassen. [2123] 

Prevosts Theorie vom Feuer auch der Leitung desselben anzu- 
passen. [2124] 

Pictets Versuch mit der Reflexion der Kalte hierbei erklart Pre- 
vost sehr gliicklich (Gren's Journal. B.VI. p. 333) [2125] 

<Kurze Darstellung des Gluhend-Schmiedens, Wenn Eisen oder 
gesch> [2126] 

Entstehung der Warme durch Reiben: Wenn ein Korper ge- 
rieben wird, so wird er durch diese Erschiitterung einen Teil des 
strahlenden Feuers aus der Luft aufnehmen und in nicht strahlendes 
verwandeln das sich dann in der Luft augenblicklich wieder her- 
stellt, und bei fortgesetztem Reiben von neuem aufgenommen 
wird. Dieser Mechanismus ist freilich verborgen, aber nicht um ein 
Haar wunderbarer, als der den wir beim Elektrisieren bemerken, 
nur konnen wir nicht negativ warm machen beim Reiben weil 
wir die Warme nicht abschlieBen konnen, wie dieElektrizitat. [2127] 

Sollte nicht iiberhaupt alle innere Erhitzung bei chemischen 
Prozessen so entstehen konnen daB sie in einen Zustand geraten 
worin das gehemmte Feuer frei wird oder daB es einen Teil des 
strahlend[en] in sich aufhimmt und in den Zustand der Hemmung 
versetzt? Es ist dieses freilich weiter nichts als eine anders gewandte 
Vorstellungs-Art von der Kapazitat. Man kann aber bei dieser 
schweren Sache sich die Vorstellungs-Arten nicht genug erleich- 
tern, um endlich zu einer vollig genug tuenden zu gelangen. [2128] 

In Herrn Gren's Journal. (B[and] VI. p. 331) redet Herr Prevost 
in der Note von einem Gesetz, das Herr Lesage berechnet habe: 
Man sehe die Stelle nach. Es sei A die Menge Feuers in einem 
Wurfel; B im andern. A' bedeute die Menge im ersten nach Ver- 
lust einer Sekund[e]; B' die im 2— nach eben der Zeit. Eben A" 



388 SUDELBUCHER 

und B" die nach der 2— so ist wetin man den Exponenten des Ober- 

g^gs = T6 setzt 

A = A B =B 

A' =foA+^B B' =f B +iA 

A*^&A'4-£B' B'^B' + iA' 

und uberhaupt 

A n = A A"" 1 + i B- 1 ; B n = & B"" 1 + i A"" 1 

oder wenn der Exponent des Tausches = —■ ware 

A -A B -B 

A' = ^A + £B; B' =fitS2B +£A 

A* - ^ A' + £ B'; B" = &=2 B' + £ A' 

A W -^A" + -£-B"; B*-^iB* + £ A* 

oder iiber nach N Sekund[en] 

AN = ki) A s-i + _l b h-i. B n = fcii b n-i + i a n-i 

wo N kein Exponent einer Potenz sondern bloB die Ordnung der 
Operation andeutet driickt man in diesen Formeln alles durch 
simple A und B aus so erhalt man z.B. fiir A* 

(n-i)» + 3 • (n-i) a , 3-(n-i)«+i . x> 
n» ^ ^ n» ^ 

fiir A IV 

(n-i)' + 6-(n-i)' + i a , 4'(n-i)'t4-(n-i) p 
_ ^ ^ _ ^, 

Hier fallt in die Augen, daB die Glieder des Zahlers die Glieder 
der Potenz 3 und 4 von (n — 1) -f 1 sind, deren ungracle Glieder in 
A und grade in B multipliziert sind, und deren Nenner die eben so 
vielte Potenz von n ist. Man sieht leicht, daB B* und B IV gefunden 
wird, wenn man in die obigen Ausdrucke statt A und B, B und A 
setzt. Allein wenn man ein A hat, so kann man das ihm korrespon- 
dierende B noch leichter linden; denn weil per hypothfesin]. der 
eine Wiirfel grade die Warme verliert die der andere erhalt so ist 
A + B = A' + B' = A N + B N , oder die Dichtigkeit des einen 
ist immer gleich der Summe beider minus der andern. Man darf 
also zum Beispiel in Herrn Lesage's Ex. das gefundne A N in Dezi- 
mal-Briichen ausgedruckt nur jedesmal von 3 abziehn so findet 



HEFT J 2I29-2I3I 389 

sich B N . Rechnet man so : so findet man andere Resultat[e]. Ich finde 
sie so : 



A = 1 




B =2 


A' = 1,1 




B' = 1,9 


A" = 1,18 




B" - 1,82 


A w =1,244 




B* =1,756 


A IV = 1,2952 




B IV = 1,7048 


A v = 1,33616 




B v = 1,66384 


A VI = 1,367928 




B VI = 1,632072 


A vn = 1,3951424 




B vn - 1,6048576 


Hier ist 






A = 1 




B =2 


A' — A — -jq 




B -B' -£ 


A " A ' 8 

A — A — jQi 




B' -B* «£ 


A" -A" =£ 




. 


A™ -A"' = £, 






A — A — JqS 




. 


a VI a V 86 






A VII A VI 8" 

A - A = — 7 




B iv _ B vn = » 


folglich zu beiden Seiten addierl 


■ 8 ° 4- 8 ° 

" 10° "*" IO° 


a VII _ _ , 1 ,8 ,8" 
A ~ z + To + io* + io* 


^ 10* 


, 8* , 8« , 8« 

~T" 10 s ~"~ IO 8 "T" IO 7 



auf dieses sehr einfache Gesetz fiihrt endlich diese Betrachtung. 
Hieraus sieht man daB Herr Lesage sich entweder die Sache anders 
gedacht, oder verrechnet haben muB, denn er findet fur A vn : B vn 
= 5:6 und ich = 1,39 . . : 1 ,60 . . . welches ohngefahr — 6:8 ist. 

[2129] 

Selbst die Undurchdringlichkeit der Korper wurden wir nicht 
kennen, wenn sie nicht trag waren. Sie wurden vor dem Licht 
fliehen, und nach jeder Hypothese ware Reflexion des Lichts un- 
moglich [2130] 

Die festen [Korper] scheinen iiberhaupt mit Krafte[n] versehen 
zu sein, die vielleicht unzahlichen subtilen Fliissigkeitfen], in ihrem 
freien Strom zu gewissen Absichten in etwas bald mehr bald weni- 



390 SUDELBUCHER 

ger zu hemmen und zu andern Zwecken aufzuhalten. Feuerwesen, 
LichtstofF oder Ursache der Hellheit, elektrische Materie und die 
magnetische konnen wir gleichsam als allgegenwartig ansehen. 
Ein Teil bewegt sich sehr frei und sucht bestandig wenigstens das 
Gleichgewicht des freien herzustellen. Durch das Hammern wird 
die eben zu der Zeit in dem Korper befmdliche freie strahlende 
Warme gehemmt und sie schleicht nur langsam nach der Grenze, 
wo sie wieder zum Teil zu stralilen anfangt, wahrend diese so lang- 
sam fort geht ist demohngeachtet sogleich eine Menge frei srrah- 
lender wieder in dem Korper da, wenn das Schlagen aufhort. [21 3 1 ] 

Hauptsachlich miiBte man das Wasser iiber allerlei Erden ver- 
suchen. Eigentlich die Dampfe. Ein GefaB etwa wie dieses 




A ware das GefaB von Ton mit 2 Halsen an dem einen wiirde das 
GefaB B zum Wasser-Kochen angesetzt, und an dem andern Rohr 
die Dampfe unter die Glocke zu leiten, in A kamen die Erden ins 
Feuer weiB gliihend. Hier kommen sie freilich nur wenig in Be- 

riihrung. Vielleicht ware also ein grades 

^ ^ ^cx Rohr MN in welches die Erde groblich 

yy v\ gestoBen gebracht wiirde [besser geeig- 

{ ^ net]. Auch miiBte man alle Luftarten 

mit allerlei Erden versuchen, vielleicht 
erfande man neue Luftarten oder setzte die alten um. Dieses wiirde 
eine herrliche Reihe von Versuchen geben. Auch Kohlen statt der 
Erden. Eine gewisse Luft mehr als einmal durch dieselben gegliih- 
ten Erden gehen lassen, usw. NB. NB. t 2I 3 2 l 

Jeder Mensch der stocktaub ist, miiBte seine Ohren der Anatomie 
vermachen. [2133] 

Man tadelt gewohnlich die Phlogistiker, daB sie unter sich nicht 
eins sind, der eine dies, der andere das unter Phlogiston versteht, und 
daB sie folglich selbst nicht einmal wissen was sie wollen. Man zieht 



HEFT J 2131-2138 39I 

daraus sogar ein Argument wider die Existenz des Phlogistons. Ich 
glaube aber man konnte das Argument grade umkehren und sagen 
eben deswegen, weil es so vielerlei Meinungen gibt, die doch 
wenigstens a lie darin uberein kommen, daB auBer Feuer und Luft 
noch etwas da sein musse, so ist es sehr wahrscheinlich, daB so etwas 
da ist. Wenigstens hat man ahnliche Schliisse aus dem allgemeinen 
Glauben an einen Gott oder an eine Seele gezogen. (Selbst daB die 
Menschen Gotzen anbeten beweist einen Gott. [2134] 

Soil der Versuch mit der gebogen[en] Pfeife und phlog. Luft 
noch einmal angestellt werden, so ware notwendig folgendes zu 
beobachten. Die Pfeife miiBte vorher genau gewogen werden und 
das Wasser genau geschatzt. Z.E. Man nahme in die Schiissel genau 
2 Quartier Bouteillen voll, und aus diesem fiillte man in die Retorte 
und sahe ob am Ende Wasser fehlte und dieses mit der Luft ver- 
glichen, und dann ist noch hauptsachlich auf eine kleine gebogene 
Ansatz-Rohre zu denken. [2135] 

Ich glaube wenn man recht darauf dachte Einrichtungen zu tref- 
fen gliihend heiBe Dampfe iiber gluhenden Braunstein gliihenden 
Quecksilber-Kalch gehen zu lassen so wiirde man dephlog. Luft 
erhalten. [2136] 

Zu untersuchen wie lange sich wohl ein sehr schwerer Korper, 
der an einem dunnen und langen Seil aufgehangt ist, riickwarts und 
vorwarts dreht, wenn [man] ihn einmal so lange nach einer Seite 
gedreht hat als es angeht ohne daB das Seil Schlingen formiert. 
Die Bombe ware wohl dazu der beste Korper zumal wenn sie 
noch inwendig mit etwas beschwert wiirde. Am 16— April 1793 sah 
ich dem Dachziegel an Poppens Hause zu, der drehte sich wenig- 
stens vier Stunden ohne daB ich sonderliche Abnahme bemerken 
konnte. [2137] 

Einmal mein gauzes Cabinet mit der Frage durchzugehen: wozu kann 
dieses Instrument aujer seiner eigentlichen Bestimmung sonst noch ge- 
braucht werden. Ich glaube dafi ich dadurch manches sparen ko'nnen werde. 
Z.B. zu Kempelens Maschine konnten die Lampen des Pyrometers recht 
gut geniitzt werden. Die Kugeln von Pockholz bei elektrischen 



392 SUDELBUCHER 

Versuchen. Dieses kann eine gute Beschaftigung bei schlaflosen 
Nachten werden. [2138] 

Fewer meine ganze Sammlung auch eintnal mit den Fragen durch- 
zugehn 1) wie liefte sich diese Maschine bequemer einrichten ohne aus 
dem Genus heraus zugehen? und 2) konnte man dieses nicht besser aus- 
richten auf einem ganz andern Wege? 3) Gibt es nicht in einem ganz 
andem Fache der Physik [etwas] wo ein ahnliches Instrument von Nut- 
zen sein konnte. [2139] 

Es ware vielleicht gut kleine Konduktoren (bei groBen ware es zu 
miihsam.) hohl zu machen und mit heiBem oder warmem Ol an- 
zufullen, oder auch beim Reibzeuge etwas anzubringen wie der 
Stahl beim Biigel-Eisen. Ein gewisser Grad von Warme ist der 
El[ektrizitat], auBerordentlichgiinstig. Es muB aber Warme sein die 
bloB der Maschine und ihren Teilen eigen ist; die andere taugt 
nicht. [2140] 

Ei[nen] Goldstreifen iiber weiBes Glas zu legen und den oben 
darauf mit Wachs (Jungfern-Wachs) zu bestreichen und so den 
Schlag durch gehn zu lassen, was da werden wird. Verkalchung 
schwerlich. Eben so mit sehr feinem Eisen-Draht, der diirfte nur 
mit Wachs iiberzogen werden NB. [2141] 

Seidene Wachsstricke so wie man Wachstaft hat zum Isolieren 
NB. [2142] 

Eine Mischung von 1 Teil SpieBglanz und 2 Teilen Eisen mit 
einer neuen Feile in einem Schraubstock gefeilt gibt gluhenden Feil- 
staub nach Reaumur. [2143] 

Herr Wilcke rieb einmal Federkiele an einander und sie wurden 
beide +E mir ist nicht bekannt, daB jemand etwas Ahnliches er- 
fahren hatte. Wenn es indessen eine Verschiedenheit in den Kapa- 
zkaten fur Elfektrizitat], gibt, so ware doch ein soldier Fall moglich. 
Auch wenn die Luft disponiert wiirde ihren natiirlichen Vorrat 
beiden mitzuteilen, so wie etwa beide Korper die aneinander gerie- 
ben werden warm werden. [2144] 



HEFT J 2138-2149 393 

Wasser mit Sagespanen zu elektrisieren wegen der inneren Be- 
wegung. Ol und auBen am Glase Funken zu Ziehen. [2145] 

Wenn wir sehen, daB die Pflanzen aus einem Wasser olichte Teile 
Salze und Erde Ziehen, so (ibersieht man die Luft, und was diese ent- 
halt. Wer will leugnen, daB aus dieser die Pflanzen ihre Erden neh- 
men konnen man denke nur an die Kiesel-Erde in der FluBspat- 
Luft. So scheint mir auch der Einatmungs-ProzeB viel zu simpel er- 
klart. Sollte nicht die Luft auch zu andern Zwecke[n] zersetzt wer- 
den. [2 1 46 J 

Der Philosoph kann mit seiner Annahme von Materien nicht be- 
hutsam genug verfahren. Was wir durch Materien und zwar durch 
Flussigkeiten erklaren konnte weiter nichts sein als transszendentale 
Affinitaten. DaB ich einen Korper sehe und er meinc Substanz 
anredet, und das aus einer groBern Entfernung wenn die Sonne uber 
dem Horizont ist, ist erhohte Affinitat. Mein Gefiihl redet die Kugel 
im Dunkeln noch an. Denn wie Gegenstande auBer mir mein Er- 
kenntnis-Vermogen affizieren weiB ich nicht. Es sind Eigenschaf- 
t[en] der Gegenstande auBer unswodurch sieim Stande sind unsere 
empfindende Substanz zu modifizieren, DaB das Gefiihl dieser 
Modifikationen nicht die Dinge selbst sind ist wohl sehr klar. Die 
Erschiitterung der Luft wird erst Schall, wo ein Ohr ist. Nach diesem 
waren unsere Sinne weiter nichts als die Werkzeuge wodurch Affi- 
nitaten der Korper in uns zu Vorstellungen werden konnen. [2147] 

Philosophic ist immer Scheidekunst man mag die Sache wendeii 
wie man will. Der Bauer gebraucht alle die Satze der abstraktesten 
Philosophic nur eingewickelt, versteckt, gebunden, latent, wie der 
Physiker und Chemiker sagt ; der Philosoph gibt uns die reinen Satze 

[2148] 

In die gewohnliche Physik gehoren wie mich diinkt auBer den 
Betrachtungen der allgemeinsten Eigenschaften der Korper als 
Ausdehnung, Tragheit pp auch die die sehr vielen zukommen. 
Flussigkeit, so wohl die tropfbare, als elastische. Zunachst miiBte 
notwendig bei der anziehenden Kraft der Korper von der Ver- 
wandtschaft gehandelt werden, auch von der Atzbarkeit von der 



394 SUDELBUCHER 

Macquer so vortrefflich handelt Auflosung, Schmelzung Vapori- 
sation Aerisation. [2149] 

Wenn ich das Reibzeug elektrisieren will, so miiBte wohl der 
Konduktor dazu etwas lang sein, um den schmerzhaften Funken 
hervorzubringen. Hierbei an dieDrachenschnur zu gedenken [21 50] 

Die Verwandtschaft der Korper sind in einer zusammengesetzten 
Verhaltnis der Leichtigkeit womit sie sich vereinigen und der 
Schwierigkeit womit sie nach geschehner Vereinigung [sich] wie- 
der trennen lassen. [21 51] 

Am 20— April sab ich eine weiBe Taube vor einige[n] dunkeln 

Giebeln a, b, c vorbeifliegen, die 
irt "*-^5\- V.V^/t . h. \ gegen den hellen Hirmnel d, e, 

* f stunden, sie nahm den Weg 
m n, es war artig anzusehn in d, e und f war sie schwarz und in a, 
b, c weiB. Ich setze dieses bloB als ein vielleicht brauchbares Beispiel 
von einer sehr bekannten Sache her. [2152] 

Es konnte wohl gegen die Zitterer beim Feuer geniitzt werden, 
daB sich Geriiche so sehr schnell verbreiten. Wenn des Winters in 
einem groBen Zimmer beim Ofen etwas stark Riechendes ge- 
brannt, z.B. Siegellack angestrichen wird, so spurt man den Ge- 
ruch sehr bald an dem entferntesten Fenster, zumal wenn es drauBen 
etwas kalt ist. DaB man es alsdann dort eher verspurt, als in der 
Warme ist nur ein Beweis daB die Warme das fluidum deferens ist, 
das die Geriiche dort eher verlaBt. Wie kann aber eine Erschiitterung 
Geruchteilchen fort stoBen? Ich glaube aus diesem Satz lieBe sich 
etwas machen! Wenigstens dient er mit im Gliede. [2153] 

Wir sehen in der Natur nicht Worter sondern immer nur An- 
fangsbuchstaben von Wortern, und wenn wir alsdann lesen wollen, 
so finden wir, daB die neuen sogenannten Worter wiederum bloB 
Anfangsbuchstaben, von andern sind [2154] 

Der Versuch mit dem Frosche sollte uns doch aufmerksamer auf 
die Natur der Belegungen an den Leidenschen Flaschen machen. 



HEFT J 2149-2159 395 

Z.E. Mit Stanniol belegen und mit Silber losschlagen oder mit 
Silber auf einer und Zinn auf der andern Seite zu belegen usw. 
Zink und Silber sind die besten. [2155] 

Denselben glasernen Trichter erst mit Wasser, dann mit Wein- 
geist, dann Quecksilber usw. zu fiillen und die Zeiten zu bemerken 
in welchen sie auslaufen. Alles bei einer Temperatur, alsdann auch 
bei hoheren Temperaturen. [2156] 

Den gliihend heiBen Dampf im Dunkeln in das kalte auch in 
heiBes Wasser steigen zu lassen, wegen des Leuchtens. [2157] 

Die Schwere reguliert das Weltgebaude im GroBen. Auch ist es 
nicht wahrscheinlich, daB auf unsrer Erde die Schwere mehr tut, 
als daB sie Ordnung im ganzen halt, (alles kugelt) daB nichts ent- 
gehen kann. Sie ist f iir die Erdkugel und das System im GroBen das, 
was bei unsern Operationen mit Fliissigkeiten die Gefafie sind. Sie 
ist das Ge£aB das zusammen halt. Die Affinitaten und die Wahlan- 
ziehungen sind die Ursachen [aller] iibrigen Formen diesichinsUn- 
endliche ziehn. [2158] 

Am 25 [— ] April 93 waren die Herren D- Moser aus Mainz und 
Creve aus Koblenz bei mir, wo wir einige Versuche nach Galvani's 
Art anstellten was ich gesehen habe, war auBer dem hinlanglich Be- 
kannten folgendes: Der Crural-Nerve mit Stanniol belegt wurde 
so auf eine silberne Medaille gelegt, daB auch der Nerve die Medaille 
beriihrte, so wie nun nur die Belegung beriihrt wurde, es sei nun ge- 
wesen was es wolle, so erfolgte allemal Zuckung. Hier ist also kein 
Erschiitterungs-Kreis vom Nerven zum Muskel und doch erfolgten 
Zuckungen. 2) wurde an diese Belegung eine geriebne Stange 
Siegellack gebracht, so daB sich ein Zipfel der Belegung so gar nach 
dem Siegellack durch elektrische Anziehung hinbog so erfolgten 
keine Zuckungen wurde aber mit den Siegellack-Stangen selbst, 
auch ohne sie gerieben zu haben, die Belegung beriihrt, so erfolgten 
sogleich Zuckungen. Mich dtinkt aus diesen beiden Satzen erhellt 
mit groBer Wahrscheinlichkeit, daB keine Elfektrizitat], da im Spiel 
sei. 3) wurde der andere Crural-Nerve auch auf die Medaille gelegt, 
doch ohne Belegung. Wurde nun die Belegung des ersten beriihrt, 
so zuckte der andre Schenkel auch mit. Dieses ist sehr merkwurdig. 



39*5 SUDELBUCHER 

4) wurde der Frosch mit dem belegten Crural-Nerven auf Queck- 
silber geworfen, wenn nur die Belegung beriihrt wurde, so erfolg- 
ten Zuckungen, die anfangs starker schienen, als die sonst bewiirkte, 
vielleicht aber bloB deswegen, weil der Frosch auf Quecksilber 
schwamm und also die Friktion den Zuckungen weniger Hindernis 
in den Weg legte. Endlich wurden auch die Versuche im luftleeren 
Raume angestellt und alles ging eben so wie vorher von statten. 

5) wurde die silberne Medaille erwarmt und kein Unterschied be- 
funden 6) wurde das Bennetsche Elektrometer mit seinen fast an- 
liegenden Blattchen in den so genannten Erschiitterungs-Kreis ge- 
bracht, aber nicht die mindste Bewegung bemerkt. 7) Stellten wir 
folgenden Versuch an der wenn er eine weitere Prufung aushalt 
sehr merkwurdig ist. Der belegte Nerve wurde so abgeschnitten, 
daB noch ein Endchen aus der Belegung hervorstand, wurde nun 
die Belegung mit der Pinzette gefaBt, und der Stump gegen das 
Ende gebracht, an dem es gesessen hatte, docb so, daB die Belegung 
und der Nerve auch die Medaille beriihrten, so erfolgten Zuckun- 
gen. Ich ersuchte Herrn D- Creve ein belegtes Stiick Nerve von 
einem andern Frosch zu nehmen und eben so zu verfahren und es 
erfolgten keine Zuckungen, auch Brachialnerven von demselben 
Frosche brachten keine hervor, so bald aber der Nerve wieder ge- 
nommen wurde, der an dem Ende gesessen hatte, gleich waren die 
Zuckungen wieder da. Doch ist sehr zu wiinschen, daB dieser Ver- 
such noch oft wiederholt wird, weil doch leicht Fallaciae unter- 
laufen konnten, indem die Zuckungen nie sehr stark waren, da, wo 
sie erfolgten. 8) ward der Nerve gebunden, so erfolgten keine 
Zuckungen wenn der Nerve die Medaille zwischen der Belegung 
und dem Knoten beruhrte. Beriihrte aber der Nerve die Munz[e] 
jenseit des Knotens nach dem Muskel zu, so erfolgten sie wieder, 
wenn anders der Versuch ohne alle Widerrede gewiB ist, welches 
nur allein eine Menge von Erfahrungen [wird] bestimmen kon- 
nen. So ist auch dieser Versuch sehr merkwurdig. So viel scheint 
mir gewiB, daB wenn diese Erscheinungen elektrisch sind, so sind 
sie sehr sonderbar und wurden eben so neue Aufschliisse iiber die 
El[ektrizitat]. geben, als iiber die Bewegung der Muskeln. [2159] 

Bei meinen Versuchen iiber die Leitung der Warme hauptsach- 
lich auch zu versuchen was eine diinne Schicht von anderm 



HEFT J 2159-2166 397 

Metall tut z.E. um die Blei-Kugel Stanniol gelegt, und Blei um 
die zinnerne Kugel. [2160] 

Wegen der Frosch-Versuche muBte auf alle Weise gepriift wer- 
den in was fiir Verhal[t]nissen Zinn und Silber stehen, auch Blei. 
Es gibt Zinnbaume, Bleibaume, Silberbaume. Das Knallsilber 
nicht zu vergessen. [2 1 6 1 ] 

Dienen auch Blei- und Zinnkalche zu Belegungen bei der Frosch- 
historie? [2162] 

Es ware doch moglich, daB alien Korpern ein Grad von Elektrizi- 
tat anhinge, den keines unsrer Instrumente angibt, die Nerven der 
Tiere ausgenommen. So etwas ist die Erklarung des Herrn Reil, 
aber groBe Schwierigkeit hat denn doch immer der Versuch mit 
dem bloBen Beriihren. [2163] 

Wie hangt meine Terpentinolgeschichte (Verdampfung gegen 
die Nadel) hiermit zusammen, auch das Gefrieren des uberkalten 
Wassers durch Erschutterung einer gewissen Art? D- Blagden. Ich 
rede hier von den Versuchen mit Froschen. [2164] 

Man muBte bei den Froschen die Belegung auch mit allerlei 
frischen Blattern versuchen auch statt der silbernen Medaille Blatter 
pp gebrauchen. Sensitiva mimosa pudica [2165] 

Sollte wohl bei der Warme etwas Ahnliches mit dem Lichte auch 
darin sein, daB die Korper z.B. die das Licht am starksten brechen, 
es auch am starksten zuriickwerfen. Z. E. die die Warme am stark- 
sten leiten, [sind die,] die sie in meinen Versuchen am starksten 
reflektieren. Auf ein solches Gesetz muB ich zu kommen suchen. 

[2166] 

Lat. Seite Zahlen geschlossen 
den 26. Apr. 1793. 



K 

1793-1796 



HEFT K 22-28 401 

Allgemeine Bemerkungen 



Ich habe die Hypochondrie studiert, mich so recht darauf gelegt. 

[22] 

Meine Hypochondrie ist eigentlich eine Fertigkeit aus jedem 
Vorfalle des Lebens, er mag Namen haben wie er will, die groBt- 
mogliche Quantitat Gift zu eigenem Gebrauch auszusaugen. [23 ] 

Ich merkte zuerst mein eintretendes Alter an der Abnahme des 
Gedachtnisses, die ich bald mit dem Mangel an Ubung desselben 
entschuldigte, bald als Folgen des eintretenden Alters beklagte. 
Solche Wellen von Furcht und Hoffnung habe ich all mein Leben- 
lang verspurt. [24] 

Ein groBer Fehler bei meinem Studieren in der Jugend war, daB 
ich den Plan zum Gebaude zu groB anlegte. Die Folge war, daB ich 
die obere Etage nicht ausbauen konnte, ja ich konnte nicht einmal 
das Dach zubringen. Am Ende sah ich mich genotigt, mich mit ein 
paar Dachstiibchen zu begniigen, die ich so ziemlich ausbaute, aber 
verhindern konnte ich doch nicht, daB es mir bei schlimmem Wetter 
nicht hinein regnete. So geht es gar manchen! [25] 

Der Procrastinateur: der Aufschieber, ein Thema zu einem Lust- 
spiel, das ware etwas fur mich zu bearbeiten. Aufschieben war mein 
groBter Fehler von jeher ! [26] 

Ich lese die Psalmen Davids sehr gern: ich sehe daraus, daB es 
einem solchen Manne zuweilen eben so urns Herz war wie mir, und 
wenn ich sehe, daB er nach seinem grofien Leiden wieder fur Er- 
rettung dankt; so denke ich, vielleicht kommt die Zeit, daB auch 
du fur Errettung danken kannst Es ist gewiB ein Trost, zu schen, 
daB es einem groBen Manne in einer hohern Lage nicht besser zu 
Mute war, als einem selbst, und daB man doch nach Tausenden von 
Jahren von ihm spricht und sich an ihm trostet. [27] 

Ich hatte in meinen Universitatsjahren viel zu viel Freiheit, und 
leider etwas iiberspannte BegriiFe von meinen Fahigkeiten, und 



402 SUDELBUCHER 

schob daher immer auf, und das war mein Verderben. In denjahren 
1763 bis 1765 hatte ich miissen angehalten werden, taglich wenig- 
stens sechs Stunden, die schwersten und ernsthaftesten Dinge zu 
treiben (hohere Geometrie, Mechanik und Integralrechnung), so 
hatte ich es weit bringen konnen. Auf einen Schriftsteller habe ich 
nie studiert, sondern bloB gelesen, was mir gefiel, und behalten, 
was sich meinem Gedachtnis, gleichsam ohne mein Zutun, wenig- 
stens ohne eine bestimmte Absicht, eingedriickt hat. Weil ich aber 
dennoch eine gewisse Selbstbeobachtung uber mich ausgeubt habe, 
so kann ich vielleicht in der kurzen Zeit, die ich noch zu leben habe, 
dadurch niitzlich werden, daB ich lebhaft und mit Kraft andern 
sage, was sie nicht tun miissen. [28] 

O ! ich erinnere mich noch sehr wohl, wie ich beim Aufgange der 
Sonne empfinden sollte und wollte, und nichts empfand, aber mit 
dem Kopfe bald gegen diese bald gegen die andre Schulter gesenkt 
und mit blinzenden Augen zuweilen vieles von Empfindung sprach, 
und damit nicht bloB andere, sondern sogar mich selbst betrog. 
Aber jene Empfindung kam erst in spatern Jahren und vorziiglich 
stark von 1790 an, da ich die Sonne ofter aufgehen sah. Vorziiglich 
waren verstorbene Freunde, zumal die letztverstorbenen, und meine 
Frau und Kinder der Gegenstand, den mein Herz jetzt umfaBte. Ich 
habe oft Tranen geweint, und bin niedergekniet, Konnte ich doch 
meinen Entschliissen mehr Dauer geben! Allein es ist gewiB kor- 
perliche Schwache daran Schuld, Leichtsinn gewiB nicht, ob es mich 
gleich sehr schmerzt, daB die Welt vermutlich das einer Wankel- 
mutigkeit im Charakter zuschreibt, was doch bloB Kranklichkeit 
ist. [29] 

Wenn ich doch Kanale in meinem Kopfe ziehen konnte, um den 
inlandischen Handel zwischen meinem Gedankenvorrate zu be- 
fordern! Aber da liegen sie zu Hunderten, ohne einander zu niitzen. 

[30] 

Meine bestandige Vergleichung der Jahre eines Schriftstellers, 
dessen Leben ich lese, mit den meinigen, die ich schon in meiner 
Jugend machte, ist ganz menschliche Natur. [3 1 1 



HEFT K 28-39 403 

Ich bin auBerordentlich empfindlich gegen alles Getose, allein es 
verliert ganz seinen widrigen Eindruck, sobald es mit einem ver- 
niinftigen Zwecke verbunden ist. [32] 

Wenn ich ehedem in meinem Kopfe nach Gedanken oder Ein- 
f alien fischte, so fing ich immer etwas; jetzt kommen die Fische 
nicht mehr so. Sie fangen an sich auf dem Grunde zu versteinern, 
und ich muB sie heraushauen, Zuweilen bekomme ich sie auch nur 
stiickweise heraus, wie die Versteinerungen vom Monte Bolca, 
und flicke daraus etwas zusammen. [33] 

Man klagt so sehr bei jedem Schmerz und freut sich so selten, 
wenn man keine fiihlt. Unter die letzte Klasse von Menschen gehore 
ich nicht. Wenn ich so ganz keinen Schmerz fuhle, was zuweilen 
der Fall ist, wenn ich mich zu Bette lege, da habe ich diese Gliick- 
seligkeit so ganz empfunden, daB ich Freudentranen geweint habe, 
und dieser stille Dank gegen meinen giitigen Schopfer machte 
mich noch ruhiger. O ! wer so sterben konnte ! [34] 

Ich verspreche dem Publikum ihm kiinftig nichts mehr zu ver- 
sprechen (sehr wahr und richtig nach meiner korper lichen und 
vielleicht auch geistigen Anlage). [35] 

Es war eine drollige Idee von — , sich einen so dicken Kerl zu 
denken, der mit der einen Seite unter dem Pol und mit der andern 
unter dem Aquator ware. Ein trauriges Leben ! Aber ich habe doch 
wirklich bei eiskalten FiiBen zuweilen oben geschwitzt. [36] 

Ich bin mehrmal wegen begangener Fehler getadelt worden, die 
mein Tadler nicht Kraft oder Witz genug hatte, zu begehen. [37] 

Ehemals zeichnete mein Kopf (mein Gehirn) alles auf, was ich 
horte und sah, jetzt schreibt er nicht mehr auf, sondern tiberlaBt es 
Mir. Wer ist dieser Ich ? bin ich und der Schreiber nicht einerlei ? [38] 

Ich habe oft mit Bemerkungen gegeizt, ich meine, immer aufs 
Kiinftige damit gespart, ohne sie jemals gern auszugeben. Es konnte 
sein, daB manche auf diese Weise gar nicht ans Licht kamen. [39] 



404 SUDELBUCHER 

L. war im Herzen gut, nur hat er sich nicht immer die Miihe ge- 
nommen, es zu scheinen. Mein groBter Fehler, der Grund von 
allem meinen VerdruB. [40] 

Die Erinnerung an meine Mutter und ihre Tugend ist bei mir 
gleichsam zum Cordial geworden, das ich immer mit dem besten 
Erfolg nehme, wenn ich irgend zum Bosen wankend werde. [41 ] 

Ich konnte mich ehemals so sehr auf eine Nachtleiche freuen, daB 
ich den Tag iiber das wenige Geld, was ich hatte, aus Vergniigen in 
Zuckerware vertat. [42] 

Ich habe, seit meiner Krankheit 1789, die erbarmenswiirdige 
Fertigkeit erlangt, aus allem, was ich sehe und hore, Gift^wr mich 
selhst, nicht fiir andere zu saugen. Es ist als ob das Drusensystem 
meines moralischen Wesens, wodurch bei gliicklich organisierten 
Menschen Ruhe, Nutzen und Vergniigen aus allem gezogen wird, 
ganz die entgegengesetzte Form angenommen hatte, so wie wenn 
bei Windmiihlen der Wind plotzlich von hinten kommt, und alles 
zerstort. Wie ist da zu helfen? Wie kann man sich gewohnen, in 
allem nur das Beste zu sehen, aus allem etwas Gutes zu vermuten, 
immer zu hofFen und selten zu furchten, freilich versteht sichs, 
auch immer so zu handeln, daB man Ursache hat, mehr zu hofFen, 
als zu furchten? [43] 

Wenn ich zuweilen in einem meiner alten Gedankenbiicher 
einen guten Gedanken von mir lese, so wundere ich mich, wie er 
mir und meinem System so fremd hat werden konnen, und freue 
mich nun so dariiber, wie iiber einen Gedanken eines meiner Vor- 
fahren. [44] 

Euler sagt in seinen Briefen iiber verschiectene Gegenstdnde aus der 
Naturlehre (2. Band, S. 228.), es wiirde eben so gut donnern und 
blitzen, wenn auch kein Mensch vorhanden ware, den der Blitz 
erschlagen konnte. Es ist ein gar gewohnlicher Ausdruck, ich muB 
aber gestehen, daB es mir nie leicht gewesen ist, ihn ganz zu fassen. 
Mir kommt es immer vor, als wenn der Begriff sein etwas von 
unserm Denken Erborgtes ware, und wenn es keine empfindenden 



HEFT K 40-51 405 

und denkenden Geschopfe mehr gibt, so ist auch nichts mehr. So 
einfaltig dieses klingt, und so sehr ich verlacht werden wiirde, 
wenn ich so etwas offentlich sagte, so halte ich doch so etwas mut- 
mafien zu konnen fur einen der groBten Vorziige, eigentlich fiir eine 
der sonderbarsten Einrichtungen des menschlichen Geistes. Dieses 
hangt wieder mit meiner Seelenwanderung zusammen. Ich denke, 
oder eigentlich, ich empfinde hierbei sehr viel, das ich nicht auszu- 
driicken im Stande bin. weil es nicht gewohnlich menschlich ist, und 
daher unsere Sprache nicht dafur gemacht ist. Gott gebe, daB es 
mich nicht einmal verruckt macht. So viel merke ich, wenn ich 
daruber schreiben wollte, so wiirde mich die Welt fiir einen Narren 
halten, und deswegen schweige ich. Es ist auch nicht zum Sprechen, 
so wenig als die Flecken auf meinem Tisch zum Abspielen auf der 
Geige. [45] 

Nichts schmerzt mich mehr, bei allem meinem Tun und Lassen, 
als daB ich die Welt so ansehen muB, wie der gemeine Mann, da ich 
doch szientifisch weiB, daB er sie falsch ansieht. [46] 

Wo Vorsorge unmitz war, da hatte ich sie ; wo sie aber hatte niitz- 
lich sein konnen, trat der Leichtsinn ein: kommt Zeit t kommt Rat, 
dachte ich, und tat nichts - ein Charakter, der sehr viel gemeiner ist, 
als man glaubt. [47] 

Am 10. Oktober 1793 schickte ich meiner lieben Frau aus dem 
Garten eine kiinstliche Blume aus abgefallenen bunten Herbst- 
blattern. Es sollte mich in meinem jetzigen Zustande darstellen; ich 
lieB es aber nicht dabei sagen. [48] 

Wenn auch meine Philosophic nicht hinreicht, etwas Neues aus- 
zufinden, so hat sie doch Herz genug, das langst Geglaubte fiir un- 
ausgemacht zu halten. [49] 

Ach! das waren noch gute Zeiten, da ich noch alles glaubte, was 
ich horte. [50] 

O wie oft habe ich der Nacht gebeichtet, in der Hoffnung, daB 
sie mich absolvieren wiirde, und sie hat mich nicht absolviert! [51] 



406 SUDELBUCHER 

Ich habe ofFenbar bei dem grobern Druck meines Hogarths ge- 
fuhlt (wiewohl dunkel), daB das biBchen Geist nicht im Stande ist, 
so vieler Masse Leben zu geben, man sage was man wolle; es ist 
wahr. Man sollte die Bucher immer desto kleiner drucken lassen, 
je weniger Geist sie enthalten. [52] 

Ich bin schon deswegen zu einem Zensor ungeschickt, weil fur 
mich jede Handschrift, etwa meine eigene ausgenommen, eine 
Art von Obersetzung in eine Sprache ist, der ich wenigstens nicht 
bis zur Leichtigkeit machtig bin ; und so etwas zerstreut immer. [53 ] 

Ich kann den Gedanken nicht los werden, daB ich gestorhen war, 
ehe ich geboren wurde, und durch den Tod wieder in jenen Zu- 
stand zuruckkehre. Es ist ein Gliick in mancher Riicksicht, daB 
diese Vorstellung nicht zur Deutlichkeit gebracht werden kann. 
Wenn auch der Mensch jenes Geheimnis der Natur erraten kann, 
so ware es doch sehr gegen ihr Interesse, wenn er es beweisen konnte. 
Sterben und wieder lebendig werden mit Erinnerung seiner vori- 
gen Existenz, nennen wir ohnmachtig gewesen sein; wieder er- 
wachen mit andern Organen, die erst wieder gebildet werden miis- 
sen, heiBt geboren werden. [54] 

Nichts macht schneller alt, als der immer vorschwebende Ge- 
danke, daB man alter wird. Ich verspiire dieses recht an mir; es ge- 
hort mit zum Giftsaugen. [55] 

Wenn es ein Werk von etwa zehn Folianten gabe, worin in nicht 
allzu groBen Kapiteln jedes etwas Neues, zumal von der spekula- 
tiven Art, enthielte; wovon jedes etwas zu denken gabe, und immer 
neue Aufschliisse und Erweiterungen darbote: so glaube ich, 
konnte ich nach einem solchen Werke auf den Knien nach Hamburg 
rutschen, wenn ich iiberzeugt ware, daB mir nachher Gesundheit 
und Leben genug iibrig bliebe, es mit MuBe durchzulesen. [56] 

Es geht mir mit meiner Gesundheit wie den Mullern zuweilen 
mit dem Wasser: ich muB immer, wenigstens zwei Tage in der 
Woche, im Freien sammeln, um die ubrigen funfe mahlen zu 
konnen. [57] 



HEFT K 52-64 407 

Ich muB zuweilen, wie ein Talglicht geputzt werden, sonst fange 
ich an dunkel zu brennen. [58] 

Was bei anderen Ehen im Ernst geschieht, das ahmen wir (ich 
und meine Frau) aus Scherz nach. Wir zanken uns formlich im 
Scherz, wo dann jeder so viel Witz zeigt, als er auftreiben kann. 
Dieses tun wir, um der Ehe ihr Recht zu lassen. Wir feuern blind, 
um, wenn einer von uns sich je wieder verheiraten sollte, nicht aus 
der Obung zu kommen. [59] 

Es ist mir in meinemLeben so viel unverdienteEhreangetan wor- 
den, daB ich mir wohl einmal etwas unverdiente Blame kann ge- 
fallen lassen. [60] 

Das groBte Gliick in der Welt, um welches ich den Himmel 
taglich anflehe, ist : daB nur verstandige und tugendhafte Menschen 
mir an Kraften und Kenntnissen iiberlegen sein mogen. [61] 

»Ich glaube« - so sollte man alles anfangen, was man durch eignes 
Nachdenken herausbringt, und was nicht ein Gegenstand der 
Rechnung ist. Ich glaube, daB mancher Kopf mehr tun konnte, als 
er tut, weil er sich einmal darein ergeben hat, daB es ihm an Fahig- 
keiten fehlt. Andere, die viel Neues gesehen haben, haben vielleicht 
nicht mehr Fahigkeiten, aber mehr Industrie. Daher kann man 
einem jeden Philosophen den Spruch nicht genug empfehlen: 
»Seid munter und wachet!« [62] 

Es ist zum Erstaunen, was fiir mannichfaltige Stufen von Beleh- 
rung uns unsere Einrichtung gewahrt, von der unerklarlichsten 
Ahnung bis zu den deutlichsten Einsichten des Verstandes. Es ist 
eine meiner Lieblingsbeschaftigungen, sie zu analysieren. Fast jeder 
Uberlegung geht ein gewisses bestimmendes Gefiihl vorher, das 
bei gliicklichen GemutsbeschafFenheiten selten triigt, und das der 
Verstand nachher nur gleichsam ratifiziert. Die Tiere werden viel- 
leicht bloB durch solche Ahnungen geleitet. [63] 

Vielleicht konnte man sich die Sache so vorstellen: Wir besitzen 
ein Vermogen, Eindrucke zu empfangen, das ist unsere Sinnlichkeit. 



408 SUDELBUCHER 

Durch diese werden wir uns der Veranderungen bewufit, die in uns 
vorgehen; die Ursachen dieser Veranderungen nennen wir Gegen- 
stande. Diese Gegenstande sind wir selbst nicht allein. Wir bemer- 
ken Veranderungen, Eindriicke in uns, wovon wir auch den Grund 
in uns selbst suchen, weil wir uns bewuBt sind, daB sie von uns ab- 
hangen, oder in uns sind. So sind wir uns des jedesmaligen Zu- 
standes unserer Seele bewuBt. Dieses Vermogen ist der innere Sinn, 
Wo ich also sage, das geht in mix vor, so erfahre ich dieses durch den 
innern Sinn. Gefiihl der Aufmerksamkeit, Spontaneitat. Hier sind 
wir selbst Gegenstand und Beobachter, Objekt und Subjekt. 

Allein nun gibt es auch Eindriicke, wovon wir mit nicht zu iiber- 
waltigender Uberzeugung empfinden, daB wir bloB empfangendes 
Subjekt, aber nichts weniger als Objekt sind. Vielleicht ware es 
genug, hier zu sagen, jene Gegenstande waren praeter nos, etwas 
von uns Verschiedenes - das, sollte man denken, ware das einzige, 
was wir empfinden konnten. DaB sich aber dieses praeter nos in ein 
extra nos verwandelt, daB wir damit Entfernung von uns im Raume 
verbinden, und damit verbinden miissen, das scheint das notwendige 
Erfordernis unserer Natur zu sein. Da diese Vorstellung Notwendig- 
keit mit sich fuhrt, so kann sie nicht von der Erfahrung herriihren, 
derm kein Erfahrungssatz impliziert Notwendigkeit. Ja, wir miissen 
uns sogar den Raum unendlich denken. Wie konnen wir so etwas 
erfahren? Das ist unmoglich. Ich glaube also, daB, wenn irgend ein 
Satz von aller Erfahrung unabhangig ist, so ist es der von der Aus- 
dehnung der Korper. 

Hier entsteht denn aber doch die Frage (und ich kann nicht sagen, 
ob man darauf geantwortet hat) : wenn den Korpern objektive 
Realitat verstattet wird, und ihnen Eigenschaften zukommen, so 
ware doch unter unzahligen Fallen auch der moglich, daB sie die- 
jenigen hatten, die wir ihnen unserer Natur nach beilegen miissen, 
nicht weil sie sie haben, sondern weil unter den unzahligen mog- 
lichen Formen der Anschauung doch auch diese Ubereinstimmung 
moglich ware. Dieses ware auch eine harmonia praestabilita. Allein 
hier ist wieder eine Frage, ob eine solche Frage zu tun verstattet ist? 
ob ein Objekt das sein kann, was es einem andern zu sein scheint? 
Diese ganze Frage ist schon wieder Anthropomorphismus. Denn 
wie empfindende und denkende Wesen von Objekten auBer ihnen 
affiziert werden konnen, wissen wir ja nicht, und konnen es nicht 



HEFT K 64-^6 409 

wissen. In dieser Lage der Dinge ist es das Kliigste, was wir tun kon- 
nen, bei uns stehen zu bleiben, unsere Modifikationen zu betrach- 
ten, und uns um die Beschaffenheit der Dinge an sich gar nicht zu 
bektimmern. 

So wie es nun mit dem Raume fiir die so genannten auBern 
Gegenstande ist, so ist es mit der Zeit fiir die Gegenstande des innern 
Sinnes. Veranderungen in uns selbst schauen wir an unter der Form 
von Dauer, Folge, Gleichzeitigkeit usw. [64] 

Was das Studium einer tiefen Philosophic so sehr erschwert, ist, 
daB man im gemeinen Leben eine Menge von Dingen fiir so natiir- 
lich und leicht halt, daB man glaubt, es ware gar nicht moglich, daB 
es anders sein konnte ; und doch muB man wissen, daB man solcher 
vermeintlichen Kleinigkeiten groBte Wichtigkeit erst einsehen 
muB, um das eigentlich so genannte Schwere zu erklaren. Wenn ich 
sage : dieser Stein ist hart - also erst den Begriff Stein, der mehreren 
Dingen zukommt, diesem Individuo beilege; alsdann von Harte 
rede, und nun gar das Hartsein mit dem Stein verbinde - so ist dieses 
ein solches Wunder von Operation, daB es eine Frage ist, ob bei 
Verfertigung manches Buches so viel angewandt wird. »Aber sind 
das nicht Subtilitaten? braucht man das zu wissen? « - Was das erste 
anbetrirTt, so sind es keine Subtilitaten, denn gerade an diesen simpeln 
Fallen miissen wir die Operationen des Verstandes kennen lernen. 
Wollen wir dieses erst bei dem Zusammengesetzten tun, so ist alle 
Miihe vergebens. Diese leichten Dinge schwer zu fmden, verrat 
keine geringen Fortschritte in der Philosophic - Was aber das an- 
dere anbetrifft, so antworte ich: Nein! man braucht es nicht zu wis- 
sen; aber man braucht auch kein Philosoph zu sein. [65] 

Die wenigsten Menschen haben wohl recht iiber den Wert des 
Nichtseins gehorig nachgedacht. Unter Nichtsein nach dem Tode 
stelle ich mir den Zustand vor, in dem ich mich befand, ehe ich ge- 
boren ward. Es ist eigentlich nicht Apathie, denn die kann noch ge- 
fiihlt werden, sondern es ist gar nichts. Gerate ich in diesen Zustand 
- wiewohl hier die Worter ich und Zustand gar nicht mehr passen; 
es ist, glaube ich, etwas, das dem ewigen Leben vollig das Gleich- 
gewicht halt. Sein und Nichtsein stehen einander, wenn von emp- 
fmdenden Wesen die Rede ist, nicht entgegen, sondern Nichtsein 



410 SUDELBUCHER 

und hochste Gliickseligkeit. Ich glaube, man befindet sich gleich 
wohl, in welchem von beiden Zustanden man ist. Sein und ab- 
warten, seiner Vernunft gemaB handeln, ist unsere Pflicht, da wir 
das Ganze nicht ubersehen. [66] 

Was sehr seltsam ist, bleibt selten lange unerklart. Das Uner- 
klarliche ist gewohnlich nicht mehr seltsam, und ist es vielleicht nie 
gewesen. [67] 

Verstand faBt Theorie sehr gut; Judicium entscheidet iiber die 
Anwendung. Daran fehlt es sehr vielen Menschen, und ofters den 
groBten Gelehrten und Theoretikern am meisten. [68] 

Schon vor vielen Jahren habe ich gedacht, daB unsere Welt das 
Werk eines untergeordneten Wesens sein konne, und noch kann 
ich von dem Gedanken nicht zuriickkommen. Es ist eine Torheit 
zu glauben, es ware keine Welt moglich, worin keine Krankheit, 
kein Schmerz und kein Tod ware. Denkt man sich ja doch den 
Himmel so. Von Prufungszeit, von allmahliger Ausbildung zu 
reden, heiBt sehr menschlich von Gott denken und ist bloBes Ge- 
schwatz. Warum sollte es nicht Stufen von Geistern bis zu Gott hin- 
auf geben, und unsere Welt das Werk von einem sein konnen, der 
die Sache noch nicht recht verstand, ein Versuche ich meine unser 
Sonnensystem, oder unser ganzer Nebelstern, der mit der Milch- 
straBe aufhort. Vielleicht sind die Nebelsterne, die Herschel ge- 
sehen hat, nichts als eingelieferte Probestiicke, oder solche, an denen 
noch gearbeitet wird. Wenn ich Krieg, Hunger, Armut und Pesti- 
lenz betrachte, so kann ich unmoglich glauben, daB alles das Werk 
eines hochst weisen Wesens sei ; oder es muB einen von ihm unab- 
hangigen StorTgefunden haben, von welchem es einigermaBen be- 
schrankt wurde; so daB dieses nur respektive die beste Welt ware, 
wie auch schon haufig gelehrt worden ist. [69] 

Wenn man die Natur als Lehrerin, und die armen Menschen als 
Zuhorer betrachtet, so ist man geneigt, einer ganz sonderbaren 
Idee vom menschlichen Geschlechte Raum zu geben. Wir sitzen 
allesamt in einem Collegio, haben die Prinzipien, die notig sind, es 
zu verstehen und zu fassen, horchen aber immer mehr auf die 



HEFT K 66-74 411 

Plaudereien unserer Mitschuler, als auf den Vortrag der Lehrerin. 
Oder wenn ja einer neben uns etwas nachschreibt, so spicken wir 
von ihm, stehlen, was er selbst vielleicht undeutlich horte, und ver- 
mehren es mit unsern eigenen orthographischen und Meinungs- 
fehlern. [70] 

Es gibt fur jeden Grad des Wissens gangbare Satze, von denen man 
nicht merkt, daB sie iiber dem Unbegreif lichen, ohne weitere Unter- 
stiitzung, auf bloBem Glauben schweben. Man hat sie, ohne zu wis- 
sen, woher die Sicherheit kommt, mit der man ihnen traut. Der 
Philosoph hat dergleichen so gut, wie der Mann, der da glaubt, das 
Wasser flieBe deswegen immer bergab, weil es unmoglich ware, 
daB es bergauf fliefien konne. [71 ] 

Mit den Prarogativen der Schonheit und der Gluckseligkeit hat es 
eine ganz verschiedene Bewandtnis. Um die Vorteile der Schon- 
heit in der Welt zu genieBen, miissen andere Leute glauben, daB man 
schon sei ; bei der Gluckseligkeit aber ist das gar nicht notig ; es ist 
vollkommen hinreichend, daB man es selbst glaubt. [72] 

Sollte es nicht eine fallacia causae sein, oder wenigstens viel davon 
mit unterlaufen, wenn man von dem Nutzen der christlichen Reli- 
gion mit so vielem Enthusiasmus spricht? Sollten es nicht die guten 
Menschen sein, die die Religion verehren; anstatt daB die Religion 
die guten Menschen macht? Sie werden Anhanger und Verteidiger 
der Religion, weil sie ihre Grundsatze predigt. So viel ist wohl 
gewiB, daB nicht leicht ein schlechter Mensch sich viel um Religion 
bekummern wird. [73 ] 

Eine der groBten Stiitzen fur die Kantische Philosophic ist die 
gewifi wahre Betrachtung, daB wir ja auch so gut etwas sind, als die 
Gegenstande auBer uns. Wenn also etwas auf uns wirkt so hangt 
die Wirkung nicht allein von dem wirkenden Dinge, sondern auch 
von dem ab, auf welches gewirkt wird. Beide sind, wie bei dem 
StoB, tatig und leidend zugleich; denn es ist unmoglich, daB ein 
Wesen die Einwirkungen eines andern empfangen kann, ohne daB 
die Hauptwirkung gemischt erscheine. Ich sollte denken, eine bloBe 
tabula rasa ist in dem Sinne unmoglich, denn durch jede Einwirkung 



412 SUDELBUCHER 

wird das einwirkende Ding modifiziert, und das, was ihm abgeht, 
geht dem andern zu, und umgekehrt. [74] 

Mit dem Nutritionsgeschaft der Seele sieht es sehr betriibt aus : 
da gibt es Offhungen genug, Nahrung einzunehmen, aber es fehlt 
an GefaBen, das Gute abzusondern, und hauptsachlich an primis viis, 
den unniitzen Unrat dem groBen Ganzen der Bucherwelt wieder 
zuzufuhren, und in den Kreislauf zu bringen. [75] 

Wir werden uns gewisser Vorstellungen bewuBt, die nicht von 
uns abhangen; andere glauben, wir wenigstens hingen von uns ab; 
wo ist die Grenze? Wir kennen nur allein die Existenz unserer Emp- 
fhidungen, Vorstellungen und Gedanken. Es denkt, sollte man sagen, 
so wie man sagt: es blitzt. Zu sagen cogito, ist schon zu viel, so bald 
man es durch Ich denke iibersetzt. Das Ich anzunehmen, zu postu- 
lieren, ist praktisches Bedurfhis. [76] 

Was heiBt mit Kantischem Geist denken? Ich glaube, es heiBt, die 
Verhaltnisse unsers Wesens, es sei nun was es wolle, gegen die Dinge, 
die wir aufier uns nennen, ausfindig machen; das heiBt, die Verhalt- 
nisse des Subjektiven gegen das Objektive bestimmen. Dieses ist 
freilich immer der Zweck aller grundlichen Naturforscher gewesen, 
allein die Frage ist, ob sie es je so wahrhaft philosophisch angefangen 
haben, als Herr Kant. Man hat das, was doch schon subjektiv ist und 
sein muB, fur objektiv gehalten. [77] 

Ich entschuldige immer das Theorisieren, es ist ein Trieb der 
Seele, der nutzen kann, sobald wir einmal hinreichende Erfahrung 
haben. So konnten alle unsere jetzigen theorisierenden Torheiten 
Triebe sein, die erst kiinftig ihre Anwendung finden. [78] 

In der Vernunft ist der Mensch, in den Leidenschaften Gott. Ich 
glaube, Pope hat schon so etwas gesagt. [79] 

Ist es nicht sonderbar, daB der Glaube starker werden kann als 
die Vernunft? Und ist es nicht die Frage, welches von beiden mehr 
Recht auf dieLeitung unserer Handlungen hat, da sie dieselben gleich 
stark leiten, wo sie zu herrschen anfangen? [80] 



HEFT K 74-86 413 

Mit dem Fortschreiten der Menschheit zu groBerer Vollkom- 
menheit sieht es traurig aus, wenn man die Analogie alles dessen, 
was lebt, zu Rate zieht. [81] 

In altern Jahren nichts mehr lernen konnen, hangt mit dem in 
altern Jahren sich nicht mehr befehlen lassen wollen zusammen, und 
zwar sehr genau. [82] 

Es ist gar nicht abzusehen, wie weit sich Anthropomorphismus 
erstrecken kann, das Wort in seinem groBten Umfange genom- 
men. Es rachen sich Leute an einem Toden; Gebeine werden aus- 
gegraben und verunehrt ; man hat Mitleiden mit leblosen Dingen 
- so beklagte jemand eine Hausuhr, wenn sie einmal in der Kalte 
stehen blieb. Dieses Ubertragen unserer Empfindungen auf andere 
herrscht iiberall, unter so mannichfaltiger Gestalt, daB es nicht 
immer leicht ist, es zu unterscheiden. Vielleicht ist das ganze 
Pronomen der andere solchen Ursprungs. [83] 

Worin mag der Grund der sonderbaren Erscheinung liegen, die 
ich so oft bemerkt habe, daB man mit jemanden im Traume von 
einem Dritten spricht, und wenn man erwacht, findet, daB der ver- 
meinte Dritte gerade der Mann war, mit dem man auch gesprochen 
hat? Ist es vielleicht bloBe Form des Erwachens, oder worin liegt 
der Grund? [84] 

Da man im Traume so oft seine eigenen Einwurfe fur die eines 
andern halt, z.B. wenn man mit jemanden disputiert, so wunderts 
mich nur, daB dieses nicht ofters im Wachen geschieht. Der Zu- 
stand des Wachens scheint also hauptsachlich darin zu liegen, daB 
man das in uns und aufier uns scharf und konventionsmaBig unter- 
scheidet. [85] 

Warum kann man sich den Schlaf nicht abgewohnen? Man sollte 
denken, da die wichtigsten Verrichtungen des Lebens ununter- 
brochen fortgehen, und die Werkzeuge, wodurch sie geschehen, 
nie ruhen und schlafen, wie das Herz, die Eingeweide, die lympha- 
tischen GefaBe; so ware es auch nicht notig, daB man uberhaupt 
schlafe. Also die Werkzeuge, welche die Seele als solche am meisten 



414 SUDELBUCHER 

zu ihren Verrichtungen notig hat, werden in ihrer Tatigkeit unter- 
brochen. Ich mochte wohl wissen, ob der Schlaf je in dieser Riick- 
sicht betrachtet worden ist. Warum schlaft der Mensch? Der Schlaf 
scheint mir mehr ein Ausruhen der Gedankenwerkzeuge zu sein. 
Wenn ein Mensch sich korperlich gar nicht angriffe, sondern nur 
nach seiner grofiten Gemachlichkeit seinen Geschaften folgte, so 
wiirde er doch am Ende schlafrig werden. Dieses ist wenigstens ein 
ofFenbares Zeichen, daB beim Wachen mehr ausgegeben, als ein- 
genommen wird; und dieser UberschuB laBt sich, wie alle Erfah- 
rung lehrt, im Wachen nicht ersetzen. Was ist das? Was ist der 
Mensch im Schlaf? Er ist eine bloBe Pflanze; und also muB das 
Meisterstiick der Schopfung zuweilen eine Pflanze werden, um 
einige Stunden am Tage das Meisterstiick der Schopfung reprasen- 
tieren zu konnen. Hat wohl jemand den Schlaf als einen Zustand 
betrachtet, der uns mit den Pflanzen verbindet? Die Geschichte ent- 
halt nur Erzahlungen von wachenden Menschen; sollten die von 
schlafenden minder wichtig sein? Der Mensch tut freilich alsdann 
wenig, aber gerade da hatte der wachende Psychologe am meisten 
zu tun. 

Die Nerven spitzen sich gegen das Ende zu, und machen das aus, 
was wir sinnliche Werkzeuge nennen. Es sind die Enden, die nach 
auBen stehen, und die Eindriicke der Welt empfangen. Diese sind 
vermutlich ohne unser Wissen beschaftigt, und bestandig wach. Es 
gibt also bei dem Menschen, von der Spitze der Nervenfasern an 
nach innen zu gerechnet, eine Schicht, die bestandig in Arbeit ist, 
und vermutlich, wahrend sie in Arbeit ist, der Seele BegrifFe zuzu- 
fiihren, nicht auch in Arbeit sein kann, sich selbst zu erhalten und 
das Verlorne zu ersetzen. Diese Teile ruhen also in dem Zeitraume 
des Ersatzes. Wir scheinen nur zu fiihlen, wenn wir wirken, nicht 
wenn wir fiir die Wirkung sammeln. Was wir dann empfinden, ist 
vielleicht bloB Empfinden des Wohlbefindens. Es wird nicht zu Ge- 
danken, es ist bloB Gefiihl von Starke, oder doch Gemachlichkeit. 

Unsere ganze Geschichte ist bloB Geschichte des wachenden 
Menschen; an die Geschichte des schlafenden hat noch niemand ge- 
dacht. Die Gedankenwerkzeuge scheinen am leichtesten zu er- 
miiden zu sein ; es sind die feinsten Spitzen. Daher denkt der Mensch 
im gesunden Schlaf gar nicht. Ich wiederhole es noch einmal : Ge- 
brauch und Ersatz scheinen einander in den feinsten Spitzen ent- 



HEFT K 86-93 4-15 

gegen zu wirken; wo Ersatz der Nerven bereitet wird, findet keine 
Empfindung Statt. Diejenigen Teile, die mehr nach innen liegen, 
sind bloB zur Erhaltung, nicht zum Empfangen und zur Gegenwir- 
kung. So lieBe sich die Notwendigkeit eines Schlafes a priori de- 
monstrieren. Feine Teile, die durch grobere ersetzt werden miissen, 
konnen ihren Dienst nicht leisten, wahrend sie in Ausbesserung be- 
grifFen sind. [86] 

Die sichere Oberzeugung, da6 man konnte, wenn man wollte, 
ist Ursache an manches guten Kopfes Untatigkeit, und das nicht 
ohne Grund. [87] 

Mangel an Kraft sich zu verteidigen geht bei dem Schwachen in 
Klage liber. Man kann dieses an den Kindern sehen, wenn sie von 
groBeren Kindern unrecht behandelt werden, aber der stille Trotz- 
kopf ist allemal der Beste. [88] 

Man kann nicht sicherer zeigen, daB ein gewisser Charakter der 
wahre von einem sei, als wenn man zeigt, daB das Gegenteil jeder- 
mann lachen machen wiirde. [89] 

Um vergniigt oder vielmehr lustig in der Welt zu sein, wird nur er- 
fordert, daB man alles nur fliichtig ansieht; so wie man nachdenken- 
der wird, wird man auch ernsthafter. [90] 

DaB man manchen auBerordentlichen Mann, von dem man ge- 
hort hat, geringer zu finden glaubt, wenn man ihn sieht, riihrt ge- 
meiniglich, oder gewiB allemal daher, daB manjetzt sieht, daB er 
das gewohnliche Gesicht eines Menschen hat. [91] 

Wer recht nachahmen konnte, ahmt nicht leicht nach. [92] 

Jedes Dorf hat seine Pyramide, den Kirchturm. Aus alien Dorf- 
pyramiden in Deutschland sollten sich wohl die agyptischen bauen 
lassen. Warum baut man so in die Hohe? Der Glocken wegen allein 
gewiB nicht. Es ist immer Eitelkeit, mit Religion, vielleicht Aber- 
glauben vermischt, was diese Pyramiden schuf so gut wie die 
agyptischen. [93 ] 



4l6 SUDELBUCHER 

Selbst die UngewiBheit, worin wir uns iiber gewisse Gegenstande 
befmden, ist zuweilen niitzlich. Die Horrnung bekommt dadurch 
einen groBern Spielraum, und man halt immer dasjenige fur wahr, 
was unserm Zustande am angemessensten ist. [94] 

Ich habe einen. Miillerknecht gekannt, der niemals die Mutze vor 
mir abnahm, wenn er nicht einen Esel neben sich gehen hatte. Ich 
konnte mir das lange nicht erklaren. Endlich fand ich, daB er sich 
diese Gesellschaft fiir eine Demiitigung ansah und um Barmherzig- 
keit bat; er schien damit der geringsten Vergleichung zwischen ihm 
und seinem Gefahrten ausweichen zu wollen. [95] 

Ich bin iiberzeugt, daB es Brillen fiir die Seelenkrafte gibt so gut 
wie fur die Augen. Es ware sonderbar, wenn so etwas nicht sollte 
moglich sein. Wenn der Witz mit dem Alter schwach wird, so 
kann oft das Lesen von Wortregistern Vergleichungen bewirken, 
die ohne dieses unmoglich waren. [96] 

Ich kann bis diese Stunde nicht recht begreifen, warum die klei- 
nen Kinder nicht eben so bestandig lachen,als sie bestandig weinen. 

[97] 

Es ist gewiB besser, eine Sache gar nicht studiert zu haben, als 
oberflachlich. Denn der bloBe gesunde Menschenverstand, wenn er 
eine Sache beurteilen will, schieBt nicht so sehr fehl als die halbe 
Gelehrsamkeit. [98] 

Ich bin vollig iiberzeugt, daB der Mensch alle die Kenntnisse be- 
sitzt, die notig sind, ihn gliicklich zu machen. Aber es ist mir auch 
wahrscheinlich, daB diese menschliche Gliickseligkeit, als solche, 
wenig zum Wohlsein des Ganzen beitragt. Was der Mensch zum 
Wohlsein des Ganzen beitragt, ist schwerlich seiner Willkur unter- 
worfen. Was iibersieht er davon? Niitzt er, selbst mit Ausiibungen 
seiner Willkur, so ist selbst seine Willkur eine Maschine, und man 
streitet iiber Worte. Wer willkiirlich zum Vorteil des Ganzen wirkt, 
muB das Ganze iibersehen. Dieses kann der Mensch nicht, also ist 
hier in Absicht des Ganzen an Freiheit nicht zu gedenken. Unum- 
schrankte Freiheit ist hier ein Widerspruch. Hat er bloB Freiheit er- 



HEFT K 94-IO5 417 

halteti fur einen gewissen Gesichtskreis, so ist auch dieses wieder 
Maschinerie, und es ist immer die Freiheit eines Menschen, der das 
Rad eines Krans tritt. Ich glaube, da wo der Mensch sich an die groBe 
Kette anschlieBt, ist er nicht frei ; er weiB wohl gar nicht einmal, daB 
er wirkt. [99] 

Je groBer der Mann ist, desto strafbarer ist er, wenn er Fehler 
anderer ausplaudert, die er erkennt. Wenn Gott die Heimlichkeiten 
der Menschen bekannt machte, so konnte die Welt nicht bestehen. 
Es ware, als wenn man die Gedanken anderer sehen konnte. Wohl 
dem Menschen, der keinen Ausplauderer hat, der ihmanKenntnissen 
uberlegen ist! [100] 

Es gibt eine Menge kleiner moralischer Falschheiten, die man iibt, 
ohne zu glauben, daB es schadlich sei ; so wie man etwa aus ahnlicher 
Gleichgiiltigkeit gegen seine Gesundheit Tabak raucht, [101] 

Der Stolz, eine edle Leidenschaft, ist nicht blind gegen eigene 
Fehler, aber der Hochmut ist es. [102] 

Viele, die uber AblaBkramerei in der katholischen Kirche lachen, 
iiben sie doch taglich selbst. Wie mancher Mann von schlechtem 
Herzen glaubt sich mit dem Himmel ausgesohnt, wenn er Almosen 
gibt ! Ich habe selbst die boshaftesten Menschen, die frevelhaftesten 
Unterdriicker des Verdienstes und der Unschuld [sich] damit recht- 
fertigen horen: sie taten den Armen Gutes. Aber das war nicht vitae 
tenor, das war nur FlickwerL Ein Paar Spiegelscheiben machen 
noch keinen Palast. Es hat auch etwas Ahnliches mit den Bekehrun- 
gen unter dem Galgen. [103] 

Wenn doch nur der zehnte Teil der Religion und Moral, die in 
Biichern steht, in den Herzen stande! Aber so geht es fast durchaus: 
der groBte Teil von menschlicher Weisheit wird bald nach seiner 
Erzeugung auf den Reposttorien zur Ruhe gebracht. Daher einmal 
jemand dieses Wort nicht vom lateinischen reponere, sondern un- 
mittelbar vom franzosischen repos herleiten wollte. [104] 

Ein Geliibde zu tun ist eine groBere Siinde, als es zu brechen. [105] 



4l8 SUDELBUCHER 

Ehe man tadelt, sollte man immer erst versuchen, ob man nicht 
entschuldigen kann. [106] 

Der Mensch liebt die Gesellschaft, und sollte es auch nur die von 
einem brennenden Rauchkerzchen sein. [107] 

Wer sagt, er hasse alle Arten von Schmeicheleien, und es im Ernst 
sagt, der hat gewiB noch nicht alle Arten kennen gelernt, teils der 
Materie, teils der Form nach. 

Leute von Verstand hassen allerdings die gewohnliche Schmeiche- 
lei, weil sie sich notwendig durch die Leichtglaubigkeit erniedrigt 
finden miissen, die ihnen der schmeichelnde Tropf zutraut. Sie has- 
sen also die gewohnliche Schmeichelei bloB deswegen, weil sie fur 
sie keine ist. Ich glaube nach meiner Erfahrung schlechterdings an 
keinen groBen Unterschied unter den Menschen. Es ist alles bloB 
Obersetzung. Ein jeder hat seine eigene Miinze, mit der er bezahlt 
sein will. Man erinnere sich an die eisernen Nagel in Otaheite; un- 
sere Schonen miiBten rasend sein, wenn sie die eisernen Nagel in 
solchem Werte halten wollten. Wir haben andere Nagel. Es ist 
ebenfalls bloB menschliche Erfindung, zu glauben, daB die Menschen 
so sehr unterschieden sind; es ist der Stolz, der diese Unterscheidung 
unterstutzt. Seelenadel ist gerade so ein Ding wie der Geburts- 
adel. - (Etwas gemildert muB dieses alles werden.) [108] 

Die Menschen nutzen wahrhaftig ihr Leben zu wenig; es ist also 
kein Wunder, daB es noch so einfaltig in der Welt aussieht. Womit 
bringt man sein Alter hin? Mit Verteidigung von Meinungen; nicht 
weil man glaubt, daB sie wahr sind, sondern weil man einmal 
offentlich gesagt hat, daB man sie fur wahr halte. Mein Gott, wenn 
die Alten ihre Zeit doch lieber auf Warnung verwenden wollten! 
Freilich, die Menschen werden alt, aber das Geschlecht ist noch 
jung. Es ist wirklich ein Beweis, daB die Welt noch nicht alt ist, daB 
man hierin noch so zuruck ist. Wenn doch die Alten mehr sagen 
wollten, was man vermeiden muB, und was sie hatten tun miissen, 
um noch groBer zu werden, als sie geworden sind! [109] 

Ich habe sehr haufig gefunden, daB gemeine Leute, die nicht 
rauchten, an Orten, wo das Rauchen gewohnlich ist, immer sehr 



HEFT K I06-II4 419 

gute und tatige Menschen waren. Bei dem gemeinen Mann ist es 
leicht zu erklaren; es verrat bei dieser Klasse vorziiglich schon etwas 
Gutes, sich von einer solchen Mode nicht hinreiBen zu lassen, oder 
iiberhaupt etwas zu unterlassen, was wenigstens von Anfang nicht 
behagt. Audi muB ich gestehen, daB von alien den Gelehrten, die 
ich in meinem Leben habe kennen gelernt, und die ich eigentlich 
Genies nennen mochte, kein einziger geraucht hat. - Hat wohl 
Lessing geraucht? [no] 

Es ist fur die Vervollkommnung unseres Geistes gerahrlich, Bei- 
fall durch Werke zu erhalten, die nicht unsere ganze Kraft erfordern. 
Man steht alsdann gewohnlich stille. Rochefoucauld glaubt daher, 
es habe noch nie ein Mensch alles das getan, was er habe tun konnen; 
ich halte dafur, daB dieses groBtenteils wahr ist. Jede menschliche 
Seele hat eine Portion Indolenz, wodurch sie geneigt wird, das vor- 
ziiglich zu tun, was ihr leicht wird. [in] 

Einer der groBten und zugleich gemeinsten Fehler der Menschen 
ist, daB sie glauben, andere Menschen kennten ihre Schwachen 
nicht, weil sie nicht davon plaudern horen, oder nichts davon ge- 
druckt lesen. Ich glaube aber, daB die meisten Menschen besser von 
andern gekannt werden, als sie sich selbst kennen. Ich weiB, daB be- 
riihmte Schriftsteller, die aber im Grunde seichte Kopfe waren (was 
sich in Deutschland leicht beisammen findet), bei allem ihrem Eigen- 
diinkel von den besten Kopfen, die ich befragen konnte, fur seichte 
Kopfe gehalten worden sind. [112] 

Wenn man selbst anfangt alt zu werden, so halt man andere von 
gleichem Alter fiir junger, als man in friihern Jahren Leute von 
eben dem Alter hielt. So halte ich z.B. den Goldschmied K.., den 
ich schon vor 30 Jahren gekannt habe, fiir einen jungen Mann, ob 
er gleich gewiB schon einige Jahre alter ist, als sein Vater war, da 
ich ihn zum erstenmal sah. den ich damals gewiB fiir keinen jungen 
Mann mehr hielt. Mit andern Worten : wir halten uns selbst und 
andere noch in denen Jahren fiir jung, in welchen wir, als wir noch 
j iinger waren, andere schon fiir alt hielten. [113] 

Es gibt Leute, die zu keinem EntschluB kommen konnen, sie 
miissen sich denn erst iiber die Sache beschlafen haben. Das ist ganz 



420 SUDELBUCHER 

gut, nur kann es Falle geben, wo man riskiert, mitsamt der Bettlade 
gefangen zu werden. t 1 14] 

Wird man wohl vor Scham rot im Dunkeln? DaB man vor 
Schrecken im Dunkeln bleich wird, glaube ich, aber das erstere 
nicht. Derm bleich wird man seiner selbst, rot seiner selbst und ande- 
rer wegen. - Die Frage, ob Frauenzimmer im Dunkeln rot werden, 
ist eine sehr schwere Frage; wenigstens eine, die sich nicht bei Licht 
ausmachen laBt. [115] 

Es gibt nicht leicht eine groBere Schwachheit, als die groBen oder 
wenigstens glanzenden Taten mancher Menschen aus gewissen 
Engelsanlagen und einer GrdBe der Seele zu erklaren. Es mag wohl 
einmal unter Tausenden wahr sein; wer aber den Menschen etwas 
studiert hat, wird die Ursachen solcher Taten gemeiniglich ganz in 
der Nahe fuiden. Es heiBt schriftstellerisch vornehm tun, wenn man 
alles so tief sucht. [116] 

Ich glaube nicht, daB die so genannten wahrhaft frommen Leute 
gut sind, weil sie fromm sind, sondern fromm, weil sie gut sind. Es 
gibt gewisse Charaktere, denen es Natur ist, sich in alle hauslichen 
und burgerlichen Verhaltnisse zu finden, und sich das gefallen zu 
lassen, wovon sie teils den Nutzen, teils die Unmoglichkeit ein- 
sehen, es besser zu haben. Also das der Religion zuzuschreiben, 
konnte gar wohl eine fallacia causae sein. [117] 

Ich habe durch mein ganzes Leben gefunden, daB sich der Charak- 
ter eines Menschen aus nichts so sicher erkennen laBt, wenn alle 
Mittel fehlen, als aus einem Scherz, den er ubel nimmt. [118] 

Wer ist unter uns alien, der nicht Einmal im Jahre narrisch ist, das 
ist, wenn er sich allein befindet, sich eine andere Welt, andere Glucks- 
umstande denkt, als die wirklichen? Die Vernunft besteht nur darin, 
sich sogleich wieder zu finden, sobald die Szene voriiber ist, und 
aus der Komodie nach Hause zu gehen. [119] 

Er war einer von denen, die alles besser machen wollen, als man 
es verlangt. Dieses ist eine abscheuliche Eigenschaft in einem Be- 
dienten. [120] 



HEFT K 114-128 421 

Zu iiberzeugen ist der Pobel nicht, oder sehr selten. Durch listige 
Lenkung seines Aberglaubens kann er doch noch zuweilen zu guten 
Handlungen gebracht werden. Wir schrecken ja die Kinder, die 
wir nicht uberzeugen konnen, auch mit dem schwarzen Marine und 
mit Schornsteinfegern. Der heilige Januarius zu Neapel ist nichts 
weiter. Hier ist wieder die Reihe, deren auBerste Glieder gar nicht 
mehr zusammen zu gehoren scheinen. [121] 

In der Gabe, alle Vorfalle des Lebens zu seinem und seiner 
Wissenschaft Vorteil zu niitzen, darin besteht ein groBer Teil des 
Genies. [122] 

Kultur verschlingt die Gastfreundschaft. [123] 

Wer recht sehen will, was der Mensch tun konnte, wenn er 
wollte, darf nur an die Personen gedenken, die sich aus Gef angnissen 
gerettet haben oder haben retten wollen. Sie haben mit einem ein- 
zelnen Nagel so viel getan, wie mit einem Mauerbrecher. [124] 

Die Leute, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten. [125] 

Man wird gramlich, wenn man alt wird, oder wenn Liebe, oder 
auch oft, wenn Freundschaft alt wird. Es konnen Dinge bei einem 
alt werden, obgleich man selbst jung bleibt. Manche Leute glauben, 
Sommer und Winter schieden sich immer mit einem Donnerwetter. 

[126] 

Wenn man manchen groBen Taten und Gedanken bis zu ihrer 
Quelle nachspuren konnte, so wurde man finden, daB sie ofters gar 
nicht in der Welt sein wurden, wenn die Bouteille verkorkt ge- 
blieben ware, aus der sie geholt wurden. Man glaubt nicht, wie viel 
aus jener Offnung hervorkommt. Manche Kopfe tragen keine 
Friichte, wenn sie nicht wie Hyazinthenzwiebeln iiber Bouteillen- 
hiilsen stehen. Der Feige holt da seinen Mut, der Schiichterne Ver- 
trauen auf eigne Kraft und der Elende Trost hervor. [127] 

Die Vorgriffe des Genies sind kiihn und groB, gehen auch oft tief, 
aber die Kraft dazu erstirbt friih. Die geschlossene Vernunft greift 



422 SUDELBUCHER 

nicht so verwegen vor, aber halt langer aus. Man ist selten nach 60 
Jahren noch ein triebmaBiger Vorgreifer, aber man kann immer 
noch ein sehr guter regelmaBiger nnd erfindender Denker sein. 
Man zeugt selten in jenen Jahren Kinder, aber man wird desto ge- 
schickter, die erzeugten zu erziehen, und Erziehung ist Zeugung 
einer andern Art. [128] 

Die sogenannten Mathematiker von Profession haben sich, auf 
die Unmiindigkeit der ubrigen Menschen gesttitzt, einen Kredit 
von Tiefsinn erworben, der viele Ahnlichkeit mit dem von Heilig- 
keit hat, den die Theologen fiir sich haben. [129] 

Der benihmte witzige Kopf Chamfort pflegte zu sagen: Ich 
habe drei Klassen von Freunden: Freunde, die mich lieben, Freunde, 
die sich nicht urn mich bekiimmern, und Freunde, die mich verab- 
scheuen. Sehr wahr ! [130] 

Eine der argerlichsten Situationen ist die, wenn man, aus uber- 
triebener Sorgfalt, einem Unfalle vorzubeugen, gerade unternimmt, 
was ihn einem auf den Hals zieht, da man ohne alle Vorsicht ganz ge- 
wiB sicher gewesen ware. Denn auBer dem Unangenehmen, das 
die Sache schon fiir sich allein hatte, wird sie noch dadurch bitterer, 
daB man sich selbst Vorwurfe und bei andern lacherlich macht. Ich 
habe jemanden ein kostbares GefaB dadurch zerbrechen sehen, daB 
er es von einer Stelle wegtragen wollte, an der es wenigstens ein 
halbes Jahr ruhig gestanden hatte, bloB weil er fiirchtete, es mochte 
einmal von ungefahr heruntergestoBen werden. [131] 

Der Mensch kann sich alles geben, sogar Mut, wenn er es recht an- 
f angt, aber es ist freilich besser, wenn man ihn schon mit auf die 
Weltbringt. [132] 

Ich habe mich ofters des Lachelns nicht erwehren konnen, wenn 
ich auf meinem Garten die Reisenden vorbeifahren sah. Die mor- 
gens urn 5 Uhr passierten, waren die, welche um 3 Uhr reisen woll- 
ten, um 6 Uhr kamen die um 4 die Pferde bestellt hatten, und dann 
endlich um 7 oder 8 Uhr, die den Weg noch in der angenehmen 
Kiihle machen wollten. [133] 



HEFT K 128-140 423 

Einige Leute beratschlagen sich aus Scherz, was sie anfangen 
sollten, wenn sie das groBe Los gewonnen. Zwei darunter haben ein 
Los in Compagnie. Sie fallen auf allerlei Arten von Handel, den sie 
anfangen wollten, es wird von anderen mit Griinden eingesprochen, 
warum dieser Handel nicht ginge, endlich vergiBt man, daB das 
Ganze eine Voraussetzung ist. Es wird gestritten, als ob die Sache 
wirklich ware, und mit einem solchen Eifer, daB es dariiber zu Schlii- 
gen kommt. Die Schlage abgerechnet, habe ich so etwas einigemal 
erlebt, nicht ohne Vergniigen und herzliches Lachen der Gesell- 
schaft, indessen hatten sich doch einige so weit dabei erhitzt, daB 
sie nicht mitlachten, welches das Vergniigen der andern nicht wenig 
erhohete. [134] 

Was fur ein Unterschied zwischen den Jahren, wo man die Vor- 
sehung uberall, und denen, wo man Beurteiler sieht ! [135] 

Erst miissen wir glauben, und dann glauben wir. [136] 

Die gemeinen Leute sind herrlich zu gebrauchen, manche Be- 
merkungen zu machen, wenn man ihre Mienen beobachtet. Man 
kann sie benutzen wie die Hunde, die abgerichtet sind, Hiihner und 
Truffeln zu finden, welche man selbst nicht riechen kann, [137] 

Es gibt wenig Menschen, die ein gescheutes Gesicht machen 
konnen, wenn sie nach der Sonne sehen, [138] 

Wenn das Ungefahr nicht mit seiner geschickten Hand in unser 
Erziehungswesen hineinarbeitete, was wiirde aus unserer Welt ge- 
worden sein? [139] 

Das EinreiBen bei gewohnlichen Anstalten ist ein groBes Ver- 
derben, vorziiglich in der Politik, Okonomie und Religion. Das 
Neue ist dem Projektmacher so angenehm, aber denen, die es be- 
trifft, gemeiniglich sehr unangenehm. Der erste bedenkt dabei 
nicht, daB er es mit Menschen zu tun hat, die mit Giite unvermerkt 
geleitet sein wollen, und daB man dadurch sehr viel mehr ausrichtet, 
als mit einer UmschafFung, deren Wert denn doch erst durch die 
Erfahrung entschieden werden muB. Wenn man doch nur das 



424 SUDELBUCHER 

letztere bedenken wollte! Man sclineide die Glieder nicht ab, die 
man noch heilen kann, wenn sie auch gleich etwas verstiimmelt 
bleiben; der Mensch konnte uber der Operation sterben. Und man 
reiBe nicht gleich ein Gebaude ein, das etwas unbequem ist, und 
stecke sich dadurch in groBere Unbequemlichkeiten. Man mache 
kleine Verbesserungen. [140] 

Man wird, wenn man acht geben will, bei dem Deutschen die 
Nachahmung iiberall finden, freilich bald mehr, bald weniger ver- 
steckt. Selbst unser Fechten fur Bczahlung ist Nachahmung der 
Verteidigung des Vaterlandes. Eigentlich kann wahre Verteidi- 
gung seines eigenen Herdes, seines Weibes und seiner Kinder mit 
dem Dienste der Soldaten nicht verglichen werden; und doch ge- 
schieht es sehr haufig. Es sind Dinge ganz verschiedener Art, und 
so unterschieden, wie wahre Freundschaft ha I ten von schmarotzen. [141 ] 

Weissagungen fmden sich in sehr alten Buchern auch schon des- 
wegen, weil einem die Begebenheiten, die die Veranlassung dazu 
waren, nicht immer einfallen. Denn wer hat, wenn er auch Ge- 
schichte weiB, alles so synchronistisch gegenwartig, daB er wissen 
kann, was damals die Tischdiskurse der Gesellschait waren? Be- 
gebenheiten der Zeit verleiten zu einem Traum; ahnliche Begeben- 
heiten ereignen sich wieder, und der Traum triflft ein. So habe ich 
selbst den Tod Ludwigs XVI. lange vorher geweissagt, und ge- 
wiB mehrere Menschen haben dasselbe gedacht. Was die fran- 
zosische Revolution fiir Folgen haben wird, laBt sich auch dunkel 
voraussehen. Johann Hus wurde verbrannt, Luther nicht ; es ent- 
stand ein dreiBigjahriger Krieg, und nun steht die Reformation da. 

[142] 

Bei der jetzigen Anarchie in Frankreich und der Uneinigkeit im 
Nationalkonvent sollte man immer fragen: wie viel gehort wohl 
davon den Emigranten zu? und wie viel dem EinfluB fremder Hofee 
GewiB wird nicht bloB mit Armeen von letzteren gefochten. [143] 

In keiner Streitigkeit, deren ich mich erinnere, sind je, glaube ich, 
die BegrifFe so verstellt worden, als in der gegenwartigen iiber Frei- 
heit und Gleichheit. Seht, ruft die eine Partei, hin nach Paris, da seht 



HEFT K 140-146 425 

ihr die Friichtchen der Gleichheit! Und es ist betrubt, zu sehen, daB 
sogar beriihmte Schriftsteller in diesen Ton mit einstimmen. Eben 
so konnte ich rufen: ihr, die ihr ein so groBes Gliick im Umgange 
mit dem andern Geschlecht und in der Liebe findet, seht dort die 
Hospitaler der Nasenlosen! oder ihr, die ihr von dem Labsal sprecht, 
das euch beim GenuB der Freundschaft der Wein gewahrt, seht dort 
die Trunkenbolde in den Klauen der Schwindsucht im Kreise ver- 
hungemder Kinder langsam dahin sterben! Ihr Toren, mochte ich 
sagen, so lernt uns doch verstehen! O ich glaube auch, ihr versteht 
uns nur allzu wotil, ihr deraisonniert nur deswegen so, weil ihr 
furchtet, die Welt mochte uns verstehen. Die Gleichheit, die wir 
verlangen, ist der ertraglichste Grad von Ungleichheit. So vielerlei 
Arten von Gleichheit es gibt, worunter es furchterliche gibt, eben 
so gibt es verschiedene Grade der Ungleichheit, und darunter welche, 
die eben so furchterlich sind. Von beiden Seiten ist Verderben. Ich 
bin daher iiberzeugt, daB die Vernunftigen beider Parteien nicht so 
weit von einander liegen, als man glaubt; und daB die Gleichheit 
der einen Partei, und die Ungleichheit der andern wohl gar am 
Ende dieselbigen Dinge mit verschiedenen Namen sein konnten. 
Allein was hilft da alles Philosophieren? Dieses Mittel muB erkampft 
werden, und wird die Obermacht von einer Partei zu groB, zumal 
wenn der Mutwille der andern unbandig war, so kann es auch sehr 
viel schlimmer werden. Es ist aber nur zu befurchten, daB jene mitt- 
lere Gleichheit oder Ungleichheit (wie man will) von beiden Par- 
teien gleich stark verabscheut wird. Sie muB also wohl mit Gewalt 
eingefuhrt werden; und da ist es denn dem Einfuhrenden nicht zu 
verdenken, wenn er sich einen etwas starken Ausschlag gibt. Hierin 
liegt uberhaupt ein allgemeiner Grund von der Seltenheit guter 
Mittelzustdnde. [144] 

Wenn der goldene Mittelzustand durch den Streit der Ver- 
teidiger beider Extreme erfochten werden soil, so ist es cine gar 
miBliche Sache. Nichts als vollige Entkraftung beider Teile wird 
sie geneigt dazu machen, und in diesem Falle bemachtigt sich leicht 
ein Dritter beider Parteien. [145] 

Siey&s ist seit 1788 wahrscheinlicher Weise die Triebfeder aller 
groBer Begebenheitenin Frankreich. (Imjahr 1793 geschrieben.) [146] 



426 SUDELBUCHER 

Es sind immer gerahrliche Zeiten, wo der Mensch sehr lebhaft 
erkennt, wie wichtig er ist, und was er vermag. Es ist immer gut, 
wenn er in Riicksicht auf seine politischen Rechte, Krafte und An- 
lagen ein biBchen schlaft, so wie die Pferde nicht bei jeder Gelegen- 
heit Gebrauch von ihren Kraften machen diirfen. [147] 

Wenn Freiheit, wie man sagt, dem Menschen natiirlich ist, ist es 
ihm denn minder natiirlich, sich dem Schutze eines andern zu unter- 
werfen, wenn er nicht Starke oder nicht Tatigkeit genug hat? Da 
man sich iiber Konige weggesetzt hat, wird es nicht immer Men- 
schen geben, die sich iiber Gesetze wegsetzen? Tugend in alien 
Standen ist die Hauptsache; wo die nicht ist, da ist alles nichts, und 
Wechsel wird stets Statt linden. Alles, wofur ein Staat zu sorgen 
hat, ist, richtige BegrifFe von Gott und der Natur in Umlauf zu 
bringen. Man hat sich iiber Konige weggesetzt, nicht weil sie 
Tyrannen waren; sondern man nannte sie so, weil man sich iiber sie 
wegsetzen wollte. Und wie, wenn es nun nie an Ehrgeizigen fehlen 
wird, die die Gesetze fur Tyrannen halten? [148] 

Es scheint fast, als wenn es mit der Erkenntnis gewisser Wahr- 
heiten und ihrer Anwendung im Leben ginge, wie mit Pnanzen: 
wenn sie einen gewissen Grad von Hohe erreicht haben, so werden 
sie abgeschnitten, um wieder von vorne anzufangen. Der hochste 
Grad von politischer Freiheit liegt unmittelbar am Despotismus an. 
Wie schon ist es nicht bei der englischen Constitution, daB sie repu- 
blikanische Freiheit mit der Monarchic schon vorlaufig gemischt 
hat, um den volligen Umschlag aus einer Demokratie in reine 
Monarchic oder Despotismus zu verhindern ! [1 49 ] 

Das Traurigste, was die franzosische Revolution fiir uns bewirkt 
hat, ist unstreitig das, daB man jede verniinftige und von Gott und 
Rechts wegen zu verlangende Forderung, als einen Keim von 
Emporung ansehen wird. [150] 

Es kommt nicht darauf an, ob die Sonne in eines Monarchen 
Staaten nicht untergeht, wie sich Spanien ehedem riihmte; sondern 
was sie wahrend ihres Laufes in diesen Staaten zu sehen bekommt. 

[151] 



HEFT K H7-I57 427 

Man spricht viel von guten Konigen, die doch im Grunde nichts 
weniger waren, als gute Konige, aber gute Leute. Es ist dieses eine 
hochst ungereimte Verwirrung der BegrifFe. Man kann ein sehr 
guter Mann und doch kein guter Konig sein, so gut als man ein 
ehrlicher Mann und dabei kein guter Bereiter sein kann. Dies ist 
wahrhaftig der Fall mit Ludwig XVI. Was halfen seine guten Ge- 
sinnungen? Dadurch konnte sein Volk unmoglich gliicklich wer- 
den. Man sagt nicht, daB er nicht verglcichungsweise gut gewesen 
sei. Er war gewiB sehr viel besser, als manche seiner Vorganger. [1 52] 

Eine Gleichheit und Freiheit festsetzen, so wie sie sich jetzt viele 
Menschen gedenken, das hieBe ein eilftes Gebot geben, wodurch 
die iibrigen zehn aufgehoben wiirden. [153] 

Wenn der groBte Lehrer des Menschengeschlechts kame und eine 
Schule anlegte, vollkommene Menschen zu bilden, und alle Schul- 
meister rottierten sich zusammen, aus Furcht ihre Kunden zu ver- 
lieren, schrieben gegen ihn, suchten seine Kinder zu verfiihren, 
schickten ihm mit FleiB verworfene Geschopfe zu, ja mitunter ver- 
kleideteMadchen mit venerischen Krankheiten, lieBen ihnenBrannt- 
wein und wohlschmeckende Gifte zuschicken usw. - wie wiirde 
ein solches Institut bestehen konnen? Wenn nun alles darin wirklich 
darunter und dariiber ginge, was fur Recht hatten nun die neidi- 
schen Schulmeister, in die Welt zu schreiben: quid dignum tanto 
tulit hie promissor hiatu? - Sein Plan hatte nicht Schuld, sondern 
sie, die Schulmeister, mit ihren Gegenarbeiten. [154] 

Sonst sucht man bei Bekehrungen die Meinung wegzuschafFen, 
ohne den Kopf anzutasten; in Frankreich verfahrt man jetzt kiirzer : 
man nimmt die Meinung mitsamt dem Kopf weg. [155] 

Was die GroBen jetzt zu bedenken haben, ist, daB sie ihre Unter- 
tanen gewiB nicht leicht arger driicken konnen, als sie in Frankreich 
gedriickt wurden; und diese doch ihrem Konige den Kopf abge- 
schlagen haben. [156] 

Es sind jetzt Deutsche, Englander, Franzosen, Piemonteser, 

Spanier, Portugiesen, Neapolitaner und Hollander, die das heilfcc 



428 SUDELBUCHER 

Grab der franzosischen Monarchie zu erobern trachten; ob es ihnen 
wohl gelingen wird? [157] 

Es ist eine groBe Frage, wodurch in der Welt mehr ist ausgerichtet 
worden: durch das griindlich Gesagte, oder durch das bloB schon 
Gesagte. Etwas zugleich sehr griindlich und sehr schon zu sagen, ist 
schwer; wenigstens wird in dem Augenblick, da die Schonheit 
empfunden wird, die Grundlichkeit nicht ganz erkannt. Man tadelt 
das seichte Geschwiitz, das jetzt in Frankreich in politischen Dingen 
gedruckt wird. Ich glaube, dieser Tadel ist selbst etwas seicht, und 
zeigt, daB bloB das System, aber nicht die Kenntnis menschlicher 
Natur die Feder gefuhrt hat. Denn diese Bucher werden ja nicht 
fiir das Menschengeschlecht und die abstrakte Vernunft geschrie- 
ben, sondern fiir konkrete Menschen von einer gewissen Partei ; und 
erreichen gewiB ihren Zweck sicherer, als alle Werke, die fiir den 
abstrakten Menschen berechnet sind, den es noch nicht gegeben hat, 
und nie geben wird. [158] 

Ich sehe darin nichts so sehr Arges, daB man in Frankreich der 
christlichen Religion entsagt hat. Das sind ja alles nur kleine Win- 
kelziige. Wie wenn das Volk nun ohne alien aufiern Zwang in ihren 
SchoB zuriickkehrt, weil ohne sie kein Gliick ware? Welches Bei- 
spiel fiir die Nachwelt, und welches kostbare Experiment, das man 
wahrlich nicht alle Tage anstellt! Ja, vielleicht war es notig, sie ein- 
mal ganz aufzuheben, urn sicgereinigt wieder einzufuhren. [159] 

Es ist, glaube ich, keine Frage, daB, bei aller Ungleichheit der 
Stande, die Menschen alle gleich gliicklich sein konnen; man suche 
nur jeden so gliicklich als moglich zu machen. [160] 

Wenn Heiraten Frieden stiften konnen, so sollte man den GroBen 
die Vielweiberei erlauben. [161] 

So lange das Gedachtnis dauert, arbeiten eine Menge Menschen 
in Einem vereint zusammen, der zwanzigjahrige, der dreiBigjahrige 
usw. Sobald aber dieses fehlt, so fangt man immer mehr und mehr 
an, allein zu stehen, und die ganze Generation von Ichs zieht sich 
zuriick und lachelt iiber den alten Hiilflosen. Dieses spiirte ich sehr 
stark im August 1795. [162] 



HEFT K 157-170 429 

Ich fing erst gegen das Ende meincs Lebens an zu arbeiten, und 
mein biBchen Witz aufs Profitchen zu stecken. [1 63 ] 

Sein Leben aufs Profitchen stecken: wie ich jetzt im Jahre 1795. 
Ich hatte aber, was ich jetzt tue und tun will und gerne tate, ehemals 
viel besser tun konnen, da hatte ich aber keine Zeit ! ! [164] 

Ich stecke jetzt meine ganze Tatigkeit aufs Profitchen. Kohlen 
sind noch da, aber keine Flamme. [165] 

Die an den Untertanen meistern wollen, wollen die Fixsterne 
um die Erde drehen, bloB damit die Erde ruhe. [166] 

Eine Republik zu bauen aus den Materialien einer niedergerisse- 
nen Monarchic, ist freilich ein schweres Problem. Es geht nicht, 
ohne bis erst jeder Stein anders gehauen ist, und dazu gehort Zeit. 

[167] 

Ich glaube, daB einige der groBten Geister, die je gelebt haben, 
nicht halb so viel gelesen hatten, und bei weitem nicht so viel wuBten, 
als manche unserer mittelmaBigen Gelehrten. Und mancher unserer 
sehr mittelmaBigen Gelehrten hatte ein groBerer Mann werden 
konnen, wenn er nicht so viel gelesen hatte. [168] 

Was dem Ruhm und der Unsterblichkeit manches Schriftstellers 
ein groBeres Hindernis in den Weg legt, als der Neid und die Bos- 
heit aller kritischen Journale und Zeitungen zusammengenommen, 
ist der fatale Umstand, daB sie ihre Werke auf einen StorTmussen 
drucken lassen, der zugleich auch zu Gewiirzduten gebraucht wer- 
den kann. [169] 

Was mir an der Art, Geschichte zu behandeln, nicht gefallt, ist, 
daB man in alien Handlungen Absichten sieht, und alle Vorfalle 
aus Absichten herleitet. Das ist aber wahrlich ganz falsch. Die groB- 
ten Begebenheiten ereignen sich ohne alle Absicht; der Zufall 
macht Fehler gut, und erweitert das klugst angelegte Unternehmen. 
Die groBen Begebenheiten in der Welt werden nicht gemacht, 
sondern finden sich. [170] 



430 SUDELBUCHER 

Leben von Johnson dutch Boswell. -Johnson ist mir ein hochst un- 
angenehmer, ungeschliffener Patron. Aber das sind gerade die Men- 
schen, aus denen man die Menschen kennen lernen muB - Kry- 
stallisation, die sich durch kein Abschleifen verkennen laBt. Was 
helfen mir die geschliffenen Steine? [171] 

Eine seltsamere Ware, als Bucher, gibt es wohl schwerlich in der 
Welt. Von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen ; von Leuten ver- 
kauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen 
von Leuten, die sie nicht verstehen; und nun gar geschrieben von 
Leuten, die sie nicht verstehen. [172] 

Viele Priester der Minerva haben, auBer mancher Ahnlichkeit 
mit der Gottin selbst, auch die mit dem beruhmten Vogel derselben, 
daB sie zwar im Dunkeln Mause fangen, aber am Tageslicht den 
Kirchturm nicht eher sehen, als bis sie sich die Kopfe daran entzwei 
stoBen. [173] 

Wer mit einemmal ubersehen will, wie die Menschen Geschichte 
schreiben, der muB sich mit der Geschichte der Religionsstifter 
bekannt machen, weil das der Fall ist, wo man die Sache am deut- 
lichsten sieht. In der Naturlehre ist es eine sehr bekannte Kegel, daB 
man die giinstigsten Umstande abpassen muB. Die eine Partei 
glaubt gewohnlich sehr viel mehr, und die andere sehr viel weniger, 
als wahr ist. Was hier im hochsten Grade erscheint, zeigt sich minder 
merklich in andern Relationen; ist aber immer da. [174] 

Ich glaube, daB man selbst bei abnehmendem Gedachtnis und 
sinkender Geisteskraft iiberhaupt noch immer gut schreiben kann, 
wenn man nur nicht zu viel auf den Augenblick ankommen laBt, 
sondern bei seiner Lektiire oder seinen Meditationen immer nieder- 
schreibt, zu kiinftigem Gebrauch. Auch der abgelebteste Mann hat 
Augenblicke, wo er, durch Umstande so gut wie durch Wein an- 
gespornt, sieht, was kein anderer gesehen. Dieses muBgehorigauf- 
gesammelt werden. Denn das, was der Augenblick der Ausarbeitung 
zu geben vermag, gibt er doch. So sind gewiB alle groBen Schrift- 
steller verfahren. [175] 



HEFT K 171-179 431 

Sollte es nicht sehr viel besser urn das menschliche Geschlecht 
stehen, wenn wir gar keine Geschichte, wenigstens keine politische 
mehr hatten? Der Mensch wiirde mehr nach den jedesmaligen Kraf- 
ten handeln, die er hat ; da jetzt hier und da das Exempel, gegen einen, 
den es bessert, Tausend schlimmer macht. - Alles dieses fiir den 
proprium locum. [176] 

Es gibt eine bkibende menschliche Natur, Regungen des Herzens, 
die sich jetzt noch bei eben den Veranlassungen einstellen, auf die 
sie ehemals in A then, Rom und Jerusalem gefolgt sind. Schriftstel- 
ler, die diesen Menschen in ihren Werken schildern, geben zu- 
gleich den Kommentar dazu, und werden gelesen werden, so lange 
Menschen sind, zumal wenn sie durch Abwechselung zu unter- 
halten wissen; denn Vergnugen an Veranderung ist dem Menschen 
bleibend eigen. Allein diese Anlagen verhindern nicht, daB der 
Mensch nicht selbst in gewissen Grenzen sollte sehr veranderlich 
sein konnen. Der Stolz zeigt sich unter tausendfacher Form, so gut 
wie die Neigung zum Putz. Der Mond bewegt sich in einer Ellipse 
um die Erde, aber es finden sich viele Anomalien. Monden gehen 
und kommen wieder. Auch diese Menschen kann man schildern; 
es ist menschliche Natur, modifiziert durch Umstande, die dem 
Wechsel unterworfen sind. Diesen Menschen hat sich vorzuglich 
Hogarth gewahlt ; aber solche Werke verlieren viel mit der Zeit. - 

[i77l 

Es gibt kein groBeres Hindernis des Fortgangs in den Wissen- 
schaften, als das Verlangen, den Erfolg davon zu fruh verspiiren 
zu wollen. Dieses ist munteren Charakteren sehr eigen; darum lei- 
sten sie auch selten viel; denn sie lassen nach und werden nieder- 
geschlagen, sobald sie merken, daB sie nicht fortrucken. Sie wiirden 
aber fortgeriickt sein, wenn sie geringe Kraft mit vieler Zeit ge- 
braucht hatten. [178] 

Unter alien Kapiteln, die uns der angenehme Schwatzer 
Montaigne hinterlassen hat, hat mir immer das vom Tode, der vie- 
len vortrefflichen Gedanken ungeachtet, am wenigsten gefallen. 
Es ist das 19- im ersten Buche. Man sieht durch alles hindurch, daB 
sich der wackere Philosoph sehr vor dem Tode gefiirchtet, und 



432 SUDELBUCHER 

durch die gewaltsame Angstlichkeit, womit er den Gedanken wen- 
det, und selbst zu Wortspielen dreht, ein sehr iibeles Beispiel gegeben 
hat. Wer sich vor dem Tode wirklich nicht furchtet, wird schwer- 
lich davon mit so vielen kleinlichen Trostgriinden gegen ihn zu re- 
den wissen, als hier Montaigne beibringt. [179] 

Eine traurige Betrachtung fiir die alte Geschichte liefert uns die 
neue franzosische. Wie viel ist nicht daruber geschrieben worden! 
Wer diinkt sich gleichwohl jetzt weise genug, etwas daruber zu 
schreiben, was nur einigermaBen der Wahrheit nahe kommt? Nun 
ist freilich bei den Alten nicht so viel geschrieben, und folglich ge- 
lesen worden; aber gewiB geschehen ist wo hi eben so viel; ja was 
das Schlimmste ist, so muBte man sich dort mehr auf Erzahlung und 
Tradition verlassen. [180] 

Es schadet bei manchen Untersuchungen nicht, sie erst bei einem 
Rauschchen durchzudenken und dabei aufzuschreiben; hernach 
aber alles bei kaltem Blute und ruhiger Uberlegung zu vollenden. 
Eine kleine Erhebung durch Wein ist den Spriingen der Erfindung 
und dem Ausdruck gunstig ; der Ordnung und PlanmaBigkeit aber 
bloB die ruhige Vernunft. [181] 

Die Deutschen mogen auch sagen, was sie wollen, so kann nicht 
geleugnet werden, daB unsere Gelehrsamkeit mehr darin besteht, 
recht gut inne zu haben, was zu einer Wissenschaft gehort, und zu- 
mal deutlich angeben zu konnen, was dieser und jener darin getan 
hat, als selbst auf Erweiterung zu denken. Selbst unter unsern groB- 
ten Schriftstellern gibt es welche, die eigentlich nur das, was man 
schon wuBte, gut geordnet wieder drucken lassen, hier und da mit 
einer Erlauterung,die sie entweder wieder an einem andern Ort auf- 
gefangen haben, oder die sich sonst leicht machen laBt. Wie viele 
Kante, Euler, Klaprothe haben wir denn? Die Englander bekiim- 
mern sich wenig darum, was andere mogen gewuBt haben, und su- 
chen immer weiter zu gehen, als das allgemein Bekannte reicht, 
und stehen sich dabei recht gut, und, mochte ich fast hinzusetzen, 
wir uns auch - namlich bei den Erfindungen der Englander. [182] 

Ich glaube, daB es mit dem Studieren gerade so geht, wie in der 
Gartnerei : es hilft weder der da pflanzt, noch der da begeuBt etwas, 



HEFT K 179-187 433 

sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Ich will mich erklaren. Wir 
tun sicherlich eine Menge von Dingen, von denen wir glauben, 
daB wir sie mit Wissen taten, und die wir doch tun, ohne es zu wissen. 
Es ist so was in unserm Gemiite wie Sonnenschein und Witterung, 
das nicht von uns abhangt. Wenn ich uber etwas schreibe, so kommt 
mir das Beste immer so zu, daB ich nicht sagen kann, woher. Merk- 
wiirdige Beobachtungen, wie viel man tut, ohne es zu wissen, ent- 
halt Montaigne im 3.T. S. 105 n\ [183] 

Der einzige Fehler, den die recht guten Schriften haben, ist der, 
daB sie gewohnlich die Ursache von sehr vielen schlechten oder 
mittelmaBigen sind. [184] 

Die Mathematik ist eine gar herrliche Wissenschaft, aber die 
Mathematiker taugen oft den Henker nicht. Es ist fast mit der Mathe- 
matik, wie mit der Theologie. So wie die der letztern Berlissenen, 
zumal wenn sie in Amtern stehen, Anspruch auf einen besondern 
Kredit von Heiligkeit und eine nahere Verwandtschaft mit Gott 
machen, obgleich sehr viele darunter wahre Taugenichtse sind, so 
verlangt sehr oft der so genannte Mathematiker fur einen tiefen 
Denker gehalten zu werden, ob es gleich darunter die groBtenPlun- 
derkopfe gibt, die man nur finden kann, untauglich zu irgend einem 
Geschaft, das Nachdenken erfordert, wenn es nicht unmittelbar 
durch jene leichte Verbindung von Zeichen geschehen kann, die 
mehr das Werk der Routine, als des Denkens sind. [185] 

Es ist traurig, daB die meisten Biicher von Leuten geschrieben 
werden, die sich zu dem Geschaft erheben, anstatt daB sie sich dazu 
herablassen sollten. Hatte z.B. Lessing ein Vademecum fur lustige 
Leute herausgeben wollen, ich glaube, man hatte es in alle Sprachen 
der Welt iibersetzt. Aber so schreibt jedermann gern iiber Dinge, 
worin er sich nocb selbst gefallt, und man gefallt sich selten in Din- 
gen, die man so inne hat und iibersieht, wie etwa das Einmaleins. 
Wer, wenn er schreibt, um sich Genii ge zu tun, alles sagt, was er 
weiB, schreibt gewiB schlecht. Hingegen wer anhalten muB, um 
nicht zu viel zu sagen, kann sich eher Beifall versprechen. [186] 

..., Prediger zu..., ist der artige Mann, der das Klatschmagazin 
tiber Schulen und Universitaten anlegen will. Ein Prediger sollte 



434 SUDELBUCHER 

sich schamen, so etwas anzukiindigen. Er will auch Listen lie fern 
von studiosis non studentibus, wenn anders, wie er sagt, auf dem 
Papier sich Raum dazu findet, und, hatte er hinzusetzen konnen, 
auf seinem Buckel Raum ftir die gerechten Ziichtigungen, die er 
deswegen erhalten wird. [187] 

Ich glaube, man treibt in unsern Tagen die Geschichte der Wis- 
senschaften zu minutios, zum groBen Nachteil der Wissenschaft 
selbst. Man liest es genie, aber wahrlich es laBt den Kopf zwar nicht 
leer, aber ohne eigentliche Kraft; eben weil es inn so voll macht. 
Wer je den Trieb in sich gefiihlt hat, seinen Kopf nicht anzufullen, 
sondern zu starken, die Krafte und Anlagen zu entwickeln, sich aus- 
zubreiten, der wird gefunden haben, daB es nichts Kraftloseres gibt, 
als die Unterredung mit einem so genannten Literator in der Wis- 
senschaft, in der er nicht selbst gedacht hat, aber tausend historisch- 
literarische Umstandchen weiB. Es ist fast als wie Vorlesung aus einem 
Kochbuch, wenn man hungert. Ich glaube auch, daB unter denken- 
den, ihren eigenen und der eigentlichen Wissenschaft Wert fuhlen- 
den Menschen die so genannte Literargeschichte nie ihr Gliick 
machen wird. Diese Menschen rasonieren mehr, als sie sich darum 
bekummern, zu wissen, wie andere Menschen rasoniert haben. 
Was das Traurigste bei der Sache ist, so fmdet man, daB, so wie die 
Neigung an literarischen Untersuchungen in einer Wissenschaft 
wachst, die Kraft zurErweiterung der Wissenschaft selbst abnimmt, 
allein der Stolz auf den Besitz der Wissenschaft zunimmt. Solche 
Leute glauben sich mehr im Besitz der Wissenschaft selbst zu sein, 
als die eigentlichen Besitzer. Es ist gewiB eine sehr gegriindete Be- 
merkung, daB wahre Wissenschaft ihren Besitzer nie stolz macht, 
sondern bloB die von Stolz sich aufblahen laBt, die aus Unfahig- 
keit, die Wissenschaft selbst zu erweitern, sich mit Aufklarung 
ihrer dunkeln Geschichte abgeben, oder alles herzuerzahlen wissen, 
was andere getan haben, weil sie diese groBtenteils mechanische Be- 
schaftigung fur Ubung der Wissenschaft selbst halten. Ich konnte 
dieses mit Exempeln belegen, aber das sind odiose Dinge. [188] 

Es muBte eine ganz entsetzlich elende Ubersetzung sein, die ein 
gutes Buch fur einen Mann von Geist, der ins GroBe liest und nicht 
liber Ausdrucken und Sentenzen hangt, verderben konnte. Ein Buch, 



HEFT K 187-195 435 

das nicht einen solchen Charakter hat, den selbst der schlechteste 
Ubersetzer kaum fiir den Mann von Geist verderben kann, ist ge- 
wiB nicht fiir die Nachwelt geschrieben. [189] 

Es ist gewiB sehr schwer, ein Werk zu schreiben, das den Beifall 
derer erhalt, die bei Genie die Materie, worein die Sache einschlagt, 
zum Studio ihres ganzenLebens gemacht haben. Ich habe gefunden, 
daB, wenn ich eine gewisse Materie in der Physik, von nicht sehr 
groBem Umfange, 8 bis i4Tage lang zumHauptgegenstand meiner 
Untersuchungen machte, mir alle Schriftsteller, die dariiber ge- 
schrieben hatten, seicht vorgekommen sind. [190] 

Die Leichenpredigten auf Bucher unterscheiden sich gar sehr von 
denen auf Menschen. Die letzteren werden gewohnlich uberVer- 
dienst gelobt und die ersteren ausgeschimpft. [191] 

Viele sogenannte beriihmte Schriftsteller, in Deutschland we- 
nigstens, sind sehr wenig bedeutende Menschen in Gesellschaft. Es 
sind bloB ihre Bucher, die Achtung verdienen, nicht sie selbst. Denn 
sie sind meistens sehr wenig wirklich. Sie miissen sich immer erst 
durch Nachschlagen zu etwas machen, und dann ist es immer wie- 
der das Papier, das sie geschrieben haben. Sie sind elende Ratgeber 
und seichte Lehrer dem, der sie befragt. [192] 

Ich mochte wohl wissen, wie es um unsere deutsche Literatur in 
manchen Fachern stehen wiirde, wenn wir keine Englander und 
Franzosen gehabt hatten. Denn selbst zum bessern Verstandnis der 
Alten sind wir durch sie angefiihrt worden. Selbst die Frivolitat 
mancher unter ihnen hat manchen die Augen fiir den Wert der Al- 
ten geofFnet. [193] 

Es halt nicht schwer, eine Sache zu Papier zu bringen, wenn man 
sie einmal in der Feder hat. [194] 

Es war vor einiger Zeit Mode, und ist es vielleicht noch, auf die 
Titel der Romane zu setzen: eine wahre Geschichte. Das ist nun eine 
kleine unschuldige Betrugerei, aber daB man auf manchen neueren 
Geschichtsbuchern die Worte: ein Roman, weglaBt, das ist keine so 
unschuldige. [195] 



436 SUDELBUCHER 

Vielleicht leistet manches schlechte Buch, das jetzt verachtet 
wird, dereinst einem guten eben den Dienst, den die elenden Schau- 
spiele den Shakespearischen geleistet haben, mit dessen Werken sie 
gleichzeitig waren. So kommt auch dem schlechten Schriftsteller 
der Trost zu statten, daB die Nachwelt dereinst sein Verdienst er- 
kennenwird. [196] 

Urn iiber gewisse Gegenstande mit Dreistigkeit zu schreiben, ist 
fast notwendig, daB man nicht viel davon versteht. Auch geht es gut 
an, wo der Gegenstand noch wenig bekannt ist. Unstreitig hat man 
sehr viel mehr vom Vielfrafi zu erzahlen gewuBt, da er noch wenig 
gekannt war, als jetzt, da man ihn kennt. [197] 

B. besitzt groBes Dichtertalent; aber es ist bei ihm in eine fremde 
Materie gefaBt, so wie bei den Bleistiften das ReiBblei in Holz; 
wenn er sich zu spitzen vergiBt, so glaubt er zuweilen, er schriebe, 
wenn er bloB mit dem Holze kritzelt. [198] 

Um gut versifizieren zu konnen, scheint es unumganglich notig, 
daB man das Metrum und den Numerus in demselben leise h6rt, 
ohne noch die Worte zu vernehmen, die es fiillen sollen. Die Form 
des Gedankens muB dem Dichter schon vorschweben, ehe der Ge- 
danke selbst erscheint. [199] 

Eine gute Bemerkung iiber das sehr Bekannte ist es eigentlich, 
was den wahren Witz ausmacht. Eine Bemerkung iiber das weniger 
Bekannte, wenn sie auch sehr gut ist, frappiert bei weitem nicht so, 
teils weil die Sache selbst nicht jedermann gelaufig ist, und teils weil 
es leichter ist, iiber eine Sache etwas Gutes zu sagen, woriiber noch 
nicht viel gesagt ist. Man bezeichnet auch daher diese Art von Ein- 
fallen im gemeinen Leben durch die Ausdriicke: gesucht und weit 
hergeholt. [200] 

Mich wundert, daB noch niemand eine Bibliogenie geschrieben 
hat, ein Lehrgedicht, worin die Entstehung nicht sowohl der 
Bucher, als des Buchs beschrieben wiirde - vom Leinsamen an, bis 
es endlich auf dem Repositorio ruht. Es konnte gewiB dabei viel 
Unterhaltendes und zugleich Lehrreiches gesagt werden. Von Ent- 



HEFT K 196-205 437 

stehung der Lumpen; Vcrfertigung des Papiers; Entstehung des 
Makulaturs; mitunter die Druckerei; wie ein Buchstabe heute hier, 
morgen dort dient. Alsdann wie die Bucher geschrieben werden. 
Hier konnte viel Satyre angebracht werden. Der Buchbinder ; haupt- 
sachlich die Biichertitel und zuletzt die Pfefferduten. Jede Verrich- 
tung konnte einen Gesang ausmachen, und bei jedem konnte der 
Geist eines Mannes angerufen werden. [201 ] 

Ich glaube, daB ein Gedicht auf den leeren Raum einer groBen 
Erhabenheit fahig ware. Ich glaube wenigstens so, nach allem, was 
ich bisher gelesen habe; vielleicht tragt aber auch meine eigene Dis- 
position etwas dazu bei. [202] 

Wenn man Rape of the Lock durch »Lockenraub« libersetzt, 
so ist schon die Halfte des Witzes verloren. Was mag nicht erst im 
Gedichte selbst verloren gegangen sein ! [203 ] 

In alien Werken Hogarths findet sich kein Esel angebracht, wo- 
mit sonst die satyrischen Kiinstler so sehr freigebig sind. [204] 

Gesprach zwischen mir und demfranzosischen 

SprachmeisterL ... y der ein versteinertes 

Gehirn gefunden haben wollte 

Der Sprachm. Hier, Herr Professor, habe ich ein versteinertes 
Menschengehirn auf dem Hainberge gefunden; das ist wirklich 
eine groBe Seltenheit. 

Ich. Ja, so wie uberhaupt Versteinerungen von Dingen, die leicht 
faulen ; allein die Menschen, die dergleichen gefunden haben wollen, 
sind gar keine Seltenheit. Ich habe sogar jemanden gekannt, der einen 
versteinerten Butterweck gefunden haben wollte. 

Der Sprachm. Wollen Sie mir dieses rare Stuck nicht abkaufen? 
Vous Paurez pour un ducat. 

Ich. Mein lieber Herr L. . ., folgen Sie meinem Rate, und werfen 
Sie den Stein weg, es ist ein gemeiner, im Wasser abgerundeter 
Stein. 

Der Sprachm. O Sie sind schon so oft so gutig gegen mich gewesen 
- Vous Taurez pour un ecu. Je n'ai pas un sou. 



438 SUDELBUCHER 

Ich. Hier haben Sie einen halben Gulden, den schenke ich Ihnen, 
aber nehmen Sie den Stein mit. 

Der Sprachm. O Sie kennen ja den Herrn Hofrat H . . . gut, empfeh- 
len Sie mich doch, vielleicht wird dieses pretiose Stiick fiir das Ca- 
binet gekauft. 

(Hier ging mir die Geduld aus). 

Ich (heftig). Horen Sie, lassen Sie mich mit Frieden; wenn Sie 
aber sagen wollen, das, was Sie hier in der Hand halten, sei Ihr eigenes 
Gehirn, so will ich sehen, was ich fiir Sie tun kann, denn so klingt 
doch die Sache noch plausibel. (Hier machte ich die Tiir auf ) . [205] 

Hochzeiten gehoren unter die Fleischspeisen, da sie in den Fasten 
verboten sind. [206] 

Die metallischen Alter der Welt sind jetzt verkalcht. [207] 

Geheimer Ausmfer - eine neue Hofcharge - namlich, der heimlich 
verbreitet, was man gern verbreitet hatte, und doch nicht laut ver- 
breiten darf. [208] 

Wenn die Menschen nicht nach den Uhren gehen, so fangen end- 
lich die Uhren an nach den Menschen zu gehen. [209] 

Man macht jetzt so junge Doktoren, daB Doktor und Magister 
fast zur Wiirde der Taufnamen gediehen sind. Auch bekommen 
die, denen diese Wiirden erteilt werden, sie oft wie die Taufnamen, 
ohne zu wissen wie. [210] 

Man sollte, wenn man die Titel ansieht, wie sie ihren Wert ver- 
lieren, fast glauben, es ware mehr Ehre in die Welt gekommen; so 
wie der Wert des Geldes talk, wenn des Goldes zu viel wird. [211] 

Warum sollte das herrliche Spruchwort nicht so gut vom geist- 
lichen als vom leiblichen Vermogen gelten: Mit Vklem halt man 
Haus, mit Wenigem hommt man auch aus? [212] 

Ja, der Herr Leibarzt war ein vortrefflicher Mann, er besuchte 
jedermann, er mochte vornehm oder gering sein, und wenn es urn 



HEFT K 205-222 439 

Mitternacht gewesen ware. Man konnte mit Recht von ihm sagen, 
was Horaz von des Kaiser Augusts Leibarzt sagt: aequo pulsat pede 
pauperum tabernas regumque turres. [213] 

Wahrend man iiber geheime Siinden offentlich schreibt, habe ich 
mir vorgenommen, iiber ofFentliche Siinden heimlich zu schreiben. 

[214] 

Wenn es gegriindet ist, was ein vortrefFlicher Kopf, der Abbe 
Lechevalier, mutmaBte, daB der Konig Ludwig XVI. durch den 
EinfluB der Royalisten hingerichtet sei, weil man dies fur das sicherste 
Mittel gehalten hatte, wieder einen Konig zu bekommen ; so konnte 
man nicht unschicklich sagen, der Konig sei in usum Delphini hin- 
gerichtet worden. [215] 

Ich schatze Leute gliicklich, die einen Vornamen mit einem M 
haben, weil sie gleichsam natiirliche Magistri sind. [216] 

Der herrschende Geschmack an Halbromanen zeigt sich sogar 
jetzt in unseren politischen Zeitungen. [217] 

Guter Rat 

A. Sagen Sie mir, soil ich heiraten oder nicht? 

B. Ich dachte, Sie machten es wie Ihre Frau Mutter, und heirateten 
in Ihrem Leben nicht. [218] 

Vergkichung zwischen einem Prediger und einem Schlosser. 
Der erste sagt: du sollst nicht stehlen u/ollen; und der andere: 
du sollst nicht stehlen konnen. [219] 

Er kann die Dinte nicht halten, und wenn es ihm ankommt, je- 
mand zu besudeln, so besudelt er sich gemeiniglich am meisten. [220] 

So wie es Tiere gibt, die mit dem Schwanze greifen, so gibt es 
auch welche, die mit der Hand schwanzeln. [221] 

So wie man anderen Leuten Pistolen und Degen wegtun muB, 
wenn sie betrunken sind, so muGte man ihm den Geldbeutel weg- 
nehmen, damit er nicht zu viel Gutes tat. [222] 



440 SUDELBUCHER 

Das Buch bedarf noch des Kalfaterns, die Risse auszustopfen. [223 ] 

Wir fressen einander nicht, wir schlachten uns bloB. [224] 

Es gibt eigentlich zwei Arten, eine Sache zu untersuchen, eine 
kaltblutige und eine warmblutige. [225] 

Der Korrektor verbessert Druckfehler noch zu reenter Zeit; der 
Kritiker gedruckte Fehler, wenn es leider zu spat ist. [226] 

Es ware freilich gut, wenn es keine Selbstmorde gabe. Aber man 
richte nicht zu voreilig. Wie in aller Welt wollte man z. B. in Trauer- 
spielen die unniitzen Personen wegschafFen? Sie durch andere er- 
morden zu lassen ist gefahrlich. Alles ist weislich geordnet. [227] 

Man kann sich nicht leicht eine schlauere Hexe denken. Die 
Schlange hatte wie den Vater, so auch seine beiden Sonne bestrickt. 
Wahrlich eine wahre Gruppe des Laokoon. [228] 

So gehts an der Leine, an der Elbe und am Rhein, und wird wohl 
am Jordan eben so gegangen sein. [229] 

Er war nicht sowohl Eigentiimer als Pachter der Wissenschaften, 
die er vortrug. Denn es gehorte ihm nicht ein Fleckchen davon. [230] 

Es gibt heutzutage so viele Genies, daB man recht froh sein soil, 
wenn einem einmal der Himmel ein Kind beschert, das keines ist. 

[231] 

Man hatte ihm sein Buch zu Schanden rezensiett, und er sagte 
selbst, wenn er es auf dem Schranke stehen sahe, so verarge es in ihm 
das Gefuhl, wie der Anblick des verschlossenen Ladens eines Kauf- 
mannes, der bankerott geworden ist. [232] 

Gesprach. 

A. Ja, die hat ihr Kopfchen. 

B . Und ich habe mein Priigelchen. [23 3 ] 



HEFT K 223-245 441 

Mit der christlichen Religion laBt sich Staat machen, aber wahr- 
lich mit den Christen sehr wenig, [234] 

Man wascht am Griindonnerstag 12 Mannern oder Weibern die 
FiiBe, und daftir das ganze Jahr hindurch alien iibrigen Untertanen 
dieKopfe. [235] 

Jetzt sucht man iiberall Weisheit auszubreiten, wer weiB, ob es 
nicht in ein paar hundert Jahren Universitaten gibt, die alte Unwis- 
senheit wieder herzustellen. [236] 

Ware es nicht gut, die Theologie etwa mit dem Jahre 1800 fur 
geschlossen anzunehmen und den Theologen zu verbieten, fernere 
Entdeckungen zu machen? [237] 

Um an etwas zu zweifeln, ist freilich oft bloB notig, daB man es 
nicht versteht. Diesen Satz wollten einige Herren gar zu gern um- 
kehren, indem sie behaupten, man verstehe ihren Satz nicht, wenn 
man ihn bezweifelt. [238] 

Ein einschlafriger Kirchstuhl. [239] 

Wir von Gottes Ungnaden Taglohner, Leibeigen[e] , Neger, Fron- 
knechte etc. [240] 

Die Frauenzimmer mit Paradiesvogeln verglichen, weil sie keine 
Beine haben. [241] 

Die geschdrfte SokratischeMcthode-ichmeinedie Tortur. [242] 

Eine Schraube ohne Anfang; so konnte man wohl eine lahme 
nennen. [243] 

Augen wie ein Stilet. [244] 

Er stand so erbarmlich da, wie ein ausgebranntes Raucher- 
kerzchen. [245] 



442 SUDELBUCHER 

Er handelte mit anderer Leute Meinungen. Er war Professor der 
Philosophic [246] 

Der Hunger und das Elend liegen da gleichsam inGarnison. [247] 

Er war damals die Spadille der Gesellschaft. [248] 

Das Musenbrot ist an manchen Orten noch schwarzer als das 
KommiBbrot. [249] 

Er glich gewissen Blumenblattern, die man nie gerade biegen 
kann, sie bleiben immer nach der einen oder der andern Seite hohl. 

[250] 

Ein Madchen, kaum zwolf Moden alt. [25 1 ] 

Wo die gemeinen Leute Vergniigen an Wortspielen finden, und 
haufig selbst welche machen, da kann man immer darauf rechnen, 
daB die Nation auf einer sehr hohen StafFel von Kultur steht. Die 
Calenberger Bauern machen keine. [252] 

Angstlich zu sinnen und zu denken, was man hatte tun konnen, 
ist das Obelste, was man tun kann. [253] 

Ach, ich habe so oft selbst erfahren, wie viel die Regel gilt: Ver- 
meidet den Schein des Bosen sogar ! Denn wenn man auch noch so 
gut handelt, so gibt man doch irgend einmal jemanden Gelegen- 
heit, uns eine Schuld aufzubiirden, wobei sein Mund nicht einmal 
zu liigen Ursache hatte, so sehr auch sein Herz ihn der Falschheit 
ziehe. [254] 

Sdrge von Korbwerk konnten wohlfeil und doch schon gemacht 
werden; man konnte sie schwarz und weiB anstreichen. Sie hatten 
den Vorteil, daB sie leicht verfaulten. [255] 

Man konnte die menschliche Gesellschaft in drei Klassen teilen, 
indie: 

1 . neque ora neque labora, 



HEFT K 246-262 443 

2. ora et non labora, und 

3. oraet labora. [256] 

Was man von dem Vorteile und Schaden der Aufklarung sagt, 
lieBe sich gewifi gut in einer Fabel vom Feuer darstellen. Es ist die 
Seele der unorganischen Natur, sein maBiger Gebrauch macht uns 
das Leben angenehm, es erwarmt unsere Winter und erleuchtet 
unsere Nachte. Aber das miissen Lichter und Fackeln sein, die Stra- 
Benerleuchtung durch angeziindete Hauser ist eine sehr bose Er- 
leuchtung. Auch muB man Kinder nicht damit spielen lassen. [257] 

Es lieBe sich vielleicht ein ganz guter Aufsatz uber die Namen von 
Hunden schreiben. Melac nennt man Hunde, nach dem bekannten 
pri vilegierten Mordbrenner. Vielleicht gibt es nach der franzosischen 
Staatsumwalzung auch Namenumwalzung unter den Hunden. 
Custine ware ein herrlicher Name fiir einen, der viel bellt und nicht 
beiBt, wenigstens nicht wo er soil. Kotzebue muBte notwendig 
einer heiBen. Ehrliche Leute, die noch so heiBen, kann es so wenig 
verdrieBen, wie den tiirkischen Kaiser, daB so viele Hunde Sultan 
heiBen. [258] 

In jeder Fakultat sollte wenigstens Ein recht tuchtiger Mann sein. 
Wenn die Charniere von gutem Metall sind, so kann das iibrige von 
Holz sein. [259] 

Einmal die sogenannten naturlichen Dinge aufzuzahlen: natiirliche 
Kinder, naturliche Religion, natiirliche Tugend. Es steckt in diesen 
AuBerungen der naturlichen Philosophic sehr vieles, was sich die un- 
natlirliche nicht immer traumen laBt. [260] 

Daraus, daB die Kinder ihren Eltern zuweilen so sehr gleichen, 
sieht man oflfenbar, daB es ein gewisses Naturgesetz ist, daB Kinder 
ihren Eltern gleichen sollen. Allein wie viele Falle gibt es dessenun- 
geachtet nicht, wo sie ihnen nicht gleichen ? Vermutlich sind daran 
gewisse Kollisionen Schuld, ebenfalls wie bei den Physiognomien. 

[261] 

Wenn man einmal Nachrichten von Patienten gabe, denen ge- 
wisse Bader undGesundheitbrunnen nicht geholfen haben, und zwar, 



444 SUDELBUCHER 

mit eben der Sorgfalt, womit man das Gegenteil tut, es wtirde nie- 
mand mehr hingehen, wenigstens kein Kranker. [262] 

Wenn jemand etwas schlecht macht, das man gut erwartet, so 
sagt man: nun ja, so kann ichs auch. Es gibt wenige Redensarten, 
die so viel Bescheidenheit verraten. [263 ] 

Sich durch plotzliche Umanderung ohne Erklarung gegen die, 
die es eigentlich angeht, ein gewisses Air von Wichtigkeit zu geben, 
ist ein sehr gemeines Verfahren im Ehestande. Jammer und Elend, 
wo es in Kegierungen Statt findet ! [264] 

Gewissen Menschen ist ein Mann von Kopf ein fataleres Ge- 
schopf, als der deklarierteste Schurke. [265] 

Ich habe mir die Zeitungen vom vorigen Jahre binden lassen, es 
ist unbeschreiblich, was fiir eine Lektiire dieses ist : 50 Teile falsche 
Hoffiiung, 47 Teile falsche Prophezeiung und 3 Teile Wahrheit. 
Diese Lektiire hat bei mir die Zeitungen von diesem Jahre sehr her- 
abgesetzt, denn ich denke : was diese sind, das waren jene auch. [266] 

Wenn die Fische stumm sind, so sind dafur ihre Verkauferinnen 
desto beredter. [267J 

Wir leben in einer Welt, worin ein Narr viele Narren, aber ein 
weiser Mann nur wenige Weise macht. [268] 

Pantheon der Deutschen 
Ich habe auch vor Newtons Grabmal in Westminsterabtei ge- 
standen ; ich habe Shakespears Denkmal, vermischt mit denen von 
groBen Helden angesehen; allein ich muB bekennen, vielleicht zu 
meiner Schande, daB der Eindruck sehr gemischt und eigen war. 
Ich konnte mich unmoglich iiberzeugen, daB Newton und Shake- 
spear dadurch geehrt wiirden, sondern, wenn ich mich in der Er- 
klarung meines Gesichts nicht irre, so war es mir, als standen diese 
Denkmaler da, die iibrigen zu ehren, unddem Platz Ehrezu verschaf- 
fen. Es war mir unmoglich, mich von diesem Gefiihl los zu machen. 
- Was konnte es helfen, jetzt Luthern in einem deutschen Pantheon 



HEFT K 262-273 445 

aufzustellen? Soil das zur Ehre Luthers sein? Unmoglich, es ist zur 
Ehre des Pantheons. Wenn ja eine solche Anstalt niitzen soil, so 
miissen Manner aufgestellt werden, deren Taten ohne Glanz groB 
waren; Manner, die sich bloB durch Handeln urn Vaterland und 
Nebenmenschen verdient gemacht haben - kein Schriftsteller, als 
solcher. Ein Schriftsteller, der zu seiner Verewigung eine Bildsaule 
notig hat, ist auch dieser nicht wert. [269] 

Wenn der Mensch die Nagel nicht abschnitte, so wiirden sie un- 
streitig sehr lang wachsen, und er dadurch zu allerlei Verrichtungen 
ungeschickt werden, die ihm jetzt Ehre machen, Diese Verstiimme- 
lung ist also unstreitig von groBem Nutzen gewesen. Ich habe daher 
immer das Nagelabkauen als einen Instinkt betrachtet, sich auszu- 
bilden. Daher kaut man an den Nageln bei einer epinosen Frage oder 
iiberhaupt bei einem schweren Problem. Wenn schon dadurch nicht 
viel ausgerichtet wird, so wird doch Perfektibilitatstrieb geubt; 
nun wirft sich die gesammelte Kraft, wenn sie sich an einem Ende 
zu schwach fiihlt, auf einen andem Teil. [270] 

Der Gehalt, das spezifische Gewicht des Geistes und der Talente 
eines Menschen ist dessen absoluter Wert, multipliziert mit der 
mittlern Wahrscheinlichkeit seiner Lebensdauer oder seiner Ent- 
fernung vom gewohnlichen Stillstand der Fortschritte. - Sehr ver- 
standlich, fur mich wenigstens. [271] 

In England ward vorgeschlagen, die Diebe zu kastrieren. Der 
Vorschlag ist nicht libel : die Strafe ist sehr hart, sie macht die Leute 
verachtlich, und doch noch zu Geschaften fahig; und wenn Steh- 
len erblich ist, so erbt es nicht fort. Auch legt der Mut sich, und da 
der Geschlechtstrieb so haufig zu Diebereien verleitet, so fallt auch 
diese Veranlassung weg. Mutwillig bloB ist die Bemerkung, daB 
die Weiber ihre Manner desto eifriger vom Stehlen abhalten wiir- 
den; denn so wie die Sachenjetzt stehen, riskieren sie ja, sie ganz zu 
verlieren. [272] 

Die Jahre der zweiten Minorennitat, das sind bose Zeiten, wenn 
sie ankommen. Bei Schriftstellern ubernimmt das Publikum als- 
dann gemeiniglich die Vormundschaft. Abnahme des Gedachtnis- 



44<5 SUDELBUCHER 

ses, graue Haare, Wegschleichen der Zahne, und Lob der Zeiten, 
wo das Fleisch noch weicher gekocht wurde, sind die sicheren Kenn- 
zeichen, daB sie eingetreten sind. Wohl dem alsdann, der auf guten 
Grund gebaut hat. [273] 

Cartesius sagt in einem Briefe an Balzac (European Magazine 
Febr. 1795 p. 85.), daB man die Einsamkeit in groBen Stadten suchen 
musse, und er lobt sich dazu Amsterdam, von wo der Brief datiert 
ist. Ich sehe auch wirklich nicht ein, warum nicht Borsengesumse 
eben so angenehm sein soil, als das Rauschen des Eichenwaldes; zu- 
mal fur einen Philosophen, der keine Handelsgeschafte macht, und 
zwischen Kaufleuten wandeln kann, wie zwischen Eichbaumen, 
da die Kaufleute ihrerseits bei ihren Gangen und Geschaften sich 
so wenig urn den muBigen Wandler bektimmern, als die Eich- 
baume um den Dichter. [274] 

Seit der Erfindung der Schreibekunst haben die Bitten viel von 
ihrer Kraft verloren, die Befehle hingegen gewonnen. Das ist eine 
bose Bilanz. Geschriebene Bitten sind leichter abgeschlagen, und 
geschriebene Befehle leichter gegeben, als mundliche. Zu beiden 
ist ein Herz erforderlich, das oft fehlt, wenn der Mund der Sprecher 
sein soil. [275] 

Es ist doch so ganz modern, einen Aschenkrug oben iiber ein 
Grab zu setzen, wahrend der Korper unten in einem Kasten fault. 
Und dieser Aschenkrug ist wieder ein bloBes Zeichen eines Aschen- 
kruges ; es ist bloB der Leichenstein eines Aschenkruges. [276] 

Wenn der Mensch, nachdem er 100 Jahre alt geworden, wieder 
umgewendet werden konnte, wie eine Sanduhr, und so wieder 
j linger wurde, immer mit der gewohnlichen Gefahr, zu sterben; 
wie wiirde es da in der Welt aussehen? [277] 

Wie viele Menschen mag wohl die Bibel ernahrt haben, Kom- 
mentatoren, Buchdrucker und Buchbinder? [278] 

In den Roman muB notwendig ein Mensch hinein gebracht 
werden, der immer nur von einer Sache spricht, und die an sich 



HEFT K 273-287 447 

selbst sehr geringfugig ist. Z.E. von der Prosodie der Lateiner. 
(Grammatica marchica zu brauchen.) [279] 

Im Roman ja einen Gefalligen aufzufuhren, der sich durch sein 
Komplimentemachen in 1000 Verlegenheiten bringt. Er muB es 
nicht ernstlich meinen, sondern nur so sprechen. Chenius ist ein 
sehr gutes Subjekt dazu, auch Lion, der in geschwatziger Gefallig- 
keit sich zu Dingen versteht, die er gleich darauf bereut, und daher, 
wenn er Wort halt, wenigstens die Sache nicht so unternimmt, als 
seine Bereitwilligkeit erwarten lieB. [280] 

In dem Roman konnte ein groBer Verehrer des Konigs von 
PreuBen vorgestellt werden, der noch immer den 24— Januar 
feiert, als des Konigs Geburtstag, und da wird der 7Jahrige Krieg 
auf der Tafel vorgestellt mit Fressen und Saufen, das Lager der 
Sachsen bei Pirna eine Pastete, die Artillerie durch Wein etc. [281] 

Zwei in die Insel Otaheiti und deren Sitten verliebte junge Leute 
vertauschen ihre Namen, dadurch entsteht bei den Eltern durch die 
Nachricht von ihnen allerlei Verwirrung, denn in den Briefen an 
ihre Eltern behalten sie ihre wahren Namen bei. [282] 

In dem Lande des doppelten Prinzen sagt man nicht, er hat die 
und die Nation bekriegt, sondern er hat seine Bauernkerle hinter 
die Nation gehetzt. Es ist eigentlich eine Volkerhetze, der Krieg. 
Man sollte die Sachen ausdriicken, so wie sie sind. [283 ] 

Er verlangte immer angeredet zu werden: Zweieiniger, Hochst- 
dero Zweieinigkeit. [284] 

Nur eine Amme. Dadurch wird fast immer Streit oder Friede. [285] 

Die Statue nach dem Tode nicht zu vergessen. [286] 

Doppelter Prinz. Die ungarische MiBgeburt ist eigentlich 1701 
in dem Dorfe Szony, in der Komorner Gespannschaft geboren. 
Eine authentische Nachricht da von findet sich in des Herrn von Win- 
dischen Geographie S. 40. (Nicolai Reisen, B. XII Zusatze S. 76.) [287] 



448 SUDELBUCHER 

Ich habe Heydenreichs Briefe uber den Atheismus gelesen, und ich 
muB bekennen, dafi mir, seiner Absicht zuwider, die Briefe des 
Atheisten sehr viel griindlicher geschrieben zu sein scheinen, als die 
des Glaubigen. Ich kann mich von einigen Behauptungen des letz- 
tern schlechterdings nicht iiberzeugen, und doch bin ich mit An- 
strengungen der Vernunft nicht so ganz unbekannt, und an gutem 
Willen fehlt es mir auch nicht. Es wird zu viel auf die Ausbreitung 
des moralischen BewuBtseins gerechnet, und ich mochte fast sagen, 
sich hinter diesen Satz versteckt, um einem glauben zu machen, 
man sei moralisch krank, wenn man die Behauptung nicht ver- 
steht. Hatten die Erfinder dieser wohlgemeinten Satze anerkannte 
Infallibilitat, so konnte man sich gewd'hnen, ihre Satze wahr zu fin- 
den, und sie konnten von ihrer Seite sprechen: dein Glaube hat dir 
geholfen. - Aber was ist fur den Menschen ein solcher Beweis fur 
die Existenz Gottes und der Unsterblichkeit, den zu verstehen, oder 
eigentlich zu fuhlen, unter Tausenden kaum Einer fahig ist? Soil der 
Glaube an Gott und Unsterblichkeit wirklich in einer Welt wie 
diese niitzen, so muB er wohlfeiler werden, oder er ist so viel wie 
gar keiner. [288] 

Gestern regnete es den ganzen Tag und heute schien die Sonne 
den ganzen Tag. Wie viele Begebenheiten meines Lebens wiirden 
eine andere Richtung genommen haben, wenn es heute geregnet 
und gestern die Sonne geschienen hatte? Der Winter von 1794 auf 
1795 war fiirchterlich streng, der von 1795 auf 96 sehr gelinde. Was 
fur Weltbegebenheiten wiirden eine andere Richtung genommen 
haben, wenn die Ordnung umgekehrt gewesen ware? Sicherlich 
hatten die Franzosen Holland nicht erobert. Dergleichen Betrach- 
tungen konnen sehr weit fiihren. [289] 

Milton, der zwar nicht unter die Konigsmorder selbst gehort, die 
Carl I. auf das Schafott brachten, aber sie doch nachher bekannt- 
lich verteidigte, lehrte: a popular government was the most frugal; 
for the troppings of a monarchy would set up an ordinary common 
wealth. Dieses ist ein zu unserer Zeit sehr gewohnliches Rasonne- 
ment. Wir miissen, sagen sie, so viel bezahlen, bloB um den Hof- 
staat zu unterhalten; diesen brauchen wir nicht. - Diese Art zu 
schlieBen ist aber, so vielen Schein sie auch fiir sich hat, nichts desto 



HEFT K 288-290 449 

weniger sehr grundlos. Erstlich setzt es voraus, daB, um gliicklich 
zu leben, man nichts weiter notig hat, als Geld : Ruhe und innerer 
Friede kommt dabei nicht in Betracht. Die Leute glauben, das biB- 
chen Geld, das sie mehr haben, wiirden sie alsdann eben so ruhig ver- 
zehren konnen, als in der Monarchic; aber das ist Verblendung. Wir 
ertragen es ganz wohl, daB uns eine Familie beherrscht, die wir iiber 
uns erhaben glauben. Aber wenn sich ein Bosewicht, der dem Range 
nach nicht mehr ist, als ich, durch Geld und List bei den Wahlen 
emporschwingt; ein Mann, dem ich mich an reellem Verdienst 
iiberlegen fiihle - das krankt. Auch wenn ich nicht gewahlt werde, 
und die Frau sagt: »aber, lieber Mann, warum wahlen sie denn dich 
nicht? wenn wir doch nur ein einzigesmal das Gliick hatten! unsere 
Kinder werden gar nicht so angesehen, als wie der Frau N . . . ihre« - 
das schneidet sehr tief und verbittert das Leben, und verleitet selbst 
manchen Mann, der in einer Monarchic ehrlich geblieben ware, zu 
Kabalen. Bei einer solchen Hintansetzung verliert alles seinen Wert. 
Schon der schonste Landsitz in England wird seinem Besitzer zur 
Wuste, wenn er bei einer Parlamentswahl ausgefallen ist. Hingegen 
in einer Monarchic vernachlassigt zu werden, das schreibt man mehr 
dem Schicksale zu, und diinkt sich wohl noch gar in dem Leiden 
groB, und wird auch mehr beklagt. Jeder mir benachbarte Bauer, 
der seine Stimme wider mich gegeben hat, sieht sich als meinen 
Herrn an, und riihmt sich in der Schenke, mich gedemutigt zu 
haben. - 

Zweitens, ist denn das Geld, das dem Hofe gezahlt wird, weg- 
geworfen? oder wird es in eiserne Kisten vergraben? Kommt es 
nicht vielmehr schneller in Umlauf, als jedes andere Geld? Fragt 
einmal die Hoflieferanten, oder den Schuster und Schneider, der 
fur den Hof des Hoflieferanten arbeitet; diese werden anders ur- 
teilen. Der Hof hat seine Hofe unter sich, die wieder die ihrigen ha- 
ben, und so erstreckt es sich mit unzahligen Ramifikationen bis zur 
untersten Klasse. 

Drittens untersuche man einmal unparteiisch, was eigentlich der 
Grundtrieb des Republikanismus ist. Bei den meisten wenigstens 
ein HaB gegen die GroBen. Denn man ist gewohnlich immer desto 
weniger republikanisch gesinnt, je hdher der Rang ist, den man 
selbst in der Welt bekleidet. Auch ist es schon hundertmal gesagt 
worden, daB die Verteidiger der Gleichheit eigentlich nichts wiin- 



450 SUDELBUCHER 

schen, als alles hoher zu ihrem Horizont hinauf, aber nicht sich 
selbst zu einem tiefern herab gebracht zu sehen. Die beruhmte Mrs. 
Macaulay, eine groBe Gleichmacherin, konnte es dem Dr. Johnson 
nie vergessen, daB er sie nach einem solchen Dispiit, als man sich zu 
Tisch setzte, fragte, ob sie nicht ihren Kammerdiener mitessen las- 
sen wollte. 

Viertens wird man haufig finden, daB die Verteidiger der Freiheit 
nicht selten die groBten Tyrannen in ihrem Hause sind. In England 
erzahlt man, daB der Herzog von Richmond, der ehemalige groBe 
Verteidiger der amerikanischen Freiheit nicht selten seine Ver- 
walter durchpriigeln soil. Ja Milton, der groBe Freiheitsredner, 
hatte drei Weiber nach einander und drei Tochter, aber solche er- 
niedrigende BegrifFe vom weiblichen Geschlechte, daB er glaubte, 
sie waren bloB zum Gehorchen da. Dieses ging bei ihm so weit, daB 
er sogar seine eigenen Tochter nicht schreiben lernen lieB. Ich glaube, 
es miiBte eine sehr unterhaltende Lektiire sein, die Reden eines sol- 
chen Freiheitsritters mit der Geschichte des kleinen monarchischen 
Staates verglichen zu sehen, an dessen Spitze er selbst steht. [290] 

Es ware vortrerilich, wenn sich ein Katechismus, oder eigentlich 
ein Studienplan erfinden lieBe, wodurch die Menschen vom dritten 
Stande in eine Art von Biher verwandelt werden konnten. Ich kenne 
kein besseres Tier auf Gottes Erdboden : es beiBt nur, wenn es ge- 
fangen wird, ist arbeitsam, auBerst matrimonial, kunstreich und hat 
ein vortrefiliches Fell. [291] 

Ich mochte was darum geben, genau zu wissen, fur wen eigent- 
lich die Taten getan worden sind, von denen man offentlich sagt, 
sie waren/wr das Valeriana* getan worden. [292] 

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird wenn es 
anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muB anders werden, 
wenn es gut werden soil. [293 ] 

Es gibt Lander, wo es nichts Ungewohnliches ist, daB man Offi- 
ziere, die im Kriege treu gedient haben, beim Frieden reduziert. 
Ware es nicht gut, bei gewissen Departements der Staatsverwal- 
tung die Einrichtung zu trefFen, daB die dazu gehorigen Bedienten, 



HEFT K 290-296 45I 

oder einige von ihnen, reduziert wiirden, sobald es Krieg wird? Es 
ware auch schon genug, wenn sie auf halbe Besoldung gesetzt 
wiirden. [294] 

Wer hat denn die Franzosen genotigt, ihr Heil auf Umwegen zu 
suchen? Die jetzige Verfassung (1796) ist so wenig der Zweck, als 
Robespierre's Tyrannei war. Auf diesem Wege, glaube ich, mu6 
die Sache gefunden werden. Kommen sie am Ende zu einer monar- 
chischen Regierung zuriick, gut, so ist es ein neuer und zwar sehr 
kraftiger Beweis, daB groBe Staaten nicht anders beherrscht werden 
konnen. [295] 

Wenn die Gleichheit der Stande, iiber die man jetzt so viel 
schreibt und spricht, etwas Wunschenwertes ist, so muB sie not- 
wendig etwas jener Gleichheit Analoges haben, die man nach Auf- 
hebung des Rechts des Starkern durch weise Gesetze eingefiihrt hat. 
Es ist daher ein gar sonderbares Argument, das man zur Verteidi- 
gung der Ungleichheit beibringt, wenn man sagt, die Menschen 
wiirden mit ungleichen Kraften geboren. Denn hierauf kann man 
antworten: eben deswegen, weil die Menschen mit ungleichen 
Kraften geboren werden, und der Starkere den Schwachern ver- 
schlingen wiirde, hat man sich in Gesellschaften vereinigt, und durch 
Gesetze eine groBere Gleichheit eingefiihrt. Ist das so genannte 
Gleichgewicht von Europa etwas anderes? Uberhaupt ware es wohl 
besser, zu sagen: Gleichgewicht der Stande, als: Gleichheit. [296] 



452 sudelbucher 

Physikalische und philosophische Bemerkungen 



Man sollte sich nicht schlafen legen, ohne sagen zu konnen, daB 
man an dem Tage etwas gelernt hatte. Ich verstehe darunter nicht 
etwa ein Wort, das man vorher noch nicht gewuBt hat; so etwas 
ist nichts; will es jemand tun, ich habe nichts dagegen; allenfalls 
kurz vor dem Lichtausloschen. Nein, was ich unter dem Lernen 
verstehe, ist Fortriicken der Grenzen unserer wissenschaftlichen 
oder sonst mitzlichen Erkenntnis; Verbesserung eines Irrtums, in 
dem wir uns lange befunden haben; GewiBheit in manchen Dingen, 
woriiber wir lange ungewiB waren ; deutliche BegrifFe von dem, was 
uns undeutlich war; Erkenntnis von Wahrheiten, die sich sehr weit 
erstrecken usw. Was dieses Bestreben nutzlich macht, ist, daB man 
die Sache nicht fliichtig vor dem Lichtausblasen abtun kann, son- 
dern daB die Beschaftigungen des ganzen Tages dahin abzwecken 
miissen. Selbst das Wollen ist bei dergleichen EntschlieBungen 
wichtig, ich meine hier das bestandige Bestreben der Vorschrift 
Gniige zu leisten. [297] 

Unternimm nie etwas, wozu du nicht das Herz hast, dir den 
Segen des Himmels zu erbitten! [298] 

Rat am Ende des Lebens: Man hike sich, wo moglich, vor alien 
Schriften der Kompilatoren und der allzu literarischen Schriftstel- 
ler ! Sie sind nicht ein Mensch, sondern viele Menschen, die man nie 
unter einen Kopf bringen kann, ohne sich zu verwirren; und es 
geht oft viele Zeit verloren, eine solche musivische Arbeit unter einen 
guten Gesichtspunkt zu bringen. Ein Mann, der alles zusammen ge- 
dacht hat, fur sich, verdient allein gelesen zu werden, weil ein Geist 
nur einen Geist fassen kann. [299] 

Immer sich zu fragen: sollte hier nicht ein Betrug statt finden? 
und welches ist der naturlichste, in den der Mensch unvermerkt 
verfallen, oder den er am leichtesten erfinden kann? [300] 

Bei groBen Dingen frage man: was ist das im Kleinen? und bei 
kleinen: was ist das im GroBen? wo zeigt sich so etwas im GroBen, 



HEFT K 297-308 453 

oder im Kleinen? - Es ist auch gut, alles so allgemein, als moglich, 
zu machen, und immer die ganze Reihe nach oben und nach unten 
aufzusuchen, von der etwas ein Glied ausmacht. Jedes Ding gehort 
in eine solche Reihe, deren auBerste Glieder gar nicht mehr zusam- 
men zu gehoren scheinen. [301] 

Nicht eher an die Ausarbeitung zu gehen, als bis man mit der 
ganzen Anlage zufrieden 1st, das gibt Mut und erleichtert die Arbeit. 

[302] 

Zweif le an allem wenigstens Einmal, und ware es auch der Satz : 
zweimal 2 ist 4. [303] 

Man muB sich huten, manche Dinge nicht bekannt zu nennen, 
weil man gerade zuweilen daraus sieht, daB sie einem unbekannt 
waren. [304] 

Keine Untersuchung muB fur zu schwer gehalten werden, und 
keine Sache fiir zu sehr ausgemacht. [305] 

Wir sind auf dem Wege zur Untersuchung der Natur in ein so 
tiefes Geleise hinein geraten, daB wir immer andern nachfahren. Wir 
miissen suchen herauszukommen. [306] 

Eine historiam inertiae s[ive] vis inertiae zu schreiben, ware wohl 
der Miihe wert. [307] 

Wie viel Ideen schweben nicht zerstreut in meinem Kopf, wo- 
von manches Paar, wenn sie zusammen kamen, die groBte Ent- 
deckung bewirken konnte. Aber sie liegen so getrennt, wie der Gos- 
larische Schwefel vom Ostindischen Salpeter und dem Staube in 
den Kohlenmeilern auf dem Eichsfelde, welche zusammen SchieB- 
pulver machen wiirden. Wie lange haben nicht die Ingredienzen 
des SchieBpulvers existiert vor dem SchieBpulver! Ein naturliches 
aqua regis gibt es nicht. Wenn wir beim Nachdenken uns den 
naturlichen Fiigungen der Verstandesformen und der Vernunft 
uberlassen, so klehen die BegrifTe oft zu sehr an andern, daB sie sich 



454 SUDELBUCHER 

nicht mit denen vereinigen konnen, denen sie eigentlich zugehoren. 
Wenn es doch da etwas gabe, wie in der Chemie Auflosung, wo die 
einzelnen Teile leicht suspendiert schwimmen und daher jedem 
Zuge folgen konnen. Da aber dieses nicht angeht, so muB man die 
Dinge vorsatzlich zusammen bringcn. Man mu6 mit Ideen expert- 
mentieren. 

Ein bequemes Mittel mit Gedanken zu experimentieren ist, uber 
einzelne Dinge Fragen aufzusetzen: z.B. Fragen uber Trinkglaser, 
ihre Verbesserung, Nutzung zu andern Dingen etc., und so uber die 
groBten Kleinigkeiten. [308] 

Das beste Mittel neue Gedanken z. B. in der Naturlehre zu finden, 
wenigstens unerwartete Anwendungen zu machen, ist, sich einige 
Tage ja Wochen lang hindurch in eine gewisse Materie recht ein- 
zustudieren, und hernach die ganze Naturlehre nach einem gewissen 
Plan geschwind zu durchlaufen. Es entstehen da gewifi unverhoffte 
Kombinationen. [309] 

Fragen uber Gegenstande aufzusetzen: Fragen iiber Nacht- 
wachter - und ja jedes Kapitel der Physik mit Fragen iiber dasselbe 
zu beschlieBen. [310] 

In unsern physikalischen Lehrbuchern trennen wir mit Recht, 
was in der Natur ungetrennt vorkommt. Wir sollten auch suchen 
zu vereinigen. So trennen wir z.B. beim Lichte Reflexion, Refrak- 
tion und Inflexion, und alle diese obendrein noch von chemischer 
Bindung. Aber es ist mir unmoglich zu glauben, daB nicht alle diese 
drei und mehr Relationen in jedem gegebenen Falle beisammen 
sein sollten. (S. Brougham's Experiments and Observat. on the 
Inflection etc. in den Philos. Transact, for 1796. P.I.) Das Traurige 
bei diesen Trennungen ist nur, daB wir alsdann zu unsern Ver- 
suchen nur die Korper aussuchen, in welchen sich Eins von dem 
vielen vorziiglich zeigt. Dieses ist zwar einer guten Methode sehr 
gemaB, wenigstens nach unsrer Eingeschranktheit. Aber sobald wir 
zur Anwendung kommen, muB alles zusammengenommen wer- 
den. - Was wiirde nicht z.B. aus unsrer Dioptrik geworden sein, 
wenn die verdoppelnden durchsichtigen Korper die gemeinsten, 
und das Glas selten ware? [3 IJ ] 



HEFT K 308-316 455 

Ich glaube unter alien heuristischen Hebezeugen ist keins frucht- 
barer, als das, was ich Paradigmata genannt habe. Ich sehe namlich 
nicht ein, warum man nicht bei der Lehre vom Verkalchen der Me- 
talle sich Newtons Optik zum Muster nehmen konne. Denn man 
muG notwendig heut zu Tage anfangen, auch bei den ausgemach- 
testen Dingen, oder denen wenigstens, die es zu sein scheinen, ganz 
neue Wege zu versuchen. Die Gleise oder vielmehr die gebahnten 
Wege sind etwas sehr Gutes, - aber wenn niemand nebenher 
spazieren gehen wollte, so wiirden wir wenig von der Welt kennen. 
Die Leute, die in der Gegend wohnen, das ist, die, die sich in der 
Welt nur einem kleinen Fach widmen, mussen alles versuchen. Der 
Reisende bleibt auf der HeerstraBe, der Gutsbesitzer muB alle Stel- 
len untersuchen. [312] 

Ich glaube, daB man durch ein aus der Physik gewahltes Para- 
digma, auf Kantische Philosophic hatte kommen konnen. [313] 

Diese Erfindungsregel durch Paradigmata hilft freilich dem 
Dummkopfe nicht; denn dieser taugt gar nicht zum Erfinden, eben 
weil er ein Dummkopf ist. Allein selbst der gute Kopf will ange- 
stoBen sein, um etwas Neues zu sehen; zumal etwas Neues auf neuen 
Wegen kann fast nur allein durch solche Mittel gefunden werden. 
Wenn, wie einmal Kastner mutmaBete, Newton durch seine Licht- 
Geschichte auf das Gesetz der Schwere kam, so ist dieses ein Para- 
digma. Man kann bei diesem Hiilfsmittel nicht genug bedenken, 
daB der gute Kopf doch immer dabei noch seine natiirliche Freiheit 
behalt, und also die andern Wege durch dieses Hiilfsmittel nicht 
verstopft werden. [314] 

So oft etwas Neues bemerkt wird, zu untersuchen, ob dieses 
nicht ein Glied einer versteckten Kette sei, einer ganzen Familie von 
Wahrheiten, so wie der Versuch mit dem Flintenlauf und Wasser- 
dampf. [315] 

Mikroskope iiberall zu erfinden, und wo dieses nicht angeht, die 
Versuche im GroBen anzustellen, das ist der einzige Weg directe 
zum Neuen zu gelan gen. [316] 



456 SUDELBUCHER 

Auch darin weicht man von der Nachahmung der Astronomie 
ab, daB man in die ersten Anfangs-Kenntnisse gleich die Resultate 
aus den tiefsten tragt. Das ist aber doch fiirwahr nicht recht. Man 
muB erst ordnen im GroBen, und dann die Korrektionen nach- 
tragen. Darin besteht der eigentiimliche Vortrag der Physik. Ehe 
sie [nicht] so gelehrt wird, wird nichts daraus. Man muB etwas haben, 
auf welches man auftragt, was man auszuschmucken fiir notig er- 
achtet. Alles aufeinmal tun zu wollen, zerstort alles aufeinmal. [317] 

Ein sehr niitzliches Buch ware, durch die ganze Naturlehre an- 
zugeben, wie man unerwartete Vorfalle beobachten soil, worauf 
man dabei zu sehen hat. Ohne dieses kommen wir wahrlich nicht 
weiter. Denn wie selten sind Kenner an solchen Orten, wo merk- 
wiirdige Erscheinungen vorkommen; aber gewiB kann man durch 
einen faBlichen Unterricht gar leicht zum Kenner fiir eine besondere 
Sache gemacht werden. [318] 

In dem Satze : actio et reactio sunt aequales ist in der Tat sehr viel 
mehr Wahres enthalten, als man noch zur Zeit mit reinen Prinzi- 
pien zusammenzuhangen weiB. Man hat Newton getadelt (S. 
Gehlers Worterb. Art. Gegenwtrkung. in II. und V.B.), daB er den 
Satz auf die Attraktion von Erde und Mond ausgedehnt habe. Ich 
glaube fast, daB der Tadel ungerecht ist. Es muB freilich der Begriff 
von Aktion der Materie weiter ausgeholt werden, so daB Stofi und 
Attraktion, beide, gleiche Rechte unter ihm bekommen. Wer ohne 
Riicksicht auf Attraktion einen Stein gegen die Erde wirft, stoBt 
die Erde mit dem Stein, stoBt aber auch den Stein mit der Erde. Es 
ist vollig einerlei, und sobald die Kraft gewirkt hat (und wenn auch 
der Konflikt selbst noch Jahrtausende verschoben wiirde), so ist es 
vollig einerlei, ob der Stein gegen die Erde, oder die Erde gegen 
den Stein geworfen wiirde. Wiederum (in Riicksicht auf Attraktion) 
wer einen Stein von der Erde aufhebt, entfernt auch die Erde von 
dem Stein. Er entfernt beide von dem Mittelpunkt ihrer Schwere 
nach MaBgabe ihrer Masse, und wer sie gegen einander stoBt, 
nahert beide nach Verhaltnis ihrer Masse ihrem gemeinschaftlichen 
Schwerpunkt, oder eigentlich hier dem Mittelpunkt der Tragheit. 
Mit eben der Kraft, womit ich ein Hirsenkorn bewege, kann ich die 
Sonne bewegen; nur wird freilich die Geschwindigkeit der be- 



HEFT K 317-323 457 

wegten Sonne so viel Mai geringer sein, als die Sonne das Hirsen- 
korn an GroBe iibertrifft; und von jeder Bewegung, die wir be- 
merken, kommt etwas der ganzen Welt zu. Ich glaube, Kant hat fur 
diese Idee gehdrig tief ausgeholt. Wenn sich zwei harte Korper 
directe einander stoBen, so erfolgt allemal eine Ruhe fiir beide im 
absoluten Raume; aber auch im relativen, wenn ihre Massen ein- 
ander gleich sind. - StoB und Attraktion miissen als bloBe Species 
eines generis behandelt werden. Damn muB es gebracht werden, so 
wird Newton Recht haben. [319] 

Es ist wohl ausgemacht, daB ein Korper, der ruht, immer ruhen 
wird; aber es ist nicht so deutlich, daB ein Korper, der sich einmal 
bewegt, sich immer fort bewegen wird ; zumal wenn man annimmt, 
daB die Bewegung der Materie nicht eigen sei. Da der Korper sich 
nicht ohne auBere Kraft bewegt, wie erhalt er sich in Bewegung 
ohne auBere Kraft? Es ist in der Welt so, aber ist dieses notwendig? 
Was teilt der Materie diese Seele mit? Die Mitteilung der Bewe- 
gung ist eine der dunkelsten Materien. [320] 

Ob Undurchdringlichkeit mit unter die allgemeinen Eigenschaf- 
ten der Korper gehore, getraue ich mir nicht zu entscheiden. Wir 
schlieBen es aus Erfahrungen, die nie allgemein sein konnen. Wir 
haben auch Erfahrungen, aus denen man das Gegenteil folgern 
konnte z.B. die Wirkung des Lichts, der magnetischen Materie. 
Hier helfen wir uns mit Poren, aber die Poren sind wieder angenom- 
men, weil wir die Materie fiir undurchdringlich halten. [321] 

Es wird, glaube ich, noch dazu kommen, daB man die Luft zu 
chemischen Versuchen wird austrocknen miissen, wie zu Bestim- 
mung des Nullpunkts des Hygrometers. DieVerkalchung des Queck- 
silbers konnte so vorgenommen werden, daB man das Rohr des 
Setzkolbens unter eine Glocke leitete, worunter die dephlogi- 
stisierte Luft iiber gegliihetem Kalch gestanden hatte, und die man 
noch iiberdies mit Quecksilber sperrte. Derm bei unserer gewohn- 
lichen Calcination ist immer Wasser mit der Luft verbunden, das 
wenigstens als Aneignungsmittel dabei dienen karm. [322] 

In wie fern lassen sich die Pflanzen als chemische Laboratorien an- 
sehen? Sind sie dieses, so fragt es sich, was wird aus der Komposition 



458 SUDELBUCHER 

des Wassers? Ich fiirchte aber fast, es sieht mit der Chemie des 
tierischen und Pflanzen-Korpers so aus: woraus bestehen Newtons 
Werke? Antwort: aus Lumpenpapier und Druckerschwarze. [323] 

Wie hangen die verschiedenen Farben des polierten Stahls, die er 
durch Hitze annimmt, gelb, blau usw. mit den chemischen Grund- 
satzen zusammen? Hat man den geblauten Stahl in dephlogisti- 
sierter Salzsaure gebleicht? Kann er in den verschiedenen Luftarten 
geblaut werden? Verrat dieses nicht ein Phlogiston? Sind diese 
Farben ein Anfang von Verkalchung? Dieses wohl zu untersuchen 
und durch zu denken. Der ProzeB ist in der Tat auBerst wichtig, 
so geringfugig er anfangs auch scheint. [324] 

Wenn wir nur eigentlich einmal recht wiiBten, was Auflosung ist. 
Ich denke, Auflosung ist ein Wort wie Attraktion, es druckt eine Er- 
scheinung aus, deren mechanische Ursache wir nicht kennen. Es 
scheint ein Durchdringen der Wesen zu sein. (Kant hat einen sol- 
chen Gedanken, wo ich nicht irre, geauBert). Es scheint wenigstens 
nicht, als ob die Auflosung die letzte Stufe der Zerteilung sei. [325] 

DaB unsere Auflosungen etwas ganz anderes sind, als man ge- 
wohnlich glaubt, sieht man auch daraus, daB durch die Auflosung 
des Eisens die Einwirkung des Magneten auf dasselbe so sehr ge- 
stort, ja wohl gar aufgehoben wird. Das Eisen wird also nicht bloB 
verhiillt, sondern es wird verandert. Diese Veranderung liegt sicher- 
lich nicht in der Reihe mechanischer Verhullungen. Nach der 
antiphlogistischen Hypothese zieht also das Eisen das Oxygen oder 
auch die Saure so, daB dadurch die Einwirkung auf den Magneten 
gestort wird. 

Eine wichtige Frage ist hier: womit ist das Eisen im Magneten 
mineralisiert? Sollte es nicht gar gediegen, nur sehr zerteilt darin 
enthalten sein? Was lehrt die Chemie hieruber? Eine starke Bindung 
kann es schlechterdings nicht sein. [326] 

Alles ist hinieden gemischt; wir mtissenjetzt nur suchen, wie wir 
es gehorig trennen, und eine Materie vorziiglich vor der andern 
erscheinen machen konnen. Das ist allein Gewinn latente Dinge 
sensibel zu machen. [327] 



HEFT K 323-332 459 

Durch die Papinianische Maschine konnte noch ein neues Feld 
in der Chemie eroffnet werden, zumal wenn man sie aus einem 
StorY verfertigen konnte, der den Sauren widerstande. Vielleicht 
ware schon eine kleine eisenie Granate dazu dienlich, die man fest 
verschraubte und ins Feuer brachte. Bergman glaubte schon, daB 
in der Papinianischen Maschine vielleicht die meisten Erden im 
Wasser auflosbar gemacht werden konnten. Man braucht aber nicht 
gleich ganze Papinianische Maschinen zu machen. Es ware vor- 
treftlich, wenn man die Kieselerde darin auflosen und so Quarz- 
Krystalle erhalten konnte. [328] 

Latent werden, fortleiten, sensibel werden sind Begriffe, die einmal 
im allgemeinsten Verstande betrachtet zu werden verdienten. Wo 
plotzlich etwas sensibel wird, da gent gewiB eine Trennung vor; 
es ist ein prazipitierendes Mittel da, das vielleicht den andern Be- 
standteil mit sich fortreiBt, und was vorher ein Nichtleiter eines 
Bestandteils war, kann jetzt ein Leiter werden. [329] 

Was wiirde geschehen, wenn man in Haarrb'hrchen das Wasser von 
oben herab Ziehen lieBe? Wenigstens muB dieser besondere Fall mit 
Lalande's Theorie vereinigt werden konnen. Der Versuch ist leicht. 

[33o] 

Warum sollte nicht Affinitat bei groBen Korpern in die Feme 
wirken konnen? Eigentlich: warum sollte nicht das, was wir Affini- 
tat nennen, sich bei ungeheuren Massen auch in der Feme zeigen 
konnen? Das Aufsteigen der Atmosphare in den heiBen Gegenden 
ist gewisser MaBen eine Flut der Luft, die nicht durch die Attrak- 
tion, sondern durch das Licht und die Warme der Sonne hervor- 
gebracht wird. [331] 

Ein merkwurdiger Umstand bei dem Haarrohrchen ist, daB das 
Wasser oben nicht herauslauft, wenn man das Rohrchen kurzer 
macht, als der Hub desselben betragt. Wie dieses die Herren Adha- 
sionisten erklaren wollen, sehe ich doch nicht recht ein. Nach de 
Lalande's Theorie ergibt es sich leicht. Wenn ein Haarrohrchen so 
tief eingetaucht wird, daB seine obere Offnung dem Wasser gleich 
ist, so sollte man denken, miiBte es nach dem System der Attrak- 



460 SUDELBUCHER 

tionisten oben auslaufen. Dieses konnte auch noch geschehen, wenn 
es ein wenig erhaben ware, und dann hatten wir das Perpetuum 
mobile fix und fertig. [332] 

Vermittelst Haarrohrchen muB im Vacuo nicht allein ein Heber 
moglich werden, sondern auch sogar vielleicht einer, dessen innerer 
Schenkel langer ware, als der auBere, wenn man diesen wetter 
machte. [333] 

Es ware doch moglich, daB einmal unsere Chemiker auf ein Mittel 
gerieten unsere Luft plotzlich zu zersetzen, durch eine Art von 
Ferment. So konnte die Welt untergehen. [334] 

Eine ganz eigne Chemie fur die Dampfe zu etablieren, worin gar 
die Rede von nichts anderem, als von der Mischung von Dampfen 
ware, hochstens verbunden mit permanent elastischen Flussigkeiten. 
Ich glaube sicherlich, daB hieraus etwas Gutes kommen wurde. Frei- 
lich muBten die Dampfe nicht bloB in der Temperatur, worin sie 
zuerst haufig entstehen, sondern auch in der argsten Glut gebraucht 
werden, und uberhaupt miiBte man noch auf mehrere Variation 
von Dampfen denken. [335] 

Was mich eigentlich bewogen hat, so lange mit meinem Beifall 
fur die antiphlogistische Chemie zuriickzuhalten, ist (verzeihe mir 
meine schwere Siinde,) bloB der enthusiastische Beifall gewesen, 
womit sie von einigen Leuten beehrt worden ist, deren Fliichtigkeit 
im SchlieBen, Seichtigkeit und Ignoranz in der Naturlehre mir be- 
kannt war. [336] 

Da es nun ausgemacht zu sein scheint, daB dieLuft mit demQueck- 
silber vermischt werden kann, so ist die Frage: auf welche Weise 
steckt sie darin? Wie steckt sie in den Sauren? So lange wir noch 
nicht recht deutlich wissen, wie Warme zur Fliissigkeit beitragt, so 
laBt sich a priori hieruber nichts beibringen. Es ware z.B. moglich, 
daB die Flussigkeits- Warme der Luft im Wasser so gebunden [wird] , 
wie die Elektrizitat im Teller des Kondensators durch den Konden- 
sator,, die auch bei der Trennung gleich wieder frei wird. [337] 



HEFT K 332-342 461 

Da so vieles von der AuOosung des Wasscrs in Luft gesprochen 
wird, und doch noch niemand anzugeben gewuBt hat, wie sich das 
reine Menstruum von der Solution unterscheidet: so konnte man 
vielleicht durch die Untersuchung ihrer Ausdehnungskraft dazu ge- 
langen. Man miiBte namlich so wie Prony untersuchen, ob die Aus- 
dehnungskraft gleich trockner atmospharischer Luft durch die 
Warme zu alien Zeiten gleich sei. Sollte nicht die erstaunliche Aus- 
dehnungskraft der Stichluft eine Verwandtschaft mit dem Wasser- 
dampf verraten? [338] 

Ich weiB nicht, ob man je etwas iiber die Abanderungen der 
Tone und des Schalles durch die Feme versucht hat. Alle Donner- 
wetter klingen in einiger Entfernung fiirchterlicher, als ganz nahe; 
das ist gewiB. In der Nahe ist es oft ein bloBes Knattern, und die 
starksten Schlage sind mehr stark als tief. Auch am 26. Jul. 1793, da 
Bretter auf demJohannisturm-Dache angenagelt wurden, klang das 
Einschlagen ganz besonders. Wenn ich den Schall mit Worten aus- 
driicken soil, so war es tschjub, tschjub - auf eine ganz eigene Weise, 
wovon gewiB der Nagel-Einschlager nichts vernommen hat. Und 
gleich den Tag darauf, da in einem Garten in einiger Entfernung 
Latten angenagelt wurden, horte ich dasselbe, nur nicht so vernehm- 
lich. [339] 

Mir kommt es vor, als wenn auf der Klarinette und der BaBgeige 
zwischen den hohern und tiefern Tonen einige lagen, die gar nicht 
in die Klasse gehorten, und die wie Erdfarben unter den Saftfarben 
stehen. Es sind unangenehme; die beim erstern Instrument bloken 
und blaken, und bei dem letztern kratzen und schaben. [340] 

Es konnte sein, daB das Ohr deswegen eine so kunstliche Ein- 
richtung hat, um gewisse Irregularitaten in den Schwingungen zu 
hindern und aufzuheben, so wie die achromatischen Glaser fur das 
Auge die Farben, - oder uberhaupt um die Schwingungen zu sich- 
ten und zu verfeinern. - Ein Filtrum fur Schwingungen. [341] 

Beim Echo, beim Donner usw. ist gewiB noch vieles undeutlich. 
Busch sagt (Aerometrie S.191.) beim Wind fande es nicht Statt, 



462 SUDELBUCHER 

und glaubt es kame von einer ruhenden Luft her. Die Sache ist ge- 
wiB merkwiirdig, und Biisch's Gedanke artig. Zu vergleichen mit 
Biisch's Reflexion der Lichtstrahlen am Horizont. Wie hangt diese 
mit Inflexion des Lichts zusammen? Denn es ist nicht bloB Inflexion, 
sondern auch Deflexion oder eigentlich Reflexion. Dieses will so 
viel sagen : so wie die Inflexion die Refraktion nachahmt, so ahmt 
sie auch die Reflexion nach, und sie sind wohl beide im Grunde 
einerlei. [342] 

Eines solchen Mannes wie Mozarts Ohr hatte man notwendig 
sezieren sollen, denn wenn wir nicht durch monstrose VergroBe- 
rung endlich der Natur dort etwas abmerken, so wird es nie ge- 
schehen. [343] 

Die Geschwindigkeit des Schalles bei sehr nebeliger Luft liefie sich 
durch Elektrizitat erforschen. Man konnte die Kanone oder auch 
den Kanonenschlag durch eine elektrische Batterie ziinden, durch 
einen StoB, den der Beobachter an der andern Station empfande. 
Da man namlich nach alien bisherigen Versuchen noch immer ohne 
Irrtum die Geschwindigkeit der elektrischen Materie unendlich groB 
setzen kann, so hatte man bei diesem Verfahren auf die Geschwindig- 
keit der elektrischen Materie eben so wenig zu sehen, als bei dem 
gewohnlichen Verfahren auf die Geschwindigkeit des Lichts. Auch 
uber Berge hinuber konnten da vielleicht niitzliche Versuche an- 
gestellt werden, die etwas iiber den Weg, den der Schall nimmt, be- 
stimmen. Es sei z.B. G Gottingen 

A„ 




H Herbartshausen, B der Hainberg, der zwischen beiden Orten eine 
Wand formiert (nicht einen bloBen Kegel). Wiirde nun in H eine 
Kanone gelost, zumal wenn dieses in einer Richtung geschahe, die 
sich der vertikalen sehr naherte, oder doch bloB gegen G zu geneigt 
ware: so wiirde man den Schall nach der Linie HAG und nicht 
nach HB G horen. Die Zeit zwischen dem SchuB in H und der An- 
kunft des Schalles in G konnte auf mannigfaltige Weise mit den 



HEFT K 342-345 4^3 

Distanzen verglichen werden. Wenn dieses 6 iters wiederholt wiirde, 
so wiirde man gewiB etwas iiber die Frage finden. Es wiirde etwa 
einen Eisendraht von einer Meile lang kosten und einige andere 
Vorrichtungen. Ehe man aber [nicht] so mit Physik verfahrt, wird 
nicht viel ausgemacht werden. 

Ware an einem andern Orte der Berg so beschafFen, daB die Linie 
HAGum ein Betrachtliches, z. B. zwei Mai groBer ware, als HB G, 
so wiirde die Sache auffallender. Leichter als durch Elektrizitat 
ware aber in diesem Falle die Sache durch Signale ausgerichtet, die 
in N gemacht wiirden, und an beiden Orten sichtbar waren. Die 
Elektrizitat hatte also nur noch Vorzug bei Nebel usw. um zu sehen, 
in wie feme dieser den Schall hindert. Auch selbst bei Nebel lieBe 
sich die Sache ohne Umstande untersuchen, nur miiBte Windstille 
sein, damit man uberzeugt sein konnte, daB der Schall nicht mehr 
Zeit gebraucht hin als her zu gehen. Man losete in H eine Kanone, 
und in dem Augenblick des Knallswiirde dieTerzienuhr angedriickt. 
In G stande wieder eine Kanone bereit; so wie man nun den Schall 
in G horte, driickte man hier eine andere Terzienuhr an, und lieBe 
in dem Augenblick nach, da die Kanone in G losginge, wahrend der 
Beobachter in H die seinige so lange im Gange erhielte, bis er den 
Knall von G horte. Es ist klar, dafi, wenn man von der ganzen be- 
obachteten Zeit in H die beobachtete Zeit in G abzieht : so ist der 
Rest die doppelte Zeit, die der Schall braucht. Ich glaube dieses 
Verfahren lieBe sich iiberhaupt gebrauchen, da es auch bei Nebel 
gilt; es erfordert aber zwei Uhren. [344] 

Wenn ein schallender Korper sich in einer geraden Linie schnell 
fortbewegte, durch Luft versteht sich, und wiirde auf diesem Wege 
angeschlagen, wiirde das Ohr, von welchem der Korper sich ab- 
warts bewegte, den Schall spater horen oder nicht? - Auch so: der 
schallende Korper in C bewege sich in der Richtung AB mit der 
Geschwindigkeit des 

A E B 

Schalles selbst, wird ein Ohr in A, von dem er sich in gerader Linie 
entfernt, den Schall horen oder nicht? Ich glaube es wird ihn horen 
vor wie nach. Aber ist es mit dem Lichte auch so, z. B. bei der Aber- 
ration der Planeten? [345] 



464 SUDELBUCHER 

Hort man eine vom Ohr wegwarts geschossene Kugel pfeifen? 

[346] 

Ob der Schall sich nicht auch im luftleeren Raume fortpflanze, 
ist noch gar nicht ausgemacht. [347] 

Das Pfeifen und Singen des Teekessels laBt sich sehr gut durch das 
schnelle, oft klingende, AnstoBen des Wasserhammers erklaren. Da 
ich einmal eine Blase ausdruckte, horte ich ein ahnliches Getose. Wo 
namlich ein Dunst verschwindet, nimmt das Wasser die Stelle 
plotzlich ein, und dieses geschieht mit einem Schlage an das Glas. 

[348] 

Herr v. Archenholz spricht in seiner italienischen Reise viel von 
noch nicht ausgemachter Theorie des Schalles, hauptsachlich bei 
dem Opernhaus zu Parma und der Sixtinischen Kapelle, wo das 
Miserere angestimmt wird. Es ist freilich in der Lehre des Schalles 
noch vieles zuriick, das nicht ausgemacht ist; die Vergleichung mit 
dem Licht konnte auf allerlei Betrachtungen fiihren. Man mag er- 
leuchten, wie man will, so geben Spiegel das groBte Licht; nachst 
den Spiegeln die weiBe Farbe. Es ware also der Miihe wert auszu- 
machen, was/wr den Schall eigentlich Spiegel und was Weifi ist. Ich 
glaube, daB man hierbei, caeteris paribus, mehr auf die Dicke der 
Mauern, als auf ihre Form zu sehen hat. [349] 

Sollten nicht die Horner zumal beim Rindvieh mit etwas bei- 
tragen ihr Gehor zu scharfen? So nahe am Ohr und so lang kann 
groBe Empfindlichkeit verursachen. Auch legen sie, wenn sie hor- 
chen wollen, die Ohren an die Horner. [3 50] 

Da sehr viele Tiere weder ein auBeres Ohr, noch einen auBern 
Gehorgang haben, konnte nicht bei Personen, die nicht vollig taub 
sind, eine Verbesserung des Gehors durch eine kunstliche Vorrich- 
tung, die die Erschutterung in den benachbarten Teilen vermehrte, 
erhalten werden? Auch vielleicht wenn man den auffangenden 
Trichter aus sehr elastischer Materie machte, oder gar Wasser in den 
Gehorgang brachte? [351] 



HEFT K 34<5-354 4<55 

1st es nicht besonders, daB bei den bisher bekannten Zersetzungen 
der Fliissigkeiten durch Elektrizitat immer ein Teil inflammable 
Luft gewesen ist? Wasser, alkalische Luft, schwere inflammable 
Luft. - La Metherie hielt die elektrische Materie fur eine feme in- 
flammable Luft. - Der Schwefel-Geruch beim Einschlagen und 
etwas Ahnliches beim Elektrisieren gehoren auch hierher. Konnte 
dieser Riechstoff nicht das Charakteristische der inflammabeln 
Luft sein? [352] 

Wenn es wahr ist, da8 die Basis der dephlogistisierten Luft mit 
dem Metall verbunden den Metallkalch macht, so kann ich so fort- 
schlieBen, um auf neue Gedanken zu kommen: laBt sich nicht die 
Basis der inflammabeln, der phlogistischen, der fixen und anderen 
Luftarten eben so mit Metallen verbinden? Wie miiBte man es an- 
fangen, die Basis der inflammabeln Luft mit Metallen zu verbin- 
den? Was gibt es fur Korper in der Natur, von denen es allenfalls 
wahrscheinlich ware, daB sie aus Metall mit Hydrogen verbunden 
bestanden? Was ist Azote und Metall? Wie kann man phlogistische 
Luft notigen, sich mit Metallen oder andern Korpern zu verbinden? 

[353] 

Es ware doch moglich, daB phlogistische Luft eben dasselbe ware, 
was dephlogistisierte ist, nur daB die Bestandteile von jener starker 
gebunden waren, als die Bestandteile von dieser, und daB die Ver- 
brennung bloB deswegen nicht mehr darin Statt hatte, weil nun die 
Affinitaten ins Gleichgewicht gekommen waren. Auch wenn ich 
sage, daB z. B. der Phosphor, wahrend er brennt, der atmospharischen 
Luft nur einen Teil ihres Oxygens entzieht, so meine ich eigentlich, 
was man uberhaupt bei andern Anziehungen gewahr wird, namlich 
daB die verbundenen Substanzen nach einer gewissen Funktion der 
Distanz vom Mittelpunkt gezogen werden. Ich will setzen, die 
atmospharische Luft bestehe aus einer gewissen Substanz, die das 
Oxygen zieht; von dem sie also gleichsam wie umgeben ist: so 
kann ihr ein anderer StoiFzwar das Entfernteste rauben, aber nicht 
das Nachste, was am starksten gezogen wird. So kann man einen 
Teil der atmospharischen Luft Stickluft nennen, ob er gleich noch 
eben so viel, ja noch mehr Oxygen enthalt, als das, was ihm der 
Phosphor geraubt hat; nur ist der noch iibrige Teil fur das reagie- 



466 SUDELBUCHER 

rende Mittel tod, latent. So kann ein kalter Korper der Luft ihre 
sensible Warme rauben ; aber die latente raubt er ihr nicht ; dazu sind 
andere Verhaltnisse notig. 

Dieses verdiente einmal genau in Riicksicht auf Affmitat iiber- 
haupt untersucht zu werden. Wenn a der physische Punkt ist, der 

4 




einen gewissen StofF um sich angehauft hat, so ist es moglich, daB 
ihm ein anderer Korper bloB die hohle Kugel be entzieht. So lange 
ich also blofi diesen Korper als Gegenmittel gebrauche, so erscheint 
die Spbare ac als ein ganz anderer Korper. Wird ihm durch ein an- 
deres Mittel auch dc entzogen, so bleibt bloB ad iibrig, und erscheint 
wieder anders. - Dieses einmal umstandlich zu prufen. Die ver- 
schiedenen Arten von Salpeterluft. - Acide nitrique und nitreux. 

[354] 

Da die tierischen inflammabeln Luftarten sich sehr an das Glas 
hangen, das von ihrem Geruch schwer zu befreien ist, so mtiBte 
man versuchen, wie sich Haarrohrchen darin verhielten. [355] 

Wie viel kann wohl die Luft durch Kalte des gefrierenden Queck- 
silbers zusammengezogen werden? Dieses ware wohl der Muhe 
wert untersucht zu werden; mich wundert, daB Lowitz nicht daran 
gedachthat. [356] 

Ware nicht ein Mittel moglich, die Luft zu sichten, so wie das 
Wasser durch den Filtrierstein? namlich sie unter einer Kompres- 
sionsmaschine mit Gewalt durch allerlei Holzer oder Steine zu trei- 
ben, und dann mit dem Eudiometer zu prufen, ob sie etwas ab- 
setzte? - Vielleicht konnte man allerlei herausbringen, wenn man 
inflammable, fixe und andere Luftarten auf diese Weise behan- 
delte. [357] 

Bei Entstehung der tierischen Warme ist die Umwandlung der 
Fliissigkeiten in feste Materien allerdings sehr zu bedenken; sie 



HEFT K 354-3<52 467 

kann haufiger und schneller vor sich gehen, als wir glauben. Denn 
aus der Wieder-Ersetzung verlomer Teile laBt sich nicht auf die 
Wieder-Erneuerung der alten schlieBen. Denn weil da Bau und 
alles schon vorhanden ist, so geht die Erneuerung sehr leicht von 
statten. Der Mensch konnte eine Delucsche Wolke sein, so ist 
Warme leicht zu erklaren. [358] 

Die Sonne warmt, sagt man gewohnlich; aber sie kiihlt auch; und 
daB sie uns erwarmt, ruhrt bloB da von her, daB bei der Dazwischen- 
kunft der Mittel, die bald diesen bald jenen ProzeB befordern, der 
UberschuB auf der Seite der Erwarmung liegt. Licht erzeugt durch 
Verbindung Warme, (es selbst ist gleichgiiltig) ; wo es warmen, oder 
wo es kiihlen soil, hangt bloB von der Dazwischenkunft anderer 
Dinge ab. Wenn unsere Welt erfrieren soil, so sind zwei Wege 
moglich, entweder die Sonne auszuloschen, das heiBt verwandeln, 
oder den Bestandteilen unserer Erde eine groBe Verwandtschaft mit 
der Warme zu geben. Da, wo man jetzt unter der Linie verbrennt, 
wiirde man erfrieren, wenn es Vitriol- Ather taute. [359] 

Das »medium tenuere beati« ist so abgebraucht, daB man nun all- 
mahlich anfangen kann es wieder fiir brauchbar zu halten. Wie 
ware es, wenn man am besten damit auskame, beide Theorien des 
Lichts, die Newtonische und die Eulerische, zu vereinigen? 

Oberhaupt ist das medium tenuere beati eine goldene Regel, 
schon deswegen, weil die Meinungen der Parteien immer ihren 
Grund haben, und nach der Eingeschranktheit unserer Kenntnisse 
jeder Respekt verdient, und auch recht haben kann. [360] 

Es kann bei einem so verwickeltenStreite, wie der iiber die Theorie 
des Lichts, wo Newton und Euler an der Spitze der Parteien stehen, 
nicht mehr schlechtweg die Frage sein, was ist hierin wahr? sondern, 
welche Erklarungsart ist die einfachste? Durch das Einfache geht der 
Eingang zur Wahrheit. [361] 

Wenn das Licht trotz seiner Geschwindigkeit noch eine Schwere 
hat, so wiirde doch so etwas wie Refraktion am Horizonte erschei- 
nen mussen, weil es von der Erde stark gezogen wird. Eigentlich 
ware es Inflexion, durch die ganze Masse der Erde bewirkt. [362] 



468 SUDELBUCHER 

Einmal zu versuchen, in wie feme die Phanomene des Doppel- 
spats durch Lesage's Theorie erklart werden konnen. [363] 

Die Erscheinung von den LichtspieBen, die Meister den Augen- 
wimpern zuschrieb, und woruber Herr Vieth in seinen tnathe- 
matischen Abhandlungen geschrieben hat, verdienten immer noch 
eine neue Untersuchung. Herr V. erklart sie aus kleinen Runzeln 
auf der Krystall-Linse, welches der Rezensent dieser Schrift in der 
Neuen allg. D. BibL (3. Bd. S. 41.) mit Recht nicht wahrscheinlich 
findet. Die Versuche miiBten unstreitig noch mehr variiert werden. 

[364] 

Es wird mir wahrscheinlich, daB, wo auch nur Licht hinkommt, 
da ist immer Reflexion, Inflexion, Refraktion und Koloration bei- 
sammen; zumal wenn man an die Vermiculos gedenkt, die man 
durch die groBen Mikroskope sieht. [365] 

Die gefarbten Schatten verdienen gewiB die groBte Aufmerk- 
samkeit des Naturforschers. Die meisten denken zu leichtsinnig da- 
von. Man glaubt die Sache schon ganz erklart zu haben, und ich bin 
geneigt zu glauben, daB man sie noch nicht ganz erklart hat; ja was 
noch mehr ist, es konnte sein, daB der gegenwartige Zustand der 
Optik oder unsere jetzige Kenntnis vom Licht gar nicht einmal hin- 
reichte sie zu erklaren; daB also folglich eine grundliche Ausein- 
andersetzung dieses schweren Problems ein wahrer Gewinn sein 
wiirde. Ein Hauptbuch darin ist das kleine franzosische Werk, des- 
sen Verfasser sich bloB mit H.F.T. bezeichnet, und das Herr Dr. 
Gehler in seinem Worterbuch Art. Schatten anfuhrt. Er hat fast ganz 
Herrn v. Goethe's Idee. 

Ich glaube doch noch immer, daB vieles bei Auflosung des Pro- 
blems von den gefarbten Schatten auf einer genaueren Erorterung 
dessen beruhet, was wir Weifi nennen. WeiB, sagt man, 1st derjenige 
Korper, der alle Farben zuruckwirft. Diese Definition setzt nicht 
allein stillschweigend voraus, daB alle Farben da sein miissen, um 
sich reflektieren zu lassen, wo man etwas WeiBes sieht, sondern 
daB auch alle diese Farben in der gehorigen Verhaltnis sowohl der 
Quantitat als Qualitat nach da sein miissen. Wo ist aber in der Welt 
dieses zu erwarten? als etwa beim reinsten Sonnenlicht auf dem 



HEFT K 363-370 4<59 

hochsten Punkt des Erdbodens. Was ist also die Folge davon? Wir 
sehen selbst im Sonnenlicht nie einen weifien Korper, und noch 
weniger im Schatten oder bei bedecktem Himmel. Allein ob wir 
gleich kein reines WeiB bemerken konnen, so wissen wir doch gar 
wohl, was wir unter WeiB verstehen. Derm wir korrigieren unsere 
Empfindungen immer durch Schliisse. Dieses lernen wir so fruh 
und es wird uns so zur Natur, daB wir endlich zu empfinden glauben, 
was eigentlich ein SchluB ist. Bei der Wasche macht die Person, 
die sie tragt, die Art der Falten usw., daB ich sie selbst an einem tru- 
ben Tage, oder in der Abend- oder Morgenrote immer fiir sehr weiB 
halte, da sie es gewiB nicht ist. Es wird bloB geschlossen, und so 
mit alien Farben. [366] 

Die gerarbten Schatten konnten neue Elemente der Meteorologie 
werden, zumal die beim Auf- und Untergehen der Sonne. [367] 

Bei den bunten Schatten muB man auch dieses bedenken, daB 
es noch gar nicht ausgemacht ist, ob die Farben des Lichts in ver- 
schiedenen Entfernungen von den leuchtenden Korpern einerlei 
sind. Das Licht nimmt ab, wie das Quadrat der Entfernung zunimmt, 
aber ist die Farbe z.B. in der vierfachen Entfernung dieselbe, die 
in der einfachen Statt findet, nur matter? Aus BegrirTen wird sich 
nichts fiir die Verschiedenheit angeben lassen. Und wie soil man 
sich iiberzeugen, ob es wahr oder falsch ist? Ein Instrument Farben 
zu erkennen gibt es nicht. So viel ist gewiB, je weiter ich das weiBe 
Blatt vom Licht weghalte, desto mehr herrschen die Reflexe von 
den benachbarten Gegenstanden iiber die Farbe des Lichts. [368] 

Wenn Goethe und der franzosische Verfasser iiber die Schatten 
Recht hatten, so konnte der blaue Himmel bloB der durch das Ta- 
geslicht erleuchtete Schatten sein, den das Licht der andern Gegen- 
stande im Auge wirft. [369] 

Da man nun gezeigt hat, daB der Bau des Auges nicht auf Achro- 
matismus zielt, so entsteht die Frage : ist nicht vielleicht ein anderer 
Zweck dadurch erreicht worden? Aber, laBt sich nun fragen, an 
was fiir Augen hat man die Krummungen gemessen, an toden 
oder lebendigen? An lebendigen gewiB nicht. Und gesetzt auch, 



470 SUDELBUCHER 

es gehe mit dem Tode keine Veranderung vor, so ist doch immer die 
Frage: ist auch das Auge vollkommen gewesen? Denn unsere ver- 
kehrte Lebensart verandert manches; man muBte Tiere gebrauchen. 
Bei diesen ist ja die Linse oft gar seltsam gestaltet. Ist es vielleicht 
auch fur verschiedenen Druck der Luft eingerichtet? [370] 

Konnten nicht der humor vitreus und aqueusbloBGefaBesein, die 
zur Absonderung der Substanz der Krystall-Linse dienten, so wie 
etwa die Leber zur Absonderung der Galle? da sie doch nun einmal 
nicht achromatisch sein sollen. Aber wie verhalt es sich mit andern 
Augen z.B. des Igels, von denen Goeze sagt, sie haben bloB eine 
Linse? [371] 

Es verhalt sich mit der weiBen Farbe bei meiner Schattenlehre 
wie mit den Parallel-Linien: wenn wir auch Parallel-Linien zeich- 
nen, so sehen wir sie nicht parallel, wenn sie nicht auf einer Kugel- 
flache gezeichnet sind, in deren Mittelpunkt sich das Auge befindet. 

[372] 

Hat das Phanomen von den blauen und gelben Schatten nicht 
vielleicht Verwandtschaft mit dem Geschmackswesen in den Gal- 
vanischen Versuchen mit der Zunge? Man schmeckt erst das eine, 
wenn das andere da ist. Ich glaube, daB diese Bemerkung Aufmerk- 
samkeit verdient. [373] 

In ebenen Gegenden oder an der See, wo der ostliche oder west- 
liche Horizont durch die See begrenzt wird, miiBte man auf die 
auf- oder untergehende Sonne achten, man wurde sie vermutlich 
auch zu Zeiten doppelt sehen. [374] 

Sollte es nicht Luftarten geben, die verdoppeln, durch Refrak- 
tion? [375] 

Eine seltsame Idee ist wohl folgendes: Wenn die Sonne ein ne- 
gativer Lichtkorper ware, so konnte ihr eben so gut etwas aus den 
Planeten zustromen, und das konnte die Lichtmaterie sein. Hat man 
wohl schon daran gedacht, daB der Sonne etwas von uns zustromen 
konnte? [376] 



HEFT K 370-383 471 

Wir werden nicht eher deutliche Begriffe von Licht und Feuer 
erhalten, als bis man alle merkwiirdigen physikalischen Versuche 
aller Kapitel im Dunkeln durchmacht. [377] 

Vielleicht ist gar die Empfindung des Sehens bloB eine Zersetzung 
des Lichts oder eine Verbindung verschiedener StofFe unsers Kor- 
pers mit diesem einfachen Korper. [378] 

DaB man alles griinlich sieht, wenn man lange durch ein rotes 
Glas gesehen, und umgekehrt, rotlich, wenn man lange durch ein 
griines gesehen hat, ist ein merkwurdiger Umstand. Es scheint sehr 
fur Eulern zu streiten. [379] 

Es ware zu versuchen, ob sich der Phosphor nicht auch an aus- 
stromenden Spitzen entztindet, wenn man einen Halb-Leiter dazwi- 
schen bringt, z.B. keine metallene Spitze, sondern eine von trock- 
nem Holz nimmt. Ich sollte fast denken. Der andere Teil dabei 
muBte aber vollkommen leiten. [380] 

Wenn man mit dem untern Teller meines Kondensators einen 
sehr langen Draht verbande, sollte er da nicht vielleicht wirksamer 
werden i [381] 

Ich glaube, wir werden nicht eher in der Kenntnis der Elektrizitat 
weiter kommen, bis jemand einen ganz neuen Weg entdeckt sie 
zu erwecken. Vielleicht geschieht es auf einem chemischen durch 
Zersetzung von Luftarten. [382] 

Unser gewohnlicher Weg Feuer zu erwecken ist das Reiben, 
alsdann geht es von selbst. Wir bringen auch durch Reiben Elek- 
trizitat hervor, aber sie verliert sich wieder und muB immer durch 
Reiben erneuert werden. Ferner bringen wir Feuer hervor durch 
chemische Operationen, und zwar Flamme in einem Augenblick. 
Sollte es nicht moglich sein, dereinst Elektrizitat auf eine solche 
Weise zu erhalten? Freilich der Unterschied ist der, daB Feuer immer 
in der Luft erweckt wird, die sich zersetzt. Es muBte derjenige Kor- 
per gefunden werden, der die groBte Kapazitat fur die Elektrizitat 
hat, und den miiBte man zu zersetzen suchen. [383 ] 



472 SUDELBUCHER 

Wenn es wahr ist, daB die elektrische Materie durch die ganze 
Erde verbreitet ist, so ware eine der groBten Entdeckungen diese: 
auszumachen, ob es auch verschiedene Kapazitaten dafiir gibt. 
Wie findet man das? Wilcke mutmaBete so etwas von dem Musiv- 
Gold. Volta redet auch von Kapazitaten fur die Elektrizitat bei sei- 
nen Verdampfungen. Es ist aber alles das nicht viel, eigentlich gar 
nichts wert. Die Lehre von der Elektrizitat ist jetzt da, wo man ge- 
wohnlich passiert, so abgetreten und abgesucht, daB an der Heer- 
straBe nichts mehr zu gewinnen ist; man muB querfeldein mar- 
schieren, und iiber die Graben setzen. Diese Methode, die man wohl 
die unmethodische nennen konnte, ist uberhaupt nebenher sehr zu 
empfehlen. [384] 

Vielleicht ist unser Elektrisieren gerade die Operation, durch die 
wir die Elektrizitat auBer aller Wirksamkeit in den Korpern setzen. 

[385] 

So lange man noch nicht elektrische Miihlen anlegt, wodurch 
man ganze Laboratorien Jahre lang, mit allem was darinnen ist, 
elektrisieren kann, wird man in dieser Lehre noch lange zuruck 
bleiben. [386] 

Zum Einsaugen Bleistift-Spitzen zu gebrauchen. Uberhaupt den 
Graphit bei alien Gelegenheiten zu ntitzen. [387] 

Uberhaupt ware es gut, mehr elektrische Versuche unter dem 
Mikroskop zu machen z.B. den Schlag durch eine gespannte Kla- 
viersaite gehen zu lassen, die unter dem Mikroskop weggeht; 
durch einen Tropfen mit Infusionstierchen; durch Goldblattchen 
usw. [388] 

Ein guter Elektrophor-Teller auf einen geriebenen Kuchen + 
oder - gelegt, ist ein vortrefFliches Mittel einen Konduktor von 
einer gewissen Art Elektrizitat lange in demselben Zustand zu er- 
halten zu allerlei Gebrauch, wenn er namlich nicht beruhrt wird. 

[389] 

Der Gedanke verdient gewiB gepriift zu werden, ob die magne- 
tische Materie die Elektrizitat uberhaupt leite. [390] 



HEFT K 384-398 473 

Da es unstreitig beim Vesuv blitzt, wenn er speit, konnte das nicht 
aus der erkaltenden geschmolzenen Materie entstehen? Ware nicht 
Luft auf die Art elektrisch zu machen, wenn man geschmolzene 
Sachen darin erkalten lieBe? Auf die Donnerwetter anzuwenden. 

[39i] 

1st etwa die Luft so elektrisch, wie die See salzig ist? [392] 

Sollte die sehr verstarkte magnetische Materie nicht leiten? oder 
eine eiserne Spitze elektrisiert gegen einen Magneten gehalten lan- 
gere Biischel schieBen? [393] 

Sollte man wohl, wenn man stark elektrisiert in ein unisoliertes 
zinnernes GefaB piBte, etwas in der Harnrohre fiihlen? Brachte man 
den Nachttopf mit der auBern Seite einer Flasche, sich selbst mit 
der innern in Verbindung; und machte durch den Urinstrahl den 
Erschiitterungskreis vollstandig, so muBte freilich etwas entstehen, 
das aber nicht sehr angenehm sein mochte. [394] 

Auch den Schlag durch Saiten gehen zu lassen, Darmsaiten so- 
wohl als metallene, und den Ton zu versuchen. Das Tetrachord ist 
dazu besonders dienlich, weil man die unaffizierte Saite sogleich 
gegen die andern probieren kann. Auch zu versuchen den Schlag 
in dem Augenblick durchgehen zu lassen, da die Saite tont. - Ober- 
haupt Tone mehr zum MaB zu gebrauchen. [395] 

An einem groBen Teleskop, wie das Herschelsche, den Spiegel 
zu elektrisieren und zu sehen, ob sich eine Veranderung des Bildes 
zeigt. [39<5] 

Ist es wirklich $0 ganz einerlei, ob eine Leidner Flasche mit einem 
negativ ladenden Korper, als Schwefel, Harz, geladen wird, oder 
ob sie gleich hoch mit einer Glasmaschine negativ geladen wird? Es 
muB alles untersucht werden. [397] 

Wenn auch die magnetische Kraft nicht mit dem Eisen aus- 
schlieBlich verbunden sein sollte, so scheint sie es doch mit einem 
Bestandteil desselben zu sein. Mir aber ist es wahrscheinlicher, daB 
alle Korper, die vom Magnet gezogen werden, Eisen enthalten. 



474 SUDELBUCHER 

Denn die Natur kann Mittel haben das Eisen zu verbinden, die wir 
nicht kennen und die wir nicht zu heben wissen. Brugmans br audit 
als ein Argument gegen Buffbn, daB die Kalkerde nicht aus See- 
muscheln entstanden sei, den Umstand, daB alle Kalkerde aus See- 
muscheln vom Magnet gezogen wird, man mag sie behandeln 
wie man will; hingegen die reine mineralische Kalkerde nicht. 
Bernstein gab der Elektrizitat den Namen; der Turmalin hatte es 
eher verdient, weil er beide Elektrizitaten besitzt und sie ihm bei 
einer erhohten Temperatur natiirlich ist. Die magnetische Kraft 
hat man zuerst bei der bekannten magnetischen Eisenmine ent- 
deckt; sie ist aber gewiB sehr allgemein. Bis jetzt hat man Ursache 
sie dem Eisen allein zuzuschreiben. Die Fahigkeit elektrisch zu wer- 
den hat man noch nicht in einer einzelnen Materie gesucht, ob es 
gleich moglich ware. - Ich glaube, daB jeder Korper, der vom Ma- 
gnet gezogen wird, auch ein Magnet werden kann; ja er kann nicht 
gezogen werden, wenn er nicht ein Magnet wird. [398] 

Es ware moglich, daB der Magnetismus alien Steinen in gewissem 
Betracht zukame, und die magnetische Erde die Summe von alien 
ware, so wie die Schwere. Um dieses auszufinden miiBte man groBe 
Stiicke von verschiedenen Steinarten belegen. Man konnte die 
Steine zu Kugeln formen und so belegen; auf die Art konnte man 
die Belegung verschieben und die beste Verbindung suchen. - 
Spezifischer Magnetismus. [399] 

Die Magnetnadeln zu (iberfirnissen oder auch vermittelst eines 
Firnisses zu iibergiilden. Wie wenn man sie stark vergoldete und 
hernach bestriche? [400] 

Man konnte eine Magnetnadel in einer Fliissigkeit schwebend 
erhalten, dadurch daB man sie durch eine hohle messingene Kugel 
gehen lieBe, deren Schwerpunkt mit dem Schwerpunkt der Nadel 
zusammenfiele. Die Kugel miiBte an einer Stelle eine kleine OfFnung 
haben, so daB man sie, wie einen cartesianischen Teufel fullen und 
dadurch der Nadel die erforderliche Schwere geben konnte. Dann 
wiirde sich die Nadel von selbst nach ihrer Deklination und Inkli- 
nation stellen. Uberhaupt lieBe sich die cartesianische Teufel-Be- 
wegung noch zu allerlei gebrauchen. Den Gedanken eine Rohre 



HEFT K 398-407 475 

zu machen, die gleiche Schwere mit dem Wasser hatte, hatte auch 
Dr. Hookc. S. Birch Vol. III. p. 134. [401] 

Es ist noch die Frage, ob man manchen Kometen sehen wiirde, 
wenn man mitten darin ware. Denn wie diinne muB nicht eine Ne- 
belwolke sein, da sie trotz ihres ungeheuren Durchmessers doch 
nicht einmal den kleinsten Fixstern unserm Auge verdeckt? Und 
doch verdeckt, bei sonst heiterm Himmel, selbst das, was man dicke 
Luft nennt, uns die Sterne erster GroBe bei ihrem Auf- und Unter- 
gange. Und was ist die Dicke einer soldier Luftschicht gegen den 
Durchmesser einer Nebelkugel, dergleichen ofters die kleinen 
Kometen sind? Es ware also gar wohl moglich, daB unsere Erde 
einmal durch einen durchpassierte, ohne daB wir im mindesten et- 
was davon gewahr wiirden. [402] 

Konnte nicht die Kalte beim Aufgang der Sonne zum Teil so er- 
klart werden, wie mein Hagel, durch den Luft-ProzeB, den die 
Sonne in Gang setzt ? [403 ] 

In wie weit ist die Erfahrung gegriindet, die in mehrern Gegen- 
den Deutschlands fast spriichwortlich angefiihrt wird, daB die Ge- 
witter, die aus Osten kommen, gewohnlich schwerer sind, als an- 
dere? In Gottingen habe ich nie eines erlebt, das gerade aus Osten 
gekommen ware, aber einige aus Siidosten, und die waren alle sehr 
schwer. In Darmstadt erinnere ich mich zweier die ebenfalls schwer 
waren, diese kamen gerade aus Osten. Bestatigt sich dieses ferner, 
was mag die Ursache sein? [404] 

Vielleicht findet noch einmal jemand das Ferment, welches Luft 
in Wasser verwandelt, eine Kerze, die Wasser gibt, so wie die ge- 
wohnlichen Kerzen Licht und Feuer. [405 ] 

Die Lchre vom Hagel ist unstreitig eine von den schwersten in 
der ganzen Physik, und verdient ganz von unten untersucht zu 
werden. [406] 

Sollte nicht das Hygrometer in trockner Luft, zumal auf Bergen, 
Feuchtigkeit zeigen, wenn man ihm eine der Elektrizitat der Luft 
entgegengesetzte Elektrizitat gabe? [407] 



47<5 SUDELBUCHER 

Es ist in der Tat nicht leicht, nach der gewohnlichen Theorie von 
Dampfen, das Verdunsten des Eises bei groBer Kalte zu erklaren. 
Soil es keine Auflosung des Eises in Luft sein, so muB man annehmen, 
daB sich zu alien Zeiten der GrundstofF des Wassers mit dem Ca- 
lorique zu verbinden strebt, nicht mit dem, was wir gewohnlich 
Wasser nennen. Uber 3 2° Fahr. sind die Ausdiinstungen wasserig, 
weil der GrundstofF des Wassers, sobald er sich uns zeigt, sich uns 
nicht anders zcigen kann, als unter der Gestalt, wo wir ihn Wasser 
nennen. Es ware ein Wunder, wenn sich die Dampfe in einer groBen 
Kalte als Wasser zeigen sollten. Sollte sich das Wasser nicht in trock- 
ner Gestalt mit dem Feuerwesen verbinden konnen? so wie unzah- 
lige Korper, der Schwefel, der Zink, der Arsenik und andere mehr. 
Sollten daher die gefrornen Fensterscheiben nicht zuweilen eigent- 
lich Flores glaciei (Eisblumen) sein? AnschieBen eines trocknen 
Dunstes? Warum sollte es nicht einen trockenen Wasserdunst ge- 
ben konnen? Ein bloB gefrornes Wasser scheinen wenigstens nicht 
alle Bliimchen zu sein, die sich an Fensterscheiben, und der Duft, der 
sich oft bei groBer Kalte an Reiser und andere Korper ansetzt. [408 ] 

Wenn man Spiegel von eigentlichem Stahl verfertigte, sollten 
die wohl Veranderung in der Reflexion zeigen, wenn man sie 
einem Magneten nahe brachte? [409] 

Auf die beiden Pole eines hufformigen Magneten zwei so vie! als 
moglich gleiche Tropfen einer Solution des Eisenvitriols zu bringen 
und so sich krystallisieren zu lassen und mit der Lupe zu untersu- 
chen, ob sich ein Unterschied in den Krystallen findet. [410] 

Ich sehe doch wirklich nicht, warum man die Birn an die Birn- 
probe anbringt. Konnte es nicht eine bloBe gut kalibrierte Rohre 
sein? Da wiirde die Lange selbst zur Bestimmung der Teile dienen; 
es kame auBerst wenig Flache mit der innern Luft in Beriihrung, und 
der Apparat zum Auskochen konnte viel kleiner werden. [41 1 ] 

Ich sehe nicht, was uns hindern konne die Luftpumpen-Stiefel 
von Glas zu machen; Grosett*s Kanone war so groB und stark als 
Nairne's Zylinder. [412] 



HEFT K 408-417 477 

1st wohl ein Unterschied in dem spezifischen Gewichte des ge- 
gossenen und des geblasenen Glases von derselben Masse? [413] 

Wie hangt eine bekannte Erfahrung, daB Leute in der Damme- 
rung besser sehen als am Tage, mit einer andern zusammen, daB 
manche Taube besser im Larm horen? [414] 

Hat man Beispiele von taubgebornen Tieren? Taubgeborne 
Hunde mochten wohl schwerlich stumm sein. [415] 

Ob wohl ein Hund konnte abgerichtet werden, einen magneti- 
schen Stahl von einem andern zu unterscheiden? Der Gebrauch von 
der Hundesnase ist wohl noch nicht ganz gemacht worden, der sich 
davon machen lieBe. Erdbeben-Propheten sind die Hunde, wie auch 
einige andere Tiere. [ 4I 6] 

Wozu ist das Stroh gut? [417] 



L 

Physikalische und philosophische Bemerktmgen 
i 796-1 799 



HEFT L 708-713 481 



• / 







[. . .] Sonne bei a wirklich schon etwas hervor getreten war und 
beide Hohen ganz beschattet da lagen, stund, gerade vor der hoch- 
sten Spitze b, eine ganz helle Wolke, welches sich vortrefflich aus- 
nahm. Es lieB als ware der Berg durchlochert und man sahe durch 
die Offnung die Morgenrote hinter demselben. Die Ursache war 
folgende. Obgleich die beiden Spitzen c und b einem einzigen Berg- 
riicken zuzugehoren scheinen, so sind es doch eigentlich 2 verschie- 
dene Berge, wovon c dem Auge naher liegt. Es ist also zwischen 
c und b ein Tal, wiewohl kein sehr [breites, und durch dieses] Tal 
schien die [Sonne. . .] [708 ] 

[Herr Doctor van Marum in Haarlem hat in der Nieuve Alge- 
mene Konst en Letter]bode van 23 en 30 January 1795. gegen das 
von Akensche Loschungsmittel geschrieben. Siehe Hannoversches 
Magaz. 1796. 89^! Stuck und ff. und gefunden, daB das Wasser ein 
weit besseres Loschungsmittel sei. Beim Loschen kommt in Betracht. 
1) Abkuhlung 2) AusschheBg der atmospharischen Luft 3) Aus- 
blasen der Flamme. (steht in Grens neuem Journal III[— ] Band. [709] 

Die Affinitat des Auripigment-Staubes mit dem Pinsel, die ich 
so lange und so umstandlich bemerkt habe, verdient Aufmerksam- 
keit. (Ich verstehe mich) Die Erscheinung kann wenigstens an das 
ubrige [angeschjlossen werden. [710] 

Wenn man sich gegen die neuren Chemisten, auf die Erscheinun- 
gen im GroBen in der Natur beruft: so tut man nicht mehr als die 
Physiologen, die sich auf Anatomiam comparatam berufen. Es ist 
Chemia comparata. [7"] 

Die Eigentliche Physik. Was ist hier Korper und was ist es nicht? 
Was fur Grenzen gibt es da. [712] 

Fourcroy's Chemie philosophique ist von Gehler iibersetzt zu 
Leipzig 1796 heraus gekommen (anzuschafFen) Herr Scherer in 
Jena verspricht eine andere. [713] 



482 SUDELBUCHER 

Ich sehe nicht was dadurch gewonnen [wird, wenn man, ohne ent- 
scheidende Versuche anfiihren zu konnen, zu beweisen sucht, 
Warmestoffund LichtstofFseien eine und eben dieselbe Sache. So- 
bald wir aber ein Licht kennen, das nicht warmt, und eine Warme, 
die nicht leuchtet: so ist es notwendig, und schon der Sprachge- 
brauch rechtfertigt das Verfahren, einen Grund des Unterschiedes 
anzunehmen. Worin liegt der? Nicht alle Warme leuchtet, und nicht 
alles Licht warmt. Es ist also doch] furwahr notig zu wissen, worin 
dieses liegt. Und da muB ich sagen gefallt mir Deluc's Gedanke vor- 
zuglich, (von apodiktischen Beweisen ist hier nicht die Rede, die ver- 
langt man noch nicht, man will sich bloB [mit] einer Kriicke fort- 
helfen). Vom Lichte, es sei was es wolle wissen wir daB es sich mit 
groBer Schnelligkeit bewegt, dieses ist geometrisch demonstriert. 
Von einiger Warme wissen wir auch, daB sie sich schnell fortpflanzt, 
wenn anders Pictets Versuche ganz richtig sind. Ich kann im Ver- 
trauen verfsichern,] daB ich daran zweifeln [mochte. Was ist also 
naturlicher, als, da wir wissen, daB die Sonne immer weniger warmt, 
je mehr man sich uber die Erde erhebt, anzunehmen, der Lichtstrahl 
setze eine andere Materie in Bewegung, nachdem er sich chemisch 
mit ihr verbunden hat, und errege nun die Erscheinung von Warme. 
Da es aber der chemischen Verbindungen unzahlige Grade geben 
kann, so ist mir auch ein Grad begreiflich, worin er, ohne zu leuch- 
ten, dem verbundenen StofFe Geschwindigkeit gibt. Das mechani- 
sche System der Atomisten, wieLesage, erhalt dadurch keinegeringe 
Unterstiitzung. Denn die groBten Mathematiker und Physiker haben 
die Elastizitat durch eine kreisformige Bewegung von Teilen der 
Materie erklart, ohne sich darum zu bekiimmern, woher sie entstan- 
de. Diese Hypothese gibt Auskunft : aus schneller geradliniger Bewe- 
gung wird in unzahligen Fallen kreisformige; das Licht konnte also 
durch Verbindung mit tragem StofF und StoB eine kreisformige 
Bewegung hervorbringen. Nach der Trennungentstehtwieder die 
alte geradlinige -Licht,] [714] 

Wenn ich meine Hand in den Ofen bringe, um Holz hinein zu 
werfen, und wegen groBer Hitze schnell wieder herausziehen muB : 
so empfinde ich, wenn ich heraus bin, einen zweiten Schmerz, der 
eben so stark, wo nicht gar starker ist, als der erste, gleichsam wie 
ein Echo, oder Ruckschlag - was ist das? [71 5 ] 



HEFT L 714-721 483 

Urn in der Lehre vom Magnetismus weiter zu kommen miiBte 
man Magnete machen, die sich zu den gewohnlichen verhielten, 
wie Herschels groBes Teleskop zu einem Taschen-Perspektiv. [716] 

Man konnte Knights magnetische Magazine vielleicht im kleinen 
nachahmen. Wenn man sehr dunne Stahlblattchen einzeln stark 
magnetisierte, sie verbande und mehre soldier Biischel auch nach 
der Lange zusammensetzte. [717] 

Ich habe in meinem Leben eine ganz betrachtliche Menge sehr 
alter Personen gesehen kann mich aber nicht erinnern je eine ge- 
sehen zu haben, die stark pockengriibig gewesen ware. Was ist die 
Ursache? Unstreitig wird es eine von folgenden dreien sein miissen. 
Entweder solche Leute erreichen kein hohes Alter, oder durch das 
Zusammen-Schrumpfen der Haut verlieren sich die Pockengruben 
groBtenteils oder, da uberhaupt nicht sehr viele Menschen sehr alt 
werden und ebenfalls nur wenige stark von den Pocken gezeichnet 
werden so konnte es leicht sein, daB die pockengrubigen Alten nur 
deswegen so sehr selten waren, daB ein Mensch von 50 bis 60 Jahren 
leicht keine zu sehen bekommen konnte. Diese dritte Ursache scheint 
mir die wahrscheinlichste. Indessen sollten mehrere Menschen eine 
ahnliche Bemerkung gemacht haben, so verdiente doch die Sache 
vielleicht Aufmerksamkeit. [718] 

Vielleicht lieBen sich aus dem Serpentin von der Baste im Harze- 
burger Forst da er sich so gut schiefert Magnete machen, wenn 
man Tafelchen daraus schnitte, jedes einzeln bestriche aufeinander 
legte und armierte. Sollte man nicht vorsatzlich mit Eisenkalch 
gefarbte Glaser zu Magneten machen konnen. Alles kame dabei 
auf einen starken Magnet an mit dem diese Dinge zu Magneten ge- 
macht werden. [719] 

Sollte bei den Muscheln, und dem aus ihnen verfertigten Kalch> 
die vom Magnet gezogen werden, nicht die Phosphorsaure eine 
Rolle spielen? Da die reine mineralische Kalch-Erde nicht gezogen 
wird. Was wurde Phosphate de fer tun? [720] 

Wird blaues Glas vom Magnet gezogen, weil es das Kobolt- 
Metallwird? [721] 



4&4 SUDELBUCHER 

Da die Nadeln aus Cobaltum so schwer zu verfertigen sind, sollte 
ein leichter Zusatz von einem andern Metall, der es geschmeidiger 
machte dem Magnetismus schaden [e] [722] 

Ehe ich uber alles dieses etwas schreibe miissen erst die Bayrische Preis- 
schriften uber den Magnet wieder gelesen werden. [723] 

Wenn Physik fortschreiten soil, so sind unumganglich mehr Kopfe 
notig, die das Ganze umfassen. Dieses ist wohl die seltenste Klasse 
von Kopfen. Wir wollen wissen was der Palast ist, den wir bewoh- 
nen. Nun kommt einer und bringt ein Splitterchen von der Ttir- 
schwelle und zeigt, daB er einen Zahnstocher daraus geschnitzelt 
habe, und daB er ans Licht gehalten brenne. Ein zweiter schlagt ein 
Stiickchen von einem Dachziegel ab, und zeigt, daB sie Eisen- 
Erde enthalte etwas Kiesel-Erde und Ton. Ein dritter fallt uber ein 
TiirschloB her, ein vierter iiber das Getafel und findet daB das ganze 
Gebaude aus Zahnstocher-Materie zusammengesetzt sei. (NB). Es 
mag wohl in diesem Wirrwarr sehr vieles enthalten sein, das wie 
Newtons allgemeine Schwere eine unendliche Menge von Anoma- 
lien erklart. Diese aufzufinden. Nachzusehen: Richter iiber die 
neuern Gegenstande der Chemie. Breslau, Hirschberg und Lissa, 
so weit sie heraus sind im 8o!f? St. der Gott. Anz. 1797 ist das 6_t? 
Stiick S. 793 rezensiert. [724] 

So wie wir auf einer konvexen Kugel von 1720 d. Meilen dick 
wohnen, von deren Innern wir nichts wissen, so wohnen wir auch 
in einer konkaven (iiber unserer Atmosphare) von der wir eben so 
wenig wissen. Wie in der ersten das Schwerere unter uns liegt, so 
liegt in letzterer das Leichtere iiber uns. NB. [725] 

Vielleicht lieBe sich die Brugmanssche Methode noch dadurch 
verbessern daB man die zu untersuchenden Stiickchen auf dem Ma- 
gnet riebe (das ware besser als mein Bestreichen, zumal wenn die 
Stiickchen sehr klein sind lassen sie sich nicht bestreichen). Um dem 
Einwurf zu begegnen, daB zumal durch manche Korper etwas von 
dem magnetischen Stahl abgenommen worden sein konnte, so 
diirfte man nur ein feines Stiick Papier dazwischen legen. [726] 



HEFT L 722-734 485 

Ja meinen Gedanken auszufuhren mit kiinstlichen Magneten mit 
Armaturen. Was ich meineist, kiinstliche Magnetemit [Armaturen] 
aus einer Menge von dunnen Blechen zu machen und zu armieren. 
Alsdann jeden Teil wieder einzeln mit dem ganzen «■ / zu be- 
streichen usw. Sie konnen durch messingene Zwingen zusammen 
gehalten werden. Auch die Armatur konnte angedriickt werden. 

[727] 

Am 3 1 [— ] Mai 1 ygy. habe ich Stiickchen von dem Serpentinstein 
aus dem Harzeburger Forst. Lasius N°- 61. nicht allein Polaritat ge- 
geben sondern auch die gegebnen Pole wieder in die entgegenge- 
setzten verwandelt. [728] 

Schon eine Maschine die wispern konnte, wispernd sprechen, 
ohne eigentliche Tone ware viel wert; sie miiBte, sollte man den- 
ken leichter sein, als eine mit Tonen sprechende. [729] 

Die verschiedene Arten von Pulsen, ihrer Geschwindigkeit so- 
wohl als ihrer Harte nach, muBten sich durch eine Maschine, durch 
schwingende Darmsaiten von verschiedener Dicke und Spannung 
deutlich durch eine Maschine machen lassen. So etwas lieBe sich in 
Collegiis gebrauchen. Klind worth konnte es wohl machen. [730] 

Was mir Herr D- Yarmatti den 6^2 Junii 97. von einer dunnen 
eisernen Platte von 5 bis 6 FuBen im Durchmesser erzahlt hat, daB 
sie den Donner vollig darstellte, hangt mit dem Knitter-Golde zu- 
sammen und zeigt, wie sehr die VergroBerung, wovon ich so oft 
geredet habe niitzen kann. [731] 

Die kleinsten Dinge sich wachsend zu denken. D- Yarmatti *s eiserne 
Platte ist vergrofiertes Knitter goU. Die Riesenharfe ist eineAeolus-Harfe. 

[732] 

Wir werden wohl noch ein paar dutzend Luft-Arten erfinden miis- 
sen um Blitz und Donner zu erklaren [733] 

Statt das Reibezeug mit warmem Wasser zu erwarmen, konnte 
es auch mit warmer Asche geschehen. Das Erwarmen konnte doch 
dort Geschmier verursachen. [734] 



486 SUDELBUCHER 

Sollte es wirklich im strengsten Verstande so ganz einerlei sein, 
ob man etwas mit heiBem Wasser oder heiBem Ol oder heiBer Asche 
erhitzt? Ware es nicht moglich daB sich mit der Warme etwas ver- 
bande, worauf man [bis] jetzt nicht geachtet hat? Man muB alles 
versuchen. Ware es nicht der Miihe wert wenigstens einige chemi- 
sche Prozesse, die man [durch] Kohlen-Feuer zu Stande bringt mit 
andern Arten kiinstlicher Hitze zu bewerkstelligen. [735] 

Ein eiserner Waagebalken, der bei der mindesten Friktion hori- 
zontal stund, wtirde, wenn man ihn fallen lieBe, wegen seines 
Magnetismus nicht mehr horiz [ontal] . stehen. [736] 

Nicht zu vergessen was ich Chemiam comparatam genannt habe 

[737] 

Die Attraktabilitat der Korper durch den Magnet ist eine Art von 
spezif. Gewicht. [738] 

In Steinwehrs Ubersetzung der Mem. de Paris B, 7. S. 458 steht 
eine merkwiirdige Geschichte von einem Phanomen, das einigen 
AufschluB iiber Blitz und Dormer und Rasseln beim Erdbeben ge- 
ben konnte. Es ist eine Art Feuer-Hose, kann auch zu Erklarung der 
Wasserwindhose geniitzt werden. [739] 

Kant sagt eigentlich : wir setzen voraus, daB alien Erscheinungen 
Dinge an sich zum Grund liegen, aber wir wissen nicht, ob dieser 
Voraussetzung Realitat zukomme, ob ihr in der Tat das Vorausge- 
setzte entspreche. (backed nicht 7T[x) [740] 

Herr D- Gehler hat in dem V^? Teile seines phys. Worterbuchs 
Herrn Gren wegen dessen Behauptung getadelt, daB der Wider- 
stand, den eine Billard-Kugel auf dem Billard leistet von der 
Sch were hemihre. Hiergegen verteidigt sich Herr Gren in der neusten 
Ausgabe seiner Naturlehre von 1797. S. 39. und bleibt also bei sei- 
ner alten Meinung. Seine Griinde haben zwar einigen Schein, sind 
aber in der Tat im Grunde von gar keinem Belang. Er glaubt sei- 
nen Satz vorziiglich dadurch beweisen zu wollen, daB er sagt: das 
FortstoBen der Kugel sei eine Zentral-Bewegung. Er glaubt also 



HEFT L 735-741 487 

die Kugel widerstehe deswegen, weil sie von ihrem Bestreben nach 
dem Mittelpunkt abgehalten werden solle. Da aber die Richtung 
der verdrangenden Kraft senkrecht auf die Richtung der Schwere 
hier angenommen wird so kann sie ja jene nicht im geringsten sto- 
ren; denn der Korper, der fallt, ist vollkommen gleichgultig gegen 
jede Kraft, die senkrecht auf ihre Richtung wirkt. Deswegen kehrt 
auch die Kugel auf der Billard-Tafel nicht wieder zuriick, welches 
indessen geschehen wiirde, werm die Ebene von so betrachtlicher 
GroBe genommen wiirde, daB der Winkel, den sie mit der Richtung 
der Schwere an ihren Enden macht sich merklich von einem rech- 
ten zu unterscheiden anfinge, weil alsdann die Kraft nicht mehr 
senkrecht auf die Richtung der Kugel sondern schrag und folglich 
der Richtung der Schwere entgegen wirken wiirde. Man sieht also 
gar nicht ein, wie Herr Gren hier von Zentral-Bewegung reden 
kann, da hier die Billard-Tafel als ein unendlich kleines Stiickchen 
der Kugel angesehen werden kann. Sein scheinbarstes Argument, 
und wohl eigentlich das, was ihm Veranlassung zu allem iibrigen ge- 
geben hat, ist folgendes. Wenn man der Kugel die Geschwindigkeit 
geben konnte, die sie durch ein Fallen durch den halben Semidia- 
meter der Erde erhalten wiirde, so wiirde sie die Tafel gar nicht 
mehr driicken. Da nun in diesem Falle alle Schwere aufgehoben 
wiirde, glaubt er (ob er es gleich nicht deutlich sagt) miiBte durch 
einen geringen StoB doch schon ein Teil aufgehoben werden und 
dieses sei der Widerstand, den man empfmde. Diese Vorstellung ist 
aber durchaus falsch. Der Widerstand des Korpers riihrt daher, daB 
ihm eine gewisse Geschwindigkeit gegeben werden soil, daB es un- 
ter alien moglichen Geschwindigkeiten eine gibt, wodurch der 
Korper gar nicht mehr auf die Tafel driickt, wenn namlich die Ta- 
fel ein Stuck der Erdflache ware, ist kein Beweis, daB der Widerstand 
von der Schwere herriihrt, sondern die mitgeteilte groBe Geschwin- 
digkeit ist Ursache, daB sich der Korper nun nich t weiter dem Mit- 
telpunkt der Erde mehr nahern kann. Dieses ist aber bloB eine Neben- 
Sache. Denn unter den unzahligen Graden von Geschwindigkeiten, 
die sich einem Korper, der von einem Punkt gezogen wird mittei- 
len lassen, ist auch eine, die ilin notigen kann, in einem Kreise um den- 
selben zu laufen, allein das was ihn notigt in einem Kreise zu laufen 
ist nicht die Ursache des Widerstandes. Ein Ball, der in einem senk- 
rechten Fall begriffen ist, widersteht der Rakete, die ihm eine gro- 



488 SUDELBUCHER 

Bere Geschwindigkeit mitteilen will eben so stark als der ruhende, 
dem sie eine Geschwindigkeit mitteilet, die so groB ist, als die, welche 
sie der des fallenden Ballfes] noch zulegen wollte. Hier wird doch 
offenbar der Ball nicht auBer der Richtung der Schwere gebracht. - 
Herr G. hatte auch sein Argument so stellen konnen und vielleicht 
besser: Man denke sich eine vollkommen glatte Ebene, die die 
Erde, die wir uns ebenfalls als eine vollkommene Kugel gedenken 
wollen beriihrte, so istbegreiflich, daB auf dieser Ebene eineBilliard- 
Kugel nur allein iiber dem Punkt ruhen konne, in welchem die 
Ebene die Erde beriihrt. Aus diesem Punkt nach irgend einer Rich- 
tung fortgestoBen wiirde sie im strengsten Verstande genommen, 
wieder zuriick kehren, aber diese Geschwindigkeit ist so gering 
daB sie mit der verglichen, die ihr die Schwere erteilen wiirde 
wenn sie fallen konnte [sich dagegen so verhalt] als wie die Linie um 
die sie verschoben wird zum Radius der Erde. (wie die Tangente 
des Winkels in dem die Kugel fort bewegt wird zum radius.) Herr 
Gren glaubt also mit der Geschwindigkeit sei aller Widerstand auf- 
gehoben, durch welche die Schwere aufgehoben ist, das ist sie 
aber nicht. Dieser Korper wiirde von neuem widerstehen, wenn 
ihm eine groBere Geschwindigkeit gegeben werden sollte ware 
die Erde eine unbegrenzte Ebene so wiirde eine unendliche Kraft 
notig sein zu machen, daB der Korper sie nicht driicke. Die Sache 
wird am besten so ausgedriickt : Durch diese Geschwindigkeit 
wird die Schwere aufgehoben, das ist wahr, aber der Widerstand 
von dem eigentlich hier die Rede ist, gar nicht. Eine Hand, die sich 
mit gleicher Geschwindigkeit bewegte wiirde eben den Wider- 
stand wiederfmden, so bald sie ihr eine groBere Geschwindigkeit 
mitteilen oder ihn notigen wollte in eine andere Linie als im Kreise 
zu gehen z.B. eine Parabel oder eine Hyperbel; Ihn durch einen 
StoB in einer geraden Linie gehen zu machen wiirde eine unendliche 
Kraft erfordern, das heiBt der Korper wiirde einen unendlich gro- 
Ben Widerstand leisten(?) Contra Gren S. unten p. XXVIII Kol. 2 
oben. [741] 

Sind Nickel und Kobolt nicht als eisenhaltige Korper, sondern 
fur sich selbst magnetisch wie von einigen behauptet wird, so 
konnte dieses denn doch entweder auf eine Zusammensetzung des 
Eisens fiihren (namlich daB beide einen gemeinschaftl. Teil besaBen), 



HEFT L 741-750 489 

oder es ware wahr, was ich Herrn v. Humboldt geschrieben habe, 
daB die magnetische Kraft eben so allgemein mitteilbar ware als 
die elektrische, nur daB es uns an starken Maschinen dazu fehlt. [742] 

Aus was fur Ursachen werden die Hechte von heiBem Essig blau, 
die Krebse im Kochen rot das griine Wachstuch unter Wasser heller 
usw.? [743] 

Da nach Herrn von Humboldts Versuche, das ol. Tart, per deliq. 
den Nerven-Reiz so sehr erhoht hingegen die Schwefel-Leber so 
sehr schwacht, so miiBte man Leidensche Flaschen damit versuchen. 
Etwas groBe Arznei-Glaser mit Ol.Tart. fiillen und auch in welches 
stellen und eben so in Schwefel-Leber. Alsdann auch Schwefel-Leber 
auswendig und Ol. Tart, inwendig und v. v. [744] 

Die Menge der Schlage, die eine Wespe oder Miicke mit den 
Fliigeln in einer Sekunde macht lieBe sich mit den Saiten einer 
Geige finden. [745] 

Hat Herr v. Humboldt bei seinen Froschgeschichten auch seine 
Zunge zum Verbindungs-Mittel gebraucht. [746] 

Des Fiirsten Gallitzin Schrift uber die Vulkane ist sehr gut rezen- 
siert in N° 199 der Lit. Zeitung von 1797 hinten unter der Rubrik 
kleine Schriften. Ist iiberhaupt bei der Lehre von Vulkanen wich- 
tig. [747] 

Gegen Zylius : Ist es nicht merkwiirdig, daB um eine angelaufene 
Fensterscheibe abzutrocknen wir uns zweier hygroskopischen 
Substanzen bedienen mtissen. Hitze und Loschpapier Schwamm, 
Bim[s] usw.? [748] 

Bei Herrn Zylius scheint die Akademie, wie Rezensenten diinkt, 
mehr den FleiB und den guten Willen, als das eigentliche Ver- 
dienst belohnt zu haben. [749] 

<Wenn man das Licht aus Warme-StofF und Phlogiston zu- 
sammensetzt, wie vertragt sich das> [750] 



490 SUDELBUCHER 

Nicht zu vergessen daB die synodische Rotation der Q von dem 
Periodischen Monat nur in Stunden unterschieden ist, wovon ich 
im Kalender fur 1798 geredet habe. (Gehort zu den Fragen liber die 
Physik) [751] 

Bei dem Galvanismus wieder einmal, an mein Terpentin-Ol zu 
denken, dessen Hautchen ich auf Wasser teilte, auch das Ver- 
dampfen in der Haar-Nadel 9. [75*] 

Herr v. Humboldt hat in seinem vortreifHchen Versuch da er den 
Nerven mit Zink armierte, und an diesen Zink, Zink anschob, Kon- 
traktionenbewirkt. Dieses geschahimmer durch Hinzutun, also Ver- 
mehrung der Masse, wiirde auch so was geschehen sein wenn die Mas- 
sen vermindert worden waren? 2) Man miiBte das Zinkstiick, wel- 
ches zur Armatur dient auf einmal sehr vermehren, oder sehr ver- 
mindert z.B. mit Zinkdraht von 100 Ellen. 3) Alles dieses eben auch 
mit Blitz vor den Augen zu versuchen. 4) Hat Herr v. Humboldt 
wohl Versuche im luftleeren Raum oder in andern Luftarten? Ich 
habe jetzt da ich dieses schreibe (5. Aug. 97) sein vortreffliches Buch 
nur bis p. 67 gelesen. [753] 

Herr v. Humboldt hat vermoge einer Nachricht, die er in N2. 87 
des Intellig. Blattes der allgem. Lit. Zeitung von 1797. einriicken 
lassen gefunden, daB ein Stuck seines Serpentins von 470 Granen, 
das sehr viel Magnet-Eisen enthielte, die er durch Schlemmen und 
magnetische Stabe trennte, im Stuck im ganzen keinjen] EinfluB 
auf die Magnet-Nadel hatten. (Es waren 2 Stiicke, das auf die Nadel 
wiirksame enthielt nur i l / 2 Prozent, das unwirksame 5 Prozent vom 
Magnet-Eisen. Mich diinkt dieses ist merkwurdig, wiewohl sehr 
nach meiner Theorie erklarbar. Herrn v. H. kurzer Bericht ist da- 
tiert: Marienberg den 28££Djunii 1797. [754] 

Da das Gold durch die Brennglaser verglaset worden sein soil. 
(Macquer T.I. p. 462 unten) hat man keine Versuche mit diesem 
Glase angestellt. Sie waren doch in der Tat wichtig fiir die neue Che- 
mie. S. ferner Macquer I.e. p. 466. 467. und Artikel Gold er spricht 
S. 467 von einer radformigen Bewegung, grade so wie Leidenfrost 
von seinem Wasser (Planeten-Rotation nicht zu vergessen). Doch 



HEFT L 751-760 491 

muB auch hier alles nachgelesen werden was in der Folge von dem 
Trudainischen Glase und den Versuchen damit gesagt wird. Das 
Umdrehen der Tropfen ist sehr merkwtirdig, und die Anwendung 
auf die Planeten nicht ganz zu verachten. [755] 

Wenn man mit Deluc annimmt, daB der Blitz aus irgend einer 
chemischen Entwickelung entstehe so laBt sich sehr wohl begreifen 
wie eine ungeheuere Wolke doch nur an einem Ende blitzt und don- 
nert. Wenn namlich an einer Stelle die Entwickelung vorgeht und 
ist nicht stark genug sich in die Erde zu sturzen so verbreitet sie sich 
schlangenformig in der Wolke wie auf der Blitz-Scheibe so sieht 
auch dieVerbreitung vollig aus, und dannkannes gar wohl kommen, 
daB die entfernten Teile der Wolke gar keine sichtbare Mitteilung 
mehr enthalten. [756] 

Geriiche mit Hohlspiegeln zu konzentrieren. [757] 

Wenn man den Stand der Magnet-Nadel etwa eine Meile uber 
der Oberflache der Erde beobachten konnte so wiirde man die 
schonste Regularitat in den Abweichungs-Linien entdecken. Wir 
sind der Sache zu nah, wo die Wirkung oft durch Kleinigkeiten 
verwirrtwird. [758] 

Die Kraft wodurch die Materie den Raum erfiillt oder wodurch sie 
in den Grenzen gehalten wird, ist nicht die Kohasions-Kraft, so wie 
die Kohasions-Kraft auch nicht die ist wodurch sich die Materie in 
der Feme zeigt (nicht n[i). Es laBt also fast als wenn immer etwas 
mit der Nahe hinzu kame. So was ware auch moglich. [759] 

Herr Yelin glaubt mit Mayer, daB die Stickluft eine Modifica- 
tion des Wassers sei vielleicht etwas weniger Oxygen. So ware viel- 
leicht die atmospharische Luft Gaz azotique hyperoxygene aber doch 
noch nicht ganz um Wasser zu werden.- Wenn er Wasser-Dampfe 
durch ein schon stark verkalchtes Eisen-Rohr gehen lieB, erhielt er 
anfangs schlechte Brennbare Luft und endlich bloBe Stickluft. 
Vorrede S. 17 NB. DieLehre vomFeuer hat Yelin in seiner Physik 
vortrefflich abgehandelt. Was ist das fur ein merkwurdiger Ver- 
such den Herr Y. in den Erlanger Zeitungen vom 7^ Oct. 1794. 



492 SUDELBUCHER 

beschrieben hat. Er gehort mit zu den Wasser-Erzeugungen. Stent 
er etwa auch in seiner Physik. [760] 

Die besondre Folge die sich zwischen oxide gazeux d'azote, gas* 
nitreux, acide nitreux, acide nitrique findet verdient gepriift zu wer- 
den. Wie wird aus dem Salpeter gas oxygene? Konnte nicht unsere 
atmospharische Luft in der Reihe der Wasser-Arten liegen. Dieses 
ist Yelins Gedanke. Sollte man nicht versuchen andre Sauren eben 
so zu zerlegen, wie die Salpeter-Sauren und dieses durch gluhende 
Rohren von allerlei Materien. Ist nicht alles Gluhen eine Art von 
Brennen? Auch bei dem Pfeifen-Rohr? Warum entsteht kein gas 
azotique durch goldne und gluhende Rohren? Ware sie urn sehr 
wenig Verwandtschaft iiberhaupt [zu] haben? [761] 

Atmospharische Luft durch das Pfeifen-Rohr zu blasen. Uber- 
haupt alle Luftarten. [762] 

Kurze Darstellungen dessen, was mir Herr Deluc am 12^ 
Sept. 1797 von seinen und einigen andren Versuchen erzahlt. Er 
hat bestimmte Luftraume so viel als moglich ausgetrocknet, so daB 
nicht das mindeste freie oder evaporable Wasser oder Dampf in 
demselben war. Diese trockne Luft die nicht mehr auf das Hygro- 
meter wirkte, hat er in allerlei Temperaturen, Luft und Dunkelheit 
usw. ausgesetzt um zu bemerken ob sich unter diesen Veranderun- 
gen etwas von derselben losmachte, und das Monate lang, aber es 
zeigte sich nichts. Nachdem dieses geschehen war, brachte er Was- 
ser granweise hinein und zwar auf eine Weise, die nicht sinnreicher 
gedacht werden kann, namlich in kleinen dunnen glasernen Kiigel- 
chen, wovon jedes einen Gran Wasser enthielt, das Wasser wurde 
auf einer Waage gewogen, die ihm auf 1 / 100 Gran Sicherheit gab. 
Diese Kiigelchen zerbrach er nun mit einer klein [en] spitzen Ramme 
die durch Umdrehung eines Drahtes, der durch Siegellack ging, auf- 
hob. Hier bemerkte er etwas sehr Sonderbares, wodurch aber eine 
alte Behauptung von ihm vortrefflich bestatiget wurde. Namlich, 
da die Glaskugelchen nicht gut versiegelt werden konnten ohne 
daB man ein capillary End daran lieB, so blieb bei der Zerbrechung 
Wasser in diesen Rohrchen hangen, das nicht verdampfen wollte. 
Ein sehr merkwurdiger Umstand, daB Ein Haarrohrchen Zug 



HEFT L 760-765 493 

mit Zug des WarmestofFs ins Gleichgewicht gerat, gerade wie sich 
schon aus Herrn Delucs Theorie von der Wirkungs-Art hygro- 
skopischer Substanzen hatte voraussagen lassen. So lange als nur 
ein Glaschen zerbrochen war, ging es mit der Verdampfung im 
Haar-Rohrchen noch ziemlich wenn aber zwei Grane geoffnet 
wurde hielt es schon schwerer, bei dreien noch schwerer usw. Dieses 
ist alles leicht zu erklaren. Diesem sonderbaren Umstand vorzubeu- 
gen hatte er den Einfall, um die stumpfe Spitze des Rammers etwas 
Loschpapier zu wickeln, so, daB beim Niederfallen des Rammers, 
die Spitze desselben mit dem Loschpapier das Wasser aufsaugte und 
so die Verdampfung desselben sehr erleichterte. Durch dieses 
Verfahren nun wurde Herr Deluc nicht bloB dahin gefuhrt, Ge- 
setze in den Zahlen zu entdecken, Progression zu entdecken, son- 
dern auch die Principia zu entdecken, aus denen hervorgeht, war- 
um, diese Dinge so erfolgen mussen. Dieses ist wahre Naturlehre. 
Hieruber hat er mehrere Tafeln entworfen, die am Ende in einer 
einzigen zusammen laufen, durch welche man, vermittelst der iibri- 
gen auxiliary Tables, nunmehr genau berechnen kann, wie viel 
Wasser in einem gegebenen Luft-Raum befindlich ist, so bald man 
den Stand seines Hygrometers und Thermometers kennt. Ferner 
Herr Deluc und Herr Watt haben gefunden, daB die Hitze des Was- 
sers, welches unter einem gewissen Druck kocht schneller abnimmt, 
als der Druck, weil nach ihren Versuchen, die Dampfe mehr latente 
Hitze erfordern als respectively die, welche unter einem groBeren 
Druck entstehen und folglich verhaltnismaBig mehr abkiihlen . [763 ] 

(Physik. Ein vortrefflicher Anfang zu der Lehre von der Bewe- 
gung ist der von Laplace I. p. 264). Yelin in seiner Physik soil die 
Lehre vom Feuer sehr gut abgehandelt haben. (nachzusehen) [764] 

Bei Herrn Gren's Einwurf gegen den Ursprung der tierischen 
Warme aus Einatmen, weil die Hunde, die durch warme Stuben 
erhitzt waren auch geschwinder atmeten, und also das Atmen mehr 
eine Abkiihlung sein miiBte, laBt sich denn doch, wenigstens als 
Bedenklichkeit beibringen, daB z.B. man sich bei Erhitzung von 
auBen, als warmes Wetter, selbst wenn man [von] SchweiB trieft, 
so gleich ins kalte Wasser werfen kann, hingegen wenn man durch 
Anstrengung erhitzt ist das Baden den Tod nach sich ziehen kann. 



494 SUDELBUCHER 

(S. Bernardi Schwimmkunst II. p. 230, 231. Das Verfahren der Rus- 
sen ist bekannt). Es konnte also gar wohl die Erhitzung von auBen, 
die uberhaupt erschlafFend ist, zum Teil die arbeitenden GeraBe so 
schwachen, daB der ProzeB des Keuchens nicht die Folge hatte, die 
er bei dem naturlichem Zustand des Korpers hat, und trotz des 
schnellen Keuchens doch eine Abkiihlung erfolgt. [765] 

Delucs Versuch mit den Stiickchen Seifen-Schabsel, die ausein- 
ander fliegen, wenn sie in Wasser geworfen werden. (Man konnte sie 
an Haaren sogar aufhangen tcjx) [766] 

Der Demant ist sehr elektrisch und soil doch nach einigen 
reiner Kohlenstoffsein, da die Kohle der leitendste StofF ist. [767] 

Fourcroy in seiner Philosophic der Chemie oder wie es heiBt, 
lehrt ebenfalls, daB das Hygrometer nur freies Wasser anzeige. [768] 

Wer in aller Welt will nun leugnen, daB der Dampf, den man in 
der Hohe nicht mehr findet eben so auf Luft verwandt worden sei, 
als wie die der latenten Warme, auf schmelzendes Eis? [769] 

Wenn die Krystallinse nicht genau steht, so gibt sie nur ein Bild 
nach dem nichtgenauen Stand aber eines ist doch wahrlich so wahr 
als das andere! Was nennen wir deutlich bei diesen Vorstellungen? 
Dieses verdient vorzuglich Uberlegung! - Es gibt nur Eine Wahr- 
heit. [770] 

Wenn Klindworths Art das Pendel unveranderlich zu machen, 
an der Hinterwand des Uhrkastens angebracht wird, so ist ofFenbar, 
daB das Pendel eben so genau gehen wiirde, wenn die Pendelstange 
aus dem Stoflfe gemacht wiirde, aus welchen das Uhrgehause ver- 
fertigt ist. Denn es ist ofFenbar, daB wenn unter die- 
ser Einrichtung die Pendel-Lange cd einerlei bleiben 
soil die Punktfe] a und b notwendig gleiche Entfer- 
nung behalten miissen, wo also schon angenommen 
wird was man sucht. Schwerlich wird auch der Sache 
dadurch abgeholfen daB die Punkte a und b in Stein 
j gelegt werden. Vielleicht noch weniger. Der Tadel 
I ^ trifTt auch die gewohnliche Pyrometer. [771 ] 



I 



HEFT L 765-776 495 

Da das kochende Wasser nicht mehr heiBer werden kann als der 
Druck der Luft verstattet, so laBt sich dieses gewissermaBen mit 
dem Kompensations-Pendel vergleichen. Der Dampf nimmt wie- 
der weg was das Feuer zugefuhrt hat. Eben so bleibt Eis von unver- 
anderter Temperatur so lange es sich in einem Medio befindet das 
hoher ist, als + 3 2 Fahrenheit. [772] 

Hat man schon Versuche iiber die Permanenz der Temperaturen 
fluchtiger Substanzen angestellt. des Athers, Terpentin-Spir[itus]. 
Auch des festen Kampfers. Denn es ware ein Fluidum moglich, das 
alle hinzudringende Warme durch Verdampfung verlore [773 ] 

Bei Grens Definition oder Distinktion zwischen elastischen und 
federharten Korpern ist doch wenigstens sich zu erinnern, daB 
spiralformig gewundene Drahte tftfJJW^ sichausdehnenwenn sie 
zusammengedrUckt, und [sich] zusammenziehn, wenn sie aus ein- 
ander gezogen werden. Freilichje nachdem die Dehnung vielleicht an 
einer andern Seite geschieht. Man sieht wenigstens wie leicht die 
Form wenigstens betriigen kann. Es ist wahrscheinlich, daB unsere 
Luft am Ende auch eine Kugelflache bildet, wie das Meer, namlich 
da, wo die Expansiv-Kraft der Schwere gleich wird. Bestiinde unsere 
Erde ganz aus Wasser so kann man sich denken, daB diese Wasser- 
kugel dieser groBe Tropfen zwischen zwei parallelen Ebenen zu- 
sammen gepreBt wiirde, bis sie etwa eine Scheibe formierte von der 
Dicke einer Deutschen Meile; lieGe der Druck nach so wiirde sie 
die Kugelform wieder annehmen. (Erhartete die Scheibe von auBen 
nach innen in statem Fortgang und [der] Druck lieBe nach wenn 
noch ein Teil um die Mitte herum fhissig geblieben ware, so konnte 
so etwas entstehen wie Saturn mit seinem Ring.) Ist das Elastizitat 
oder Federharte? Man wiirde sagen: das ist allgemeine Schwere. 
Aber wenn ich den Tautropfen platt drlicke so geschieht ganz etwas 
Ahnliches. Soil ich das Federharte des Wassers nennen oder Elastizi- 
tat oder allgemeine Schwere? Die Sache ist nicht leicht. [774] 

Wiirde ein Oltropfen auf unsere Kugel fallen, wenn sie, wie oben 
gedacht , aus Wasser bestiinde * [775 ] 

Was mag die eigentliche Ursache davon sein, daB Flihten 
ofters zerspringen, wenn man den Pfropf nicht aufsetzt, und wo- 



496 SUDELBUCHER 

durch man die Wirkung des Pulvers beim SchieBen in Bergwerken 
verstarkt hat? 1st es, weil die Luft zwischen Pfropf und Pulver durch 
die Hitze plotzlich ausgedehnt wird und so den StoB verstarkt, oder 
daB sich die Luft etwas zusammen driickt, ehe der Pfropf fort 
fliegt wodurch das Pulver Zeit gewinnt sich ganz zu entziinden, und 
wodurch denn der Pfropf die ganze Geschwindigkeit auf einmal 
empfangt, wodurch er denn durch Tragheit mehr widersteht, und 
folglich alle Seiten des Gewehrs den StoB plotzlich empfangen. [776] 

Fourcroy sagt irgendwo: Berthollet habe durch die dephlog. 
Salzsaure die gelben vegetabilischen Farben nicht zerstoren kon- 
nen. [777] 

Wie hangt Entf arbung durch Oxygen mit der optischen Betrach- 
tung der Farben zusammen, Wie wirkt SauerstofF, daB er rund die 
Flachen der Korper so verandert, daB sie alle Farben (weiB) zuriick 
werfen. [778] 

Warum gibt das Oxygen dem Braunstein metallischen Glanz, 
da es andre Metalle ihres Glanzes beraubt? (Hildebrandt nicht ii[i) 

[779] 

Physik. Comp. liberal! auf allgemeine Begriffe zufuhren. So behan- 
delt behdlt sich alles besser. [780] 

Herrn v. Zachs Problem mit dem Rossel im Schach steht so: 

L 



44 



Das Quadrat abed ist das Mittelste des ganzen Brettes; auf jeder 
Seite desselben stehen noch 6 Quadrate (namlich 3 hoch) das macht 
die 64. [781] 

Elektrizitat. Nicht zu vergessen den Stegmannischen Schwan und 
Parapluye im Vacuo zu gebrauchen. Uberall zu heizen auch den 
Reiber obenan zu legen und durch Gewichte anzudriicken Sand, 
Hagel u. dergl. Alles warm und heiB, eine Haupt-Regel [782] 



HEFT L 776-788 497 

Vcn dem Perp. mob. ist noch zu merken, was Langsdorf von einer 
neu hinzu gekommenen Kraft sagt. Es ware allerdings eine Elek- 
trisiermaschine moglich, die sich durch eigne Kraft triebe, weil Er- 
weckung elektrischer Kraft gar nicht mit mechanischer verglichen 
werden kann. So wenig als 3 Ellen Band mit 9 Bouteillen Wein. So 
ist es auch gewiB gemeint worden. [783] 

Was eine groBe Empfehlung fiir Herrn Delucs Theorie der Elek- 
trizitat ist, ist der Umstand, daB er versucbt hat zwar das Expansion- 
Fluidum beizubehalten, aber nur eine andre Species dazu nimmt als 
gewohnlich. Das ist ja doch wohl allerdings verstattet, und zuver- 
lassig die erlaubteste Zutat, und so kommt er auf ein Fluidum, das 
alles iibrige so leicht erklart. Ein Haupt-Umstand der bei der Ein- 
leitung in die Theorie gesagt worden. [784] 

D- Hutton (art: aurum fulminans) sagt: man sage daB das Knall- 
Gold mit SchieBpulver vermischt, die Kraft des SchieBpulvers nicht 
vermehre. Ist das moglich? [785] 

Alle die Versuche, worin etwas durch Elektrizitat oder sonst ge- 
ziindet werden soil, konnen sich sehr mit Phosphor erleichtern las- 
sen. Z.Beispiel den Zunder am Wasser anzuziinden. Auch mit den 
Zahnischen Spiegeln ein Licht anzuziinden usw. [786] 

Am 24!^ Okt. 1797 erzahlte mir Herr Hofr. Beckmann, daB er 
den weiBen Kandis-Zucker verdoppelnd gesehen habe. Dieses 
ware sehr zu untersuchen (verdoppelnd namlich wie den Doppel- 
spat. [787] 

Uber den metallischen Glanz der Farben nachzudenken. Er fmdet 
sich in der Natur ohne Metalle, beim Goldkafer und vielen andern 
Insekten, bei den Gold- und Silberfischen, den Kolibris, an der 
Pfauen-Feder. Wir nennen ferner den polierten Marmor weiB, das 
polierte Silber auch und die Perle auch, und doch sind alle diese 
Farben verschieden. NB ich rede hier nicht von Tinte selbst als 
vielmehr von der Art ihres Ausdrucks, der Art des Glanzes. (Musiv- 
G nicht zu vergessen) [78 8 ] 



498 SUDELBUCHER 

Einige Pflanzen zeigen gleichsam eine Art von Eifersucht. Der 
Blumenstengel des Lowenzahns (Tarax[acumj. Leontodon) wachst 
in Grasgarten sehr hoch, vermutlichaberbloG um freies Licht und 
frei [e] Luft fiir die Blute zu gewinnen. Wie ungeheure Stengel treiben 
nicht manche Wasserpflanzen um die Luft zu erreichen? Die Fichte 
soil etwas Ahnliches tun. Hat man wohl schon Gebrauch von dieser 
Eigenschaft der Pflanzen gemacht, sie sehr hoch zu treiben. Im Gar- 
ten der Furstin Esterhazy soil mannach Sanders Erzahlung den Spar- 
gel weiB und groB ziehen, durch irdene Zylinder, die man dariiber 
sturzt. [789] 

Quaestio: Das Zuruckgehen der Schusselchen aus Papier, die 
man mit einem Bleistift rtihrt. (Ich verstehe mich) [790] 

Quaest. Die Bewegung der Farben auf den Seifenblasen das ver- 
mutlich durch Verdampfung geschieht. [791 ] 

Q. Eine Erklarung der sechs-strahlichten Sterne, die sich auf 
manchen Edelsteinen zeigen. Nachrichten von solchen Sternen 
gibt Herr Leibmed. Bruckmann in Crells Chem. Annalen 1797. 
B.i . p. 138 und 48 r. Die Frage ist, behalten sie diese Eigenschaft auch 
bei der groBten Politur? Die Sache ist fast so etwas fiir die Reflexion 
wie das Verdoppeln des Doppelspats fiir die Refraktion. Nicht 
vollig [792] 

Konnte es nicht mit der Ausdehnung so sein, sagte $on, als mit 
den Farben, Tonen, Geriichen, die das erst durch unsre Organe wer- 
den? DaB die Empfindungen, die wir von der Ausdehnung der Kor- 
per durch das Gefiihl erhalten so leicht mit denen des Gesichts zu 
vereinigen sind, riihrt von ihrer Impenetrabilitat her, da sie doch 
eben den Widerstand, den sie dem Gefiihl leisten auch gegen das 
Licht ausiiben. [793 ] 

Schon, wenn wir uns auf hohe Berge erheben, geraten wir in 
Schwierigkeiten, und finden Dinge, die sich mit der Physik der 
Ebne (des plaines) nicht mehr vertragen. Was wiirden wir nun gar 
bemerken wenn wir noch hoher, oder gar in die Tiefe steigen 
konnten? Andern Druck der Luft andere Wirkungen der Hitze 
und folglich andere, unerwartete Affinitaten. [794] 



HEFT L 789-799 499 

Im ersten Bande seiner prakt. chemischen Abhandlungen fiihrt 
Herr Lampadius ein [en] Versuch an : Wenn man auf eine mit Wasser 
befeuchtete Platte hochst rektifizierten Weingeist tropft, so be- 
merkt man, daB das Wasser in einem groBen Kreise von dem Wein- 
geisttropfen zuriick gestoBen wird(?) Zu untersuchen. [795] 

Zwischen auBerm und innerm Sinn scharfer zu distinguieren, 
frei, ohne Menschenfurcht. [796] 

In Herrn v. Billow's Buch: Der Freistaat von Nord-Amerika in 
seinem neusten Zustand. Berlin bei Unger. 1797. 2Teile. soil (nach 
dem Urteile der neuen allgemeinen d. Bibl. 33. Band S. 501) im 
6 l JB Abschnitt der 2^ Abteilung die Erzahlung eines Herrn* 
Muhknbergs merkwiirdig sein. Sie betrifft Revolution auf der 
Erde. [797] 

Die Vorstellung des Kindes, das den Tisch schlagt, an den es sich 
gestoBen hat, ist wohl hier die richtigste, sie geht vor dem Rasonne- 
ment voraus, und das ist was wir wissen wollen. Der am Star Ope- 
rierte sieht alle die Korper auf seinem Auge liegen, das ist richtig. 
Die Empfmdung liegt im Auge, dessen Entfemung von seinem 
eignen Ich, die schon wieder eine Mischung von Gefuhl und Schlie- 
Ben ist, er durch das Gefuhl kennen gelernt hat. - Es ist in der Tat zu 
verwundern, daB der materialen Idealisten in der Welt so wenige 
sind, und dtTformalen so viele. [79 8 1 

Anfang: Da unser Gemut, worunter ich die ganze Summe aller 
unserer Anlagen (besser) verstehe ohne auf einen Unterschied 
zwischen Leib und Seele zu sehen (unser Erkenntnisvermogen) 
eigentlich das Werkzeug ist, von dessen Kenntnis alles abhangt, was 
wir hier betrachten werden: So kann es nicht schaden hier iiber 
dieses Werkzeug ein paar Worte zu sagen. Der Astronom, beschreibt 
seine Instruments Hier ist der Mensch mit seinen Anlagen das 
Werkzeug und dieses beschreibt [man] in den gewohnlichen Phy- 
siken nicht. Man setzt die Einrichtungen als bekannt voraus. - 
Aber die Meinungen hieruber sind verschieden, das ist es gibt meh- 

*NB steht auch in Ebelings Amerik. Magazin i.Band. 3*£m St. 



500 SUDELBUCHER 

rere Einrichtungen, und es ist ein Streit, welches die beste sei, oder 
eigentlich zu reden. Es gibt verschiedene Meinungen fiber die Ein- 
richtung des Werkzeugs. Nun eine kurze Darstellung vom Men- 
schen nach semen Anlagen. Innre und auBere Gegenstande. [799] 

Sollte nicht bei dem merkwurdigen Umstand, daB die messingen 
Brennspiegel brennen ohne warm zu werden (durch Reflexion 
der Warme versteht sich hier, nicht Licht) die Anhanglichkeit der 
Luft an den Metall mit im Spiele sein, die Graf Rumford fiir keinen 
Warme-Leiter halt. [800] 

Contra Gren. Wenn die Kugel durch Schwungkraft alle Schwere 
verlore wie er glaubt, so denke er sich einen Menschen, der sich zu- 
gleich mit ihr bewegte, und gegen welchen sie relativ ruhte, so wird 
[sie] diesem eben noch so widerstehen, wenn er sie anstoBt, wie vor- 
her. Die Sache wird dadurch gar nicht verandert. Der Mond, oder 
unsere Erde, wenn sie sich in Kreisen urn die Erde und die Sonne 
drehten wiirden sich so drehen wie die Kugel, die Herr Gren vor- 
aussetzt, aber wer wirdleugnen, daB sie jede Kraft sehr modifizieren 
wiirden die sich bestrebte ihre Geschwindigkeit zu vermehren. [801] 

Zu Fragen fiir die Konigliche Sozietat. Qualifizieren sich 1) der 
Fluiditatsmesser wobei etwas von Le Monnier's des Arztes gesagt 
werden kann. 2) die Intensitat der magnetischen Kraft, namlich 
der Erde. Da die magnetische Kraft der Erde als eine Art von Schwere 
angesehen werden kann, so ware zu untersuchen ob diese Kraft 
a) an demselben Ort zu alien Zeiten gleich b) ob sie in verschiednen 
Graden der Breiten verschieden sei und wie? (magnetische Breite) 
c) ob sie auf Bergen schon merklich geringer sei. Dieses konnte 
vielleicht durch Schwingungen so wohl in horizontalen als verti- 
kalenEbenen [geschehen]. 3) Das schnelle Umdrehen um die Axe 
bei schmelzendenDingen.(L. XVIII Kol. 1.2. S.untenp. XXXIV.) 

[802] 

ad K. p. X. aber auch fiir sich selbst zu gebrauchen. Eine Kugel 
wie unsere Erde, die aus lauter Luft bestande konnte unmoglich 
nach dem Mariottischen Gesetz verdichtet werden durch bloBe 
Schwere, da die Luftwande gegen den Mittelpunkt zu wieder dim- 



HEFT L 799-807 501 

ner werden mussen. Es wiirde zwischen der Oberflache und dem 
Mittelpunkt ein Maximum von Verdichtung geben. Oder es ware 
auch moglich, daB die Luft bloB nur gegen die feste Erde oder das 
Wasser schwer ware und sich also ins Unendliche ausbreitete, wenn 
kein fester Korper da ware. Dieses gehort zu meinem Gedanken 
uber die Schwere des Ols. [803] 

Sind Wir nicht aucheinWeltgebaude, so gut alsderSternenhimmel und 
eines das wir besser kennen sollten, und hesser kennen konnten, soltte man 
denken y a\s das dart oben. [804] 

Ober unsere Gedanken hinaus nach den Objekten gibt es keine 
Briicke. Sehr wahr und gut ausgedriickt (nicht 7t(x) [805] 

Wenn man nach gewissen Regeln erfinden lernen konnte, wie 
2. Ex. die so genannte Loci topici sind, oder wenn die Vernunft 
sich selbst in den Gang setzen konnte so ware die[s] gerade eine 
solche Entdeckung, als die Tiere zu vergroBern, oder Strauche zur 
GroBe von Eichbaumen auszudehnen. Es scheint, als wenn alien 
Entdeckungen eine Art von Zufall zum Grunde lage selbst denen, 
die man durch Anstrengung gemacht zu haben glaubt. Das bereits 
Erfundene in die beste Ordnung zu bringen, allein die Haupt-Er- 
findungs-Spriinge scheinen so wenig das Werk der Willkur zu 
sein als die Bewegung des Herzens. - Eben so kommt es mir vor, 
als wenn die Verbesserung, die man den Staaten geben kann durch 
rasonierende Vernunft, bloB leichte Veranderungen waren; wir 
machen neue Species, aber Genera konnen wir nicht schafFen, das 
muB der Zufall tun. Versuche mussen daher angestellt werden in 
der Naturlehre, und die Zeit abgewartet, in den groBen Begeben- 
heiten. Ich verstehe mich. 

Hieher gehort was ich an einem andern Ort gesagt habe, daB 
man nicht sagen sollte: ich denke, sondern es denkt so wie man 
sagt : es blttzt. [806] 

Da in der Bewegung so viel Unbegreifliches ist, und ich sehe daB 
sich ein Korper bewegt wenn ein andrer ruht, so kann ich mir ja 
eben so leicht denken daB ich den andern gegen diesen bewegt hatte, 
bei iibrigens gleicher Quantitat Motus. Eine Billard-Kugel gegen 



502 SUDELBUCHER 

die Erde zu stoBen erfordert nicht mehr Kraft, als die Erde gegen die 
Billard-Kugel zu bewegen, wenn namlich die quantitates motus 
einander gleich gesetzt werden. [807] 

Die phosphoreszierende Glas-Kugel, die ich noch von Olivet 
und nun (Winter 1797) wenigstens 14 bis 15 Jahr habe leuchtet 
noch immer recht gut. Merkwiirdig ist, daB der £ in ihr der von An- 
fang vollkommen rein war vor etwa 8 Jahren blau angelaufen er- 
schien und jetzt wieder spiegelblank ist, wie anfangs. Was ist das? 
Ist das Anlaufen eine Verkalchung gewesen, so ist es jetzt wieder 
reduziert. Das Leuchten horte nie auf. Dieses verdiente nahre Un- 
tersuchung. [808] 

Herr Rudiger in seinem Taschenbuch der Haus-Staats- und Land- 
wirtschaft erwahnt eine Herbst-Zeitlose (Colchicum auctumnale L.) 
deren Zwiebel im Winter in einer maBig warmen Stube in einer 
Teetasse ohne Wasser und Erde bluhet. Ein merkwiirdiger Umstand 
fur Naturforscher und Chemiker. NB. [809] 

Nach van Marums Beobachtung brennt Phosphor im luftlee- 
ren Raum wenn man ihn in etwas Baumwolle wickelt, vermutlich 
wegen der groBen Anhanglichkeit der Luft an dieselbe, die der Graf 
von Rumford auch voraussetzt. Ich nehme dieses aus dem Monthly 
Magaz. 1797. p. 219. In Eiderdunen wiirde es vielleicht noch bes- 
sergehen. [810] 

Mit eben dem Grade von GewiBheit, mit dem wir iiberzeugt 
sind, daB etwas in uns vorgeht sind wir auch iiberzeugt, daB etwas 
aufier uns vorgeht. Wir verstehen die Worte innerhalb und aufierhalb 
sehr wohl. Es wird wohl niemand in der Welt sein, auch wohl 
schwerlich je geboren werden, der nicht diesen Unterschied emp- 
fande; und das ist fur die Philosophic hinreichend. Hieruber sollte 
sie nicht hinausgehen. Es ist doch alles unnutze Miine und ver- 
lorne Zeit. Derm was auch die Dinge sein mogen, so ist doch wohl 
ausgemacht, daB wir schlechterdings nichts von ihnen wissen, als 
was in unseren Vorstellungen liegt. In dieser Riicksicht, die wie ich 
glaube richtig ist, ist doch wahrlich die Frage ob die Dinge wirklich 
auBer uns vorhanden und so vorhanden sind wie wir sie sehen, vol- 



HEFT L 807-815 503 

lig ohne Sinn. 1st es nicht sonderbar, daB der Mensch absolut etwas 
zweimal haben will, wo er an euiem genug hatte, und notwendig 
genug haben muB, weil es von unsern Vorstellungen zu den Ur- 
sachen keine Briicke gibt. Wir konnen uns nicht gedenken, daB etwas 
ohne Ursache sein konne, aber wo liegt denn diese Notwendigkeitt 
Antwort wiederum in uns bei volliger Unmoglichkeit aus uns 
heraus zu gehen. Es liegt mir wahrlich wenig daran ob man dieses 
Idealismus nennen will. Auf die Namen komnit nichts an. Es ist 
wenigstens ein Idealismus, der durch Idealismus anerkennt daB es 
Dinge auBer ihm gebe, und daB alles seine Ursachen habe, was will 
man weiter. Es gibt ja keine andere Wirklichkeit fur den Menschen, 
wenigstens fur den philosophischen. Im gemeinen Leben beruhigt 
man sich mit Recht auf einer niedrigern Station. Aber ich glaube 
nach volliger Oberzeugung : man muB entweder von diesen Gegen- 
standen mit aller Philosophic vollig wegbleiben oder so philoso- 
phieren. Nach dieser Vorstellung sieht man leicht wie recht Herr 
Kant hat Raum und Zeit fur bloBe Formen der Anschauung zu hal- 
ten. Es ist nicht anders moglich. [811] 

Bei den Hirnhohlen konnte doch durch Zersetzung der Dampfe, 
die notwendig sich zuweilen zersetzen miissen allerlei Ungemach- 
lichkeiten entstehen, Gewitter, Regen Tau so etwas ware wirklich 
moglich, sindja Dampfe auch die Ursache von Erdbeben. [812] 

Die Versuche des Grafen von Rumford iiber die Farben verdie- 
nen die groBte Aufmerksamkeit. Es scheint da etwas Neues vor der 
Tur zu sein, Warum sah er die Schatten gar nicht gefarbt wenn er 
sie durch eine lange Pappen-Rohre betrachtete. Was er von der 
Farben-Musik sagt daB bei dem gewohnlichen Verfahren nichts 
herauskommen konne, weil ihm das Crescendo usw. fehle habe ich 
schon vor vielen Jahren im Collegio gesagt. [813] 

Hauptregel: Ilfaut reculer les causes intelligibles tant quonpeut. [814] 

Wie kann ich mir hierdurch Vorteil verschaffen, er habe auch Namen 
wie er walk? Einen Ausdruck, einen Gedanken, Vergnugen, Einnahme, 
alles versteht sich, ehrlich undrechtlich. [815] 



504 SUDELBUCHER 

Eine der groBten Entdeckungen fiir die Okonomie ware wenn 
man irgend wohlfeiles Material errande die Stickluft der Atmosphare 
zu zersetzen und so ihre Warme frei zu machen. [816] 

Die Berge haben ihre Spitzen oben die Eiszapfen unten. Die 
innere Seite einer Kruste der Erde konnte wohl mit Bergen mit der 
Spitze nach unten besetzt sein. [817] 

Wenn ich zwei meiner Fenster-Jalousien iiber einander stelle, 
so bemerke ich allerlei Muster von Gewassertem, das die Durch- 
schnitts-Punkte der Faden und die durchsichtigen Stellen formie- 
ren. So etwas miiBte sich allgemein durch Formeln vorstellen las- 
sen, so wie beim Newtonschen Parallelogramm. [818] 

Wir konnen ohne den Kopf zu drehen mit 2 Ohren rings herum 
horen aber nicht mit 2 Augen rings herum sehen (So ware der be- 
kannte Satz am kiirzesten ausgedruckt) [819] 

Die Chinesen zeichnen ihre Seekarten auf Kiirbisse, der Einfall 
ist nicht iibel. Bei dem KompaB sehen sie auf den Siidpol, der Nadel 

[820] 

Einen Kurbis nachsten Sommer in eine Bouteille einzuschlieBen. 

[821] 

Ich habe irgend wo in Staunton's Reisen gelesen, daB die Chinesen 
das Horn in Dampfen bearbeiten. [822] 

Wenn man das einfache Sehen mit zwei Augen von einer bloBen 
Gewohnheit herleitet, so konnte man so schlieBen: DieStell[e] a 
im Auge A gewohne sich an b im Auge B ; ferner gewohne sich a 
in A auch an c in B : so ware es moglich, daB sich auch c an b in 
demselben Auge B gewohnte, man muBte denn annehmen, daB 
sich keine Stellen in demselben Auge an einander gewohnen kon- 
nen, welches auch wohl wahr sein mag. [823 ] 

Sind wohl alle Wurzelfn] aus dem Unendlichen als zum Beispiel 
■(/ oo n rational oder sind es nur die ]/ oo mn wo m und n ganze Zah- 



HEFT L 816-830 5O5 

len bedeuten? Ich sollte denken, denn da y o n gewiB — o und folg- 
lich rational ist, so wird auch ]/— = o rational und folglich ]/ 00 ~ n 
und da n eine verneinte Zahl ausdrticken kann auch ]/ oo n . [824] 

Vielleicht ist die Vervollkommnung des menschlichen Ge- 
schlechts, und dessen Annaherung zu einem moralischen Ruhestand, 
der Annaherung zur Ruhe der Rinde der Kugel selbst proportional. 
Wir werden besser werden, wenn es mit dieser Rinde besser wird, 
und einfacher werden, wenn die Erde einfacher wird. Ein Streifen 
Land unter dem Aquator, oder zwei Streifen diesseit und jenseits 
desselben, nicht iiber einen Grad breit, das iibrige lauter einformi- 
ges Wasser. Vielleicht 2 Menschen und eine Paradies-Insel, das Ende 
vom Liede. [825] 

In der Lit. Zeitung 1798 N° 20 i.St. 156 wird, wo Herrn Langs- 
dorfs Abhandlung iiber den WarmestofF beurteilt wird gesagt: 
Eine grofiere Dichtigkeit bewirkt dasselbe was Bmdung. Die ganze Frage 
von dem Abstande der absoluten Kdlte mochte fur die Physik von keinem 
Nutzen sein. Diesen Mann mochte ich kennen. [826] 

Ich glaub bei der Frage iiber das Phlogiston kommt es bloB auf 
die Frage an: verhalt sich der brennende, oder zu verkalchende 
Korper bei dem Prozesse bloB leidend oder nicht. Besser vielleicht: 
Verliert er etwas um zu verbrennen oder sich zu verkalchen, oder ist 
bloB Warme die Vermittlerin bei dem Tausch? [827] 

Das Erxlebensche Compendium ist immer gut in dieser Mittel- 
zeit, die freilich eine etwas betriibte ist, wo man um Verleihung von 
Bestandigkeit flehen mochte. [828] 

Wie vide Falle sind hier mb'glich ? Wie kann man das Wort nehmen? 
in wie vielerlei Sinn. NB, [829] 

Bei Gelegenheit der Rezension von Langsdorfs Buch iiber die 
Warmelehre in der Lit. Zeitung 1798 N& 20 Kol. 156 wird die ge- 
griindete Anmerkung gemacht die ich schon vor 3 Jahren in mei- 
nen zufalligen Gedanken iiber diese Materie gemacht habe, da Re- 
zensent sagt: Die BegrifFe von Leitungskraft der Warme seien 



$06 SUDELBUCHER 

noch nicht genugsam von den Physikern bestimmt. Man muB 
unterscheiden i) das Vermogen in einem gegebenen Mittel sich 
abzukiihlen 2) das Vermogen verschiedener Mittel Warme zu 
rauben3) das Vermogen Warme durchzulassen, und 4) das Ver- 
mogen des Korpers die Warme in seiner Masse fortzuleiten. [830] 

Ja zu untersuchen, warum der Heber mit Quecksilber nicht laufen 
wollte. Ich verstehe mich. [831] 

ad. p. XXVIII oben Sozietatsfragen. Eine Atmo- oder Atmi- 
dodynamische Frage: Uber die Dampfe als elastisches und dabei 
zersetzbares Fluidum betrachtet. Es kann von Nutzen sein, umstand- 
lich und dabei aufDrewsens Brief verwiesen - Ferner die Fragejn] 
iiber die Leitung der Warme, die zum Teil auf dieser Seite stehen. 
(continuat p. XXXVI.) [832] 

Frage: Was ist leicht und was ist schwer? Antwort: solche Fragen 
zu tun ist leicht; sie zu beantworten ist schwer. tz\l [833] 

Ist es nicht sonderbar, daB man die Geometrie mit einem be- 
sondern Falle anrangt, mit der Lage der Linien au£Ebenen. Leicht 
mag dieses sein, ob es aber wissenschaftl. ist, ist eine andere Frage. 
Es muBte doch furwahr die Moglichkeit einer Ebene erwiesen wer- 
den. Ich fiirchte nur, wenn man die Philosophic der Mathematik zu 
weit treibt, und sie zu weit von dem gemeinen Menschenverstand 
wegruckt, so wird sie im ganzen verlieren. [834] 

Wir sehen alles auf eine Ebene, auf eine Glasscheibe projiziert, 
das Bild selbst, wovon unsere Vorstellungen abhangen ist auf eine 
Kugel gezeichnet, der Hinterwand des Auges. [835] 

In dem Buch Theatet soil etwas iiber die Briicke gesagt sein von 
der ich ofters rede, und woran ich noch mehr denke, namlich dem 
Ubergang von Vorstellungen auf Gegenstande an sich. [836] 

Es ware wohl sehr der Muhe wert zu untersuchen, wo die Selbst- 
Bewegung anhebt durch Garung und wo endlich tierische Bewe- 
gung anfangt. Es mochte wohl sehr schwer fallen, das letzte Ga- 



HEFT L 830-842 507 

rungs-Blascheti von dem ersten Tierchen zu unterscheiden. Hieher 
gehort was ich heute den 15. Febr. 98 mit Herrn Eber aus Schwein- 
furt gesprochen [hab, der die Blutkiigelchen lebendig befunden] 
haben will. Mein Verdampfungsspiegel mit dem Terpentinol. [837] 

Deluc sagt irgendwo : es sei keine Kraft in der Natur, die einer 
fliissigen Kugel eine Bewegung um die Axe geben konne, vermut- 
lich meint er durch den StoB. Nach Macquer drehn sich die ge- 
schmolznen Goldkliimpchen, und Leidenfrost will es auch bei den 
Wassertropfchen gesehen haben . [838] 

Meine Art den Mariottischen Versuch mit den Augennerven 
darzustellen. Im Kalender vielleicht. [839] 

Bei Herrn Huths Betrachtungen iiber Alexanders Horn, ist mir 
eingefallen ob es nicht gut ware dem Ganzen die Form von Kugeln 
zu geben, deren eine in der andern steckt. Oder vielleicht noch 
besser, wenn dem innern Korper eine Form gegeben wiirde, die 
zugleich das Aus- und Einstromen der Schallstrahlen beforderte 
z. Beispiel ungefahr so : A und B waren ganz von 
Kupfer gearbeitete Korper. A vollig hohl und 
geschlossen, wiirde durch Bleche mit der AuBen- 
Kugel in eine ihr parallele Lage frei erhalten ja die 
innere Kugel konnte auch an einer Stange hangen, 
und die auBere durch eine Spake in sie herein ge- 
schoben und durch Scharnierangeschlossenwerden. (wiedasMund- 
stiick. Ich verstehe mich) Ich sollte denken, daB eine solche Ein- 
richtung den Schall sehr verstarkt weit durch D verbreiten muBte. 
Die innere Kugel muBte zum wenigsten 4 bis 5 FuB im Durch- 
messer haben. [840 J 

Sejour hat gemutmaBet, daB das rote Licht mancher Sterne ihre 
Refraktion affizieren konnte (Bailly Hist, de Tastr. moderne p. 336) 
wie steht es dabei um die Aberration? Herschel sprach mit mir 
einmal von einem grunlichen [Licht. ] [841 ] 

Sobald Transversal- und Longitudinal-Schwingungen moglich 
sind, wer ist mir Biirge dafur daB es nicht Schwingungen auch nach 




508 SUDELBUCHER 

andern Richtungen gibt. Wie mag es sich bei den Glocken ver- 
halten? [842] 

Und warum sollten nicht Longitudinalschwingungen sich mit 
den transversalen sich vereinigen konnen? DaB also doch gar wohl, 
wie de Lahire glaubte sich die Schwingungen der kleinen Teile mit 
den andern verbinden konnten. [843 ] 

fragen: Wodurch unterscheidet sich flustern von sprechen? 
und das g der Violine, von dem der Flote, der Menschenstimme, 
der Harmonika? pp. (ad Sozietats-Fragen p. XXXIV.) [844] 

Die eben genannten Umstande von den Tonen. Longitudinal, 
transversal. Menschen-Stimme. Wir konnen zum Beispiel ein o 
flustern und aussprechen und singen? [845] 

Meines 1. Bruders Bemerkung von einem Sonnenflecken wird 
durch eine Beobachtung bestatigt wo von sich eine Nachricht im 
Frankfurter Ristretto 1798. N2. 27.befmdet, wo ein gewisser Herr 
Dargot anzeigt, daS er am i8[— ] Jan. 1798 ein Flecken in der © be- 
merkt habe, der in 20' durch die scheibe gegangen sei ; dergleichen 
er schon anno 1784. bemerkt habe. De Lalande berichtet es. Dieses 
ist in bessern und zuverlassigern Blattern aufzusuchen. Alsdenn 
kann man davon reden. (Nicht zu laut damit es konnte eine Longla- 
tische Schlinge sein. NB.) [846] 

Warum sehen die Regenwande auf welche die scheint (beim 
Regenbogen) so schwarz aus und die Wolken (wool saks) so weiB 
aus? Da doch von Regentropfen auch Licht reflektiert [wird]. Die 
Sache ist nicht so ganz leicht, und konnte, naher betrachtet, zu 
manchem fuhren. Vermutlich sind die Wollsacke auch Spiegel 
fur die erleuchtete Gegend, und den benachbarten heitern Him- 
mel. Auch weil die ©strahlen schrage einfallen sind die Blaschen 
vollkommnere Spiegel als die Regenwand, und so wird der Schaum 
weiB. [847] 

Mit den Basalten haben noch Ahnlichkeit, die Stiicke der Spring- 
Glaser, wenn man die Glaser selbst vorher, ehe man die Spitze ab- 



HEFT L 842-852 5O9 

biegt in Wachs einwickelt. Was dem vulkanischen Ursprung der 
Basalte einiges Ubergewicht gibt ist der Umstand, daB es nun schon 
mehrere Massen gibt, die nach einer Abkiihlung nach allerlei Rich- 
tung spring [en.] Glas, und die Metallspiegelmasse. Es ware moglich, 
da6 die basaltne Berge sich sehr lange als eine solide Masse gehalten 
hatten und nun durch einen einzigen StoB etwa von einem Erd- 
beben oder sonst einem Reiz auf einmal gesprungen waren. Die 
Slickensides bierbei nicht zu vergessen, wovon eine Nachricht in 
Whxtehursts Untersuchung uber den urspriinglichen Zustand der 
Erde. Leipzig 1788. p. 208 stent, (ich besitze das Buch). Herr 
Stromeyer will in dem Basalt Bimsstein gefunden haben, so etwas 
sagt auch Bergman. Brief an Troil. p. 329. oben. Aber es ist dies 
wie auch Bergman S. 335, 336 selbst sagt kein Beweis, daB der 
Basalt ein vulkanisches Produkt ware. [848] 

In Links Beitragen St. 8 (existieren denn 9?) sollen vortreffliche 
Bemerkungen zu Bestimmung der Grenzen der Physik beflndlich 
sein. NB. NB. [849] 

Uber die eigentlichen Grenzen der Physik nachzudenken und Schellings 
Ideen zu einer Philosophic der Natur zu lesen [850] 

Die feuerbestandigen Alkalien konnen nicht mehr so ganz ge- 
wiB als einfach erkannt werden. (?) [851] 

Leitfaden bei einem zusammenhdngenden Vortrage gemeinnutziger 
physikalischer Satze, als Vorbereitung zu einer kunftigen Wissenschaft 
der Natur, Dieses konnte der Titul eines Compendii iiber die Physik 
werden. In der Vorrede miiBte freilich alles sehr erlautert werden. 
Der Weg, womit man alles so sehr von dem gemeinen Menschen- 
verstand, einem sehr respektabeln Wesen, abzuriicken sich bestrebt, 
gefallt mir, so sehr lobenswiirdig er auch in mancher Riicksicht 
sein mag, in Wahrheit nicht. Der gemeine Menschen-Sinn ist meiner 
Meinung nach ein sehr respektabler Punkt auf der Stufenleiter 
unserer Kenntnisse, und hauptsachlich der Krafte unsers Geistes im 
allgemeinen, daB man ihn wohl als einen Punkt betrachten kann, 
von dem seine Zahlung anfangt. Uber Anfangspunkt der Skalen 
fmdet kein Dispiit statt. Die Frage ist hier bloB, von wo muB ich 



510 SUDELBUCHER 

ausgehen im Jahr 1799. um den groBtmoglichen Nutzen zu stiften. 
Folge ich dieser Regel nicht und wahle einen andern Anfangspunkt 
so gewinne ich vielleicht Einen guten spekulativen Kopf und ver- 
liere dagegen 100, die im 19!^ Jahrhundert selbst dazu wtirden bei- 
getragen haben eine Menge zujenemeinzigenzuruckzubewegen. - 
Oder gleich so (uberlegt) Es verhalt sich mit dem Anfangspunkt 
unsrer Naturphilosophen wie mit dem vom Thermometer pp. 

Ich bin nicht ungeneigt zu glauben, daB es kunftig nocb einem 
verschmitzten Denker gelingen wird seinen Skeptizismus iiber die 
mathematischen Wissenschaften zu verbreiten. Ja, die Wahrheit zu 
sagen, so zweifle ich gar nicht mehr daran. Und warum sollte ich 
zweifeln, da wir uberall Grenzen unsers Wissens notwendig finden 
miissen, und folglich Unskherheit, so bald wir uns darauf einlassen 
zu erklaren, wie dieses moglich ist und warum es moglich ist. Und 
wenn wir nicht von einem gewissen allgemein anerkannten Punkt 
einer Skale ausgehen wollen, bloB anerkannt. Euklid geht von dem 
gemeinen Menschen-Sinn aus, und das sind seine Axiomata. DaB 
zwischen zwei Punkten nur eine gerade Linie moglich ist, ist ein 
Grundsatz ihn zu erweisen ist unmoglich, ob er wohl gleich nach 
einer andern Vorstellungs-Art moglich sein miiBte. Denn sind nicht 
alle Kreisbogen deren radii = 00; oo 2 ; oo 3 gerade Linien, die durch 
dieselben Punkte gehen. Also gibt es unzahlige grade Linien, die 
zwischen 2 Punkten moglich sind. Oder hangt die Rechnung des 
Unendlichen nicht mit Euklids Elementen zusammen, dann wehe 
uns alien, wenn wir nicht sagen : hier wollen wir anfangen zu zahlen. - 
Ich glaube es ist gnug sich mit der UngewiBheit an einer Seite des 
Anfangs der Abszissen zu begniigen, ohne uns mit den Schwierig- 
keiten von der andern zu friih zu bemengen. LaBt andere unsere 
Seele studieren und andere die Korper-Welt, und so am Ende uns 
zusammen kommen. Der Anfangspunkt des Zahlens des gemeinen 
Sinns ist freilich kein fixer Punkt, aber im Durchschnitt laBt sich 
doch so etwas festsetzen, das ohne Schaden dafiir angesehen werden 
kann, und auch wirklich zu alien Zeiten dafiir angesehen worden 
ist. Es ist in der Tat traurig, daB man Menschen mit dem Namen von 
tiefen Denkern belegt, die unser Wissen bis zu jener Grenze zuriick- 
fuhren, und dann Dinge, die an verschiedenen Endpunkten des 
Begreiflichen liegen, nunmehr auf ein einziges Unbegreifliche 
zuruckbringen wollen. [852] 



HEFT L 852-859 511 

Ja auf die Licht-Entwickelungen zu achten dergleichen Herr 
v. Trebra bemerkt hat. Herr Benzenberg aus der Gegend von 
Diisseldorf versichert mich heute den n*£? Marz 1798 daB in seiner 
Gegend die Erscheinung sehr gemein sei, und er wird mir Nachricht 
verschafFen. [853] 

Kopfweh durch Zersetzung der Dampfe in den Stirnhohlen. 
Unser ganze Korper ist mit Feuchtigkeit und mit Dampf durch- 
drungen. Ich glaube dieses ist eine Keplersche Idee. Sollte nicht ein 
neues medizinisches System entstehen, wenn den System-Schop- 
fern unter ihnen die Theorie der Dampfe in ihrem ganzen Umfange 
bekannt wird? [854] 

Bei dent Compendio ja die Winke nicht zu vergessen: was noch zu tun 
ist [855] 

Fragenfiir alle Reisende, nicht zu vergessen. [856] 

Die Berge (Vulkane) sind oben spitz, die Eiszapfen unten. [857] 

Wie kann man diese Zeile JETZT anwenden? NB. ein heurist. 
Mittel (^ion) [858] 

Der Gedanke von Fischer : Artikel Chymie ist gar nicht iibel, daB 
in ihr Verbindungen von Korpern betrachtet werden, die sich nicht 
allemal in der Natur frnden. Daher gerallt mir meine Einschran- 
kung auf die Weltmaschine immer noch am meisten und darin 
liegt auch gewiB etwas Wahres. Man sollte sich ganz auf die un- 
organische Natur einschranken, und es sollten durchaus nur solche 
Versuche gewahlt werden, die am deutlichsten zeigen, wie es mit 
der Natur im GroBen geht. Tiere und Pflanzen haben freilich einen 
EinfluB zum Beispiel auf unsere Atmosphare. Sie hangen von dem 
Zustand der letztern ab, und die Gegenwirkung bleibt nicht aus, 
aber mit diesen Grenzstreitigkeiten muB man sich am Ende abfin- 
den. Diesen Haupt-Gesichtspunkt sollte man nie aus den Augen 
verlieren. Der Regenbogen die Hofe um Sonne und Mond, die 
Erhebung der Sterne durch die Luft, macht allerdings mehrere 
Kenntnis der Refraktion usw. notwendig. Allein daB man dabei die 



512 SUDELBUCHER 

ganze Geschichte der Mikroskope, der Laterna magica usw. ent- 
wickelt ist angenehm allerdings, aber in [die] Physik gehort es 
nicht. So bald ich hier keine bestimmte Grenzen festsetze, so sehe 
ich nicht ein warum man nicht da wo man zeigt wie ein breiiges 
Wesen erharten kann, zugleich die ganze Pasteten-Backerei in der 
Physik vortragt. Die Grenze der Ausschweifung zu bestimmen ist 
allerdings schwer, sie wird durch die jedesmalige Absicht bestimmt. 
Der Lehrer darf um Aufmerksamkeit zu unterhalten, ausschweifen 
aber er muB wissen daB er ausschweift, und es auch allenfalls sagen: 
es seien opera supererogationis. Will man nun ferner erklaren, wie 
man zu diesen Kenntnissen gelangt ist, so andert sich freilich die 
Sache. Hier wiinsche ich nicht miBverstanden zu werden. Wir 
glauben in tausend Dingen den Reisenden und Reise-Beschrei- 
bungen, wo wir nicht im Stande sind selbst zu untersuchen oder die 
Reise zu unternehmen. Also da glaubt man, und da sollen Tausende 
von Menschen nicht glauben, sondern selbst hinreisen, wo Tau- 
sende gewesen sind. So etwas ist absurd. Es ist Eitelkeit derjenigen, 
die sich auf ihre Reisen etwas einbilden, und leider ! gewohnlich 
diejenigen die mit ihren Reisen nichts weiter ausgerichtet haben, 
als zu sagen wir haben es so gefunden, wie sie sagen. Die ganze 
Lehre vom Raderwerk gehort nicht in die Physik. Es geschieht in 
der unorganischen Natur nichts durch Zahn und Getriebe. Zur Er- 
lauterung der Lehre von den Kraften ist es gut und nutzlich aber 
Physik ist es nicht. Es ist Ausschweifung, wie Pasteten-Backerei; 
vollig unschadlich nur muB der Lehrer sagen, daB es Ausschweifung 
ist, und nie den Hauptgesichtspunkt aus dem Auge verlieren; Er- 
klarung der Phanomene der unorganischen Natur. Als Beweise 
seiner Satze konnen diese Ausschweifungen gelten, aber es muB nie 
zu weit darin gegangen werden. [859] 

Der Schwefel, ob er gleich mit einer so dustern Flamme brennt 
verlischt nicht leicht, er halt in einem Luftzuge eher aus, ist dieses 
groBere Verwandtschaft des Oxygens zum Schwefel oder was ist 
es? Das Holzchen bei dem Schwefelstockchen brennt heller und 
schneller, laBt sich aber nicht so leicht entziinden? Was ist das? Ver- 
mutlich hat hier das Einsaugen des Oxygens in das Innere etwas 
Anteil, namlich daB die Schwefelsaure zugleich Warmestoff auf- 
nimmt. [860] 



HEFT L 859-865 513 

Es ist ein groBer Unterschied zwischen einer Hypothese, als ent- 
scheidend aufstellen, und dem Aufsummen von alien moglichen 
Arten von Erklarungen. Denn so lange ich noch von der Wahrheit 
entfernt bin und von gewissen nicht alles noch erschopfenden Satzen 
ausgehe sind mehrere Auflosungen moglich, und eben diese Mog- 
lichkeit ist ein direkter Beweis, dafi wir noch von der Wahrheit ent- 
fernt sind. So lange man diese noch nicht erreicht hat muB man 
alles Moglich [e] mit erkennen NB. NB. Es ist eine Art von Unbe- 
stimmtheit in den Aufgaben. So etwas ist z.B. mein Gedanke vom 
Licht, daB es nur unserer Erde leuchte, erst in dem Wirkungskreis 
anfange zu leuchten: Obgleich der Gegenstand unsers Gesichts auf 
alle Korper fallt, so richtet sich doch alles nach den Gegenstanden 
auf die er r allt, unsere Erde konnte ein Lichtkorper sein, so wie er 
ein magnetischer und ein elektrischer 1st. (NB. medit.) [861] 

So viel ist gewiB, daB bei aller Verschiedenheit der Meinungen 
in dem metaphysischen Teil der Naturlehre, von beiden Parteien 
sehr viel Gutes gemeinschaftlick in der Welt gestiftet werden kann. 
Bei diesem gemeinschaftlichen Gesichtspunkt sollte man haupt- 
sachlich stehen bleiben und iiber die parties honteuses so leise spre- 
chen, als moglich, damit nicht philosophischer Vorwitz reelles 
Ungemach erzeuge. [862] 

Die beruhmten Eisenmassen konnen ja eben so aufgeworfen sein, 
wie die Granit-Blocke usw. [863] 

Es ist nicht zu leugnen daB man bei Erklarung mancher geolo- 
gischen Erscheinungen mit dem Feuer sehr gut auskommt, selbst 
das Steinsalz konnte alsdann verdunstende Seen sein. So auch die 
Basalte. Es brauchten nicht Vulkane selbst sondern nur Nachbar- 
schaft bei denselben zu sein, oder Entwickelung von Warme, wie 
bei den heiBen Quellen. Auf diese partikulare Warme-Entwicke- 
lungen wird bei der Bildung der Kruste zu wenig gedacht. Eine 
Salzbank zu machen erforderte es doch weiter nichts, als eine heiBe 
Salzwasser-Quelle. [864] 

Es ist immer sonderbar, dafi man so viel von unserer Fortdauer 
nach demTode spricht, und so wenig von der Vor-Dauer vor der 



514 SUDELBUCHER 

Geburt. Ich sollte denken, es ware nach unserer sehr { \ 

{ unsicheren ) 

Lage in Riicksicht auf das Zukiinftige wovon uns alles uberzeugt 

sehr viel natiirlicher uns einmal um jene zu bekiimmern. Was 

unsere Erdkruste dereinst gewesen ist, laBt sich denn doch noch 

verniinftig ertraumen. Was aus ihr werden wird davon wissen wir 

nichts. Man muB hier nicht einwenden, wir kennen unsern Geist 

unser Ich besser als die Erde. (Das ist noch eine groBe Frage) Aber 

auch zugegeben, so ist doch ofFenbar, daB wir in die Schltisse, auf 

das was wir sein werden, zu wenig von dem eintragen, was wir 

waren, ich meine vor unserer Geburt. Eine starke Riicksicht auf 

jene Zeit ohne Furcht, wiirde gewiB von EinnuB sein; und mehr 

Auskunft tiber unsern Zustand nach dem Tode geben, als alle unser 

jetziger sophistischer Worterkram. Nach dem Tode miiBte man 

nicht sagen sondern vor dem Leben und nach dem Leben. - Es 

wird wohl einerlei sein. - Hiervon kiinftig mehr. Die Lampe vor 

dem Anzunden und nach dem Ausloschen. [865] 

Ich glaube nicht daB durchKalkiiljeeine groBe Entdeckung in der 
Naturlehre gemacht worden ist. Das ist auch sein Gegenstand 
nicht. Sondern so bald der Zufall oder der praktische Blick etwas 
entdeckt haben, so gibt Mathematik die besten Umstande an; sie 
zeigt, wenn sich die Sache im ganzen so verhalt, welches die beste 
Form und Einrichtung sei. - Weiter nichts. (Medit.) [866] 

Ich sehe gar nicht em, wie das sogenannte Aufier uns sein die Sache 
begreiflicher machen soil, denn wenn sie dadurch begreiilicher 
wird, so ist es ja dann doch wieder die Vorstellung Acs Aufier uns 
seins y die jene Vorstellung unaufhaltbar begleitet, was sie begreiflich 
macht. Wir sind genotigt uns so auszudrucken, dadurch wird aber 
gar nicht entschieden von welcher Seite derZwang liegt. Der Zwang 
kann ja in uns selbst liegen, so gut als aufier uns, wovon schon selbst 
der Ausdruck etwas erbettelt ist. [867] 

Wirkungen, die sich nach der Oberflache in tausend Fallen rich- 
ten miissen sich deswegen nicht immer verhalten wie diese Ober- 
flache; sie konnen zugleich von der Form der Oberflache abhangen. 
Die Elektrizitat gibt hievon die eklatantesten Beispiele, wo sehr viel 



HEFT L 865-874 515 

auf die Verhaltnis der Dimensionen der Flache ankommt, Eben so 
konnen sich Wirkungen wie die Massen verhalten, namlich bei 
gewissen Entfernungen. In der Nahe aber nicht mehr weil da die 
Form der Massen mit in Betracht kommt. (NB. medit) [868] 

Das Quecksilber im schwankenden Barometer, reibt eigentlich 
die Rohre nicht, und doch erzeugt dieses Schwanken Elektrizitat. 
Eben so ist es mit der Elektrizitat, die durch Schmelzung idioelektri- 
scher Korper hervor gebracht wird. Es ist auch ein Rollen, wie je- 
nes. (Diese beiden Phanomene zu vergleichen.) [869] 

Wir konnen die Kraft des Magnets verstarken, so daB er Eisen in 
groBerer Entfernung und starker anzieht. Eben so bei der Elektrizi- 
tat. Sollte es ganz unmoglich sein so etwas fur die Schwere zu tun? 
Wenn wir das Eisen magnetisiercn so gehort dieses gewisser- 
maBen schon zu dieser Klasse von Versuchen. [870] 

Bei der Elektr. mehr Gebrauch von Quecksilber oder selbst 

Wasserflachen zu machen die Wirkung die Verteilung z.B. auf 

diese Flache zu untersuchen ; namlich durch Reflex wie der Licht- 

strahlen. Die Enden des elektrisierten Korpers muBten 

^ ^ sehr rundlich und stumpf sein um die Ebben und Flu- 

* *T> " ten bei a beobachten zu konnen. [871] 

Bei dem Donner ist die Galvanische Bemerkung merkwiirdig, 
die Fischer erzahlt. T.I.p. 962. Besser Baumanns Ubersetzung. 
Cavallo. II.p.255 [872] 

Anthrakoskop nennt Herr v. Humboldt die belebte Nervenfaser 
indem sie vermittelst des Galvanischen Fluidums die Gegenwart des 
kleinsten Teils von Kohlenstoff erzeigt. Hat er wohl den Diamant 
nach diesem Anthrakoskop probiert* Vielleicht steht etwas da von 
in seinem Buche. [873] 

Wenn ein Korper sich in einem Fluido bewegt so verandert er 
gewiB in hundert Fallen die Natur des Fluidi selbst, das ihm zunachst 
liegt. Wenn eine Glas-Rohre im Wasser herum gefuhrt wird, so ist 
das Wasser das ihr zunachst liegt kein Wasser mehr. Es partizipiert 



$l6 SUDELBUCHER 

an der Natur des Glases oder des festenKorpers. Diese diinnste Schicht 
zerbricht mit dem Glase und laBt sich mit ihm im Morser pulveri- 
sieren und bleibt bei dem Glase und vermehrt sein Gewicht, und 
entweicht nicht, wenn nicht ein starkerer Korper kommt zum Bei- 
spiel Losch-Papier, oder Warmestoff, der schmilzt aber auch das 
Eis. So hangt alles zusammen, und ohne die Sache aus diesem Ge- 
sichtspunkt anzusehen, wird sich schwerlich Einformigkeit in das 
Ganze bringen lassen. [874] 

Bei dem Galvanischen Schlag durch AnbringenundAbziehender 
Metalle kann geniitzt werden, was ich irgendwo in diesen Biichern 
bemerkt habe, daB, wenn man die Hand in einen heifien Ofen steckt 
die schmerzhafteste Empfindung zur Zeit des Echo's ist, das sich 
erst zeigt, wenn man die Hand wieder aus dem Ofen heraus hat. 
Hier ist Hitze beim Anbringen und beim Abziehen. (Ich verstehe 
mich.) [875] 

Ubergange alter Dinge einer Art in andere, das letzte Infusions-Tier- 
chen konnte sehr nahe mit dem ersten Garungs-Blaschen verwandt sein. 
Dieses ist einegute Fundgrube. [876] 

Wenn man Schwefel anbrennt z. B. bei einem Schwefel-Holzchen 
so bricht die Flamme mit kleinen Explosionen aus JT) ge- 
meiniglich nach unten zu, vermutlich weil von da {s\C^ die 
neue Luft zudringt. Es ist Entstehung von Vitriol- 
Saure. Die Erscheinung ist merkwiirdig. Was mag das stoBweise 
Entstehen verursachen? [877] 

Sollte wohl die Vernunft, oder vielleicht besser der Verstand, 
wenn er auf Endursachen gerat, besser daran sein als wenn er auf 
ein Diktat des Herzens gerat. Es ist ja noch eine groBe Frage wodurch 
wir am starksten mit der uns umgebenden Welt verbunden sind, 
von Seiten des Herzens oder der Vernunft. [878] 

Schneelinie iiber der Oberflache der Erde. Was mag dieser inner- 
halb der Erde fur eine Warmelinie korrespondieren? und was fur 
Linien dieser Art mag es sonst noch geben? Die elektrische? Die Nord- 
schein-Grenze? usw. t 8 79] 



HEFT L 874-887 517 

Werdet wie die Kindlein: mochte wohl am besten, bei dem Falle 
mit dem StoBe am Stuhle angebracht sein. Es ist Ptokmaisches 
System, wenigstens damit verwandt. [880] 

Critical Examination of the first part of Lavoisier's Elements of 
Chemistry soil gut sein. [881] 

Wenn die Bezauberung der Tiere durch die Klapperschlange 
ganz all[ein] von der Furcht herruhrte, die die Tiere wegen des Le- 
bens ihrer Jungen oder ihrer Eier auBern: so rmiBte man doch wohl 
solche Bezauberung auch durch andre Tiere bemerkt haben, Kat- 
zen, Wiesel selbst Knaben. Doch erzahlte mir Dietrich so etwas von 
der Grasmiicke. (S. Excerpt, p. 1 84.) [882] 

Wenn kein Eisen in der Welt ware wiirde wohl eine magnetische 
Kraft da sein? [883] 

Meine Frage von Kometen; sollte man wohl ein solches Ding 
sehen konnen, wenn man darin ware? steht im Taschen Calender 
fiir 1797. S. 103 unten. [884] 

Mir war es immer wahrscheinlich daB in unserer Atmosphare 
Schichten wie im Mundo elementari entstehen konnen. Dieses 
konnte sehr vieles erklaren, auch selbst bei Donner-Wettern, bei 
Biisch's beruhmter Erfahrung und der so genannten Hohung 
(looming) wovon Herr Hellwag einen Aufsatz in Voigts neuem 
Magazin im ersten Stuck hat. Eserklart auch die so genannten Schaf- 
chen in den Wolken leichter als irgend etwas. - Fiir die Hohen-Mes- 
sungen mit dem Barometer mochte es freilich ein unuberwindliches 
Hindernis sein. Indessen konnte es auch wohl in geringern Hohen 
seltner sein. [885] 

Neue Irrtumer zu erfinden. [886] 

Der Mensch hat sich heutzutage so sehr verstiegen, daB er sogar 
eine Wissenschaf t hat in welcher alle neue Erfindungen Erfrndungen 
neuer Irrtumer und alle neue Entdeckungen Entdeckungen alter 
Irrtumer sind. [887] 



5l8 SUDELBUCHER 

Als ich den i6*£? Mai 1798. wieder in die untergehende Sonne 
etwas lange gesehen hatte und nun die Augen nicht bloB schloB, 
sondern so geschlossen, bald mitderHand bedeckte bald druckte bald 
gegen das Zimmer kelirte usw., kurz allerlei Veranderungen 
machte: so konnte ich furwahr, den Sonnenbildchen auf der Re- 
tina (es waren ihrer mehrere) beinah alle Farben geben. So deutlich 
und schon hab ich es vorher nie gesehen. Es kommt jetzt nun darauf 
an die Umstande alle zu untersuchen, so wird man im Stande sein 
alle die prismatische Farben nach der Ordnung hervorzubringen. 

[888] 

So wie alle Farben, (das WeiBe und Schwarze etwa ausgenom- 
men, welches keine eigentlichen Farben sind,) einen metallischen 
Glanz annehmen konnen: eben so konnen auch die Tone etwas Me- 
tallisches annehmen. Unter den Tonen der Nachtigall sind einige 
die ich metallisch nennen wiirde. [889] 

Am 19 [— ] Mai 98 bemerkte ich wieder den BaB-Ton den eine klei- 
ne SchmeiB-Fliege verursachte, als sie in ein etwas groBes leeres Urin- 
Glas hinein flog. Eben dieses habe ich auch bei einer andern Art 
Fliegen bemerkt. Die gewohnliche Stuben-Fliegen schweben nicht 
lange genug. Was wiirde nicht ein Hummel fur Tone hervor brin- 
gen. Es ist die Wirkung eines Mundstiicks bei der Klarinette, der 
Lippen bei dem Waldhorne, und die Wasser-Erzeugung bei der 
chemischen Harmonika. [890] 

Herr Huber aus Basel, der mich im Mai besuchte, be- 
merkte gegen mich, daB man die Farben bei diinnen Blattchen, 
wenn man sie Eulerisch erklaren wollte, niclit mit Saiten- sondern 
mit Pfeifen-Tonen vergleichen miiBte. Das ist sehr wahr, aber wenn 
wir die Tone einer Pfeife sehen konnten wiirden sie sich so zeigen, 
oder nicht vielmehr eine gemischte Farbe. Doch ist hierbei auch 
wieder an die Chladnischen Figuren zu denken. [891] 

Sollten sich nicht bei Orgeln statt der Luft durch Blasebalge, 
Wasserdampfe gebrauchen lassen? [892] 

DaB Lesage einen primus Motor und Materie forderte, in der 
das nach Kant schon enthalten gedacht wird, was mittelst ihr erst 



HEFT L 888-897 519 

erklart werden soil ist freilich ein Ubelstand auf jenem System (nicht 
tc(jl aber wahr) [893] 

Es ist unstreitig ein Versehen der Atomisten, daB sie eine Materie 
postulieren, und dabei nicht bedenken, daB diese mit StoB Kraft und 
Bewegung begabt zu postulieren fast alles postulieren heiBt. Denn 
wie ein Atom von bestimmter Figur entsteht ist mir nicht um ein 
Haar begreiilicher, als wie eine Sonne entsteht. Es ist schade, daB 
sich die besten Kopfe so gerne an das Unergmndliche wagen, und 
gerne horen, wenn die Menge ihre Verwegenheit anstaunt, und 
lieberWaghalse heiBen wollen, als ruhige Anbauer auf einemGrunde, 
dessen Festigkeit die ganze Welt eingesteht. [894] 

Ist in der schwarzen Farbe der Federn und Pelze mancher Tiere 
auch Kohlenstoff? Warum werden die abgeschabten Stellen der 
schwarzen Pferde gewohnlich weiB. Die weiBen Krahen Mause, die 
weiBen Kopfe der Alten. [895] 

Es ist eine sehr schone Bemerkung die D- Hutton in dem Artikel 
Attraction auBert, wollte man sich in der Physik nicht auf EfFekte 
einlassen, deren Ursachen kein Gegenstand unserer Sinne sind, so 
wiirde eine groBe Lucke entstehen. Will man sich aber auf die Er- 
klarung von Ursachen einlassen, die keine Gegenstande unserer 
Sinne sind, so lauft man Gefahr Luftschlosser zu bauen. Man kann 
also gar wohl bei dem Effekt stehen bleiben, und iiber die Ursache 
denken wie man will. Wegen der Ursache der Schwere schwankt 
Newton: Optics p. 343 neigt er sich zur immateriellen Ursache und 
p. 325 zu einer materiellen (nachzusehen). NB. im Monthly review 
enlarged. Febr. 1798 werden Hutton einige Fehler gezeigt. Doch 
geht die Rezension in diesem Stuck bloB bis J inklusive. - Gegen 
seine Conductors wird eingewendet daB sie nicht taugten wider 
Blitze von der Erde aufwarts ( ?) [896] 

Wenn wir das, was uns nun die Astronomie unwidersprechlich 
lehrt, namlich, daB s